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Full text of "Archiv pro přírodovědecký výzkum Čech"

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15 198 


L161— O-1096 


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https://archive.org/details/archivproprirodo5188obak 


Die  zu  diesem  Bandě  gehórige  Kartě  erscheint  im  Laufe  des  Jahres  1883. 


ERLÁUTERUNGEN 

ZUR 

GEOLOGISCHEN  KARTĚ  DES  EISENGEBIRGES 

(ŽELEZNÉ  HORY) 

UND  DER  ANGRENZENDEN  GEGENDEN  IM  OSTLICHEN  BOHMEN 

VON 

J.  KREJČÍ  und  R.  HELMHACKER 

1881. 

(ARCHIV  DER  N ATURW1SSENSCHAFTL1CHEN  LANDESDURCHFORSCHUM  VON  BOHMEN.) 
(V.  BAND.  NRO  1.  GEOLOOISCHE  ABTHEILUNG.) 

THE  LI BR ARY  OF  THE 

APR  2  3  1938 

UNIVERSITY  (V  IIUND.Í 


DRUCK  VON  Dr.  EDUARD  GREGR. 


PRAG. 

-  IM  COMMISSIONS-VERLAG  BEI  PRANZ  ŘIVNÁČ. 
1883. 


v, 6 


VORWORT. 


Nach  Vollendung  unserer  gemeinschaftlichen  Aufnahmsarbeiten  in  der 
Mitte  von  Bóhmen,  deren  Resultat  in  der  geologischen  Kartě  der  Um- 
gebungen  von  Prag  und  den  sie  begleitenden  Erláuterungen  niedergelegt 
sind,  begannen  wir  im  Jahre  1875  die  detailirten  Untersuchungen  des 
bohmisch-máhrischen  Plateaďs,  u.  z.  vor  allem  des  nórdlichen  Randes  der- 
selben,  des  sogenannten  Eisengebirges,  naclidem  wir  schon  in  den  Jahren 
1873  und  1874  in  einzelnen  Parthieen  desselben  uns  orientirt  hatten. 

Die  Aufgabe,  die  uns  hiebei  vor  Augen  schwebt,  ist  das  Studium 
und  die  moglichst  genaue  geologische  Aufnahme  jenes  grossen  Urgebirgs- 
massivs,  zu  dem  das  bohmisch-máhrische  Plateau  und  der  Bohmerwald 
gehórt,  wobei  allerdings  auch  die  stratigrapliischen  und  tektonischen  Yer- 
báltnisse  der  sich  an  das  Urgebirge  anschliessenden  anderen  Formationen, 
namentlich  des  Silurs  und  Carbons,  der  permischen  und  der  Kreide- 
formation  berucksichtigt  werden  sollen. 

Leider  blieb  der  Fortschritt  unserer  Arbeit  weit  hinter  unserem 
Wunscbe  zuruck,  hauptsáchlich  wegen  der  zu  kurzen  Zeit  und  wegen  den 
zu  geringen  materiellen  Hilfsmitteln,  die  uns  jáhrlich  zu  Gebote  standen, 
dann  auch  wegen  der  ungemeinen  Mannigfaltigkeit  und  Abwechslung  des 
geologischen  Details.  Wie  die  beiliegende  geologische  Kartě  zeigt,  stellen 
wir  aber  dafúr  ein  ganz  neues  und  gegen  die  friiheren,  raschen,  eur- 
sorischen  Aufnahmen  ein  uberraschend  mannigfaltiges,  geologisches  Bild 
des  untersuchten  Terrains  auf. 

Die  bis  jetzt  (October  1881)  vollendete  Arbeit  umfasst  schon  einen 
grossen  Theil  des  óstlichen  Bohmens,  namlich  von  Lysá,  Neu-Bydžov  und 
Kóniggrátz  im  Norden  bis  Sedlčan  und  Humpolec  im  Siiden,  und  von  der 

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Moldau  bei  Kdnigsaal  und  Verměřic  im  Westen  bis  an  die  máhris-che  Gránze 
im  Osten.  Die  vorliegende  Arbeit  enthált  blos  die  nórdliche  Zone  dieses 
ausgedehnten  Terrains  (námlich  die  Blátter  Časlau-Chrudim,  Kóniggrátz- 
Elbe-Teinic-Pardubic,  Hohenmauth-Leitomyšl  der  neuen  Generalstabskarten 
im  Maasstabe  von  1  :  75000)  und  es  wird  sich,  wie  wir  nun  honěn,  an 
dieselbe  die  Veroffentlichung  der  anderen  nordlicheren  Zonen  in  moglichst 
rascher  Folge  anschliessen. 

Im  November  1881. 


J.  K.  und  R.  H. 


Orographische  Einleitung. 


Das  Eisengebirge  umfasst  jeneu,  weniger  durch  seine  Hohe  und  Aus- 
dehnung,  als  durch  seine  orographische  Individualitát  ausgezeichneten  Gebirgswall 
am  nordlichen  Saurne  des  bohmisch-máhrischen  Plateaus,  welcher  sich  aus  der 
Thalebene  des  Elbeflusses  und  aus  dem  Flachlande  des  ostlichen  Bohmen,  zwischen 
Elbe-Teinic  in  SO  Richtung  gegen  Vojnoměstec  erstreckt  und  ohne  allmáhlige 
Vermittlung  ostlich  an  der  máhrisch-bóhmischen  Gránze  niit  dem  Gránzgebirge 
sich  vereinigt.  Die  Lánge  desselben  Yon  NW  nach  SO  betrágt,  u.  z.  von  Elbe- 
Teinic  aus  bis  gegen  Vojnoměstec,  bis  wohin  námlich  die  Individualitát  des  Ge- 
birges  noch  ausgeprágt  ist,  etwa  65  Kmt.  (16  Wegst).  Die  durchschnittliche 
Breite  des  Gebirgszuges  betrágt  etwa  15  Kmt,  (33/4  Wegst.),  obwohl  dieselbe  von 
NW  gegen  SO  allmáhlich  zunimmt. 

Das  Eisengebirge  bildet  die  Gránze  zwischen  dem  Chrudimer  Kreise  im 
NO  und  dem  Časlauer  Kreise  im  SW.  Die  Endpunkte  desselben  liegen  zwischen 
49°  40'  nordlicher  geographischer  Breite,  wenn  von  Kreuzberg  bei  Voinoměstec 
aus,  wo  es  in  das  bóhmisch-máhrische  Gránzgebirge  tibergeht,  zu  záhlen  angefan- 
gen  wird,  bis  etwa  50°  5'  n.  B.;  dann  zwischen  33°  bis  33°  30'  óstlicher  Lánge 
von  Ferro. 

Der  bedeutendste  Theil  des  Eisengebirges  fállt  auf  das  Blatt  Zone  6, 
Colonne  XIII,  der  neuen  Gradkarte  von  Bohmen  im  Maasstabe  von  1  : 75000  n.  Gr. 
Dieses  Blatt  enthált  die  beiden  Stádte  Časlau  und  Chrudim,  zwischen  denen  das 
Eisengebirge  sich  erstreckt.  Im  Blatte  Zone  7,  Colonne  XIV  [Polička-Saar  (Žďár)] 
endet  das  Gebirge,  indem  es  in  das  bohmisch-máhrische  Gránzgebirge  ubergeht. 
Ein  ansehnlicher  Theil  desselben  fállt  noch  in  die  SW  Ecke  des  Blattes  Zone  6, 
Colonne  XIV  (Leitomyšl-Hohenmauth)  und  ein  geringer  Theil  in  das  NO-Eck  des 
Blattes  Zone  7,  Col.  XIII  (Deutsch-Brocl).    Das  NW  Ende  des  Gebirges  nimmt 

i* 


4 


im  Blatte  Zone  5  Colonne  XIII  (Elbe-Teinic,  Neu-Bydžov-Koniggrátz)  blos  einen 
beschránktén  Raum  ein. 

Hier  sind  nur  die  drei  Blátter  Časlau-Chrudim,  Elbe-Teinic-Koniggrátz 
und  Hohenmauth-Leitomyšl  dem  Texte  beigegeben. 

Der  vom  Eisengebirge  selbst  eingenommene  Raum  diirfte,  abgesehen  von 
dem  nicht  genau  bestimmten  Abschluss  desselben  gegen  die  bohmisch-máhrische 
Gránze  zu,  in  runder  Ziffer  etwa  800—900  □  Kmt.  (15  □  Meilen)  umfassen. 

Der  Name  des  Gebirges,  námlich  Eisengebirge  (Montes  ferrei,  Železné 
Hory)  kommt  schon  in  alten  Urkunclen  vor  und  riihrt  offenbar  von  den  ehedem 
in  dieser  Gegend  betriebenen  Eisensteinbergbau  her,  dessen  Reste  noch  jetzt 
súcllich  von  Heřmanměstec  und  am  Fusse  der  Bergrúcken  bei  Vratkov  und  Žlebská 
Lhota  angetroffen  werden. 

Dieser  Name  gerieth  allmáhlich  in  Vergessenheit,  so  dass  in  neuerer  Zeit 
fúr  dieses  doch  so  deutlich  individualisirte  Gebirge  kein  Collectivnaine  gebraucht 
wird.  Die  Erneuerung  der  alten  Benennung  dieses  Gebirges,  die  wir  hier  ein- 
fúhren,  ist  aber  gewiss  sowohl  durch  die  Eigenthumlichkeit  des  Gebirges  selbst, 
als  auch  durch  den  historischen  Werth  des  Namens  gerechtfertigt. 

Das  Eisengebirge  tritt  aus  der  flachen  Gegend  am  rechten  Ufer  der  Elbe 
bei  Bělušic  unweit  Elbe-Teinic  zuerst  nur  in  flachen  Hugeln  von  250 — 260  m. 
Meereshóhe  auf,  und  indem  es  erst  in  der  Richtung  von  NW  gegen  SO  allmáhlich 
an  Hóhe  zunimmt,  schliesst  es  sich  endlich  an  der  bohmisch-máhrischen  Gránze 
an  die  bis  725— 800m-  hohen  Gránzkuppen  durch  unmerklichen  Ůbergang  an. 

Der  Doubravkabach,  der  bei  Ransko  entspringt,  folgt  der  Richtung  des 
Gebirgswalles,  indem  dieser  Bach  den  steileren  SW  Abhmg  desselben  begleitet 
und  sich  von  diesem  Abhange  nur  wenig  u.  z.  hochstens  bis  auf  5l/2  Kmt.  ent- 
fernt.  Bei  der  Mundung  der  Doubravka  in  die  Elbe  durchbricht  dieser  Fluss 
das  nordwestliche  Ende  des  Gebirgswalles. 

An  dem  NO  Gehánge  des  Eisengebirges  entspringen  die  Ohebka  (oder 
Chrudimka),  so  wie  ihre  Zufliisse,  námlich  der  Žejbrobach  bei  Chrast,  der  Iloletínka- 
bach  bei  Zumberg  und  der  Krouna-  (oder  Neuschlosser)  Bach. 

Wie  schon  erwáhnt,  nimmt  mit  zunehmender  Hohe  in  der  Richtung  von 
NW  nach  SO  auch  die  Breite  des  Gebirgswalles  zu.  Bei  Elbe-Teinic  durchbricht 
die  Elbe  den  Húgelwall  in  der  Breite  von  kaum  3  Km. ;  zwischen  Kašparův  Dolík 
und  Chvaletic  betrágt  die  Breite  mehr  als  3  Km. ;  in  der  Richtung  Semtěš-Choltic 
oder  Licoměřic-Heřmanův  Městec  betrágt  die  Breite  aber  schon  8  Klmt.  und 
erweitert  sich  dann  weiter  zwischen  Závratec-Chrudim  schnell  zu  17  Km.,  welche 
Breite  auch  der  Gebirgsmasse  zwischen  Libic,  Nassaberg  und  Chrast  zukommt, 
Zwischen  Ždírec,  Hlinsko  und  Skuč  wáchst  die  Breite  sogar  bis  zu  22  Km.  an. 


5 


Das  allmáhlige  Anstcigen  des  Gebirgskammes  von  NW  nach  SO  ergiebt 
sich  aus  folgenden  Hohenpunkten : 

Bei  Bernardov  265m-,  Vedralka  300m-,  Bílá  Skála  bei  Licoměřic  492m-, 
Stráň  oder  Železné  hory  bei  Zbislavec  566m-,  Bučina  bei  Kraskov  602m-,  Kaňkové 
hory  560m-,  Spálava  bei  Malec  660m- ,  Vestec  666°\  die  Hóhe  bei  Kladné  670m- ; 
die  folgenden  Hohen  von  725 — 800m-  bei  Svratka  und  Čikhaj  gehóren  aber  schon 
dem  bóhmisch-máhrischen  Gránzgebirge  an.  Der  Anfang  des  Gebirges  besitzt  dem- 
nach  an  der  Elbe  nur  Húgelform,  wáhrend  in  SO  Verlauf  desselben  sich  ansehnliche 
Bergriicken  und  Hochfláchen  entwickeln. 

Der  Abfall  des  Gebirgswalles  gegen  SW,  das  ist  gegen  den  Doubravka- 
bach  und  das  Časlauer  Flachland  ist  vom  hochsten  Kaníme  an  unvermittelt 
plótzlich  und  steil,  wáhrend  gegen  das  NO  Flachland  von  Přelouč  und  Chrudim 
sanftere  Abstufungen  einen  allmáhligen  Ůbergang  vermitteln.  Doch  ist  aber  auch 
an  dieser  Seite  die  Individualitát  des  Gebirges  gegeniiber  dem  flacheren  wellen- 
formigen  oder  terrassenartigen  Terrain  deutlich  ausgeprágt. 

Der  von  dem  Doubravkabache  begleitete  steile  SW  Abhang  des  Gebirges 
wird  nur  von  kurzen  und  wasserarinen  Schluchten  durchsetzt,  so  bei  Semtěs, 
dann  unterhalb  der  die  Časlauer  Gegend  beherrschenden  Burg  Lichnice  (Lichten- 
burg),  wo  zwei  Schluchten,  námlich  die  Lovětíner  und  die  vom  Goldbache  (zlatý 
potok)  bewásserte  Třemošnicer  Schlucht  ausmiinden  und  sich  beide  durch  steile 
Felsengruppen  auszeichnen.  Erst  nach  einem  beinahe  schluchtlosen  Verlaufe  des 
Gebirgsabfalles  von  mehreren  Wegstunden  kommen  kurze,  steil  sich  absenkende 
Thálchen  bei  Hoješín,  Spálava,  Kladrub  wieder  zum  Vorschein.  Langer  und  mit 
mehr  ausgesprochenem  Thalcharakter  sind  die  vom  Gebirgsrucken  herablaufenden 
Thalfurchen  des  NO  Gebirgsabfalles.  Solche  zwei  nicht  tiefen,  aber  doch  den 
verwickelten  Bau  des  Gebirges  theilweise  entblóssenden  Thálchen,  sind  das  bei 
Stojic-Chrtník,  welches  bei  Choltic  ausmúndet,  dann  das  schóne  waldige  Thal  von 
Vápený  Podol  und  Prachovic,  welches  unterhalb  Kostelec  bei  Heřman-městec  aus- 
múndet ;  weiter  das  mit  schrofferen  Waldlehnen  auftretende  Thal  von  Citkov  gegen 
Morašic ;  das  felsige  Thálchen  von  Deblov  gegen  die  Ruině  Rabstejnek  und  weiter 
noch  das  Thal  von  Šiškovic  und  Kuchánovic  um  die  waldige  Hůra  herum,  das  bei 
Lhota  mundet.  Das  bedeutendste  Thal  ist  aber  die  von  dem  Ohebka-  (oder  Chru- 
dimka)  Flússchen  bewásserte  Terrainrinne,  die  in  mannigfachen  und  vielfachen 
Krummungen  auf  mehrere  Wegstunden  das  Gebirge  in  der  Mitte  durchsetzt  und 
malerisch  abwechselnde  felsige  und  waldige  Thalbecken  bildend  endlich  bei  Sla- 
tiňan in  das  Chrudimer  flache  Land  eintritt ;  besonders  zeichnet  sich  dessen  Ende 
bei  der  Míihle  „Peklo",  dann  unterhalb  derselben  bis  Práčov  durch  malerische 
mit  schónem  Wald  gezierte  felsige  Parthieen  aus. 


6 


Weiter  óstlich  folgt  die  Žumberger  Hauptschlucht  mit  ihren  drei  oder 
vier  Nebenschluchten,  durch  deren  Vereinigung  sie  entsteht  und  unter  Bitovan 
iiťs  flachere  Hiigelland  iibergeht.  Die  Schlucht  von  Prasetín  gegen  Chacholic,  sowie 
die  sich  mit  derselben  verbindende  Scblucbt  von  Ranná-Leštinka  nimmt  in  der 
Verengung  und  den  rechtsseitigen  senkrechten  Uferwanden  bei  Podskalí  bis  Cha- 
cholic einen  eigenthúmlich  reizenden  Gebirgscharakter  an.  Die  kůrzere  Thal- 
schlucht  von  St.  Anna  bei  Skuč  gehórt  nicht  mehr  dem  eigentlichen  Eisengebirge 
an ;  das  lange  Thal  des  Krounabaches  (Neuschlosserbach)  zwischen  Krouna  bis 
unter  Richenburg  gehort  aber  noch  dem  Eisengebirge  an,  tiefer  jedoch  schon 
dem  ostbohmischen  Plateau.  Die  Thalschluchten  bei  Proseč  liegen  in  ihren  An- 
fángen  schon  im  Systéme  des  bohmisch-máhrischen  Gránzgebirges. 

Das  Eisengebirge  erscheint  in  doppelter  Hinsicht  deutlich  individualisirt, 
und  zwar  namentlich  im  westlichen  Theile,  wo  es  aus  dem  Flachlande  seines  SW 
und  NO  Fusses  rasch  emporsteigt,  und  dann  besonders  an  seinem  SW  Gehánge 
durch  einen  steilen  Abfall  sich  auszeichnet;  dann  auch  in  anderer  Hinsicht,  da 
námlich  auch  der  Gesteinscharakter  desselben  von  den  Gesteinen  des  Flachlandes 
sich  wesentlich  unterscheidet.  Nur  in  der  Náhe  des  bohmisch-máhrischen  Gránz- 
gebirges verlieren  sich  diese  beiden  Merkmale  um  so  mehr,  je  náher  das  Gebirge 
an  die  Gránze  vorruxkt,  wo  endlich  das  Eisengebirge  und  das  Gránzgebirge  in 
einander  ůbergehen. 

Das  Flachland  am  NO  Fusse  des  Eisengebirges  steigt  gerade  so  wie  der 
Gebirgskamm  allmáhlich  in  der  Richtung  von  NW  nach  SO,  also  mit  zunehmender 
Entfernung  von  der  Elbeniederung  gegen  die  Landesgránze  an,  trotzdem  bleibt  aber 
der  Unterschied  zwischen  dem  Eisengebirge  und  dem  sanft  welligen  oder  terassen- 
formigen  Flachlande  unverándert  bestehen,  wenn  auch  die  Hóhe  von  20Om  an  der 
Elbe  bis  274ra-  bei  Heřman-městec,  und  300m-  bei  Luze,  ja  sogar  bis  400m-  in  der 
Terrainstufe  bei  Skuč  ansteigt. 

Der  <SWFuss  des  Gebirges  wird  durch  eine  2  bis  liber  10km-  breite,  flache 
Terrain-Depression  begleitet,  lángs  deren  tiefsten  Steilen  der  Doubravkabach  fliesst, 
Diese  Depression  hat  theils  die  Gestalt  einer  Ebene,  wie  in  NW,  oder  eines  flachen 
Terrains  mit  unbecleutenden  Hugeln  oder  mit  Hiigelstufen,  wie  es  im  SO  dieser 
Depression  der  Fall  ist.  Rechterseits  wird  diese  Depression  durch  den  steilen  Rand 
des  Eisengebirges  begránzt,  der  sich  ohne  Vorstufen  plotzlich  erhebt,  linkerseits 
aber  geht  sie  durch  allmáhlige  Hůgelerhebungen  in  die  welligen  Hochfláchen  des 
súdbohmischen  Gneusgebietes  uber.  Von  Zaboř  an  der  Elbe  bis  Libic  ist  diese 
Depression,  abgesehen  von  einer  Verengung  zwischen  Třemošnic  und  Jerišno,  ganz 
deutlich  ausgeprágt;  von  Libic  an  steigt  sie  stufenweise  bis  Zdirec  an,  und  lásst 
sich  dann  nieder  uber  Kreuzberg  und  Vojnoměstec  bis  Polnička  (Pelles)  erkennen, 


7 


so  dass  in  dieser  Richtung  das  Eisengebirge  von  der  sudbóhmischen  Gneus- 
Hochfláche  scharf  abgesondert  ist.  Das  Terrain  steigt  auch  in  dieser  Depression 
allmáhlich  von  NW  von  der  Elbe  gegen  SO  an,  wie  der  Gebirgskamm ;  denn  bei 
Bernardov  besitzt  es  die  Hóhe  von  rund  210m-,  bie  Časlau  240m-;  die  hóheren  dem 
Fusse  des  Eisengebirges  sich  anschmiegenden  Stufen  derselben  erheben  sich  bei 
Ronov  und  Zavratec  zu  280m-,  steigen  dann  bei  Bestvin  zu  300m-;  bei  Malec 
erreicht  die  Depression  schon  die  Hóhe  von  400m ;  in  der  Ždirecer  Thalfláche 
aber  die  Hóhe  von  500m — 550m\ 

Indem  das  Eisengebirge  in  derselben  Richtung  ebenfalls  allmáhlich  ansteigt, 
bleibt  die  relátive  Hóhe  des  Gebirges  uber  dem  Doubravkabache  im  ganzen 
unverándert,  nur  bei  Malec  wird  sie  merklich  grósser,  nimmt  aber  gegen  die  Grenze 
des  Landes  wieder  ab. 

Der  relative  Hóhenunterschied  des  Kammes  des  Eisengebirges  uber  der 
Časlau-Ždirecer  Terraindepression  betrágt  bei  Bernardov  in  runden  Zahlen  70m-, 
bei  Ronov  (Časlau)  140m-,  bei  Bestvin  160m-,  bei  Malec  260m-,  bei  Štěpánov  wieder 
160m-  und  bei  Kreuzberg  nur  80m\ 

Da  in  der  Depression  des  Doubravkabaches,  sowie  auch  im  Chrudimer 
Flachland  Alluvialbildungen  vorherrschen,  weiter  aber  in  den  flachen  Hugein  oder 
in  den  ebenen  Terrainstufen  die  Kreideformation  auftritt,  und  das  orographisch 
so  deutlich  hervortretende  Eisengebirge  aber  aus  silurischen  Schiefern  und  aus 
ebenso  alten  granitischen  Gesteinen,  theilweise  aber  auch  aus  laurentinischen 
Gneusen  besteht,  so  ist  auch  in  geologischer  Hinsicht  die  Individualitát  des 
Eisengebirges  scharf  ausgeprágt.  Die  Gneuse  des  Eisengebirges,  welche  in  SO 
desselben  vorherrschen,  vermitteln  den  Ůbergang  in  das  Gneus  -  Gránzgebirge 
zwischen  Bóhmen  und  Máhren,  námlich  in  das  Saarer  Gebirge  (Žďárské  hory). 

Im  folgenden  Berichte  sind  die  Resultate  der  Untersuchungen  im  Eisen- 
gebirge so  eingetheilt ,  dass  der  erste  allgemeinere  Theil  die  gemeinschaftliche 
geologische  Beschreibung  dieses  Gebirges;  der  zweite  Theil  aber  die  speciell  von 
R.  Helmhacker  abgefassten  Abschnitte  iiber  die  petrographische  Beschaífenheit 
einiger  Gesteine,  dann  uber  das  Vorkommen  von  beachtenswertheren  MiDeralien  im 
Eisengebirge,  welche  nicht  als  Gesteinsgemengtheile  vorkommen,  und  endlich  als 
Anhang,  die  Beschreibung  einiger  Lagerstátten  nutzbarer  Mineralien  umfasst. 


ERSTER  THEIL 


BESCHREIBUNG  DER  ALLGEMEINEN  GEOLOGISCHEN  VERHÁLTNISSE 

DES  EISENGEBIRGES. 


Die  geologisehen  Verháltnisse  des  Eisengebirges. 

Der  Steilrand  des  Eisengebirges  gegen  die  Časlauer  Thalfláche,  von  der 
an  gegen  SW  das  sudbohmische  Gneusplateau  beginnt,  bildet  eine  scharfe  Gránze 
des  Gebirges.  Auf  dem  Fusse  des  Steilrandes  liegen  in  der  Richtung  von  NW 
nach  SO  die  Ortschaften  Zaboř,  Podhořan,  Třémošnic,  Podhořic,  Studenec,  Kreuz- 
berg  (Krucenburk)  und  Škrlovic.  Am  letz teren  Orte  ist  aber  der  Ůbergang  des 
eigentlichen  Eisengebirges  in  das  bóhmisch-máhrische  Gránzgebirge  (Saarer  Gebirge, 
Žďárské  hory)  im  geologisehen  Sinne  schon  entschieden,  obwohl  das  orographische 
Merkmal  des  Eisengebirges.  námlich  sein  Steilrand,  sich  bis  hieher  fortsetzt.  Der 
angránzende  Theil  des  sudbohmischen  Gneusplateaus,  SW  vom  Steilabfalle  des 
Eisengebirges,  bildet  die  Basis  oder  den  Liegendtheil  des  Eisengebirges  und  besteht 
aus  laurentischen  Gesteinen,  die  in  der  Thaldepression  von  Časlau,  Bestvin,  Libic, 
Kreuzberg  bis  nahé  an  Pelles  (Polnička),  also  lángs  des  Laufes  des  Doubravka- 
baches  bis  zum  Teiche  Žďársko  bei  Pelles  (dem  Quellbasin  der  Sázava)  von  flach 
liegenden  terassenartigen  Terraínstufen  der  Kreideformation,  sowie  von  alluvialen 
Gebilden  bedeckt  werden. 

Das  eigentliche  Eisengebirge  enthált  im  Liegenden,  das  unter  clem  eben 
angedeuteten  Steilabfalle  zu  Tage  tritt,  gleichfalls  laurentinische  Gesteine.  Dieselben 
lassen  sich  zwischen  Elbe-Teinic  bis  Bestvin  nur  als  ein  enger  Streifen  verfolgeu, 
von  hier  aus  aber  erweitern  sie  sich  bedeutend,  namentlich  am  Flíisschen  Ohebka, 
welches  dieselben  durchfurcht.  Das  ostliche  Ende  dieses  Liegendzuges  von  lauren- 
tinischen  Gneusen  des  Eisengebirges  íibergeht  in  der  Richtung  der  Verbindungs- 
linie  Vojnoměstec-Proseč  unmerklich  in  das  bóhmisch-máhrische  Gránzgebirge,  so 
dass  sich  hier  eine  scharfe  Gránzlinie  zwischen  beiden  Gebirgen  nicht  ziehen  lásst, 
so  deutlich  auch  das  Eisengebirge  in  seinem  NW  Verlaufe  individualisirt  erscheint. 

Entweder  unmittelbar  auf  dem  laurentinischen  Steilabfalle  des  Eisengebir- 
ges oder  durch  dazwischen  eingeschaltete  Granitstocke  oder  Granitmassive  getrennt, 
folgen  die  untersilurischen  (huronischen  oder  cambrischen)  Gesteine,  die  gegen  NO 
sich  allmáhlich  verfláchen  und  weiter  nórdlich  unter  dem  flach  gelegenen  Plánerterrain 
des  Kreidesystemes  im  Chrudim er  Kreise  verschwinden.  Besonders  bemerkenswerth 
erscheint  das  zwischen  dem  Laurentin  und  dem  Silur  eingezwángte  Granitmassiv 
von  Seč,  Kamenic,  Nassaberg,  Žumberg,  Skuč,  da  durch  dasselbe  der  Zug  des 
unteren  Silursystemes  in  zwei  grosse  Theile  gespalten  wird.  Der  Hauptzug  des 
Untersilurs  zieht  sich  námlich  von  Elbe-Teinic  bis  Slatiňan,  der  davon  durch 


12 


dieses  Granitmassiv  abgetreimte  Theil  aber  bildet  die  grosse  untersilurische  (cam- 
briscbe)  Schieferinsel  zwischen  Kreuzberg,  Hlinsko,  Skuč,  Richenburg,  die  zwiscben 
den  Laurentingneus  und  zwischen  das  oberwáhnte  Granitmassiv,  sowie  zwischen 
eine  zweite  aber  nicht  mehr  zum  eigentlichen  Eisengebirge  gehorende  Granitmasse, 
námlich  jene  von  Proseč,  eingezwángt  ist. 

Die  Silurgebilde  treten  demnach  im  Eisengebirge  in  zwei  getrennten 
Parthieen  auf,  und  zwar  als  Hauptzug  von  Elbe-Teinic  bis  Slatiňan  und  dann  als 
die  Schieferinsel  von  Hlinsko-Skuč ;  beide  werden  durch  das  Nassaberger  Granit- 
massiv von  einander  getrennt.  Das  Flachland  des  Kreidesystems  zwischen  Elbe- 
Teinic,  Heřman -městec,  Chrudim,  Žumberg,  Skuč,  Richenburg,  Proseč,  schmiegt 
sich  an  die  gegen  NO  flach  abfallenden  Lehnen  des  Eisengebirges  an. 

Es  enthált  demnach  die  geologische  Beschreibung  des  Eisengebirges  folgende 
Parthieen :  1.  Das  anliegende  Gneusgebiet  des  bohmisch-máhrischen  Plateaus  in  der 
Richtung  der  Thaldepression  des  Doubravkabaches.  2.  Das  eigentliche  Eisengebirge. 
3.  Das  Flachland  des  Kreidesystems  NO  vom  Eisengebirge  und  4.  als  Anhang 
die  kurze  Beschreibung  der  auf  den  Karten  Elbe-Tejnic-Koniggrátz  und  Hohen- 
mauth-Leitomyšl  noch  befindlichen  Gesteine,  welche  zwar  nicht  mehr  an  der 
Zusammensetzung  des  Eisengebirges  theilnehmen,  aber  in  den  Rahmen  des  Karten- 
gebietes  fallen. 

1.  Das  SW  anliegende  Gneusgebiet  in  der  Richtung  der  Thal- 
depression des  Doubravkabaches. 

In  cler  Thaldepression  des  Doubravkabaches  von  Zaboř  an  bis  gegen  Pelles 
(Polnička)  tritt  vorherrschend  Gneus  auf  und  zwar  verschiedene  Varietáten  dieses 
Gesteines,  nebstdem  von  untergeordneten  Felsarten  Amphibolitschiefer  in  con- 
cordanten  Einlagerungen,  dann  Granite,  Serpentine,  Troktolite,  Eklogite,  Corsite, 
und  auch  Diorite  als  gang-  oder  stockfórmige  Massen  in  abnormen  Lagerungs- 
verháltnissen. 

Das  Verfláchen  der  geschichteten  Gesteine  des  Doubravkathales  also  der 
Gneuse  und  der  untergeordneten  Amphibolitschiefer,  ist  das  námliche  wie  das 
der  Schichten  im  Eisengebirge,  indem  das  Streichen  derselben  parallel  zur  Rich- 
tung des  Steilabfalles  des  Gebirges  verláuft.  Die  Doubravka-Terrainfurche  ware 
demnach  ein  Lángenthal  mit  einem  SW  zum  siidbohmischen  Gneusplateau  sich 
allmáhlig,  und  einem  zum  Eisengebirge  sich  steil  erhebenden  NO  Gehánge.  Ob 
das  breite  Thal  der  Doubravka  ein  Erosions-  oder  ein  Dislocationsthal  ist,  kann 
vorláufig  bei  dem  Mangel  jeder,  eine  genauere  Ermittelung  der  Bildungsart  der 
Depression  ermoglichenden  Entblossung  nicht  nachgewiesen  werden,  da  gerade 
die  Thalsohle  theils  von  Alluvien,  theils  von  Schichten  des  Kreidesystems  zum 
gróssten  Theile  bedeckt  ist.  Es  sind  iibrigens  beide  Entstehungsarten  móglich,  da 
die  etwas  leichter  erodirbaren  Gesteine  des  Thales  sowohl  fiir  die  Móglichkeit 
einer  Erosion  als  auch  einer  Dislocation  sprechen,  fiir  welchen  letzteren  Fall  die 
tiefere  Auswaschung  durch  die  etwa  in  Folge  eines  Bruches  erfolgte  Lockerung 
des  Gesteines  hátte  veranlasst  werden  kónnen. 


13 


Durchschnittlich  geht  das  Streichen  der  Gneusschichten  nach  108/4h,  das 
Verfláchen  nach  43/4h  mit  47V2°  (aus  20  Beobachtungen) ;  in  einzelnen  Gebieten 
aber  weicht  die  Richtung  des  Verfláchens,  sowie  aúch  der  Neigungswinkel  der 
Schichten  von  dieser  Mittelzahl  bedeutend  ab.  Nur  in  der  Náhe  der  bóhmisch- 
máhrischen  Gránze  bildet  der  sonst  im  Doubravkathale  unverándert  nach  NO  ver- 
fláchende  Gneus  auch  antiklinale  Biegungen,  indem  er  dort  nach  der  Gegenstunde 
verflácht.  Das  Verfláchen  der  laurentinischen  Schichten  in  der  flachen  Kuppe 
Kamajka  zwischen  Nenhof  (Nové  dvory)  und  Chotusic  betrágt  26°  nach  21/2h  (Mus- 
covitgneus);  die  Klippen  im  Dorfe  Zbislav  bei  Bílý  Podol  (NO  von  Časlau)  ver- 
fláchen nach  2íUh  mit  25° — 68° ;  bei  Starkoč  nach  21/4h  mit  55°  (Almandin  fuhrender 
Biotitgneus) ;  bei  Mladotic  (zwischen  Mladotic  und  der  St.  Martinkirche,  mit  44° 
nach  4h  (Amphibolgneus) ;  W  von  Ronov  am  linken  Doubravkaufer  mit  30°  nach 
4V4h  (granatfiihrender  Muscovitglimmerschiefer) ;  O  von  Mladotic  mit  40°  nach 
5l/4\  und  náher  gegen  Mladotic  zu  mit  68°  nach  23/4h  (glimmerreicher  Biotit- 
gneus); zwischen  Ronov  und  Zvěstovic  mit  32°  nach  2b  (Amphibolschiefer) ;  SO 
von  Mladotic  an  der  Wasserwehre  nach  4*/^  mit  42°  (Granitgneus  mit  dicken 
Bánken);  zwischen  Libic  und  Lhotka  mit  35°  nach  6V4h;  von  Lhotka  N  bei 
Malochlín  mit  32°  nach  6V2h  (lichter  Biotitgneus,  im  Liegenden  jedoch  auch  mit 
entgegengesetztem  Einfallen);  zwischen  Vojnomestec  und  Karlov  (Libinsdorf)  mit 
62°,  entgegengesetzt  zur  allgemein  herrschenden  Richtung  des  Verfláchens,  also 
nach  17l/4h  (schuppiger  Gneus);  am  Bráuhaus  bei  Borová  mit  75°  bis  80°  nach 
5l/4h  bis  674\  in  Borová  mit  58°  nach  6V4h  (Biotitgneus);  bei  der  Kirche  von 
Borová  mit  58°  nach  6V4h  (Amphibolgneus),  bei  dem  Dorfe  Velké  Losenice  ober 
dem  Friedhof  mit  28°  nach  51//,  háufiger  aber  wie  unter  dem  Friedhofe  nach 
33/4h  mit  43°  (Biotitamphibolgneusgranit);  bei  dem  Kalkofen  NON  von  Neudeck 
(in  Máhren)  mit  20°  nach  20V4h,  also  auch  entgegengesetzt  (Kalklager  im  kórnigen 
lichten  Gneus). 

Der  Gneus  tritt  als  das  herrschende  Gestein  der  laurentinischen  Formation 
in  der  Doubravka-Thalniederung  erst  von  dem  Húgel  Kamajka  an,  zwischen  Cho- 
tusic und  Neuhof  in  einzelnen  flachen  Kuppen  auf,  die  aus  dem  Alluvium  oder 
aus  den  flach  gelagerten  Schichten  des  Kreidesystems  etwas  hervorragen.  Nórdlich 
von  Kamajka  werden  nur  diese  jungeren  Gesteine,  die  hier  das  Gneusgebiet 
bedecken,  angetroífen,  wáhrend  siidlich  vom  Kamajka  -  Hugel  die  Kuppen  des 
Gneuses  und  von  anderen  laurentinischen  im  Gneuse  untergeordnet  eingela- 
gerten  Gesteinen  um  so  háufiger  und  in  desto  grosseren  Parthieen,  besonders  in 
den  Bachthálern  vorkommen,  je  weiter  man  sich  gegen  SO  entfernt.  Ebenso  ist 
das  linke  Ufer  das  Časlavkabaches,  welches  aber  nicht  mehr  in  das  Gebiet  der 
Kartě  fállt,  da  wo  es  sanft  ansteigt,  aus  Gneus  gebildet.  Von  Moravan  an  in  der 
Richtung  gegen  S  bildet  der  Gneus  schon  zusammenhángencle  Fláchen,  da  die 
iiberlagernden  Gebilde  des  Kreidesystems  hier  abgewaschen  sind. 

Die  Varietáten  des  in  der  Doubravkathal-Depression  auftretenden  Gneuses 
sind  die  folgenden: 

Muscovitgneus ;  derselbe  ist  schuppig  schiefrig  und  tritt  nur  im  Kamajka- 
húgel  und  am  Hiigel  Rambousek,  N  und  SO  von  Časlau  auf;  in  ganz  unterge- 
ordneter  Menge  mit  dem  schuppig  schiefrigen  Biotitgneuse  und  mit  ebenso  unter- 


14 


geordneten  Turmalín  fuhrenden  Gneus  wechsellagernd  in  den  klippigen  Hugeln 
von  Zbislav. 

Biotitgneus;  derselbe  ist  hier  das  gewohnlichste  Gestem.  Bei  Zbislav,  wo 
er  klippige  Hiigel  bildet,  ist  er  kleinschuppig  schiefrig,  mit  der  Schieferung  nach 
parallel  laufenden  biotitarmen  mittelkornigen  Gneusschlieren.  Hier  fuhrt  derselbe 
Almandin  in  grosser  Menge  in  bis  faustgrossen  Stúcken;  nebstdem  ist  gemeiner 
Granát  auch  an  zahlreichen  anderen  Orten  in  diesem  Gneuse  háufig  eingewachsen. 
Schuppig  schiefrige  clúnnplattige  Gneuse  sind  auch  bei  Lhotka  unweit  Malochlin 
zu  finden,  wo  selbst  auch  lichte  biotitarme  Varietáten  vorkommen. 

Sehr  háufig  ist  der  flasrige  Biotitgneus,  welcher  durch  Ůbergánge  mit 
der  vorigen  plattigen  Varietát  verbunden  ist.  Aus  demselben  bestehen  die  schroífen 
malerischen  Schluchten  an  der  Doubravka  bei  Chotěboř;  die  Kartě  zeigt  iibrigens 
die  grosse  Verbreitung  dieser  Gneusart.  Der  flasrige  Biotitgneus  wird  stellen- 
weise  sehr  glimmerreich  und  ist  dann  immer  granatfiihrend,  so  dass  er  dadurch 
ein  Mittelglied  zwischen  Gneus  und  Glimmerschiefer  darstellt.  Diese  Varietát 
findet  sich  namentlich  in  der  Umgebung  von  Vilímov,  wo  sie  stellenweise  Quarz- 
linsen  einschliesst,  und  SW  von  Borová  ausserhalb  des  Kartengebietes,  das  ist  am 
Gradkartenblatte  Deutsch-Brod  (Německý  Brod).  In  der  Richtung  S  von  Mladotic 
und  Třemošnic  bis  gegen  Malejov  etwa  wird  der  Biotitgneus  sehr  grobbánkig,  mit 
undeutlicher  Schichtung  und  halb  granitisch ;  er  ist  als  Granitgrieus  auf  der  Kartě 
ausgeschieden  und  bildet  einige  Klippen  von  granitartigem  Habitus,  die  am  W 
Fusse  der  Kaňková  hora  aus  den  Schichten  des  Kreidesystems  hervorragen.  Ganz 
untergeorclnet  und  zwar  nur  S  von  Ronov  im  linken  Doubravkaufer  findet  sich  ein 
Muscovitglimmerschiefer-Gneus,  also  ein  Mittelding  zwischen  Gneus  und  Glimmer- 
schiefer. 

In  der  Náhe  des  bóhmisch-máhrischen  Gránzgebirges  scheint  der  gemeine 
flasrige  Biotitgneus  in  einen  schuppigen  oder  schuppig  flasrigen  licht  gefárbten 
Gneusgranit,  der  das  vorherrschende  Gestein  des  Saarer  Gebirges  (Žďárské  hory) 
(Gránzgneusgranit)  bildet,  zu  tibergehen.  Sámmtliche  Hohen  des  Gránzgebirges  W 
und  O  von  Škrlovic  und  Čikhaj  (Máhren),  so  clie  Tisůvka,  Žákova  hora  etc.  bestehen 
aus  diesem  lichtgrauen  ziemlich  plattigen  Gneusgranit,  welcher  sowohl  Biotit 
als  Muscovit,  jedoch  beide  in  ziemlich  untergeordneter  und  wechselnder  Menge 
enthált,  wodurch  dann  schuppige  oder  schuppig  flasrige  Varietáten  entstehen.  — - 
Sámmtliche  Gneusvarietáten  des  eigentiichen  Eisengebirges  ándern  sich  gegen  die 
Landesgránze  zu  auch  in  diesen  schuppigen  oder  schuppig  flasrigen  lichtgrauen 
Gneusgranit  (Gránzgneusgranit)  um. 

Dieser  schuppige  Muscovit-Biotitgneus,  in  welchem  bald  die  eine  oder  die 
andere,  immer  untergeordnet  auftretende  Glimmerart  etwas  mehr  in  den  Vorder- 
grund  tritt,  bildet  auch  máchtige  Lagerstócke  in  gewohnlichem  Biotitgueus,  mit 
dem  jedoch  dann  eine  allmáhlige  Verkniipfímg  stattfindet.  Dieser  Gneus  bildet 
wie  an  der  bóhmisch-máhrischen  Gránze  so  auch  in  Bóhmen  selbst  granitálmliche 
Kuppen  oder  an  Granit  erinnernde  Mauern,  welche  aus  aufeinander  geháuften 
Blócken  bestehen.  Wegen  dieser  Eigenschaft  in  platte  Blócke,  deren  Plattung 
mit  der  Schieferung  des  Gneuses  in  keinem  Zusammenhange  s  telit,  zu  zerfallen, 
haben  diese  Gneuskuppen  eine  Áhnlichkeit   mit  Granitbilduugen.    Zu  Mauern 


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und  Klippen  angeháufte  Blocke  sind  auch  an  dem  Berge  Blaník  bei  Louňovic 
ausserhalb  unseres  Kartengebietes  anstehend,  sonst  aber  auch  an  der  Tisí  skála 
zwischen  Golčův  Jenikov  und  Časlau,  dann  aber  auch  S  von  Uhelná  Příbram,  wo 
der  schuppige  Gneus  jedoch  ein  Biotitgneus  ist,  háufig.  Die  stark  Muscovit- 
háltigen  schuppigen  Gneuse  dieser  letzteren  Kuppen  enthalten  durchwegs  Tur- 
malín selbst  in  fingerdicken  Krystallen. 

In  der  Umgebung  von  Gross-Losenic  hart  an  der  Gránze  unseres  Karten- 
gebietes ist  der  Biotitgneusgranit  auch  amphibolháltig,  desshalb  auf  der  Kartě  als 
Biotit-Amphibolgneusgranit  ausgeschieden. 

Amphibolgneus  von  kórnig  schiefriger  Textur  und  deutlicher  Schichtung 
mit  stellenweise  zalilreichen  bis  wallnussgrossen  Granatkornern  findet  sich  gut 
entblosst  in  dem  Thaleinschnitt  der  Doubravka  S  von  Ronov.  Eine  kleinere  Parthie 
ist  bei  Heřman  a  d.  Doubravka  zu  finden.  Derselbe  enthált  wie  die  mikroscopische 
Analyse  zeigt,  ansehnliche  Mengen  von  Plagioklas.  Durch  Hinzutreten  von  Biotit 
iibergeht  er  in  Biotitgneus,  welcher  indessen  in  demselben  auch  zwischengelagerte 
Schichten  bildet.  Der  sehr  deutlich  geschichtete  Amphibolgneus  zeigt  innerhalb 
gewisser,  aus  abwechselnden  Lagen  von  weissen  Gemengtheilen  (Orthoklas,  Plagio- 
klas, Quarz)  bestehenden  Streifen  die  mit  dunklen  Amphibolstreifen  wechsellagern, 
plótzlich  Biegungen  und  Knickungen,  die  auf  locale  Ver- 
schiebungen  innerhalb  einer  Lage  in  einer  Schicht  hin- 
deuten,  wie  es  die  fig.  1.  zeigt.  Schiefriger  Amphibol- 
gneus, ebenfalls  etwas  weniges  Biotit  enthaltend,  ist 
in  Borová  verbreitet  und  stellenweise  sehr  grobstánglig, 
also  gestreckt.  Unter  der  Kirche  von  Borová  sind  Pyrrho- 
tineinsprengungen  an  diesem  Gesteine  zu  bemerken. 

Amphibolschiefer  tritt  im  Gneuse  als  untergeordnetes  geschichtetes  Gestein 
in  der  Richtung  Zehušic-Žleb-Hostačov  auf;  ob  in  einem  zusammenhángendeu 
Zuge,  oder  in  einzelnen,  langgezogenen  lenticularen  Schichtenzúgen,  wie  es  wahr- 
scheinlicher  ist,  lasst  sich  nach  dem  Augenscheine  nicht  náher  bestimmen,  weil  der 
Zusammenhang  des  Zehušicer  unci  Žleber  Vorkommens,  wegen  den  uberlagernden 
Alluvionen  nicht  nachgewiesen  ist.  Der  Amphibolschiefer  besteht  nicht  iramer  blos 
aus  vorherrschendem  Amphibol  und  untergeordnetem  Quarz  in  deutlich  eben- 
schiefriger  Textur,  sondern  er  zeigt  auch  kleine  nesterfórmige  Ausscheidungen  von 
Quarz  oder  von  weissem  Orthoklas  wie  bei  Marko vic  (unweit  Zleb),  wodurch  er 
den  Ůbergang  in  Amphibolgneus  vermittelt,  welche  beiden  Gesteine  von  einander 
iiberhaupt  durch  keine  schárferen  Gránzen  geschieden  sind. 

In  dem  Amphibolgneuse,  der  im  glimmerreichen  Biotitgneus  zwischen 
Kněžic  und  Zvěstovic  auftritt,  sind  einzelne  Schichten  von  Amphibolschiefer  so 
zahlreich  eingelagert,  dass  hier  die  Entscheidung  schwer  zu  treffen  ist,  ob  das 
Gestein  als  Amphibolgneus  oder  als  Amphibolschiefer  zu  bestimmen  sei.  Bei 
Markovic  und  an  dem  eben  angefiihrten  Orte  finden  sich  im  Amphibolschiefer 
parallel  zur  Schieferung  so  zahlreiche  Epidotschniire,  bis  beinahe  von  der  Dicke 
eines  Fingers,  dass  derartige  Amphibolite  auch  als  Epidot-Amphibolitschiefer 
bezeichnet  werden  konnten. 


Fig.  1. 


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Bei  Horka  zwischen  Caslau  und  Golčův  Jenikov  ist  der  deutlich  ge- 
schichtete  Amphibolit  gestreckt.  Bei  Neudorf  (Nová  ves)  SO  von  Vilímov  wird  aber 
der  steil  einfallende  Amphibolit  oder  Amphibolgneus,  in  welchem  Quarz  nur  in 
párali elen  Lager  schnuren  vorkonimt,  durch  bis  lm-  máchtige  Gánge  von  Biotit- 
und  Turmalinpegmatit  durchsetzt. 

In  recht  bedeutender  Menge  findet  sich  Amphibolit  und  Amphibolitgneus 
im  Thale  des  Závěrovkabaches ;  er  erscheint  auf  der  Kartě  des  Eisengebirges 
Zone  6  Col.  XIII  nur  mit  einem  kleinen  Theile  bei  Hraběšín  SSW  von  Krchleb, 
wo  das  Einfallen  der  Schichten,  die  Epidotlagen  enthalten,  im  Mittel  nach  lí)1^ 
30°  betrágt. 

Auch  Lager  von  krystallimschem  Kálk  findet  man  in  dem  Gneuse,  jedoch 
ziemlich  selten;  so  bei  Hostačov,  námlich  vom  Dorfe  am  rechten  Bachufer,  und 
zwischen  Pelles  (Polnička)  und  Kalkofen  bei  Neudeck  (in  Máhren) ;  das  letztere 
Vorkommen  ist  eigentlich  schon  dem  bohmisch-máhrischen  Gránzgebirge  angehórig. 
Bei  Hostačov  durfte  das  Lager  eine  nicht  bedeutende  Machtigkeit  haben,  da  die 
Steinbruche  in  demselben  schon  etliche  Jahre  gánzlich  aufgelassen  sind. *)  Bei 
Neudeck  aber,  wo  der  Kalkbruch  eine  grossere  Tiefe  hat,  wechsellagern  im  Han- 
genden  kórniger,  lichtgrauer  Gneus  mit  Kalkbánken,  in  denen  bláulichgraue 
Streifen  zum  Vorschein  kommen.  Stellenweise  ist  das  Lager  .  als  Cipollin  ent- 
wickelt,  da  es  Muscovitschuppen  eingewachsen  enthált.  Die  aufgeschlossene  Machtig- 
keit von  8m-  entspricht  keineswegs  der  eigentlichen  Máchtigkeit  des  Lagers,  da 
dessen  Liegendes  nicht  entblosst  erscheint. 

Eruptivgesteine,  wie  Granit,  Diorit,  Corsit  durchsetzen  gang-  oder  stock- 
fórmig  die  laurentinischen  Gneusschichten,  jedoch  trotz  dem  háufigen  Vorkom- 
men doch  nur  in  untergeordneter  Weise. 

Lichtgrauer  Gneusgranit  findet  sich  nur  im  Gebiete  des  Gránzgneuses  bei 
Pelles  (Polnička);  Granitpegmatit  aus  weissem  Orthoklas,  lichtrauchgrauem  Quarz 
und  Biotitbláttern  bestehend,  nur  bei  Ronov  unter  der  Korečník-Muhle. 

Grauer  Granit,  ein  Biotitgranit  mit  weissem  Orthoklas,  bildet  im  Bereiche 
des  bohmisch-máhrischen  Gebirges  bei  Račín  einen  ansehnlichen  Stock  im  Gránz- 
gneuse;  weniger  bedeutende  Gangstocke  oder  máchtigere  Gánge  werden  S  von 
Borová  und  W  von  Peršikov,  bei  Vestecká  Lhota  angetroffen.  Das  bedeutendere 
Massiv  von  grauem  Granite  von  Hutě  (W  von  Ransko)  durfte  zum  Rand  des 
grosseren  Granitmassives  von  Benátek  gehóren,  das  von  Kohoutov  an  unter  der 
Ždirecer  Kreideniederung  bis  hieher  sich  fortsetzt.  Die  Granitmasse,  die  auf 
der  Kartě  als  grauer  Granit  ausgeschieden  ist,  ist  eigentlich  ein  Netzwerk 
von  verschiedenen  Gesteinen;  so  von  grauem  Gneusgranit,  dessen  unvollkommen 
schiefrige  Varietáten  háufig  an  der  Gránze  der  Eruptivgesteine  auftreten;  dann 
von  grauem  Granit,  von  Biotitamphibolgranit,  von  Amphibolgranit  und  Syenit, 
welche  Granitvarietáten  sich  in  mannigfacher  Weise  gegenseitig  durchsetzen. 
Ausserdem  treten  hier  aber  auch  Diorite  als  Gangdurchsetzungen  auf,  ja  man 
trifft  auch  schwache  Gánge  von  Corsit  an,  so  dass  bei  dem  so  vielfachen  Gesteins- 
wechsel  sámmtliche  Varietáten  auf  die  Kartě  gesondert  nicht  aufgetragen  werden 
konnten. 


17 


Rother  Granit,  das  ist  ein  mittelkórniger  Biotitgranit,  in  dem  der  fleisch- 
rothe  Orthoklas  die  Fárbung  bedingt,  setzt  iu  schwácheren  Gangstócken  (oder 
máchtigeren  Gángen)  den  Gneus  durch,  so  zwischen  Mladotic  und  Pařížov, 
zwischen  Malejov  und  Špačic,  und  es  sincl  nur  die  máchtigeren  dieser  Vorkomm- 
nisse  auf  der  Kartě  verzeichnet.  Ein  weniger  máchtiges  Massiv  trifft  man  zwischen 
Bílek  und  Střižov  (SO  Chotčboř)  an. 

Der  rothe  Granit  bildet  dann  auch  einen  Contactstock  zwischen  Diorit 
und  Amphibolgranit  einerseits  und  zwischen  flasrigem  Biotitgneus  andererseits, 
und  zwar  O  von  Slavětín  und  Peršikov  (bei  Bansko).  Zahlreiche  Apophysen  des 
rothen  Granites  durchsetzen  den  áussersten,  spáter  noch  zu  beschreibenden  Ring, 
der  die  ebenfalls  weiter  unten  erwáhnten  Troktolit-  und  Corsitkránze  um  die 
Serpentinmasse  der  Waldkuppe  von  Ransko  umhúllt.  Nur  erlaubt  die  Bewaldung 
nicht  immer  die  richtige  Erkennung  und  Deutung  der  Granitgánge  in  dem  áusseren 
Diorit-  und  Amphibolgranitkranze. 

Merkwiirdig  ist  der  porphyrartige  rothe  Gneusgranit,  der  hier  gleichfalls 
als  Contactstock  auftritt  (O  Slavětín,  O  Peršikov)  und  den  regellos  kórnigen, 
mittelkórnigen  rothen  Granit  zu  vertreten  scheint.  Der  ziemlich  kornige  rothe 
Granit  hat,  weil  er  als  Gránzbildung  auftritt,  eine  gneusgranitartige  Textur, 
nebstdem  aber  enthált  er  claumengrosse  Orthoklase  von  weisser  oder  rothlicher 
Farbe  porphyrartig  ausgeschieden. 

Ůberhaupt  sind  in  der  Gegend  von  Borová,  nahé  an  dem  Serpentinmassiv 
von  Ransko  die  Gneuse  von  zahlreichen,  wrenig  máchtigen  Lager-  und  echten 
Gángen  oder  von  blossen  Gangkliiften  und  Gangtrummern  durchschwármt,  wobei 
aber  doch  der  Gneus  so  vorherrscht,  dass  diese  Gánge  ganz  uutergeordnet  bleiben. 
Am  Wege  von  Borová  nach  Vepřové  sieht  man  an  zahlreichen  Stellen  lagergang- 
artige  Triimmer  des  Granites. 

Gneusgranite.  Dieselben  sind  schon  in  der  Gruppe  der  Gneuse  angefúhrt 
worden,  doch  gehoren  sie  hierher.  Das  als  Gránzgneusgranit  benannte  schuppige, 
undeutlich  schiefrige  Gestein  des  Saarer  Gebirges  (Žďárské  hory)  diirfte  eruptiver 
Entstehung  sein,  demnach  trotz  der  Lagerung  in  zum  Gneuse  parallelen  Bánken, 
doch  zum  Granit  gehoren.  Diese  Gránzgneusgranite  greifen  nur  wenig  in  das 
eigentliche  Eisengebirge  ein  und  werden  daher  erst  spáter  in  unseren  náchstfolgen- 
den  Publicationen,  bei  der  Beschreibung  des  bohmisch-máhrischen  Gránzgebirges 
erortert  werden.  Ebenso  sind  die  Biotitgneusgranite  und  Amphibolbiotitgneus- 
granite,  die  ebenfalls  schon  friiher  bei  den  Gneusen  aus  der  Ursache  angefúhrt 
wurden,  weil  ihre  Plattung  und  Schieferuug  parallel  zur  Schichtung  jenes  Gneuses 
streicht,  mit  dem  sie  in  Contact  treten,  eruptiver  Entstehung.  Auch  diese,  namentlich 
bei  Losenic  verbreiteten  Gesteine,  berúhren  den  Rahmen  des  Eisengebirges  nur 
wenig  und  werden  daher  erst  bei  der  Beschreibung  des  Blattes  Deutschbrod  ein- 
gehender  geschildert  werden.  Es  konnte  hier  jedoch  nicht  unerwáhnt  bleiben, 
dass  diese  gneusartigen  Gesteine  trotz  der  an  Schichten  erinnernden  bankweisen 
Absonderung  dennoch  eruptive  Lager  oder  Decken  sind  und  demnach  der  Granit- 
gruppe  zugezáhlt  wrerden  miissen,  trotz  der  parallel  ausgeschiedenen  Glimmer- 
schuppen  oder  Amphibolprismen. 

2 


18 


Diorite  gehóren  in  der  Terraindepression  des  Doubravkabaches  im  mitt- 
leren  Theile  derselben  zu  den  selteneren  Erscheinungen,  indem  man  nur  W  von 
Biskupic  in  der  Bachschlncht  einen  Dioritgang  entblosst  findet.  Dafiir  treten  sie 
aber  in  dem  Massiv  der  Ranskokuppe  als  áusserster  Kranz  um  den  Corsitring 
auf.  Hier  sind  dieselben  von  zahlreichen  Gángen  von  Amphibolgranit,  wohl  auch 
von  rothem  Granit  durcbsetzt ;  aber  wegen  der  Bewaldung,  die  eine  náliere  Erken- 
nung  der  Gesteinsgránzen  nicht  zulásst,  konnte  hier  eine  gesonderte  Ausscheidung 
beider  Gesteine  in  der  Kartě  nicht  vorgenommen  worden,  weshalb  alles  als  Diorit 
verzeichnet  erscheint.  Einzelne  stockformige  Gánge  dioritischer  Gesteine  begleiten 
das  Stockmassiv  von  Ransko,  und  eine  solche  Masse  ist  auch  zwischen  Borová 
und  Peršikov  eingezeicb.net. 

Eines  der  merkwiirdigsten  Gesteine  im  Gebiete  des  Eisengebirges  ist  der 
Corsit.  Derselbe  tritt  im  Doubravkathale  in  bedeutenden  Massen  auf.  Ein  bedeuten- 
der  Gang  des  Corsits  streicht  von  der  heil.  Kreuzkirche  (S  von  Ronov)  am  rechten 
Fig  2.  Doubravkaufer  von  NNW  nach  SSO,  indem  er  unter- 

NO  1:10000  Doubravka  >SW  halb  von  Mladotic  die  Doubravka  durchsetzt  und  hinter 
j  dem  bestandenen  Mladoticer  Maierhofe  sich  auskeilt. 

jrfffM*  (Fig-  2.)  Nórdlich  tritt  in  der  Richtung  des  Gangstrei- 
Gneus  Corsit  Amph.-Gn.  chens  eine  kleinere  Masse  S  von  Ronov  in  den  Schichten 
des  Kreidesystems  und  siidlich  im  angeschwemmten  Lehm  auf,  námlich  NO  nahé  bei 
Moravan  zum  Vorschein.  Der  Corsit  ist  kornig,  im  súdlichen  Theile  grosskornig, 
so  dass  stellenweise  bis  beinahe  handgrosse  Stiicke  von  ziemlich  reinem  kornigen 
Anorthit  aus  demselben  herausgeschlagen  werden  konnen.  Bei  der  heil.  Kreuz- 
kirche aber  (S)  ist  derselbe  schiefrig  kornig,  wohl  wegen  der  nahen  Gránze 
mit  Gneus. 

In  sehr  bedeutender  Menge  findet  sich  der  Corsit  in  der  Gestalt  eines 
bis  800 — 900  Schritt  breiten  Kranzes  um  die  ganze  Waldkuppe  bei  Ransko,  in- 
dem dessen  áusserer  Kranztheil  sich  an  dioritische  Gesteine,  der  innere  aber  au 
olivinháltige  Gesteine  (Troktolite)  anlehnt.  Gegen  innen  zu  nimmt  der  Corsit 
Olivin  auf  und  vermittelt  so  den  Ůbergang  in  Troktolit.  OS  von  Ransko,  da  wo 
derselbe  in  der  Náhe  des  unteren  Theiles  des  Řekateiches  verwittert  und  halb 
aufgelost  erscheint,  wird  er  deckenartig  von  erdigem  Limonit  bedeckt.  Dieser 
Limonit  ist  offenbar  durch  die  Zersetzung  desselben  entstanden,  da  er  durch 
Adern  und  allmáhlige  Veránderung  des  Gesteines  in  denselben  ubergeht.  Die 
náheren,  den  Corsit  betreífenden  Bemerkungen,  werden  in  der  petrografischen 
Abtheilung  erláutert;  die  das  Erz  betreffenden  Angaben  aber  sind  im  Anhange 
enthalten. 

Innerhalb  des  Corsitkranzes  liegt  noch  ein  Kranz  von  Troktolit,  eines  Olivin- 
gesteines  (mit  Anorthit,  Bronzit  und  Diallag)  von  ziemlich  wechselnder  Zusammen- 
setzung,  das  gegen  den  Corsit  zu  in  denselben  íibergeht,  gegen  den  Serpentin 
aber,  der  den  Kern  der  Kuppe  bildet,  beinahe  ganz  in  diesen  sich  umbildet. 
Auch  auf  dem  Troktolite,  u.  z.  auf  einer  schon  in  den  Serpentin  ubergehenden 
Varietát  desselben,  findet  sich  erdiger  oder  oolithischer  Limonit  in  Deckenform, 
mit  einzelnen  schartigen  Boden-Unebenheiten,  die  aus  einem  noch  nicht  zu  Limonit 
umgewandelten  Gesteine  bestehen.    Dies  bezieht  sich  namentlich  auf  den  S  und 


19 


O  Abhang  der  Ranskokuppe,  wo  aucli  Pyrrhotin-  und  Pyrit-háltige  Diorite  in  Gang- 
form  auftreten. 

Ein  ganz  áhnliches  Troktolitgestein  findet  sictí  in  clem  Mladoticer  Corsit- 
gange  gegeniiber  der  St.  Martinkirche. 

Serpentin  bildet  den  Kern  der  Waldkuppe  bei  Ransko  und  wird  daselbst 
durch  Troktolit  umfasst,  aus  dessen  Zersetzung  er  entstanden  ist.  Scharfe  Gránzen 
zwischen  Serpentin  und  Troktolit  bestehen  demnach  nicht.  Der  mittlere  Durch  - 
messer  des  etwas  ovalen  Serpentinkernes  der  Kuppe  diirfte  2  Km.  betragen.  Auch 
am  Serpentin  tínden  sích  an  gewissen  Stellen  Decken  von  erdigem  Limonit,  dessen 
Entstehung  offenbar  aus  Serpentin  herzuleiten  ist.  Der  Anhang  wird  dariiber  das 
Náhere  enthalten. 

Auch  im  Gneuse,  also  ausserhalb  der  Kuppe  von  Ransko,  rinclet  sich 
Serpentin  in  Forin  von  schwachen  Gángen,  so  am  rechten  Bachufer  beini  Bráu- 
hause  in  Borová,  clann  in  Lagerstocken  in  Železné  Horky  und  bei  Bělá;  jedoch 
liegen  letztere  Vorkómmnisse  schon  zu  weit  ausserhalb  des  Rahmens  der  Kartě, 
und  fallen  auf  das  Kartengebiet  von  Deutschbrod.  Ebenso  ist  auch  der  Corsitgang 
von  Mladotic  im  Dorle  selbst  u.  z.  knapp  unterhalb  der  Miihle  im  rechten  Ufer 
von  einem  kleinen,  kaum  200  Schritte  breiten  Massiv  von  Serpentin  begleitet. 

Ein  echter  Lagerstock  von  Serpentin  im  Biotitgneuse  zwischen  Eklogit 
im  Liegenden  und  Amphibolschiefer  im  Hangenden  eingebettet,  findet  sich  zwischen 
Borek  und  Kraborovic,  SO  von  Vilímov.  Der  zur  Schichtung  des  Gneuses  parallel 
platteníórmig  abgesonderte  Serpentin,  in  der  Machtigkeit  von  120— 130m-  und 
einer  bedeutencl  grósseren  Lánge  dem  Streichen  nach,  bildet  ein  sehr  instructives 
Beispiel  von  der  concordanten  Einlagerung  clieses  Gesteines  im  Gneuse. 

Der  Eklogit  tritt  hier  nur  als  ein  ganz  untergeorclnetes  Gestein  auf, 
indem  es  im  Liegenden  des  eben  erwáhnten  Serpentines  zwischen  Borek  und  Kra- 
borovic (oder  Zdanic)  ein  etwa  100  Schritte  máchtiges  Lager  bildet.  Dieses  Eklo- 
gitlager  hat  eine  ziemlich  deutliche  Schichtung  unci  besteht  aus  bis  wicken- 
grossen  Granatkornern  und  meist  sehr  feinkornigem  bis  dichtem  licht  grasgriinen 
Amphibol,  stellenweise  auch  aus  grasgriinem  kleinstengligem  Amphibol.  Das 
Gestein  ist  von  bedeutender  Festigkeit  und  wird  an  seinem  klippigen  Ausbisse 
von  losen  Blocken  mit  narbig  abgewitterter  Oberfláche  begleitet.  Das  Liegende 
des  Eklogites  bildet  flasriger  Biotitgneus,  wáhrend  das  Hangende  aus  Serpentin 
besteht.  Das  Verfláchen  sowohl  des  Gneuses  als  des  Eklogites  betrágt  80°  nach  21//. 

Die  Thalniederung  des  Doubravkabaches  ist  von  horizontalgeschichteten 
Gesteinen  des  Kreidesystems  ganz  oder  zum  Theil  ausgefiillt,  indem  spátere  Aus- 
waschungen  die  in  diesem  Terrain  abgelagerten  Schichten  zerstorten.  Im  Gebiete 
der  Elbenieclerung  finden  sich  nur  Alluvien,  welche  theils  das  Kreidesystem,  theils 
den  von  derselben  durch  spatere  Abwaschung  entblossten  laurentinischen  Unter- 
grund  bedecken. 

Am  rechten  Elbeufer  in  der  Fortsetzung  des  Doubravkathales  bilden 
Kreidegebilde  die  niedrige  Terasse,  welche  von  Lžovic  gegen  Jelen  sich  hinziehend 
am  letzteren  Orte  clen  terassenartigen  Charakter  verliert.  In  clem  eigentlichen 
Doubravkathale  begleiten  die  Schichten  dieser  Formation  clen  Steilabfall  des  Eisen- 
gebirges  von  Zaboř  (Station  Elbe-Teinic)  liber  Bernardov  bis  Horušic  als  ein  nicht 


20 


breiter  Streifen.  Von  hier  an  erweitert  sich  dieser  Streifen  becleutend,  und  es 
treten  auch  einzelne  flaclie  Iuseln  der  Kreidegesteine  aus  den  jungeren  Anschwem- 
mungen  hervor,  oder  komraen  an  den  flachen  Ufern  des  Čáslavka-  und  Klenárka- 
baches  zwischen  Gneus  und  Lebm  zu  Tage,  so  namentlich  in  der  Ricbtung  der 
Bach thálchen  von  Cirkvic  uber  Třebešic,  Caslau  gegen  Drobovic.  Hauptsáchlich 
aber  sind  diese  Gebilde  am  rechten  Doubravkaufer  verbreitet,  wo  sie  in  immer 
hoheren,  ganz  flachen  Stufen  ansteigen,  je  mehr  sie  sich  dem  Steilabfalle  des 
Eisengebirges  náhern.  Am  breitesten  ist  der  Zug  bei  Žleb,  denn  da  reicht  er  der 
Breite  nach  von  Licoměřic  bis  Žleb,  also  auf  6  Km.  ohne  alle  jiingere  Bedeckung, 
setzt  sich  aber  noch  linkerseits  der  Doubravka  unter  der  Lehmbedeckung  fort. 
Von  Zleb-Ronov  tritt  in  der  weiteren  SO  Fortsetzung  des  Streifens  des  Kreicle- 
systems  abermals  eine  bedeutende  Verengung  seiner  tafelartigen  Fláchen  ein,  u.  z. 
erreicht  dieselbe  am  Fusse  der  Kankové  Hory  zwischen  Bestvín  und  Třemošnic 
ihr  Minimum  von  l/4  km.  Mit  nur  geringer  Breite  setzen  die  flachen  Stufen  am 
Steilabfalle  des  Eisengebirges  von  Bestvín  liber  Rostein,  Chuchle,  Čečkovic,  Lhota, 
Malec,  Lány,  Lhůta,  Kladrub  fort,  doch  so,  dass  zwischen  Malec  und  Libic,  wo 
der  Hradišťberg  einen  weit  erkennbaren  Tafelberg  bildet,  abermals  eine  Aus- 
breitung  stattfindet,  die  nach  den  tafelartigen  Fláchen  weithin  sichtbar  ist. 
Nach  einer  abermaligen  Verengung  bei  Štěpánov  tritt  eine  tafelartige  Erweiterung 
bis  Bílek  und  Malochlín  auf,  von  wo  der  Zug  uber  Studenec,  Kohoutov,  Kreuz- 
berg,  Vojnoměstec,  Karlov  und  noch  etwas  daniber  sich  ausdehnt  und  das  Steil- 
gehánge  des  Eisengebirges  noch  einigermassen  andeutet,  so  dass  er  bei  clen  Teichen, 
durch  welche  die  in  dieser  Gegencl  entspringende  Doubravka  hindurchfliesst,  sein 
Ende  erreicht. 

Wie  iiberall  in  Bohmen,  besteht  das  Kreidesystem  auch  hier  aus  cenomanen 
unci  turonen  Schi chtěn,  das  ist  aus  Quadersandsteinen  und  Plánem.  Die  tieferen 
Sanclsteine  (Quader)  sind  theils  von  den  Plánem  bedeckt,  und  treten  nicht  immer 
ganz  deutlich  zu  Tage,  besonders  cla,  wo  ihre  Máchtigkeit  gering  ist ;  theils  treten 
sie  auch,  wo  námlich  clie  jungeren  turonen  Glieder  weggeschwemmt  sind,  als 
zerbrockelte  Sanclsteine,  das  heisst  als  lockere  Sande  oder  Schotter  auf,  und 
konnen  von  flúchtigen  Beobachtern  leicht  mit  Alluvial-  oder  Diluvialgebilden  ver- 
wechselt  werden. 

Die  tiefere  Quaderstufe  oder  die  Perucer  Schichten,  námlich  das  untere 
Cenoman,  eine  limnische  Bildung,  trifft  man  als  zerbróckelten  Sandstein,  also 
als  Sand  und  Schotter  in  den  tiefsten  Lagen  der  Kreideschichten  an,  so  bei  Vrdy, 
Vinař,  bei  dem  Ronover  Teiche  und  in  den  Gehángen  des  Hostačovkathales  und 
seiner  Nebenthálchen  von  Žleb  angefangen  uber  Biskupic,  Kamenný  Most  gegen 
die  Eisenbahn-Station  Golčuv  Jenikov,  bis  in  clie  Náhe  der  Stadt  selbst,  danu  bei 
Hostačov  und  Zvěstovic.  Hier  bedecken  Lehme  die  letzten  Reste  der  zerfallcnen 
Schichten,  clie  sich  noch  auf  ziemlichen  Hohen  ausbreiten.  Solche  zerbrockelte 
und  vor  spáterer  Abschwemmung  geschiitzte  Reste  finden  sich  noch  westlich  von 
Golčuv  Jenikov  zwischen  Podmok  und  Nová  ves,  bei  Ostružno,  dann  bei  Malec, 
am  W  Fusse  des  Berges  Hradiště  bei  Libic,  wo  namentlich  der  Zusammenhang 
dieser  losen  Sande  mit  den  wenig  festen,  den  Fuss  des  Hradiště  bildenden  Sand- 
steinen  gut  erkennbar  ist.    Zwischen  Podmok,  Vlkaneč  und  Nová  ves  (ÍFvon 


21 


Golčův  Jeuikov)  bestehen  die  allertiefsten,  auf  Gneus  aufruhenden  Lagen  aus 
einem  lichtgrauen,  sandigen  oder  sandig  glimmerigen  Thone,  der  vordera  gewiss  die 
Beschaffenheit  eines  sandigen  Schieferthones  hatte,  und  auf  ihm  liegen  lose  zer- 
bróckelte  Gebilde,  die  offenbar  nichts  anderes  sind,  als  zu  Scliotter  zerfallene 
Conglomerate  und  Sandsteine.  Die  Gerolle  des  Schotters  bestehen  aus  bis  apfel- 
grossen,  halbdurchsichtigen  oder  weissen  Quarzstucken.  Die  bedeutendste  Máchtigkeit 
dieser  theilweise  spáter  abgescliwemmten  weissen  Scliottermassen  betrágt  an  den 
Bahneinschnitten  bei  Kozohled  bis  4m- 

Solclie  zerfallenen  Reste  der  tiefsten  cenomanen  Schichten  sind  hier  uberall 
von  Lehm  begleitet,  so  dass  derselbe  vielleicht  als  Vertreter  der  allertiefsten 
thonigen  Lagen. zu  betrachten  ist.  Der  Lehm  ist  von  gelbbráunlicher  Farbe  und 
lásst  stellenweise  seinen  Ursprung  noch  erkennen,  cla  er  kleine  lichte  Quarz- 
gerólle  enthált. 

Es  gibt  noch  mancherlei  solcher  Lehme  mit  Quarzgerollen  auf  den  Gneusen 
zwischen  Časlau  und  Roth-Janovic,  und  zwischen  Golčův  Jenikov  und  Habern, 
allein  dieselben  sind  wegen  ihrer  verháltnissmássig  geringen  Máchtigkeit  auf  die 
Kartě  nicht  aufgetragen  worden.  Dieselben  cliirften  die  allerletzten  noch  nach- 
weisbaren  untersten  Schichten  der  limnischen  Stufe  des  Kreidesystemes  darstellen. 

Dort,  wo  auf  den  Schottern  der  Perucer  Stufe  Lehmlagen  ausgebreitet 
sind,  verdanken  dieselben  ihren  Ursprung  den  zerfallenen,  mergelig  sandigen 
Schichten  der  obercenomanen  oder  Korycaner  Stufe. 

Bei  Malec  fiihren  die  liegendsten  Schichten,  námlich  die  zu  Thon  und 
Letten  zerfallenclen  Schieferthone,  sowie  die  losen  Sande  auch  Brocken  von  Limonit 
und  versteinerte  Striinke,  welche  als  Palmacites  varians  Gópp.  bekannt  sind. 

Die  Fortsetzung  der  Sandsteine  unci  ihres  zu  weissem  Sand  oder  Schotter 
zerfallenen,  abgeschwemmten  Randes  lásst  sich  uber  Libic,  Bezděkov,  Lhotka 
Hořilová  verfolgen ;  bei  Podmoklan  sind  dieselben  von  Rašen  und  Ackererde  beinahe 
ganz  verdeckt,  sie  werden  aber  durch  die  reichlich  aus  denselben  entspringenden 
Quellen  angedeutet.  Erst  wieder  auf  der  Kuppe  von  Ransko  fiuden  sich  ein- 
zelne  schwache  Lagen  von  lichtgrauem  lettigem  Thone,  die  als  zufállig  nicht 
weggeschwemmte  letzte  Reste  der  tiefsten  zerfallenen  Schieferthonschichten  zu 
deuten  sind. 

Das  linke  Ufer  des  Teiches  Řeka,  das  ist  der  ostliche  Fuss  der  Ransko- 
Kuppe  besteht  aus  losen  Sanden ;  der  Rand  der  tafelartigen  Kuppen,  unter  welchen 
der  Zufluss  des  Řekateiches  (Doubravka)  sich  windet,  wird  aber  von  Sanclsteineu 
gebildet,  die  in  clen  liegenden  Schieferthonen  W  von  Hluboká,  Nester  von  zu 
schwarzer  Braunkohle  umgewandelten  Striinken  fiihren.  Auch  SO  von  Vojnoměstec 
breiten  sich  derartige  Sandsteine  aus,  und  es  wurde  in  denselben  an  der  Strasse 
zwischen  Vojnoměstec  und  Karlov,  auf  Nester  von  schwarzer  Braunkohle  geschíirft. 
Diese  Sandsteine  folgen  nun  dem  Laufe  der  Strasse,  von  welcher  sie  W  liegen,  bis 
an  die  Ufer  des  Teiches  Velké  ŽcTársko,  nur  sind  dieselben  um  so  mehr  zer- 
brockelt  und  zerfallen,  je  sudlicher  man  sie  antrifft.  Die  liegenden  lettigen  Schiefer- 
thone  bilden  uberhaupt  eine  schwache  Lage  in  der  ganzen  Teichnieclerung  des 
Velké  Zdarsko,  und  da  sie  kein  Wasser  durchlasseii,  so  sincl  sie  clie  Ursache 
der  hier  máchtig  entwickelten  Torfbildung. 


22 


Siidlich  vom  Teiche  Velké  ZcTársko  treten  noch  einzelne  letzten  Reste  von 
Letten  (weissen  Thonen)  oder  weissen  Sanden  auf,  und  sind  offenbar  die  letzten 
Ausláufer  der  tiefsten  cenomanen  Schichten,  die  also  beinahe  bis  Pelles  (Polnička) 
sich  erstrecken. 

Die  náchst  hoheren  marinen  oher cenomanen  Sandsteine  oder  Korycaner 
Schichten,  bilden  die  Terasse  von  Lžovic,  westlich  am  rechten  Elbeufer;  lángs 
des  Doubravkathales  aber  ziehen  sie  sich  als  ein  enger  Streifen  von  Zaboř 
(Station  Elbe-Teinic)  bis  Kašparův  Dolík,  indem  sie  sich  an  den  Steilabfall  des 
Eisengebirges  anschmiegen,  dann  aber  von  turonen  Schichten  bedeckt,  nur  in  ein- 
zeinen  kleinen  inselartigen  Streifen  zwischen  dem  laurentinischen  Steilabfalle  und 
der  Plánerdecke,  insofern  sie  bis  zu  demselben  reicht,  zum  Vorschein  kommen; 
so  etwa  NW  von  Semtěš,  in  Podhořan,  zwischen  Podhořan  und  Licoměřic.  Hier 
úberall  sind  die  Sandsteine  leicht  zerbrockelich,  etwas  griinlich  gefárbt,  mit  Aus- 
nahme  des  rechten  Elbeufers,  wo  dieselben  ein  kalkiges  Binclemittel  und  ziemlich 
zahlreiche  Versteinerungen  besitzen.  Auch  bei  Žehusic  finden  sich  diese  Sandsteine 
am  Fusse  einer  unbedeutenden  Plánererhóhung. 

Ebenso  treten  diese  Sandsteine  in  clem  rechten  Ufer  des  Časlavkabaches 
zwischen  Drobovic  und  Časlau,  sowie  in  der  geringen  Bodendepression  von  Filopov 
(bei  Časlau)  auf.  In  der  Náhe  von  Gneuskuppen,  wie  bei  der  Kamajka  (N  von 
Časlau)  oder  bei  Zbislav  sind  die  Korycaner  Schichten  theils  als  kalkige  Sand- 
steine oder  Kalksteine,  theils  als  mergelige  Thone  entwickelt,  auf  denen  Reste  von 
abgeschewmmten  Pláner  vorkommen ;  sie  enthalten  in  den  Spalten  und  sackartigen 
Vertiefungen  des  Gneusgrundes  zahlreiche  Versteinerungen,  meist  Ostreen. 

Von  Vinice  iiber  Vinař  bis  Žleb  und  von  da,  nach  theilweiser  Be- 
deckung  von  Lehm,  erscheinen  diese  Schichten  wieder  bei  Biskupic  und  Ronov, 
von  wo  sie  sich  unter  die  heil.  Kreuzkirche  bis  Třemošnic  fortsetzen  und  den 
Fuss  der  Pláner  Terrainstufe  bilden.  Bei  Ronov  (heil.  Kreuzkirche),  sind  die  Sand- 
steine wieder  sehr  kalkig  und  enthalten  zahlreiche  Versteinerungen  von  Exogyra 
columba,  Cidaris  vesicularis,  Ostreen  und  andere. 

In  der  Hostačovkaschlueht,  dann  na  Písku  (Sand)  NNO  von  Golčův  Jenikov 
sincl  iiber  den  zu  Sand  zerfallenen  Perucer  Schichten  stellenweise  auch  noch  Reste 
von  gríinlichen  wenig  Zusammenhang  besitzenden  Korycaner  Sanclsteinen  bei  Žehub 
und  Biskupic  zu  sehen. 

Einzelne  abgerissene  Fetzen  von  obercenomanen  Schichten  finden  sich 
auch  zwischen  Sirakovic  und  Golčův  Jenikov,  dann  zwischen  clem  Dorf  Nasavrky 
und  Klášter  (bei  Vilímov).  Doch  bestehen  hier  diese  Schichten  aus  důnnplattigen 
sandigen  glaukonitischen  Plánermergeln,  welche  theils  an  die  Malnicer  Sandsteine 
(Glaukonitsandstein),  theils  an  echte  Pláner  erinneru.  Die  echten  Pláner  enthalten 
nie  Sandkorner  bis  zur  Erbsengrosse,  wie  solche  wenn  auch  nicht  vorherrschend, 
in  diesen  glaukonitischen  Mergelplatten  vorkommen. 

Von  Třemošnic  bis  Heřmáň  finden  sich  diese  Sandsteine  am  Fusse  der 
Plánértafelfláchen  entwecler  gar  nicht  vor  oder  sind  sie  so  wenig  máchtig,  dass 
sie  sich  der  Beobachtung  entziehen.  Von  Heřman  an  aber  begleiten  sie  den  Fuss 
des  Plánerplateaus  iiber  Malec,  Hranice,  Libic,  Štěpánov,  Odrán ec,  Podmoklan, 
Branišov,  Bílek  und  lángs  der  Eisenbahn  von  Bílek  nach  Nová  Ves,  hinter  welcher 


23 


sie  unter  dem  Alluvium  verschwindeu.  Weiter  erscheinen  diese  Sandsteine  noch  SO 
von  Vojnoměstec  und  umfasseu  die  Plánerkuppe  vom  Teiche  Řeka  an  bis  gegen 
Rad  o  stín.  3) 

Die  zweite  Stufe  des  Kreidesystems  oder  das  unterste  Turon,  durchgehends 
aus  Plánem  bestehend,  ist  am  meisten  entblosst.  Diese  Stufe  íiberlagert  von  Sulovic 
an  die  Korycaner  Sandsteine,  stosst  aber  bis  auf  die  wenigen  oben  schon  erwáhnten 
Ausnalimen  unmittelbar  an  den  laurentinischen  Steilabfall  des  Eisengebirges  an, 
iudem  die  Schichten  des  Pláners  gegen  denselben  zu  staffelformig  sicli  erheben. 
Uber  das  linke  Doubravkaufer  setzen  die  Plánerschicbten  nur  an  wenigen  Orten 
iiber,  so  bei  Žehusic  und  Bezděkov  (bei  Štěpánov),  und  zwar  an  beiden  Orten  nur 
als  diinne  Platteniiberreste.  Auch  am  Rouzeníberge  bei  Nové  Dvory  (Neuhof,  S 
von  Heřmáň)  bildet  der  Pláner  von  der  Hauptmasse  derselben  abgesondert,  eine 
kleine  Insel.  Uber  Radostín  setzen  die  Plánerscliichten  nicbt  weiter  fort,  obzwar 
die  Reste  des  Untercenomans  noch  auf  eine  weitere  SO  Entfernung  von  5  Kilom. 
sich  erstrecken. 

Sámmtliche  Plánerbánke  sind  horizontál  gelagert,  und  wenn  auch  in  der 
Terasse  bei  Kubíkové  Duby  ein  Verfláchen  der  Bánke  gegen  das  Eisengebirge, 
also  nach  iVO,  bei  Kreuzberg  aber  vom  Eisengebirge  weg,  also  nach  /SPFbemerkt 
wird,  so  ist  diese  Erscheinung  doch  sehr  beschránkt  und  blos  lokal  und  es  kanu 
daraus  keineswegs  ein  Schluss  auf  eine  nach  der  Kreidezeit  erfolgte  Hebung  des 
Eisengebirges  gezogen  werden.  Im  ersten  Falle  ist  es  námlich  eine  blos  lokále 
unbedeutende  Abrutschung  der  Schichten;  im  zweiten  Falle  wiederholt  sich  das 
so  oft  nachgewiesene  und  durch  Unterwaschungen  veranlasste  Einfallen  von  sonst 
horizontálen  Schichten  an  steilen  Gehángen. 

Die  tieferen  gelblichen,  hochst  feinsandigen  Mergel,  welche  als  Pláner 
bezeichnet  werden  und  stellenweise,  so  allenfalls  in  der  Umgebung  des  Hradiště- 
Berges  bei  Libic  Yersteinerungen  enthalten,  bilden  die  Hauptmasse  der  turonen 
Gesteine.  Nur  die  obersten  Lagen,  wie  dieselben  von  Přeclhoř  bis  Kladruby,  dann 
von  Malochlín  bis  nahé  gegen  Zdírec  sich  ausbreiten,  sind  etwas  fester  und 
haben  einen  mehr  sandigen  Habitus.  Sie  enthalten  wenn  auch  winzig  kleine,  so 
doch  zahlreiche  punktfórmige  Kornchen  von  Glaukonit.  Diese  oberturonen  glau- 
konitisch  sandigeu  Pláner  werden  hier  wegen  ihrer  etwas  bedeutenderen  Festig- 
keit  als  Baustein  verwendet.  Der  bedeutendste  Steinbruch  ist  bei  Horní  Studen ec 
und  bei  Zdírec  in  denselben  eróffnet.  Diese  oberen  Plánerbánke  von  sandig  glau- 
konitischem  Charakter  sind  etwa  Vertreter  der  nur  local  auftretenden  sogenannten 
Malnicer  Schichten  oder  des  unteren  Mittelturon.  Da  die  tieferen  Plánerbánke^ 
wenn  sie  etwas  aufgelóst  sind,  ebenfalls  wenig  Wasser  durchlassen,  so  finden  sich 
auf  denselben  an  entsprechenden  Steilen,  so  bei  Kreuzberg  oder  zwischen  Zbislav 
und  Dolní  Bučice  4)  auch  Anfánge  einer  Torfdecke,  die  aber  auf  den  unterceno- 
manen  Letten  bei  Radostín  viel  besser  gedeiht. 

Die  jungen  Bildungen  werden  als  Alluvioneu,  Lehm  und  Torf  unterschieden. 

Áltere  Alluvionen  sind  Schotter  u.  z.  weisse  Quarzschotter  von  nicht  be- 
deutend  grossem  Korné.  Dieselben  finden  sich  auf  dem  Gehánge  von  Lžovic  an 
der  Elbe,  das  die  Fortsetzung  des  Steilabfalles  des  Eisengebirges  bildet.  Dieselben 
stammen  jedenfalls  aus  der  Elbe,  und  es  ist  gar  nicht  nothig  spátere  Hebungen 


24 


derselben  anzunehmen,  da  bei  ElbeTeinic  durch  die  hervorragendeu  festereu 
schiefrigen  Gesteine  eine  bedeutende  Elbestauung  stattgefunden  haben  musste,  in 
Folge  deren  der  ehemals  hohere  Flusslauf  in  recenter  Zeit  solche  Alluvial- 
schotter  auch  auf  solchen  hóheren  Stellen  abgesetzt  hat.  Das  Materiál  dieser 
Schotter  stammt  meistens  von  jenen  unter-  oder  oberceuomanen  Schichten  her,  in 
deren  Náhe  sie  sich  noch  vorfinden. 

Áhnliche  Schotterablagerungen  trifft  man  auch  im  Haine  Libuše  bei  Nové 
Dvory  (Neuhof),  dann  bei  St.  Katharina  und  St.  Nikolaus  an  u.  z.  auf  turoner 
Unterlage;  dann  O  von  Třebešic  und  bei  Kalabásek,  sowie  am  Brslenkabache  bei 
Caslau;  an  beiden  letzteren  Orten  theilweise  von  Lehm  bedeckt  und  den  Pláner 
iiberlagernd.  Etwas  áhnliches  ist  auch  bei  Starkoč  W  und  Loučíc  zu  beobachten. 
Auch  hier  gehoren  diese  Schotter  zu  Alluvialbildungen,  da  sie  noch  beinahe  im 
Inundationsgebiete  der  Báche  liegeu  und  als  von  SO  angeschwemmte  Schichten 
sich  erkennen  lassen,  deren  ursprilngliche  Lagerstátten  die  cenomanen  Sandsteine 
waren.  Der  Lehm  ist  spáter  erst  darauf  geschwemmt  worden.  Die  Máchtigkeit 
der  Schotterbánke  ist  nicht  bedeutend  und  betrágt  nur  Bruchtheile  eines  Meters 
oder  nur  wenige  Meter. 

Die  feinen  weissen  alluvialen  Sande  sind  nichts  anderes,  als  zerbrockelte 
unci  abgeschwemmte  cenomane  Sandsteine,  in  deren  Náhe  oder  auf  welchen  sie 
sich  noch  vorfinden.  Sie  sind  im  Gebiete  des  oberceuomanen  Streifens  von  Zaboř 
bis  Zařičan,  dann  von  St.  Katharina  bis  Chotusic,  verbreitet  also  so  zu  sagen 
noch  innerhalb  des  Inundationsgebietes  der  aufgestauten  Elbe. 

Im  Žehusicer  Parke  findet  sich  auch  Kalktuff  als  junge  Bildung  und  ver- 
breitet sich  von  Dammerde  ůberlagert  bis  Zařičan;  er  enthált  zahlreiche  Geháuse 
von  Sumpfschnecken.  Gegen  Vyčap  zu  werden  diese  Kalktuffe  ganz  locker  und 
mergelig. 

So  wie  die  fruchtbaren  Alluvionen,  dann  die  Sande  und  auch  Schotter 
nahé  an  der  Elbe  vorherrschen,  so  ist  wieder  etwas  entfernter  von  der  einstigen 
Miindung  des  Doubravkabaches  in  die  Elbe  der  Lehm  sehr  verbreitet,  u.  z.  bildet 
er  von  Cirkvic  an  bis  Golčův  Jenikov  eine  ununterbrochene  Decke,  die  meist  am 
linken  Doubravkaufer  abgelagert  ist,  sich  selten  auch  in  einzelnen  Parthien  am 
rechten  Ufer  vorfindet,  und  aus  cler  nur  wenige  Kuppen  álterer  Gesteine  ein 
wenig  hervorragen.  Dieser  Lehm  findet  sich  auch  noch  slldlicher,  jedoch  nur 
in  weniger  ausgedehnten  Decken,  so  bei  Nová  Ves  (Neues  Dorf),  Bezděkov  und 
in  unbedeutenclen  Mengen  auch  an  andereu  Orten. 

Der  Lehm  ist  eigentlich  nur  dort  zu  finden,  wo  jetzt  noch  Gebilde  des 
Kreidesystems  vorkommen,  die  er,  u.  z.  sowohl  den  Pláner  als  auch  die  ceno- 
maněn,  oft  schon  zu  Gries  zerfallenen  Sandsteine  bedeckt,  oder  wo  einst  Schichten 
des  Kreidesystems  abgelagert  waren.  Dieser  Lehm  dúrfte  demnach  nicht  als  ein 
eigentliches  Anschwemmungs-,  sondern  als  ein  Eluvial gebilde  aufgefasst  werden, 
dessen  Bildung  durch  die  Auflosung  von  thonigen  Gebilden  des  Kreidesystems 
veranlasst  wurde.  Nur  an  tieferen  Stellen  ist  der  Lehm  als  ein  wirklich  ab- 
geschwemmtes  und  wieder  abgesetztes  alluviales  Materiál,  u.  z.  entweder  auf 
geneigten  Fláchen  (Gehángelehm)  oder  in  Ebeuen  auf  secuudárer  Lagerstátte  zu 
finden.    Derjenige  Lehm,  der  Schotter,  u.  z.  auf  Plánern  aufruhenden  Schotter 


25 


bedeckt,  ist  wirklich  secundáres  sedimentáres  Gebilde,  wáhreud  andere  Lehme 
wirkliche  Eluvien  darstellen,  die  abev  wohl  auch  etwas  ihre  Lage  verándert  haben 
konnten.  — 

Das  Gebiet  der  Teiche,  wo  der  Doubravkabach  und  die  Sázavaquellen  sich 
ansammelii,  also  von  Ransko  bis  Pelles  (Polnička)  entliált  Torfdecken.  Dieselben 
setzen  eineu  nicht  wasserdurchlássigen  Grund  voraus,  u.  z.  entweder  eiuen  schon 
etwas  aufgelosten  Pláner,  wie  es  bei  Ždírec,  Kreuzberg  und  Zbislav  der  Fall  ist; 
oder  das  Vorhandensein  der  tiefsten  lettigen  Schiefertkonlage  der  untercenomanen 
Sandsteine,  wie  dies  im  Gebiete  der  Niederung  des  Teiches  Velké  Žďársko  (£Vojno- 
městec)  zu  beohachten  ist. 

Unter  dem  Stádtchen  Kreuzberg,  auf  den  Wiesen,  hat  der  Torf  nur  eine 
ganz  unbedeutende  Máchtigkeit,  indem  daselbst  unter  2/sm'  Wiesenalluvialerde 
nur  1/5m-  Torf,  dann  l/8m-  lettiger  Schotter  folgen,  in  welchem  letzteren  das  Bach- 
bett  ausgewaschen  ist.  Dieser  Torf  ist  demnach  auf  der  Kartě  nicht  aufgetragen. 

Wohl  aber  ist  die  Radostíner  Torfdecke  an  den  TJfern  des  Teiches  Velké 
Žďársko  von  Bedeutung,  da  sie  daselbst  in  den  oberen  Ausláufern  bei  Panská 
Bída  und  Doubravník  die  Máchtigkeit  von  mehreren  Metern  besitzt  und  gestochen 
wird.  In  dem  Torfe  finden  sich  nebst  geringeren  Kráuterstengeln  auch  Baum- 
striinke  der  noch  jetzt  an  moorigen  Stellen  wachsenden  Sumpfkiefer  (Pinus  uligi- 
nosa)  mit  zu  Fichtelit  umgewandeltem  Harz.  Die  seitlichen  Ausláufer  der  Torf- 
decke gehen  unter  den  Wiesengríinden  ziemlich  hoch.  Unter  dem  ŽcTárskoteiche 
zieht  sich  die  Torfdecke  bis  gegen  Polnička  ( Pelles)  hin. 

Auch  an  einigen  flachen  Stellen  des  Gneusterrains  finden  sich  schwache 
Torfdeeken,  so  etwa  bei  Račín,  Vepřík,  Skřivánek  (SO  von  Borová). 

2.  Das  eigentliche  Eisengebirge. 

Der  steile  Rand  des  Eisengebirges  ist  aus  denselben  laurentinischen  Ge- 
steinen  zusammengesetzt,  wie  die  dasselbe  begleitende  Doubravkathalniederung. 
Da  die  Gesteine  des  Steilrandes  nach  NO  verfláchen,  so  bilden  sie  das  Liegende 
des  ganzen  Gebirges,  in  dessen  Hangendem  daun  die  untersilurischen  Gesteine 
folgen.  Von  Elbe-Teinic  an  bis  zur  Ruině  Lichnic,  bildet  das  Laurentin  des 
Steilrandes  einen  verháltnissmássig  nicht  breiten  Streifen,  der  von  NW  nach  SO 
streicht  und  abgesehen  von  clen  júngeren  granitischen  Eruptivgesteinen,  die  sich 
eng  an  denselben  anschliessen,  nur  die  unbetráchtliche  Breite  von  1/2 — 1  Km. 
besitzt;  mit  Hinzufiigung  der  Eruptivgesteine  aber  betrágt  die  Breite  2l/2 — 3 
Km.  Sámmtliche,  auf  diesem  laurentinischen  liegenden  Streifen  aufgelagerten 
untersilurischen  (oder  cambrischen)  Gesteine  verfláchen  auf  der  Strecke  von  Elbe- 
Teinic  bis  Lichnice  gleichfalls  nach  NO  unci  sincl  daher  scheinbar  concordant  dem 
Laurentin  aufgelagert. 

Anders  verhált  es  sich  jedoch  in  jenem  SO  Theile  cles  Eisengebirges, 
dessen  Steilrand  von  Lichnice  (Kaňkové  Hory)  bis  Kreuzberg  sich  erstreckt.  Hier 
nehmen  die  laurentinischen  Gesteiue  eine  becleutendere  Breite  ein,  indem  sie 
sammt  den  in  denselben  eingelagerteu  Eruptivgesteinen  jungeren  als  laurentinischen 


2G 


Ursprungs,  sich  gegen  O  sehr  schnell  ausbreiten,  und  die  Umrisse  eines  Dreieckes 
annehmen,  dessen  Spitzen  durch  die  Orte:  Ruině  Lichnice,  Kreuzberg  und  Chrast 
angedeutet  sind.  Wáhrencl  die  Breite  dieser  Gneus-Granitmasse  des  Steilrandes 
der  SO  Fortsetzung  des  Eisengebirges  von  Lichnice  bis  zur  Landesgránze  bei 
Lichnice  nur  3  3  Km.  misst,  nimmt  sie  zwischen  Kreuzberg  und  Chrast  bis  auf 
etwa  25  Km.  zu. 

Die  Gránze  zwischen  Laurentin  und  Cambrien  (Untersilur)  láuft  von  Elbe- 
Teinic  bis  Lichnice  (Zbislavec)  von  NW  nach  SO,  von  da  an  aber  wendet  sie 
sich  in  óstlicher  Richtung  iiber  Skoranov,  Rtejn,  bis  gegen  Škrovád,  wo  sie  unter 
Gebilden  des  Kreidesystems  sich  verbirgt. 

In  dieser  Parthie  des  Silurs,  die  eine  óstlich  verlaufende  siidliche  Gránze 
besitzt,  ist  die  Lagerung  gegeniiber  dem  allerdings  nicht  in  direktem  Contact  mit 
demselben  auftretenden  Laurentin  eine  discordante,  was  auf  bedeutende  Disloca- 
tionen  hindeutet. 

Erst  in  der  weiteren  £0-Fortsetzung  des  Eisengebirges  treten  unter- 
silurische  Gesteine  in  der  Schieferinsel  Kreuzberg,  Hlinsko,  Skuč,  Richenburg 
wieder  auf;  sie  werden  beinahe  durchwegs  von  Granit  umschlossen,  wáhrend  nur 
das  mehr  gegen  O  anstehende  Laurentin  die  ostliche  Begránzung  bildet,  und 
theils  noch  zum  Eisengebirge,  theils  aber  schon  zum  bohmisch-máhrischen  Gránz- 
gebirge  gehort. 

Diese  bedeutende  Richtungsveránderung  der  Silurgránze  von  Lichnice 
(Zbislavec)  nach  Ost,  sowie  das  Auftreten  der  Schieferinsel  bei  Hlinsko,  die 
jedenfalls  einmal  mit  der  Silurmasse  des  iVPFTheiles  des  Eisengebirges  zu  einem 
Ganzen  vereinigt  war,  wurde  von  dem  Granitmassiv  bewirkt,  das  jetzt  zwischen 
beiden  Silurgebieten  (námlich  dem  des  NW  Eisengebirges  und  der  Silurinsel) 
eingezwángt  ist  und  dessen  Mitte  etwa  das  Stádtchen  Nassaberg  (Nasavrky)  ein- 
nimmt.  Die  einst  zusammenhángenden  Schichten  des  Silurs  wurden  durch  das 
Hervortreten  der  Nassaberger  Granitmasse  auseinander  getrieben  und  dabei  in 
ihre  gegenwártige  dislocirte  Lagerung  gebracht,  und  zwar  in  der  Silurinsel  bei 
Hlinsko  mit  steil  stehenden  Schichten,  in  der  anderen  grósseren  Silurparthie  mit 
antiklinalen  und  synklinalen  Schichtenstellungen. 

Da  nun  zwischen  Elbe-Teinic  bis  Lichnice  das  Untersilur  SO  mit  einem 
NO  Verfláchen  streicht  und  scheinbar  concordant  auf  dem  Laurentin  aufruht, 
zwischen  Lichnice  bis  Škrovád  aber  die  Silurschichten  bei  meist  óstlichem  Streichen 
vorwiegencl  nach  S  verfláchen  und  durch  die  Nassaberger  Granitmasse  stark 
dislocirt  sind,  so  muss  zwischen  dem  normál  gelagerten  NO  streichenden  Silur 
und  dem  nach  O  streichenden  eine  Linie  des  Bruches  oder  wenigstens  der  Biegung 
vorhanden  sein,  von  welcher  an  die  dislocirende  Kraft  des  emporgetríebenen 
Nassaberger  Granitmassives  seine  Wirkung  ausiibte. 

NW  von  dieser  gewaltigen  Bruch-  oder  Biegungslinie  sind  die  Schichten 
des  Silurs  normál  gelagert,  das  ist  von  NW  nach  SO  streichend,  óstlich  davou 
aber  haben  sie  das  Streichen  von  W  nach  O. 

Diese  Bruchlinie,  so  sicher  deren  Yorhandensein  auch  behauptet  werden 
kanu,  lásst  sich  aber  doch  nicht  mit  der  wunschenswerthen  Schárfe  in  der  Nátur 
nachweisen,  und  zwar  theils  desshalb,  weil  im  Silur  (les  Eisengebirges  tiefe  uud 


27 


gauz  deutliche  Entblossungen  nur  stellenweise  auftreten  und  demnach  die  Beo- 
bachtung  erschwert  ist,  und  dann  auch  desswegen,  weil  zu  diesem  Ůbelstande  noch 
der  Umstand  hinzutritt,  dass  dieser  Bruch  eigentlich  keine  scharfe  Bruch-  oder  Ver- 
werfungsspalte  bildet,  soudem  einen  Parallelzug  von  kleinereu  Dislocationen,  durch 
welche  der  Ůbergang  der  uormaleu  in  die  stark  dislocirte  Lagerung  vermittelt 
wird.  Jedenfalls  war  die  durch  die  Terrainverháltnisse  erschwerte  Beobachtung  das 
grósste  Hinderniss  bei  dem  Studium  dieses  Terrains.  Nichtsdestoweniger  kanu  als 
vermuthliche  Richtung  dieses  Bruches,  zu  dessen  beiden  Seiten  die  Lagerungs- 
verháltnisse  so  bedeutend  verschieden  sind,  die  Linie  oder  besser  ein  System  von 
Verschiebungslinien  in  der  Richtung  Licoměřic-Zbislavec  gegen  Chotěnic  angegeben 
werden.  Bis  zu  dem  Zuge  dieser  Bruch-  oder  Verschiebungslinien  hat  sich  also 
die  verschiebende  Wirkung  des  Nassaberger  Granitmassivs  geáussert. 

In  Folge  davon  hat  auch  das  Laurentin  NW  von  dieser  Linie  eine  geringe 
Breite  (Elbe-Teinic-Lichnice),  wáhrend  es  O  von  dieser  Linie  eine  bedeutende 
Breite  und  die  Dreieckform  (Lichnice,  Kreuzberg,  Chrast)  erhalt. 

Ausser  dem  Silur  kommen  im  Eisengebirge  nur  ganz  unbecleutende  isolirte 
Reste  júngerer  Formationen  vor.  — 

Die  nachfolgende  Beschreibung  des  Eisengebirges  enthált  folgende  Abschnitte : 
a)  Das  Laurentin  des  Steilgehánges  des  Eisengebirges  von  Elbe-Teinic  bis  Lichnice 
und  die  Eruptivgesteine  in  clemselben.  b)  Das  Laurentin  zwischen  den  beiden  Silur- 
gebieten  des  Eisengebirges,  námlich  zwischen  Zbislavec-Škrovád  und  der  Silurinsel 
von  Hlinsko,  sammt  den  in  demselben  eingelagerten  Eruptivgesteinen.  c)  Das 
Laurentin  O  von  der  Hlinsko-Silurinsel ,  das  theilweise  schon  dem  bohmisch- 
máhrischen  Gránzgebirge  angehort.  d)  Das  Silur  von  Elbe-Teinic  bis  zum  Haupt- 
bruch  (Zbislavec-Chotěnic).  e)  Das  Silur  vom  Hauptbruch  bis  Slatiňan.  /)  Die 
Silurinsel  bei  Hlinsko,  g)  Júngere  Formationen  auf  dem  Laurentin  und  Silur  des 
Eisengebirges.  Die  Eruptivgesteine  sind  trotz  ihrer  im  Vergleich  mit  dem  Laureutin 
jungern  Bildungszeit  doch  so  innig  mit  den  geschichteten  áltesten  Gesteinen 
verknupft,  dass  es  am  zweckmássigsten  erscheint,  dieselben  in  Verbindung  mit 
dem  Laurentin  zu  beschreiben. 


a)  Das  Laurentin  des  Steilgehánges  des  Eisengebirges  von  Elbe-Teinic 
bis  zur  Bruchlinie  und  die  in  demselben  auftretenden  Eruptivgesteine. 

Das  Steilgehánge  des  Eisengebirges  gegen  das  Doubravkathal  nimmt  nur 
einen  verháltnissmássig  engen  Streifen  des  Laurentins  ein  und  hat  von  Elbe- 
Teinic  bis  Lichnice  die  Lánge  von  etwa  30  Kilometer. 

Es  enthált  hier  Glimmerschiefer  von  mittlerem  bis  kleinem  Korné  und 
Amphibolschiefer,  aber  auch  Gneus  und  obwohl  untergeordnete,  doch  stellenweise 
ziemlich  máchtige  Massen  von  Eruptivgesteinen,  namentlich  Granit. 

Das  Verfláchen  der  Schichten,  wiewohl  vorherrschend  nach  NO  ist  doch 
an  verschiedenen  Stellen  etwas  wechselnd.  Am  linken  Elbeufer  zwischen  Zaboř  bis 
Kojic  betrágt  es  in  den  verschieden  geschichteten  Gesteinen  40°  nach  lh  im  Mittel 
(schwankend  von  ll3h-  bis  l3/4h'  mit  35 — 45°);  an  der  Vedralka  geht  das  Verfláchen 


28 


nach  ll/3h-  mit  55;  in  Semtěš  nach  22/3h- ;  ober  Podhořan  nach  4}l&h-  mit  55° 
(zwischen  2l/3—  5l/3h-  mit  45— 64°  schwankend);  unter  Bílý  Kámen  23/4h-  mit  55°; 
in  der  Třemošnicer  Schlucht  bei  Hedwigsthal  endlich  geht  das  Verfláchen  nach 
33/4h-  mit  45°. 

Als  der  NW  Anfang  des  Eisengebirges  kann  jene  unbedeutende  Kuppe  S 
von  Bělušic  angesehen  werden,  welche  sich  von  da  gegen  Lžovic  und  Elbe-Teinic 
bis  zum  rechten  Elbeufer  fortsetzt.  Das  Gestein  derselben  ist  Biotitglimmerschiefer 
von  ziemlich  ebenfláchig  schiefriger  Textur  mit  Nestern  von  Quarz  (blassem  Rauch- 
quarz)  und  feinkornigem  Chlorit.  Dieses  Gestein  wird  jedoch  von  júngeren  Schichten 
vielfach  verdeckt  unci  nur  nahé  am  Elbeufer  zeigt  sich  deutlich,  dass  es  von 
Amphibolschiefer  unterteuft  wird.  In  den  schroffen  Uferwánden  unterhalb  Elbe- 
Tejnic  sieht  man  gangformige  Durchbriiche  von  Gabbro,  rothem  Granit  und  W 
bei  Elbe-Teinic  auch  von  grauem  Biotitgneusgranit.  Der  Glimmerschiefer  erscheint 
stellenweise  ganz  áhnlich  dem  von  Semtěš;  er  ist  ebenfláchig  und  enthált  lenti- 
culare  Quarznester.  In  Kluften  kommt  sehr  feinkorniger  Chlorit  vor.  Das  Ver- 
fláchen geht  nach  etwa  2lJéh-  mit  52°. 

Am  linken  Elbeufer  sind  durch  den  Eisenbahneinschnitt  die  anstehenden 
Felsen  sehr  deutlich  entblosst  und  es  zeigen  sich  hier  die  Gesteinsschichten  mit 
dem  schon  oben  angegebenen  Verfláchen  in  einer  ůbersichtlichen  Reihenfolge. 
Vorherrschend  ist  wieder  der  kleinkórnige  Biotitglimmerschiefer  als  der  oberste 
Abschluss  cler  unter  den  alluvialen  Sanden  bei  Zaboř  vercleckten  laurentinischen 
Gneusgruppe.  Die  Glimmerschiefer  herrschen  von  Zaboř  bis  Vinařic  vor,  indem 
sie  nur  unbedeutende  Einlagerungen  von  Amphibolitschiefer  und  plattigen  Biotit- 
Gneus  enthalten.  Knapp  ober  Vinařic  sieht  man  eine  Verwerfung,  an  der  cam- 
brische  schwarze  Phyllite  der  Etage  A,  discordant  uber  und  unter  Glimmer- 
schiefern  u.  z.  von  denselben  durch  Verwerfungsspalten  getrennt,  zu  Tage  treten. 
Danu  sieht  man  wieder  blos  Glimmerschiefer  oder  Phyllitglimmerschiefer  von 
dunkler  Farbe  bis  gegen  Kojic.  Erwáhnenswerth  ist  es,  dass  gewisse  Schichten 
dunne  zahlreiche  lenticalare  Quarzlinsen  enthalten,  welche  sich  besonders  dort 
háufig  zeigen,  wo  nahé  durchsetzende  Verwerfungen  eine  Lockerung  veranlasst 
haben;  an  solchen  Orten  kommen  dann  auch  stellenweise  Quarzschníire  zum 
Vorschein. 

Im  hangenden  Theile  der  Schiefer  zwischen  Kojic  und  Vinařic  veranlassen 
haufige  Verwerfungen  einen  eigenthiimlichen  Wechsel  von  Glimmerschiefern  und 
schwarzen  Phylliten  der  cambrischen  Etage  A,  was  aber  wegen  der  nicht  frischeu 
Beschaffenheit  cler  angewitterten  Gesteine  nicht  immer  leicht  zu  erkenneu  ist. 
Diese  Verwerfungen  sind  eben  nur  an  clen  steilen  Felsenufern  wahrnehmbar. 

Im  weiteren  SO  Verlaufe  des  Glimmerschiefers  schaltet  sich  demselbon 
OSO  von  Zaboř  auf  kurze  Entfernung  dúnnplattiger  Amphibolgneus  ein,  dann  dúiiu- 
plattiger  biotitarmer  schiefriger  Gneus  und  dtinnschiefriger  Amphibolitschiefer  mit 
deutlicher  Streckung  und  in  Glimmerschiefer  ubergehend.  Beide  letztgenannten 
Gesteine  streichen  iiber  Bernardov,  Kašparův  Dolík,  Vedralka  bis  Vápenice  unweit 
Semtěš  weiter,  wo  der  Gneus  endet,  der  Amphibolschiefer  aber  noch  nach  mehr- 
fachen  Unterbrechungen  bis  Závratec  sich  fortsetzt  und  sich  endlich  auskeilt. 


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Eiue  Eigenthumliehkeit  des  Laurentins,  die  auch  Mer  ihre  Bestatigung 
findet,  sind  iiberhaupt  die  so  háufigen  lenticulár  sich  ausbreitenden  Schichteu, 
so  dass  dieselben  beinahe  als  charakteristisch  fiir  diese  álteste  der  Formationen 
angesehen  werdeu  konnen.  Man  bemerkt  diese  Eigenthumliehkeit  namentlich  an 
dem  ebenfláchigen  imd  důnnsehiefrigen  Amphibolit,  der  vielfach  sicb  auskeilend 
von  neuem  wieder  ansetzt. 

Der  zwischen  Viuařic  und  Kašparův  Dolík  dunnplattige  schiefrige  Biotit- 
gneus  geht  zwischen  Kašparův  Dolík  und  Vedralka,  wo  er  sicli  erweitert,  in 
flasrigen  Biotit-Muscovitgneus  uber,  dann  weiter  SO  in  flasrigem  Biotitgneus,  wird 
endlich  aber  NW  von  Vápenice  wieder  so  grobscbiefrig,  dass  eine  Verwechslung 
mit  Gneusgranit  stattíinden  konnte.  Nur  die  Kicbtung  des  Gneuszuges  war  Ursache, 
dass  dieses  Gestein  nicht  als  Gneusgranit  auf  der  Kartě  bezeichnet  wurde. 

Die  bedeutendste  Máchtigkeit  des  Amphibolschiefers  betrágt  bei  Vedralka 
etwa  400m-,  die  des  Biotit-Muscovitgneuses  NW  von  Vedralka  kaum  1  Km.,  wáhrend 
der  Glimmerschiefer  bei  Semtěš  mit  3/4  Km.  seine  grósste  Máchtigkeit  erreicht. 
Der  Glimmerschiefer  keilt  sich  uber  Licoměřic  gánzlich  aus. 

Der  stellenweise  auch  etwas  gestreckte  dunnplattige  Biotitglimmerschiefer 
enthált  meistentheils  auch  kleine  Granatkornchen,  und  Nester  von  halbdurch- 
sichtigem  Quarz.  Zwrischen  Semtěš  und  Podbořan  ist  er  dúnnplattig,  ebenschiefrig 
und  etwas  gestreckt;  in  den  Brůchen  daselbst  lassen  sich  bis  1  □  m.  grosse  Platten 
desselben  entblossen,  so  das  manche  Stůcke  als  clicker  (grober)  Dachschiefer  ver- 
wendbar  wáreu. 

Im  Amphibolschiefer  und  Glimmerschiefer  ist  NW  von  Kašparův  Dolík 
ein  stockfórmiges  Nest  eines  schiefrigen  Epidotgesteines  eingelagert.  Die  granulit- 
artige  Gesteinsschichte  nahé  von  Husí  Hovno  und  Podbořan  wird  bei  der  speziellen 
Gesteinbeschreibung  angefuhrt  werden. 

SW  von  Licoměřic  besteht  der  Steilrand  des  Eisengebirges  aus  clúnn- 
plattigem  Amphibolgneus,  noch  weiter  S  von  Zbislavec  aus  flasrigem  Biotitgneus, 
in  dem  bei  Podhrad  (Lichnice)  und  in  der  Třemošnicer  Schlucht  (Hedwigsthal) 
Flaserporphyroide  (siehe  Gesteinsbeschreibung)  zum  Vorschein  kommen.  Dieser 
sůdlichste  Theil  gehort  schon  in  das  Gebiet  des  grossen  Verschiebungsbruches. 
Am  Gipfel  der  Železné  Hory,  S  von  Zbislavec,  (in  dem  Waldriede  Krkanka)  W  von 
Rudov  streicht  ein  nicht  mácbtiges  Lager  von  krystallinischem  Kalke  aus,  das 
jedoch  von  zahlreichen  obwohl  nicht  máchtigen  Gángen  von  Granit,  Amphibol- 
granit,  Syenit  und  Diorit  durchsetzt  und  zugleich  verworfen  wird. 5)  — 

In  dem  Zuge  der  Glimmerschiefer,  Amphibolschiefer  und  der  Gneuse  des 
Steilrandes  treten  Eruptivgesteine  auf,  unter  clenen  namentlich  der  Granit  vorherrscht. 

Eine  bedeutende  Masse  von  rothem  Granit  von  10  Kilom.  grosster  Lánge, 
zwischen  Bernardov  und  Vápenice  unweit  Semtěš,  und  von  bis  2  Km.  grosster 
Breite  zwischen  Kašparův  Dolík  und  Zbraňoves,  ist  zwischen  dem  Laurentingneus 
(der  bei  Kašparův  Dolík  als  Augengneus  entwickelt  ist)  und  der  cambrischen  Etage 
A  eingezwángt.  Der  Granit  ist  offenbar  jiinger  als  das  Cambrien,  cla  er  theils 
Apophysen  in  dasselbe  aussenclet,  theils  aber  auch,  wie  am  Puncte  „na  Oklikách" 
(A306m  ),  eine  Scholle  der  cambrischen  Schiefer  einhůllt.  Auch  andere  Zeichen 
deuten  auf  die  jiingere  Entstehung  des  Granites ;  so  die  Umwandlung  der  regellos- 


I  ■ 


kornigen  Textur  in  eine  gneusgranitische,  aller- 
dings  durch  Vermittelung  eines  Ůbergangsstreifens 
von  grauem  Granit  an  der  Gránze  mit  cambri- 
schen  Schichten,  S  von  Zclechovic.  Die  Anlagerung 
der  Biotitschuppen  in  paralleler  Lage  ist  bedingt 
durch  das  Vorhandensein  einer  Gránze,  an  der 
sich  der  Granit  mit  verzogerter  Geschwindigkeit 
unter  Reibung  (oder  Druck)  hinauf  wálzte,  so  dass 
die  parallele  Anorclnung  der  Biotitschuppen  dar- 
aus  erfolgte.  Der  rothe  Granit  wird  an  seiner 
Gránze  mit  den  cambrischen  Schiefern  von  Quarz- 
porphyren  begleitet,  welche  sich  vom  Puncte  „na 
Oklikách"  uber  Chvaletic,  Zbraňoves  bis  gegen 
Vápenice  verfolgen  lassen.  Es  ist  dies  entweder 
eine  untergeordnete  Gránzbildung,  oder  eine  andere 
Ausbildungsweise  des  Granitmaginas  selbst.  Nur 
zwischen  Litošic  und  Vinice  ist  ein  porphyrartiges 
etwas  wenig  roth  geflecktes  Gestein  entblosst,  von 
dem  keine  frischen  Proben  vorlagen  und  das  nur 
der  Analogie  nach  den  Quarzporphyren  zugezáhlt 
wird.  (Siehe  Gesteinsbeschreibung.)  In  diesem 
rothen  Granit  finden  sich  auch  Stocke  von  Gabbro 
und  Uralitdiorit,  die  demnach  jimger  als  der  rothe 
Granit  wáren. 

Syenit  und  rother  Granit  sowie  Diorit  durch- 
setzten  in  zahlreichen  stockformigen  Gángen  den 
Theil  des  Steilabfalles  bei  Závratec,  welcher  auf  der 
Kartě  den  speciellen  Namen  „Železné  hory"  fuhrt. 
Es  gehoren  diese  Gánge  schon  dem  Gebiete  des 
dislocirten  Theiles  des  Eisengebirges  an;  sie  ver- 
werfen  das  Kalklager  am  Gipfel  der  Železné  hory 
(Krkánka)  bedeutend  und  an  zahlreichen  Stellen. 

Von  Zbislavec  bis  Rudov  bildet  Diorit,  noch 
mehr  Syenit  und  in  bedeutenderer  Menge  grauer 
Granit  die  Gránze  zwischen  dem  Laurentin  und 
dem  Cambrien.  Es  scheint  dieser  Theil  schon  dem 
hinter  der  Bruchlinie  gelegenen  Theile  des  Eisen- 
gebirges anzugehoren. 

Merkwiirdig  ist  das  Vorkommen  von  Gabbro 
in  kurzen  Stocken  im  laurentinischen  Glimmer- 
schiefer  bei  Vinařic  an  der  Elbe,  sowie  im  rothen 
Granit  bei  Bernardov  NO,  Chvaletic  TF,  Kašparův 
Dolík  NO.  Weniger  máchtige  echte  Gánge  oder 
Lagergánge  durchsetzen  den  Glimmerschiefer  des 
linken  Elbeufers  an  zahli^eichen  Stellen.   (Fig.  3.) 


31 

Dieselben  bestehen  aber  nicht  mehr  aus  Gabbro,  sondern  aus  Uralit-  oder  Labradorit 
diorit,  da  der  Diallag  (Pyroxen)  desselben  eine  Pseudomorphose  in  Amphibol  (Uralit) 
erlitten  hat.  Auf  der  Kartě  sind  diese  Gánge  als  t)iorit  verzeichnet.  Glimmer- 
schiefer,  so  wie  auch  der  Gabbro  des  linken  Elbeufers  sind  von  Lagergángen 
und  echten  Gángen  eines  Biotitgneusgranites  von  grauer  Farbe  durchsetzt.  Der 
Gneusgranit  hat  eine  um  so  kleinkórnigere  Textur,  je  weniger  máchtig  er  auftritt. 

An  der  Gránze  mit  den  sedimentáren  Gesteinen  werden  auch  die  Gabbros 
háufig  schiefrig,  so  dass  Verwechselungen  mit  Amphibolschiefer  leicht  móglich 
sind.  An  einem  Orte  OSO  von  Vinařic,  wo  Entblossungen  durch  Steinbruche  vor- 
kommen,  sieht  man  in  dem  etwas  schiefrigen  Gabbro  ganz  geradlinige  bis  3m- 
máchtige  Gneusgranitgánge  mit  bis  handdicken,  gerade  verlaufenden  Trummern, 
deren  Biotitschuppchen  parallel  den  Gránzfláchen  gelagert  sind. 

Das  Gabbrogestein  von  regelloser  Zerkliiftung  ist  in  der  Stockmitte  grob- 
korniger  als  am  Rande,  sonst  aber  in  Klúften  mit  Amphibol,  kleinen  Plagioklas- 
krystallen  oder  mit  feinkornigem  Chlorit  ausgefullt. 

b)  Das  Laurentin  zwischen  den  beiden  Silurgebieten  des  Eisengebirges. 

In  dieser  Parthie  des  Eisengebirges  besteht  der  Steilrand  ebenfalls  aus 
laurentinischen  Gesteinen,  aber  nicht  mehr  aus  den  oberen  Glimmerschiefern  oder 
Amphibolitschiefern,  sondern  aus  Gneusen.  Zwischen  das  Silur  unci  den  Gneus 
schiebt  sich  iiberdies  das  máchtige  Nassaberger  Granitmassiv  ein,  so  dass  in  dem 
laurentinischen  Dreieck  Lichnice,  Kreuzberg  (Krucburg),  Chrast  die  Gneuse  und 
Granite,  letztere  von  etwas  jungerer  Entstehung  als  das  Untersilur,  in  gleich 
grosser  Menge  verbreitet  vorkommen. 

Die  Gneuse  bilden  von  Lichnice  an  den  Steilrand  des  Eisengebirges  bis 
nahé  gegen  Kreuzberg. 

Von  Lichnice  aus  setzt  der  Gneuszug  durch  die  Kaňkové  Hory  in  der 
Breite  von  kaum  1  '/2  Km.  gegen  SO  fort,  wo  er  sich  bis  an  die  Ohebka  (Chru- 
dimka)  erweitert,  indem  dessen  Breite  hier  etwa  7  Km.  betrágt. 

Von  Lichnice  setzt  der  graue  oder  róthliche  Gneus  mit  Biotit  oder  mit 
beiden  Glimmern  auch  mit  gestreckten  Orthoklasaugen,  und  der  Flaserporphyr 
durch  die  Třemošnicer  Schlucht  gegen  die  Kaňkové  Hory  fort,  wo  der  biotitreiche 
Gneus  fleischrothen  Orthoklas  enthált,  trotzdem  aber  wegen  Ůberwiegens  des 
Biotites  vornehmlich  in  dem  Gehánge  gegen  Třemošnic  zu,  eine  dunkle  Farbe 
annimmt.  Stellenweise  ist  dieser  dickbankige  Biotitgneus  dem  Granitgneuse  áhnlich, 
der  an  dem  Fusse  des  Ruckens  sich  befinclet.  Er  zieht  sich  bis  gegen  Javorka 
und  wird  stellenweise  theils  quarzreich,  theils  biotitarm,  ist  aber  immer  rothlich 
gefárbt.  In  dem  flasrigen  Gneuse  íindet  sich  daselbst  ein  gegen  8m-  máchtiges 
Lager  von  krystallinischen  Kalkstein,  der  im  Hangenden  grau,  im  Liegenden  weiss 
ist,  und  schwache  eingelagerte  SchichteD  von  glimmerarmen  quarzreichen  Gneus 
enthált.  Das  NO  verfláchende,  oft  verworfene  Lager  wird  von  biotitreichem  plattigem 
Gneuse  (Glimmerschiefergneus)  bedeckt. 


32 


Von  Javorka  an  bis  zur  Linie  Unter-Studenec-Kamenic  erweitert  sich  die 
Breite  des  Gneuszuges  bedeutencl  und  es  herrscht  in  demselben  uberall  die  fleisch- 
rothe  Farbe  vor;  die  sich  durch  diesen  Gneus  durchwindencle  Ohebka  bildet 
anmuthige  Thalschluchten.  Der  rothe  Gneus  dieses  Terrains  ist  eigentlich  ein 
schuppig  flasriger  Biotit-Muscovitgneus  mit  wechselnder  Qualitát  der  Glimmer. 
Stellenweise  sind  beide  Glimmer  im  Gleichgewichte  entwickelt,  stellenweise,  wie 
zwischen  Vršov  und  Přemilov  ist  der  Muscovit  in  úberwiegender  Menge  vorhanden ; 
stellenweise  hat  er  langgestreckte  Flasern  und  es  zeigt  sich  dann  im  Querbruche 
eine  fur  Schieferung  parallel  laufende  unvollkommene  Bánderung.  Das  Verfláchen 
dieses  rothen  gebánderten  Gneuses  geht  zwischen  Přemilov  und  Rušínov  nach 
2h-  mit  40°;  nahé  bei  der  Ruině  Oheb  nach  21/3h-  mit  30°.  Gegen  £0,  im  Ge- 
hánge  von  Hostětinky  gegen  Malec  nach  23/4h-  mit  38°,  und  der  Gneus  ist  hier 
dem  rothen  Gneus  von  Lichnice  áhnlich.  In  der  Richtung  gegen  Slavíkov  schalten 
sich  dem  rothen  řlasrigschuppigen  Gneuse  plattige  lichtgraue  schiefrige  Biotit- 
gneuse  ein,  oder  auch  quarzarme  Gneuse  mit  weissem  Orthoklas  und  Biotit- 
schuppen,  wie  S  von  Kamenic.  Bei  Možděnic  und  Dřevíkov  aber  werden  die 
Biotitgneuse  schuppig  flasrig,  diinnplattig,  an  letzterem  Orte  auch  rothlich  grob- 
kornig  und  nach  2ll3h-  verfláchend. 

Bei  Rvačov,  wo  im  Gneuse  schon  Granitstocke  auftreten,  ist  der  Biotit- 
gneus  eigenthiimlich  entwickelt.  Derselbe  ist  námlich  mittelschuppig ;  die  Biotit- 
schuppen  erscheinen  blass  lauchgriin,  die  Quarzkorner  aber  milchig  bláulich  getriibt 
und  einem  Cordierit  áhnlich. 6) 

In  der  NNO  und  SSW  Umgebung  von  Stan  stosst  der  Biotitgneus  an 
cambrische  Gesteine  der  Hlinsko-Silurinsel  an,  wobei  an  der  Gránze  selbst  Amphi- 
bolitschiefer  oder  nahé  an  der  Gránze  auch  Biotitglimmerschiefer  mit  lenticularen 
Quarznestern  auftreten.  Doch  ist  wegen  der  bei  Stan  und  Milesimov  nicht  immer 
deutlichen  Entblossung  das  Richtige  schwer  zu  bestimmen,  da  áhnliche  Glimmer- 
schiefer  auch  silurisch  sein  konnten.  Namentlich  ist  der  Glimmerschiefer  zwischen 
Vítanov  bis  Chlum  entwickelt  und  gut  entblosst;  derselbe  verbindet  die  Kreuz- 
berger  Schieferinsel  mit  der  von  Hlinsko-Skuč,  und  er  mag  dem  laurentinischen 
Alter  angehoren,  da  er  grosse  Áhnlichkeit  mit  manchen  Glimmerschiefern  von  Elbe- 
Teinic  hat,  ein  allerdings  nicht  absolut  fester  Gruncl  zu  seiner  Altersbestiinmung. 

Im  Hangenden  des  Gneuszuges  folgt  das  Nassaberger  Granitmassiv,  dessen 
Gránzen  etwa  folgende  sind:  Von  Zbislavec  iiber  Rudov,  Podhrad  (Lichnice),  Horní 
Počátky,  Oheb  (Ruině),  Wichstein,  Proseč,  Prosička,  Vršov,  Bradlo,  Chloumek, 
Křemenic,  Polom,  Kamenice  Trhová,  Svobodné  Hamry,  Rvačov,  Jančour,  Rovné, 
Unter- Studenec,  lángs  welcher  Linie  uberall  der  Granit  mit  dem  Gneus  in 
Contact  tritt. 

Mit  dem  Silur  hat  das  Granitmassiv  folgende  Gránzlinie  gemeinschaftlich : 
von  Zbislavec  iiber  Rudov,  Skoranov,  Kraskov,  nahé  S  bei  Nutic,  Rtejn,  Lipina, 
Kuchánovice,  Škrovády;  von  wo  an  bis  Skuč,  wo  die  óstliche  Silurinsel  auftritt, 
die  Gránzlinie  unter  der  Decke  der  Kreideformation  sich  verbirgt. 

Von  Skuč  an  geht  die  Gránze  des  Granitmassives  mit  der  Skuč-Hlinsko- 
Kreuzberger  Silurinsel  iiber  Ždárec,  Ober-rrasetín,  Mrákotfn,  Unter-  und  Ober- 
Babakov  gegen  Stan,  wo  die  nicht  vollkommene  Entblossung  die  Contact-Ver- 


33 

háltnisse  zwischen  Gneus,  Granit  und  Schiefer  weniger  scharf  hervortreteu  lásst, 
dann  aber  von  Jasné  Pole  (Schónfeld)  uber  Benátky  nach  Kreuzberg. 

Das  Granitmassiv  umschliesst  nebstdem  in  sich  selbst  grosse  Inseln  und 
Schollen  von  Biotitgneus,  wie  auch  von  Biotitmuscovitgneus ;  so  zwischen  Rvačov, 
Srny,  Stany,  Milesimov  und  Jasné  Pole,  Koniárov  (W  von  Hlinsko),  wo  aber  die 
Entblóssungen  vieles  zu  wiinschen  lassen.  Hier  sind  auch  Irrungen  mit  Gneus- 
granit,  der  hier  ebenfalls  zum  Vorschein  koramt,  moglich,  namentlich  dort,  wo  der 
Gneus  in  groben  Bánken  und  mit  unvollkommener  Schieferung  erscheint.  Eine 
kleine  Gneusscholle  ist  auch  bei  der  Opletalmůhle  umweit  Skuč  an  der  Gránze 
zwischen  Granit  und  Schiefer  eingeschlossen.  Der  Gneus  zieht  sich  auch  in 
Zungen  in  clen  Granit  hinein,  wie  JSI  NO  von  Rvačov.  SO  von  Krásný  ist  auch  eine 
Gneusscholle  im  Granit  vorhanden. 

Benierkenswerth  ist  die  bedeutende  an  der  Ohebka  von  rothem  Granit, 
siidlich  aber  von  Gneusgranit  umschlossene  grosse  Scholle  von  Gneus  O  bei  Boj  ano  v. 
Dieses  Gestein  konnte  als  Gneusgranit  gelten,  wenn  in  demselben  nicht  Kalklager 
auftreten  wiirden,  die  von  Chlum  an  (Wald  Ochoz)  in  stufenfórmig  gebrochenen 
Lagertheilen  bis  gegen  Vršov  vertheilt  sind,  und  ein  ostliches  Verfláchen  besitzen. 
Bei  der  Aufzáhlung  der  Mineralien  wird  dieses  Kalklager  wegen  seinen  interessanten 
Mineralien,  besonders  erwáhnt  werden.  Auch  in  der  Dehetníkschlucht  bei  Bojanov 
ist  noch  etwas  von  den  Lagerungsverháltnissen  des  Kalklagers  zu  beobachten. 
Ganz  áhnlich  verhált  es  sich  aber  auch  mit  dem  Kalklager  von  der  Peklomuhle 
bei  Kraskov  (TI7),  wo  ein  ganz  áhnlicher  Granitgneus  noch  mit  dem  Gneuse  der 
Kaňková  Hora  im  Zusammenhange  steht.  Sámmtliche  Kalklager  in  diesen  Granit- 
gneusen  fiihren  Skapolit. 

Die  einzelnen  Varietáten  des  Granites,  in  welchen  derselbe  in  dem  Nassa- 
berger  Massiv  erscheint,  sind  Gneusgranit,  rother  mittelkorniger ,  rother  grob- 
korniger,  grauer  gemeiner  Granit  und  noch  andere  Varietáten,  die  am  betreífenden 
Orte  angefůhrt  werden. 

Der  sehr  verbreitete  Gneusgranit  ist  zwischen  mittel-  bis  grobkornig  und 
mehr  oder  weniger  unvollkommen  schiefrig.  An  gewissen  Orten  konnte  derselbe 
mit  Granitgneus  verwechselt  werden.  Der  Orthoklas  und  Quarz  sind  weiss  oder 
graulichweiss,  der  Biotit  veranlasst  eine  unvollkommen  schiefrige  Textur  und 
bedingt  die  mehr  oder  weniger  graulichweisse  bis  graue  Farbe,  sowie  die-  etwas 
wechselnde  Textur  desselben,  wenn  er  in  geringerer  oder  grosserer  Menge  ein- 
gewachsen  vorkómmt.  Das  Gestein  bildet  wie  der  Granit  bei  anfangender  Ver- 
witterung  grosse,  sackáhnliche  Blocke,  die  das  Granitterrain  bedecken.  Die 
Erkennung  des  Gesteines  als  Gneusgranit  ergiebt  sich  blos  nach  der  Lagerung; 
sonst  kann  es  an  manchen  Orten  mit  Granitgneus  verwechselt  werden. 

Ebenso  zusammengesetzt  ist  der  graue  Granit.  Derselbe  besteht  aus  den- 
selben  Gemengtheilen  wie  der  Gneusgranit,  allein  dieselben  haben  ein  echt  grani- 
tisches  Gefuge ;  er  ist  also  regellos  kornig,  die  Farbe  ándert  sich  vom  weissgrauen 
bis  zum  grauen,  je  nach  der  Menge  des  Biotites.  Zwischen  Gneusgranit  und 
grauem  Granit  gibt  es  Úbergánge,  da  beide  nur  unter  verschiedenen  Verháltnissen 
erstarrte  Granitmassen  darstellen.  Ein  sicheres  Erkennimgsmerkmal  des  Granit- 
charakters  des  grauen  Gneusgranites  aber  sind  dessen  Gránzverháltnisse  mit  Gneus 

3 


34 


oder  mít  rothem  Granit.  Besonders  an  den  Gránzen  mit  rothem  Granite  enthalten 
die  grauen  Granite  und  Gnensgranite  mit  zunehmender  Náhe  zur  Gránze,  um  so 
zahlreichere,  kleine  scharfkantige  oder  nur  wenig  rundliche  Brocken  von  Diorit. 
Diese  Erscheinung  bemerkt  man  in  dem  gesammten  Gebiete  des  Granitmassivs; 
beim  Granitgneus  aber  fehlt  sie  gánzlich. 

Der  rothe  Granit  ist  mittelkornig,  und  der  vorherrschende  fleischrothe 
Orthoklas  bedingt  dessen  Fárbung,  da  der  rauchgraue  Quarz,  sowie  der  unter- 
geordnete  Biotit  (selten  auch  neben  demselben  etwas  Muscovit)  auf  den  Farbentou 
von  keinem  Einflusse  sind.  Im  rothen  Granit  sind  Epidotkliifte,  besonders  an 
den  Gránzen  desselben  mit  Diorit  und  anderen  Gesteinen,  wo  derselbe  háufig  auch 
aplitisch  erscheint,  sehr  háufige  Erscheinungen.  Der  grobkornige  rothe  Granit  ist 
nur  an  gewissen  Orten  in  beschránkterer  Menge  anzutreffen;  derselbe  besteht  aus 
bis  haselnussgrossen  fieischrothen  Orthoklaskornern,  aus  etwas  kleineren  licht  rauch- 
grauen  Quarzkornern,  die  als  Krystalle  mit  rauhen  Fláchen  aufzufassen  sind  und 
nur  aus  ganz  wenig  Biotitbláttchen. 

Der  rothe  Granit  erleidet  háufig  an  den  Gránzen  mit  andern  Gesteinen 
eine  Umánderung,  er  wird  námlich  aplitisch  oder  kleiner  kornig,  was  als  Contact- 
erscheinung  zu  deuten  ist.  Auch  zeigt  er  sich  an  den  Gránzen  mit  andern  Ge- 
steinen bankfórmig  abgesondert.  Das  Altersverháltniss  zwischen  rothem,  mittel- 
kornigem  und  grobkornigem,  sowie  zwischen  grauem,  gemeinem  und  Gneus-Granit 
lásst  sich  nicht  immer  sicher  bestimmen;  doch  zeigt  sich  an  gewissen  giinstig 
entblóssten  Stellen,  dass  der  rothe  Granit  im  grauen  Gánge  bildet,  so  zwischen 
Dachov  und  Včelákov,  wonach  der  graue  Granit  und  Gneusgranit  alter  wáren, 
als  die  rothen  Granite.  Auch  im  Diorit  bildet  der  rothe  Granit  Gánge,  er  solíte 
demnach  auch  junger  sein  als  dieser.  Indessen  findet  man  auch  im  rothen  Granit 
grauen  Granit  in  Gangform,  was  das  Gegentheil  in  Betreff  des  Alters  andeuten 
wiirde,  wenn  nicht  solche  scheinbar  gangformigen  grauen  Granite  nur  als  Schollen 
im  rothen  Granite  zu  deuten  wáren.  Es  wáre  also  ein  deutlicherer  Aufschluss 
wiinschenswerth,  um  die  Altersverháltnisse  dieser  Gesteine  sicher  zu  erkennen. 

Bei  der  Einschicht  „Na  kopcích"  bei  Studenec  findet  sich  ein  Gang  (oder 
eine  Scholle?)  von  grauem  Granit  im  rothen.  Es  wáre  auch  móglich,  dass  bald 
die  eine  bald  die  andere  Granitvarietát  die  álfcere  oder  júngere  ist,  da  beide  zu 
verháltnissmássig  gleicher  Zeit  zum  Vorschein  kommen  konnten.  Es  ist  also  nur 
eine  subjective  Ansicht,  wenn  man  in  solchen  Fállen  den  rothen  Granit  nach 
manchen  dies  bestátigenden  Beobachtungen  fůr  den  verháltnissmássig  jiingeren  hált, 
da  in  dieser  Hinsicht  nur  ganz  deutliche  und  unzweideutige  Entblossungen  das 
sich  darbietende  Problém  lósen  konnen.  —  Andere  weniger  háufig  vorkommenden 
Granitvarietáten  werden  spáter  noch  hinzugefugt. 

Der  Gneusgranit  in  der  Umgebung  von  Včelákov  bildet  die  bedeutendste 
Masse  in  der  Mitte  des  Nassaberger  Granitmassivs.  Seině  Gránze  geht  von  Skuč 
iiber  Ober-Prasetín,  Ober-Babákov,  Srny,  Svobodné  Hamry,  Kamenice  Trhová, 
Vranov,  Hodonín,  Česká  Lhotice,  Ochoz,  Drahotice,  Podlejštan,  Krupín,  Cekov, 
Miřetín,  Kvasín,  Unter-Prasetín,  Skuč.  Das  Gneusgranitmassiv,  an  der  Oberfláche 
mit  grossen  Granitblocken  besáet,  enthált  stellenweise  Gánge  von  rothem  Granit 
von  untergeordneter  Bedeutung,  so  bei  Ober-Prasetín  an  der  Gránze  mit  Silur- 


35 

schiefer,  bei  Tisovec,  Příkrakov,  NO  von  Včelákov,  SW  von  Unter-Babákov,  NO 
bei  Babákov  und  bei  Svobodné  Hamry.  Es  scheint,  dass  dieser  Granit  bei  Ober- 
Prasetín  auch  eine  Scholle  von  Silurschiefer  einhiillť,  was  jedoch  wegen  mangel- 
hafter  Entblóssung  nicht  sicber  constatirt  werden  kann.  Die  Gránzen  gegen 
gemeinen,  grauen  Gneus  sincl  nicht  genau  wahrnehmbar;  an  gewissen  Orten  zeigt 
der  Granit  eine  bankformige  Absonderung,  so  TFvon  Skuč  im  Berge  „V  borkách", 
wo  die  etwa  lm-  máchtigen  Bánke  nach  213/4h-  mit  64°  verfláchen,  áhnlicb  wie 
an  der  Gránze  mit  dem  Silurphyllit. 

Bei  Kamenicky  (NW  von  Trhová  Kamenice)  bildet  der  Gneusgranit  nur 
eine  Scholle  im  grauen  Granit.  Ebensolche  grossere  Inseln  oder  Schollen  im 
grauen  Granit  oder  zwischen  grauem  und  rothem  Granit  oder  im  rothen  Granit 
selbst  íindet  man  bei  Seč  und  Hořelec,  wo  die  grobe  Schieferung  nach  3/4h-  mit 
40°  einfállt,  oder  SW  von  Kovářov,  dann  auch  bei  Křižanovic,  an  der  Ohebka, 
bei  Milesimov  und  Všeradov  (W  ven  Hlinsko). 

Der  graue  Granit,  der  ebenfalls  eine  sehr  bedeutende  Fláche  einnimmt 
und  in  den  Gneusgranit  ubergeht,  tritt  theils  selbststándig  aut  theils  aber  ist  er 
mit  dem  Gneusgranit  vergesellschaftet,  und  enthált  wie  dieser  an  der  Gránze  mit 
rothem  Granit,  Bruchstiicke  von  Diorit. 

Die  bedeutendste  Masse  des  grauen  Granites  sieht  man  zwischen  Trhová 
Kamenice,  Vranov,  Hodonín,  Česká  Lhotice,  Drahotice,  Peklomůhle,  Lipkov,  Po- 
lanka, Vršov,  Unter-Bradlo,  Chloumek  (wo  sie  uber  Křemenic  und  Polom  eiue 
Zunge  im  Gneus  bildet)  bis  gegen  Kamenice  zu.  Diese  und  die  Včelákover  Granit- 
parthie  bilden  500 — 600m-  hohe,  flache,  in  der  Gegencl  weithin  sichtbare  Kuppen. 
Zwischen  Neudorf  und  Rohozná  enthált  dieser  graue,  dort  auch  etwas  biotitreichere 
Granit,  zahlreiche  bis  haselnussgrosse  Granatkorner,  wesshalb  er  auf  der  Kartě 
als  grauer  Granatgranit  ausgeschieden  ist. 

Eine  bedeutende  Masse  bildet  auch  der  Stružinecer  Granitstock,  der  sich 
von  Jasné  Pole  (Schonfeld)  iiber  Benátky,  Kohoutov  lángs  der  Eisenbahn  hinzieht 
und  dadurch  bemerkenswerth  ist,  dass  er  stellenweise  kleine  zu  Amphibolschiefer 
metamorphosirte  Fetzen  der  Kreuzberger  Silurschiefer  umschliesst.  Ansehnliche 
Stocke  grauen  Granites  stehen  W  von  Skuč  bei  Leštinka,  Čejrov,  Kvasín,  Mo- 
krejšov  an;  dann  zwischen  Seč  und  Dolní  Počátky  bei  Hořelec,  und  endlich  zwischen 
Podhrad,  Rudov  und  Zbislavic.  Kleine  gangstockartige  Massen  treten  iiberdies 
recht  zahlreich  auf. 

Der  rothe  Granit  bildet  einen  20  Kilom.  langen  und  bis  zu  5  Kilom. 
breiten  Stock,  der  von  O  nach  W  streicht  und  dessen  sudliche  Gránze  Gneus- 
granit, grauer  Granit  und  Gneus  begleitet,  wáhrend  seine  Nordgránze  sich  an 
schiefrigen  Felsitporhyr  anschliesst.  Die  Siidgránze  dieses  Stockes  von  rothem 
Granit  geht  von  Leštinka  iiber  Kvasín,  Dubová,  Čekov,  Krupín,  Podlejštan,  Dra- 
hotic  an  der  Ohebka  aufwárts  bis  Prosička,  Proseč,  Oheb,  Horní  Počátky,  Kraskov, 
Althof  (Staré  dvory)  bis  gegen  Rudov;  die  nordliche  Gránze  geht  von  da  (Rudov; 
anfangs  etwas  verdeckt  uber  Skoranov,  Nutic,  Hrbokov,  Rtein,  Petříkov,  Licibořic, 
Práčov  bis  Vejsonín,  von  wo  an  bis  Smrček  der  mittelkornige  Granit  zu  rothem, 
grobkornigem  sich  umwandelt.  Diese  Masse  von  rothem  Granit  ist  der  Sitz  zahl- 
reicher  Diorit-Gangstocke. 

3* 


36 


Es  ist  dieser  Granit  ein  echtes  Gránzgebilde,  da  er  durch  Vermittehmg 
des  schiefrigen  Felsitporphyres  oder  auch  unmittelbar  an  das  Silur  zwischen  Rudov 
bis  Škrovády  sich  auschliesst.  An  den  Gránzen  mit  dem  schiefrigen  Felsit  oder 
mit  dem  Silur  ist  er  bankíormig  abgelagert ;  die  Bánke  lauf  en  parallel  zur  Contact- 
gránze  und  verfláchen  sich  von  derselben  weg.  Je  weiter  von  der  Gránze,  desto 
massiger  wird  der  rothe  Granit,  bis  er  die  bankformige  Absonderung  gánzlich  ein- 
biisst.  Am  deutlichsten  ist  dieses  Verháltniss  in  der  Schlucht  unter  Pračov  ent- 
blosst,  wo  die  etwas  oft  weniger  als  ein  Meter  máchtigen  Bánke,  nach  103/4h-  mit 
35°  verfláchen,  also  scheinbar  als  dem  Silur  (oder  der  Silurgránze)  aufgelagert 
erscheinen. 

Weniger  bedeutende  Massen  von  rothem  Granit  erstrecken  sich  von  Rvačov 
iiber  Milesimov,  Dlouhý,  Rovné  und  Oudav  gegen  Ober-  und  Unter-Studenec,  Auch 
hier  sind  máchtige  Dioritstocke  entwickelt. 

N  von  Kreuzberg  kommt  auch  rother  Granit  vor. 

Erwáhnenswerth  ist  auch  noch,  dass  rother  Granit  in  einzelnen  Gángen 
oder  Gangzugen  vom  S  Ende  der  Kaňková  Hora  uber  Zbohov,  Hoješín,  Podhořic 
im  Steilgehánge  des  Eisengebirges  bis  liber  Rušínov,  also  auf  10  Kilom.  Lánge 
und  in  verháltnissmássig  geringer  Breite  im  Gneuse  auftritt.  Angewitterte  Fláchen 
desselben  sind  roth  gefárbt  durch  kleine  in  Adern  ausgeschiedene  Haematit- 
Imprágnationen.  Ebenso  ist  noch  zu  erwáhnen,  dass  auch  bei  Křemenic  (SW  von 
Trhová  Kamenice)  der  rothe  Granit  die  Gránze  zwischen  grauem  Granit  und 
Gneus  zu  bilden  scheint. 

Der  rothe  grobkornige  Granit  bildet  das  óstliche  Ende  des  zuerst  erwáhnten 
rothen  mittelkornigen  Granit-Gangstockes  in  der  Umgebung  von  Zumberg.  Zwischen 
Studená  Voda  und  Smrček  wird  seine  óstliche  Fortsetzung  von  Quadersandsteinen 
des  Kreidesystems  bedeckt.  Gánge  von  Quarzporphyren  durchsetzen  diesen  Granit. 
Auch  zwischen  Havlovic  und  Kostelec  SO  vom  Zumberger  Massiv  bildet  er  einen 
Gangstock. 

An  andern  Orten  ist  grobkorniger  rother  Granit  selten ;  er  tritt  in  kleineren 
Stocken  auf  zwischen  Křižanovic  und  Vedralka,  S  bei  Samářov,  S  von  Bezděkov, 
iiberall  an  den  Gránzen  zwischen  Granit  und  Gneus,  danu  auch  bei  Rušínov  (S) 
im  Gneus.  Merkwurdig  ist  ein  rother  grobkorniger  Gneusgranit,  der  nur  zwischen 
Čekov  und  Krupín  die  Gránze  zwischen  rothem  mittelkoi  nigem  Granit  und  grauem 
Gneusgranit  andeutet.  Ohne  Kenntniss  der  Lagerungsverháltnisse  miisste  man 
dieses  Gestein  als  einen  groben  rothen  Gneus  betrachten;  indessen  iibergeht  es 
in  rothen  mittelkornigen  Granit  und  bildet  dem  Granit  áhnliche  Blocke;  mithin 
ist  es  nur  ein  schiefrig  ausgebildetes  Contactgestein,  das  eine  jungere  Bildungs- 
zeit  des  rothen  Granites  gegeniiber  dem  grauen  Granite  anzudeuten  scheint. 

Als  seltenere  Granitvarietáten  kommen  Pegmatite  vor,  die  aber  nur  in 
verháltnissmássig  wenig  máchtigen  Gángen  erscheinen;  so  die  Pegmatitgánge  im 
Abfalle  der  Kaňková  Hora  gegen  Třemošnic,  die  als  Biotitpegmatite  den  Pegma- 
titen  der  Kořečníkmuhle  bei  Ronov  ganz  áhnlich  sind;  danu  die  Amphibol-Biotit- 
Pegmatite  von  etwas  kleinerem  Korné  am  Berge  Krásný  bei  Chlum  und  in  der 
Dehetníker  Schlucht,  die  an  allen  diesen  Orten  reichlich  Titanitkrystállchen  fiihren, 


37 

und  das  au  den  beiden  letztgenannten  Orten  auftretende  Kalklager  vielfacli 
durch  setzen. 

Es  ist  vielleicht  uoch  erwáhneuswerth  der  kleinkornige  graue  Granit  au 
der  Gránze  mit  den  Silurschiefern  bei  Ober-Babákov  und  bei  Jasné  Pole  (Schon- 
feld).  Auch  die  Gáuge  von  kleinkornigem  Gneusgranit  im  Elbeufer  bei  Vinařic 
komité  man  hierher  rechnen. 

Auch  Porphyre  finden  sich  an  den  Gránzen  des  Granites  mit  den  Silur- 
schiefern ;  so  Granitporphyr  S  von  Babákov,  der  mit  Dioriten  und  metamorphischen 
Schiefern  vergesellschaftet,  auftritt. 

Von  bedeutender  Ausdehnung  ist  der  Stock  von  schiefrigem  Felsitporphyr, 
Felsit  und  Felsitschiefer.  Er  enthált  theilweise  Pyritkrystállchen  eingewachsen  und 
ist  desshalb  an  manchen  Stellen  durch  Pyritzersetzungen  bráunlich  gefárbt.  Seině 
Hauptmasse  ist  zwischen  das  Silur  und  den  rothen  Granit,  námlich  zwischen 
Lukavic  und  Rtem,  eingezwángt.  Die  Bánke  des  Porphyres,  dessen  O  Fortsetzung 
unter  Quadersandsteinen  des  Kreidesystems  sich  verbirgt,  verfláchen  wie  die  Granit- 
bánke  nach  S  oder  SO.  In  der  Svidnicer  Thalschlucht  fállt  die  Schieferung  unter 
50°  nach  9h-  ein.  In  dem  Porphyrstocke  treten  verschiedene  Porphyrvarietáten 
auf  und  auch  rother  Granit,  da  wo  derselbe,  wenn  auch  selten,  mit  dem  Silur  im 
directen  Contact  ist.  Durch  Yerwitterung  bleichen  die  Gesteine  entweder  aus 
und  sind  dann  von  Tuffen  nicht  gut  zu  trennen,  umsomehr  als  die  bankfórmige 
Absonderung  oft  schwer  von  Schichtung  unterschieden  werden  kann;  oder  sie 
fárben  sich  braun  durch  zersetzte  Pyrite,  welche  sie  iiberall  fein  eingesprengt 
fiihren ;  manchmal  sind  sie  spárlich  roth  gefleckt  durch  Haematitimpraegnationen, 
wie  bei  Petřikovic.  Aufgelóste  Felsitschiefer,  wie  solche  bei  Pračov  und  Svidnic, 
dann  an  zahlreichen  andern  Stellen  in  dem  Porphyrstocke  und  auch  als  Scholle 
bei  Křižanovice  vorkommen,  sind  mit  aufgelosten  Silurschiefern  leicht  zu  ver- 
wechseln.  In  solchen  aufgelosten  Felsitporphyr schiefern  kommt  jener  reichliche 
Pyrit  vor,  der  in  Lukavic  bergmánnisch  abgebaut  wird,  und  uber  den  im  Anhange 
das  Náhere  mitgetheilt  wird. 

Auch  der  Diorit  tritt  in  grossen  Massen  auf.  Derselbe  kommt  nur  selten 
im  Gneuse  vor,  wie  bei  Dolní  Vestec  und  Štiková  (O  von  Chotěboř)  oder  bei 
Komárov  (SW  von  Jasné  Pole  bei  Hlinsko).  Die  Hauptablagerang  der  Dioritgánge 
oder  Gangstócke  findet  man  an  den  Gránzen  von  Granit  mit  Gneus  oder  da,  wo 
verschiedene  Granitvarietáten  mit  einander  in  Contact  treten.  Seltener  bildet  er 
wohl  auch  Gánge  in  einer  und  derselben  Granitvarietát.  Die  hier  angedeuteten 
Gránzen  von  verschiedenen  Gesteinen,  námlich  von  Gneus  und  Granit,  oder  von 
verschiedenen  Graniten  míissen  demnach  als  Dislocationsspalten  von  bedeutender 
Tiefe  angesehen  werden,  aus  denen  die  Eruptionen  von  Dioriten  stattfanden.  Es 
wáren  demnach  die  Diorite  in  vielen  Fállen  jtinger  als  die  beiden  Gránzgesteine, 
obwohl  dies  nicht  eine  allgemeine  Geltung  hat,  da  die  Bildung  der  verschiedenen 
Eruptivgesteine  nicht  zu  gleichen  Zeiten  stattfand,  und  sich  wohl  auch  einigemale 
wiederholte.  Ein  Dioritmassiv  an  der  Gránze  zwischen  Gneus  und  rothem  Granit, 
u.  zw.  einige  Ausláufer  aussendend,  ist  zwischen  Štiková,  Huť,  Odranec  (O  Cho- 
těboř) eingelagert.    Es  ist  moglich,  dass  dasselbe  unter  dem  Terrain  des  Kreide- 


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systems  von  Sobinov-Ždírec  gegen  Nové  Ransko  sich  fortsetzt.  Rother  Granit 
durchsetzt  den  Dioritstock  N  von  Odranec. 

In  der  Richtung  des  Laufes  der  Ohebka  von  Seč  bis  Hradišť  sieht  man 
zahlreiche  Dioritgánge  theils  im  rothen  Granit,  theils  an  den  Granzen  von  ver- 
schiedenen  Granitvarietáten.  Der  Diorit  von  Křižanovic  wird  bei  der  Gesteins- 
beschreibung  náher  beschrieben.  Die  meisten  Diorite  sind  hier  ganz  deutlich 
mittelkprnig. 

Ein  bedeutender  Gangstock  von  Diorit  erstreckt  sich  von  Nassaberg  nach 
Krupín,  ein  anderer  liber  Božov  und  den  Hořičkahiigel  unter  dem  Kreideterrain 
der  Podskaler  Thalschlucht  bis  gegen  Chacholic,  wo  der  Diorit  von  rothem  Granit 
durchsetzt  wird.  Diese  langen  Gangstocke  sind  deutlich  mittelkornig ,  quarz- 
fuhrend,  in  Kliiften  mit  Epidot  iiberzogen  und  an  gewissen  Stellen  auch  schiefrig, 
so  dass  sie  in  Handstucken  mit  Amphibolschiefer,  der  auch  Epidotschniire  enthált, 
verwechselt  werden  kónnen.  Das  Gestein  von  Hořička  und  Skála  wird  im  zweiten 
Theile  speciell  angefuhrt.  Bemerkenswerth  ist  es,  dass  sich  an  den  Granzen  mit 
Granit  Úbergánge  des  Diorites  in  Granit,  u.  z.  durch  Syenit  oder  Amphibolgranit 
einstellen,  wobei  scharfe  Granzen  nicht  nachweisbar  sind,  da  vielleicht  durch 
Erweichung  der  Granitmasse  das  Dioritmagma  an  der  Gránze  mit  derselben  sich 
vermengt  hat. 

In  der  Gegend  von  Stan,  Rváčov  sind  Diorite  an  den  nicht  gut  entblóssten 
Gesteinsgránzen  ebenfalls  zu  beobachten;  ebenso  auch  S  von  Unter-Babakov,  wo 
die  Diorite  háufig  schiefrig  sind. 

Im  grauen  Granite  oder  Gneusgranite  sind  die  Diorite  selten;  so  bei 
Rohozná,  Benátky,  Srny,  in  Včelákov,  an  welchem  letzteren  Orte  der  Diorit  viel 
Pyrrhotin  enthált. 

Merkwiirclig  sind  die  Dioritstócke  N  von  Seč  und  in  Zbislavec ;  an  beiden 
Orten  werden  dieselben  von  Syenit  umfasst;  am  Zlatý  Potok  SO  von  Kraskov 
enthált  dieser  Syenit  Epidotfels  und  Granatfels  mit  Magnetitnestern. 

An  dem  ersteren  Orte  wird  das  Vorkommen  noch  dadurch  interessant, 
dass  der  Diorit  daselbst  die  Contacthulle  eines  Corsitstockes  bildet. 

Feinkórnige  bis  aphanitische  Diorite  mit  Epidot  oder  mit  zahlreichen 
Pyritkórnern,  durchsetzen  den  schiefrigen  Felsitporphyr  zwischen  Petřikov,  Šiškovic, 
Trpíšov,  Vejsonín,  bis  O  hinter  Klein-Lukavic.  Bei  Trpíšov  ist  der  Diorit  als 
Epidotdiorit,  bei  Vejsonín,  O  von  Klein-Lukavic  als  Pyritdiorit  entwickelt.  Da  die 
zersetzten  Diorite,  welche  auch  stellenweise  Neigung  zur  schiefrigen  Textur  zeigen, 
von  den  faulen  schiefrigen  Felsitporphyren  nicht  immer  leicht  zu  unterscheiden 
sind,  so  ist  die  Ausscheiclung  beider  Gesteine  auf  der  Kartě  nicht  ganz  scharf 
und  gen  au. 

Das  merkwúrdigste  Gestein  des  ganzen  Gebietes  ist  der  Corsit;  derselbe 
ist  theils  mittel-theils  grobkornig,  und  meist  nur  in  kurzen  Gangstocken,  vor- 
nehmlich  an  Gesteinsgránzen  entwickelt.  Merkwurdig  ist  jener  aus  fúnf  Stócken 
bestehende  Zug  von  Corsit,  von  denen  der  erste  beim  Jágerhaus  ON  \on  Kraskov, 
der  zweite  von  Diorit  und  Syenit  begleitete,  N  von  Seč,  der  dritte  und  lángste 
in  der  Richtung  von  Vršov-Bradlo,  der  vierte  PF  von  Možděnic,  der  fiinfte  endlich 
bei  Kocourov  auftritt.    In  der  Richtung  dieses  Corsitzuges  liegt  die  Ranskokuppe 


39 


mit  dem  Serpentin-Oliviu-  und  Corsitgestein ;  es  diirfte  demnach  ein  genetischer 
Zusammenhang  zwischen  diesera  Corsitzuge  und  der  Ranskokuppe  bestehen.  Der 
lángste  Corsitstock  zwischen  Vršov  und  Polom  ist  im  siídlichen  Theile  von  rothem 
Granit  durchsetzt;  er  bildet  die  Gránze  zwischen  Granit  und  Gneus. 

Andere  Corsitstócke  treten  noch  bei  Petrkov  und  Srny  zwischen  Gneus- 
granit  und  Gneus,  dann  bei  Jančour  zwischen  Gneus  und  rothem  Granit,  so  wie 
O  von  Trhová  Kamenice  zwischen  grauem  Granit  und  Gneusgranit  auf;  doch 
konnte  ein  Theil  dieser  Stocke  auch  aus  Diorit  bestehen,  da  der  Aufschluss  hier 
zu  undeutlich  ist.  Das  grobkórnigste  Corsitgestein  und  gewiss  auch  das  am  meisten 
typische  ist  das  im  Stocke  von  Částkov  (S  Žumberg)  auftretende ;  es  kommt  daselbst 
nahé  an  der  Gránze  zwischen  mittelkornigem  rothem  Granit  und  grobkórnigem 
rothem  Granit  vor. 


c)  Das  Laurentin  óstlich  von  der  Skuč-Hlinsko-Kreuzberger  Silurinsel. 

Dasselbe  gehórt  zum  Theil  schon  dem  bóhmisch-máhrischen  Gránzgebirge 
an,  das  geologisch  betrachtet  mit  seinen  Vorbergen  bis  an  die  Linie  Proseč- 
Vojnoměstec  reicht. 

Die  Schichtenmassen  des  Gneuses  haben  nicht  mehr  das  anhaltend  gleich- 
mássige  Verfláchen  gegen  NO,  wie  es  im  Eisengebirge  der  Fall  ist,  und  schon 
dadurch  wird  die  Zugehorigkeit  zu  einem  andern  Gebirgssysteme  angedeutet, 
Nichts  desto  weniger  muss  auch  dieses  Gránzgneusgebiet  hier  in  Betracht  gezogen 
werden,  weil  es  die  Unterlage  der  silurischen  Schieferinsel  bildet,  die  jedenfalls 
noch  dem  System  des  Eisengebirges  angehort.  Nur  in  dem  nórdlichen  Theile,  da 
wo  sich  das  Kreidesystem  anschliesst,  ist  in  der  Umgebung  von  Proseč  rother 
Granit  entwickelt,  der  jedenfalls  jiinger  ist  als  der  Gneus.  Die  Hauptmasse  des 
Terrains  bildet  aber  Gneus.  Die  Gránzen  gegen  W,  wo  Gneus  oder  Granit  die 
Schieferinsel  begránzen,  gehen  von  der  iiberdeckenden  Kreideformation,  etwa  von 
Heralec  uber  Kutřín,  Miřetic,  Otrádov,  Krouna,  Dědová,  Plaňan,  Hlinsko,  Vítanov, 
Chlum  bis  Vojnoměstec,  wo  die  Schieferinsel  sich  auskeilt.  Das  Verfláchen  der 
Gneusschichten  ist  in  sofern  ein  wechselndes,  als  es  in  der  Náhe  dieser  oben 
angefúhrten  Silurgránze  ein  meist  westliches  ist,  im  Gránzgebiete  aber  bei  mannig- 
fachen  Abwechslungen,  jedoch  meist  nach  NO  geht. 

Im  Bereiche  oder  in  der  Náhe  der  Silurgránze  verfláchen  die  Gneusschichten 
in  Krouna  unter  der  kat.  Kirche  ganz  nahé  an  der  Silurgránze  nach  211/3h-  mit 
27°,  etwas  óstlicher  im  Kalkbruch  von  Rychnov  nach  173/4h-  mit  45°,  in  Blatné 
bei  Hlinsko  nicht  weit  von  der  Gránze  im  Mittel  mit  202/3h-  nach  24°  (193/4h-  bis 
213/4h  ),  bei  Vítanov  nahé  an  der  Gránze  nach  23h-  mit  43°.  Bei  Kutřín  (SO  von 
Richenburg)  bildet  der  Gneus  hier  als  Augengneus  entwickelt  eine  Scholle  in 
rothem  Granit  und  streicht  nach  1973h-  mit  50°.  Auf  den  beiden  Kuppen  des  Berges 
Hradiště  S  von  Hlinsko  ist  der  Gneus  ganz  deutlich  antiklinal  gefaltet  und  er 
verflácht  als  Gewólbe  auf  einer  Seite  nach  53/4h-  mit  18°,  auf  der  andern  entgegen- 
gesetzt  nach  15h-  mit  22°;  an  den  andern  Seiten  aber  in  andern  Richtungen. 


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Endlich  ist  O  von  Vojnoměstec  nahé  an  der  Silurgránze  das  Verfláchen  mit 
mit  26°.    Das  Verfláchen  geht  also  durchwegs  unter  das  Silur. 

In  der  Klippe  „Hápová  skála"  SO  von  Rychnov  an  der  Strasse,  betrágt 
das  Verfláchen  34°  nach  2h-  (im  Mittel  aus  vier  Beobachtungen),  und  doch  ist 
diese  Klippe  nur  etwa  4  Km.  von  der  Silurgránze  im  Liegenden  entfernt. 

In  dem  Gebiete  der  gróssten  Erhohung  des  Gránzgebirges  an  der  bóhm.- 
máhr.  Gránze  ándert  sich  die  Richtung  des  Verfláchens ;  u.  zw.  bei  Svratka  allen- 
falls  mit  40°  nach  2V3h,?  obwohl  an  andern  Orten  ein  entgegengesetztes  Einfallen 
der  Schichten  nach  15h-  mit  30°  beobachtet  wird.  Ebenso  ist  es  auch  bei  Svra- 
touch,  wo  ein  Verfláchen  mit  26°  nach  24h-  bemerkt  wird.  Unter  der  Kirche  von 
Heralec  verflácht  der  Gneus  nach  173/4h-  mit  40°. 

Es  ist  demnach  der  Gneus  oder  Gneusgranit  im  Gebiete  des  Saarer  oder 
bohmisch-máhrischen  Gebirges  vielfach  gefaltet.  Auf  den  hóchsten  flachen  Kuppen 
O  von  Heralec  und  Čikhaj,  oder  bei  Kuchyň  und  Krejcar  ist  der  echte  Gneus 
aber  flach,  oder  nur  ganz  wenig  geneigt  gelagert. 

Die  verbreitetste  Gneusvarietát,  welche  in  diesem  Theile  des  bohmisch- 
máhrischen  Gránzgebirges  vorkómmt,  ist  die  schuppige,  lichtgraue,  also  der  fruher 
schon  erwáhnte  Gránzgneus  (Gneusgranit).  Dieser  Gneus  fúhrt  die  beiden  Glimmer, 
u.  zw.  entweder  in  rein  ausgeschiedenen  Schuppen  oder  in  schuppigen  Flasern, 
jedoch  immer  bedeutend  gegen  den  Orthoklas  zuriicktretend ;  er  bildet  das  ganze 
Gebiet  von  Škrlovic  (auch  noch  súdlich  davon),  Čikhaj,  Heralec,  Milová  und  die 
hóchsten  Kuppen  desselben,  so  namentlich  clie  Tisůvka,  Záková  hora,  die  Berge 
W  von  Heralec,  dann  die  Gegend  NO  von  Čachnov,  O  von  Svratka.  Stellenweise, 
wenn  die  Lagerung  eine  flache  ist,  bildet  der  Gneusgranit  áhnliche,  aus  Bánken 
aufgebaute  mauerformige  Klippen,  wie  der  echte  Granit.  Besonders  malerisch  tritt 
diese  Felsbildung  bei  Křižánek  an  der  Svarcava  (Svratka)  und  an  den  Felsen 
„Devět  skal"  (Perničky)  in  Máhren  auf,  indem  daselbst  aus  bewaldeten  Kuppen 
maueráhnliche  Klippen  hervorragen.  Kleinere  solche  maueráhnliche  Klippen  finden 
sich  auch  O  von  Svratka  an  der  Záková  hora  und  iiberhaupt  in  diesem  Gránz- 
gebiete.  — 

Ein  ganz  eigenthúmlicher  Gneus  ist  der  grobflasrig  gestreckte  Gneus,  der 
in  der  Umgebung  von  Chlumětín,  Čachnov,  Karlstein,  Svratka  und  Svratouch  auf- 
tritt.  Derselbe  enthált  breite,  langgezogene  flasrige  Fláchen,  die  aus  Schúppchen 
von  Muscovit  und  Biotit  und  aus  vorwiegenden  kleinkornig  aggregirten  lang 
verzogenen  Orthoklasparthien  mit  dattelkornáhnlichen  rauchgrauen  Quarzkornern 
bestehen.  In  diesem  grobflasrig  gestreckten  Gestein  sind  stellenweise  bis  daumen- 
grosse  Orthoklaskrystalle  ausgeschieden.  Es  stellt  demnach  den  Typus  eines  grob- 
flasrigen  und  stellenweise  porphyrischen  Gneuses  vor.  Der  Bruch  des  lichten 
Gesteines  zeigt  nur  unvollkommene  schiefrige  Textur;  auch  die  Schichtung  ist 
eine  grobe.  Dieser  Gneus  wird  bei  Svratouch  von  Nestern  oder  Adern  eines  durcli- 
sichtigen  Rauchquarzes  durchsetzt  und  enthált  auch  dort  porphyrartig  ausgeschie- 
dene  Orthoklase;  er  iibergeht  dann  durch  Wechsellagerung  aber  auch  allmáhlig 
in  kurzflasrigen  Gránzgneus. 

In  der  Umgegend  von  Set.  Katharina  und  O  von  Rychnov  kommt  ein 
fleischrother,  flasriger,  gestreckter  Gneus  vor,  dessen  Flasern  aus  beiden  Glimmern 


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bestehen.  Am  deutlichsteu  zeigt  ihn  die  isolirte  Klippe  „Hápová  skála"  ge- 
nannt  an  der  Strasse  von  Krouna  nach  St.  Katharina  SO  von  Rychnov.  Dieser 
rothe  Biotit-Muscovitgneus  ist  von  demjenigen,  der  in  den  Ohebkaschluchten 
zwischen  Oheb  und  Bradlo  vorkómmt,  nicht  zu  unterscheiden ;  auch  er  zeigt  zur 
Schieferung  parallel  laufende  Orthoklasstreifen. 

In  der  Richtung  Heralec,  Kuchyň,  Hamry  (S  von  Hlinsko)  kommt  glimmer- 
reicher  Biotitgneus  vor;  zwischen  Kuchyň  und  Krejcar  erscheint  er  beinahe  hori- 
zontál gelagert.  Bei  Rychnov  aber  kommt  kleinkórniger  Augengneus  zum  Vor- 
schein ;  námlich  ein  schuppig  flasriger  Biotitgneus  mit  ausgeschiedenen  nicht 
grossen  Orthoklaskrystallen.  Die  Menge  des  Biotites  ist  eine  veránderliche.  In 
diesem  Gneuse  treten  mehrere  linsenfórmige  Kalklager  auf,  die  durch  weissen 
pegmatitartigen  Granit  in  nicht  máchtigen  Gángen  vielfach  verworfen  werden. 

Im  Bereiche  der  Silurgránze,  also  auf  der  Linie  Česká  Rybná,  Krouna, 
Hlinsko,  Vojnoměstec  findet  sich  vorwiegend  Biotitgneus,  meist  mit  flasriger  Structur, 
aber  doch  in  verschiedenen  Varietáten.  Nahé  an  der  Silurgránze,  allenfalls  unter 
der  kat.  Kirche  von  Krouna,  kommt  ein  Biotitgneus  vor  mit  ziemlichem  Glimmer- 
halte  und  mit  sparsamener  Augen  von  Orthoklas;  er  wechsellagert  mit  uneben 
schiefrigem  glimmerreichem  Gneus,  der  einzelne  Muscovitschuppen  fiihrt.  Ani 
sudlichen  Ende  von  Krouna,  also  weiter  von  der  Silurgránze  ist  der  Gneus  dem- 
jenigen von  Rychnov  áhnlich,  demnach  ein  Augengneus,  und  es  sind  in  demselben 
glimmerschieferartige  Gneuse  mit  Biotit,  Muscovit  (Fuchsit)  und  mit  etwas  Tur- 
malin,  in  einzelnen  Schichten  eingelagert. 

Bei  Blatné  und  Hlinsko  sind  die  oft  wellig  gebogenen  schiefrig-flasrigen 
Gneuse  nur  biotithaltig.  Seltener  erscheinen  auch  glimmerarme  Muscovitgneuse, 
so  bei  dem  Jágerhause  von  Pláňov  (ON  Hlinsko),  die  in  Biotitgneuse  iibergehen. 

In  diesem  Gneusgebiete  tritt  eine  bedeutendere  Masse  von  rothem  Granit 
auf ;  dieselbe  wird  zwischen  Kutřín,  Peralec  und  Proseč  von  Schichten  der  Kreide- 
formation  bedeckt,  zwischen  Kutřín  und  Miřetín  schliesst  sie  sich  aber  unmittelbar 
an  die  Silurinsel  an  und  setzt  sich  von  Česká  Rybná  uber  Končevina  weiter  gegen 
Borová  (SO  St.  Katharina)  fort.  Im  Norden  gránzt  der  rothe  Granit  an  die  Quader- 
sandsteine  des  unteren  Cenomans,  unter  welchen  er  sich  weiter  erstreckt,  worauf 
die  nur  einige  Schritte  breite  Entblossung  in  der  Thalsohle  S  von  Vranic  (S  Nové 
Hrady,  Neuschloss)  und  die  ebenfalls  aus  diesem  Granit  bestehende  Schlucht  S  von 
Jarošov  hindeuten.  Im  Westen  gránzt  der  in  einer  langen  breiten  Zunge  bis  gegen 
Borová  (zwischen  St.  Katharina  und  Polnička)  reichende  rothe  Granit  bei  Konče- 
vina an  rothen  flasrigen  Gneus,  O  von  St.  Katharina  an  Gneusgranit,  im  Osten 
aber  an  den  grauen  Granit.  Der  Gneusgranit  von  Katharina,  welcher  an  der 
Skalka  (A694m-)  besser  entblósst  ist,  konnte  zu  Irrungen  Anlass  geben  und  mit 
Gneus  verwechselt  werden  kónnen.  Es  ist  dies  aber  ein  biotitreicher  mehr  als 
deutlich  mittelkorniger  Granit,  welcher  als  Gránzgebilde  unvollkommen  schiefrig 
entwickelt  ist.  Ebenso  ist  der  graue  Granit  ostlich  von  der  Zunge  des  rothen 
Granites,  dessen  Masse  bei  der  Glashiitte  Marienwaid  und  Stein-Sedlíšť,  Budislav 
im  Norden,  dann  bei  Pořič,  O  Lubna  im  Osten  unter  untercenomanen  Quadern 
verschwindet,  ebenfalls,  aber  ganz  unbedeutend  schiefrig.  Die  Biotitschuppen, 
welche  das  untergeordnete  Gemenge  mit  weissem  Orthoklas  und  lichtem  Quarz 


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bilden,  sind  námlich  nur  ganz  wenig  parallel  gelagert.  Nur  an  einera  Orte  ent- 
hált  der  Granit  etwas  Amphibol  neben  Biotit.  Auf  diesem  grauen  Granit  koramen 
in  Vertiefungen  Torflager,  in  demselben  aber  auch  Gánge  von  rothem  Granit  vor. 
Dieses  Granitvorkommen  im  S  des  Gradkartenblattes  Zone  6  Colonne  XIV  steht 
mit  dem  eigentlicben  Eisengebirge  schon  beinahe  in  keinem  Zusamnienhange.  Hier 
bei  Borová,  was  jedocn  schon  ausserhalb  der  Kartě  liegt,  ist  der  rotlie  mittel-  bis 
kleinkornige  Granit  stellenweise  einem  glimmerarmen  Muscovit  und  Biotit  fuhrenden 
Gneusgranit  áhnlich. 

Von  Miřetín  an  zeigt  sich  von  dem  Prosečer  Granitmassiv  eine  kaum 
1/2  Kilom.  breite  mehr  als  172  Myr.  lange  Abzweigung,  welche  sich  zwischen  dem 
Silur  und  dem  Gneus  als  ein  enger  Gránzstreifen  von  Miřetín  liber  Krouna, 
Hlinsko  bis  gegen  Vítanov  verfolgen  lásst.  Erst  von  Vítanov  bis  Vojnoměstec 
kommt  Gneus  unmittelbar  mit  dem  Silur,  jedoch  in  discordanter  Lagerung,  in 
Berúhrung. 

Der  rothe  Granit  in  diesem  Streifen  ist  an  den  Gránzen  mit  dem  Silur- 
schiefer  oder  dem  Gneus  stellenweise  als  Aplit- Granit  entwickelt,  welche  Granit- 
varietat  úberhaupt  háufig  an  den  Gránzen  sich  aus  dem  gewóhnlichen  Granite 
herausbildet.  Ebenso  ist  auch  grauer  Granit  zwischen  Dědová  und  Krouna  und 
bei  Plaňan  als  Stellvertreter  des  rothen  Granites  entwickelt.  Die  Gránze  des 
Gneuses  mit  dem  Silur  erscheint  demnach  als  eine  tiefe  Bruchspalte,  aus  der 
Granit  als  ein  langer  eingeschobener  Gangstock  hervortrat,  indem  er  die  beiden 
geschichteten  Gesteine  von  einander  trennte. 

Zwischen  Hlinsko  und  Vítanov  zersplittert  sich  die  Granitmasse  in  ein- 
zelne  Gangzíige  und  in  der  unmittelbaren  Gránze  mit  den  Silur schiefern  geht  sie 
in  einen  schiefrigen  Felsitporphyr  liber.  Das  Vorkommen  von  diesem  Porphyr 
unmittelbar  an  der  Silurgránze  wáre  demnach  ein  neuer  Beleg  fur  die  Umwandlung 
eines  deutlich  krystallinischen  Eruptiv-Gesteines  in  ein  weniger  deutlich  krystalli- 
nisches  Gestein  an  den  Gránzen  mit  álteren  Schiefergesteinen.  Es  kann  aber  hier 
das  Gestein  auch  mit  gewissen  Gneusen  verwechselt  werden,  da  es  wenig  Muscovit 
(Pyrophyllit  ?)  enthált  und  Streckung  zeigt. 

Áhnliche  Quarz-  und  Felsitporphyre  findet  man  auch  an  der  Gránze 
zwischen  Silur  und  Gneus  NO  von  Vojnoměstec,  O  von  Kreuzberg. 

An  den  Contactstellen  zwischen  Hlinsko  und  Vítanov  sind  Amphibol- 
schiefer  von  kleinkorniger  Textur  ebenso  háufig  zu  finden  wie  die  gneusáhnlichen 
Porphyre. 

Amphibolschiefer  kommt  im  Gebiete  dieses  bohmisch-máhrischen  Gránz- 
gneuses  selten  vor;  denn  nur  zwischen  Krouna  und  Svratouch  ist  er  nach  den 
herumiiegenden  Brocken  nachweisbar. 

In  dem  Gránzzuge  des  Granites  trifft  man  auch  Diorite,  so  besonders 
zwischen  Plaňan  und  Hlinsko  an ;  manche  derselben  sind  recht  grobkornig.  Ebenso 
ist  in  eben  derselben  Gránze  ein  kleiner  Stock  eines  dem  Corsit  ganz  áhnlichen 
Gesteines  (SW  von  Kladné)  eingelagert. 


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d)  Das  Silur  von  Elbe-Teinic  bis  zum  Hauptbruch. 

(Zbislavec-Chotěnic.) 

Auf  den  laurentinischen  Phyllit-Glimmerschiefern  und  den  gewóhnlicheu 
Glimmerschiefern  des  Steilabhanges  zwischen  Elbe-Teinic  und  der  Burgruine 
Lichnice  ruhen,  so  weit  eben  an  den  wenigen  besser  entblóssten  Stellen  zu 
sehen  ist,  die  Silurschichten  in  concordanter  Lagerung.  Das  tiefste  Silur  im 
inneren  Bohmen  bildet  die  cambrische  Stufe,  so  auch  hier.  7)  In  dem  Gebiete, 
von  welchem  dieser  Abschnitt  handelt,  sind  nur  cambrische  Gesteine  vorbanden. 
Sie  sind  ganz  analog  den  Gesteinen  der  Etagen  A  und  B  im  Hauptsilurbecken 
Bohmens,  ja  sie  hángen  wahrscheinlich  mit  denselben  zusammen,  und  zwar  in 
der  Elbeniederung  unter  den  Schicbten  der  Perm-  und  Kreideformation,  in  der 
etwa  40  Kilom.  betragenden  Strecke  zwischen  Elbe-Teinic,  Kolin,  Kaunic.  Unent- 
schieden  ist  das  Vorkommen  der  Etage  C,  die  Barrande  hinsichtlich  der  Fauna 
als  die  silurische  Primordialzone  bezeichnet,  wáhrend  áltere  englische  Geologen 
sie  zum  oberen  Cambrien  záhlen. 

Die  Etage  A. 

Dieselbe  besteht  wie  im  centralbohmischen  Becken  aus  schwarzen  (graphi- 
tischen)  Phylliten  von  ziemlich  ebenschiefriger  Textur ;  stellenweise  sind  dieselben 
mit  Pyrit  imprágnirt,  besonders  im  Liegenden,  so  an  der  Elbe  bei  Vinařic  an  der 
Eisenbahn;  fig.  3.  pag.  30.  (Telegraphenstange  225  oder  Bahnkilometer  335*0), 
dann  zwischen  Vápenice  und  Semtěš,  sowie  auch  in  der  Schlucht  von  Licoměřic 
im  Liegenden  des  Kalklagers.  An  den  ersteren  zwei  Orten  zeigen  sich  citronengelb 
angeflogene  Kliifte,  was  offenbar  von  Pyritzersetzungen  herrůhrt.  Der  Zug  der 
Schichtenzone  A  erweitert  sich  bis  bei  Chvaletic  uber  1  Kilom.  und  verengt  sich 
dann  wieder  bis  auf  200m-  bei  Bumbálka.  Das  Liegende  desselben  ist  entweder 
laurentinischer  Glimmerschiefer,  oder  Granit,  wo  derselbe  eingeschaltet  ist,  unmittel- 
bar  an  der  Gránze  theilweise  auch  Quarzporphyr. 

In  den  vorherrschenden  schwarzen  Phylliten  kommen  untergeordnet  leiiti- 
culare  Schichten  von  Schwarzem  Lydit  vor,  so  namentlich  zwischen  Chvaletic  und 
Zdechovic,  bei  Litošic,  NW  von  Bumbálka,  endlich  an  der  Skála  (Divadlo)  SO 
von  Licoměřic,  da  wo  die  Etage  A  an  den  Licoměřic-  (Zbislavec-)Chotěnicer  Ver- 
schiebungsbruch  anlangt.  Hier  hat  der  bráunliche  oder  nur  graue  Lydit  ein  steiles 
Einfallen  nach  4h-  und  ist  von  einem  zahlreichen  Quarzgeáder  ganz  durchsetzt,  so 
wie  mit  Linearparallelismus  zugleich  gestreckt.  Aber  auch  lenticulare,  wenig 
máchtige  Schichten  (oder  Lager)  von  weissem  Quarz  zeigen  sich  in  dem  Phyllite; 
dieselben  sind  meist  nur  nach  losen  Blócken  erkennbar,  so  SW  von  Litošic,  N 
von  Bumbálka;  doch  trifft  man  sie  auch  als  echte  lenticulare  Lager  im  Schiefer 
eingelagert,  so  O  von  Licoměřic. 

Ein  drittes  Gestein,  das  noch  mehr  untergeordnet  auftritt,  ist  krystallini- 
scher  Kalk.  Derselbe  bildet  kurze  aber  máchtige  Schichtencomplexe  in  Gestalt  von 
Linsen;  so  bei  Vápenka  (NO  von  Semtěš)  und  zwar  hier  in  so  stark  mit  Pyrit 


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impraegnirten  Schichten,  dass  sie  auch  als  Alaunschiefer  gelten  konnen.  Dieselben 
enthalten  Lim onitn ester  unci  Rinden,  so  wie  auch  Schichten  eines  weissen  oder 
grauen  krystallinischen  Kalksteines,  der  gleichfalls  etwas  Pyrit  in  Kornchenform 
einschliesst.  Das  Kalklager  selbst,  von  5—6  Metern  Máchtigkeit,  ist  vielfach 
verworfen.  In  demselben  ist  ein  alter  nun  aufgelassener  Steinbruch  eróffnet,  aber 
von  Steingeschiitt  ganz  bedeckt  8),  so  dass  die  Lagerungsverháltnisse  des  Gesteines 
nur  undeutlich  wahrgenommen  werden  konne.  Mehrere  hundert  Schritt  davon 
NNO  von  der  Barackengruppe  (Husí  Hovno)  liegen  Kalkbrocken  am  Waldsaume 
zerstreut,  und  es  durfte  auch  hier  also  ein  Kalklager  angedeutet  sein. 

Ein  máchtigeres,  doch  ebenso  kurzes  Lager  ist  in  der  Licoměřicer  Wald- 
schlucht  (v  dolech)  durch  einen  verlassenen,  nun  mit  Wasser  angefiillten  Stein- 
bruch aufgeschlossen.  Er  verflácht  sich  gleichfalls  gegen  NO,  obwohl  wegen  der 
Zerkluftung  des  Gesteines  die  Lagerung  nicht  ganz  deutlich  zu  erkennen  ist. 
Zwischen  dem  gewiss  mehr  als  10m-  máchtigen  Kalklager  und  deni  Liegenden  ist 
der  Phyllit  niit  Pyrit  impraegnirt  und  enthált  so  wie  der  liegende  Glimmerschiefer 
Quarzausscheidungen ;  das  Yerfláchen  der  Schichten  ist  hier  23/4h-  niit  45°;  an 
anderen  Stellen  daselbst  aber  ist  der  Phyllit  so  stark  transversal  geschiefert,  dass 
dessen  wahre  Schichtung,  die  nach  1 3/4h-  mit  74°  verflácht,  nur  nach  den  lichteren 
Streifen  in  demselben  kenntlich  ist,  wáhrend  das  Verfláchen  der  Schieferung  maist 
nach  6h-  mit  40°  gerichtet  ist.  Diese  Erscheinung  der  trausversalen  Schieferung 
durfte  hier  schon  durch  die  Náhe  des  Verschiebungsbruches  bedingt  sein. 

Bemerkenswerth  ist  das  Yorkommen  von  Diorit  unci  Gabbrogángen  in 
der  Schichtenzone  der  Phyllite  W  von  Chvaletic  und  Telčic.  SW  von  Telčic  aber 
tritt  zwischen  den  Phylliten  der  Etage  A  und  dem  Granit  ein  Stock  von  Diorit- 
aphanit  auf,  an  welchen  sich  in  dem  Gehánge  gegen  Telčic  ein  ganz  eigenthumliches 
Gebilde  anschliesst.  Es  ist  dies  námlich  eine  Contactbreccie,  deren  Bruchstúcke  bis 
zur  Faustgrosse  aus  Glimmerschiefer,  Quarz,  Dioritaphanit  bestehen,  wáhrend  das 
Bindemittel  ein  grauer  Felsit  ist.  Man  komité  bei  der  rundlichen  Form  der  Bruch- 
stiicke,  die  erst  an  der  angewitterten  Oberfláche  gut  zum  Vorschein  kommen,  diese 
Contactbreccie  fiir  ein  Conglomerat  halten,  indessen  ist  bei  náherer  Betrachtung 
eine  Verwechslung  nicht  moglich.  Gewisse  Brocken  der  Breccie  mogen  auch  durch 
Dioritaphanit  verkittet  sein. 

Bei  Chvaletic  (W)  durchsetzt  ein  Limonitgang  (Gangbreccie)  die  Schiefer; 
derselbe  enthált  hier  auch  Psilomelan. 

Wiewohl  iVTFvon  Elbe-Teinic  auf  der  Kartě  nur  laurentinische  Glimmer- 
schiefer verzeichnet  sind,  so  kómmt  doch  S  von  Bělušic  (etwas  uber  1  Kilom.) 
Lyclit  und  graphitischer  Phyllit  der  Etage  A  in  Bruchstucken  vor,  also  im  Liegenden 
des  Glimmerschiefers ;  es  durfte  dies  eine  Dislocation,  die  aber  von  Schichten  der 
Kreideformation  verdeckt  ist,  andeuten.  Der  Fund  von  graphitischem  Phyllit  und 
Lyclit  hier,  sowie  eines  dem  Glimmerschieferphyllit  áhnlichen  Gesteines  unterhalb 
Elbe-Teinic  am  rechten  Elbeufer,  weist  ubrigens  mit  Sicherheit  darauf  hin,  dass 
die  Silur-  (cambrische)  Zone  mit  dem  Glimmerschiefer  bis  an  das  rechte  Elbeufer 
reicht.  Am  linken  Elbeufer  liegen  die  Phyllite  der  Etage  A  gleichfalls  unter 
Glimmerschiefern,  und  sind  also  auch  hier  becleutend  dislocirt.  Erst  von  Kojic  an 
geht  der  Zug  der  cambrischen  Phyllite  regelmássig  weiter.    N  von  Zdechovic 


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kommen  darni  Phyllite,  die  einigermassen  an  Glimmerschieferphyllit  erinnern,  zum 
Vorschein,  und  es  ist  allerdings  nicht  sicher,  ob  sie  der  Etage  A  oder  B  zu- 
zuzáhlen  seien. 

Auch  N  von  Zbislavec  ist  das  Ende  der  Schiefer-Etage  A  an  dem  Ver- 
schiebungsbruch  schwierig  zu  bestimmen,  weil  daselbst  die  zerbróckelteii  Schiefer 
dieser  Etage  von  denen  der  Schichtenzone  Ddj,  die  hier  an  dieselben  anstósst, 
schwer  auseinander  zu  halten  sind. 

.Die  Etage  B  und  C. 

Dieselbe  besteht  aus  Grauwacken  und  quarzigen  Grauwackeneonglome- 
raten,  dann  aus  Grauwackenschiefern,  die  stellenweise  zu  phyllitáhnlichen  Gesteinen 
umgewandelt  sind.  Zu  diesen  Gesteinen  treten  noch  Chloritdioritaphanite,  grobe 
Aphanitconglomerate,  tuffáhnliche  Grauwacken  und  Grauwackenschiefer  hinzu.  Der 
Wechsel  der  grauwackenartigen  Gesteine  ist  ein  so  mannigfaltiger,  dass  bestimmte 
typische  Formen  derselben  nicht  leicht  ausgewáhlt  werden  konnen. 

Es  ist  auch  schwierig,  beide  Etagen  B  und  C  auseinander  zu  halten,  da 
sie  nur  nach  dem  Gesteinshabitus  unterschieden  werden  konnen.  Die  Lagerungs- 
verhaltnisse,  die  sonst  in  solchen  Fállen  die  Entscheidung  ermóglichen,  sind  hier 
aus  dreierlei  Ursachen  nicht  hinreichend  deutlich  zu  erkennen ;  u.  zw.  erstlich 
wegen  dem  Chloritdioritaphanit,  der  zut  Zeit  der  Bildung  einer  dieser  Etagen 
B  oder  C,  also  am  Meeresgrunde  hervordrang  und  die  deutliche  Aufeinanderíolge 
der  Schichten  verwischte;  dann  zweitens,  weil  die  Dislocationen  im  Eisengebirge 
sehr  bedeutend  sind,  und  bei  saigeren  oder  steilstehenden  Schichten  es  schwierig 
wird  die  álteren  von  den  jungeren  Schichten  zu  unterscheiden,  wenn  dieselben 
nicht  durch  besondere  schon  im  Voraus  bekannte  Merkmale  characterisirt  werden ; 
endlich  aber  auch  darům,  weil  die  Entblossung  der  Lagerungsverháltnisse  so  háuřig 
zu  mangelhaft  ist,  als  dass  sie  gestattete,  mit  volliger  Klarheit  die  geologischen 
Verháltnisse  zu  entráthseln. 

Die  Gesteine  der  Etage  B  und  C  scheinen  eine  sehr  steil  geschichtete 
Mulde  zwischen  der  Etage  A  und  der  horizontálen  Schichtenlagerung  der  Kreide- 
formation  im  Přeloučer  Flachlande  zu  bilclen;  die  Schichten,  welche  sich  an  die 
Etage  A  anschliessen,  verfláchen  námlich  nach  NO;  in  der  Richtung  Spitovic, 
Jankovic,  Seník,  Pelechov,  Lipoltic,  Ledeč,  Stojic  stehen  sie  aber  saiger  oder 
fallen  steil,  bald  nach  NO  bald  nach  SW  ein,  und  zwischen  Spitovic,  Kozašic, 
Brhloh,  Tupes,  Chrtník,  Raškovic,  Chotěnic  fallen  sie  wieder  allermeist  nach  NO 
ein,  nur  stellenweise  wie  bei  Tupes  steil  nach  SO  oder  stehen  saiger,  wie  bei 
Lipoltic.  — 

Es  ist  demnach  sehr  schwer  die  genauere  Altersfolge  dieser  Schichten 
anzugeben,  und  nur  die  Áhniichkeit  des  petrographischen  Charakters  gewisser 
Schichten  mit  clen  Gesteinen  der  Etage  B  bei  Příbram  oder  mit  denen  der  Etage 
C  bei  Jinec  und  Skrej,  lásst  darauf  schliessen,  dass  auch  die  hiesigen  Gesteine 
den  oberwáhnten  Etagen  angehoren  konnten;  es  wird  ubrigens  diese  Wahr- 
scheinlichkeit  noch  dadurch  bekráftigt,  dass  im  óstlichen  Theile  des  Eisengebirges 
die  Etage  Dd2  im  Hangenden  der  cambrischen  Zone  mit  ziemlich  bestimmter 
Sicherheit  nachgewiesen  werden  kanu. 


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Zwischeu  Krakován  am  rechten  Elbeufer  bis  Chvaletic  ara  linken  Ufer 
zeigt  sich  keine  Spur  vou  Gesteinen  dieser  beiden  Etagen,  da  dieselben  hier  unter 
dem  Elbealluvium  und  unter  den  Schichten  der  Kreideformation  verborgen  liegen. 
Erst  zwischen  Chvaletic  und  Zdechovic  zeigt  sich,  so  viel  die  stellenweise  ab- 
geschwemmten  Schichten  des  Kreidesystems  zu  sehen  erlauben,  uber  den  schwarzen 
phyllitáhnlichen  Thonschiefern  der  Etage  A  dunkelgriiner  Chloritdioritaphanit  an- 
stehend.  Derselbe  lásst  sich  dann  iiber  Zdechovic,  Morašic,  Krasnic,  Litošic, 
Lhotka,  Sobolusk,  Urbanic,  Turkovic,  Nový  dvůr,  Bukovina,  Březinka,  Holotín, 
Hošťalovic  bis  gegen  Sloukovic  und  von  Licomělic  bis  iiber  Vlastějov  verfolgen. 

Dieser  Chloritdioritaphanit  hat  die  Gestalt  eines  sehr  máchtigen  Stockes, 
der  auch  echt  sedimentáre  Einlagerungen  umschliesst;  er  zeigt  eine  gewisse,  obwohl 
ganz  undeutliche  Schieferung  oder  Plattung,  die  aber  doch  so  entwickelt  ist,  dass 
man  erkennt,  wie  er  hauptsáchlich  gegen  NO  verflácht,  oder  auch  steil  einfállt. 
Bei  Licomělic  ONO,  wo  dies  Verháltniss  deutlicher  ist,  verfláchen  die  Bánke  nach 
273h'  mit  75°,  an  einem  andern  Orte  W  von  Licomělic  stehen  sie  saiger  an  und 
streichen  nach  83/4h'  Ebenso  ist  das  NO  Verfláchen  auch  bei  Zdechovic  uberall 
gut  erkennbar. 

Trotz  der  Benennung  des  Gesteines  als  Aphanit  ist  seine  Textur  eigentlich 
eine  porphyrartige,  da  mehr  als  millimeterlange  Krystállchen  von  Plagioklas  in 
dem  Gesteine  ausgeschieden  sind,  wodurch  die  Textur  demnach  eine  nicht  aphani- 
tische,  sondern  eine  andesitáhnliche  ist. 

Stellenweise  sind  Epidotkórner  oder  Epidotamygdaloide ,  dann  Chlorit, 
Quarz  und  Calcitamygdaloide  oder  Nester  ausgeschieden,  wodurch  das  Gestein 
sich  von  dem  gewohnlichen  Aphanit  unterscheidet  und  als  Epidot-Chlorit-Diorit- 
Aphanit  auf  der  geologischen  Kartě  ausgeschieden  ist. 

Indessen  darf  hier  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden,  dass  in  platte 
Scherben  zerfallende  Aphanite,  die  auch  gestreckte  grobe  Brocken  geben,  gewissen 
Aphanittuffen  oder  tuffigen  Grauwackenschiefern  áhnlich  sehen,  namentlich  wenn 
diese  Gesteine  nicht  ganz  gut  entblósst  oder  schon  etwas  angegriffen  sind.  Die 
Gránzbestimmungen  zwischen  diesen  Gesteinen  ist  desshalb  an  weniger  entblóssten 
Stellen,  wie  iusbesonders  in  der  Umgebung  von  Hošťalovic  und  Licomělic  nur 
beiláufig  richtig. 

Der  Aphanit  mit  seinen  Varietáten,  deren  náhere  Beschreibung  spáter 
folgen  wird,  ruht  bei  Zdechovic,  dann  bei  Morašic  und  zwischen  Sobolusk  bis 
Březinka  unmittelbar  auf  den  Phylliten  der  Etage  A,  u.  zw.  hóchstwahrscheinlich 
in  concordanter  Auflagerung,  obwohl  dies  durch  keine  unmittelbare  Anschaiumg 
nachgewiesen  werden  kann.  Zwischen  Zdechovic  und  Morašic  und  von  da  bis 
Sobolusk  aber  bildet  tuffige  Grauwacke  das  Hangende  der  Phyllite  der  Etage  A. 
Als  tuffige  Grauwacke  sind  auf  der  Kartě  verschiedenartige  undeutlich  bis  deutlich 
schiefrige  oder  kórnige  Gesteine  ausgeschieden,  deren  Farben  dunkelgriine  oder 
griinliche  sind,  und  die  ausser  wenig  Quarz,  Feldspath  und  dergl.  auch  Brocken 
oder  verhárteten  Schlamm  von  Aphanit  enthalten,  von  dem  eben  die  grúne  Fárbung 
des  Gesteines  herruhrt.  Statt  Feldspath  fuhren  die  Grauwacken  auch  nur  Kaolin 
in  der  Form  von  Orthoklasbrocken.  Diese  Grauwacken  sind  stellenweise  auch  als 
Conglomerate  entwickelt,  so  zwischen  Stojic  und  Rašovic,  wo  sie  weisse  bis  nuss- 


! 

47 

grosse  Quarzgerólle  enthalten,  stelleuweise  aber  auch  als  schiefrig  sandsteinartige 
lne  und  da  von  Quarzadern  durchtriimmerte,  oder  als  griinliche  kleinkórnige  oder 
als  schiefrige  Grauwacken-  Bei  Turkovic  ist  die  Grauwacke  wieder  lichtgrau, 
aus  Quarzgerollen,  Schieferbrocken,  aufgelosten  weissen  oder  noch  fárbigen  Aphanit- 
tgeschieben  bestehend  und  hat  trotz  cles  groben  Kornes  eine  ziemlich  deutliche 
schiefrige  Structur.  An  anderen  Orten  aber  wird  der  Gehalt  au  Aphauitbrocken 
oder  eruptivem  Schlamm  so  bedeutend,  dass  sich  aus  ílenselben  ein  Ůbergang  in 
Diorit(aphanit)tuff  entwickelt,  wie  man  dies  bei  Litošic,  Sobolusk,  Sloukovic 
u.  a.  a.  O.  beobachteu  kanu.  Das  Verfláchen  der  Schichten  ist  daselbst  unter  45° 
nach  41/3h-  gerichtet. 

Die  Gránzen  sind  demnach  nur  gegen  den  Aphanit  zu  etwas  schárfer, 
gegen  die  anderen  sedimentáren  Gesteine  aber  sind  sie  weniger  deutlich. 

Die  unter  einer  Farbe  auf  der  Kartě  als  griinliche  tuffige  Grauwacken 
ausgeschiedenen  Gesteinen  haben  aber  an  verschiedenen  Stellen  ein  verschiedenes 
Alter;  jedenfalls  sind  dieselben  jiinger  als  der  Aphanit  oder  mindestens  gleich- 
zeitige  Bildungen  mit  demselben.  Sie  kommen  sowohl  im  Liegenden  des  Aphanites 
als  auch  in  dessen  Hangendem  und  im  Aphanite  selbst  vor.  Oft  sind  dieselben  so 
beschaffen,  dass  sie  den  Ůbergang  in  die  grosskornigen  Diorittuffconglomerate 
vermitteln. 

Das  grosskornige  Diorittuffconglomerat  besteht  aus  einer  gríinen  tuffigen, 
verschieden  fein-  bis  mittelkornigen,  etwas  wenig  schiefrigen  Grundmasse  mit  sehr 
grossen,  meist  faustgrossen  Gerollen  von  Aphanitvarietáten  und  auch  von  quarzigen 
Grauwacken  sowie  von  Lydit.  Die  Schichtung  ist  eine  grobe,  und  nach  der  Lage 
der  Gerólle  immer  wahrnehmbar;  das  Verfláchen  geht  meist  gegen  NO  und  ist 
recht  steil.  Dieses  sehr  charakteristische  Gestein  bildet  theils  einzelne  Bánke  ohne 
scharfe  Gránzen  in  der  tuffigen  Grauwacke,  háufiger  aber  Schichtenbánke  unter 
dem  Chloritdioritaphanit  oder  uber  demselben,  oder  in  diesem  Aphanite  selbst. 
Hierdurch  wird  offenbar  die  theilweise  gleichzeitige  Entstehung  dieser  Conglomerate 
mit  dem  Aphanit  angedeutet,  und  zugleich  die  Annahme  wahrscheinlich  gemacht, 
dass  alle  diese  Gesteine  eigentlich  nur  einer  Bildungsperiode  angehoren. 

Eine  máchtige  Lagerstockmasse  des  Conglomerates  ist  von  Krasnic  uber 
Litošic  bis  gegen  Rašovic  unter  den  Aphanit  und  auch  in  demselben  abgelagert; 
bei  Lhotka  liegt  sie  aber  im  Hangenden  des  Aphanitlagerstockes.  Endlich  tritt 
eine  solche  Masse  auch  N  von  Kostelec  als  Insel  in  den  Schichten  der  Kreide- 
formation  auf,  und  zwar  mit  Schichten,  die  sich  nach  13h-  mit  33°  auch  nach  ll3/4 
mit  63°  verfláchen.  Die  náheren  Verbandverháltnisse  sind  hier  nicht  wahrnehmbar. 
In  dem  Conglomerate  von  diister  grauen  oder  griinen  Farben  ist  das  Binclemittel 
der  Gerolle  trotz  seiner  sedimentáren  Entstehung  und  Zusammenschwemmung  von 
Schlamm  oder  von  zerbrockeltem  Aphanit  so  eigenthiimlich,  dass  es  unter  dem 
Mikroscope  von  wirklich  eruptiven  Gesteinen  kaum  zu  unterscheiden  ist.  Hier 
entscheiden  alles  die  Lagerungsverháltnisse.  Auch  feinkornige  bis  kornige  Tuffe, 
die  mit  plattigem  Aphanit  oder  mit  gewissen  dunkel  gríinen  Grauwackenschiefern 
um  so  leichter  verwechselt  werden  konnen,  je  mehr  angewittert  sie  sind,  kommen 
mit  den  Aphaniten  bei  Hošťalovic  vor. 


48 


Das  Altersverháltniss  dieser  Aphauite,  Tuffe,  Tuffconglomerate  unci  tuffigen 
Grauwacken  zu  den  quarzigen  griinlichen  oder  grauen  Grauwacken  und  Grau- 
wackenschiefern,  konnte  hier  nicht  náher  bestimmt  werden. 

Sehr  charakteristisch  ist  die  lichtgelblichgraue  oder  blass  rothlichgraue 
quarzige  Grauwacke,  welche  theils  als  quarziges  Grauwackenconglomerat,  theils 
als  grobkornige  bis  mittelkornige  quarzige  Grauwacke  zu  Tage  tritt  und  auffallend 
an  die  áhnlichen  Grauwacken  der  Barrande'schen  Etage  B  bei  Přibram  erinnert, 
wesshalb  sie  hier  auch  mit  dem  dieser  Áhnlichkeit  entsprechenden  Wahrschein- 
lichkeitsgrund  als  analog  dem  mittelbóhmischen  B  Conglomerate  und  der  Grauwacke 
angefúhrt  wird,  trotzdem  die  Lagerungsverháltnisse  derselben  gegen  die  Schiefer- 
étage  A  hier  nirgends  deutlich  aufgeschlossen  sind. 

Unter  sehr  dislocirten  und  trotz  aufmerksam  vorgenommener  Mappirung 
nicht  náher  deutbaren  Verháltnissen,  treten  quarzige  Grauwacken  und  Grauwacken- 
conglomerate  an  der  Černá  Skála,  N  von  Hoštalovic,  dann  zwischen  Březinka  und 
Sloukovic  und  Vlastějov,  in  dem  Aphanite  oder  nahé  an  demselben  auf.  Die 
Černá  Skála  besteht  aus  einer  lichtgrauen  bis  lichtbraunen  mittelkorniger-quar- 
zigen,  festen  Grauwacke  (ohne  Lyditgerolle),  die  von  den  Příbramer  Grauwacken 
B  kaum  zu  unterscheiden  ist.  Die  Schichtenbildung  dieser  Felsenkuppe  ist  ganz 
deutlich,  da  zwischen  den  aus  weissen  Quarzgerollen  bestehenden  Schichten 
fingerdicke,  quarzige,  feinkornige,  undeutlich  schiefrige  Grauwackenlagen  ein- 
geschaltet  sind.  Hiebei  sind  aber  die  i/2 — 7;$m*  máchtigen  Schichten  verworren 
wellig  gebogen  und  vielfach  von  ldm-  máchtigen  milchweissen  Quarzgángen  sowie 
von  Gangtrúmmern  durchsetzt.  Auf  einem  kleinem  Kaume  wechselt  das  Verfláchen 

nach  24h-,  llh- ,  9h- ,  772h-,  53/4N  und  s«  w- 
FlS-  4-  unter  verschiedenen  Winkeln.  Fig.  4.  zeigt  die 

černá  Skáia.  laooo,  ímm  ~im.  W  Seitenansicht  des  hochsten  Theiles  der  Černá 

Skála.  Da  der  Felsgrat  aus  Aphaniten  hervorragt, 
so  liegt  die  Vermuthung  nahé,  dass  die  hier 
beobachteten  Dislocationen  durch  das  Eruptiv- 
gestein  hervorgebracht  wurden  und  dass  dem- 
nach  die  Grauwacke  (der  Etage  B)  alter  sei  als  der  Aphanit,  und  entweder  in  der 
Tiefe  mit  den  andern  quarzigen  Grauwacken  zusammenhánge  oder  als  Scholle  in 
der  Decke  des  Aphanites  stecke. 

Die  andern  quarzigen  Grauwacken  und  Conglomerate  von  Březinka  bis 
Vlastějov  sind  theils  nur  nach  grossen  Blocken,  die  zerstreut  herumliegen,  bestimm- 
bar,  theils  sieht  man  sie  auch  in  einzelnen  Steinbruchen  anstehen,  doch  mit  schwer 
wahrnehmbarer  Schichtung;  nur  bei  Hoštalovic  bemerkt  man  ein  deutliches  Ver- 
fláchen nach  N. 

Ein  klares  Bild  der  Lagerungsverháltnisse  kann  man  also  aus  den  ge- 
machten  Beobachtungen  nicht  zusammenstellen,  wohl  hauptsáchlich  desswegen, 
weil  hier  bei  Vlastějov  und  in  der  Umgegend  der  Einfluss  des  grossen  Schichten- 
bruches  noch  ein  zu  bedeutender  ist,  als  dass  er  eine  grossere  Parthie  von  un- 
gestortem  Felsenbau  zur  Beobachtung  iibrig  gelassen  hátte.  Ganz  anders  ist  es 
zwischen  Spitovic,  Jankovic,  Tupes,  Lipoltic,  Chrtník,  Raškovic  und  Chotěnic,  wo 
quarzige  Grauwackenconglomerate  von  bedeutender  Festigkeit  eiuen  zwar  niedrigen 


49 


aber  im  Terrain  scharf  markirten  Felseugrat  bilden.  Das  Gesteiu  dieses  Grates 
besteht  liauptsácblich  aus  bis  nussgrossen  reiuen  halbdurchsichtigen  Quarzgeróllen, 
so  wie  aus  spárlicheren,  schwarzen  Lyditgerollen,  die  durch  ein  quarziges  Cement 
verbunden  werden.  Dieser  Cement  ist  stellenweise  rosenroth  gefárbt,  stellenweise 
kommen  aucli  róthlich  angeflogene  Kliifte  oder  Schichtfláchen  vor;  die  Schichtung 
des  Gesteines  ist,  wenn  auch  undeutlich,  docli  wahrnehmbar.  Die  NO  Fláche 
der  Schichten  fállt  uuter  die  Schichten  der  Kreicleformation,  so  dass  deren  Máchtig- 
keit  nicht  bestimmt  werden  kann.  Diese  quarzigen  Grauwacken  des  Grates  lassen 
sich  auf  die  Lange  von  17  bis  18  Kilom.  verfolgen;  ihre  horizontále  Breite  betrágt 
im  Mittel  nur  % — l/s  Kilom.,  weil  cler  grossere  Theil  derselben  unter  der  Kreicle- 
formation liegt.  Zuř  Zeit  des  Kreidemeeres  ragten  clieselben,  als  ein  mauerartiges 
Riff,  oder  als  eine  Klippenreihe  uber  das  Niveau  cles  Meeres.  Es  hat  beinahe 
den  Anschein,  als  ob  diese  Grauwacken  in  dem  steilen  aber  niedrigen  Hugelzuge 
Spitovic-Chotěnic  nur  den  etwas  steiler  geneigten  Rand  eines  Schichtenzuges  dar- 
stellten,  der  sich  unter  der  Fláche  der  Kreideformation,  aus  dem  er  bei  Spitovic 
kuppenartig  hervorragt,  sanfter  wellenformig  ausbreitet.  Das  Verfláchen  an  cler 
letzt  erwáhnten  Kuppe  geht  nach  23/4 — 4b-  mit  50°.  Einzelne  isolirte  Klippen 
treten  auch  weiter  in  der  Ebene  cles  Kreidesystems  auf,  so  clie  Čertová  skála 
(NW  von  Spitovic),  dann  bei  Svinčan,  und  sind  selbst  bis  l1/,  Kilom.  von  dem 
zusammenhángenden  Grauwackenzuge  gegen  NO  entfernt,  was  offenbar  auf  die 
weitere  Verbreitung  der  Grauwacken  unter  der  Kreideformation  hinweist. 

Das  Verfláchen  der  Grauwacken  ist  ein  vorherrschencl  nordóstliches : 
zwischen  Kozašic  und  Zclechovic  fallen  die  Schichten  nach  2ll3h-  mit  50°  bis  4h- 
mit  37°  ein;  eine  hier  háufiger  roth  gefárbte  Zerklúftung  verflácht  nach  19h-  mit 
46° ;  bei  Tupes  aber  steil  nach  SW;  in  der  Lipoltická  skála  gleich  daneben,  cla 
wo  feinkórnige  Quarzite  eingelagert  sind,  theils  mit  86°  nach  133/4h',  theils  nach 
22/3h- mit  76°;  stellenweise  stehen  die  in  den  Schichtungsfugen  stark  roth  gefárbten 
Schichten  auch  ganz  saiger.  Zwischen  Lipoltic  und  Chrtník  im  Harvaník-Ríicken 
ist  das  Verfláchen  NO  mit  60° ;  auch  in  der  Chrtníker  Schlucht  ist  trotz  der 
Dislocation  das  Verfláchen  ein  NO,  W  von  Svinčan  nach  3V3h"  mit  48°.  Bei  Horní 
Raškovice,  wo  die  in  Klippen  anstehenden  Grauwacken  durch  bedeutende  Stein- 
briiche  aufgeschlossen  sind,  geht  das  Einfallen  nach  21/2h-  mit  53°  (Mittel  aus 
4  Beobachtungen  1V3  h- — 3V3h" ,  40°— 62°).  Auch  die  kleine  Grauwackenscholle, 
welche  im  Heřmanměstecer  Parke  aus  clen  Korycaner  (obercenomanen)  Schichten 
der  Kreicleformation  zum  Vorschein  kommt,  scheint  nach  NO  zu  verfláchen.  Ebenso 
ist  bei  Nové  Dvory  (O  von  Heřmanměstec)  das  Verfláchen  im  Mittel  nach  3V4h  — 4h- 
mit  50° — 56° ;  in  dieser  Richtung  liegen  auch  die  platten  Fláchen  der  Gerolle.  Nur 
in  Chocenic,  wo  Quarzgánge  die  Grauwacke  vielfach  durchsetzen,  auch  die  durch 
den  nahen  grossen  Schichtenbruch  veranlasste  Zerklúftung  eine  so  bedeutende  ist, 
dass  sie  die  Schichtung  ganz  verdeckt,  konnte  die  Richtung  cles  Verfláchens  nicht 
bestimmt  werden.  Hinter  Chotěnic  treten  in  der  Fortsetzung  der  Streichungslinie 
der  Grauwacke  schon  Schichten  cler  Etage  D  zu  Tage. 

In  Betreff  der  allgemeinen  Lagerung  kann  in  dem  Zuge  der  quarzigen 
Grauwackenconglomerate  von  Tupes  liber  Lipoltic  im  Kozí  vrch  zwischen  Ledeč 
und  Chrtník  und  noch  etwas  weiter  in  cler  Richtung  gegen  Raško vic  entweder  eine 


50 


BCBCBC 


steile  antiklinale  Schichtenstellung  angenommen  werclen,  da  das  Verfláchen  in  der 
Lipoltická  skála  saiger  und  steil  nach  NO  und  SW  gerichtet  ist;  oder  aber  eine 
beinahe  in  der  Richtung  des  Streichens  gehende  Verwerfung,  was  der  wahrschein- 
lichere  Fall  ist.  Fur  diese  letztere  Annahme  sprechen  folgende  zwei  Beobachtungen. 
In  dem  Thalrisse  von  Tupes  gegen  den  westlichen  Lipolticer  Teich  Fig.  5,  ist 

námlich  eine  solche  Ver- 
Fig.  5.  werfung  in  den  Grau- 

1:10000,  imm.  =  iom.  no     wackenschichten  B  ange- 

jjlSil^^  deutet,  obwohl  sie  wegen 

nicht  hinreichend  deut- 
licher  Entblóssung  nicht 
ganz  sicher  bestimmt  werden  kann  und  desswegen  auf  dem  Durchschnitt  nicht 
dargestellt  ist.    Die  zweite  Beobachtung  bezieht  sich  auf  die  Chrtníker  Schlucht, 

wo  die  Grauwacken 
Fig.  6.  durch  den  Diabas- 

N  1:5000,  lmm  -5m.  S  StOCk  duixhsetzt 

^yp^^^  werden    (Figur  6), 

Bachiein   ^r^s— '•'<'' '  -y-^m<'  >i&]''  "^^^mk^^^^^SmL  Tta.pMň<n  ausserdem  aber  in 
;''b"7^^'"~  -^^^M-         ihrer  Lagerung  noch 

durch  Nebenverwer- 

fungen  gestort  sind.  Der  Diabas  ist  mit  Pyrit  impraegnirt  und  von  Adern  eines 
spáthigen  Calcites  durchsetzt;  er  steht  in  den  schroffen  Wánden  bei  der  Chrtníker 
Ságe  deutlich  entblosst  an,  und  ist  offenbar  jiinger  als  die  quarzige  Grauwacke; 
wahrscheinlich  liegt  er  in  der  Richtung  der  erwáhnten  Verwerfungskluft. 

Die  quarzigen  grob-  bis  grosskórnigen  Grauwacken  an  den  Klippen  „Skály" 
bei  Raškovic  lieferten  einen,  wenn  auch  ganz  undeutlichen  organischen  Rest  in 
der  Form  eines  federkieldicken  etwas  plattgedriickten  Stengels,  als  Steinkern ; 
die  Deutung  desselben  ist  unmóglich,  da  die  Erhaltung  gar  zu  roh  ist ;  man  konnte 
hiebei  etwa  nur  an  Fucoidenreste  erinnert  werden. 

SW  von  clem  Grauwackenzuge,  cl.  h.  im  Liegenden  des  quarzigen  Grau- 
wackenconglomerates  folgt  constant  ein  verháltnissmassig  enger  Zug  von  grauen, 
oder  graugrunen,  oder  dunkelgraugriinen,  oder  graulichblauen  Grauwackenschiefern, 
welche  stellenweise  petrographisch  den  Grauwackenschiefern  der  silurischen  Pri- 
mordialzone  C  von  Jinec  und  Skrej  zum  Verwechseln  áhnlich  sind.  Ob  dieselben 
hier  wirklich  als  Vertreter  der  Etage  C  angesehen  werden  konnen,  ist  eine  Frage, 
deren  Losung  noch  nicht  gelang.  Wurden  dieselben  der  Etage  C  entsprechen,  so 
miisste  angenommen  werden,  dass  der  eben  beschriebene  Grauwackenzug  B,  unter 
dem  diese  Schichten  liegen,  úberkippt  gelagert  ist,  so  dass  die  jiingeren,  den  C- 
Schichten  áhnlichen  Schiefer,  unter  die  álteren  Grauwacken  der  Etage  B  ver- 
schoben  wáren.  Bei  Lipoltic,  wo  das  Einfallen  der  Schichten  saiger  ist,  kann  aber 
die  Lagerung  die  beiden  oben  angefuhrten  Deutungen  zulassen. 

Aus  der  Schichtenlagerung  ergiebt  sich  also  keine  Auflílárung  des  eigent- 
lichen  Schichtenbaues.  Nur  eines  ist  vóllig  sicher,  námlich  dass  diese  den  Schie- 
fern  der  silurischen  Etage  C  so  áhnlichen  Grauwackenschiefer  mit  den  quarzigen 
Grauwackenconglomeraten,  die  hier  als  Analogon  der  Etage  B  angenommen  werden 


1 

I 

I 

51 

der  Bildungszeit  nach  aufs  engste  verbunden  sind,  indem  sie  mit  denselben  wechsel- 
lagern,  wie  dies  in  Fig.  5  im  Durchschnitt  durch  das  Tupešer  Thálchen  dargestellt 
ist.  Man  erkennt  daselbst,  dass  diese  Schiefer  ebenso  durch  Wechsellagerung, 
als  auch  durch  allmáhlichen  Ůbergang  aufs  engste  mit  den  graulichgrunen  oder 
dunkelgraugrunen  kornigen  Grauwacken  verbunden  sind.  Sámmtliche  drei  Gesteins- 
gruppen,  die  Zone  der  quarzigen  Grauwackenconglomerate  B,  die  den  Schiefern 
C  sehr  áhnlichen  Grauwackenschiefer,  und  die  kornigen  meist  graugrunen  Grau- 
wacken, sind  also  miteinander  aufs  engste  verbunden,  und  gerade  aus  dieser 
Ursache  lásst  sich  die  Frage,  ob  die  zwei  letzteren  Gesteine  der  Etage  B  oder 
C  angehóren,  vorláufig  nicht  lósen.  Wíirde  cler  Grauwackenzug  B  mit  dem  NO 
Verfláchen  in  natiirlicher  Lage  sich  befinden,  so  miissten  diese  Gesteine,  da  sie 
das  Liegende  desselben  bilden,  gleichfalls  der  Etage  B  angehóren. 

Der  den  Schiefern  der  Etage  C  áhnliche  Grauwackenschiefer  vom  Liegenden 
des  Grauwackenzuges  B,  zeigt  von  Spitovic  bis  gegen  Benešovic  keine  Eigenthumlich- 
keit,  nur  dass  er  etwas  phyllitartig  wird  und  nach  21/3h-  mit  35°  einfállt  und  stark 
transversal  zerklíiftet  ist.  Bei  Benešovic  und  Seník  aber,  wo  sich  dieser  Zug  bis 
auf  V2  Kilom.  erweitert,  wáhrend  sonst  seine  Breite  kaum  %  Kilom.  betrágt,  ist 
der  Grauwackenschiefer  beinahe  in  echten  grauen  Phyllit  von  schwach  seiden- 
artigem  Glanze  an  den  ebenen  Schieferungsfláchen  metamorphosirt.  Die  phyllit- 
áhnlichen  Schiefer  verfláchen  nach  l1/^-  mit  74°  und  brechen  in  bis  2  meterlange 
und  lm-  breite  recht  diinne  Platten.  Innerhalb  der  Schiefer  kommen  lll2m-  máchtige 
Bánke  einer  klein-  bis  feinkornigem  Grauwacke  (Grauwackensandstein)  vor,  wáhrend 
im  Liegenden  kórnige  Grauwacke  vorherrscht.  In  den  Phylliten,  deren  Schieferung 
durch  die  transversalen  Kliifte  nicht  stark  beeintráchtigt  wird,  kommen  stellenweise 
háufige  lichtgraue  Streifchen  von  feinkórniger  Grauwacke  vor.  Auch  bei  Pelechov 
zeigen  sich  áhnliche  Grauwackenschiefer  von  grunlich  grauer  Farbe,  jedoch  in  den 
kornigen  Grauwacken  eingelagert  und  nach  lV3h-  mit  84°  verfláchend.  Die  Schichtung 
ist  ganz  undeutlich,  dafiir  aber  die  transversale  Schieferung  stark  hervortretend. 
O  von  Lipoltic  etwa  1000  Schritte  davon,  ist  der  Grauwackenschiefer  schwarzgrau, 
und  durch  transversale  Schieferung  dickgriffelformig  zerbróckelnd ;  die  Schichtung 
und  wahre  Schieferung  ist  gánzlich  verwischt;  die  transversale  Schieferung  zeigt 
das  sudliche  Verfláchen  nach  123/4h-  mit  81°. 

Sehr  instructiv  sind  auch  die  Verháltnisse  in  der  Chrtníker  Schlucht, 
genau  N  von  Svojšic  ll/4  Kilom.  Hier  sind  die  stellenweise  bis  zum  Verwechseln 
den  Schiefern  der  Etage  C  von  Skrej  áhnlichen  Grauwackenschiefer  im  Liegenden 
des  quarzigen  Grauwackenzuges  (fig.  6.)  so  stark  transversal  geschiefert,  dass  in 
denselben  die  wahre  Richtung  des  Verfláchens  der  Schichten,  die  nach  4ll3h-  mit 
33°  einfallen,  verwischt  ist.  Die  wahre  Schichtung  ist  nur  noch  an  den  Bánken 
von  kórniger  Grauwacke,  die  mit  den  Schiefern  wechsellagern,  zu  erkennen;  aber 
auch  diese  Grauwacken  -  Bánke  zeigen  eine  wiewohl  nur  undeutliche,  falsche 
Schieferung.  Das  Verfláchen  der  transversalen  Schieferung  betrágt  im  Mittel  76° 
nach  13V3h'  (64°  bis  85°).  Gegen  das  Liegende  herrschen  dann  Grauwacken  vor. 
Im  Liegenden  des  quarzigen  Grauwackenzuges  von  Chotěnic  sind  die  Grauwacken- 
schiefer wieder  manchen  Schiefern  der  Etage  C  von  Jinec  áhnlich. 

4* 


52 


Eine  ganz  áhnliche  Farbe  haben  auch  clie  Grauwackenschiefer  von  Morašic 
(OS  von  HeřmanměsteC) ;  es  ist  aber  bei  clem  Umstancle,  als  hier  irgendwo  die 
grosse  Verschiebungsspalte  durchgeht,  niclit  moglich,  die  Identitát  der  Schiefer 
von  beiden  Localitáten  zu  constatiren,  da  auch  anclere  metamorpliische  Schiefer 
áhnlich  aussehen. 

Im  Liegenden  dieses  den  Schiefern  der  silurischen  Etage  C  áhnlichen 
Zuges  íinden  sich  die  in  der  Zeichenerklárung  als  graugriine  kórnige  Grauwacken 
bezeichneten  Gesteine. 

Was  die  Verbreitung  anbelangt,  so  sieht  man  die  Grauwacke  zum  ersten 
male  S  von  Trnavka  aus  den  Schichten  der  Kreideformation  hervorragen;  dann 
aber  nach  einer  Unterbrechung  durch  die  Phyllitzunge  deren  Deutung  als  A  oder 
B  ungewiss  ist,  zieht  sich  der  Grauwackenzug  in  der  Breite  zwischen  Spitovic 
und  Zdechovic  uber  Krasnic,  Seník,  Pelechov,  Lipoltic,  Urbanic,  Ledeč,  Svojšic, 
Stojic  und  ist  noch  nach  einer  Unterbrechung  durch  úberlagernde  Schichten  der 
Kreideformation  in  Kostelec  und  am  Palácberg  (SO  von  Heřmanměstec)  nach- 
weisbar.  Gegen  NO  wird  der  Grauwackenzug  von  den  C  áhnlichen  Grauwacken- 
schiefern  begránzt,  und  ist  an  der  Gránze  mit  denselben  durch  Wechsellagerung 
verbunden.  SW  aber  begránzen  ihn  Chlorit-Dioritaphanit  und  tuffige  Grauwacken- 
gesteine.  Die  Breite  betrágt  1— lVa  Kilom.,  was  auch  seiner  Máchtigkeit  entsprechen 
dúrfte,  da  das  Verfláchen  der  Schichten  ein  sehr  steiles  ist. 

Was  clen  Gesteinshabitus  anbelangt,  so  herrschen  verschiedenartige  licht 
oder  dunkel  graugriine  kornige  Grauwacken  vor,  die  mitsammen  und  mit  Grau- 
wackenschiefern  wechsellagern,  und  auch  bedeutendere  Einlagerungen  von  dunklen 
Grauwackenschiefern  enthalten.  Diese  Grauwacken  sincl  bei  Urbanic  (Vrtáčková 
skála,  na  široké  cestě)  mittelkornig,  blass  graulichgrún,  mit  theilweise  kaolinisirten 
Feldspáthen  und  bis  fingerdicken  Quarzadern  reichlich  durchsetzt.  An  andern 
Orten  sincl  wieder  gróssere  Quarzbrocken  in  die  kornige  Grauwacke  eingestrent. 
Bei  Leclec  ist  die  Grauwacke  graugriin,  kleinkornig,  quarzig,  durch  Quarzkltifte 
durchsetzt,  auch  von  Chloritkliiften  durchsetzt,  oder  sie  wird  sehr  kleinkornig, 
bis  schiefrig  kleinkornig  und  einer  Quarzitgrauwacke  oder  einem  Quarzitsandstein 
áhnlich.  Bei  Svojšic-Stojic  sind  in  der  klein-  bis  mittelkornigen  dunkel  graugriinen 
Grauwacke  erbsen-  bis  nussgrosse  weisse  Quarzgerolle  háufig.  Die  Schichtung  ist 
theils  deutlich  diinn,  theils  grob.  Die  griine  Farbe  verdankt  ihren  Ursprung  den 
nahen  Aphaniten,  die  das  Materiál  zur  Bildung  clieser  Grauwacken  theilweise 
abgaben ;  darnach  wiirden  die  Grauwacken  júnger  sein  als  die  Aphanite,  die  jeden- 
falls  cambrisch  sind. 

Wenn  Grauwackenschiefer  schichten  in  die  Grauwacke  eingelagert  sind,  so 
erscheinen  dieselben  meist  transversal  geschiefert. 

Das  Verfláchen  der  Grauwacken  und  der  eingelagerten  Grauwackenschiefer 
ist  durchwegs  ein  sehr  steiles,  ja  oft  stehen  sie  ganz  saiger,  sowohl  na  cli  NO 
als  auch  nach  SW.  SW  von  Kozašic  etwa  2000  Schritte  unter  dem  B-Zuge  sind 
die  gríinen,  weissen,  Quarzbrocken  enthaltenden  Grauwacken  transversal  zerkluftet; 
die  Zerklúftung  verflácht  nach  19h-  mit  46°;  daselbst  haben  aber  andere  klein- 
kornige  Grauwacken,  die  etwas  schiefrig  erscheinen,  das  Verfláchen  von  62°  nach 


53 


l3/4h- .  Bei  Zdechovic  O  kommen  aucb  rothlicbe  oder  grauróthliche  halbschiefrige 
kornige  Grauwacken  vor. 

Bedeutend  steiler  ist  das  Verflachen  bei  Lipoltic,  wo  die  Schichten  in  der 
Vrtáčková  skála  nach  23/4h-  mit  74°  sich  neigen.  Zwiscken  Lhotka  und  Urbanic 
ist  die  quarzige  gróbere  oder  sehr  feinkornige  schiefrige  Grauwacke  mit  83°  nach 
l3/4h-  geneigt.  In  und  bei  Ledeč  aber  verflachen  die  Schichten,  wenn  sie  nicht 
saiger  stehen,  bald  nach  1V3 — 2Vah'  m&  86 — 88°,  bald  unter  demselben  steilen 
Winkel  nach  SW.  Die  transversale  Zerkluftung  in  den  kornigen  Grauwacken 
(Grauwackensandsteinen),  oft  bíos  durch  dímne  Quarzklíiftchen  angedeutet,  verflácht 
nach  ÍO  mit  70°. 

Bei  Svojšic  unci  Stojíc  ist  das  Verflachen  der  gleichfalls  griinen  quarzigen 
oder  schiefrigen,  mitsammen  wechsellagernden  Grauwacken  ebenfalls  steil,  nach 
1  —  3l/2h'  niit  70—89°;  stellenweise,  wie  unter  der  Svojšicer  Ruině,  stehen  die 
wechsellagernden  kornigen  Grauwacken  und  schiefrigen  Grauwacken  saiger  (Strei- 
chen  Sll2h-)  oder  fallen  steil  verkehrt  ein,  das  ist  nach  153/4h-  mit  89°.  Die  trans- 
versale Zerkluftung  oder  Schieferung  verflácht  hier  nach  24h-  mit  74°. 

Schliesslich  sincl  hier  nur  noch  diejenigen  Gesteine  zu  erwáhnen,  deren 
Lagerungsverháltnisse  in  der  Richtung  der  Zbislavec-Chotěnicer  Bruchlinie  derartig 
verworren  und  beinahe  unentwirrbar  sind,  dass  eine  nabere  Erklárung  derselben 
wegen  cler  vielfachen  Storungen  gar  nicht  zulássig  ist. 

Das  steile  oder  steil  gefaltete  Verflachen  cler  Schichten  ándert  sich  hier 
stellenweise  in  ein  sůdliches  um,  obzwar  diese  Verháltnisse  nur  local  zu  beobachten 
sincl,  indem  hier  die  Schichtung  unci  transversale  Schieferung  von  einander  kaum 
unterschieden  werden  konnen.  Es  kommen  hier  sowohl  tuffige  als  auch  griine 
Grauwacken  und  clunkle  Grauwackenschiefer  vor.  Nur  im  Thale  bei  Kostelec  ist 
das  Verflachen  gut  entblosst.  Die  grunlichgrauen,  lichtgrau  gebánclerten,  fein- 
kórnigen  Grauwacken  und  die  festeren  kornigen  quarzigen  Grauwacken,  welche 
hier  durch  Steinbruche  unter  der  Kirche  entblosst  sind,  verflachen  nach  Sud, 
námlich  nach  12h-  mit  12 — 13°.  Die  Máchtigkeit  der  einzelnen  gebánderten 
Schichten  ist  tiefer  unter  clem  Ausbiss  zu  bemerken,  sie  betrágt  bis  l^"1'  Unter 
dem  Rašen  aber  sind  die  Schichten  in  holzscheitáhnliche  grobe  Stiicke  zerklúftet, 
und  werden  quer  von  einer  den  Schichten  parallel  gehenden  Streifung  clurchsetzt. 
Diese  transversale  Zerkluftung  verflácht  nach  20h-  mit  70° ;  eine  andere  Zerkluftung 
aber  verflácht  saiger  nach  16h- 

Stidlich  von  diesen  klein-  bis  feinkornigen  Grauwacken  folgen  tuffige  und 
andere  griine  Grauwacken  und  schiefrige  Grauwacken,  welche  sich  uber  clie  Palác- 
kuppe  bis  Radlín  verfolgen  lassen,  wo  dieselben  an  der  Bruchlinie,  die  dort  irgenclwo 
durchgeht,  absetzen.  Noch  eine  eigenthumliche  graue  quarzige  feste  Grauwacke 
mit  erbsengrossen  Gerollstíicken  von  vorherrschendem  Quarze,  finclet  sich  hier 
vor,  jedoch  nur  im  Bereiche  der  Zbislavec-Chotěnicer  Bruchlinie,  u.  zw.  unter 
solchen  Verháltuissen,  dass  es  nicht  sicher  nachweisbar  ist,  ob  clieselbe  noch  der 
cambrischen,  oder  der  primorclialen  Zone  oder  schon  den  Schichten  der  zweiten 
Silurfauna  angehort.  An  gewissen  Orten,  wie  in  dem  Kostelec-Podoler  Thal  scheint 
es,  als  wiircle  sie  zur  Zone  dj  angehoren;  an  anclern  Orten  ist  aber  irgend  eine 
Deutung  der  Lagerung  gar  nicht  moglich.    Diese  dunkelgraue,  feste,  quarzige 


54 


Grauwacke  zeigt  zwischeu  Jetonic  und  N  von  Sušic  und  Zdechovic,  nur  im 
Kostelecer  Thale  eíne  deutliche  Lagerung,  mit  deni  Verfláchen  von50°  nach  12 h- 
Ein-  bis  zweifingerdicke  weisse  Quarzkliifte  durchsetzen  hier  die  Grauwacke 
háuíig.  Westlich  davon  lásst  sich  die  Lagerung  nicht  nachweisen,  da  sie  wahr- 
scheinlich  sehr  gestórt  ist. 

Ůberhaupt  sind  die  Lagerungsverháltnisse  zwischen  Zbislavec  -Chotěnic 
wegen  dem  sich  hieher  ziehenden  Hauptbruche  des  Schichtenbaues  und  wegen 
der  mangelhaften  Entblossung  schwer  oder  gar  nicht  zu  deuten.  So  findet  man 
zwischen  Licoměřic  und  Zbislavec  schwarze  Phyllite,  diegestort  gelagert  sind, 
und  graue  feinkórnige  Quarzite  darin,  welche  der  Etage  dj  und  d2  angehoren 
dúrften,  anstossend  an  Phyllite  der  Etage  A,  und  graue,  feste,  quarzige  Grau- 
wacken,  die  eben  fruher  erwáhnt  wurden  und  die  gleichfalls  gestórt  gelagert 
sind,  so  dass  es  bei  der  hohen  Umwandlung  der  Gesteine  der  Zonen  A  und  d: 
sehr  schwierig  ist,  dieselben  auseinander  zu  halten,  und  der  willkurlichen  Deutung 
derselben  um  so  mehr  freier  Raum  gegeben  ist,  als  in  solchen  Gesteinen  die 
Bruchlinien  keine  scharfe  und  deutliche  Begránzung  zeigen. 

Im  Bereiche  der  Bruchlinie  bleibt  also  noch  manches  unaufgeklárt  und 
wird  es  noch  so  lange  bleiben,  bis  nicht  andere  gúnstigere  Beobachtungen  oder 
zufállige  Entblóssungen  die  klare  Darlegung  der  Lagerungsverháltnisse  ermóglicht 
haben  werden. 

Um  wenigstens  ein  ideales  Bild  der  Lagerungsverháltnisse  dieses  Theiles 
des  Eisengebirges  zu  geben,  sei  hier  die  Fig.  7  eingeschaltet.  Bei  Semtěš  liegen 

Fig.  7. 

Idealer  Durchschnitt  durch  das  Elsengeblrge  von  Semtěš  gegen  Lipoltlc. 

1  :  50000  NO 
Lhotka  Skála  Podvrd 


auf  laurentinischen  Glimmerschiefern  schwarze  Schiefer  der  Etage  A,  darúber  in 
wenig  entblósster  Lagerung  Grauwackentuffe,  Aphanite,  Aphanitconglomerate,  end- 
lich  steil  stehende  Grauwacken  mit  Grauwackenschiefern,  die  der  Etage  C  so 
áhnlich  sind.  Den  Schluss  bildet  der  Wall  von  Grauwacken  B  bei  Lipoltlc,  deren 
Hangendes  ganz  von  der  Ebene  der  Kreideformation  verdeckt  wird. 


e)  Das  Silur  vom  Hauptbruch  bis  Slatiňan. 

Súdlich  und  óstlich  von  der  Bruchlinie,  welche  zwischen  Zbislavec-Lico- 
měřic  nach  Chotěnic  sich  zieht  und  lángs  deren  Richtung  die  cambrische  Schichten- 
zone  mit  der  silurischen  der  Etage  D  unter  verworrenen  Lagerungsverháltnissen 
au  einander  stossen,  kommen  nur  Gesteine  dieser  letzteren  Etage  u.  zw.  ihrer 
Unterabtheilungen  dn  d2,  d3  vor.  Dieselben  werden  im  Nordeu  von  Gebilden  des 
Kreidesystems  bedeckt,  das  in  einzelnen  Buchten  in  das  silurische  Gebiete  ein- 
dringt ;  im  Slíděn  aber,  zwischen  Zbislavec,  Rudov,  Kraskov  bis  Rtejn,  stossen  sie 


55 


an  jiingeren  Granit  an,  von  cla  aber  bis  Škrovád  werden  sie  von  schiefrigem 
Felsitporphyr  abnorm  begránzt. 

Die  Lageruugsverháltnisse  sind  hier  schon  einigermassen  deutlicher  als 
im  Gebiete  der  vordem  beschriebenen  cambrischen  Zone,  so  dass  hier  eine  Unter- 
scheidung  von  verschiedenen  Etagen  auf  Grund  von  gewichtigen  Analogien  mit 
dem  centralbohmischen  Silur  versucht  werden  kann. 

Im  kurzen  konnen  die  Lagerungsverháltnisse  folgenderweise  angedeutet 
werden.  Súdlich  von  der  Linie  Míčov,  N  Prachovic,  N  Boukalka,  N  Vápenný 
Podol,  N  Citkov,  N  Mladoňovice,  Deblov,  Teinic,  Podhůra,  Slatiňany  verfláchen 
die  von  uns  als  Analogie  der  silurischen  Etage  D  angesprochenen  Schichten  vor- 
herrschend  nach  Suden.  Nordlich  von  dieser  Linie  ist  das  Verfláchen  derselben 
ein  steil  wellenformiges,  bald  nach  Sud  bald  nach  N  einfallend ;  unter  der  Decke 
der  Kreideformation  aber  scheint  der  Schichtenbau  weniger  steil  zu  sein  und 
bildet  antiklinale  und  synklinale  Faltungen,  die  uberhaupt  die  geologischen  Ver- 
háltnisse  dieses  Theiles  des  Eisengebirges  charakterisiren.  Die  hier  vorherrschen- 
den  Gesteine  sind:  schwarze  Thonschiefer,  stellenweise  ebenschiefrig,  stellen- 
weise  aber  ziemlich  parallel  zart  gefáltelt  und  wahrscheinlich  der  Etage  dj^ 
angehorend.  Diese  Schiefer  enthalten  an  sehr  vielen  Orten  etwas  verdriickte  und 
bráunlich  angelaufene  Hohlabdnicke  von  Pyritwiirfeln ;  Pyrit  aber  selbst  in  Wůrfeln, 
wird  nur  an  wenigen  Orten,  so  bei  Morašic,  angetroífen.  Ausser  den  antiklinalen 
und  synklinalen  Hauptfalten  des  Schichtenbaues  kommen  noch  secundáre  gewunclen 
wellenfórmige  Faltungen  vor,  wodurch  es  in  manchen  Fállen  schwierig  wird,  die 
Hauptrichtung  des  Verfláchens  festzuhalten.  In  diesen  Thonschiefern  nun  ist  kry- 
stallinischer  weisser,  stellenweise  ein  wenig  bláulicher  oder  graulich  gefleckter 
Kalkstein  eingelagert.  Im  Liegenden  ist  derselbe  etwas  schiefrig  und  blaulich- 
schwarzgrau,  und  graphitisch.  In  Kliiften  werden  an  solchen  Stellen  kleine  hockerige 
Quetschfláchen  mit  glánzendem  Graphit-  (Anthracit?)  Ůberzúgen  beobachtet. 

Dieser  krystallinische  Kalkstein  (Podoler  Kalk)  enthált  stellenweise  Gri- 
noidenstielglieder;  dieselben  lassen  sich  aber  nur  in  den  graulichen  Stellen,  wenn 
dieselben  angeschliffen  sind,  deutlich  erkennen.  Besser  zeigen  sich  diese  Crinoiden- 
reste  in  den  liegenden  schwarzen  halbschiefrigen  Kalksteinen  knapp  ober  den 
schwarzen  Thonschiefern  in  der  Schlucht  von  Citkov,  wo  gewisse  Handstúcke  viele 
solche  aus  weissem  spáthigen  Calcit  bestehende  Crinoiden-Bruchstiicke  enthalten. 

Das  Vorkommen  dieser  Crinoidenreste  und  dann  der  Gesteinshabitus  der 
nahen  Grauwacken  weisen  offenbar  darauf  hin,  dass  das  Kalksteinlager  von  Podol 
palaeozoisch  ist.  Im  Cambrischen  und  in  den  Primordialschichten  kommen  zwar 
Crinoiden  nicht  vor,  aber  im  Untersilur  treten  sie  auf,  obwohl  seltener  als  im 
Obersilur.  Auf  der  Grundlage  dieses  palaeontologischen  Merkmales,  so  wie  noch 
anderer  Merkzeichen  ist  die  Annahme  die  plausibelste,  dass  die  Podoler  Kalksteine 
und  die  sie  begleitenden  Schiefer  dem  Untersilur  angehóren.  An  Devon  kann 
schon  desshalb  nicht  gedacht  werden,  weil  der  Zusammenhang  des  Gebirgszuges 
mit  dem  centralbohmischen  Silurbecken  bis  beinahe  zur  Sicherheit  wahrscheinlich 
ist.  Die  Crinoidenstielglieder  und  auch  verschiedene  schlecht  erhaltene  Basal- 
theile  von  Crinoidenkelchen  lassen  allerdings  keine  náhere  Bestimmung  zu ;  es  ist 
selbst  der  Nahrungskanal  in  denselben  nicht  immer  ersichtlich.    Die  besser  er- 


56 


haltenen,  durchwegs  cylindrischen  Stielgliederreste,  zeigen  eutwecler  einen  kreis- 
runcleu  oder  einen  pentagonal  sternformigen  Nahrungskanal,  so  dass  hier  vielleicht 
zwei  Arten  vorkommen.  Ausser  Crinoidenstielgliedern  sind  noch  dúnne  Mollusken- 
Schalen  von  undeutbarem  Charakter  und  sehr  spárlichem  Vorkommen  hier  auf- 
gefunden  worden. 

Bemerkenswerth  ist  es,  dass  die  Thonschiefer  im  Liegenden  des  Kalklagers 
(nórdlich)  die  schon  erwáhnten  negativen  Pyriteindriicke  zeigen,  im  Hangenden 
aber  (síicllich)  dieselben  ganz  fehlen. 

Sehr  verbreitet  ist  fěinkorniger  Quarzit  von  gelblicher,  graulicher  bis 
dunkelgrauer  Farbe,  der  an  die  schwarzen  Thonschiefer  gebunden  ist.  Schon  der 
petrographische  Charakter  des  Gesteines  lásst  darin  die  Zone  Dd2  vermuthen.  Zur 
beinahe  volligen  Sicherheit  wircl  diese  Annahme  aber  noch  dadurch,  dass  sich 
normál  zur  Schichtung,  sowohl  in  den  lichten  als  auch  in  den  grauen  Quarziten 
jene  langen  Róhrchen  zeigen,  welche  unter  dem  Namen  Scolithus  (Tigilites)  trotz 
ihres  problematischen  Wesens  doch  fiir  die  Erkennung  der  Quarzitzone  d2  im 
centralbóhmischen  Becken  so  bezeichnend  sind.  c  Es  sind  diese  Scolithusrohren  an 
zahlreichen  Stellen  vorgefunden ;  so  namentlich  reichlich  zwischen  Deblov  und 
Lipina,  N  von  Podhůra,  W  von  Mladoňovic  bei  Sušic,  kurz  beinahe  durchwegs  in 
dem  Quarzitzuge,  wenn  auch  nicht  uberall  sehr  háufig.  Durch  dieses  Vorkommen 
wird  fur  den  Quarzit  des  Eisengebirges  die  Einreihung  in  die  Zone  d8  mit  beinahe 
volliger  Sicherheit  bestimmt,  woraus  nun  folgt,  dass  die  schwarzen  Thonschiefer, 
welche  das  Kalklager  von  Podol  einschliessen  und  unter  den  Quarziten  liegen, 
der  Zone  Ddt  angehoren  miissen,  trotzdem  dass  ausser  den  wenig  charakteristischen 
Crinoidenresten  kein  palaeontologisches  Merkmal  vorliegt.  Es  kónnten  zwar  diese 
schwarzen  Thonschiefer  auch  als  d5  gedeutet  werden,  doch  clem  widersprechen  die 
Lagerungsverháltnisse,  da  diese  Thonschiefer  unter  den  Quarziten  ruhen. 

Die  Quarzite  sind  dort,  wo  sie  in  den  Satteln  der  antiklinalen  Faltungen 
vorkommen,  meist  lose  zerfallen  und  zeigen  demnach  keine  Schichtung,  oder  sie 
sind  von  einem  Triimmerwerk  von  Quarzadern  durchsetzt  und  wiecler  verkittet,  so 
class  die  Erkennung  ihrer  Schichtung  ungemein  schwierig  wird.  Da  die  Quarzite 
wegen  ihrer  Spródigkeit  allen  Biegungen  nicht  so  folgen  wie  die  liegenden  Thon- 
schiefer, so  treten  sie  in  losen,  angeháuften  Blocken  auf,  namentlich  an  den  Stellen 
der  stárksten  Schichtenfaltungen.  Diejemgen  schwarzen  Thonschiefer,  welche  auf 
den  Quarziten  d2  aufruhen,  scheinen,  trotzdem  sie  von  den  Thonschiefern  der  Etage 
Ddj  petrographisch  nicht  zu  unterscheiden  siucl,  Vertreter  der  Zone  d3  zu  sein. 

An  der  Granitgránze  sind  sowohl  die  Thonschiefer  der  Zone  dt  als  auch 
jene  der  Zone  d3  gánzlich  in  Ottrelitschiefer  umgewandelt,  indem  sich  derselbe 
durch  allmáhligen  Ůbergang  aus  clen  schwarzen  Thonschiefern  entwickelt. 

Fúr  den  Fall,  als  die  im  vorhergehenden  Capitel  erwáhnte  dunkelgraue, 
kornig-quarzige  Grauwacke  in  cler  Richtung  cler  Zbislavec-Chotěnicer  Bruchlinie, 
schon  diesen  Silurgebilden  cler  Etage  D  angehoren  mochte,  wiirde  sie  die  Liegend- 
schichten  cler  Zone  cl,  bilden. 


57 


Die  Etage  DdA. 

Dieselbe  besteht  aus  schwarzen,  auf  clen  Schichtungsfláchen  oft  schwach 
parallel  gefáltelten  Thonschiefern  und  zeigt  an  vielen  Orten  verdriickte  Hohldriicke 
von  verschwundenen  Pyritwůrfeln.  Sie  verfláeht  nach  beiden  Seiten,  das  ist  nach 
N  und  S,  wie  dies  in  dem  unteren  Theile  der  Quertháler  von  Prachovic  und  Podol 
gegen  Kostelec,  dann  in  den  beiden  Schluchten  von  Citkov  gegen  Morašic  zu 
beobachten  ist.  Ein  ideales  Bild  cles  Schichtenbaues  dieser  vorherrschenden 
Gesteine  gibt  die  Fig.  8.,  welche  die  Verháltnisse  der  Citkover  Schlucht  darstellt. 

Fig.  8. 

Llnkes  Thalgehange  der  Schlucht  von  Dolan-Citkov.  1:50000 

NNO  Thalweg  nach  Nerozhodov  SSW 

Dolany  |  Rozpakov 

ko  d  ds  |  dx  |       d2  di  I  v    |       dx      ap  p  g 

Da  die  Schichten  synklinale  und  antiklinale  Wellen  bilden,  so  muss  es  auch  Stellen 
geben,  wo  dieselben  beinahe  horizontál  liegen.  Die  Lagerungsverháltnisse  sind  aber 
oft  durch  die  stark  hervortretende  transversale  Schieferung  oder  Zerkliiftung  ver- 
deckt.  So  zeigen  die  Schichten  SW  von  Morašic,  nahé  an  der  Bruchlinie,  die 
wahrscheinlich  der  Zone  dx  angehoren,  ausser  einer  horizontálen  Plattung  noch 
folgende  Richtungen,  nach  denen  sie  sich  spalten:  eine  Spaltungsrichtung  námlich 
nach  8h-  mit  44°,  eine  andere  nach  141/3lu  mit  30°  und  eine  weitere  nach  21l3b-  mit 
56°.  Welche  von  den  vier  Bichtungen  als  Schichtung  anzunehmen  Wáre,  lásst  sich 
nicht  entscheiden.  Hier  enthalten  die  Schiefer  bis  lcm-  breite  Pyritwiirfel.  An  der 
Můndung  cles  Prachovicer  Thálchens  in  das  Podoler  Thal  enthalten  die  schwarzen 
Thonschiefer  im  O  Gehánge  ein  N  verfláchendes  graues  Quarzitlager  eingeschaltet, 
und  zeigen  nahé  bei  diesem  Quarzitlager  Schieferungsrichtungen  mit  den  Ver- 
fláchungsrichtungen  nach  13h-  mit  55°,  so  wie  nach  24h-  mit  70°.  Auch  hier  lásst 
es  sich  nicht  entscheiden,  was  die  eigentliche  Schichtung  und  was  transversale 
Schieferung  ist,  obwohl  weiter  sudlich  davon  die  Schichten  schon  nach  N  verfláchen. 
In  demselben  Thale,  aber  am  W  Gehánge  clesselben,  geht  das  Verfláchen  cler 
Schichten  deutlich  nach  Siiden.  N  von  Sušic  zeigen  dieselben  Schiefer  zwei  Bich- 
tungen des  Einfallens;  die  eine  neigt  sich  nach  ÍO1^' — ll3/^*  mit  30°,  die 
andere  mit  90°  nach  5h- ;  die  liegenden  (also  etwas  N  davon  streichenclen)  grauen 
quarzigen  Grauwacken,  deren  Zugehorigkeit  zu  B  oder  d2  zweifelhaft  ist,  besitzen 
zwei  Kluftrichtungen,  die  eine  fállt  nach  8l/2h' — 11  l/3h  mit  82—88°,  die  andere 
nach  21>  mit  30°  ein.  Was  hier  in  diesen  beiden  Fállen  Schichtung  und  Schieferung 
oder  transversale  Zerkliiftung  ist,  bleibt  allerdings  unentschieden.  Auch  unter  dem 
Míčover  Glockenthurme  ist  cler  Thonschiefer  so  stark  gefaltet  und  durch  eine  so 
grosse  Zahl  von  Spaltungsrichtungen  durchsetzt,  dass  keine  davon  hervorgehoben 
werden  kann,  und  man  uber  die  Schichtung  vóllig  im  Unklaren  bleibt.  Die 
Spaltenrichtungen  zeigen  das  Einfallen  nach  16h- ,  nach  14h- ,  dann  nach  10h-  mit 
68°  und  18 V211'  nút  90°.  Die  letzten  Fálle  aus  der  Náhe  des  Bruches  entnommen, 
zeigen  den  wechselvollen  Charakter  der  Zerkliiftung  und  Schichtung. 


58 


In  Folge  dieser  Zerkliiftungen  zerfallen  clie  Thonschiefer  an  vielen  Orten 
in  Holzscheit-  oder  Griffel-áhnliche  Bruchstucke,  besonders  dort,  wo  sie  unmittelbar 
zu  Tage  ausgehen. 

Es  besteht  allerdings  eine  Áhnlichkeit  derselben  mit  den  schwarzen 
Phylliten  der  Zone  A,  doch  unterscheiden  sie  sich  von  denselben  durch  die 
Abwesenbeit  von  Kieselschieferschichten ,  indem  nur  bei  Sušic  unbedeutende 
Andeutungen  davon  vorkommen,  dann  auch  durch  die  schon  friiher  erwáhnten 
verdrúckten  wurfelformigen  Hohlráume.  Nichtsdestoweniger  konnte  in  der  Náhe 
des  Schichtenbruches  zwischen  Zbislavec  und  Licoměřic  die  Scheidung  der  Gesteine 
nur  so  durchgefuhrt  werden,  dass  die  Gesteine  mit  Quarziten  d2  als  Thonschiefer  dn 
die  anderen  schwarzen  Phyllite  mit  Lyditen  aber  als  Etage  A  ausgeschieden  wurden. 

In  der  Náhe  der  Granitgránze  und  zwar  im  Gebiete  des  Bučina-Berges  bei 
Podol,  sowie  W  und  O  von  demselben  tibergeht  der  Thonschiefer  in  Ottrelitschiefer. 

Schwache  unbedeutende  Gánge  vou  Minette  durchsetzen  die  Schiefer  clj 
nahé  ONO  von  Tasovic  und  N  von  Citkov  in  den  Waldgehángen  des  Kočičí  Ocas. 
Die  schwachen  Minettegánge  sind  nur  nach  den  losen  Bruchstucken  erkennbar. 

W  von  Mladoňovic  finden  sich  in  der  Zone  der  Schiefer  eigenthumliche 
undeutlich  schiefrige,  griinlich  graue  Gesteine,  die  Diorittuffen  nicht  unáhnlich  sind, 
aber  wegen  der  geringen  Frische  keine  weitere  Bestimmung  zulassen.  Auf  der 
Kartě  sind  sie  als  schiefriger  Felsitporhyr  ausgeschieden.  ONO  von  Deblov  etwas 
uber  3/4  Kilom.  scheint  eine  Verwerfung  die  Schichten  dt  von  den  mauerartig 
aufragenden  Quarziten  d2  zu  trennen.  In  dem  Thálchen,  das  sich  von  hier  quer 
durch  die  Quarzite  zieht,  findet  man  Grauwacke  in  Bruchstucken,  welche  an  die 
im  Tiefsten  der  Zone  dx  vorkommenden  Gesteine  erinnert,  die  das  Liegende  der 
Haematitlager  der  Zone  dt  im  centralbohmischen  Silurbecken  bilden.  Wirklich 
triíft  man  hier  auch  Andeutungen  solcher  rothen  Fárbungen  und  von  erzigen  Ge- 
steinen  an,  doch  alles  nur  in  einzelnen  Brocken  und  nirgends  anstehend. 

Eine  der  interessantesten  Erscheinungen  des  ganzen  Eisengebirges  ist 
jedenfalls  das  sehr  máchtige  lenticulare  Lager  oder  der  Lagerstock  des  Kalksteines 
bei  Podol,  der  in  einer  Lánge  von  33/4  Kilom.  zwischen  Prachovic  und  Citkov 
sich  erstreckt  und  seine  grósste  Máchtigkeit  zwischen  Prachovic  und  Boukalka 
mit  mehr  als  2/3  Kilom.  entwickelt.  Dieses  Kalksteinlager  keilt  sich  schnell  an 
beiden  Enden  aus  und  verflácht  durchwegs  nach  ebenso  die  dasselbe  begleitenden 
Schiefer  im  Liegenden  sowie  im  Hangenden,  wobei  sich  erst  weiter  im  Liegendeu 
die  bedeutenden  Faltungen  dieser  Schiefer  zeigen. 

In  Prachovic  verfláchen  die  Bánke  des  weissen  mittelkrystallinischen,  stellen- 
weise  graulich  gestreiften  Kalksteines  im  Mittel  nach  I2V211'  mit  48°;  die  parallele 
Zerkluftung  stellenweise  nach  18V2h-  mit  47°.  Bei  Boukalka  betrágt  das  Einfallen 
nach  12'/2h-  60°;  bei  Vápenný  Podol  nach  14h-  mit  57°. 

Am  óstlichen  Ende  gegen  Citkov  wird  das  Kalksteinlager  bedeutend  ver- 
worfen,  und  es  erscheinen  in  der  Verwerfungskluft  zermalmte  graphitische  Schiefer 
mit  einer  schwachen  eingelagerten  Quarzitschicht.  9)  Verwerfungen,  und  zwar  oft 
recht  bedeutende,  sind  iiberhaupt  in  diesem  Kalksteinlager  háuíig.  In  den  Ver- 
werfungskluften  treten  Calcitkrystalle  —  l/,  R.  oo  R.,  auch  —  2  R  oder  grob- 
spáthige  Kalksinter  auf.    In  der  Stockmitte  ist  der  Kalkstein  grobbáukig,  gegen 


59 


Fig.  10. 

lmm .  ~  2dm. 


A 


das  Hangende  und  Liegencle  zu  aber  mehr  grau,  kleinkornig  und 
unvollkomnien  schiefrig,  so  wie  besonders  bei  Citkov  etwas  reicher 
an  Crinoidstielgliedern,  die  an  dieser  Stelle  obwohl  nur  áusserst 
selten,  auch  im  Thonschiefer  vorkommen. 

In  Podol  selbst  euthált  der  Kalkstock  eine,  aber  wegen 
des  verschlitteten  Einganges  unzugángliche,  ziemlich  grosse  Hohle. 
Ein  Durchschnitt  durch  die  máchtige  Anschwellung  des  Lager- 
stockes  bei  Boukalka  stellt  die  Fig.  9.  dar.  Im  Liegenden  ver- 
flácben  die  Thonschiefer  nur  bis  zu  eines  gewissen  Entfernung 
nach  Siiden,  dann  aber  sind  sie  vielfach  gefaltet;  im  Haugenden 
des  Lagers  verfláchen  die  Schichten  bis  zum  Granitgránze  gleich- 
massig  nach  S,  stellenweise  nur  wenig  steil. 

Im  Hangenden  Theile  das  Kalkstein- 
lagers  sind  auch  einige  Minettegánge  zu  be- 
merken,  deren  Máchtigkeit  unter  lm-  bleibt. 
In  einem  Steinbruche  S  von  Boukalka  zeigen 
sich  ihrer  vier,  wie  in  der  Ansicht  Fig.  10. 
dargestellt  ist.    Diese  vier  vom  Kalksteine 
scharf  getrennten   Minettegánge  verfláchen 
nach  22V-  mit  80°— 84°.   Die  Textur  des 
Ganggesteinesist  eine  ziemlich  deutlich  kornig 
schuppige;  die  broncefárbigen  nicht  mehr  frischen,  ziemlich  deut- 
lichen  Schuppen  des  Biotites  sind  ziemlich  parallel  zu  den  Gang- 
ulmen.  Einige  Gánge  an  der  Gránze  mit  dem  Kalksteine  enthalten 
scharfkantige  Bruchstúcke  von  krystallinischem  Kalkstein.  Es  ist 
dies  die  einzige  Entblossung  von  Minettegángen  in  diesem  Gebiete. 

Da  im  mittel-bohmischen  Silur  die  Minette  das  Alter  der 
Zone  d5  besitzt,  so  muss  sie  allerdings  auch  áltere  Schichten 
gangfórmig  durchsetzen,  was  auf  die  hiesigen  Verháltnisse  an- 
gewendet  dafur  spricht,  dass  das  Podoler  Kalksteinlager  mit  den 
Thonschiefern  alter  sein  kann,  als  die  Zone  d5,  und  dass  mithin 
dieser  Kalkstein  der  Zone  d,  angehoren  kann. 

An  manchen  Orten,  wie  besonders  am  rechten  Thalgehánge 
bei  der  Vereinigung  des  Podoler  Thales  mit  der  Prachovicer 
Schlucht  kommt  in  Schiefern  grauer  feinkorniger  Quarzit  vor,  der 
also  hier  nur  untergeordnet  auftritt. 

Die  Etage  Dd2.  b    |  § 

B  B 

Dieselbe  besteht  aus  grauen,  dunkelgrauen  bis  gelblich- 
grauen,  feinkornigen  Quarziten,  oft  von  weissen  Quarzadern  durch- 
schwármt,  besonders  an  den  Stellen,  wo  der  Schichtenbau  gewolbeartig 
erhebt. 

Die  friiher  erwáhnten  Scolithusrohrchen,  senkrecht  gegen  die  Schichtung 
eingewachsen,  begleiten  als  ein  sehr  bezeichnendes  Merkmal  das  Vorkommen  dieser 


sich 


60 


Quarzite.  Im  westlichen  Theile  des  beschriebenen  Terrains  kommt  der  Quarzit 
in  zwei  getrennten  Ziigen  vor,  im  ostlichen  Theile  aber  vereinigeu  sich  diese  beiden 
Ziige  zu  einer  wellenformig  gebogenen  Decke. 

Zwischen  Zbislavec  und  Jetonic  finden  sich  nur  losgerissene,  nach  den 
herumliegenden  Blocken  kenntliche  Theile  der  Zone  vor ;  die  Lagerungsverháltnisse 
konnten  daselbst  aber  wegen  Mangel  an  tieferen  Einschnitten  nicht  náher  bestimmt 
werden.  Von  Sušic  liber  Tasovic  bis  Ouherčic  zieht  sich  die  Zone  in  der  Gestalt 
eines  bald  breiten,  balcl  verengten  Streifens,  was  von  der  Neigung  der  Schichten 
abhángt,  von  W  nach  O.  Meist  ist  das  Yerfláchen  nicht  gut  kenntlich;  nur  in 
der  Kostelecer  Schlucht  verfláchen  die  Quarzitschichten  verschieden  stark  nach 
Súden.  Bei  Ouherčic  und  Dolan  enthalten  die  Quarzite  zahlreiche  stecknadel- 
grosse  Abdrucke  von  Pyritwurfeln. 

Von  Ouherčic  an  lagern  sich  die  Quarzite  wellenformig  flach  in  Form 
einer  Decke  bis  gegen  Dubina  und  Morašic,  und  verfláchen  weiter  unter  die 
Schichten  des  Kreidesystems.  Das  Verfláchen  geht  hier  sowohl  nach  5l/2h— 6h-,  a^s 
auch  nach  ló1^'  mit  40-60°;  an  den  Stellen  der  stárksten  Schichtenbiegungen 
sieht  man  háufig  weisse  Quarzadern.  Durch  einen  Luftsattel  oder  unter  der 
Decke  der  Kreideformation  stehen  die  Quarzite  von  Zbliznovic  (  A459m-  Smrt)  mit 
der  vorigen  Quarzitdecke  in  Verbindung  und  sind  gleichfalls  wellenformig,  oft 
aber  ziemlich  steil  gelagert.  Eine  Schicht  N  von  Zbliznovic  fállt  sogar  nach  19 h-  mit 
80°,  nicht  weit  davon  nach  7h-  mit  80°  ein.  Der  zweite  Zug  der  Quarziten  scheint, 
obwohl  keine  gute  Entblossung  denselben  aufschliesst,  sondern  nur  herumliegende 
Blocke  ihn  andeuten,  doch  gegen  den  Granit,  also  nach  SW  zu  verfláchen.  Dieser 
Zug  zieht  sich  im  S  Gehánge  des  Bučinaberges  bei  Skoranov  an  dem  Bučina- 
Jágerhause  vorbei,  und  setzt  hinter  demselben  SO  an  dem  Granit  ab.  Das  Gestein, 
in  welches  dieser  Quarzitzug  eingelagert  ist,  besteht  beinahe  durchgehends  aus 
Ottrelitschiefern,  die  aus  den  Thonschiefern  der  Zonen  dx  und  d3  entstanden  sind. 

Diese  Metamorphose  liess  den  Quarzit  unverándert,  obwohl  derselbe*doch 
etwas  mehr  krystallinisch  erscheint,  als  die  andern  Quarzite  der  Zone  d2. 

Durch  einen  Luftsattel  duříte  die  Zbliznovicer  Decke  mit  dem  Zuge  von 
Deblov-Kabstýnek  zusammenhángen,  der  sich  O  von  Deblov  in  der  Gestalt  einer 
Felsenmauer,  wahrscheinlich  lángs  einer  Verwerfungskluft  hinzieht  und  meist 
ziemlich  steil  nach  SOS  (Deblov  iV,  llh-  76°— 80°),  bei  Kabstýnek  aber  weniger 
steil  einfállt. 

Ein  eigenes  Quarzitlager,  welches  von  dem  bei  Deblov-Rabstýnek  anstehen- 
den  durch  Schwarze  Thonschiefer  getrennt  ist,  u.  zw.  entweder  mittels  einer  Ver- 
werfung  oder  eines  Luftsattels  tritt  als  eine  niedrige  Felsenmauer  bei  Mladoňovic- 
Lípa  auf,  mit  dem  Verfláchen  gegen  Lipina  nach  12b-  mit  30° — 50°,  und  bildet, 
inclem  es  eine  ganz  deutliche  Wolbung  zeigt,  einen  Theil  einer  antiklinalen  Schi- 
chtung.  Sehr  deutlich  sind  in  der  Quarzitmauer  gewisse  Kliifte  entwickelt;  eine 
scharf  markirte  Kluftrichtung  verflácht  nach  5l/4b'  niit  90°,  eine  weniger  deutliche 
nach  3/4b-  mit  25°.  Die  Zerkluftung  verdankt  ihre  Entstehung  wahrsclieinlich  einer 
Verwerfung,  an  der  die  Schichten  weiter  ostlich  absetzen.  Auch  bei  Teinic-Tiroler- 
Haus  tritt  ein  Quarzitstreifen  auf,  doch  ist  es  unentschieden,  ob  derselbe  eiu 
eigenes  Lager  bildet,  oder  ob  er  mit  dem  Ilabsteiner  zusainmenhángt.  Gegen  O  zu 


61 


aber  vereinigen  sich  beide  Quarzitzuge  von  Deblov-Rabstýnek  und  Teinic  in  der 
Waldkuppe  Hůra  bei  Slatiňan.  Der  Quarzit  wechséllagert  im  N  Gehánge  dieses 
Berges  mit  Tlionschiefern  und  hat  ein  Yerfláclien  nach  SO  und  #,  bis  er  unter 
Schichten  der  Kreideformation  lángs  der  Bogenlinie  von  Lhota,  Slatiňan,  Škrovády, 
Kuchanovice  verschwiudet.  Bei  Slávková  hůra  geht  das  Verfláchen  nach  3h-  mit 
65°,  bei  St.  Anna  ober  Slatiňan  nach  9h-  mit  60°.  Auf  den  Kuppen  Hůra  und 
Podhůra  wechselt  das  Verfláchen;  die  Quarzitschichten  sind  da  stellenweise  aber 
auch  horizontál  gelagert  und  stark  mit  Quarzaclern  durchnetzt,  sie  nehmen  einen 
grossen  Theil  der  Kuppen  ein,  indem  sie  die  Decke  der  Schiefer  dj^  bilden. 

Die  westlichen  durch  antiklinale  Schichtenstellungen  von  einander  getrennten, 
stellenweise  auch  wellenformige  Decken  bildenden  Quarzitzuge  náhern  sich  einander 
gegen  O  so,  dass  sie  sich  endlich  in  der  Hůra  vereinigen,  nachher  aber  bald  unter 
den  Schichten  cler  Kreideformation  verschwinden,  wobei  sie  schwach  von  W  gegen 
O  einfallen. 

Die  in  den  Quarziten  háufig  undeutliche  Schichtung  ist  einer  blossen 
Zerkliiftung  áhnlich ;  in  den  liegenclen  Schiefern  der  Zone  d2  aber  wird  durch  die 
hier  herrschende  Faltung  der  Schichten  der  Unterschied  zwischen  Schichtung  und 
Zerkliiftung  verwischt,  so  dass  aus  diesen  beiden  Ursachen  die  hier  zahlreich  auf- 
tretenden  Verwerfungskliifte  schwer  erkennbar  sind. 


Die  Zone  Dd3. 


Dieselbe  tritt  meist  nur  als  Ottrelitschiefer  (Chloritoidschiefer)  auf,  und 
zwar  im  Hangenden  des  Quarzitzuges  d2  von  Bučina,  zwischen  diesem  und  dem 
rothen  Granit.  Blos  in  Folge  dieser  Lagerungsverháltnisse,  also  blos  wegen  der 
Auflagerung  auf  Quarzit  wird  der  Zug  dieser  Schiefer  als  das  Analogon  der  Zone 
d3  betrachtet.  Die  Gesteine  desselben  lassen  sich  ubrigens  von  den  metamorphi- 
schen  Gesteinen  der  Zone  ^  nicht  unterscheiden. 

Bei  dem  Kraskover  Jágerhaus  (NO  von  Kraskov)  kommt  mit  diesen  Schie- 
fern auch  ein  Corsitstock  in  Berůhrimg.  An  dieser  Stelle  ist  auch  die  Umwandlung 
derselben  in  Ottrelitschiefer  am  cleutlichsten. 

Um  auch  die  Lage- 
rungsverháltnisse des  ost-  FlS-  11  • 
lichen  Theiles  des  Eisen- 
gebirges  anzudeuten,  ist 
ein  Durch  schnitt  senk- 
recht  zum  Streichen  iiber 
Deblov  (Fig.    11)  dar- 

gestellt,  in  welchem  nur  die  schwarzen  Schiefer  dx  und  die  Quarzite  d2  vorkommen. 

In  clen  schiefrigen  Felsitporhyren,  an  welchen  in  der  S  Gránze  die  Schichten 
cler  Etage  D  absetzen,  íinden  sich  auch  Schollen  dieser  Schiefer.  Es  ist  aber 
der  Nachweis  dieser  Schollennatur  nicht  immer  leicht,  cla  auch  die  Felsitschiefer, 
wenn  sie  faul  erscheinen,  clen  zersetzten  sedimsntáren  Schiefern  áhnlich  sehen. 


Idealer  Durchschnitt  durch  das  Eisengebirge  von  NNW  nach  SSO  Uber  Deblov. 
NNW  1 : 50000  SSO 


f   a  g  fp  a  fp  g 


62 


Solche  Schollen  wáren  etwa,  allerdings  in  einem  verwitterten  Zustande,  wo  also 
eine  Irrung  moglich  ist,  bei  Pračov  und  bei  Licibořic  nachweisbar.  Das  Verfláchen 
an  derselben  ist  S;  die  Klufte  sincl  von  Limoniten  gefárbt. 


f)  Die  Silurinsel  von  Hlinsko. 

Dieselbe  zieht  sich  auf  die  Lánge  von  25  Kilom.  zwischen  Krenzberg, 
Hlinsko,  Skuč  íiber  Richenburg;  die  grosste  Breite  derselben  betrágt  zwischen 
Mrákotín  und  Ranná  etwas  iiber  5  Km. 

Die  Schiefer  sind  hier  zwischen  dem  Gneus  des  bohmisch-máhrischen 
Gránzgebirges  und  zwischen  grauem,  theilweise  auch  rothem  Granit  des  Nassa- 
berger  Massivs  eingeschlossen  und  werden  nordlich  von  Schichten  des  Kreide- 
systems  íiberlagert,  wáhrend  sie  sich  siidlich  bei  Vojnoměstec  auskeilen. 

In  der  Richtung  Vojnoměstec,  Chlum,  Yítanov,  Kouty  liegen  die  Schichten 
discordant  auf  Gneus;  weiter  iiber  Hlinsko,  Plaňan,  Dědová,  Krouna,  Otrádov, 
Miřetín,  Kutřín  schiebt  sich  zwischen  Gneus  und  Silurschiefer  ein  enger  Streifen 
von  rothem  Granit  ein.  Dieser  liegende  Gneus  gehort  schon  dem  Gránzgebirge 
an.    Um  dieses  Verháltniss  der  discordanten  Lagerung  der  Silurschiefer  gegen 

Gneus  zu  verdeutlichen,  sei  hier  die 
Fig.  12.  Fig.  12  beigefiigt,  welche  das  Contact- 

sw  íaoooo  no      verháltniss  der  nach  41/ '3h-  mit  30° 

Mu,hle    verfláchenden,  vielfach  durch  Ver- 

[  ^^^^SĚĚ/Ě^^---  werfungen  gebrochenen  Silurschiefer 

^-^^^mmm^^^W^^  ./CzZí//_ —  gegen  den  nach  Ylx\-^-  mit  26°  ver- 
fláchenden Gneus  zeigt,  wie  es  O 
von  Vojnoměstec  sich  darbietet. 
Von  Vojnoměstec  bis  Kreuzberg  bilden  die  uberlagernden  Schichten  der 
Kreideformation  die  Gránze  der  Schiefer;  von  Kreuzberg  iiber  Kohoutov,  Stan, 
Unter  Holetín,  Mrákotín,  SkuČ  aber  grauer  Granit  und  grauer  Gneusgranit  und 
zwar  als  ein  Eruptivgestein  von  spáterer  Entstehung.  Von  Skuč  iiber  Richenburg, 
Hněvětic,  Peralec  bildet  die  im  ostlichen  Bohmen  weithin  sichtbare  Terrainstufe 
des  mittleren  bohmischen  Kreidesystems,  die  Decke  iiber  den  Silurgesteinen,  die 
dann  nur  im  Thalgrunde  unterhalb  Richenburg  bis  gegen  Doly  noch  entblosst  sind, 
Die  Gesteine  dieser  Schieferinsel  sind  theils  graue,  theils  grunliche  echte 
Phyllite,  mit  oder  ohne  ausgeschieclene  Quarznester,  so  namentlich  zwischen  Chlum 
und  Vojnoměstec  oder  zwischen  Mrákotín-Hlinsko-Kladné.  An  gewissen  Orten  zeigen 
diese  Phyllite  einen  allmáhlichen  Ůbergang  in  Grauwackenschiefer,  aus  denen  sie 
entstanden  sind,  so  dass  zwischen  beiden  keine  scharfe  Gránze  besteht.  Diese 
Mittelgesteine  sind  auf  der  Kartě  aber  als  Phyllit  ausgeschieden.  Sie  wechsel- 
lagern  mit  dem  Phyllit  und  bilden  im  rothen  Granit  zwischen  Podměstí  (Prosec) 
und  Peralec  eine  Scholle  mit  gestorter  Lagerung;  sie  verfláchen  hier  stellenweise 
nach  4h-  mit  72°.  Diese  von  rothem  Granit  umfasste  Phyllitscholle  setzt  unter 
Quadersandsteinen  also  unterhalb  Bor  in  der  Richtung  gegen  Jarošov  weiter 
fort,  denn  sonst  konnten  in  den  zwei  nur  etliche  Schritte  langen  Entblossuiigeu 


63 


im  tiefsten  der  Thalschluchten  S  von  Vranic  oder  NW  Jarošov  nicht  ebenfalls 
zerbrockelte  Phyllite  zum  Vorschein  kommen.  In  der  nordóstlicheren  Entblossung 
im  Thalwege  (S  Vranic)  stosst  der  Phyllit  sogar  an  rothen  Granit  noch  an. 

In  Proseč  selbst  ist  ebenfalls  eine  Scholle  schiefriger  Gesteine  im  rothen 
Granit  eingeschlossen.  Diese  Gesteine,  welche  SO  von  Proseč  am  Farský  kopec 
besser  zu  Tage  treten,  sind  wohl  keine  Phyllite,  sondern  sehr  feinkornige  den 
Phylliten  áhnliche  Amphibolschiefer  von  dunkler  Farbe,  die  hie  und  da  einen 
Epidotstreifen  einschliessen.  Sie  fallen  vorherrschend  sehr  steil  beinahe  nach  O  ein 
(jedoch  auch  stellenweise  nach  WSW  oder  N).  Vielleicht  wáre  der  Name  Amphi- 
bolphyllit  fur  dieselben  passender.  Auf  der  Kartě  sind  dieselben  als  schiefrige 
Amphibolite  ausgeschieden. 

In  diesen  grauen  bis  schwarzen  Phylliten  und  phyllitáhnlichen  Thonschiefern 
oder  umgewandelten  Grauwackenschiefern  kommen  Grauwackenschiefer  von  grauer 
oder  gninlich  schwarzer  Farbe  vor,  ganz  áhnlich  den  Schiefern  C  von  Skrej  und 
Jinec,  des  centralbóhmischen  Silurbeckens.  Doch  ist  diese  Áhnlichkeit  fur  die 
Bestimmung  des  Alters  derselben  sehr  ungeniigend,  da  neben  denselben  auch 
solche  schwarze  Schiefer  vorkommen,  die  an  die  Etage  A  oder  auch  an  Ddt 
erinnern.  Es  sind  uberhaupt  sámmtliche  Schiefer  hier  so  bedeutencl  umgeándert, 
dass  nach  ihrer  petrographischen  Beschaffenheit  auf  die  Silur-Etage,  der  sie  etwa 
angehoren,  nicht  geschlossen  werden  kann.  Dieser  Umstand  ist  in  der  Farben- 
erklárung  beriicksichtigt  worclen  und  es  erhielten  demnach  die  Schiefern  kein 
Etagen-Zeichen. 

Das  zweite  vorherrschende  Gestein  ist  graue  Grauwacke.  Sie  nimmt  den 
NO  Theil  der  Silurinsel  ein,  wáhrend  die  schwarzen  Schiefer  die  SW  Hálfte 
zusammensetzen.  Die  graue  mittelkórnige  quarzige  Grauwacke  entspricht  beiláufig 
derjenigen  Varietát,  die  als  grau-grúne  Grauwacke  im  Eisengebirge  bezeichnet 
wurde.  Sie  geht  durch  Verfeinerung  des  Kornes  in  gebánderte  licht-  und  clunkel- 
graue  feinformige  Grauwacken  uber,  wie  man  dies  unter  der  Kirche  von  Kostelec 
(S  Heřmanův  Městec)  sieht;  auch  bei  Richenburg  finden  sich  solche  Grauwacken 
unter  den  grauen  kórnigen  Gesteinen. 

Die  grauen  Grauwacken  enthalten  ausser  Quarz  und  wenig  zersetzten 
Orthoklas  nur  spurenweise  Glimmerschiippchen;  sie  sind  wahrscheinlich  von  gleichem 
Alter  mit  den  graugriinen  Grauwacken  des  Eisengebirges,  nur  sind  sie  hier  lokále 
Bildungen,  zu  denen  nicht  der  Dioritaphanit,  wie  im  Eisengebirge,  sondern  schwarz- 
grauer  Quarzporphyr  das  Materiále  lieferte.  Es  treten  námlich  in  der  Umgebung 
von  Richenburg  bei  Skuč,  Lešan,  mit  der  grauen  Grauwacke  auch  schwarzgraue 
Quarzporphyre  als  gleichzeitige  Bildungen  auf  und  an  diese  lehnt  sich  die  Grau- 
wacke theils  an,  theils  wird  sie  aber  auch  von  den  Porphyren  durchsetzt.  Diese 
Grauwacken  kónnten  demnach  auch  als  schwarze  Quarzporphyrtuffe  bezeichnet 
werden.  Die  Trennung  derselben  von  den  Eruptivgesteinen,  denen  sie  stellenweise 
zum  Verwechseln  áhnlich  sind,  gelingt  mit  Sicherheit  nur  dort,  wo  die  Lagerungs- 
verháltnisse  ganz  deutlich  sind,  wo  námlich  die  Schichtung  den  sedimentáren  und 
die  Gangbildung  den  eruptiven  Charakter  der  Gesteine  unzweifelhaft  bezeichnet. 
Bei  Lagergángen  ist  dann  die  Entscheidung  schwer  zu  treífen.  Gewóhnlich  ist 
aber  die  Grauwacke  (oder  Porphyrtuff)  etwas  weniger  frisch  und  enthált  Spuren 


64 


von  Glimmerbláttchen.  Zwischen  Richenburg  und  Voldříš  aber  wird  diese  Grau- 
wacke  theilweise  schiefrig  und  graulichgrun,  so  dass  auch  hier  eine  Áhnlichkeit 
mit  der  vorhin  erwáhnten  Grauwacke  des  Eisengebirges  bemerkbar  wird. 

Auch  die  quarzige  Grauwacke  (oder  Porphyrtuff)  tritt  in  verschiedenen 
Varietáten  auf;  namentlich  sind  sehr  háufig  phyllitáhnliche  Grauwackenschiefer, 
die  durch  allmáhlige  Ůbergánge  mit  der  Grauwacke  verbunden  sind,  in  denselben 
eingelagert.  Diese  Grauwackenschiefer  sehen  den  Grauwackenschiefern  der  Etage 
B  oder  C  der  Umgebungen  von  Prag  áhnlich. 

Zwischen  den  Schiefern  und  Grauwacken  besteht  keine  scharfe  Gránze, 
wie  dies  auf  der  Kartě  zwischen  Zdarec  und  Voldříš  angegeben  ist,  sondern  der 
Ůbergang  ist  ein  so  unmerklicher,  dass  diese  Gránze  nur  als  eine  durchschnitt- 
lich  mittlere  anzusehen  ist.  Untergeordnet  kommen  in  den  Gesteinen  der  Schiefer- 
parthie  im  SW  Theile  der  Insel  an  den  Gránzen  mit  Granit  und  Gneus  verschiedene 
Contactmetamorphosen  vor.  So  sind  gewisse  Schichten  ganz  einem  kleinkórnigen 
recht  festen  Biotitglimmerschiefer  áhnlich,  wie  zwischen  Mrakotín  und  Babákov; 
áhnliche  Glimmerschiefer  sind  auch  bei  Stan  und  zwischen  Vítanov  und  Chlum  zu 
sehen,  wo  sie  die  Phyllite  von  Hlinsko  mit  denjenigen  von  Kreuzberg  verbinden. 
Doch  lásst  sich,  wie  schon  fřůhér  angefuhrt  wurde,  das  Alter  dieser  mit  lenticu- 
laren  Quarznestern  versehenen  Glimmerschiefer  keineswegs  sicher  nachweisen,  so 
das  auch  ihre  Zugehórigkeit  zum  Laurentin  nicht  ausgeschlossen  ist. 

Am  Contacte  mit  Granit  werden  auch  Amphibolschiefer  angetroffen,  so 
bei  Vítanov,  Stan,  Unter-Babákov ;  doch  bleibt  es  hier  wegen  mangelhafter  Ent- 
blóssung  unentschieden,  ob  diese  Amphibolschiefer  zum  obersten  Laurentin  gehóren, 
oder  ob  sie  umgewandelte  cambrische  Schiefer  sind.  Nahé  an  diesen  Amphibolit- 
schiefern  finden  sich  recht  háufig  in  den  Gránzschiefern  auch  bis  lm-  máchtige 
Lagergánge  von  schiefrigem  Felsitporphyr,  wie  derselbe  bei  Lukavic  vorkommt, 
und  auch  von  rothem  Granit;  deutlich  sieht  man  dies  aber  nur  am  Eisenbahn- 
einschnitt. 

Diorite  und  Quarzporphyre  sind  ebenfalls  háufige  Gránzbildungen,  so  bei 
Plaňan,  bei  Babákov,  Vojnoměstec  und  an  andern  Orten,  doch  sind  die  Ent- 
blossungen  uberall  mangelhaft. 

Lángs  der  Gránze  mit  dem  Granit  sind  die  Phyllite  oder  stark  gefáltelte 
schwarze  Thonschiefer  als  sogenannter  Fruchtschiefer  entwickelt,  so  von  Mrákotín 
an  bis  gegen  Stan;  aber  auch  etwas  entlegener  von  der  Gránze  findet  sich  diese 
Gesteinsvarietát  in  Phylliten  eingelagert,  so  namentlich  bei  Vojtěchov. 

Bei  Kladné  zeigen  die  Phyllite  eine  feine  Fáltelung  und  ebenfláchige 
Schieferung  unci  enthalten  keine  Quarzausscheidungen,  dafiir  aber  fůhren  sie  Stau- 
rolith,  so  dass  sie  als  Staurolithphyllite  angefuhrt  werden  konnen.  Die  schwarzen 
Thonschiefer  bei  Hlinsko  aber  sind  Andalusit(Chiastolit)-Schiefer.  Ůbergánge  werden 
uberall  háufig  angetroffen. 

Gewisse  Schichten,  besonders  an  den  Gránzen,  sind  durch  dichten  schwarz- 
grauen,  mit  kleineren  weissen  Quarzadern  durch schwármten  Lydit,  ersetzt.  Solche 
Lydite  bilden  lenticulare  Schichten  in  ganzen  Zíigen,  wie  nahé  der  Gránze  bei 
Dědová,  wo  ausser  schwarzen  Lyditen  auch  blaufleischrothe ,  manchem  Felsit 
áhnliche  Lydite  vorkommen,  die  etwas  gestreckte  Glimmermembranen  fúhren,  so 


;  namentlich  bei  Čertovina  am  Metkový  kopec,  bei  Oflenda  und  bei  Mrákotín.  Die  Lydite 
|  bilden  in  Folge  ihrer  grosseren  Festigkeit  in  clem  Schieferterrain  flache  Kuppen.  Auch 

Iweiter  von  den  Gránzen  finden  sich  einzelne  Schichten  von  Lydit  vor,  so  bei  Kladné, 
Vojtěchov,  SO  von  Holetín,  jedoch  in  nur  ganz  untergeordneter  Lagerung. 
S  von  Chlum  (N  von  Kreuzberg)  sind  die  Thonschiefer  in  Ottrelitschiefer 
r  umgewandelt. 

Wenn  Schollen  von  Schiefern  im  Granit  eingeschlossen  erscheinen,  so  sind 
I  dieselben,  insofern  sie  weit  von  der  Silurgranze  auftreten,  wie  bei  Stružinec,  wo  solche 
!  grossen  Schieferbrocken  von  grauem  Granite  umhílllt  werden,  in  Amphibolit  umge- 
\  wandelt;  nahé  an  der  Silurgranze  aber,  wie  im  rothen  Granite  W  von  Kreuzberg, 
-  sind  die  zahlreichen  Schieferscbollen  in  dem  Granite  stark  metamorphosirt  und 
griinlich  gefárbt. 

Bemerkenswerth  ist  es,  dass  in  den  Schiefern  auch  graue  kleinkornige  Grau- 
i  wacken  (vielleicht  Porphyrtuffe)  vorkommen,  die  jedoch  keine  scharfe  Scheidung 
zulassen,  so  bei  Ober-Holetín. 

Bei  Kladné,  W  im  Strassenbuge  kommt  in  etwas  gefalteten  grauem  Stau- 
rolithphyllit  eine  xj2m-  máchtige  Schicht  von  feinkornigem  Quarzit  vor.  Ein  áhnlicher 
Quarzit,  als  graue  feste  quarzige  Grauwacke  auf  der  Kartě  bezeichnet,  findet  sich 
in  grosseren  Massen  zwischen  Kreuzberg  und  Vojnoměstec,  stellenweise  auch  mit 
grunlichen  Phylliten  wechsellagernd.  Diese  feste  quarzige  Grauwacke  ist  in  den 
Klíiften  von  Haematit  roth  gefárbt,  der  in  derselben  oft  gangformige  Nester  bildet, 
und  in  denselben  Anflíige  von  Malachit  und  Lunit  enthált.  Das  Vorkommen  dieser 
feinkornigen,  festen,  quarzigen  Grauwacken  (oder  Quarzit)  deutet  das  Alter  der 
Kreuzberger  Schieferzone  an.  Da  námlich  in  der  Etage  A  solche  Quarzite  oder 
Grauwacken  nicht  vorkommen,  so  konnen  die  Schiefer-Gesteine  trotz  der  bedeu- 
tenden  Áhnlichkeit  mit  gewissen  Schichten  der  cambrischen  Etage  A  und  trotz 
des  auch  bekannten  Vorkommens  von  Lyditen  in  denselben,  doch  nur  der  Etage 
B  zugetheilt  werden,  weil  solche  quarzitische  Gesteine  im  centralbohmischen  Becken 
nur  in  dieser  Etage  auftreten. 

In  dem  Gebiete  der  grauen  quarzigen  Grauwacken  kommen  ausser  den 
schon  vorerwáhnten  Phyllit-Thonschiefern  auch  solche  Grauwacken  von  feinem 
Korné  vor,  die  an  die  Kostelecer  Schichten  (S  von  Heřmanměstec)  erinnern, 
folglich  auch  moglicher  Weise  der  cambrischen  Etage  B  angehoren.  Nebstdem 
sind  auch  feste  graue  quarzige  Grauwacken  namentlich  bei  Richenburg  und  im 
Thale  des  Krounabaches,  N  von  Richenburg  neben  grauen  tuffigen  Grauwacken 
háufig  eingelagert. 

Lydit  tritt  hier  nur  selten  auf;  nur  bei  Kutřín  findet  er  sich  im  Contact 
zwischen  Grauwacke  und  Granit. 

In  der  Peralecer  kleinen  Schieferinsel  ist  auch  ein  Zug  von  grunlichen 
kornigen  Grauwacken  mit  den  Schiefern  verbunden. 

Diese  Merkmale  deuten  darauf  hin,  dass  die  Grauwackenschiefer,  Thon- 
schiefer und  Grauwacken,  sowie  die  Phyllite  hochst  wahrscheinlich  den  cambrischen 
Schichtenzonen  angehoren,  indem  sie  eine  so  grosse  Áhnlichkeit  mit  den  Gesteinen 
der  mittelbohmischen  Etage  B  haben,  wobei  jecloch  keineswegs  das  Vorhandensein 
der  Etage  A  und  der  Primordialzone  C  ausgeschlossen  ist. 

5 


66 


Die  sámmtlichen  Schichten  der  grossen  Schieferscholle  stehen  bei  dem 
Streichen  von  N  nach  S  beinahe  am  Kopfe,  desshalb  die  Entscheidung,  was  das 
Liegende  oder  Hangende  darstellt,  schwer  zu  trefen  ist.  Es  gilt  freilich  als  Regel, 
dass  gewohnlich  in  einer  Schichtenzone  die  groberen  Schichten  die  álteren,  die 
weniger  groben,  also  die  schiefrigen,  die  jungeren  sind.  Dem  zu  Folge  wáren  die 
Grauwacken  von  Skuč  das  vermuthliche  Liegende,  und  die  Schiefer  von  Hlinsko 
das  Hangende  der  hiesigen  Schieferbilclung.  Allein  da  auch  Abweichungen  von 
dieser  Regel  bekannt  sind,  indem  allenfalls  die  mittelbohmischen  Etagen  A  und 
B  im  Zusammenhange  in  den  tieferen  Schichten  A  aus  Schiefern,  also  aus  feineren 
Gesteinen,  in  den  hóheren  Schichten  B  aus  Grauwacken  und  Schiefern  bestehen; 
und  da  es  weiter  nicht  entschieden  ist,  ob  in  dieser  Schieferinsel  nur  eine  oder 
mehrere  cambrische  Etagen  entwickelt  sind,  so  ist  auch  der  Hinweis  auf  die  obige 
Regel  nicht  maassgebend,  und  es  bleibt  also  das  Liegende  und  Hangende  unsicher. 

Die  Schichten  streichen,  wie  erwáhnt,  meist  von  N  nach  S  und  stehen 
am  Kopfe;  nur  gegen  die  Gneusgránze  nehmen  sie  ein  sanfteres  Verfláchen  an 
und  streichen  an  dieser  Gránze  selbst  lángs  der  Contactlinie,  so  dass  nur  spátere 
Verschiebungen  in  den  gehobenen  Schichten  die  Richtung  des  Streichens  geándert 
haben  konnten. 

Wenn  man  das  Verfláchen  der  mit  Grauwacken  schiefern  und  Thonschiefern 
wechsellagernden  Grauwacken  von  Skuč  uber  Ždárec,  Račic,  Volclřetic  verfolgt,  so 
ergiebt  sich  im  Mittel  das  Verfláchen  nach  71/2b'  niit  80°— 90°,  und  ebensoháufig 
auch  das  entgegensetzte  Einfallen  nach  19h-  mit  80° — 90°.  Súdlicher  von  Ranná 
neigen  sich  die  Schichten  im  Mittel  schon  nach  3h-  mit  35°  (2ll3h-—  4h- )  und  sind 
vielfach  gebogen  oder  antiklinal  gewolbt,  wie  bei  Vojtěchov  an  der  Eisenbahn. 
Nebstdem  stellt  sich  eine  Zerkluftung  ein,  deren  Verfláchen  nach  lb-  mit  80°  geht. 

An  solchen  Orten  enthalten  die  Schiefer  zahlreiche  Nester  von  halbdurch- 
sichtigem  Quarz,  so  wie  armdicke  Lagergánge  von  Quarz  mit  scharfkantigen 
Schieferbruchstiicken. 

Bei  Kladné,  also  noch  náher  an  der  Gneusgránze,  von  derselben  nur  ll/2 
km.  entfernt,  wurde  ein  Verfláchen  der  Staurollitphylite  nach  4h< — 5h-  mit  20° — 32° 
beobachtet.  Áhnliche  Verháltnisse  bemerkt  man  auch  an  den  festen,  grauen,  quar- 
zigen  Grauwacken  am  Krounabache  N  von  Richenburg,  wo  dieselben  mit  schwarzen, 
schiefrigen  Grauwacken  wechsellagern,  und  dadurch  ihren  Schichtenbau  ganz  deut- 
lich  zeigen.  Bei  Dol  und  Lhota  fallen  die  Schichten  am  linken  Bachufer  meist 
nach  5V3h'— 9h-  mit  65°— 90°,  am  rechten  Ufer  meist  nach  16h  — 18h-  mit  75°.  Bei 
Richenburg,  westlich  von  der  Kirche  in  der  Schlucht  haben  die  Schichten  nahé 
am  Ausbiss,  also  hoher  im  Schluchtgehánge,  das  Verfláchen  nach  21>  mit  36° 
bis  38°,  wáhrend  an  der  Sohle  der  Schlucht  ihr  Einfallen  sich  nach  O  wendet, 
und  die  Schichten  also  eine  isokline  Mulde  bilden.  Bei  der  Múhle  NW  von 
Kutřín  in  der  Richenburger  Schlucht,  nur  etwa  lj2  km.  von  der  durch  Granit- 
gánge  zahlreich  durchsetzten  Gránze,  geht  das  Verfláchen  nach  20% h-  mit  17°, 
also  der  Richtung  der  Gesteinsgránze  angepasst,  obwohl  noch  bei  Hněvětic  die 
Schichten  ganz  saiger  stehen. 

Bei  Mrakotín  ist  das  Einfallen  des  Glimmerschiefers  nahé  an  der  Granit- 
gránze  noch  nach  8h-  mit  80°— 90°  gerichtet ;  bei  Dolní  Holetín  wechselt  es  aber 


! 


I  67 

}  nach  9h  mit  88°  bis  90°  oder  entgegengesetzt  nach  19h— 20h  mit  eben  demselben 
f  steilen  Winkel.  Bei  Stan,  2%  Km.  SW  von  Hlinsko,  ist  ganz  nahé  an  der  Gneus- 
j  gránze  die  Lagerung  wieder  so  geándert,  dass  sich  Schichtenneigungen  nach  15  h- 
I  mit  85°  zeigen.  Au  solchen  gestórten  Steilen  kommen  auch  amphibolháltige  umge- 
!  wandelte  Schiefer  vor.  Bei  Vítanov  an  der  Eisenbahn  wurde  stelleDweise  das  Ver- 
;  fláchen  nach  23h-  mit  43°  beobachtet. 

NW  von  Kreuzberg  haben  die  graulichgrunen,  phyllitáhnlichen  Thonschiefer, 
'  in  denen  in  gewissen  Schichten  auch  Amphibolnadeln  im  Gemenge  erscheinen, 
das  wechselnde  Verfláchen  nach  10h — 14h-  mit  20—50°,  weil  tiberhaupt  diese  Silur- 
schieferscholle  durch  bedeutende  Zerkluftung  im  Grossen  ganz  zeřstúckt  ist.  In 
i  Kreuzberg  selbst  (N)  verfláchen  die  Schiefer,  die  hier  durch  1/2m-  máchtige  aplit- 
áhnliche  Granitgánge  durchsetzt  werden,  nach  8h-  mit  45°;  sie  befinclen  sich  hier 
1  schon  ganz  nahé  an  der  Granitgránze.  Dass  auch  in  der  kleinen  Scholle  im  Granit 
i  zwischen  Peralec  und  Podměstí  das  Verfláchen  und  die  Richtung  desselben  sich 
sehr  ándert,  ist  wahrscheinlich  eine  Folge  der  Quetschung  derselben.    Eine  Be- 
stimmung  der  Richtung  des  Einfallens  ergab  hier  4h-  mit  72°. 

In  der  Náhe  der  Granitgránze  bemerkt  man  an  manchen  Orten,  wo  die 
Entblossungen  giinstig  sind,  wie  bei  Maliny  (SW  Skuč),  Kreuzberg  und  Stan, 
dass  die  Schiefer  von  Granitgángen  durchsetzt  werden.  Diese  wenig  máchtigen 
Granitgánge  haben  aber  nicht  die  typische  Zusammensetzung  der  bedeutenderen 
Granitmassen,  sondern  sie  sind  theils  aplitisch,  theils  etwas  porphyrartig. 

g)  Jíingere  Gesteine  auf  dem  Laurentin  und  Silur  des  Eisengebirges. 

Die  jiingeren  auf  dem  alten  laureníinischen  oder  silurischen  Terrain  des 
Eisengebirges  abgelagerten  Formationen  nehmen  nur  einen  sehr  beschránkten  Raum 
ein.  Sie  sind  blos  die  noch  ubrig  gebliebenen,  nicht  weggeschwemmten  Reste 
von  Schichten,  die  nicht  nur  das  Eisengebirge,  sondern  einen  grossen  Theil  von 
Bóhmen  bedeckt  haben  und  wegen  der  schon  fertig  dastehenden  Gestalt  des  Eisen- 
gebirges, besonders  zur  Zeit  des  Kreidesystems  von  den  geneigten  Fláchen  des 
Gebirges  leichter  wieder  weggeschwemmt  werden  konnten,  als  es  in  dem  mehr 
ebenen  Flachlande  der  Fall  war. 

Von  júngeren  Bildungen,  die  sich  an  geschiitzteren  Steilen  als  Ůber- 
deckung  der  álteren  Gesteine  erhalten  haben,  treten  hier  nur  Reste  des  Perm-  und 
Kreidesystems,  so  wie  auch  einige  Alluvialbildungen  auf. 

Das  Permsystem. 

Dasselbe  ist  hier  nur  mit  den  allertiefsten  Schichten  des  unteren  Perm- 
systemes,  u.  zw.  in  seiner  limnischen  Ausbildung,  als  sogenanntes  Rothliegendes, 
in  der  beckenartigen  Vertiefung  zwischen  Seč  und  Rudov  vertreten.  Diese  durch 
ihre  ganz  giinstige  und  geschíitzte  Lage  vor  gánzlicher  Abschwemmung  verschont 
gebliebenen  Permschichten,  die  von  dem  náchsten  Vorkommen  gleichalteriger  Ge- 
steine bei  Bóhmisch-Brod,  Pecka,  Rokytnic  gleich  weit,  etwa  50—60  km  entfernt 

5* 


68 


sind,  geben  Anhaltspunkte  zu  der  Ansicht,  die  ubrigens  auch  durch  andere  Be- 
obachtungen  bestátigt  wird,  dass  das  Permsystem  einst  beinahe  ganz  Ostbóhmen 
bedeckt  haben  mochte. 

Die  hier  beobachteten  Reste  der  Permformation  nur  sind  ganz  unbetráehtlich 
und  auch  meist  von  Ackererde  bedeckt;  doch  verráth  sich  ihre  Anwessenheit  schon 
vom  weiten  durch  die  rothliche  Fárbung  des  Bodens.  Sie  bestehen  aus  ziemlich 
consistenten,  rothbraunen  Arkosen,  Sandsteinen  und  Conglomeraten,  in  wenig  nach 
N  geneigten  Schichten;  man  trifft  sie  N  von  Seč  (O  von  Zdarec)  unterhalb  der 
Wálcler  von  Kraskov  an,  wo  sie  in  einem  kleinen  Steinbruch  gut  entblosst  sind. 
Diese  Conglomerate  sind  in  Betreff  ihres  Gesteinscharakters  ganz  áhnlich  den 
bekannten  Gesteinen  dieser  Formation  am  Fusse  des  Riesengebirges.  Dieser  per- 
mische  Rest  bildet  nur  eine  kleine  Parthie  von  1  km  Lánge  und  Breite;  ein 
zweiter  gróssere  Rest  unweit  davon  bei  Počátek  hat  die  Ausdehnung  von  5  km 
und  eine  Breite  von  2  km;  der  Granit  und  Syenit,  der  hier  die  Unterlage  des 
Perms  bildet,  trennt  zugleich  beide  Parthien  von  einander. 

Zwischen  Počátky,  Kraskov,  Skoranov,  Staré  Dvory  bis  Ruclov  liegen  die 
ganz  flach  gelagerten  Permschichten  theils  auf  rothem  Granit,  theils  auf  Gneus. 
Die  Schichten  sind  hier  bróckelig  und  weniger  fest,  und  bestehen  aus  einem 
groben  Quarzsandstein  mit  rothem  thonig-glimmerigen  Bindemittel,  obwohl  auch 
festere  Conglomerate  und  sogar  graue  sandige  wenig  feste  Schieferthone  wie  in 
Kraskov,  wo  sie  mitten  im  Dorfe  gegen  S  mit  15°  verfláchen  zum  Vorschein 
kommen.  Lángs  des  NO  Fusses  der  Kaňková  Hora,  an  die  sich  die  Permschichten 
anlehnen,  findet  man  oberfláchlich  zerstreut  auch  rothliche  Hornstein-  und  Jaspis- 
knollen,  die  gewiss  aus  den  zerbrockelten  Permschichten  herríihren.  Schon  wegen 
dieser  Knollen  allein  konnen  diese  rothen  SchichteD  nicht  als  Vertreter  des  unteren 
Cenomanes,  das  manchmal  auch  róthlich  gefárbt  erscheint,  indem  es  stellenweise 
durch  Zusammenschwemmung  von  permischen  Schichten  entstand,  angesehen  werden ; 
ubrigens  wůrden  dieser  Annahme  auch  die  Conglomerate  widersprechen,  da  sie  in 
der  hier  vorkommenden  Weise  nirgends  in  unserem  Kreideterrain  bekannt  sind. 

Die  hier  vorkommenden  Schichten  gehóren  offenbar  zu  der  allertiefsten 
Schichtengruppe  cler  bohmischen  Permformation ;  ihre  Máchtigkeit  ist  hier  so  gering, 
dass  das  an  den  tiefsten  Stellen  des  Systems  an  sehr  zahlreichen  Orten  ent- 
wickelte  schwache  Steinkohlenlager,  oder  statt  dessen  die  bituminosen  Schiefer 
(Brandschiefer),  hier  durchgehend  fehlen. 

Das  Kreidesystem. 

Abgesehen  von  clem  ostlichen  niedrigen  Ausláufer  des  Eisengebirges  am 
rechten  Elbeufer  zwischen  Lžovic  und  Jelen,  wo  die  Schiefer  desselben  von  ober- 
cenomanen  und  unterturonen  Schichten  des  Kreidesystems  bedeckt  werden,  kom- 
men Schichten  der  rings  um  das  Gebirge  verbreiteten  Kreideformation  nur  in 
geschiitzten  Lagen  des  Gebirges  selbst  vor,  dessen  hohere  Parthieen  zur  Kreide- 
zeit  vielleicht  inselformig  aus  dem  Meere  hervorragten. 

Ein  solcher  Rest  von  obercenomanen  Schichten  (Korycaner  Sch.),  aus 
einem  Kalksandstein  mit  vorherrschendem  Kalkgehalte  bestehend,  nimmt  die  tiefe- 


69 


ren  Lagen  O  von  Vinaříc  au  rechtem  Ufer  der  Elbe  ein,  und  zieht  sich  vou  da 
als  ein  nicht  breiter  Streifen  auf  die  Láuge  von  2  km;  Die  saudigeu  Kalksteiue 
enthalten  stelleuweise  die  řur  die  obercenomane  Stufe  charakteristischen  Versteine- 
rungen,  treteu  aber  selten  zu  Tage,  da  sie  meist  uuter  Moorerde  in  Bodendepres- 
sion  verdeckt  sind.  Die  Máchtigkeit  derselben  ist  mír  gering;  die  Lagerung  der 
Schichtenplatten  ist  horizontál.  Nahé  NO  von  Bernardov  ist  ein  einziger  Rest 
von  obercenomanen  meist  zerfallenen  Sandsteinen  erhalten. 

In  der  Semtěšer  Schlucht  zwischen  Semtěš  und  Vápenka  trifft  man  einen 
kleinen  Rest  von  Sandstein  mit  eisenschiissigem  Bindemittel  an ;  es  ist  nioglich, 
dass  derselbe  einen  Rest  von  untercenomaDen  Schichten  darstellt;  aber  auch  das 
ist  moglich,  dass  er  zu  deu  losen  Sanden  gehort,  wie  sie  auf  dem  Eisengebirge 
hier  háufig  vorkommen  und  dass  er  erst  spáter  durch  den  aus  der  Zersetzung  des 
Alaunschiefers  der  Etage  A  entstehenden  Limonit  verkittet  wurde.  Es  ist  jedoch 
das  Vorkommen  gar  zu  geringfiigig. 

Erst  ziemlich  weit  gegen  Osten  u.  zw.  zwischen  Libáň  und  Radochlín 
sowie  S  von  Malé  Lukavice  W  von  Zumberg  (im  Walde  v  Dubinách,  pod  Víš- 
kama  bei  der  Libáůer  Ságe  gut  entblósst)  trifft  man  schwache  Decken  von  losen 
feineren  bis  groben  Sanden  an,  u.  zw.  auf  einem  mit  Teichen  bedeckten  Plateau. 
Diese  weissen  und  gelben  Sande  werden  von  graulichweissen  thonartigen  Schichten, 
die  unmittelbar  auf  Granit  ruhen,  unterlagert.  Sowohl  die  Thone  als  auch  die 
Sande,  deren  Gesammtmáchtigkeit  eine  ganz  unbedeutende  ist,  stellen  einen  Rest 
der  tiefsten  Lagen  von  untercenomanen  Schichten  (Perucer  Sch.)  vor,  die  mit  den 
nur  2 — 3  km  entlegenen  analogen  Schichten  von  Lukavic  uud  Smrček  einst  im 
Zusammenhange  waren. 

Ebensolche  weisse  Sand-  und  Schottermassen,  meist  aus  Quarzgerollen 
bestehend,  im  Liegenden  aber  aus  weissen  thonigen  Schichten  (das  ist  aus  auf- 
gelósten  sandigen  Schieferthonen)  zusammengesetzt,  breiten  sich  flach  auf  den  stark 
umgewandelten  Grauwackenschiefern  und  schiefrigen  Grauwacken  der  Schieferinsel 
von  Hlinsko  u.  zw.  am  flachen  Westgehánge  bei  Voldřetic  aus.  Sie  sind  gleich- 
falls  zerfallene  Reste  des  unteren  Cenomanes,  von  dessen  intactem  Complexe  bei 
Skuti čko  sie  nur  3  Kilom.  entfernt  sind.  Die  durch  die  Eisenbahn  entblossten 
Schichten,  aus  vorherrschenden  weissen  Gerollen  von  Quarz  und  auch  aus  dunklem 
Lydit,  sowie  aus  weissen,  groben  Sandlagen  bestehend,  die  in  einem  weissen  tho- 
nigen Bindemittel  stecken,  stellen  eher  Schotter  und  Sandbánke  als  Schichten 
von  Sandstein  und  Conglomerat  vor,  sind  aber  durch  Lockerung  aus  denselben 
entstanden.  Die  Máchtigkeit  dieser  Schichten  betrágt  mehr  als  3 — 4m- ,  auch  dúrfte 
im  Liegenden  weisser  Thon  verborgen  sein. 

Eine  sehr  bedeutende  Lánge  von  6  km  bei  der  Breite  von  nur  1  km 
besitzt  der  Rest  der  allertiefsten  zerbróckelten  untercenomanen  Schichten,  an  der 
bohmisch-máhrischen  Gránze,  wo  sie  eine  flache  Vertiefung  ausftillen.  W  von 
Svratka  sind  die  allertiefsten  Schieferthone  der  untercenomanen  Schichten  zu 
graulich  weissem  sandigen  Thon  zerfallen,  und  werden  von  einer  ganz  unbedeuten- 
den  Decke  von  weissem  Quarzsand  bedeckt,  auf  der  sich  dann  Torf  von  lj%m- 
Máchtigkeit  ausbreitet. 


70 


In  der  Niederung  am  Svratkabache  werden  die  Thone  als  guter  Modellir- 
und  Tópferthon  beniitzt;  die  Máchtigkeit  diirfte  nach  der  Tiefe  der  Gruben  zu 
schliessen  etwa  6ra-  betragen.  Gegen  Krejcar  und  Kamenicky  zu  steigt  die  Terrain- 
Depression  etwas  an  und  man  findet  daselbst  nur  lose  Quarzschottermassen  mit 
untergelagerten,  weissen  thonigen  Schichten,  die  aber  nirgends  deutlich  entblósst 
sind.  Dieser  Rest  von  ganz  gelockerten  und  zerfallenen  untercenomanen  Schichten 
zwischen  Kameniček  und  Svratka  ist  von  den  náchst  gelegenen  zusammenhángen- 
den  Gebilden  der  Kreideformation  bei  Vojnoměstec  7  km  entfernt. 

Ganz  kleine  Reste  von  untercenomanen  Sandsteinen  und  mit  Limonit  ver- 
kitteten  Conglomeraten  finden  sich  bei  Čertovina  unweit  Hlinsko;  Limonite  aus 
ebendenselben  tiefsten  Schichten  bei  Voldříš  (NW  von  Krouna).  Diese  gering- 
fíigigen  Reste  sind  auf  der  Kartě  nicht  dargestellt. 

Diluvium  und  Alluvium. 

Auf  dem  Ausláufer  des  Eisengebirges  am  rechten  Elbeufer,  sowie  N  von 
Elbeteinic,  sind  auf  den  Hohenfláchen  Quarzkiese  und  Schotter  verbreitet,  die 
offenbar  aus  zerfallenen,  zusammengeschwemmten  cenomanen  Sandsteinen,  sowie 
aus  Sanclen  bestehen,  welche  die  Elbe  aus  den  zerbrockelten  Schichten  des  Perms 
des  Riesengebirges  zugeschwemmt  hat.  Diese  Sande  und  Schotter  sind  eine  alluviale 
Bildung,  und  gelangten  in  ihre  jetzige  Lage  durch  die  ehedem  bei  Elbe-Teinic 
aufgestaute  Elbé,  bevor  dieselbe  ihr  jetziges  tieferes  Flussbett  in  den  Schiefern 
ausgewaschen  hat.  Man  konnte  diese  Alluvionen  allenfalls  auch  als  álteres  Al- 
luvium bezeichnen,  zum  Unterschiede  von  dem  im  jetzigen  Inundationsgebiete 
verbreiteten  jiingeren  Alluvium,  das  nach  Durchwaschung  der  Felsenwehr  von 
Elbe-Teinic  sich  in  einer  tieferen  Lage  absetzt.  Dass  áltere,  auf  der  Plateau- 
terasse  verbreitete  Alluvien  nicht  an  Ort  und  Stelle  liegen  gebliebene  zerfallene 
cenomane  Schichten,  sondern  angeschwemmte  Sande  und  Schotter  sind,  wird  da- 
durch  bewiesen,  dass  sie  auf  turonen  Plánern  liegen  und  dass  sie  Bruchstúcke 
von  eben  denselben  Plánern  enthalten. 

Im  Elbe-Alluvium  finden  sich  auch  Bruchstiicke  von  Psaronien;  ein  Hin- 
weis  auf  die  Entstehung  des  Flusssandes  und  Schotters  aus  permischen  Schichten. 
Auf  dem  Plateau  des  Eisengebirges  zwischen  Morašic,  Krasnic  und  bei  Litošic, 
dann  bei  Vedralka  und  NW  von  Vápenka  finden  sich  lose  weisse  oder  bráunliche 
Anháufungen  von  sehr  feinem  Quarzsand.  Stellenweise,  besonders  gut  sichtbar 
NW  von  Vápenka,  bilden  diese  Sande  langgezogene  Wálle  von  meist  4  Metem 
Hóhe.  Es  sind  das  ebenfalls  Alluvien,  nur  ist  deren  Abstammung  nicht  immer 
sicher.  Dort,  wo  sie  sich  in  flachen  Niederungen  in  der  Náhe  von  Teichen  finden, 
diirften  sie  den  Boden  von  Wasseransammlungen  darstellen,  in  welche  sie  als 
Abschwemmung  der  letzten  Reste  der  Kreideschichten  vom  Plateau  des  Eisen- 
gebirges gelangten.  Es  ist  jedoch  auch  moglich,  dass  diese  feinen  Sande  als  Flug- 
sand  durch  Wind  vielleicht  aus  der  Elbeniederung,  wo  cenomane  zu  Sand  zerfallene 
Schichten  vorkommen,  heraufgeweht  worden  sind. 

Andere  Alluvialbildungen  im  Eisengebirge  finden  sich  im  Gebiete  von  noch 
bestehenden  Teichen. 


71 


Lehm  ist  im  Eisengebirge  selten.  Er  kommt  theils  au  Stellen  vor,  wo  nocli 
Reste  von  Kreideschichten  nachweisbar  siud,  als  deren  letztes  Product  der  Auflosung 
er  hinterblieb,  wie  bei  Yoldřetic  (aS^voii  Skuč),  bei  D olivka  und  NO  von  Hlinsko, 
wo  bei  Čertovina  noch  ganz  unbedeutende  Spuren  von  unterceuomanen  Sandsteinen 
vorkommen,  oder  er  findet  sicb  als  Gehánglehm  an  aus  Granit  oder  Gneus  be- 
stehenden  Bergen. 

Einen  solchen  aus  der  Yerwitterung  dieser  Gesteine  entstandeuen  und 
abgeschwemmten  Lelim  sieht  man  allenfalls  bei  Rudov,  ani  rechten  Ohebkaufer 
bei  Bojanov,  bei  Ober-Bradlo,  Trhová  Kamenice  und  Krouna;  im  Ganzen  aber 
ist  der  Lehm  im  Eisengebirge  recht  selten,  weil  eben  Schichten  des  Kreidesy- 
stems  fehlen. 

In  feuchten  Thalniederungen  trifft  man  auch  Torf  an,  so  W  von  Elbe-Teinic, 
bei  Březinka  (SO  von  Podbořan),  S  von  Dolan  (SOS  von  Heřmanměstec),  O  von 
Citkov,  W  von  Mladonovic,  zwischen  Hrbokov  und  Deutsch-Lhotic,  bei  der  Zlatník- 
miihle,  zwischen  Slatiňan  und  Chrudim. 

Ébenso  sind  die  feuchten  Thalschluchten  im  Gebiete  der  Thonschiefer  dj, 
welche  mit  Pyrit  impraegnirt  sind,  so  in  den  Schluchten  des  Geheges  „Kočičí 
OcasM  oder  „pod  kočkou",  SSO  von  Heřmanměstec  durch  Limouitfárbungen  auf- 
fállig  und  es  tritt  hie  und  da  auch  Rasenerz  auf,  namentlich  im  vermoorten  Boden. 

Sehr  bedeutend  sind  die  Alluviouen,  die  aus  durch  Lehm  verbundenen 
Blócken  bestehen,  im  Gebiete  zwischen  Chlum  und  Stau  (SSW  Hlinsko)  verbreitet. 
Erwáhnenswerth  sind  noch  die  Geróllmassen  des  Báchleins,  welches  den  linksseitigen 
Zufluss  des  Okrouhlicer  Baches  bildet  und  der  bei  Svídnic  in  die  Ohebka  mundet. 
Unter  Petiikov  bei  Pohořalka  sind  diese  Schottermassen  durch  alte  Seifen  auf- 
gewiihlt;  der  Zweck  der  Seifen  ist  unbekannt. 


3.  Das  Kreideflachlaiid  XO  vom  Eisengebirge. 

Den  NO  allmáhlich  sich  verflachenden  Fuss  des  Eisengebirges  begi'ánzt 
das  Kreideflachland  des  Chrudímer  und  Koniggrátzer  Kreises,  welches  nur  ganz 
sanfte  Wellenhugel  oder  auch  ebene  Stufen  bildet,  wie  dies  der  horizontálen 
Schichtung  entspricht. 

Von  Krakován  angefangen  bis  Trnavka  iehnen  sich  an  das  alte  Eisen- 
gebirge meist  nur  die  Alluviouen  der  Elbe  an,  so  dass  aus  ihnen  nur  an  erhohten 
Stellen  der  turone  Pláner  in  flachen  Erhohungen  hervorragt,  wie  dies  bei  Krakován 
der  Fall  ist.  Am  linken  Elbeufer  aber  umsáumt  von  Kojic  an  bis  Jankovic  ober- 
cenomaner  Qiiadersandstein  (Korycaner  Stufe)  den  Fuss  des  Gebirges;  zuerst  bei 
Kojic  als  enger  Streifen,  danu  zwischen  Jankovic  bei  Lhota  Přeloučská  als  ziemlich 
breite  Fláche.  N  von  den  flach  liegenden  Quaderschichten,  die  leicht  zerbrockeln 
und  demnach  mit  losem  feinen  Sande  bedeckt  sind.  breiten  sich  nur  Elbe- 
alluvien  aus. 

Solche  obercenomane  Quadersandsteine  dringen  theils  als  wirkliche  Schichteni 
theils  schon  zu  feinem  Sand  zerfalleu,  in  die  Thalbuchten  des  Eisengebirges  ein,  so 
bei  Zdechovic  und  Morašic.    Innerhalb  der  Quader  kommen  auch  kalkig  sandige 


72 


Schichten,  meist  als  Uferbildungen,  mit  zahlreichen  Versteinerungen  zum  Vor- 
schein.  Solche  Ufergebilde  des  Korycaner  Kalkes  dringen  in  Form  von  Zungen  in 
das  Terrain  der  álteren  Gesteine  ein,  wie  bei  Telčic,  wo  sie  schwach  gegen  N 
geneigt  sind. 

In  der  meist  mit  feinem  Sand  bedeckten  Ebene,  unter  der  die  Korycaner 
Quader  liegen,  zeigen  sich  zwischen  Zdechovic  und  Lhota  Přeloučská  flache,  aus 
álteren  Gesteinen  des  Eisengebirges  bestehende  Híigel,  und  in  deren  Nálie  Reste 
von  turonen  Plánern,  wie  zwischen  Chvaletic  und  Zdechovic,  so  wie  bei  Spitovic. 

Von  Jankovic  bis  Tupes  bilden  nur  turone  Pláner  die  Begránzung  des 
Eisengebirges,  indem  der  obercenomane  Quader  unter  denselben  sich  verbirgt. 
Nur  bei  Podvrd  zeigt  sich  derselbe  zwischen  den  Schichten  der  Zone  B  und  dem 
Pláner.  — 

Von  Tupes  bis  Raškovic  sind  zwar  ebenfalls  turone  Pláner  iiberall  an  der 
Gránze  vorhanden,  sie  treten  aber  nur  in  den  erhohten  Terrainstufen  frei  zu 
Tage,  sonst  sind  sie  aber  mit  máchtigen  Lehmdecken  bedeckt.  Auch  in  den 
Buchten  findet  man  noch  Reste  von  Plánerschichten,  wie  in  der  Thalschlucht 
zwischen  Chrtník  und  Svojšic. 

Von  Raškovic  an  dringt  die  Kre:deformaíion  tiefer  in  das  Eisengebirge 
ein,  indem  sie  iiber  Slojic,  Vlastějov,  Vyžic,  Kostelec,  Nové  dvory  bei  Heřman- 
městec  eiher  weite  Thalbucht  einnimmt,  aus  der  nur  in  Thalschluchten,  wie  bei 
Vlastějov  und  Kostelec  oder  an  den  Gipfeln  der  Erhóhungen  áltere  Gesteine  ent- 
blosst  erscheinen. 

Hier  sind  auch  zwischen  den  Korycaner  Quadern  und  den  Schiefern  des 
Eisengebirges  die  untercenomanen  Perucer  Schichten  eingeschaltet.  Nahé  der 
Gránze  mit  clen  Korycaner  Sandsteinen  zwischen  Vlastějov  und  Kostelec  sind  die 
Perucer  Schichten  in  ihrem  Hangenden  sandsteinartig,  im  Liegenden  aber  durch 
Zerfallen  der  graulichen  Schieferthone  thonig  lettig,  und  von  losen  Sanden,  Kies 
oder  Schotter  als  dem  Rest  von  aufgelosten  Sandsteinbánken  bedeckt.  Diese  lie- 
gendste  Parthie  zwischen  Vyžic  und  Kostelec  (S  Heřmanměstec)  enthált  Knollen, 
Nester  und  platte  díinne  Lagen  von  Limonit  oder  mit  Limonit  verbundene  Sande, 
und  aus  derselben  wird  durch  Graben  bis  6m-  tiefer  grubenartigen  Vertiefungen 
das  Erz  fůr  den  Hedwigsthaler  Hochofen  zeitweilig  noch  gewonnen,  namentlich 
auf  dem  Riede  „na  jezerkách". 

Ůberhaupt  ist  bei  Kostelec  der  Ausbiss  der  tiefsten  Lage  der  Perucer 
Schichten,  welche  oft  auch  róthlich  gefárbt  sind,  durch  herumliegende  kleine  Fund- 
stíicke  von  Limonit  angedeutet. 

Die  flach  gelagerten  obercenomanen  Sandsteine  von  nicht  bedeutender 
Haltbarkeit  enthalten  als  gleichzeitige  Bildungen  kalkige  Sandsteinschi chtěn  (Ko- 
rycaner Kalk)  mit  zahlreichen  Versteinerungen.  Die  Lagerung  der  Schichten  ist 
eine  beinahe  ganz  flache,  nur  wenig  nach  N  geneigte,  und  bei  Heřmanměstec  in 
einer  bedeutenden  Breite  entwickelt.  Erst  AT  davon  beginnen  die  turonen  Pláner- 
schichten unci  bilden  eine  zusammenhangende  Decke  der  cenomanen  Sandsteine. 

Merkwiirdig  ist  bei  Nové  dvory  (O  von  Heřmanměstec)  eine  Stelle,  welche 
das  gewesene  Ufer  des  Kreidemeeres  genau  andeutet.  Man  sieht  hier  námlich  Klippen 
einer  festen  quarzigen  Grauwacke,  um  welche  herum  weisse,  kalkige,  etwas  poros 


73 


luckige,  mit  fiugerdicken  Lagen  weissen  erdigen  Kalkes  durchsetzte  Sandsteine  der 
Korycaner  Stufe  horizontál  abgelagert  sind.  Die  Klippen,  sowie  einzelne,  zerstreute 
grosse  Grauwackenblócke  sincl  an  den  Kauteu  abgeruudet  und  die  Blócke  ellyp- 
soidal  abgeschlifřen,  gerade  so  wie  a?n  sandigeu  Kiisten,  wo  kleine  Klippen  von 
der  Brandung  der  Wellen  benagt  und  abgerundet  werden.  Áhnliche,  jedocli  nicht 
so  deutliche  Uferbildungen  finden  sich  auch  bei  Tupes  und  Spitovic. 

Von  Chotěnic  bis  zur  Dolanmiihle  und  bei  Holičky  herum  bis  Janovic 
nelimen  die  Korycaner  sandigen  Kalksteine  eine  ziemlich  grosse  Bucht  ein,  haben 
aber  entweder  keine  oder  nur  eine  unbedeutende  Unterlage  von  Perucer  Schichten. 
In  den  krystallinischen,  weissen  sandigen  Kalken  kommen  hier  háufig  Cidarisstacheln 
vor.  An  der  Gránze  mit  den  altsilurischen  Gesteinen  sind  die  Korycaner  Kalk- 
steinschichten  ziemliche  geneigt  gelagert,  so  bei  der  Bačala-Můhle  nach  8K  mit 
26°,  nehmen  aber  in  der  Tiefe  bald  eine  flache  Lagerung  an. 

Zwischen  Janovic  bis  Sobětuchy  bildet  der  Korycaner  Quader  eine  breite 
Zone  im  Eisengebirge ;  bei  Skupic  wird  er  durch  sandigen  Kalkstein  ersetzt;  meist 
tritt  er  aber  als  zerfallener  Sand  (wie  bei  Lhotka)  auf  und  trágt  theilweise  auch 
Pláner  im  Hangenden. 

Um  die  Hůra  herum  bis  Slatiňan  und  bei  Škrovád  sind  nur  Lehme  als 
Beckung  der  Kreideformation  angetroffen.  In  dem  Thale  der  Ohebka  bei  Škrovád 
aber  sind  an  der  Basis  der  Formation  wieder  Perucer  Quadersanclsteine  entblosst 
und  durch  grosse  Steinbruche  aufgeschlossen.  Darúber  bilden  wieder  Korycaner 
Quader  die  Decke,  und  breiten  sich  von  Kuchanovic  bis  Gross-Lukavic  aus;  NO 
von  Kuchanovic  treten  dazwischen  auch  sandige  Kalksteine  auf,  die  hier  wegen 
Mangel  an  anderen  Kalken  zeitweilig  gebrannt  werden. 

Weiter  ostlich  von  Lukavic  angefangen  lassen  sich  an  der  Gránze  der 
zum  Eisengebirge  gehorigen  alten  Gesteine  in  einem  ununterbrochenen  Zuge  bis 
Proseč,  bis  zu  den  Gránzen  unserer  Kartě  die  untercenomanen  Schichten  ver- 
folgen.  Dieselben  bilden  einen  Zug  von  Lukavic  uber  Bitovánky,  Studená  Voda, 
W  Smrček,  W  Hlína,  Kostelec,  Skutičko,  N  Skuč  ist  das  Thal  von  Bichenburg- 
Luže,  wo  dieselben  im  linken  Ufer  bis  Doly  gehen,  dann  aber  im  rechten  Ufer 
liber  Zhoř,  Hněvětic,  Kutřín,  Peralec,  Zderaz,  Bor  bei  Proseč  O  sich  weiter 
fortsetzen. 

Bei  Bitovánky  und  Studená  Voda  bestehen  diese  Schichten  nur  aus  zu 
Schotter  zerfallenen  Bánken,  zwischen  Smrček  (W)  und  Hlína  (S)  aber  lagern  sie 
flach  und  sind  nur  als  die  tiefsten  thonigen  Schichten  in  der  mit  Teichen  bedeckten 
Ebene  vorhanden. 

O  von  Hlína  angefangen  am  Fusse  der  hier  deutlich  als  eine  Terrainterasse 
auftretenden  Schichten  der  Kreideformation  kommen  am  Fusse  derselben  u.  zw.  zu 
allertiefst  rothbraune  thonige  Sandsteine  (oder  mergelige  sandige  Schiefer),  so  wie 
rothe  (eisenschússige)  Sandsteine  zum  Vorschein.  Diese  tiefsten  rothen  Schichten 
ziehen  sich,  indem  sie  auf  Granit  aufruhen,  am  Fusse  der  erwáhnten  Terasse  uber 
Kostelec  bis  gegen  Skutičko.  Die  tiefsten  rothen  untercenomanen  Schichten  stellen 
sich  wegen  den  reichlichen  Impraegnationen  und  auch  wegen  den  ausgeschiedenen 
Nestern  von  Limonit  als  eine  eisenerzfuhrende  Schichte  dar.  Es  ist  nicht  unmoglich, 
dass  abgeschwemmte  permische  Schichten,  welche  einst  vor  der  Bedeckung  des 


74 


Landes  durch  das  Kreidemeer  so  sehr  verbreitet  waren,  wenigstens  theilweise  diese 
rothen  FárbuDgen  der  Scbichten  bedingt  haben. 

Erst.  oberbalb  dieser  rothen  Schichten  folgen  sandige  graulichweisse  Schie- 
ferthone  mit  eingelagerten  dunkelgrauen  Schieferthonen,  die  schwarze  Braunkohlen- 
schmitze  und  Kohlennester  fiihren,  worauf  erst  die  lichten,  festeren,  sogenannten 
Perucer  (untercenomanen)  Quadersandsteine  folgen.  Die  Máchtigkeit  der  einzelnen 
Abtheilungen  ist  wechselnd;  meist  fehlen  die  tiefsten  rothen  Schichten.  Hier  bei 
Kostelec  wurde  10— 20m  als  Máchtigkeit  der  Zone  bestimmt. 

Der  áusserste  Rand  der  Kreideformation  besteht  aus  zerfallenen  Sandsteinen 
oder  zu  Thon  aufgelosten  Schieferthonen ;  weshalb  dieselben  am  Fusse  der  Terasse 
von  Kostelec  bis  Richenburg  die  bedeutende  Breite  von  1  Kilom.  und  daruber  ein- 
nehmen.  Bei  Skutičko,  wo  die  Perucer  Schichten  zu  Tage  ausgehen,  dann  bei  St. 
Anna  in  dem  Roubovicer  Thálchen  (hier  jedoch  unter  Pláneriiberlagerung),  wurde 
allerdings  ohne  Erfolg  auf  Kohle  geschiirft,  die  hier  in  Nestern  als  eine  schóne 
schwarze  Braunkohle  vorkommt  und  von  bráunlich  hyacinthrothem  Succinit  in 
bis  kindskopfgrossen  Knollen  begleitet  wird. 

In  der  Schlucht  von  Richenburg-Luže  sind  am  Krounabache  bei  Doly,  die 
bis  6m-  máchtigen  Perucer  Schichten  sehr  gut  entblosst.  Sie  ruben  hier  auf  Grau- 
wacken,  verfláchen  sanft  gegeniVund  bestehen  aus  sandigen,  lichtgrauen  Schiefer- 
thonen und  aus  nur  wenigen  Sandsteinen  mit  dunkelgefárbten  Schieferthonschichten, 
welche  die  Vertreter  der  kohlenfuhrenden  Schicht  sind. 

Erst  bei  Peralec  werden  die  Perucer  Schichten  máchtiger,  indem  die 
hangenden  Quadersandsteine  ansehnlich  anwachsen.  Auch  hier  sind  die  aller- 
tiefsten  Schichten  róthlich  gefárbt  wie  bei  Kostelec,  jedoch  nicht  so  verbreitet. 
Die  liegenden  sandigen  Schieferthone  enthalten  auch  hier  bis  fingerdicke  Pláttchen 
von  Limonit  sowie  Nester  von  schwarzer  Braunkohle,  in  gewissen  Lagen  auch 
Krystallgruppen  von  Markasit. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Streichens  gegen  O  erweitern  sich  die  máchtigeren 
untercenomanen  Quader  bei  Bor  bedeutend  und  erlangen  daselbst  ihre  máchtigste 
Entwickelung  im  Gebiete  des  ganzen  Eisengebirges. 

Die  hoheren  obercenomanen  (Korycaner),  iiber  der  Perucer  Zone  gelagerten 
Schichten,  treten  in  dem  seichten  Thálchen  von  Bitovan  deutlich  zu  Tage.  Sie  sind 
hier  theils  merglig,  sandig,  theils  rein  merglig  oder  sandsteinartig,  clurchgehends 
aber  reich  an  Glaukonitkornern.  Der  Zug  der  griinlichgrauen  feinkornigen  Sand- 
steine  folgt  der  schwachen  Neigung  bei  Studená  Voda  uber  Smrček,  Hlína  in  das 
Kostelecer  Thal.  Bei  Smrček  und  Hlína  sind  reichliche  Versteinerungen  zu  finden 
so  namentlich:  Ostrea  carinata,  Cardium  Hillanum,  Exogyra  columba,  Ammonites 
cenomanensis,  Cidarisstacheln  u.  s.  w.  Von  Kostelec  an  iiber  Skutičko,  Štěpánov, 
Zbožnov,  Lhota,  Doly,  Brda,  Zhoř,  Hnevětic,  Peralec,  Zderaz  ist  der  Korycaner 
Quader  nur  in  dem  Gehánge  der  Terrainterasse  anstehend  zu  finden.  Bis  Zhoř  ist 
seine  Máchtigkeit  entweder  eine  gróssere,  oder  mindestens  eine  gleiche  mit  dem 
darunter  liegenden  Perucer  Quadern ;  zwischen  Peralec  und  Bor  werden  die  unteren 
Quader  aber  bedeutend  máchtiger.  Zwischen  Lukavic  bis  Hlína,  von  wo  sich  ein 
allmáhliges  Ansteigen  der  turonen  Pláner  iiber  den  cenomanen  Sandsteinen  zeigt, 
bildet  das  Kreideplateau  den  Fuss  des  Eisengebirges  oder  bleibt  doch  aunáhernd 


75 


iii  gleicher  Hohe  mit  demselben.  Von  Kostelec  an  bis  Bor  aber  bilden  die  Pláner 
eine  hohe  Terrainterasse,  die  iiber  die  Granite  imd  die  silurische  Schieferinsel 
bei  Skuč  bedeutend  sich  erhebt  und  weithin  sichtbar  ist.  Diese  Pláuerhochfláche 
wird  von  der  malerischen  Thalschlucht  von  Kostelec  bis  Chacholic,  in  deren  Sohle 
Diorite  erscheinen,  dann  von  dem  Thálchen  von  Roubovie  und  von  der  Schlucht 
des  Krounabaches  N  von  Richenburg  durchschniten,  in  welcher  letzteren  an  der 
Bachsohle  Grauwacken  zu  Tage.  treten. 

An  tiefer  gelegenen  Orten  entspringen  aus  den  Perucer  Schichten  zahlreiche 
Quellen ;  allein  auch  gewisse  Schichten  des  Pláners,  namentlich  die  tieferen  sammeln 
das  Wasser  an,  wie  bei  Podlažic  und  bei  dem  Bade  St.  Anna  N  von  Skuč. 

Am  rechten  Ufer  des  Krounabaches  zwischen  Luže  und  Košumberk  wird 
der  Pláner  von  Basalt  durchbrochen,  und  zwar  in  zwei  Hiigeln,  auf  deren  einem 
die  Kirche  von  Chloumek  und  auf  dem  anderen  die  Burgruine  Košumberg  steht. 
Der  an  Olivin  reiche  Basalt  ist  stellenweise  in  Wacke  umgeándert,  und  im  frischen 
Zustande  ein  Nephelinbasalt.  ,0) 

Im  Gebiete  der  Kreideebene  finden  sich  háufig  auf  kalkigen  Korycaner 
Schichten,  wo  dieselben  niedrig  liegen,  schwarze  Moorerden,  als  Andeutung  von 
frůheren  Versumpfungen,  wie  zwischen  Jankovic  und  Mokošín  (SW  von  Přelouč). 
Dieselbe  torfige  Moorerde  breitet  sich  bei  Loděnic  (S  von  Přelouč)  auch  auf  die 
tieferen  Pláner  schichten  aus,  die  immer  weicher  und  bedeutend  mergliger  aus- 
gebildet  sind,  als  die  oberen  Pláner  schichten. 

Sonst  sind  als  oberfláchliche  Ablagerungen  besonderes  Lehme  háufig,  die 
meist  aus  der  Zersetzung  von  Pláner  entstanden  sind  (Elluvium).  Dieselben  ver- 
decken  den  Pláner  oft  gánzlich,  so  dass  er  nur  an  den  Rándern  oder  in  hoheren 
Stufen  der  Terrainterassen  sichtbar  wird.  Einzelne  Lehmlager  zeigen  sich  bei 
Brloh;  eine  grosse  Fláche  nehmen  sie  aber  zwischen  Poběžovic  bis  Jenikovic  in 
der  Umgebung  von  Choltic  ein,  wo  aus  denselben  nur  flachere  Plánerhugel  sich 
erheben. 

Diese  Lehmdecke  dringt  auch  bei  Stojic  und  Ledeč  in  die  flache  Bucht 
des  Eisengebirges  ein,  da  wo  die  Schichten  der  Kreideformation  abgelagert  sind, 
oder  es  frúher  waren,  so  dass  der  Lehm  hier  die  letzten  Spuren  derselben  an- 
deuten  mochte. 

Eine  bedeutende  Lehmfláche  dehnt  sich  zwischen  Nové  Dvory  (O  von 
Heřmanměstec)  bis  zum  linken  Ohebkaufer  (Chrudimka)  bei  Chrudim  aus,  aus  der 
nur  die  ganz  flachen  Terrainwellen  des  Pláners  bei  Rozhovic,  Markovic  frei  von 
Lehmbedeckung  sich  erheben.  Die  Plánerterasse  des  rechten  Ohebkaufers,  an  der 
ein  Theil  der  Stadt  Chrudim  liegt,  ist  im  Gegensatze  zu  dem  tieferen  linken  Ufer 
lehmlos.  Nur  einzelne  oder  bedeutende  Lehminseln  bedecken  die  ausgedehnte  Pláner- 
fláche  bei  Zaječic,  Chrast,  Podlažic.  u) 

Gegen  die  Elbe  zu  werden  die  Pláner  der  turonen  Stufe  zuerst  von  dílu- 
vialem  Kieslager  von  wenigen  Metem  Máchtigkeit  oder  vom  Lehm  bedeckt.  Wo 
beide  Ůberlagerungen  zum  Vorschein  kommen,  bildet  der  Kies  oder  Schotter  die 
tiefere  Bank. 


7(3 


4.  Das  ausserhalb  des  Eisengebirges  liegende  Terrain  des  Kreide- 
systems,  auf  den  Bláttern  Elbe-Teinic-Koniggrátz  und  Hohenmauth- 

Leitomyšl. 

Die  turonen  Pláner  siud  nur  in  der  Náhe  des  Eisengebirges  u.  zw.  als 
imterste  Turonstufe  entwickelt;  sie  entsprechen  etwa  dem  festen  Baupláner  vom 
Weissen  Berge  bei  Prag.  Diese  unterste  Stufe  des  Turons  reicht  jedoch  nur  an 
wenigen  Stellen  liber  das  rechte  Elbeufer  hinuber,  wo  sie  iibrigens  von  Alluvien 
becleckt  wird.  Am  weitesten  gegen  Norden  geruckt  sind  auf  den  bezeichneten 
Generalstabskarten  diese  unteren  Pláner  bei  Elbe-Teinic  und  bei  Přelouč. 

Die  mittleren  turonen  Pláner,  die  sonst  als  sogenannte  Isersandsteine  oder 
als  festere  kalkigere  Pláner  entwickelt  erscheinen,  treten  hier,  námlich  am  Grad- 
kartenblatte  Zone  5,  Colonne  XIII  durchwegs  nur  als  Pláner,  jedoch  von  etwas 
mehr  bróckliger  und  desshalb  leichter  erweicliender  Beschaffenheit  auf.  Aus  dieser 
Ursache  ist  die  Gránze  sowohl  gegen  die  untere  Abtheilung  des  Turons  (Baupláner 
vom  Weissen  Berge)  als  auch  gegen  das  Oberturon  weniger  deutlich.  Die  Gránze 
der  einzelnen  Turonstufen  gegen  einander  wird  nebstdem  auch  noch  durch  die 
ausgebreiteten  Alluvialbildungen  der  Elbeniederung  verwischt. 

Annáhernd  geht  die  Gránze  zwischen  dem  Mittelturon  und  dem  Unterturon 
etwa  uber  Božec  (N  Elbe-Teinic)  in  gerader  Richtung  unter  dem  Elbealluvium  N 
bei  Přelouč  vorbei,  uber  Popkovic,  Dražkovic  (S  bei  Pardubic)  in  der  Richtung 
gegen  Chrudim,  wo  die  tieferen  Lagen  des  Pláners  am  linken  Ohebka  (Chrudimka)- 
Ufer  clem  unteren,  die  hóheren  Lagen  des  Plateaus  des  rechten  Ohebkaufers  dem 
mittleren  Turon  angehoren. 

Auch  das  obere  Turon  (oder  die  Teplicer  Schichten)  lásst  sich  hier  petro- 
graphisch  von  dem  mittleren  Turon  nicht  unterscheiden ;  es  nimmt  den  nórdlichen 
Theil  des  Blattes  Koniggrátz-Elbe-Teinic-Pardubic  ein. 

Der  Verlauf  der  Gránze  zwischen  dem  Oberturon  und  dem  Mittelturon 
geht  etwa  vom  Žehuňer  Teiche  angefangen  entlang  des  Cidlinabaches  iiber  Ziželic, 
Chlumec,  Nové  Město,  Klamoš,  Vápno,  Bělá,  Práv,  Dobřenic,  Vosic  und  von  da 
in  gerader  Richtung  etwa  unter  dem  Elbealluvium  gegen  Vysoká  (S  von  Kónig- 
grátz).  Alles  nórdlich  von  dieser  Linie  gelegene  Plánergebiet  wáre  als  oberturonisch, 
alles  sudwárts  davon  aber  als  mittelturonisch  anzunehmen,  wenn  auch  die  Gránz- 
angabe  hier  nur  einen  approximativen  Werth  hat. 

Die  von  Alluvialsand  SO  von  Pardubic  bedeckte,  niedrige  Plánerfláche 
des  Mittelturons,  welche  am  Chrudimkaufer  bei  Pardubicek  und  Drožic  an  einer 
wallartigen  Terasse  entblosst  ist,  wird  von  einem  mehre  Meter  máchtigen  Gang 
von  Nephelinbasalt  durchsetzt. 

Der  Basaltgang  streicht  SSO  u.  zw.  von  Hůrka  bei  Spojil  vorbei  in  der 
Richtung  gegen  Černá,  wo  derselbe  aber  dann  plotzlich  nach  W  sich  wendet. 
Offenbar  ist  dieser  Gang  ein  Ausláufer  von  der  Basaltmasse  des  Kuněticer  Berges. 

Der  Kuněticer  Berg,  der  in  der  N  Fortsetzung  dieses  eben  erwáhnten  Ba- 
saltganges  am  rechten  Elbeufer  sich  erhebt,  und  unregelmássige  Schollen  des  mitt- 
leren Pláners  in  sich  einschliesst,  wird  nur  von  einem  engen  Ring  des  mittelturonen 


77 


Pláners  unigeben,  in  so  weit  sich  derselbe  unmittelbar  am  Fusse  cies  Berges  iiber 
die  Alluvial  oder  Diluvialsande  der  Elbenieclerung  erhebt. 

Die  grob-pfeilerformig  abgesonderte  Basaltmasse  der  Kunětická  Hora  fíihrt 
in  den  Blasenráumen  Drusen  von  deutlichen  Natrolithkrystallen  und  von  Calcit, 
stellenweise  ist  sie  auch  etwas  amygdaloidisch.  Sowohl  der  aniiegende  Pláner,  als 
auch  derjenige,  den  der  Basalt  in  Schollen  einschliesst,  ist  in  eine  harte,  klingende, 
graue,  wie  verkieselt  aussehende  Masse  von  ziemlich  scharfkantigem  Bruche  um- 
gewandelt.  — 

Beinahe  das  gesammte  flache  Terrain  des  Blattes  Zone  5  Colonne  XIII, 
welche  das  rechte  Elbeufer  umfasst,  besteht  aus  ebenen  hiigeligen  Terassen  von 
mittel-  und  oberturonem  niergligem  Pláner,  deren  Scheitelfláchen  meist  von  Dillu- 
vium  (Schotter)  oder  Lehm  bedeckt  sind,  wáhrend  an  den  ausgewaschenen  Gehángen 
der  Terassen  sich  die  Alluvien  der  Elbe,  sowie  ihrer  Zufliisse,  oder  der  durch  Ver- 
witterung  des  Pláners  entstandene  und  abgeschwenimte  Lehm,  anlagern. 

Bedeutendere  Entblossungen  des  Pláners  kommen  S  von  Koniggrátz  in 
der  Umgebung  von  Roudnická,  O  und  S  von  Nechanic  bei  Přim  und  Bohárna,  in 
der  Umgebung  von  Neu-Bydžov  bei  Mlikosrb  (S  von  Neu-Bydžov),  NO  von  Chlumec 
und  bei  Žiželic,  N  bei  Elbe-Teinic,  dann  in  der  Umgebung  von  Vápno  (SO  Chlumec) 
vor.    Kleinere  Plánerterassen  sind  an  ihren  Gehángen  etwas  háufiger  entblosst. 

Die  mittel-  und  oberturonen  Pláner  sind  an  den  Plateaus  meist  von  einer 
bis  mehrere  Meter  máchtigen  Lage  von  Quarzkies  oder  Schotter  bedeckt,  die  als 
álteres  Alluvium  oder  Diluvium  aufzufassen  ist. 

Das  Materiál  des  Quarzschotters,  welches  die  Oberfláche  des  Pláners  be- 
deckt, stammt  vom  Riesengebirge  her,  und  zwar  grosstentheils  aus  den  zer- 
brockelten,  quarzreichen  Schichten  des  unteren  Permsystems,  worauf  die  hie  und 
da  vorkommenden  Araucaritesstriinke  (wie  bei  Lhota  Uhlířská  NNO  von  Elbe- 
Teinic)  hindeuten. 

Es  finden  sich  zwar  ebensolche  Schotter  auch  in  der  alluvialen  Ebene, 
allein  dieselben  sind  dann  von  der  urspriinglichen  Lagerstátte  herabgeschwemmte 
Schotter-Parthieen.  Mcht  selten  sind  solche  Schotterlager  durch  die  jetzt  flies- 
senden  Gewásser  in  groben  Kies  und  feineren  Sand  gesondert,  so  dass  sich  ein 
grobes  und  feineres  Alluvium  unterscheiden  lásst. 

Uber  den  Schottern  folgt  auf  dem  Kreideplateau,  aber  auch  manchmal 
unmittelbar  auf  dem  Pláner,  der  Lehm.  Doch  finden  sich  Lehme  eben  so  in  tieferen 
Lagen  als  auch  am  Plánerplateau,  wie  dies  bei  den  ziemlich  bedeutenden  Lehm- 
lagen  des  rechten  Elbeufers  zwischen  Koniggrátz  und  Bohdaneč  der  Fall  ist; 
solche  Lehmablagerungen  sind  tiefer  herabgeschwemmte  Lehmbánke,  welche  einst 
das  Plateau  bedeckten. 

Auch  hier  sind,  wie  am  rechten  Elbeufer  zwischen  Koniggrátz  und  Boh- 
daneč, dann  am  linken  Ufer  der  Cidlina,  die  Lehme  die  Grundbedingung  der 
Fruchtbarkeit  dieser  Gegend,  in  der  namentlich  der  Anbau  der  Zuckerriibe  schwung- 
haft  betrieben  wird. 

Die  júngsten  Alluvien  der  Elbe  sind  theils  grobe,  theils  feine  Sande,  die 
ihren  Ursprung  den  álteren  Alluvien  des  Plánerplateaus  verdanken,  aber  in  Bezug 


78 


auf  Fruchtbarkeit  weit  zuriickstehen.  Diirftige  Kieferbestánde  bezeichnen  háufig 
den  etwas  sterilen  Character  dieser  Fláchen. 

In  versunipften  Gebieten  der  Elbe  werden  auch  Torflager  angetroften,  wie 
zwischen  Březhrad  und  Libišan,  an  welchem  letzteren  Orte  der  Torf  gestochen  wird. 

Das  Gebiet  des  Gradkartenblattes  Zone  6  Colonne  XIV  Hohenmauth  und 
Leitomyšl  wird  nur  in  seinem  SW  Viertel  mit  silurischen  Gebilden  ausgefúllt, 
indem  die  nordliche  Hálfte  und  das  SO  Viertel  desselben  dem  Gebiete  des  Kreide- 
systems  angehórt.  Die  auf  diesem  Blattgebiete  verháltnissmássig  weit  ausgebrei- 
teten  Schichten  des  Kreidesystems  stehen  aber  mit  dem  Eisengebirge  in  gar 
keinem  Zusammenhange,  und  nur  die  Vollstándigkeit  der  Beschreibung  des  bei- 
gelegten  Kartengebietes  erfordert  es,  dass  die  geologische  Beschaffenheit  dieses 
Gebiete s  hier  im  Kurzen  dargestellt  werde. 

Die  Gránze  der  Kreideformation,  welche  vordem  schon  bis  Peralec  und 
Zderaz  angegeben  wurde,  lásst  sich  von  da  S  von  Bor,  O  von  Proseč  nahé  an  der 
Glashútte  Marienthal  liber  Budislav,  Pořič,  W  von  Zrnětín  uber  das  W  Ende 
des  langgezogenen  Dorfes  Lubna  gegen  Široký  Důl  (Breitenthal)  verfolgen;  doch 
liegt  das  letztere  Dorf  schon  ausserhalb  des  Rahmens  der  Kartě.  Von  Pořič  bis 
gegen  Široký  Důl  ist  die  Gránze  zwischen  grauem  Granit  und  dem  Kreidesystem 
orographisch  durch  eine  enge  Thalschlucht  scharf  angedeutet,  indem  ein  Gehánge 
derselben,  námlich  das  ostliche  aus  Quadersandstein,  und  das  andere,  námlich  das 
westliche,  aus  Granit  besteht. 

Lángs  der  hier  angegebenen  Gránze  treten  untercenomanen  Quadersand- 
steine  auf,  und  zwar  in  ihrer  gróssten  Entblossung  zwischen  Zderaz  und  Budislav. 
Die  durchwegs  mit  Fohrenwald  bewachsenen  lichten  Quadersandsteine  eischeinen 
hier  stellenweise  als  ruinenartige  Gesteinsanháufungen ;  sie  ziehen  sich  dann  in 
dem  Thale  des  Neuschlosser  Baches  uber  Vranic  und  Roudná  bachabwárts  bis 
gegen  Doubravic  in  das  Richenburger  Thal  als  ein  breiter  Streifen  mit  stellenweise 
steilen  und  mauerartigen  an  clen  Thalgehángen  anstehenden  Felsen  weiter  fort. 
Nur  S  von  Vranic  im  Riecle  „v  maštali"  und  W  von  Budislav  bei  dem  Weiler 
„na  Borkách"  sieht  man  ober  dem  Quader  eine  schwache  Plánerdecke,  die  zu 
unterst  an  der  Gránze  mit  dem  Quader  wohl  noch  den  obercenomanen,  sonst  aber 
schon  den  unterturonen  Schichten  angehórt.  Im  Riede  „v  pečené  huse"  N  von 
der  Glashútte  Marienthal  lásst  der  Quader  zwei  kleine  Granitparthieen  von  rothem 
und  grauem  Granit  zum  Vorschein  kommen;  ebenso  besteht  die  tief  eingerissene 
Thalschlucht  unter  dem  Weiler  „na  Borkách"  aus  einem  unter  dem  Quader  sicht- 
baren  langgezogenen  Granitstreifen. 

Von  Budislav  gegen  Široký  Důl  erscheint  der  untercenomane  Quader  nur 
als  ein  engerer  Streifen,  der  sich  nur  bei  dem  Jágerhause  SSW  von  Zrnětín  an 
der  Gabelung  der  Strasse  von  St.  Kateřina  gegen  Lubna  und  Zrnětín  etwas  erweitert. 
An  dieser  Erweiterung  nehmen  jedoch  nur  die  allertiefsten  lettig  schieferthonartigen 
Schichten  der  untercenomanen  Stufe  Theil,  die  sonst  an  andern  Orten  Spuren  von 
schwarzen  Kreide-Braunkohlen  fůhren.  Hier  trifft  man  auch  zerstreute  Blócke  eines 
festen  quarzig  groben  Sandsteines  mit  kieseligem  Bindemittel  an,  der  in  diesen 
tiefen  cenomanen  Schichten  so  háufig  kurze  linsenformige  oder  blockfórmige  Ein- 
lagerungen  bildet. 


79 


Der  unterceiiomane  Quader  bildet  in  seinen  oberen  Zonen  nur  grobe 
Schichtenbánke ;  sonst  besteht  er  aus  mittelkornigem,  oberfláchlich  etwas  wenig 
bróckligem,  graulichem  bis  weissem  Sandstein,  an  dessen  von  der  Luft  und  vom 
Regen  angegriffener  Oberfláche  iiberall  grůbchenformige  Vertiefungen  ausgewaschen 
sind.  Die  tieferen  Sandsteinschichten  zeigen  an  den  zahlreichen  Entblossungen  W  von 
Budislav,  kurze  róthliehbraungefárbte,  den  Schichten  parallel  eingelagerte  Streifen 
oder  Nester  eines  Eisensanclsteins.  Es  ist  dies  nur  die  Wiederholung  des  in  dieser 
untercenomanen  Stufe  so  háufig  auftretenden  nesterformigen  Vorkommens  von  Li- 
monit  oder  von  mit  Limonit  impraegnirten  Sandsteines.  Man  sieht  aber  auch  Ver- 
werfungsklúfte  in  clem  Quadersandstein,  die  mit  Limonit  impraegnirt  sind  und  aus 
ebensolchem  Eisensandsteine  bestehen ;  ein  deutlicher  Fingerzeig,  dass  sámmtliche 
solche  erzige  Nester,  Streifen  und  Impraegnationen  einer  spáteren  Bildung  an- 
gehóren,  die  wohl  in  den  Sandsteinen,  aber  keineswegs  in  einem  bestimmten  Niveau 
desselben  auftreten,  wenn  sie  auch  in  den  tiefsten  Schichten  am  háuíigsten  zum 
Vorschein  kommen. 

Die  obercenomane  (Korycaner)  Stufe  ist  zwischen  den  untercenomanen 
Quadern  und  den  turonen  Plánern  als  ein  wenig  fester,  meist  blass  griinlicher, 
gegen  oben  zu  aber  allmáhlig  mergeliger  Sandstein,  nur  noch  im  Gebiete  des 
Thales,  in  welchem  der  Neuschlosser  Bach  láuft,  dann  aber  bei  Zderaz  bis  Bor 
kenntlich.  In  dem  Gebiete  der  máchtigsten  Entwickelung  des  untercenomanen 
Quaders  zwischen  Budislav  bis  Bor  und  bis  Nové  Hrady  (Neuschloss),  dann  aber 
in  dem  Quadergehánge  von  Budislav  bis  Široký  důl  ist  das  Ober-Cenoman  ent- 
weder  nur  in  einer  áusserst  unbedeutenden  Máchtigkeit  entwickelt  oder  aber  ist 
diese  Stufe  gánzlich  als  Pláner  ausgebilclet  und  clemnach  von  der  turonen  Ab- 
theilung  des  Kreidesystems  nicht  zu  unterscheiden,  und  wo  Versteinerungen  fehlen, 
auch  nicht  leicht  zu  trennen. 

Nur  im  áussersten  NO  Eck  des  Gradkartenblattes  Zone  6  Colonne  XIV 
erscheinen  abermals  an  der  Sohle  des  tiefen  Thales,  welches  von  der  stillen  Adler 
bewássert  wird,  obercenomane  Sandsteine.  Am  Ufer  der  stillen  Adler  treten  hier 
námlich  im  Fusse  des  steilen  linken  Gehánges  an  etlichen  unbedeutenden  Stellen 
róthlichgraue  Granite  als  kleine  Inseln  im  Gebiete  cler  vorherrschenden  Pláner- 
schichten  zu  Tage,  und  auf  diesen  Graniten  liegt  ohne  Yermittelung  des  unter- 
cenomanen Quaders  sogleich  der  glaukonitische  obercenomane  Sandstein.  Seině 
Máchtigkeit  ist  unbedeutend ;  sie  misst  nur  wenige  Meter ;  im  Hangenden  iibergeht 
der  Sandstein  in  die  Mergel  der  Turonstufe.  Sowohl  das  linke  Ufer  der  stillen 
Adler,  wie  auch  das  rechte  zeigen  unterhalb  Hrádek,  zwischen  Luhy  und  Perná 
an  den  entblossten  tiefsten  Stellen  der  steilen  Gehange  diese  obercenomanen  Sand- 
steine an  einigen  Punkt  en. 

Sámmtliche  Schichten,  welche  auf  dem  Quader  aufruhen,  gehóren  dem 
Turon  an,  das  hier  durchwegs  als  Pláner  entwickelt  erscheint.  Das  ganze  Plateau 
von  Chrudim  iiber  Hrochová  Tejnice,  Chrast,  Hohenmauth,  Leitomyšl  bis  Polička 
(letztere  Stadt  schon  ausserhalb  der  Kartě)  besteht  aus  Plánern  der  Turonstufe. 

Im  Westen,  also  etwa  in  cler  Gegencl  zwischen  Chrudim  und  Luze  hat  das 
Plateau  des  Kreidesystemes  eine  flach  wellige  Oberfláchc ;  von  Luze  gegen  Ost  und 
Siidost,  also  in  clem  Gebiete  der  Stádte  Hohenmauth,  Leitomyšl,  Polička  bilden 


80 


die  turonen  Schichten,  nachclem  sie  durch  zwei  stufenformige  Terassen  aus  dem 
niedrigeren  Flachlande  sich  hoher  gehoben  haben  ein  weithin  sichtbares  Plateau 
von  450  bis  etwa  480m-  mittlerer  Hohe,  das  einen  eigenthtimlichen  inclividuell 
orographischen  Charakter  besitzt.  Becieutendere  wellenformig  ausgebildete  Húgel 
werden  vermisst,  dafilr  aber  ist  die  Hochfláche  durch  tief  eingewaschene  meilen- 
lange  enge  Tháler  mit  steilen  Gehángen  und  ziemlich  wenig  gekrummten  Lauf 
durchschnitten.  Sámmtliche  lange  Thalfurchen  laufen  zu  der  tiefsten  Terrain- 
depression  des  Loučnábaches,  der  in  der  Richtung  von  Leitomyšl  gegen  Hohen- 
mauth  und  Zámrsk  breite  Wiesengriinde  bewássert.  Auf  dem  Plánerplateau  zwischen 
Vraclav  und  Polička  sieht  man  nur  Felder  und  keine  Dorfer;  letztere  sind  mit 
wenigen  Ausnahmen  in  den  langen  engen  Thálern  zerstreut  und  zwar  so,  dass 
besonders  im  Suclen,  also  zwischen  Leitomyšl  und  Polička  manche  Dorfer  in  stunden- 
langen  Háuserreihen  in  den  Thalschluchten  sich  ausdehnen.  Das  Turonplateau 
hat  eine  sanfte  kaum  merkbare  Neigung  gegen  die  Loučnádepression ;  dieselbe 
zieht  sich  zwischen  Leitomyšl  (Hohenmauth)  und  Zámrsk  gegen  NW  und  hat  im 
Mittel  eine  Hohenlage  von  300m-  Von  dieser  Terraindepression  der  Loučná  steigt 
die  Fláche  sanft  an,  u.  zw.  einestheils  nach  NO  bis  zu  den  steil  unci  parallel 
abfallenden  Uferterassen  des  Thales  der  stillen  Adler;  anderntheils  gegen  SW,  wo 
die  Hochfláche  durch  zwei  orographisch  interessante  sich  weithin  ziehende  steile 
Stufen  in  das  angránzende  nieclrigere  Flachland  absenkt.  Das  hochste  Ansteigen 
der  ebenen  Hochfláche  des  Planers  an  den  Steilgehángen  der  stillen  Adler  und  an 
den  zwei  steilen  vorgenannten  Terrainstufen  zwischen  Luže  (Vraclav)  und  Polička 
betrágt  an  der  Adler  400m-,  bei  Vraclav  360ra-,  bei  Polička  aber  gegen  600m-.  Es 
steigt  die  Flache  also  gegen  Polička  bedeutender  in  die  Hohe  als  in  der  Richtung 
gegen  Luže  oder  Vraclav.  Sámmtliche  Plánerschi chtěn  des  Zuges  der  zwei  steilen 
Terrainstufen  der  Richtung  Luže-Polička  verfláchen  sanft  gegen  NO  also  gegen 
die  Loučnánieclerung,  wáhrend  von  der  entgegengesetzten  Seite,  námlich  von  der 
stillen  Adler  eine  ganz  flache  Neigung  der  Schichten  gegen  SW,  demnach  ebenfalls 
in  der  Richtung  gegen  die  Loučná  zu  beobachten  ist.  Vergleicht  man  die  Hóhen- 
unterschiede  zwischen  der  Loučnániederung  und  den  beiden  entgegengesetzten 
Rándern  der  Hochfiáchen  an  der  stillen  Adler  und  in  den  Terrainstufen  zwischen 
Luže-Polička  miteinander,  so  ergibt  sich,  dass  sich  die  turonen  Schichten  muldenartig 
beiderseits  gegen  die  Loučnánieclerung  unter  der  sanften  Neigung  von  im  Mittel 
etwas  mehr  als  IV40 — IV20  verfláchen.  Die  Richtung  der  Loučná  deutet  also  die 
Richtung  des  Muldensohle  an,  und  die  beiden  Steilránder,  námlich  das  Adlerthal- 
gehánge  unci  der  Hochfláchenrand  ?von  Luže-Polička  bilden  die  beiden,  NO  und 
SW  Muldenflúgel  einer  flachen  Plánermulcle.  (Fig.  13.) 

Die  turonen  Pláner  sondern  sich  in  diesem  Terrain  ganz  deutlich  in  vier 
orographische  Stufen,  u.  zw.  von  unten  nach  oben  in  der  Weise,  dass  zu  unterst 
das  Unterturon  auftritt,  das  etwa  den  Plánem  vom  weissen  Berge  bei  Prag  ent- 
spricht;  clann  folgt  das  untere  Mittelturon  (etwa  den  Malnicer  Schichten  analog), 
welches  sonst  selten  selbststándig  individualísirt  erscheint,  in  dieser  Gegend  aber 
durch  eine  Terrainstufe  auífallencl  deutlich  orographisch  ausgeprágt  ist;  darliber 
folgt  das  Mittelturon  (vergleichbar  mit  den  Iserschichten),  und  endlich  das  Ober- 
turon  (mit  clen  Teplicer  Schichten  vergleichbar). 


Den  Kaum  des  niedrigeren  Flach- 
landes  zwischen  Clirudim  uud  Luze  uiiiimt  nur 
i  das  Unterturon  und  theilweise  das  untere 
:  Mittelturon  ein ;  das  Mittelturou  uud  zum 
Theil  auch  das  Oberturon  bildet  aber  die 
'  Hochfláclie  von  Hohenmauth,  Leitomyšl,  die 
durch  ihre  steileu  Eáuder  so  deutlich  und 
'weithin  siclitbar  sich  uber  das  angráuzende 
Flachland  hervorliebt 

Das  Unterturon,  eine  Analogie  der 
'  Pláner  voní  Weissen  Berge  bei  Prag,  niinmt 
in  der  Richtun£  von  Vorel,  Chrast  liber  Luze 
bis  Nové  Hrady  (Neuschloss)  und  Bor  einen 
bedeutenden  Kaum  ein.  Die  in  den  Umge- 
bungen  von  Prag  beobachtete  Thatsache,  dass 
die  tieferen  Schichten  aus  einem  weicheren, 
leichter  zerbrockelndem  Mergel  bestehen,  der 
als  Baustein  ungeeignet  ist,  wáhrend  die 
oberen  Schichten  den  eigentlichen  Baupláner 
liefern,  bestátigt  sich  auch  hier.  Die  tieferen 
weicheren  Schichten  sind  allenfalls  bei  Lu- 
kavic  entblosst  und  soust  vom  Ackenboden 
verdeckt,  wáhrend  die  Baupláner,  die  hier 
etwas  kalkiger  erscheinen  als  die  gleich- 
alterigen  Gesteine  bei  Prag,  durch  zahlreiche 
Steinbriiche  aufgeschlossen  sind.  Von  Nové 
Hrady  an  folgt  das  untere  Turon  mit  den 
zu  Bausteinen  verwendbaren  Plánem  der  Rich- 
tung  der  rnarkanten  tieferen  Terrainterasse, 
welche  sich  von  Luže  angefangen  bis  gegen 
Polička  verfolgen  lásst.  Der  1/2  bis  llj2  km 
breite  Saum  zwischen  den  untercenomanen 
Quadern  und  der  eben  genannten  tieferen 
Terrainterasse,  auf  welchem  die  Ortschaften ; 
Mokrá  Lhota,  Nové  Hrady,  Nová  Ves,  Ja- 
rošov,  O  Budislav,  W  Pořič,  W  Lubná  liegen, 
gehort  diesem  Unterturon  an. 

Auch  im  steilen  Gehánge  der  stillen 
Adler  zwischen  Hrádek  und  Sudislav  bilden 
die  festeren  Baupláner  des  Unterturons  sen- 
krecht  stehende  kliiftige  Wánde. 

Das  untere  Mittelturon  ist  ein  Schich- 
tenzug,  welcher  nur  desshalb  hier  erwáhnt 
wird,  ^Yeil  er  orographisch  so  deutlich  zu 
Tage  tritt.  Es  enthált  durchwegs  diiniiplat- 


82 


tige,  grauliche,  als  Bausteine  unverwendbare  Pláner,  díe  stellenweise  weichere, 
stellenweise  etwas  festere  der  Verwitterung  mehr  widerstehende  Lagen  fúhren. 
Nameutlich  die  obersten  Bánke,  welche  die  Fláche  der  ersten  Terrainterasse  bilden, 
sind  etwas  kalkreicher  und  fester  und  gewiss  auch  die  Ursache,  welche  die  Bildung 
dieser  Terasse  veranlasste.  Im  westlicheu  Theile  des  Gradkartenblattes  bildet  diese 
Schichtenzone  (die  indessen  kaum  eine  geologische  Berechtigung  hat),  das  Plateau 
des  recbten  Chrudimka-ufers  von  Chrudim  au  iiber  Tuněchod,  Kočí,  Hrochová 
Tejnice,  Chroustovic,  Městec,  Uhersko. 

Doch  erst  bei  Rosic  uud  Podlažic  beginnen  sich  diese  weicheren  Pláuer 
orographisch  deutlich  auzuzeigen,  indem  sie  eine  35  bis  40m-  hohe  Terrainstufe 
bilden,  welche  unvermittelt  unter  ziemlich  bedeutendem  Boschungswinkel  liber  der 
Fláche  des  Unterturons  sich  erhebt.  Der  Verlauf  der  Boschung  odér  des  Abfalles 
dieser  ersten  oder  tieferen,  auffallencl  deutlichen  Terrainterasse  zieht  sich  zwischen 
Bor  und  Zalužan  (S  Chroustovic)  und  geht  iiber  Podhůrka,  Roubovic,  Bělá,  Radim, 
Losic,  Jenšovic  abermals  nach  Losic  (O)  iiber  Voletic,  bildet  die  Terrainterasse 
Klapatka,  setzt  O  von  Bílý  Koníček  (Weissrossel)  iiber  Doubravic,  Leština  (TT), 
Rybníček  (O  von  Mokrá  Lhota),  dann  O  von  Nové  Hrady  iiber  Volšan,  gegen 
Lubníček,  Pořič,  Zrnětín  und  W  von  Lubná  fort,  bis  ausserhalb  des  Kartengebietes 
gegen  Polička,  wo  die  stufenformige  Erhohung  des  Plánerplateaus  noch  ganz 
deutlich  ist. 

Am  Steilgehánge  des  Thales  der  stillen  Adler  zwischen  Hrádek  und  Sudislav 
sind  diese  Schichten  orographisch  nicht  ausgeprágt,  wohl  aber  erkennt  man  sie 
nach  ihrer  Auflagerung  iiber  den  festeren  Bauplánern.  Die  grauen  diinnplattigen 
Pláner  sind  aber  nur  in  den  oberen  Lagen  kalkig,  in  den  tieferen  Schichten  aber 
so  weich  und  so  merglig,  dass  sie  im  Gehánge  zerbrockeln  und  frisch  gebrochen 
an  der  Luft  in  kurzer  Zeit  in  ganz  kleinen  Gruss  zerfallen,  welcher  nachher  durch 
Frost,  Sonnenschein  und  Regen  so  gelockert  wird,  dass  er  befeuchtet  sich  als 
eine  lettig  erclige  Masse  darstellt.  Im  Thalgehánge  der  stillen  Adler  werden  diese 
Mergel  seit  vielen  Jahren  gegraben  und  in  der  Umgebung  als  mineralisches  Dung- 
mittel  auf  sandigerem  Boden  mit  Vortheil  verwendet. 

Die  Schichten  děs  Mittelturons  sind  den  im  Flussgebiete  der  Iser  so  gut 
charackterisirten  sogenannten  Iserschichten  (Isersandsteinen)  áquivalent.  Dieselben 
bilden  eine  zweite  oder  obere  Terasse,  deren  relative  Hohe  im  Mittel  40m-  betrágt. 
Diese  zweite  oder  hóhere  Plánerterasse  besteht  in  ihrem  tieferen  Theile  aus  grauen 
diinnplattigen,  wohl  auch  mergligen  und  dann  bróckeligen  Plánem  mit  kugeligen 
Concretionen  oder  linsenformigen  Schichtenlagen  oder  mit  einzelnen  ziemlich  aus- 
gedehnten  Lagen  von  kalkigem  Pláner.  Diese  Einlagerungen  erscheinen  um  so 
háufiger,  je  hoher  man  in  der  Terassenstufe  hinaufgelangt.  Der  obere  Terassenrand, 
sowie  das  ebene  Plateau  besteht  dann  fast  durchgehends  nur  aus  dem  erwáhnten 
kalkigen  Pláner,  der  in  den  Steinbriichen  oder  an  andern  entblóssten  Stellen  ziemlich 
dickplattig  und  durch  senkrechte  Klúfte  abgesondert  erschcint,  Da  der  ziemlich 
steile  Abfall  der  Stufe  unbewachsen  ist,  kanu  man  in  demselben  den  Ubergang 
der  tieferen  diinnplattigen  und  mergligen  Schichten  durch  Wechsellagerung  in  die 
oberen  kalkigen  Schichten  verfolgen. 


\  83 
j  . 

Gerade  so  wie  die  tiefere  Terassenstufe  ibren  Charakter  dem  Umstande 

•  verdankt,  dass  etliche  festere  kalkige  Plánerschichten  ílie  ebene  Fláche  der  Stufe 
bilclen,  eben  so  ist  die  Plateaubildung  der  zweiten  Terassenstufe  auch  nur  eine 

'  Folge  der  grósseren  Bestándigkeit  der  oberen  Plánerkalkschichten. 

In  den  eingelagerten  Plánerkalkkugeln,  sowie  in  den  kalkigen  festeren 
Plánem  iiberhaupt  íinden  sich,  wenn  aucb  nicht  in  solcber  Háuíigkeit  wie  bei  Lei- 

,  torny šl,  Krebsscheeren  der  Gattung  Callianassa. 

Das  háufigere  Vorkommen  dieser  Krebsart  ist  fůr  die  kalkigen  Iserpláner 
und  fur  die  sandig  kalkigen  Pláner  (Isersandsteine)  charakteristisch.  Aus  dem 
fesťen  Callianassen-Plánerkalk  sind  alle  Gebáude  der  darauf  zerstreuten  Ortschaften 
aufgebaut.    Der  frische  Plánerkalk  ist  grau,  der  durch  Atmosphaerilien  aus- 

i  gelaugte  aber  gelblichgrau,  in  kleine  Quader  brechend,  sowie  ziemlich  fest  und 
haltbar,  entgegen  den  zum  Bau  untauglichen  tieferen,  dílnnplattigen  Plánern.  Diese 
Plánerkalke  fúhren  stellenweise  auch  Markasitconcretionen. 

Im  Gebiete  der  steilen  etwa  110— 120m-  uber  der  stillen  Adler  erhohten 
Thalgehánge  sind  die  Plánerschichten  dieser  Stufe  unten  diinnplattig  und  grau, 
gegen  oben  mehr  kalkig  und  fest,  als  Bausteine  verwendbar.  Wenn  auch  diese 
hoheren,  im  frischen  Zustande  lichtgrauen  Plánerkalke,  welche  das  Gebiet  des 
Plateaurandes  einnehmen,  ein  hohes  Niveau  in  der  Stufe  des  Mittelturons  bilden, 
so  schliessen  sie  diese  Abtheilung  gegen  oben  doch  nicht  ab.  In  dem  Gebiete 
des  Loučnábaches  zwischen  Zámrsk,  Hohenmauth  und  Leitomyšl  folgen  liber  diesen 
lichtgrauen  Plánerkalken  ebenso  dickbánkige,  weissgraue  áusserst  feinsandige  Pláner- 
kalke, welche  einen  ausserordentlichen  Beichthum  an  Callianassa-Eesten  bergen. 
Es  sind  das  die  echten  sogenannten  Isersandsteine,  die  den  Gebilden  bei  Turnau 
in  allem,  selbst  in  der  Bildung  von  steilen  Kluftformen  ganz  áhnlich  sind.  Je 
hoher  nim  diese  Schichten  liegen,  desto  zahlreicher  sind  in  denselben  die  Callia- 
nassen,  so  dass  in  dem  Gebiete  der  Stadt  Leitomyšl  selbst,  wo  die  hochsten 
Schichten  dieser  Stufe  entblóst  sind,  diese  Plánerbildungen  als  sandiger  Callia- 
nassenkalkstein  bezeichnet  werden  konnten.  Nirgends  findet  man  eine  bessere 
Gelegenheit  zur  Beobachtung  der  Thatsache,  dass  die  Callianassenreste  um  so 
háufiger  im  Mittelturon  auftreten,  je  hoher  die  Schichten  sind,  als  eben  hier.  Der 
steile  Band  der  Terrainterasse,  welcher  bei  Neudorf  (Zámrsk)  und  Janovičky  die 
Alluvionen  der  Loučná  untersetzt,  und  wo  die  Schichten  neben  der  Neigung  nach 
NO  auch  schwach  gegen  N  einfallen,  zieht  sich  als  ein  deutliches  von  Weitem 
sichtbares  und  erkennbares  Terrainmerkmal  mit  seinem  Bandě  uber  Vraclav  (Ka- 
menecplatte),  Vinary,  Štěnec  (O),  Srbec  (O),  Domanic,  Střemošnic,  Doubravic  (O), 
Dvořišť,  Libejcina,  den  oberen  Theil  von  Leština,  Podbořany,  Příluka,  Chotovic, 
Makov,  den  unteren  Theil  von  Seč,  Chotěnov,  Mladočov,  den  unteren  Theil  von 
Děsná,  den  mittleren  Theil  von  Lubná  bis  Široký  Důl.  Selbst  N  von  Polička  und 
S  von  Lesník  etwa  bei  Hanov  ist  diese  Terrainstufe  bemerkbar. 

Wie  schon  mehrfach  erwáhnt,  bilden  beide  Stufen,  námlich  das  Unter-  und 
das  Mittelturon  im  Thalgebiete  der  stillen  Adler  eine  steile  Uferwand.  Eine  Eigen- 
thúmlichkeit  der  oberen  kalkigen  Pláner  besteht  hier  noch  darin,  dass  sie  stellen- 
weise mehr  kalkig,  stellenweisse  wieder  mehr  mergelig  und  mit  Fucoiden  áhnlichen 
gegabelten  Formen  besprenkelt  erscheinen.  Hie  und  da  aber  schliessen  sie  Concre- 

6* 


84 


tionen  eines  festeren  kleinkrystalliniscben  grauen  kaum  mergeligen  Kalkes  ein. 
Die  sonst  flachen  Schichten  haben  nur  N  bei  Sv.  Mikuláš  (uirweit  Vraclav)  also 
nahé  an  den  Orten,  wo  sie  unter  clem  Loučná-Alluvium  verschwinden,  eiue  Neigung 
von  10—15°  nach  ONO. 

Die  oberturonen  Schichten,  die  ein  Aequivalent  der  Teplicer  Pláner  dar- 
stellen,  nehmen  orographisch  die  tiefste  Lage  der  Plánermulde  ein,  geologisch  aber 
bilden  sie  die  hochste  Schichtenlage  derselben.  Sie  sind  nur  in  dem  Gebiete  der 
Loučná-Niederung,  welche  die  Muldensohle  einnimmt,  verbreitet.  Bei  Leitomyší 
nehmen  diese  oberturonen  Schichten  nur  eben  die  Niederung  der  beiden  Ufer  der 
Loučná  ein ;  gegen  Hohenmauth  erweitert  sich  aber  der  von  diesen  Schichten  ein- 
genommene  Raum  so,  dass  dieselben  westlich  bis  an  die  Strasse  von  Leitomyší 
iiber  Hohenmauth  nach  Zámrsk  reichen,  ostlich  aber  liber  Bohňovic,  Netřeby, 
Heřmanic  in  gerader  Richtung  gegen  Choceň  sich  ausdehnen.  In  der  Muldensohle 
zwischen  Hohenmauth  und  Choceň  sind  sie  durch  Alluvien  verdeckt;  bei  Hohen- 
mauth aber  bilden  sie  wallartige  oder  kuppige  Hiigel  bis  zur  relativen  Hohe 
von  50m- 

Diese  oberturonen  Pláner  lassen  sich  schon  durch  ihre  bláulichgraue  Farbe 
und  mergelige  Beschafřenheit  von  den  oberen  Schichten  des  Mittelturons,  die  mehr 
kalkig,  ziemlich  fest  und  durch  Callianassenreste  ausgezeichnet  sind,  unterscheiden. 
Nur  die  tiefsten  Lagen  des  oberturonen  Pláners,  sind  dicht,  fest  und  klingend, 
nicht  leicht  brocklig,  als  Bausteine  aber  nur  desshalb  weniger  beniitzt,  weil  die 
Schichtenbánke  nicht  die  Máchtigkeit  der  unmittelbar  darunter  liegenden  fein- 
kornigen  sandig-kalkigen  Callianassenpláner  besitzen.  Diese  tiefsten  festen  bláulich- 
grauen  Bánke,  deren  Auflagerung  auf  dem  Mittelturon  SOS  von  Hohenmauth,  bei 
Cerekvic,  Lány  unweit  Leitomyší  cleutlich  zu  sehen  ist,  enthalten  keine  Spur  mehr 
von  Callianassen,  dafiir  aber  háufige  Reste  cles  grossen  Inoceramus  Brongniarti. 
So  fest  die  tiefsten  Bánke  auch  erscheinen,  so  gehen  sie  doch  allmáhlig  gegen 
oben  zu  in  ganz  dunnplattige  mergelige  Pláner  iiber,  welche  leicht  zerbrockeln 
und  in  den  obersten  Lagen  durch  Feuchtigkeit  lettig  mergelig  werden. 

Diese  mergeligen,  oberen  Plánerschichten  nehmen  W  von  Choceň  und  NO 
von  Zámrsk  das  Terrain  am  Rande  der  Kartě  ein  und  bilden  die  kuppigen  Hiigel ; 
in  ihrem  áusseren  Aussehen  sind  sie  ganz  denjenigen  mergligen  Plánem  álmlich, 
die  sich  zwischen  dem  Unterturon  (Baupláner  vom  Weissen  Berge)  und  dem  Mittel- 
turon (Iserkalkpláncr  oder  Isersandstein)  in  dem  Gebiete  des  Gradkartenblattes 
Hohenmauth-Leitomyšl  an  zahlreichen  Stellen  entblosst  vorfinden.  Allein  in  den 
genannten  Hiigelkuppen  scheinen  dunkelgraue  Anfliige  von  manganhaltigem  Limonit 
in  den  Kliiften  dieses  oberturonen  Pláners  ein  gutes  Unterscheiduiigsmerkmal 
gegen  den  tieferen  Horizont  des  ganz  áhnlichen  Gesteines  anzudeuten. 

Hohere  Stufen  des  Kreidesystems  kommen  in  diesem  Gebiete  nicht  vor. 

Die  hoheren  Fláchen  des  Plánerterrains  sind  haufig  mit  Schotter  oder  Kies 
bedeckt.  Die  Schotterbánke  wechseln  bedeutend  in  ihrer  Zusammensctzung,  wesshalti 
auf  diese  lokalen  Ausbildungcn  hier  Riicksicht  genommen  wird. 

Zwischen  Hohenmauth  und  Leitomyší  ruben  die  Schotter  auf  Oberturon- 
Dieselben  sind  NO  von  Cerekvic  sowohl  aus  Quarz-  als  auch  aus  Plánerkalk- 


85 

'  geschieben  der  mittelturonen  Stufc  (Iserkalk,  Isersandstein)  zusammengesetzt ;  die 
j  obereu  Lager  aber  bestehen  aus  feinkornigem  wcissem  Sand,  in  welchem  nur  selten 
Streifen  von  weissem  Quarzkiese  eingelagert  sincl.  N  von  Srub,  knapp  ausserhalb 
des  Rahmens  der  Kartě  liegen  uber  den  weichen  oberturonen  Plánem,  Schotter- 
bánke,  die  aus  weissen  Quarzgerollen  so  wie  aus  Geschieben  von  blassgelblich- 
grauem  Iserkalkstein  (Iserkalkpláner)  bestehen,  zu  denen  sich  noch  Gerólle  von 
Gneus  beimengen. 

Bei  Nová  Ves  unweit  Zámrsk  und  an  allen  Orten  auf  dem  niedrigen 
Terrainwalle  zwischen  dem  Loučná  und  Neuschlosser  Bache  in  der  Richtung  Vostrov- 
Moravany  bestehen  die  Schotter  aus  feinem  weissen  Sande  mit  grósseren  Geschieben 
von  Iserkalkpláner  nebst  etwas  Quarzgerollen.  An  ersterem  Orte  tritt  auch  noch 
!  Kieselschiefergeschiebe  hinzu.  An  allen  diesen  Orten  jedoch  kommen  Bánke  vor, 
|  die  nur  aus  Geschieben  des  festen  kalkigen  Pláners  des  Mittelturons  bestehen 
und  in  Lehni  oder  sandigen  Lehm  eingebettet  sind. 

Je  weiter  gegen  Westen,  desto  mehr  nimmt  der  Lehm  besonders  in  den 
oberen  Schotterbánken  uberhand ;  auch  die  Bánke  des  feinen  Sandes  werden  lehmig, 
!  so  dass  die  bei  Zámrsk  noch  deutlich  schotterige  Decke  ihren  sandig  schotterigeu 
Charakter  einbiisst  und  in  einen  Lehm  úbergeht,  in  welchem  Kies-  und  Pláner- 
kalkgeschiebe  bald  háuíiger,  bald  blos  untergeordnet  auftreten.  Derartige  lehmige 
Schotter,  wie  namentlich  bei  Dvakačovic  sind  dann  schwierig  auszuscheiden,  weil 
es  schwer  zu  entscheiden  ist,  ob  dieselben  mit  der  Schotter-  oder  mit  der  Lehm- 
farbe  anzudeuten  wáren. 

Bei  Topol,  Kočí,  Třibubny  ,2)  sind  die  Lehmmassen  gegeniiber  den  darin 
nur  zerstreut  eingebetteten  Kies-  und  Plánerkalkgeschieben  so  vorherrschend,  dass 
die  Decke  auf  der  geologischen  Kartě  als  Lehm  ausgeschieden  ist. 

Nur  dort,  wo  solche  mit  Schotterbrocken  gemengten  Lehme  auf  einen 
tieferen  Horizont  herabgeschwemmt  worden  sind,  erscheinen  sie  rein  und  ungemischt. 
Dieses  Verháltniss  zeigt  sich  bei  Třibubny  (O  bei  Chrudim)  deutlich.  Auf  der 
Plateauíláche  kommen  also  die  mit  Geschieben  gemengten  Lehmen,  an  den  Lehmen 
aber,  námlich  in  den  tieferen  Lagen,  wie  bei  Kočí  und  Vorel  die  reineren,  abge- 
schwemmten  Lehmlager  vor. 

Die  lehmige  Beschaífenheit  der  Schotter  erklárt  sich  einfach  aus  ihrer 
Entstehung.  Im  ostlichen  Theile,  also  bei  Hohenmauth,  wo  die  festen  mittelturo- 
nischen  Kalkpláner  theilweise  zur  Bildung  der  Schotterbánke  beigetragen  haben, 
ist  die  Beschaífenheit  derselben  verháltnissmássig  wenig  lehmig.  Im  Westen  aber 
(O  von  Chrudim),  wo  nebstdem  auch  die  dort  ausgebreiteten  weichen  Pláner- 
schichten  in  Geschiebeform  zusammengeschwemmt  erscheinen,  erhielten  sich  nur 
die  Quarz-  und  Iserkalkgerolle  in  ihrer  Form,  die  weichen  Pláner  zerfielen  aber 
mit  der  Zeit  zu  Lehm,  der  dort  demnach  vorwiegt. 

Nordlich  vom  Loučnábache,  hart  an  der  nórdlichen  Gránze  des  Grad- 
kartenblattes  enthalten  die  Geschiebeanháufungen  deutliche  Sand-  und  Schotter- 
bánke, und  ganz  sparsame  Geschiebe  des  Iserkalkes. 

Die  kalkigen  Callianassenpláner  des  Mittelturons  verwittern  in  ihren  Schichten 
am  Ausbisse  gelbbraun,  mit  der  Farbe  der  lehmigen  Ackererde.  Es  kommt  daselbst 
jedoch  zu  keinen  Lehmblagerungen,  ausser  in  der  Náhe  der  Loučnádepression, 


86 


Die  nieisten  Lehme  der  Niederung  des  Loučnábaches  sind  aus  aufgelosten 
weichen  Plánem  des  Oberturons  entstanden.  Sie  bedeckeu  entweder  das  Oberturon 
oder  die  Schotterbánke  auf  den  Húgelkuppen  in  dieser  Niederung.  Nur  in  einem 
Gebiete  findet  man  auch  am  festen  mittelturonen  Plánerkalk  eine  máchtige  Lehm- 
decke,  und  zwar  an  der  sanften  Abdachung  zwischen  Vraclav  und  Cerekvic.  Hier 
sind  die  Lehme  die  Reste  der  ausgelaugten  kalkigen  Pláner  und  sind  offenbar 
an  dieser  sanft  geneigten  Fláche  herabgeschwemmt  worden.  Es  ist  úberhaupt  keine 
seltene  Erscheinung  in  Bohmen,  Lehme  auf  den  gegen  O  geneigten  Gehángen 
abgelagert  zu  finden,  wenn  die  zur  Lehmbildung  giinstigen  Verháltnisse,  so  wie 
hier,  zusammenwirken. 


I 

I 

I 


ZWEITER  THEIL. 


SPECÍELLE  PETROGRAPHISCH-MINERALOGISCHE  UNTERSUCHUNGEN 

VON 


RUD.  HELMHACKER. 


L 


Die  petrograpliische  Beschaffenheit  einiger  Gesteine  des 

Eisengebirges. 

In  diesem  Abscbnitte  werden  einige  fůr  eine  nabere  Untersuchung  wicbti- 
geren  Gesteine,  naraentlicb  Gesteine  eruptiven  Ursprungs,  ihrer  petrograpbischen 
Beschaffenbeit  nach,  bescbrieben,  nachdem  die  andereu  gewohnlicheren  Gesteine 
scbon  bei  der  geologischen  Bescbreibung  des  Gebirges,  mit  ibren  eutsprecbenden, 
kurz  angedeuteten  Merkmalen  beriicksichtigt  werden. 

Es  zerfállt  dieser  Abschnitt  in  die  Beschreibung  der  krystallinisch  schief- 
rigen,  dann  der  krystallinisch  massigen  Gesteine,  nebstdem  ist  auch  ein  klastisches 
Gestein  aufgenommen  wordén. 

Namentlich  ist  es  die  Gruppe  der  Porphyre,  Diorite  und  Corsite,  welche 
hier  ausfúbrlicber  bebandelt  wird. 


Krystallinisch  schiefrige  Gesteine. 
Amphibolgneus. 

,  Dieses  Gestem  fmdet  sich  besonders  gut  entblósst  in  der  Doubravkathal- 

schlucht  zwischen  Ronov  (S)  und  Mladotic.  Die  ganz  deutlichen  Schichten,  welche 
nach  4V4h  mit  42°  verfláchen,  also  parallel  mit  dem  Eisengebirge  streichen,  sind 
entweder  ganz  typischer  Syenitgneus  oder  sie  enthalten  Biotit  in  accesorischer 
oder  so  zunehmender  Menge,  dass  sie  dadurch  in  Biotitgneus  iibergehen,  mit 
welchem  sie  dort  auch  wechsellagern.  Doch  ist  der  Amphibolgneus  vorherrschend. 
Sowohl  der  Amphibolgneus,  als  auch  der  an  weissen  Orthoklas  und  Quarz  reiche 
schiefrige  Biotitgneus  enthalten  accesorisch  Granát  in  grosser  Menge.  Die  Granat- 
kórner  sind  recht  gross,  meist  mehr  als  nussgross. 

Der  Syenitgneus  zeigt  ein  kleines  bis  mittleres  Kom  und  schiefrige  Textur, 
wenn  er  keinen  Biotit  enthált;  durch  theilweise  Vertretung  des  Amphiboles  durch 
Biotit  erscheinen  die  Gemengtheile  deutlich  mittelkornig,  aber  wie  flasrig,  was 
beim  schiefrigen  Biotitgneus  oft  der  Fall  ist,  indem  die  schiefrige  Textur  als 
schiefrig  flaseriggestreckte  ausgebildet  ist. 

Der  Quarz  und  Orthoklas  ist  immer  weiss,  in  kleinen  Stuckchen  durch- 
sichtig,  zuweilen  ist  auch  gestreifter  Plagioklas  in  dem  weissen  Gemenge  sichtbar. 
Der  Amphibol  ist  dunkelgriin  oder  schwarzgrun. 

Um  zu  bestimmen,  ob  in  den  weissen  Kórnern  zwischen  dem  Amphibol, 
Orthoklas  oder  Plagioklas  (Oligoklas)  der  vorherrschende  Gemengtheil  neben  Quarz 
ist,  wurden  die  weissen  Kornchen  (die  aber  trotzdem  durch  Spuren  noch  anhan- 
genden  Amphibols  verunreinigt  waren)  auf  den  Si02-Gehalt  untersucht.  Es  gaben 
•3  g.  davon  einen  Gliihverlust  von  '64%  und  66'91°/0  Si02.  Es  ist  also  die  Menge 
des  Orthoklases  und  Quarzes  doch  eine  ziemlich  ansehnliche,  wenn  auch  der  Pla- 
gioklas in  nicht  ganz  unbedeutenden  Quantitáten  mit  auftritt. 

Ein  Dunnschliff  des  Syenitgneuses ,  dessen  lángste  Amphibolaggregate 
ji^mm.  Breite  hatten,  zeigte  u.  d.  M.  etwas  kleiner  geformte  Aggregate  der 
weissen  durchsichtigen  Mineralien.  Lappig  zertheilte  Prismen  von  dunkel  bouteil- 
lengriinen  Amphibol,  nur  Spaltbarkeit  unci  keine  Faserung  zeigend,  halten  das 
Gleichgewicht  mit  kleinercn  Aggregaten,  die  aus  Kórnern  bis  lram  Grosse  bestehen, 
Im  polarisirten  Lichte  zeigen  die  durchsichtigen  Kórner  durchaus  gleiche  intensive 
Farben,  wodurch  der  sonst  satter  fárbige  Quarz  von  dem  weniger  satt  gefárbten 
Orthoklas  nicht  zu  unterscheiden  ist.  Nur  nach  der  Form  der  Korner  konnen  die 


92 


mehr  abgerundet  polygonalen  auf  Quarz,  clie  lánglichen  auf  Orthoklas  bezogen 
werden.  Ganz  untergeorclnet  tritt  liie  und  da  anch  ein  grosses  Plagioklaskorn  mil 
Zwillingsstreifung  und  eben  so  satter  Fárbung  zum  Vorschein.  Auch  etlicbe  Biotit- 
querschnitte  von  griinlichbrauner  Farbe  erscheinen  in  dem  Gemenge. 

Der  Ampbibol  zeigt  bedeutenden  Pleocliroismus.  —  Ein  anderes  Praeparat 
des  Syenitgneuses  mít  zahlreichen  parallelen  Biotitschuppen  zwiscben  den  Amphi- 
bolsáulen  und  mit  Granát,  nur  wenig  schief  zur  Fláche  der  Schieferung  geschnittem 
zeigte  u.  d.  M.  bis  3mm  breite  Gemengtheile. 

Der  grasgrúne,  etwas  ins  bouteillengrúne  geneigte  Amphibol  bildet  lappig 
zertheilte  Prismen  ohne  Faserung;  der  Biotit  bouteillengrúne  Lappen,  wenn  der 
Schnitt  ziemlich  párali el  zur  Spal tungsfl liché  geht,  sonst  aber  wenn  derselbe  im 
Schliff  als  langes  Rechteck  erscheint,  zeigt  er  blassbraune  Farbe.  Beide  Mineralien 
sind  stark  pleochroitisch. 

Das  polarisirte  Licht  lásst  in  den  weissen  kórnigen  Aggregaten  mit  bis  2 mm 
grossen  Kórnern  clen  Quarz  vom  Orthoklas  der  Fárbung  nach  nicht  unterscheiden, 
weil  dieselbe  bei  beiden  Mineralien  gleich  stark  ist.  Ein  bedeutender  Theil  der 
Feldspáthe,  gewiss  V3  der  Menge  des  Quarzes  und  Orthoklases  zusammen,  zeigt 
ausgezeichnete  Streifung,  ist  also  Plagioklas;  gewise  Querschnitte  zeigen  flecken- 
weise  in  cler  Streifung  noch  eine  senkrecht  durchgehende  zweite  Farbenbánderung 
wodurch  sie  gegittert  erscheinen.  l3) 

Die  Zwillingsstreifung  des  Plagioklases  ist  so  deutlich,  dass  sie  schon 
ohne  Zuhilfenahme  des  polarisirten  Lichtes  hervortritt.  Flússigkeitseinschliisse 
sind  hiiufig  in  den  Feldspáthen  und  im  Quarz. 

Ganz  selten  ist  nur  hie  und  da  ein  Magnetitkórnchen  im  Amphibol  ein- 
gewachsen.  Von  Granát  fiel  nichts  in  den  Dúnnschnitt. 

Eine  andere  Varietát  des  Syenitgneuses  zeigt  bis  mittelkorniger  Textur, 
Schwarze,  gut  spaltbare  bis  2mm  lange  Amphibolprismen  und  weisse  Aggregate  von 
Quarz  und  Feldspath.  Dazwischen  sind  winzig  kleine  hyacinthrothe,  diamantglán- 
zende  Prismen,  von  clenen  die  kleinsten  bei  der  Lánge  von  |mm  die  Breite  von 
3lomm  haben,  welche  der  Form  nach  wahrscheinlich  auf  Rutil  zu  beziehen  wáren. 

Das  Mikroskop  zeigt  lappig  vertheilte  Prismen  des  Amphibols  von  bouteil- 
lengriiner  Farbe,  seltene  Biotitflitter  und  im  Amphibole  Korner  von  Magnetit  als 
Aggregate  von  quadratischen  Querschnitten  dieses  Minevales.  Die  Quarz-  und  Feld- 
spathaggregate  bestehen  aus  Kórnern  von  der  mittleren  Breite  von  l/s mm  5  f^e 
Quarze  und  Orthoklase  sind  im  polaiisirten  Lichté  beide  gleich  lebhaft  gefárbt, 
so  das  nur  die  Form  derselben  massgebend  ist  fiir  das  Auscinanderhalten  beider 
Mineralien.  Gestreifter,  gleichfalls  lebhaft  gefárbter  Oligoklas  ist  als  unwesent- 
licher  Gemengtheil  sehr  hiiufig  im  Gesteins-Gemcnge  sichtbar.  Die  zu  Rutil  ver- 
muthungsweise  gestellten  lánglichen  Kórnchen  sind  nur  ganz  selten. 

Sowohl  Quarz  als  auch  beide  Feldspáthe  zeigen  Flussigkeitseiuschlusse, 
was  sonst  als  selbstverstándlich  nicht  angefiihrt  wird. 


1 

I 

1 

93 

Gneusgranulit. 

In  dem  terassenformigen  Abhange  des  Eisengebirges  gegen  die  Cáslauer 
Ebene  ist  zwischen  Podbořan  und  Semtěš  verherrschend  mittelkorniger  Glimmer- 
schiefer  mit  imtergeordnetem,  tbeilweise  gestrecktem  Ampbibolit  nach  S1!^  bis 

1 5V411  mit  55°— 60°  verflácbend  abgelagert.  In  dem  Glimmerschiefer  ist  zwischen 
Podbořan  und  Semtěš  ein  Lager-  von  Gneusgranulit  in  der  Máchtigkeit  von  lm 

'  eingelagert.  Dasselbe  tritt  inmitten  der  Scblucbt  die  von  Bumbálka  zur  Ebene  herab- 

jgeht,  dann  etwas  hober  nahé  bei  der  Háusergruppe  Husí  Hovno  (O  von  Semtěš) 
zum  Yorschein,  wo  einige  Gruben  das  Streichen  dieser  festeren  Schichte  andeuten. 
Der  Gneusgranulit  besitzt  eine  blassfleischrothe  Farbe;  im  Querbruche, 

i  also  senkrecht  gegen  dessen  Schichtung,  zeigt  er  ein  feines  Korn  von  rothlichem 
Orthoklas  in  welchem  theils  kleine  Kornchen,  oder  kurze  platte  parallel  gezogene 
Quarzlamellen,  die  an  der  Gránze  des  mit  dem  freien  Auge  noch  Sichtbaren  stehen, 
eiugewachsen  sind.  Der  Quarz  in  untergeordneter  Menge  auftretend,  hat  rauch- 
grane  Farbe.  Lange  papierdiinne  Lagen  von  Quarz  durchziehen  das  Gestein 
ausserdem  in  spárlicher  Menge  parallel  zur  schiefrigen  Textur.  Sonst  weiset  der 
Querbruch  nichts  mehr  auf.  Der  schiefrige  Bruch  parallel  der  Schichtung  des 
Lagers  zeigt  einen  durch  ganz  kleine  Muscovitschuppchen,  die  sich  jedoch  nicnt 
ganz  beriihren  und  zwischen  sich  noch  die  blassfleischrothe  Farbe  des  Orthoklases 
hervortreten  lassen,  bedingten  schimmernden  Glanz.  Diese  Schieferungs-Briiche 
zeigen  auch  eine  Anlage  zur  Streckung  der  Gcmengtheile.  Der  Muscovit  muss 
denmach  nur  als  accesorischer  Gemengtheil  betrachtet  werden;  das  in  die  Gruppe 
des  Gneuses  gehorige  Gestein  enthalt  keiuen  Granát,  obwohl  andere  deutlicher 
kórnige  Yarietaten  eines  áhnlichen  Gneuses,  welche  imtergeordnet  schlierenartige 
Schichten  im  Biotitgneus  von  Starkoč  bilden,  Granatkórner  enthalten.  Das  Auf- 
treten  von  Muscovit  muss  fúr  ein  Gestein,  welches  mit  Granulit  verglichen  wird, 
als  ein  ungewohntes  bezeichnet  werden. 

Ein  Dlinnschliff  quer  zur  Schieferung  des  Gesteines,  oder  normál  zur 
Eichtung  der  Schichtung  angefertigt,  zeigte  bei  Yergrosserung  u.  d.  M.  im  Mittel 
_i_mm  ijx-eite  polygonale  Querschnitte  von  Orthoklas,  die  nach  einer  Richtuug 
unvollkommen  gelagert  waren.  Durch  langgezogene  Quarzlagen  oder  flache  Quarz- 
korner  von  der  Dicke  etwa  von  |mm ,  die  entweder  aus  einem  Individuum  bestehen, 
da  sie  im  polarisirten  Lichte  nur  einerlei  Farbe  zeigen,  oder  auch  ein  Aggregat 
vorstellen,  ist  die  plane  Paralleltextur  angedeutet.  Der  Orthoklas  herrscht  bedeutend 
uber  den  Quarz  vor.  Zwischen  den  Orthoklaskornern  erscheinen  noch  blassgriinlich- 
graue  Stábchen  von  IMuscovit  von  s'ýmm-  Dicke  (Schnitte  parallel  zur  krystallo- 
graphischen  Achse)  sowie  ganz  diinne,  ebenso  unvollkommen  parallel  zerstreute 
Haematitqiierschnitte  wie  auch  ganz  seltene  Erzkornchen,  vielleicht  clem  Magnetit 
angehorig  bis  -71omm  breit. 

Ein  Dtinuschliíf  parallel  zur  Schieferung  zeigt  beinahe  durchgángig  regellos 
aggregirte  Orthoklaskorner  der  eben  angefuhrten  mittleren  Grosse  von  jžmm, 
dazwischen  hie  und  da  etwas  Quarz  und  Muscovitlappchen  bis  zur  Breite  von 
\mm.  Auch  kommen  hyacinthroth  durchscheinende  Hámatitschuppen  vor  meist  ein- 
zeln  verthleilt  und  stellenweise  Andeutungen  hexagonaler  Umrisse  zeigend,  dann 


94 

findet  sich  auch  in  gewissen,  zur  Streckung  des  Gesteines  parallelen  Lagen  Erz- 
(Magnetit)staub  vertheilt.  Die  ganz  kleinen,  jedoch  nicht  die  kleinsten  Erzstaub- 
kórnchen  haben  die  Breite  von  a,1,,,111111.  Zwillinge  von  Orthoklas,  sowie  gestreifte 
Plagioklase  liessen  sich  nicht  nachweisen. 

Porphyroid. 

Unter  diesem  Namen  werden  den  Quarz-  und  Felsitporphyren  áhnliche, 
jedoch  schiefrige  Gesteine  bezeichnet,  die  demnach  eine  felsitische  Grundmasse 
mit  ausgeschiedenen  parallel  gelagerten  Krystallen  besitzen.  Nur  dasjenige  Gestein, 
welches  mit  Gneus  im  Zusammenhange  vorkonimt,  wird  hierher  gestellt,  wáhrend 
andere  ganz  an  Porphyroide  erinnernde  Gesteine  bei  Lukavic  (8  von  Chrudim) 
zu  den  echten  Quarz  und  Felsitporphyren  gestellt  werden,  mit  denen  sie  genetisch 
verbunclen  sind. 

Das  Porphyroidgestein  unter  der  Burgmine  Lichnice  und  Podhrad  (Ruině 
Lichtenburg,  O  Ronov)  bildet  im  Gneuse  untergeordnete  Schichten  und  ubergeht 
in  echte  Gneuse.  Solche  Ůbergangsgesteine  sind  von  Zbislavec  (Stráně)  angefangen 
bis  uber  Hostětinky  im  Zuge  des  steilen  Abfalles  des  Eisengebirges  gegen  die 
Ebene  von  Čáslau  sehr  verbreitet.  Auf  der  Kartě  erscheint  jedoch  der  Porphyroid  bei 
Lichnice  wegen  clem  zu  kleinen  Maasstab  der  Kartě  nicht  ausgeschieden,  sonclern 
als  Gneus  bezeichnet. 

Das  deutlich  schiefrige  compacte  Gestein  hat  eine  dunkelgraue  Farbe  mit 
stelienweise  hervortretenden  gestreckten  kleinen  Flasern  von  rothlich  oder  weisslich 
gefárbtem  Orthoklas,  ocler  rothlich  weissen  Lagen.  Die  eingewachsenen  Krystalle 
von  rauchgrauem  Quarz  und  blass  íleischrothem  Orthoklas  sind  meist  klein,  bis 
2mm  lang;  nur  selten  sind  centimeter  lange  Orthoklaskrystalle  von  weisslicher 
Farbe  ausgeschieden.  An  dem  ziemlich  ebenen  Bruche  schimmern  Biotitschtippchen, 
welche  gleichfalls  eine  Streckung  des  Gesteines  andeuten.  Die  Grundmasse  ist 
sehr  íeinkórnig,  demnach  nicht  vóllig  felsitisch,  im  Bruche  splittrig. 

Ein  ziemlich  nahé  parallel  zur  Schieferungsrichtung  hergestellter  Diimi- 
schliff  zeigt  eine  kornig  aggregirte  Orthoklasgrundmasse,  deren  Individuen  von 
polygonaler  Form  im  Mittel  -^umm  Grosse  erreichen.  In  der  Grundmasse  ziehen 
sich  schlierenartige,  ziemlich  parallele,  jedoch  lappig  vertheilte  Zíige  von  Biotit- 
aggregaten.  Diese  Biotitaggregate  bestehen  aus  im  Mittel  ti10mm  breiten  Biotit- 
schuppen  von  bráunlich  bouteillengrunem  Biotit;  die  Schuppen  sind  einander 
stelienweise  mehr  genáhert,  wáhrend  sie  sich  wieder  anderweitig  von  einander  so 
entfernen,  dass  sie  beinahe  ohne  Zusammenhang  erscheinen.  In  dem  kleinkornigen 
Gemenge  mit  recht  deutlich  angezeigter  planer  Paralletextur  sind  háufig  deutlich 
oder  undeutlich  hexagonal  begránzte,  im  Mittel  Jmm  breite  Quarzkorner  aber  auch 
lángliche  solche  Quarze  anzutrelfen.  Nachher  erscheinen  Orthoklaskórner,  manche 
auch  als  Zwillinge  entwickelt,  einige  auch  mit  rissig  paralleler  Streifung 14)  versehen. 
Plagioklase  kommen  in  ausgeschiedenen  Korném  auch,  jedoch  verháltnissmássig  1 
selten  vor.  Stelienweise  erscheint  im  Biotit  auch  ein  schwarzes  Erzkorn  vereinzelnt 
eingewachsen.  Fliissigkeitseinsch  liisse  sind  in  den  eingewaclisciien  Krvstallkoniern 
sehr  háufig. 


95 


Glimmerschiefer. 

Dieses  Gestein  ist  sehr  verbreitet ;  insbesondere  ist  der  kleinkornige  Glim- 
merschiefer mit  vollkommen  eben-  und  dimnschiefriger  Textur  im  dem  Steilabfalle 
des  Eisengebirges  gegen  die  Čáslauer  Ebene  entwickelt,  wo  demselben  Amphibolite 
eingelagert  sind.  Der  Biotit-Glimmerschiefer  bricht  stellenweise  in  bis  Quadrat- 
meter  grosse  Platten ;  die  dunnsten  kleineren  Scherben  wiirden  selbst  einen  dicken 
Dachschiefer  abgeben,  da  selbst  5mm-  dicke  Spaltungsstiicke  zu  erlangen  sind.  An 
den  Schieferungen,  welche  die  Fláche  der  Biotitschuppen  zeigen,  ist  eine  undeut- 
liche  Streckung  bemerkbar;  im  Querbruche  zeigt  sich  das  sehr  feinkórnige  Quarz- 
gemenge  mit  den  parallel  gelagerten  Biotitschiippchen.  Das  Gestein  tibergeht  stellen- 
weise in  Amphibolitschiefer  mit  deutlicher  Streckung. 

Ein  parallel  zur  vollkommen  ebenen  Schieferung  hergestellter  Dunnschliff 
von  Bumbálka  bei  Semtěs  zeigte  u.  d.  M.  ein  kórniges  Aggregat  von  { — \mm  breiten 
Quarzkornern  und  fetzenartigen,  ebenso  grossen  Biotitschuppen  von  brauner  Farbe, 
welche  die  Tendenz  zeigten,  nach  einer  Richtung  sich  háufiger  an  einander  zu 
schliessen,  als  dies  normál  auf  diese  Richtung  der  Streckung  der  Fall  wáre.  Zwischen 
der  Gemenge-Masse,  sowohl  im  Quarz,  als  auch  im  Biotit  sind  strichweise  entweder 
staubartige  oder  zu  winzigen  Aggregaten  vereinigte  Erzkórnchen  reichlich  ein- 
gestreut.  Die  quadratischen  Querschnitte  derselben  deuten  auf  Magnetit.  Bei  der 
gánzlichen  Durch  sich  tigkeit  des  nicht  getriibten  reinen  Gemengtheiles  námlich  des 
Quarzes  und  der  starken  Fárbung  im  polarisirten  Lichte  ist  auf  die  Abwesenheit 
des  Orthoklases  als  accesorischen  Gemengtheiles  zu  schliessen.  Die  Erkennung  von 
Orthoklas  neben  Quarz  hátte  im  polarisirten  Lichte  seine  Schwierigkeiten,  da 
Orthoklas,  wenn  derselbe  ganz  frisch  ist,  vollig  gleich  lebhaft  sich  fárbt  wie  der 
Quarz.    Oligoklas  wurde  natůrlicher  Weise  auch  nicht  angetroffen. 

So  leicht  sich  diese  Důnnschliffe  parallel  zur  Schieferung  auch  anfertigen 
lassen,  so  misslingen  diejenigen,  welche  man  normál  zur  Schieferung  anzufertigen 
bestrebt  ist,  so  dass  die  Dicke  der  Biotitschuppen  unbekannt  bleibt. 

Phyllit. 

Die  náher  untersuchten  Phyllite  (Glimmerschieferphyllite)  «tammen  von 
der  Hlinsko-Skučer  Schieferinsel  und  zwar  von  deren  sudlichem  Theile  her,  welcher 
dem  Gneuse  und  Granite  genáhert  ist.  Diese  Phyllite  verfláchen  hier  (ONO  Hlinsko, 
S  Skuč)  vorherrschend  nach  NNO  und  enthalten  stellenweise  verkieselte  Schichten, 
die  demnach  zu  Lydit  umgewandelt  sind. 

Die  reinen  Phyllite  von  lichtgrauer  Farbe  sind  an  der  Sudgránze  der 
Schieferinsel  etwas  weniger  háufig  als  die  Staurolith  fiihrenden  Schiefer. 

Staur  olithphyllit. 

Die  meisten  Abarten  davon  finden  sich  bei  Kladné  (von  Hlinsko  an  der 
Hlinsko-Krounaer  Reichsstrasse  5*8  Kilom.  ONO  entfernt).  Der  Phyllit  in  der 
Schlucht,  die  von  Vojtěchov  sudlich  heraufgehend  die  Strasse,  welche  daselbst 


96 


eiiien  Bug  macht,  3/4  km  NW  von  Kladné,  iibersetzt,  ist  ganz  deutlich  eben- 
fláchig  geschichtet,  mit  wechselndem  aber  docb  vorherrschend  NNO  Verfláchen. 

Der  lichtgraue  beinahe  selu*  vollkommen  spaltende  Phyllit  liat  auf  der 
Schieferimgsfláche  eutweder  eine  gedráugt  stebende  parallele  Liuieruug,  oder  eine 
deutliche  nacb  einer  Linie  gericbtete  schwache  Eunzelung.  Hie  und  da  bemerkt 
man  schwach  bráunliche  Fárbungen,  welcbe  von  diinnen  Háuten  von  Biotitschuppen 
herriibren. 

Die  ganz  ebenfláchigen,  linirten  Phyllite  zeigen  sehr  zahlreich  ganz  kleine 
schon  dem  blossen  Auge  oder  erst  bei  Vergrósserung  sicbtbare  Schwarze  Punkte, 
welcbe  meist  hockerig  hervorragen  und  die  Grosse  von  1l8nxm  bis  besitzen. 
Die  grosseren  sind  Staurolitb,  die  kleineren  Magnetit.  Auch  Granatkorncben  finden 
sicb,  jedocb  nur  ganz  spárlich  vor.  Die  runzlig  geradlinig  gefalteten  Phyllite,  oder 
die  nur  ebenschiefrigen,  insbesondere  V2  km  W  oder  iWvon  der  obenerwáhnten 
Strassenbiegung  in  der  Vojtěchover  Schluchtdepression  zeigen,  abgesehen  von  den 
winzigen  Magnetitpunktchen  eutweder  vereinzelnte  Staurolithkry stall chen  4—5  auf 
der  Fláche  von  1  □  cm  oder  selbst  stellenweise  in  grosseren  Flecken  so  an  einander 
geháufte  Krystállchen,  dass  an  gewissen  Stellen  deren  bis  80—120  auf  die  Fláche 
ID  cm.  entfallen.  Doch  sind  solche  Stellen  immerhin  nicht  háuíig  anzutreffen. 

Die  Staurolithprismen  aus  dem  Bruche  W  von  der  Strassenbiegung  bei 
Kladné,  danu  auch  N  und  S  von  der  Strasse  zeigen  bei  einer  Lánge  von  bis 
2mm-  die  Breite  von  3/4mm  Die  Farbe  ist  bráunlichschwarz.  Die  herausgekratzten 
undurchsichtigen  Krystállchen  haben  Glasglanz  und  zeigen  die  Form 

ooP."Poo.  ooPoo.OP. 
Einige  zeigen  trotz  ihrer  Kleinheit  eine  wenn  auch  nicht  sehr  deutliche  Spalt- 
barkeit  nach  ooP  go,  natiirlich  erst  unter  dem  Mikroskope.  Die  Krystállchen  ritzen 
Quarz,  haben  demnach  die  Hárte  von  7V2« 

Wenn  nicht  alle,  so  erweisen  sich  doch  die  meisten  Krystállchen  als  Zwil- 
linge  der  eben  angefúhrten  einfachen  Form  nach  3/2P3/2.  Bie  wenig  gláuzenden 
Fláchen  sind  nicht  gánzlich  eben.  Unter  dem  Mikroskop  gemessene  Kantenwinkel 
gaben:  ooP:  ooPoo  vorne:  113° 45'  (statt  115°  1?)  ooP:  o>P  oohinten  113°  12'; 
dann  ooP:  ooP  vorne:  132°  59'  (statt  129°  26'),  o>P:  oo  P  hinten  132°  30'.  Die 
Abweichung  der  gemessenen  Werthe  von  den  richtigen  ist  im  Vergleich  zur  Un- 
ebenheit  und  Kleinheit  der  Fláchen  eine  nur  unbedeutende  zu  nennen. 

Vor  dem  Lothrohr  bleibt  das  Minerál  unverándert. 

Die  Phyllite  und  Staurolithphyllite  enthalten  keine  Quarznester,  auch  nicht 
sichtbare  diinne  Quarzlagen  im  Querbruche,  so  dass  irgend  ein  Glimmer  der  Haupt- 
gemengtheil  derselben  ist.15) 

Diinnschliffe  lassen  sich  nur  nach  der  Richtung  der  Schieferung  anfertigen. 

Da  zeigen  nun  Diinnschliffe  bei  Vergrósserung  auserordentlich  zahlreiche 
sich  deckende  Schuppen  von  Muscovit  (Sericit),  zwischen  welchen  einzelne  Biotit- 
schuppen,  oder  ganze  aus  Schuppen  bestehende  Aggregate  die  lichte,  schuppige 
Masse  verdunkeln.  Zwischen  die  parallelschuppigc  Masse,  in  welcher  Quarz  oder 
ein  anderer  Gemengtheil  ent^Yeder  ganz  fehlt  oder  in  so  untergeordneter  Menge 
vorkómmt,  dass  derselbe  durch  die  Schuppen  verdeckt  wird,  íindct  sich  ganz 
regellos  Magnetitstaub  eingestreut.  Die  Magnetitkornchen  von  ganz  unscheinbaren 


97 

i  Punkten  angefangeii,  bis  zur  Grosse  von  -fam-  und  noch  dariiber,  zeigen  meist 
Iquadratische  Quersclinitte.  Man  kann  deren  an  Orten,  die  keinesfalls  zu  den 
1  reichsten  an  Magnetitstaub  gehoren,  250 — 300  auf  der  Fláche  von  1  □  mm  záhlen. 
[  Nur  verliáltnissmássig  vereinzelnt  finden  sich  braune  durcbsichtige  Staurolithprismen 
in  dem  schuppigen  Gemenge.  Allein  auch  die  Staurolithe  sind  nie  rein,  auch 
^dieselben  enthalten  Magnetitstaub  in  Kornchen  bis  zu  eV*""'  Breite  eingewachsen. 

Andere  Gemengtheile,  ausšer  stellenweise  aber  recht  selten,  nur  in  gewissen 
!  Diinnschliffen  eingewachsenen  rundlichen  kleinen  Kornchen  von  Granát  von  kaum 
l  merkbarer,  blass  rosenrother  Farbe  konnen  in  dem  Gemenge  nicht  nachgewiesen 
í  werden.  — 

Im  polarisirten  Lichte  zeigen  die  einzelnen  Muscovitschuppen,  deren  nicht 
!j  vertikálen  Achsenrichtungen  nicht  orientirt  sind,  verschiedene  Farben,  wodurch 
ihre  mittlere  Grosse  von  }\ — Tomm#  bestimmt  werden  kann.   Der  Staurolith  zeigt 
i  Aggregatpolarisation ;  dieses  Verhalten  wiirde  nicht  so  sehr  Eigenschaft  des  Stau- 
rolithes,  als  vielmehr  der  darin  zerstreut  eingewachsenen  Muscovitschuppen  sein. 
Als  Belege  dafur,  dass  zur  Zusammensetzung  des  Phyllites  vornehmlich 
Uder  Muscovit  beitrágt,  dient  das  Verhalten  vor  dem  Lóthrohr.  Der  Phyllit  bláttert 
i  sich  námlich  ganz  unbedeutend  auf,  ist  beinahe  unschmelzbar  und  wird  nach 
Verlust  der  grauen  Farbe  silberweiss. 

A  n  d  a  1  u  s  i  t  p  h  y  1 1  i  t. 

An  anderen  Orten  nahé  der  Granit-  und  Gneusgranze  finden  sich  die  unter- 
silurischen  Grauwackenschiefer  in  Andalusitschiefer  ungewandelt.  Vornehmlich  sind 
diese  Gesteine  in  den  Eisenbahneinschnitten  O  und  W  von  Hlinsko  entblosst.  Eine 
Probe  des  Gesteines  in  der  Náhe  des  Bahnhofes  von  Hlinsko,  nahé  der  Granit- 
I  gránze  stellt  einen  dunkelgrauen  unvollkommen  schiefrigen  Phyllit  (Thonschiefer- 
f  Phyllit)  vor,  dessen  Schieferungsfláchen  kurze  wellig  gebogene  Runzeln  zeigen. 
\  Der  Glanz  ist  an  solchen  Fláchen  ein  matt  seidenartiger.    In  der  scheinbar 
dichten  Phyllitmasse,  ohne  alle  noch  so  kleinen  Quarzeinschlíisse,  welche  ziemliche 
■  Festigkeit  besitzt,  finden  sich  kleine  Wiilstchen  oder  Hockerchen,  dann  aber  por- 
phyrartig  eingewachsene  Andalusitkrystalle,  welche  in  Bruchfláchen  auftreten.  Die 
'  Wiilstchen  und  Hockerchen  sind  auch  Andalusitkrystalle ,  deren  Krystallfláchen 
jedoch  mit  der  Phyllitmasse,  eigentlich  sehr  zarten  parallelgeháuften  Biotit- 
schiippchen  bedeckt  zum  Vorschein  kommen.  Die  stark  glasglánzenclen  Andalusit- 
^  bruchfláchen  oder  wenn  eine  Spaltung  nach  oo  P  erfolgte,  also  Spaltungsfláchen 
j  erweisen  sich  als  ganz  durchsichtig  und  blass  rosenroth  gefárbt,  demnach  nicht  so 
i  umgewandelt,  wie  es  die  meisten  weissen  unclurchsichtigen  Chiastolithe  schon  sind. 

Die  Spaltung  nach  co  P  ist  mehr  als  vollkommen,  zufolge  der  ebenen 
Beschaffenheit  der  Fláchen  und  auch  vermóge  der  irisirenden  Farbentóne  im 
Á  Inneren  der  Krystalle  parallel  den  Spaltungsfláchen,  welche  letztere  Eigenschaft 
immer  einen  bedeutend  vollkommenen  Grad  von  Spaltbarkeit  andeutet.  Dann  und 
'  wann  aber  tritt  ein  Andalusitquerbruch  zum  Vorschein;  dann  ist  in  dem  quadra- 
'  tischen  Bruche  das  Schwarze  Schieferkreuz  zu  sehen,  wesshalb  diese  Andalusite 
zur  Varietát  Chiastolith  gehoren.   Trotz  der  frischen  Beschaffenheit  der  Krystalle 

7 


i 


98 


erreichen  sie  doch  nicht  clie  Hárte  des  Audalusites  (7— 7V2)  sondern  zeigen  den 
geringeren  Hártegrad  des  Chiastolithes. 

Die  Lánge  der  ausgeschiedenen  Andalusitkrystalle  betrágt  selbst  niehr  als 
lcm- ,  die  Breite  bis  zu  1l3cm- ;  die  meisten  Krystalle  sind  jedoch  kleiner.  Spaltungs- 
fiáchen  zeigen  unter  dem  Mikroskop  gemessen  einen  an  90°  sehr  genáherten 
Neigungswinkel,  der  sich  mit  melir  Genauigkeit  nicht  bestimmen  liess,  •  da  eben 
die  Spaltbarkeit  keine  sehr  vollkommene  ist. 

Der  Phyllit  selbst  schmilzt  steilenweise  an  den  Kanten  etwas  an,  was  auf 
den  Biotitgebalt  desselben  zuruckzufiihren  ist. 

Diinnschliffe  zeigen  eine  deutlich  kórnige  (scbiefrige)  Grundmasse  mit  aus- 
geschiedenen Krystallen  von  Andalusií.  Dickere  Andalusitdimnschliffe  zeigen  noeh 
die  blassrosenrothe  Farbe,  diinnere  Pláttchen  sind  durchsichtig.  Meist  ist  die 
Gránze  zwischen  Andalusit  und  Schiefergrundmasse  eine  scharfe,  was  um  so 
deutlicher  ist,  als  die  opaken  oder  stárker  fárbigen  Gemengtheile  derselben  an 
den  Gránzen  mit  den  durchsichtigen  Krystallen  zusammengedrángt  zu  sein  scheinen 
Nur  ganz  selten  zeigt  sich  ein  Ůbergang  der  durchsichtigen  Krystalle  in  die  Grund- 
masse dadurch,  dass  nahé  dem  Rande  graue  Nebelflecke,  mit  opakem  Staub 
darinnen,  den  Ůbergang  in  die  Grundmasse  bedingen.  Manchesmal  zeigen  die 
Andalusitkrystalle  nahé  den  Rándern  vereinzelnte  opake  schwarze  Kórnchen  ein- 
gewachsen;  oder  legt  sich  an  den  Rand  der  Krystalle  etwas  Pyrit  an. 

Die  Spaltbarkeit  zeigt  sich  deutlich  im  Andalusite ;  wenn  gewisse  Krystalle 
durch  Druck  der  Schiefermasse  etwas  verschoben  sind,  so  zeigen  sie  viele  parallele 
Spaltklůften  parallel  co  P,  welche  durch  wenige  Querspáltchen  (vielleicht  nach 
einem  Pinakoide)  netzformig  verbunden  sind.  Dann  zeigen  sich  von  den  Spalten- 
ráumen  aus  die  Krystalle  weiss  getriibt,  also  wahrscheinlich  durch  Wasserauf- 
nahme  umgewanclelt.  Im  polarisirten  Lichte  erscheinen  nur  die  Kerne  zwischen 
dem  weissen  schwachdurchscheinenden  groben  Netzwerk  gefárbt,  wáhrend  eine 
chromatische  Wirkung  auf  die  umgewandelten  Netzleisten  nicht  zu  erkennen  ist. 

Senkrecht  auf  die  Achse  geschnittene  Andalusite  zeigen  das  dunkle  Kreuz 
mit  der  quadratisch  prismatischen  Mitte,  welches  aus  einer  blassgrauen  feinkornigen 
Masse  mit  nur  eingestreutem  Erzstaub  besteht,  die  nicht  ganz  scharf  von  der 
durchsichtigen  Krystallmasse  getrennt  ist,  wáhrend  gegen  die  Schiefermasse  die 
Trennung  eine  scharfe  ist.  Die  Kanten  der  Andalusitprismen  zeigen  keine  Margi- 
nalausfiillung,  welche  mit  der  mittleren  durch  die  diinnen  Kreuzarme  verbunden 
wáre;  vielmehr  verlieren  sich  diese  Arme,  welche  von  den  Ecken  des  mittleren 
quadratischen  Prisma  ausgehen,  ehe  sie  den  Kantenrand  erreichen,  in  der  Andalusit- 
masse.  Das  sonst  dunkle  Kreuz,  welches  aus  Schiefermasse  bestehend  gedacht  wirď 
demnach  auch  die  Bezeichnung  des  Schieferkreuzes  fuhrt,  besitzt  jedoch  nicht  die 
Zusammensetzung  derselben.  Es  besteht  nur  aus  einer  kleinkórnigen,  durch  diese 
Aggregation  graulich  erscheinenden  Masse,  in  welcher  man  Andalusit  zu  vermuthen 
Grund  hat,  mit  eingestreutem  Erzstaub,  welcher  wegen  an  gewissen  Kórnchen  sicht- 
baren  quadratischen  Querschnitten  auch  Magnetit  (wenigstens  zum  Theil)  sein 
kónnte.  Gegen  die  Ranclbegranzung  des  Kreuzes  wird  der  Erzstaub,  in  dem  die 
Kórnchen  etwa  4xromm'  Breite  haben,  spárlicher,  wodurch  der  nicht  scharfe  Ůbergang 
in  die  Andalusitmasse  vermittelt  wird.  Die  vier  Sectoren  zwischen  den  Kreuzarraeia 


99 

tónd  parallcl  orientirt,  da  sie  im  polariširten  Lichte  zugleich  die  námlichen  Farben 
tzeigen  und  sich  in  verschiedeneu  Stellungen  zu  der  Polarisationsebene  gleichmássig 
verhalten. 

|  Die  Grundmasse,  also  der  Phyllit  ist  durchaus  krystalliniseh.   Sie  besteht 

i  aus  in  einer  Richtung  oder  wellenformig  orientirten  durchsichtigen  Kornchen, 
j 'welche  sich  so  wie  Anclalusitmasse  verhalten ;  dann  Biotitschuppen ,  beide  von 
l^ziemlich  gleicher  Grosse  bis  zur  Breite  von  -Jmm-  und  eingestreutem  Staub  eines 
i  opaken  Korpers,  in  welchem  wenigstens  theilweise  Magnetit  vermuthet  werden 
|  kann.  Es  ist  móglich,  dass  auch  Muscovit  oder  Amphibol  in  zarten  Stábchen  in 
j  der  Grundmasse,  jedoch  nur  in  ganz  geringer  Menge  vorkommen,  weil  ein  im 
i' Andalusií  aufgefundener  Querschnitt  die  Vermuthung  auf  eines  dieser  beiden 

Mineralien  lenkte. 

In  der  Náhe  der  Andalusite  ist  die  Biotitmasse  etwas  reichlicher  in  der 
<  Schiefermasse  angeháuft,  auch  nicht  parallel  der  Schieferung  gelagert,  sondern 
scheinbar  den  Andalusit  parallel  zu  seinen  Begránzungsfláchen  umhullend,  als 
rwenn  durch  die  sich  ausdehnenden  Andalusitkrystalle  die  Schiefermasse  an  die- 
[iselben  angepresst  worden  wáre.  Die  in  der  Schiefermasse  so  háufigen  braunen 
[Biotitpláttchen  fehlen  in  dem  Achsenkreuz  der  Andalusitkrystalle  beinahe  ganz, 
denn  nur  hóchst  spárlich  findet  sich  ein  ganz  kieines  Biotitpláttchen  in  denselben. 

Eine  Analyse  und  zwar  eine  mechanische  wiirde  nun  den  sicheren  Auf- 
'schluss  geben,  ob  die  opaken  schwarzen  Kornchen,  Magnetit  oder  Anthracit  oder 
beides,  námlich  im  Gemenge  sind;  ebenso  kónnte  cladurch  die  muthmassliche 
Andalusit-Natur  des  durchsichtigen  u.  d.  M.  kornigen,  sonst  aber  dichten  Schiefer- 
gemengtheiles  nachgewiesen  werden,  welches  letztere  aber  auch  eine  chemische 
Analyse  hinreichend  klar  zu  legen  im  Stande  wáre. 

Es  finden  sich  aber  in  der  schwarzen  Schiefermasse  noch  bemerkenswerthe 
Eigenthumlichkeiten,  clie  erwáhnt  werden  míissen.  Eine  Eigenthumlichkeit  ist  die, 
dass  sich  deutlich  kornige  Aggregate  von  Andalusit  mit  noch  eingeschlossenen 
Biotitschuppen  und  Schwarzem  Staub,  jedoch  ohne  sonderlich  scharfe  Scheidung 
von  der  Grundmasse  vorfinden,  welche  Tendenz  zeigen,  quadratische  Figuren  (wenn 
der  Querschnitt  senkrecht  zur  Achse  geht)  nachzuahmen  und  die  sich  auch  so 
^usnehmen,  als  wáren  sie  die  Grundmasse  selbst,  in  welcher  jedoch  die  fárbigen 
Gemengtheile  (Biotit,  opaker  Staub)  von  clen  grosseren  durchsichtigen  (Andalusit) 
Gemengtheilen  zuríickgedrángt  worden  wáren.  Es  scheinen  das  in  Bildung  begriífene 
Andalusitkrystalle  zu  sein. 

Dann  finden  sich  kleine,  hóchstens  getreidekorngrosse  ellypsoidale  Quer- 
schnitte,  welche  im  Dunnschliffe  bedeutend  mehr  durchscheinend  sind  als  die 
Schiefermasse  selbst.  Dieselben  bestehen  aus  einer  Hiille  von  etwas  mehr  ange- 
háuften  Biotitschiippchen,  werden  also  von  einem  dunkleren  Hof  umsáumt,  innerhalb 
welchem  ein  ellypsoidaler  enger  Kranz  von  Andalusitkornern  mit  wenig  Biotit  und 
wenig  Schwarzem  Staub  folgt,  welcher  dann  den  grossen  ellypsoidalen  inneren 
Kern,  der  die  Zusammensetzung  des  Andalusitachsenkreuzes  hat  (demnach  aus 
kleinkornigen,  licht  graulich  erscheinenden  Aggregaten,  mit  zartem  Schwarzem 
Staub  und  hóchst  spárlich  winzigen  Biotitschuppchen)  einschliesst.  Die  etwas 
biotitreichere  Hiille,  der  durchsichtigere  enge  Kranz  sowie  die  graue  Kernmasse 

7* 


100 


sind  jedoch  nicht  scharf,  sowohl  von  der  Schiefergrunclmasse  als  auch  unter  sich, 
getrennt. 

Wenn  eine  Deutung  liier  zulássig  ist,  welche  nur  mit  einigem  Grade  von 
Wahrscheinlichkeit  durchfíihrbar  ist,  so  wáre  der  graue  Kern  die  Analogie  des 
noch  nicht  fertigen  Achsenkreuzes,  die  durchsichtigere  Hiille  aber  móchte  dem  noch 
nicht  vóllige  Individualisirung,  das  ist  Spaltbarkeit  und  Krystallformbegránzung 
besitzenden  Andalusit  selbst  angehóren. 

Fruchtschiefer. 

Etwas  weiter  von  der  Granitgránze  im  Bogen  zwischen  Ranná  und  Vojtěchov, 
Horní  Holetín,  N  Hlinsko,  Vítanov,  O  Horní  Babákov,  Dolní  Holetín,  also  zwischen 
zu  Phyllit  umgewandelten  Grauwackenschiefern  und  den  oben  angefuhrten  Staurolith- 
und  Andalusitphylliten,  welche  náher  der  Granit-  und  Gneusgránze  liegen,  folgen 
diese  metamorphischen  Schiefer.  Die  typischesten  Phyllite  (Fruchtschiefer)  sind  in 
der  Schiefermasse  ganz  áhnlich  dicht,  dunkelgrau,  gebogen  parallel  welligrunzlig, 
wie  die  Andalusitschiefer  von  Hlinsko,  jedoch  erscheinen  in  denselben  quer  gegen 
die  Runzelung  gestellt  dunkelgraue  dichte  getreidekorngrosse  Einschliisse  ein- 
gewachsen,  an  denen  sich  die  Runzelung  etwas  bogig  einengt.  In  Querbriichen 
sieht  man,  wie  die  durch  scharfe  Knickung  hervorgebrachte,  im  Schieferbruche 
wellig  parallele  ruuzelige  Fáltelung  sich  an  die  Kórner  anschmiegt. 

Die  dichten  Kórner  sind  keineswegs  homogen,  da  sie  bei  starker  Vergrósse- 
rung  glitzernde  Flachen  von  Glimmern  zeigen.  V.  d.  L.  sintert  oder  frittet  die  Masse 
nur  etwas,  indem  sie  sich  lichtgrau  gestaltet.  Nur  die  anhaftenden  hóchst  zarten 
Biotitschuppchen  schmelzen.  Das  Minerál  ritzt  Calcit,  gegliiht  aber  erhoht  sich  seine 
Hárte.  Abgeschalter  Staub  der  Kórner,  welche  an  clen  allerdtinnsten  Kanten  schwach 
durchscheinend  sind,  zeigt  sich  zusammengesetzt  aus  durchsichtigen  Theilchen  von 
undeutbarer  Nátur  und  aus  Biotitschuppchen  von  brauner  Farbe.  Sehr  zarter 
schwarzer  Staub  durchdringt  das  Gemenge.  Dadurch,  dass  nach  dem  Gliihen  das 
Minerál  lichter  geworden  ist,  scheint  mit  dem  schwarzen  Staube  eine  Veránderung 
vor  sich  gegangen  zu  sein;  indessen  finden  sich  aber  auch  noch  in  den  geglůhten 
Splittern  schwarze  Kórnchen,  die  durch  Gliihen  desshalb  nicht  gelitten  haben,  weil 
sie  entweder  aus  Magnetit  bestehen  oder  weil  sie  gut  und  vor  Veránderung  geschútzt 
nmhullt  waren. 

Es  ist  jedenfalls  hier  der  Ort,  darauf  hinzuweisen,  dass  auch  in  dem  An- 
dalusitschiefer áhnliche  Kórnchen  sich  finden,  wie  sie  zuletzt  (bei  dem  Andalusit- 
schiefer) beschrieben  wurden,  es  muss  aber  jede  náhere  Erklárung,  als  wáren  die 
Kórner  etwa  noch  nicht  ausgebildete  oder  in  der  Bildung  gehemmte  Andalusit-  oder 
Staurolithindividuen  noch  dahingestellt  werden.  ,6) 

Lydit. 

An  den  Gránzen  zwischen  den  zu  Phyllit  umgewandelten  untersteu  Silur- 
grauwackenschiefern  mit  dem  Granit,  wie  zwischen  Krouna  und  Dědová  oder  nahé 
den  Gránzen  am  Medkovy  kopec  (Čertovina)  und  bei  Mrakotín  (alles  O  oder  NO 
von  Hlinsko)  finden  sich  zu  Lyclit  verkieselte  Phyllitschichten  in  Ziigen,  das  ist 
in  Wechsellagerung  mit  Schwarzem  Phyllit.    Auch  einzelne  Lyditschichteu  finden 


101 


[  sich  zerstreut  vor.    Aus  einer  schicht-  oder  lagerartigen  Phyllitverkieselung  in 

[  Lydit,  ohne  scharfe  Gránzeu,  in  dem  schon  oben  angefuhrten  Strassenbuge,  W 

j  Kladné,  wurde  eine  Probe  entnommen. 

Gewisse  selir  deutlich  eben  schiefrige  Lydite  von  schwarzgrauer  Farbe 
zeigen  an  den  Schieferungsfláchen  noch  den  etwas  seiclenartigen  Glanz  des  Phyl- 

'!  lites,  obwohl  sie  aus  dichtem  Quarz  bestehen.  Andere  zeigen  aucli  Quarzkluftchen 

,  von  weisser  Farbe,  welche  dieselben  durchsetzen,  wáhrend  der  Quarz  im  eigent- 
lichen  Phyllit  in  derartigen,  sogenannten  gleichzeitigen  Bildungen  (Schniírchen, 
Nesterchen)  niclit  nachweisbar  ist. 

Vor  dem  Lóthrohr  stark  gegltiht  werden  diinne  Splitter  lichtgrau,  bis  bei- 
nahe  weiss  und  an  den  Kanten  durchscheinend. 

i  Dunnschliffe,  welche  sich  bei  der  Hárte  des  Gesteines  in  ausserordentlicher 

Diinne  herstellen  lassen,  losen  sich  u.  d.  M.  ganz  deutlich  in  die  Geniengtheile  auf. 
Schwache  Vergrósserungen  zeigen  den  ganz  durchsichtigen  Quarz  von  weisser  Farbe, 
in  welchem  ausserordentlich  viel  schwarze  Staubkornchen  in  kaum  záhlbarer  Menge 
eingestreut  sind.  Stellenweise,  und  zwar  in  unvollkommen  parallelen  Strichen  finden 

I  sich  Parthieen  vor,  welche  weniger  Staubtbeilchen  enthalten,  demnach  lichter  er- 
scheinen;  theilweise  ist  der  Staub  wieder  so  gedrángt,  dass  sich  die  schwarzen 
Punktchen  beinahe  zu  beriihren  scheinen.  Starke  Vergrósserungen  aber  zeigen 
zwischen  den  Staubkornchen  doch  noch  Quarzmasse.  Die  Staubkornchen  konnen 
nur  Anthracit  sein;  ihre  Form  ist  eine  rundlich  unregelmássige  und  bei  starken 
Vergrósserungen  nicht  scharf  begránzte,  so  dass  der  Kern  der  grosseren  An- 
thracitkórnchen  von  ^ — ylomm  im  Durchmesser  schwarz  opak,  der  Rand  aber 
grauschwarz  gefárbt  erscheint. 

Winzige  Quarzkluftchen  von  ganz  reinem  Quarz  durchsetzen  die  Lydit- 
masse  in  verschiedenen  Richtungen,  es  herrscht  aber  ein  Richtungssystem  solcher 
Schnurchen  vor,  welche  scharf  begránzt  sind.  Nur  zuweilen  ist  ein  abgerissenes 
Bróckelchen  von  Lydit  in  solchen  Klůftchen  eingeschlossen ;  dann  und  wann  erscheint 
eine  vereinzelnte  Haeniatitschuppe  nahé  am  Rande  der  Quarzkluftchen;  es  ist 
das  vor  der  Ausfullung  der  Klůftchen  durch  Quarz  an  den  Wánden  abgesetzter 
Haematit.  Manche  Gránzfláchen  zwischen  Quarzkluftchen  und  Lydit  tragen  einen 
schwarzen  opaken  dunnen  Ůberzug,  námlich  die  vor  der  Bildung  der  Quarzkluftchen 
ausgeschiedenen  Anthracitanfliige.  Die  dúnnsten  Quarzkluftchen  besitzen  die  Breite 
von  2^omm?  die  breiteren  im  Praeparate  bis  Jmm,  obwohl  in  Handstucken  die  Quarz- 
kliifte  oft  mehrere  Millimeter  breit  sind. 

Ausser  Quarz  und  Anthracitstaub  enthált  die  Lyditmasse  ausserordentlich 
selten  auch  tief  braune  Korner,  deren  Deutung  eine  unsichere  ist;  dieselben  werden 
fiir  Staurolith  gehalten  wegen  der  Áhnlichkeit  des  Vorkommens  dieses  Minerales 
in  den  Phylliten,  in  denen  der  Lydit  auch  eingelagert  ist.  Doch  sind  diese  Stauro- 
lith-áhnlichen  Korner  gánzlich  einschlussfrei.  Die  Verdrángung  der  Phyllitmasse 
durch  Lydit  wáre  demnach  eine  vollstándige.  Auch  scheint  das  Vorkommen  des 
Lydites  den  Umstand,  dass  die  metamorphosirten  Grauwackenschiefer,  jetzt  also 
Phyllite  keinen  Quarz  und  auch  keine  Quarznester  von  Bedeutung  einschliessen,  zu 
erkláren,  weil  sich  eben  aller  Quarz  als  Lydit  gesondert  abgeschieden  haben  diirfte. 


102 


Sehr  becleutencle  Vergrosserungen  zeigen  im  Quarze  eine  ausserordentliche 
Menge  von  Flussigkeitseinschliissen.  Im  polarisirten  Lichte  erweisen  sicli  die  mit 
Staub  reich  angefiillten  Stellen  aus  ganz  kleinen  Quarzkornchen  zusammeugesetzt ; 
die  an  Staub  weniger  reiclien  dichten  Quarzparthieen  bestehen  aus  bis  Jfmm  grossen 
Quarzkornchen,  die  das  Aggregat  bilden.  Ebenso  verhalt  es  sich  mit  den  Quarz- 
klíiftchen,  die  breiteren  bestehen  aus  grosseren  Quarzkornchen  (bis  112mm  Breite), 
die  feineren  aus  ganz  zarten  Quarzindividuen. 

Ebenso  zeigt  die  Beleuchtung  mit  polarisirtem  Lichte,  dass  nicht  alle  Quarz- 
kluftchen  von  gleichem  Alter  sind,  da  etliche  davon  andere  durchsetzen;  es  ist 
der  Lydit  demnach  nicht  gleichzeitig  rissig  geworden. 

Ottrelitphyllit. 

Dieses  Gestein  findet  sich  im  Liegenden  und  Hangenden  des  Quarzitzuges, 
der  wahrscheinlich  zur  Untersilurzone  Dd2  gehort  und  durch  den  >SO-Abfall  der 
Bučina  von  NW  nach  SO  streicht.  Diese  Schiefer  lassen  sich  durch  die  Bučina 
und  nach  einer  Unterbrechung  an  der  Strasse  von  Vápenný  Podol  gegen  Hrbokov 
bis  Ktein  verfolgen.  Die  sudliche  Begránzung  derselben  geht  iiber  Skoranov  und 
Kraskov  (NW  Seč).  Die  liegenden  Ottrelitphyllite,  also  die  NO  vom  Quarzitzuge 
gelegenen  diirften  der  Zone  Ddx ;  die  SW  vom  Quarzitzuge  bis  zur  Granitgránze 
streichenden  aber  der  Zone  Dd3  angehóren.  Da  beide  Zonen  Ddr  unci  Dd3  ur- 
spriinglich  aus  petrographisch  nicht  unterscheidbaren  glimmerigen  schwarzen  Thon- 
schiefern  (Grauwackenschiefern)  bestanden,  so  ist  die  Metamorphose  derselben  in 
ein  gleiches  Ottrelitphyllitgestein  erklárlich.  Die  Ottrelitschiefer  sind  Contact- 
metamorphosen  der  schwarzen  Thonschiefer  mit  Granit;  die  Metamorphose  reicht 
bis  1  km  weit,  in  horizontaler  Kichtung  gemessen,  von  der  Granitgránze  in  die 
Thonschieferschichten  hinein ;  der  dazwischen  eingelagerte  feinkornige  Quarzit  aber 
ist  unverándert  erhalten,  wenn  von  dessen  Zerklíiftung  abgesehen  wird. 

Der  Ottrelitphyllit  ubergeht  in  der  Entfernung  von  mehr  als  1  km  von 
der  Granitgránze  allmáhlig  in  den  schwarzgrauen  Thonschiefer.  Besonders  auífállig 
ist  die  Metamorphose  dort,  wo  neben  Granit  noch  andere  Eruptivgesteine  den 
Contact  bilden,  so  etwa  NO  von  Kraskov,  wo  der  Corsitstock  (von  Kraskov)  mit 
den  geschichteten  Gesteinen  in  Contact  tritt;  hier  ist  nun  die  Metamorphose  eine 
ganz  vollstándige. 

Eine  weniger  ausgedehnte  Ottrelitphyllitparthie,  oder  wenigstens  eines 
metamorphischen,  diesem  Phyllit  áhnlichen  Gesteines  findet  sich  in  der  grossen 
Schieferscholle  bei  Kreutzberg  (Krucenburk),  námlich  S  vom  O  Theile  des  Dorfes 
Chlum  (N  Kreuzberg),  wo  alte,  wahrscheinlich  cambrische  Gesteine  von  urspriing- 
licher  Thonschieferausbilclung  eine  áhnliche  Metamorphore  erlitten  haben. 

Der  Ottrelitphyllit  zeigt  noch  ziemlich  deutliche  Schieferung,  die  durch 
eine  schinutzig  lichtgraue  unvollkommen  schiefrige  phyllitische  Grundmasse  beclingt 
wird,  in  welcher  auch  noch  ebenfalls  vorherrschend  annáhernd  parallcl  gelagert 
dunkelgrune  bis  1V4— lmm  breite  diinne  Pláttchen  von  Chloritoid  (Ottrelit)  ein- 
gewachsen  sind.  Meist  entfallen  auf  lQcm  der  Gesteinsschieferfláche  40—50  solcher 
Chloritoidschuppen,  obwohl  in  gewissen  Varietáten  die  Zalil  um  ein  mehrfaches 
steigt.    Die  schuppig  schiefrige  Grundmasse  lásst  sich  etwas  schaben  und  zeigt 


103 


í  schwachen  matteu  Perlmuterglanz ;  die  oP  Flácheii  des  Chloritoides  (Ottrelites) 
*  glánzen  stárker. 

Diese  Chloritoidpláttcben  (Ottrelit)  stecken  iu  einer  sehr  feinkornigen 
|  Grundmasse,  welche  unter  der  Loupe  stellenweise  ausgezeichnete  Spaltungsfláchen 
!  zeigt  und  den  Eindruck  eines  sehr  feinkornigen  Muscovites  hervorbringt ,  was 
i  insofern  einen  Untersckiecl  von  dem  Ottrelitschiefer  von  Belgien  bedingt,  als  in 
^diesem  letzteren  Gesteine  die  Grundmasse  von  licht  grauer  Farbe,  vóllig  dicbt  ist.  17) 

Gewisse  Ottrelitschiefer  zeigen  noch  bis  fingerdicke  und  lineai  gestreckte, 
auch  bogige  schlierenáhnliche  der  Schieferung  etwas  parallel  gelagerte  Einschliisse 
i  von  dem  urspriinglichen,  nur  schwach  geblei chtěn  Thonschiefer,  aus  welchem  die 
iMetamorphose  hervorgegangen  ist.  Es  setzt  der  Ottrelitschiefer  von  lichterer  Farbe 
fim  Vergleich  zur  Farbe  der  eingeschlossenen  noch  nicht  metamorphosirten  Thon- 
schieferschlieren,  von  denselben  ganz  scharf  ab,  ein  Fingerzeig,  dass  die  Unwandlung 
1  nicht  gleichmássig  in  der  ganzen  Schiefermasse  vor  sich  ging,  sondern  von  Aussen 
nach  Innen  nach  Art  einer  Verdrángungspseudomorphose  stattfand,  indem  durch 
Vorriicken  der  krystallinischen  Ottrelitschiefermasse,  die  sich  aus  den  Elementen 
I  des  Thonschiefers  mitgebildet  haben  mochte,  der  Thonschiefer  aufgezehrt  wurde. 
i  Die  Schlieren  von  Thonschiefermasse  wáren  also  nur  noch  ůbrig  gebliebene  Kerne 
(Reste)  der  sedimentáren  Schiefer.  Wenn  den  Thonschieferrest  zufállig  ein  Kliift- 
chen  durchsetzt,  so  besteht  dasselbe  aus  Ottrelitschiefergrundmasse  (sehr  fein- 
kornigem  Muscovit)  mit  Ottrelitschuppen.    In  dieser  Art  modificirt  ist  demnach 
der  oben  angefúhrte  allmáhlige  Ůbergang  von  Thonschiefer  in  Ottrelitschiefer  zu 
verstehen  und  nicht  etwa  so  zu  deuten,  als  wenn  die  Thonschiefermasse  selbst 
immer  mehr  und  mehr  metamorphosirt  ware,  bis  sie  im  hochsten  Grade  der  Meta- 
morphose  zu  echtem  Ottrelitschiefer  umgewandelt  ware. 

Von  der  durch  Verwitterung  angegriífenen  Oberfláche  aus  fárben  sich  die 
Ottrelitschiefer  blass  rostbraun.  Diinne  Splitter  der  Grundmasse  bleiben  vor  dem 
Lothrohr  beinahe  unverándert,  ausser  dass  sie  etwas  blasser  werden  und  dadurch 
ihre  Muscovitnatur  noch  besser  hervortreten  lassen,  welche  Eigenschaften  das  bel- 
gische  Gestein  ebenfalls  zeigt. 

Unter  dem  Mikroskope  besteht  die  schuppig  feinkornige  Grundmasse  aus 
nicht  vóllig  parallel,  sondern  sich  stellenweise  regellos  kornig  anreihenden  durch- 
sichtigen  Aggregaten,  welche  an  Muscovit  erinnern.  Einzelne,  besser  umrandete 
Individuen  des  muscovitáhnlichen  Minerales  besitzen  die  Breite  von  xVmm.  Ganz 
vereinzelnt  jedoch  findeu  sich  auch  blass  bráunliche  Schuppen,  welche  vermuthungs- 
weise  dem  Biotit  nahé  gestellt  werden  kónnten. 

Die  unregelmássig  polygonalen  Chloritoidpláttchen  zeigen  blass  graulich- 
griine  Farben  und  deutlichen  Dichroismus.  Nur  die  Schnitte  senkrecht  oder  quer 
zur  Fláche  oP  zeigen  sich  durch  die  oPíláchen  eben  und  parallel  begránzt; 
solche  Štábe  erscheinen  dann  Jfmm  dick,  was  also  der  Dicke  der  Chloritoidschuppen 
entsprechen  wiirde. 

Im  polarisirten  Lichte  fárben  sich  die  vermuthlichen  Muscovitschuppen 
ziemlich  satt,  etwas  intensi ver  aber  noch  gewisse  Chloritoidquerschnitte.  Die 
senkrecht  oder  beinahe  senkrecht  zu  oP  geschnittenen  Ottrelitblátter,  die  als  dicke 


104 


Štábe  erscheinen,  zeigen  deutliche  Zwillingsbildung  der  Zwillingsebene  oP  ent- 
sprechend,  wornach  also  die  eine  Stabhálfte  eine  andere  Farbe  zeigt  als  die  andere. 

Sowohl  die  Glimmergrundmasse  als  auch  die  Chloritoide  enthalten  in  sich 
ganz  spárlich  Schwarze  Magnetitstaubkornchen.  Sonstige  Einschlússe  sind  aber 
nicht  zu  erkennen. 

Nur  zufállig,  weil  námlich  die  Probe  doch  nicht  aus  dem  vollig  frischen 
Schiefer  geschliffen  wurde,  finden  sich  feine  Kluftchen  nach  infiltrirtem  Limonit; 
manchesmal  auch  noch  daneben  ein  schwarzes  Iníiltrat  einen  Erze  angehórig 
dessen  Deutung  unentschieden  erscheint. 

Der  Ottrelit  zeigt  keine  Zerklůftung,  und  erscheint  auch  ziemlich  homogen 
und  bis  auf  die  spárlichen  Magnetitstaubkornchen  frei  von  Einschlussen. 


Krystallinisch  massige  Gesteine. 
Rother  Granit. 

Der  Granit  mit  fleischrothem  Orthoklas,  welcher  mit  dem  grauen  Granit 
im  Eisengebirge  so  háufig  zum  Vorschein  kommt,  zeigt  sich  an  den  Gránze  mit 
den  Silurgesteinen  immer  etwas  abweichend  zusammengesetzt,  als  dies  entfernter 
von  der  Gránze  der  Fall  ist. 

Der  Granit  von  Pračov  (S  Chrudim),  welcher  durch  die  Ohebkaschlucht 
durchschnitten  wird,  bildet  das  Hangende  uber  den  umgewandelten  Schieferschollen 
und  den  schiefrigen  Felsiten;  seine  Bánke,  in  welche  er  abgesonclert  ist,  fallen 
nach  S  ein.  Ganz  nahé  der  Gránze  erscheint  der  Granit  etwas  aplitisch,  indem 
der  dritte  námlich  glimmerige  Gemengtheil  desselben  sehr  zurůcktritt. 

Eine  Probe  dieses  aplitischen  rothen  Granites  von  kleinem  Korné,  in  dem 
im  Mittel  die  Gemengtheile  die  Grosse  von  lmm-  erreichen  besteht  aus  durch- 
sichtigem  Quarz  und  fleischrothem  Orthoklas,  welche  beiden  Gemengtheile  sich 
das  Gleichgewicht  halten,  und  nur  accesorisch  zerstreuten  ganz  kleinen  Schuppen 
von  Biotit,  sowie  noch  kleineren  Kornchen  von  Turmalín. 

Unter  dem  Mikroskope  ist  der  Quarz  von  Kornerform  ganz  durchsichtig, 
wasserhell,  lebhaft  chromatisch  im  polarisirten  Lichte;  der  fleischrothe  Orthoklas, 
dessen  Gestalten  prismatisch  verlángert  sind,  zeigt  sich  nicht  durchsichtig,  was 
einen  grellen  Unterschied  neben  demQuarze  hervorbringt.  Ausser  den  grosseren 
bis  iiber  lmm-  breiten  Kórnern  des  Quarzes  im  Granitgemenge  erscheinen  im  Ortho- 
klas auch  kleinere  Quarzkorner  von  etwa  Jmm-  Breite  eingewachsen.  Einzelne 
s chrnu tziggriine  Biotitquerschnitte  und  lángliche  opake  Turmalinaggregate  sowie 
Magnetitkórnchen  von  schwarzer  Farbe  sind  nur  ganz  vereinzelnt  eingewachsen. 

Eine  zweite  Probe  zeigt  etwas  reichlichere  kleinere  Biotitaggregate,  welche 
manchen  Turmalinkornchen  nicht  unáhnlich  sehen,  in  dem  fleischrothen  Orthoklas- 
Quarzgemenge.  Unter  dem  Mikroskope  erscheinen  neben  nur  durchscheinendem 
Orthoklas  zahlreiche  Quarzkorner  unter  lmm-  Breite  und  unformliche  ebenfalls  kleine 
(unter  lmm-  Grosse)  Aggregate  von  dunkel  bouteillengrunem  Biotit ;  dann  und  wann 


105 


auch  kurze  Schwarze  Kórner  von  Magnetit.  Gewisse  Feldspáthe  sind  weiss  getriibt 
und  zeigen  Aggregatpolarisation ;  ob  dieselben  clem  Oligoklas  angehoren,  kanu 
nicht  entschieden  werden. 

Der  rothe  Granit  von  Kudov  (O  Ronov)  bildet  im  grauen  Granit  einen 
kleinen  Stock  mit  nicht  bestimmten  Gránzen,  weil  dieselben  durch  Wald  bedeckt 
sind.  Von  der  Rudover  Miihle  WS  finden  sich  im  Walde  Blocke  dieses  eigen- 
thumlichen  rothen  Gránzgranites. 

Dieser  Granit  macht  den  Eindruck  eines  biotitreichen  Felsitporphyres  oder 
mindestens  kleinkornigen  Granitporphyres ;  denn  in  einer  graulichfleischrothen, 
beinahe  wie  dicht  aussehenden,  sehr  feinkornigen  Grundmasse  sind  zahlreiche  bis 
lmm-  lange  griinlichschwarze  Biotitschuppen  regellos  eingewachsen,  neben  welchen 
auch  weisse  kleine  Orthoklas-  und  Oligoklaskrystalle,  die  jedoch  erst  unter  der 
Loupe  deutlich  hervortreten,  dann  ganz  selten  Quarzkorner  zum  Vorschein  kommen. 
Gewisse  Biotitschuppen  wachsen  bis  zu  lcm  breiten  Lamellen  an;  auch  kleine 
Amphibolaggregate  sowie  winzige  Pyritkórnchen,  an  einigen  ist  die  Form  O,  oo  O  oo 
sichtbar,  erscheinen  in  dem  Gemenge  eingewachsen. 

In  Dunnschliffen  erscheint  die  Granitmasse  als  eine  weisse,  durchsichtige 
nur  blass  kleinfleckige,  mit  Biotitquerschnitten  darin.  Das  polarisirte  Licht  aber 
lost  alles  ganz  gut  auf.  Die  fruher  als  scheinbar  dichte  Grundmasse  angefiihrten 
Gemengtheile  stellen  eine  kleinkornige  vorherrschend  aus  Orthoklas  bestehende 
Masse  vor,  in  welcher  kleine  Quarzkornchen  nur  nach  den  lebhaften  Farben,  welche 
sie  im  polarisirten  Lichte  annehmen,  erkennbar,  in  geringerer  Menge  eingewachsen 
erscheinen.  Die  Grosse  der  kleinen  Kórner  von  Orthoklas  und  Quarz  in  dem 
Aggregate  wechselt  von  ^ — |mm  Die  háufigen  schmutzig  gelblichgrímen  oder 
braunen  Biotite  sind  T£-0 — ,Lmm  dick  und  meist  nur  -\ — imm  breit. 

Kleine,  bis  hóchstens  lmm  lange  Feldspathquerschnitte  erscheinen  nicht 
zahlreich  porphyrartig  ausgeschieden ;  dieselben  gehóren  theils  dem  Orthoklas, 
theils  dem  Oligoklas  an,  letztere  zeigen  manchesmal  auch  unter  beinahe  rechten 
Winkeln  sich  kreuzende  Zwillingslamellen.  Grossere  Quarzkornchen  fielen  in  den 
Dimnschliff  nicht.  Einzelne  grasgriin  gefárbte  lappig  zertheilte  Prismen  von  fas- 
riger  Zusammensetzung  diirften  Amphibol  sein.  Die  wenigen  Pyritkórnchen  erreichen 
selbst  die  Grosse  von  {-mm. 

Dieser  rothe  Granit  konnte  demnach  ebenso  gut  auch  Granitporphyr  ge- 
nannt  werden,  da  er  ein  Mittelding  zwischen  kleinkornigem  Granit  und  Granit- 
porphyr vorstellt.  Wegen  seiner  genetischen  Beziehungen  zum  rothen  Granit  sei 
derselbe  hier  dem  kleinkornigen  Granite  zugezáhlt. 

Grauer  Granit. 

Graue  Granite  des  Eisengebirges  besitzen  einen  weiss  gefárbten  Orthoklas 
und  Biotit  im  Gemenge;  wegen  der  dadurch  bedingten  Farbe  sind  sie  als  graue 
ausgeschieden.  Von  diesem  gemeinen  Gesteine  wurden  nur  zwei  Proben  naber 
untersucht. 


106 


Der  graue  Granit  1/2  km  W  von  Hutě  (W  Bansko),  welcher  cla  von 
Dioritgángen  auch  spárlich  von  schwachen  Corsitgángen  clurchsetzt  wird,  erinnert 
an  den  Gneusgranit  (von  Seč);  er  scheint  aber  doch  dem  regellos  kornigen  Gra- 
nite náher  zu  stehen.  Die  Textur  ist  eine  zwischen  klein-  und  mittelkórnige ; 
Quarz  und  Orthoklas  von  gleich  rein  weisser  Farbe  und  bedeutender  Durchsichtig- 
keit  lassen  sieh  im  Bruche  nicht  sogleich  von  einander  untersclieiden ;  der  Biotit 
ist  schwarz  nur  in  díinnsten  Pláttchen  tiefbraun  durchscheinend.  Accesorisch 
kommt  schwarzer  Amphibol,  vom  Biotit  schwierig  auseinander  zu  halten,  dann 
honiggelber  Titanit  bis  lmm-  lang,  in  den  gemeinen  Krystallformen,  wie  er  sich 
auch  in  Syeniten  vorfindet,  eingewachsen  vor.  Die  Quarze  oder  Orthoklase  sind 
bis  uber  2mm  breit,  die  Biotite  in  Aggregaten  klein  er. 

Unter  dem  Mikroskope  herrschen  die  durchsichtigen  Quarze  und  die  eben- 
falls  durchsichtigen  oder  nur  ganz  wenig  matten  Feldspáthe  vor;  sie  bilden  bis 
2—  21/2mm  lange  und  breite  Anháufungen,  wáhrend  der  Biotit  meist  lappig  zertheilte 
Aggregate,  die  aus  kurzen  Krystallquerschnitten  derselben  zusammengefiigt  erschei- 
nen,  bilclet.  Im  gewohnlichen  Lichte  sind  nur  die  ganz  schwach  matten  oder  durch 
Spaltungsfláchen  rissigen  Feldspáthe  vom  Quarze  zu  unterscheiden.  Im  polarisirten 
Lichte  aber  zeigen  die  wasserhellen  Orthoklase  eben  so  lebhafte  Farben  wie  der 
Quarz,  so  dass  beide  Mineralien  nur  nach  der  Form  auseinander  gehalten  werden 
kónnen.  Einzelne  bis  1 — lV2mm  bis  2mm  lange  Quarz-  oder  Orthoklasindividuen 
finden  sich  háuíig,  andere  im  gewohnlichen  Lichte  durchsichtige  Aggregatanháu- 
fungen  bis  zur  Lánge  von  3mm  bestehen  im  polarisirten  Lichte  gesehen  aber  aus 
Quarz  und  Orthoklaskórnchen  von  etwa  |mm  Breite.  Oligoklas  ist  wohl  nur  ver- 
einzelnt  in  kleineren  Korném  aber  doch  in  ziemlicher  Zahl  anzutreffen;  diese 
gestreiften  Plagioklase  zeigen  im  polarisirten  Lichte  ebenso  satte  Farben  wie  der 
Quarz,  ein  Hinweis  auf  ihre  Frische.  Die  zu  lappig  zertheilten  Aggregaten  grup- 
pirten  Biotite  zeigen  bouteillengrúne  Farben  und  den  starken  Dichroismus.  Eben 
solche  lappig  zertheilte  dunkelgrasgriine  Amphibole  finden  sich  in  spárlicherer 
Menge  eingewachsen. 

Die  bis  lmm  breiten,  scheinbar  quadratischen  Magnetitquerschnitte  lieben 
es  in  den  Biotit-  oder  Amphibolaggregaten  eingewachsen  vorzukommen. 

Titanit  erscheint  blass  braun  in  dem  Diinnschliffe ;  im  pol.  Lichte  zeigt 
er  keine  grellen  Farben.  Einzelne  Pyritkornchen,  bis  |mm  gross  sind  ganz  selten. 

In  derselben  grauen  Granitparthie,  welche  in  der  Náhe  des  Diorites  des 
Ransko-er  Waldes  als  Amphibolgranit  entwickelt  ist,  finden  sich  1  km  SW  von 
Nové  Bansko  mittel-  bis  kleinkornige  Biotit-  unci  Amphibolgranitabarten  vor,  welche 
durch  Dioritrummer  durchsetzt  werden.  Eine  ganz  frische  kleinkornige  Bio  ti  t- 
granitvarietát  von  dunkelgrauer  Farbe  und  nur  unter  der  Loupe  sichtbaren  winzigen 
Pyritkornchen  zeigte  im  Diinnschliffe  ein  scheinbar  vorherrschendes  Quarz-Feld- 
spathgemenge  und  Biotit,  sowie  Amphibol;  beide  letzteren  Mineralien  etwa  in 
gleicher  Menge. 

Der  Quarz  und  der  Feldspath  sind  durchsichtig  im  gewohnlichen  Lichte 
nicht  gut  von  einander  unterscheidbar.  Die  Biotitquerschnitte  finden  sich  zerstreut, 
die  Amphibole  aber  zu  Aggregaten  mit  lappig  zertheilten  Bándern  geháuft  vor, 
erstere  haben  gelbliclibouteillengriine  bis  braune,  letztere  dunkel  grasgriine  Farbe. 


107 


'  Meist  an  die  Amphibolaggregate  gebunden,  wenn  aucli  zeitweilig  in  den  durch- 
,  sichtigen  weissen  Gemengtheilen  auch  vorkommend,  finden  sich  einzelne,  bis  ^  mm 
breite  quadratische  Querschnitte  von  Magnetit  vor. 

Das  polarisirte  Licht  lost  die  durchsichtigen  Mineralaggregate  vollig  anf; 
bei  der  bedeutenden  Frische  derselben  zeigen  sowohl  Orthoklas  als  auch  Quarz 
satte  Farben ;  neben  diesen  beiden  Mineralien  kommt  aber  auch  in  ziemlich  bedeu- 
( tender  Menge  Plagioklas  vor.  Die  Menge  des  Plagioklas  scheint  mit  dem  Amphibol 
zuzunehmen,  so  dass  beide  Mineralien  einander  im  Gemenge  bedingen.  Die  gróssten 
Quarz-,  oder  Orthoklas-,  oder  Plagioklas-Individuen  erreichen  kaum  1l2mm,  die  son- 
stigen  Kórner  in  dem  Aggregate  sind  becleutend  kleiner.  Die  Biotitstábe  erlangen  bei 
einer  Dicke  von  ^mm  bis  lOfache  Lánge,  auch  noch  mehr. 

Wegen  des  Ůbergewichtes,  welches  der  sonst  nur  zu  den  accesorischen 
Gemengtheilen  hinzugerechnete  Ampliibol  hier  besitzt,  bildet  dieser  kleinkornige 
Granit  das  Bindeglied  zwischen  Biotit-  und  Amphibolgranit,  es  passen  also  beide 
Namen  fur  denselben,  oder  auch  der  Name  Biotitamphybolgranit  allein. 

Gneusgranit. 

In  beiden  Elbeufern,  bei  Elbe-Teinic  und  dem  gegenuberliegenden  Vinařic 
werden  sowohl  kleinkornige  Glimmerschiefer  als  auch  der  Gabbro  durch  echte  sowie 
auch  Lagergange  von  Granit  durchsetzt,  welcher  in  verháltnissmassig  nicht  bedeuten- 
der  Máchtigkeit  bis  20 — 30mm  wie  dies  im  linken  Ufer  in  den  entblossten  Eisenbahn- 
einschnitten  zu  sehen  ist,  hier  mehrmals  zu  Tage  tritt.  Die  Fig.  3  versinnlicht  das 
Vorkommen  der  Granitgánge.  Es  sind  jedoch  die  Biotitschuppen  des  Granites  ziemlich 
nahé  den  Gangbegránzungsfláchen  parallel,  so  dass  die  Textur  des  Granites  eine 
unvollkommen  schiefrige  wird,  wesshalb  der  Name  Gneusgranit  gerechtfertigt  er- 
scheint.  Wůrden  die  Lagerungsverháltnisse  des  Gneusgranites  nicht  so  deutliche 
sein,  so  wáre  das  Gestein  gewiss  als  Gneus  bezeichnet  worden,  allein  als  eruptives 
Gestein,  welches  bei  bedeutenderer  Máchtigkeit  die  Gneustextur  etwas  weniger 
deutlich  zeigt,  kann  es  nur  als  Granit  bezeichnet  werden,  ausser  man  wiirde  auch 
eruptive,  das  ist  gangformige  Gneuse  annehmen.  18) 

Im  linken  Elbeufer  zeigen  sich  derartige  Gneusgranitgánge  zwischen  Záboř 
und  Vinařic  knapp  Wvom  Wáchterhaus  Nr.  281,  dann  in  Vinařic  O  vom  Viaducte 
der  Eisenbahn,  dann  nahé  O  und  Wvom  Wáchterháuschen  280  zwischen  Vinařic 
und  Kojic.  Ebenso  verhált  es  sich  auch  unter  Elbe-Teinic,  im  rechten  Elbeufer, 
wo  jedoch  die  Zahl  der  Gneusgranitgánge  nicht  genau  festzustellen  ist.  Das 
Streichen  der  Gánge,  die  meist  Lagergánge  vorstellen,  ist  von  SO  nach  NW. 
Bemerkenswerth  ist  noch,  dass  mit  der  Zunahme  der  Máchtigkeit  der  Gánge  die 
Korngrósse  gleichfalls  zunimmt,  indem  die  Textur  zugleich  zu  einer  unvollkom- 
menen  pian  parallelen  wird. 

Der  Gneusgranit  3/4  km  O  von  Elbe-Teinic,  als  kurzer  Gangstock  den 
Amphibolschiefer  durchbrechend  und  niedrige  Kuppen  bildend,  ist  unter  allen  hier 
beobachteten  Gneusgraniten  das  kornigste  Gestein.  Die  Textur  ist  mittelkórnig, 
der  Orthoklas  uud  Quarz  weiss,  die  kleinschuppigen  schwarzen  Biotitaggregate 


>N  V5 


-2  a 


sind  unvollkommen  flasrig  vertheilt,  kurz  das  Ge- 
stem sieht  einem  uuvollkommen  schiefrigen  kurz- 
flasrigen  Gneus  ziemlich  áhnlich.  Die  Lánge  der 
weissen  Gemengtheile,  die  unvollkommen  parallel 
gelagert  sind,  betrágt  bis  6mm. 

Unter  clem  Mikroskop  zeigen  sich  in  weis- 
sen durchsichtigen  Aggregaten  schuppige  Anháu- 
fungen  von  braunem  bis  grunem  Biotit,  dazwischen 
selten  kleine  Korner  von  Ilmenit  mit  einer  diinnen 
Leukoxen-(Titanomorphit)rinde  umhullt.  Die  Biotit- 
w  schuppen  erlangen  Breiten  bis  £mm.  Das  durch- 
§  sichtige  Aggregat  besteht  aus  kleineren,  im  Mittel 
V3mm  breiten  Quarzaggregaten,  in  welchen  kleinere 
bis  iiber  lmm  lange  Orthoklaskrystalle  eingewachsen 
sind.  Aucli  ein  parallel  gestricheltes  Orthoklaskorn 
(wie  man  es  sonst  Mikroklin  nennt)  wurde  sicht- 
bar.  Nur  ganz  vereinzelnt  finden  sich  Plagioklas- 
krystalle;  einerdavon  zeigte  sich  als  Zwilling  nach 
dem  Karlsbader  Gesetz,  dessen  eine  Hálfte  im 
polarisirten  Lichte  einfárbig,  die  andere  gebándert 
erschien.  Auch  solche  Plagioklase,  die  nur  flecken- 
weise  Zwillingsbánder  zeigen,  finden  sich ;  dieselben 
lassen  aber  die  Deutung,  als  wáren  sie  von  Ortho- 
klas  umwachsen,  desshalb  nicht  zu,  weil  der  nicht 
zwillingsartig  gebanderte  Theil  nicht  scharf  von 
dem  gebánderten  getrennt  ist,  ausserdem  aber 
auch  dieselbe  Grundfarbe  zeigt  wie  die  geban- 
derte Parthie. 

Bei  stárkeren  Vergrósserungen  werden  auch 
Apatitnadeln  in  den  Feldspáthen  sichtbar.  Stellen- 
weise  zeigen  sich  graulich  grasgrune  Flecken  oder 
Umrandungen  des  Biotites,  welche  aus  spiessigen 
Nadeln  bestehen  und  auf  Amphibol  hinweisen. 

Der  Gneusgranit  zwischen  Zaboř  (Eisen- 
bahnstation  Elbe-Teinic)  und  Vinařic,  der  in  zwei 
Gángen  im  Glimmerschiefer  an  der  Gránze  mit 
dem  Gabbro  vorkommt  (siehe  Wáchterhaus  Nr.  281 
auf  Fig.  3  pag.  110),  wurde  in  zwei  Proben  unter- 
sucht.  Die  eine  Probe  (etwa  100  Schritte)  TFvom 
Wáchterhause  Nr.  281  an  der  Bahn,  war  zwischen 
mittel-  bis  klehikornig,  die  andere  kleinkornig  und 
aus  dem  etwa  20m  máchtigen  Gange  entnommen. 
Bis  auf  die  weniger  grobe  Textur  ist  dieser  Gneus- 
granit dem  friiher  beschriebenen  Gesteine  von 


109 


Elbe-Teinic  áhnlich.   Die  erste  Probe  wurde  normál  auf  die  plane  Paralleltextur, 

•  die  zweite  parallel  derselben  zu  Diinnschliffen  verwendet. 

Erstere  zeigten  aus  grósseren  Biotitpláttchen  zusammengesetzte,  in  einer 

;  Richtung  orientirte  Flasern  in  der  aus  Quarz-  und  Orthoklas-Krystallkornern  be- 
stelienden  weissen  Masse.  Accesorisch  werden  die  flasrigen  Biotit-Aggregate  von 
wechselnder  Breite  von  Amphibolnadeln,  meist  an  den  Rándern,  begleitet.  Die 

,  Amphibolnadeln  von  ^  mm  Breite  und  lOfacher  Lánge  sind  entweder  einzeln  oder 
in  Gruppen  geháuft  zu  finden.  Ganz  spárlich  sind  auch  Magnetitkornchen  ein- 
gewachsen ;  bedeutendere  Vergrosserungen  lassen  u.  d.  M.  Apatitnadeln  erkennen. 

Die  der  Scliiefertextur  parallel  geschnittene  Dunnschlifřprobe  in  dem  klein- 
kornigen  Gesteine  zeigt  vorherrschend  die  weissen  durchsichtigen  Aggregate  von 

i  Quarz  mit  den  ganz  wenig  getrúbten  Orthoklasen,  in  welchen  die  Biotite  unregel- 
mássige ,  lappig  zertheilte  Háufchen  und  auch  einzeln  zerstreute  Krystallquer- 
schnitte  darstellen.  Amphibol  ist  in  grasgrůner  Farbe  in  kleinen  Háufchen  ganz 
selten,  dessgleichen  auch  feiner  Magnetitstaub  nur  ganz  sporadisch  eingewachsen. 
Im  polarisirten  Lichte  erweisen  sich  die  ganz  durchsichtigen  Quarze  als  Aggregate 
von  bis  uber  1/2mm-  grossen  Kornern  von  lebhaften  Farben.  Die  Orthoklase  in  der 
Form  von  langen  rechteckigen  Querschnitten  auftretend,  zeigen  die  Eigenthúmlich- 
keit,  dass  ihr  Kern  matt,  schwach  fárbig,  die  áussere  Schale  von  ziemlicher  Dúnne 
aber  wasserhell,  lebhaft  fárbig  im  polarisirten  Lichte,  erscheint.  Diese  Erscheinung 
kann  als  Schalenbildung  gedeutet  werden.  Gewisse  gestreifte  Feldspáthe  konnten 
entweder  als  Plagioklas  gedeutet  werden,  wenn  sie  nicht  vielleicht  parallel  an- 
gelagerte  Orthoklase  der  eben  erwáhnten  Ausbildung  vorstellen. 

Genau  O  von  Vinařic  etwa  3/4 — 1  km  sind  in  einigen  Gruben  die  Fort- 
setzungen  der  Gneusgranitgánge,  welche  in  Vinařic  und  O  von  Vinařic  im  Elbe- 
ufergehánge  ausbeissen,  aufgedeckt.  Von  einem  Gange  von  3m  Máchtigkeit,  welcher 
unvollkommen  schiefrigen  Gabbro  (Uralitdiorit)  durchsetzt,  sowie  von  einem  arm- 
dicken,  ganz  geradlienig  streichenden  Gangtrumm  wurden  Proben  entnommen. 
Beide  Gesteine  sind  kleinkornig  schuppig;  wenn  die  Lagerungsverháltnisse  nicht 
so  deutlich  vorliegen  wurden,  konnte  an  unvollkommen  schiefrigen  Gneus  geclacht 
werden.  Das  vorherrschende  Quarz-Orthoklasgemenge  ist  blass  graulichgelb ;  die 
einzigen  Biotitschuppchen  bilden  ganz  kurze  Flasern. 

Ein  Dunnschliff  des  Gneusgranites  aus  dem  3m  máchtigen  Gange  zeigt 
ganz  áhnliche  Texturverháltnisse,  wie  die  ubrigen  oben  beschriebenen  Gneus- 
granite,  nur  dass  die  Textur  eine  zartere  ist.  In  der  weissen  Quarz-Orthoklas- 
Grundmasse  ist  schon  in  gewóhnlichem  Lichte  der  Quarz  durch  seine  Durchsichtig- 
keit  von  dem  getrúbten  Orthoklas  zu  unterscheiden.  Der  getriibte  Orthoklas 
verleiht  auch  der  Masse  die  gelbliche  Farbe.  Der  Biotit  bildet,  weil  der  Schnitt  zu 
keiner  Texturrichtung  parallel  láuft,  entweder  bis  lV3mm  lange,  V4mm  breite  fla- 
serige  Anháufungen,  oder  stark  lappig  zerschlitzte  und  lappig  getrennte  Háufchen, 
oder  einzeln  eingewachsene  Krystallschuppen.  Die  kleinsten  hexagonalen  Schuppen 
des  Biotites  messen  bei  der  Breite  von  ^mm  in  der  Dicke  oT)ómm-  Ebenso  breite 
Magnetitstaubkornchen  sind  ganz  selten.  Im  polarisirten  Lichte  bestehen  die  durch- 
sichtigen Quarze  aus  Aggregaten  bis  zu  |mm  im  Durchmesser ;  der  fleckig  getriibte 
Orthoklas,  von  etwas  grósserer  Breite  als  der  Quarz,  zeigt  nur  in  den  weniger 


110 


triiben  Theilen  noch  Farben.  Manche  Orthoklasprismen  besitzen  noch  einen  ganz 
engen  Saum,  also  eine  Schale  von  bedeutenderer  Durchsichtigkeit.  Bei  der  getriibten 
Beschaífenheit  der  Feldspáthe  ist  die  Anweseuheit  von  Plagioklas  nicht  zu  erfassen. 
Bei  lOOfacher  Vergrosserung  kamen  Apatitnadeln  u.  d.  M.  nicht  zum  Vorschein. 

Der  Gneusgranit  aus  dem  armdicken  geraden  Trumm  in  der  Náhe  des 
vorerwáhnten  Ganges  ist  deraselben  ganz  áhnlich,  nur  dass  stellenweise  der  Biotit 
etwas  zurucktritt.  Ein  Schnitt  in  unbestimmter  Richtung  zeigte  unter  dem  Mikro- 
skope eine  ganz  áhnliche  Beschaífenheit,  nur  dass  die  entfernter  stehenden  Biotit- 
Aggregate  etwas  kleiner,  die  Feldspáthe  bedeutend  frischer  und  nur  stellenweise 
weiss  getriibt  erschienen.  Die  Quarze  bis  zum  Durchmesser  von  lmm  herrschen 
vor;  der  in  geringerer  Menge  auftretende  Orthoklas  ist  nur  stellenweise,  manches- 
mal  im  Kerne  getriibt.  Spárlich  sind  auch  kurz  rechteckige  Oligoklase  mit  hochst 
zarter  Strichelung  im  polarisirten  Lichte  unci  danu  und  wann  mit  scharf  begránztem 
trubem  Kerne  sichtbar.  Apatit  bei  lOOfacher  Vergrósserung  noch  nicht  nachweisbar. 

Syenit. 

Die  neueren  Untersuchungen  des  Syenites  lehren,  dass  Gesteine  dieses 
Namens  nur  wenig  bestimmte  Gránzen  haben,  indem  sie  theilweise  zu  Amphibol- 
Granit,  theilweise  zu  Diorit  Verwandtschaften  zeigen.  Immer  aber  enthált  der  Syenit 
Oligoklas,  manchesmal  in  solchen  Mengen,  dass  eine  Umdeutung  des  Syenitbegriffes 
angezeigt  wáre.  Wenn  auch  die  mikroskopische  Untersuchung  die  geringere  Sta- 
bilitát  der  Gemengtheile  darthut,  so  ist  doch  nach  álterer  Anschauungsart  der 
Syenit  durch  sein  deutlich  kórniges  Gefiige,  den  schwarzen  Amphibol,  den  oft 
róthlichen  Orthoklas  und  den  charakteristischen  Titanit  wohl  erkennbar. 

Auf  der  Kartě  sind  nur  wenige  Syenitvorkommnisse  ausgeschieden ;  ein 
Theil  důrfte  unter  der  Farbe  des  Diorites  insbesondere  an  den  Gránzen  mit  Granit 
verdeckt  sein,  weii  sich  solche  Gránzbildungen  wegen  des  allmáhligen  Verlaufes  in 
Amphibolgranit  unci  Diorit  nicht  scharf  scheiden  lassen.  Insbesondere  gilt  dies 
Gesagte  von  der  Umgebung  von  Nassaberg. 

Eine  bedeutendere  Syenitparthie,  ohne  scharfe  Begránzung,  befindet  sich 
zwischen  Seč  und  Kraskov,  an  der  Gránze  zwischen  Diorit  und  rothem  Granit. 
Der  Syenit  von  mittelkorniger  Textur  enthált  2 — 3mm  und  stellenweise  noch 
grossere  Gemengtheile;  einen  weissen  (Plagioklas),  stellenweise  aber  wieder  vor- 
herrschend  róthlichen  Feldspath  (Orthoklas),  dies  besonders  am  Kopanina -fíiigel 
(NJS/W  Seč,  SOS  Žďárec),  unci  schwarzen  Amphibol.  Quarz  ist  nicht  bemerkbar. 
Stellenweise,  wo  grossere  Feldspathanháufungen  sich  vorfinden,  hat  der  Amphibol 
die  Tendenz  lange  Stengel  zu  bilden.  Kleine  (millimetergrosse)  Titanitkry stalle  von 
honiggelber  Farbe  sind  stellenweise  reichlich  anzutreífen.  Die  regellos  kornige 
Textur  zeigt  an  gewissen  Orten,  vornehmlich  an  der  Granitgránze,  eine  Tendenz 
zur  unvollkommen  schiefrigen. 

SO  von  Kraskov  1  km,  ist  im  rechten  Ufer  des  seichten  Zlatý  potok 
ein  Syenit  entblosst,  in  welchem  nicht  nur  Magnetitkorner  sondern  sogar  hochst 
grobkornige  Ausscheidungen  von  Quarz,  Epidot,  Granát  mit  Magnetitnestera  vor- 
koinmen.  Die  Zerklúflung  des  Syenites  trágt  dann  aucli  Epidot  an  sich,  nebstdem 
Pyritkornchen,  welche  auch  in  dem  kórnigen  Gemenge  vorkommen.  Der  Magnetit 


i 
\ 

1 

111 

Diinne  Schliffe  von  einer  unvollkommen  schiefrigen  Probe  (also  einem 
,  Granzgestein),  zeigen  frische  Ortlioklase  vorherrschend  "in  Krystallen  bis  zu  5mm 
Lánge  und  2mm  Breite,  sehr  lappig  zertheilte  Amphibole,  in  welchen  kleine  Kornchen 
ist  immer  vorhanden,  jedoch  nicht  gleich  erkennbar.  Es  kommen  hier  mittelkornige, 
.  und  dunkelgraue  kleinkornige  Varietáten  vor,  welche  schlierenartig  mitsammen  ver- 
bunden  sind,  Titanit  ist  háufig. 

Ein  Dunnsckliff,  jeclocli  nur  von  geringer  Grosse,  zeigt  Amphibol  in  etwas 
lappig  zertheilten  bis  2*/2 — 3mm  langen  und  ziemlich  breiten  Parthien,  je  nach  der 
Orientirung,  von  bráunlichbouteillengriiner  bis  grasgruner  Farbe  und  stárkem  Dich- 
roismus;  etwa  in  gleich  bedeutender  Menge  auch  Felclspáthe  in  kleineren,  aber 
deutlich  begránzten  rechteckigen  Formen.  Es  ist  schwierig  zu  entscheiden,  ob  auch 
Quarz  in  dem  Gemenge  vorhanden  ist,  einestheils  wegen  der  nicht  bedeutenden 
Grosse  des  Práparates,  dann  aber  wegen  der  vollstandigen  Durchsichtigkeit  der 
Feldspáthe,  welche  auch  im  polarisirten  Lichte  ebenso  lebhaft  sich  fárben,  wie  es 
sonst  fur  den  Quarz  charakteristisch  ist.  Im  gewóhnlicheu  Lichte  zeigen  gewisse 
Feldspathrechtecke  ganz  deutlich  die  Zwillingsstreifung,  um  so  mehr  tritt  die  zařte 
gedrángt  stehende  Bánderung  im  polarisirten  Lichte  zum  Vorschein,  wo  erst  recht 
deutlich  bemerkbar  ist,  dass  sich  Orthoklas  und  Plagioklas  in  ziemlich  gleichen 
MeDgen  im  Gemenge  vorfinden.  Grosse,  ebeníláchig  contourirte  Magnetitkorner 
enthált  der  Amphibol  háufig,  die  Breite  der  grósseren  Magnetite  misst  bis  llj2mm'. 
Blassrothlichbrauner  Titanit  zeigt  unregelmássige  Formen  und  wenn  auch  wenig 
bedeutenden,  so  doch  ganz  deutlichen  Dichroismus. 

Die  nicht  constatirbare  Gegenwart  von  Quarz,  welcher  in  Syeniten  selten 
fehlt,  ditrfte  sich  in  Proben  mit  nicht  mehr  ganz  frischen  Feldspáthen,  wo  der 
Quarz  in  Dunnschliffen  dann  ganz  deutlich  zum  Vorschein  kommen  wíirde,  sicherer 
nachweisen  lassen.  Wegen  der  bedeutenden  Oligoklasbeimengung  náhert  sich  der 
Syenit  dem  Diorite;  und  wenn  fúr  denselben  der  Name  eiues  orthoklasfiihrenden 
Diorites  gewáhlt  werden  wurde,  konnte  nichts  eingewenclet  werden.  Doch  sind  alle 
andern  Eigenthumlichkeiten  des  Gesteines  derartige,  class  sie  noch  nicht  eine 
Trennung  von  Syenit  rechtfertigen. 

Unter  Zbyslavec  (O  Bonov),  dann  in  der  Nuncl  S  Umgebung  des  Dorfes 
befinden  sich  kórnige  Diorite,  sowie  auch  an  der  Gránze  mit  dem  rothen  Granit 
Syenite  und  Syenitgranite.  Sámmtliche  drei  Gesteine  sind  durch  Ůbergánge  ver- 
kníipft  und  schwer  auseinander  zu  halten.  In  kurzen  Gangstocken  durchsetzen 
die  Syenite  auch  die  Gneuse  in  der  steilen  Lehne  (Železné  hory)  W  von  Zbyslavec. 

Die  Textur  ist  mittelkornig,  zuweilen  mit  grobkórnigen  Ausscheidungen 
und  bis  federkieldicken,  beinahe  fingerlangen  schwarzen  oder  grúnlichschwarzen 
Amphibolsáulen  im  licht  aschgrauen  Orthoklas,  in  welchem  auch  grosse  Quarz- 
korner  von  weisser  Farbe  ausgeschieden  sind.  Gewisse  quarzarme  Syenite  an 
Gesteinsgránzen  zeigen  unvollkommen  schiefrige  Textur.  Pyrit  in  Kornchen  ist 
stellenweise  háufig,  ebenso  auch  Epidotanfliige  in  diinnen  Klúftchen.  In  manchen 
Handstůcken  zeigen  sich  kleine  rothe  Punkte,  welche  unter  dem  Mikroskop  undurch- 
sichtig  erscheinen,  etwas  stárkeren  Glanz  besitzen  und  cleren  Deutung  nicht  gelang. 19) 

Diese  dioritisch-syenitischen  Gesteine  sind  auf  der  Kartě  mit  der  Farbe 
des  Diorites,  der  eigentlich  nur  die  Mitte  einnimmt,  gekennzeichnet. 


112 


von  Magnetit  nicht  gar  zu  spárlich  eingewachsen  sincl,  dann  untergeordnet  Plagioklas 
und  bis  V3mm  breite,  fur  Quarz  beauspruchte  Kornchen.  Wegeu  des  vorherrschenden 
Orthoklases  entfernt  sich  das  Gestem  vom  Diorit  bedeutend,  was  aucb  aus  der  unvoll- 
kommen  schiefrigen  Textur  ersiclitlich  ist,  welche  die  Náhe  der  Granitgránze  anzeigt. 
Der  ganz  geringe  Quarzgehalť  náhert  vielmehr  das  Gestein  dem  Amphibolgranit. 

Granitporphyr. 

Diese  Gesteine  sind  nicht  háufig,  es  sind  das  ebenfalls  Gránzgesteine,  wie 
die  Quarz-  und  Felsitporphyre  und  werden  bei  den  Quarzporphyren  angefúhrt 
werden.  Hier  sei  nur  derjenige  Granitporphyr  W  von  Dolní  Ho  letí  n  angefúhrt, 
welcher  zwischen  zu  Glimmerschieferphyllit  umgewandelten  Unter silur- Grauwacken- 
schiefern  an  der  Gránze  von  Granit  auftritt  und  dem  unbedeutenden  SN  gerichteten 
Thálchen  lA/2  km  W  von  Dolní  Holetín  (JV  Hlinsko)  entnommen  ist.  Die  Lagerungs- 
verháltnisse  zeigt  die  Fig.  14. 

Fig.  14. 

S  1 :  8000  lmm  —  8m.  N 

P         po  p  po  d  p       |    a     |  ž 

Diese  Granitporphyre  sehen  theils  feinkornigen  Glimmerschiefern,  theils 
Minetten  áhnlich,  wenn  námlich  in  denselben  die  grósseren  Krystalle  stellenweise 
verschwinden  und  die  Textur  mehr  schiefrig  wird,  oder  dem  kornigen  sich  nahert; 
solche  Gesteine  durchsetzen  in  Gángen  die  Gránzschiefer  in  Holetín  zahlreich, 
sind  aber  auf  der  Kartě  wegen  der  geringen  Máchtigkeit  derselben  nicht  verzeichnet. 

Das  Gestein  W  von  Holetín  von  dem  in  dem  Schnitte  angefuhrten  Orte 
ist  auf  den  ersten  Blick  schwierig  zu  deuten.  Es  ist  ein  unvollkommen  schief- 
riges  Gestein.  Die  anscheinend  dichte  Grundmasse  von  graulicher  Farbe,  splittrigem 
Bruch  ist  eigentlich  hóchst  feinkornig;  darin  sind  ganz  kurze,  gestreckte,  aus 
zarten  Biotitschuppen  bestehende  Flasern  (in  Querschichten  bis  lcm  lang  und 
wenig  breit),  welche  die  unvollkommene  zu  den  Gránzschiefern  parallele  Textur 
bedingen.  Bis  3/4cm  grosse  Quarzkrystalle  und  3mm  lange  Orthoklaskrystalle  be- 
dingen  die  porphyrartige  Textur.  Ein  eigentlicher  Granitporphyr  ist  das  Gestein 
nicht,  da  es  unvollkommen  schiefrig  ist,  ein  schiefriger  Porphyr  gleichfalls  nicht, 
weil  die  schiefrige  Textur  wieder  zu  unvollkommen  erscheint,  Eher  ist  es  ein 
Ůbergangsgestein  zu  schiefrigen  Felsitporphyren  (Quarzporphyren),  námlich  zu 
denjenigen  Gesteinen,  die  tiefer  unter  diesem  Namen  angefúhrt  werden.  In  der 
Grundmasse  ist  der  Quarz  gánzlich  durchsichtig,  der  Orthoklas  triibe. 

Dunnschliífe  ziemlich  parallel  zur  unvollkommen  schiefrig  flasrigen  Textur 
zeigen  in  der  Grundmasse  ausser  grossen  Quarz-  und  Orthoklaskrystallen  (Kórnern) 
noch  kleine  zahlreiche  Quarzkorner  von  1/3 — 1lzmm  Breite  und  ebensolche  Ortho- 
klaskorner.    Erstere  sind  vorherrschend  wasserhell,  letztere  untergeordnet,  trúb. 

Die  Grundmasse  erscheint  im  polarisirten  Lichte  vollig  kornig;  wegen  der 
lebhaften  Farben  scheint  der  vorherrschende  Gemengtheil  Quarz  zu  sein.  Die 
Grosse  der  Korner  betrágt  im  Mittel  {}-^— T,-0-mm ,  obwohl  es  auch  grossere  und 


113 


ikleinere  darunter  gibt.   Biotitschuppen  von  brauner  Farbe  und  der  Breite  von 
f»4Lo — mm  sind  zahlreich,  entweder  einzeln,  oder  zu  haufenáhnlichen  Aggregaten 
(Flasern)  verbunden.    Staubkornchen  von  Magnetit  sind  ganz  selten. 

Die  Grundmasse  wáre  demnach  eigentlich  ein  quarzreicher  Biotitgranit 
von  unvollkommen  schiefrig  flasrigem  Gefíige  und  bis  auf  den  Biotit  von  hóchst 
feinkorniger  Textur. 

Quarzporphyr. 

Die  Quarzporphyre  treten  im  Eisengebirge  in  nicht  gerade  beschránkter 
|-Menge  zum  Vorschein,  erscheinen  aber  doch  im  Vergleich  zu  andern  Gesteinen 

řuntergeordnet.    Es  werden  unter  Quarzporpbyren  hier  diejenigen  Felsitporphyre 
( verstanden,  in  denen  Quarz  neben  Orthoklas  entweder  in  uberwiegender,  oder  doch 
éin  betráchtlicher  Menge  vorkommt,  wáhrend  als  Felsitporphyre  Gesteine  mit  vor- 
wiegenden  Orthoklas-  und  nur  ganz  untergeordnet  ausgeschiedenen  Quarzkrystallen 
bezeichnet  werden;  zwischen  beiden  Porphyren  wůrde  es  demnach  keine  auch  nur 
lannáhernd  bestimmte  Gránze  geben. 

Die  Quarzporphyre  erscheinen  mit  Vorzug  jeder  andern  Lagerung  an  der 
Gránze  zwischen  rothem  Granit  mit  anderen  Gesteinen  in  verháltnissmássig  nicht 
breiter  Zone,  meist  als  Gánge,  wo  námlich  die  Lagerungsverháltnisse  durch  Ent- 
blossungen  beobachtet  werden  kónnen. 

Solcher  Art  ist  das  Vorkommen  von  Quarzporphyr  en  in  einem  engen  Zuge 
zwischen  rothem  Granit  und  schwarzen  Untersilurphylliten  W  unci  SO  von  Chvaletic 
\(W  Přelouč,  WSW  Elbe-Teinic)  auf  die  Lánge  von  gegen  4  km  zu  beobachten; 
I  dann  nach  einer  Unterbrechung  zwischen  Zdechovic  und  Morašic,  noch  weiter  SO 
I  bis  beinahe  gegen  Vápenka,  auf  die  Lánge  von  3  km  im  Verlaufe  derselben 
[  Gránze.  Zwischen  rothem  Granit  und  zu  Ottrelitschiefer  umgewandelten  Schichten 
der  Silurzone  Ddn  W  von  Rtein  (NO  Seč).  Endlich  in  etwas  weniges  zum  schief- 
:  rigen  geneigter  Textur  zwischen  grauem  Gneusgranit  und  zu  Phyllit  umgewandelten 
[  untersilurischen  Grauwackenschiefern  S  von  Dolní  Babákov  und  lángs  der  Gránze 
|  in  einzelnen  Gángen  durch  Dolní  Holetín,  was  aber  wegen  der  Geringfugigkeit 
fdes  Vorkommens  auf  der  Kartě  nicht  verzeichnet  erscheint  und  auch  schon  bei 
i  dem  Granitporhyr  erwáhnt  wurde.  Sámmtliche  hier  aufgezáhlte  Vorkommnisse 
'  gehoren  dem  licht  (oder  hochstens  graulichbraun)  gefárbtem  Quarzporphyr  an. 

Grauschwarze ,  sehr  feste,  quarzreiche  Quarzporphyre  treten  reichlich, 
^jedoch  in  nicht  sehr  máchtigen  Gángen  unter  Richenburg  und  den  Richenburger 
»  Schluchten,  nahé  der  von  Kreide schichten  bedeckten  Gránze  von  Silurgrauwacken 
mit  rothem  Granit  auf,  ebenso  auch  S  von  Skuč  gleichfalls  nahé  der  Gránze  mit 
grauem  Gneusgranit ;  nur  ganz  vereinzelnt  auch  bei  Lešan  (SO  Skuč).    Es  sind 
aber  diese  grauschwarzen  Quarzporphyre,  welche  in  ebensolchen  Grauwacken,  die 
theilweise  auch  als  Quarzporphyrtuífe  aufzufassen  wáren,  vorkommen,  nur  dann 
,  deutlich  erkennbar,  wenn  die  abnorme  Lagerung  derselben  oder  die  durch greifende 
Lagerung  etwas  jungerer  Porphyrgánge  —  welche  die  aus  zertrúmmerten  Porphy- 
ren, demnach  petrographisch  gleich  zusammengesetzten  jedoch  geschichteten  Grau- 
wacken durchsetzen  —  eine  solche  Trennung  beider  Gesteine  gestattet.  Denn 


114 

nicht  mehr  ganz  frische  Quarzporphyre  sind  in  Handstiicken  oder  bei  nicht  deut- 
lichen  Lagerungsverháltnissen  von  der  kórnigen  Grauwacke  (grauwackeuartigem 
Quarz-Porphyrtuff)  nicht  zu  unterscheiden. 20) 

Die  Quarzporhyre  sind  demnach  auf  der  Kartě  nicht  nach  den  unmoglich 
verfolgbaren  Lagerungsverháltnissen  eingezeichnet,  sondern  nur  nach  einzelnen 
Anzeichen. 

Die  Quarzporphyre  von  Rtein  sind  durch  allmáhlige  Ůbergánge  auch  durch 
Felsit  mit  dem  Felsitporphyr  verbunden,  welcher  gleich  nachher  beschrieben 
werden  wird. 

Der  Quarzporphyr  bei  Chvaletic  stellt  meist  blass  weisse  oder  ver- 
bleichte  Gesteine  vor,  wie  sie  sich  am  Ausbisse  insbesondere  W  von  Chvaletic 
finden  und  bei  ganz  fluchtiger  Besichtigung  manchen  zersetzten  Granulit  nach- 
zuahmen  scheinen.  Im  sudlichen  Ende  von  Chvaletic  selbst  aber  tritt  als  Gránz- 
gangbildung  zwischen  rothem  Granit  und  Schwarzem  Silurphyllit  ein  Gestein  auf, 
welches  fest  und  deutlich  entwickelt  ist.  Die  eingewachsenen  Krystalle,  welche 
ziemlich  entfernt  stehen,  somit  deutlich  in  der  Grundmasse  eingebettet  erscheinen, 
sind  vornehmlich  Orthoklaskrystalle  mit  abgerundeten  Ecken  bis  uber  lcm  Lánge 
und  Breite  besitzend,  blass  rothlichgrau  und  schwach  durchscheinend ;  dann  bis 
ll2cm  grosse  Quarzkrystalle  von  lichtrauchgrauer  Farbe  und  der  bekannten  Krystall- 
form  -f-  R.  —  R  mit  mattrauher  Oberfláche  aber  volliger  Durchsichtigkeit.  Die 
Zahl  der  kleineren  Quarzkrystalle  ist  bedeutender  als  die  Zahl  der  Orthoklase, 
allein  die  Masse  des  Orthoklases  diirfte  uberwiegen. 

Die  Grundmasse  ist  grau,  nicht  felsitisch,  sondern  sehr  feinkornig  splittrig, 
mit  schwarzen,  bis  l1^"1  grossen  nicht  zahlreichen  Flecken,  welche  feinkornige 
Biotitaggregate  vorstellen.  Dadurch  ist  dieser  Quarzporphyr,  weil  derselbe  keine 
rein  felsitische  Grundmasse  besitzt,  etwas  dem  Granitporphyr  náher  geruckt;  es 
ist  aber  die  Verknupfung  mit  Quarzporphyr  eine  ausgeprágtere,  so  dass  der  letztere 
Name  hier  beibehalten  ist.  Das  záhe  feste  ziemlich  frische  Gestein  zeigt  im  Diinn- 
schliífe  in  der  Grundmasse  gánzlich  durchsichtige,  aber  trotz  deutlicher  Krystall- 
form  (freilich  mit  abgerundeten  Kanten)  doch  nur  ovále  oder  sackfórmig  ovále 
Quarzquerschnitte,  welche  bei  bedeutenderer  Vergrosserung  —  was  meist  immer 
selbstverstándig  ist  —  zahlreiche  Flussigkeitseinschliisse  zeigen.  Die  Quarze  sind 
meist  zersprungen,  die  wenigen  Spriinge  in  denselben  nicht  durch  Erschiitterung 
bei  der  Formatisirung  hervorgebracht,  weil  nach  gewissen  Sprungkliiften  Limonit 
in  die  Krystallmasse  infiltrirt  wurde.  Meist  sind  die  durch  Kliifte  durchsetzten 
Quarzindividuen  nicht  von  einander  verruckt,  da  sie  im  polarisirten  Lichte  gánz- 
lich einfárbig  erscheinen;  dann  und  wann  aber  lásst  sich  auf  diese  Art  eine  un- 
bedeutende  Verschiebung  derselben  gegen  einander  nachweisen.  Wo  die  Moglichkeit 
vorhanden  war,  gewisse  orientirte  Querschnitte  auf  die  Ablenkung  des  polarisirten 
Lichtes  zu  prufen,  erwiesen  sie  sich  als  linke  Krystalle.  Der  Orthoklas  ist  beinalie 
ganz  weiss,  wolkig  getriibt,  die  weniger  triiben  Stellen  zeigen  Aggregatpolarisation ; 
dadurch,  dass  die  Feldspáthe  so  getriibt  sind,  ist  der  Nachweis  von  Plagioklas 
neben  Orthoklas  nicht  móglich. 

Die  Grundmasse  enthált  entweder  ganz  zerstreute,  oder  zu  Gruppen  oder 
selbst  ganzen  Haufen  aggregirte,  winzige  Schúppchen  von  Schwarzem  Biotit,  der 


I 

í 

m 

\  wenig  durchsichtig  ist,  da  nur  die  dtinnsten  Pláttchen  desselbeu  schmutzig  grune 
,  Farbe  sowie  aucli  Dicbroismus  zeigeu.    Durch  dieselben  erhált  die  Grundmasse 

stellenweise  einen  graulichgriinen  Ton.  Es  scheinen  die  Biotitscbuppen  durch 
<1  dieses  Verhalten  dem  Lepidomelan  nahé  zu  stehen.  Die  ganz  vereinzelnten  Biotit- 

schuppen  erreichen  Lángen  im  Mittel  von  3Vmm  bei  einer  Dicke  von  T5omm.  ^n 
'  der  Grundmasse  zeigen  sich  auch  ganz  vereinzelnt  quadratische  Querschnitte  von 
umm  Breite,  welche  als  Magnetit  zu  deuten  versucht  werden. 

Im  polarisirten  Lichte  zeigt  die  ziemlich  durchsichtige  Grundmasse  eine 
so  deutliche  Aggregatpolarisation,  dass  derselben  eigentlich  der  Name  des  deutlich 
kleinkórnigen  zukommt,  wodurch  die  Anlehnung  dieses  Quarzporphyres  an  Granit- 
'■  porphyr  gleichfalls  eine  Stiitze  findet.  Die  Korner  von  Quarz  sind  in  der  Grund- 
\  masse  durch  ihre  satten  Farben  von  den  etwas  blasseren,  aber  vorwiegenden  Ortho- 
klaskornchen  zu  unterscheiden ;  ŽV — i}omm  breite  Korner  in  dem  Gemenge  gehoren 
keinesfalls  zu  den  grossten.  Die  Grundmasse  dieses  quarzporphyráhnlichen  Granit- 
porphyres  wáre  demnach  eigentlich  ein  sehr  feinkorniger  Granit,  welcher  scheinbar 
dicht,  die  Felsitgrundmasse  nachahmt.  Wegen  der  mit  der  Loupe  jedoch  nicht 
zerlegbaren  Grundmasse  und  der  Nachahmung  von  Quarzporphyr  in  dem  Gesteine 
sowie  wegen  der  Ůbergánge  in  echte  Quarzporphyre  wurde  das  Vorkommen  hierher 
gestellt,  obwohl  die  Anreihung  zum  Granitporphyr  vielleicht  eben  so  entsprechend 
gewesen  wáre. 

Der  Quarzporphyr  SOS  von  Morašic  (etwas  liber  1  km)  zeigt  Áhnlich- 
keit  zu  demjenigen  W  von  Chvaletic.  An  der  Oberfláche  er scheinen  1 — 2mm  dicke 
Krusten  von  kreideweisser  umgewandelter  Felsitgrundmasse,  wáhrend  das  Innere 
licht  bráunlich  weiss  erscheint.  Die  vorherrschenden  Quarzkrystalle  von  2— 3mm 
Breite  neb  en  ganz  untergeordnetem  Orthoklas  bilden  die  ausgeschiedenen  Krystalle 
in  der  dichten  Grundmasse. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  ergab  aus  einem  nur  ganz  kleinen  Brocken, 
dass  die  ausgeschiedenen  Quarze  wasserhall  erscheinen  und  die  felsitische  Grund- 
masse aus  weissem  kaum  durch scheinendem ,  wegen  der  vorgeschrittenen  Um- 
wandlung  kaum  Aggregatpolarisation  zeigendem  Orthoklas  besteht,  von  welchem 
die  g1/111  bis  ^mm  breiten  Quarzkórnchen  gut  abstechen.  Die  Auflosung  der  Felsit- 
grundmasse unter  dem  Mikroskope  gelingt  also  vollkommen. 

Der  Quarzporphyr  ist  noch  weiter  sudlich  und  zwar  an  der  halbkreis- 
formigen  Biegung  der  Strasse  von  Lito  sic  nach  Horka  im  Walde  ganz  eigen- 
thúmlich  entwickelt.  Entweder  zeigt  er  sich  gestreckt,  beinahe  wie  Gneus  (aber 
ohne  Glimmer),  die  Quarze  sind  licht,  die  Orthoklase  aber  und  die  Grundmasse 
von  theilweise  zersetztem  Aussehen  blass  fleischroth.  Alle  Kliiften  selbst  kurze 
Adern  sind  mit  rothem  erdigem  oder  hochst  feinkornigem  Haematit  erfúllt,  der 
also  als  Impraegnationsmineral  zu  betrachten  ist.  Oder  sind  andere  Proben  massig, 
blass  fleischroth  mit  splittriger  Felsitgrundmasse,  halberdigen  Orthoklasen  und  kaum 
sichtbarem  Quarz,  der  in  der  Farbe  der  Grundmasse  nicht  gut  absticht.  Zudem 
scheint  nicht  alles  die  wiinschenswerthe  Frische  zu  haben. 

Dunnschliífe  zeigen  wohl  eine  Grundmasse,  welche  Aggregatpolarisation 
zeigt,  Kórnchen  von  Haematit  enthált  und  auch  zersetzte  Orthoklase  gleichfalls 

s* 


116 


mit  Aggregatpolarisation  aufweiset,  jedoch  in  so  fern  ein  befremdendes  Aussehen 
besitzt,  als  der  Quarz  keine  regelmássigen  Kórner  sondern  deutlich  kórnige  Aggre- 
gate  bildet.  Es  ist  dieses  nicht  ganz  frische  Gestein  demnach  der  Textur  nach 
noch  unentwirrbar  und  wiirde  auch  an  nicht  mehr  frischen  Aplit  deuten.  Es  ist 
demnach  nur  vorláufig  zum  Quarzporphyr  gestellt,  da  diese  Einreihung  nicht  auf 
Grund  ganz  frischer  Proben  geschehen  konnte. 

In  den  Schluchten  von  Richenburg  ist  der  schwarzgraue  Quarzporphyr 
bedeutend  quarzreich;  die  Quarzkórner  von  rundlichen  Querschnitten  verdrángen 
die  dunkle  Grundmasse  bedeutend.  Eine  Irrung  mit  den  schwarzgrauen  Grauwacken 
hierselbst  ist  um  so  leichter  moglich,  als  dieselben  nur  aus  wiederverkittetem  Quarz- 
porphyrmateriale  bestehen,  so  dass  nur  die  schwieriger  constatirbaren  Lagerungs- 
verháltnisse  und  die  bedeutende  Frische  und  Festigkeit  des  Gesteines,  wenn  es 
in  Blócken  zufállig  zu  beobachten  ist,  die  Erkennung  ermóglicht.  Unter  dem 
Mikroskope  wáre  die  Unterscheidung  von  der  Grauwacke  (Quarzporphyrtuff-Grau- 
wacke)  nicht  moglich,  ausser  vielleicht  in  gewissen  Proben  mit  schon  zersetztem 
Feldspath.  Die  Quarzporphyre  enthalten  jedoch  nie  Muscovitschuppchen  wie  die 
Grauwacken.  Áhnliche  schwarzgraue  Quarzporphyre  finden  sich  auch  in  der  Um- 
gebung  von  Prag  und  zwar  N  an  beiden  Moldauufern  bei  Klecan  und  pod  Morání. 21) 
Doch  sind  dieselben  hier  vermóge  der  winzig  kleinen  ausgeschiedenen  Quarz- 
órnchen  (Krystallen)  mehr  einem  Felsit  áhnlich,  wáhrend  bei  Richenburg  die 
gedrángt  eingewachsenen  Quarzkórner  bis  4mm  Durchmesser  besitzen,  gewohnlich 
aber  viel  kleiner  sind. 

In  der  dunkelgrauen  Grundmasse  stecken  zahlreiche  kleinwinzige  Quarz- 
kórner, die  wohl  wasserhell  sind,  aber  in  der  dunklen  Grundmasse  dunkel  gefárbt 
erscheinen ;  manche  zeigen  ziemlich  ebene  Spaltungsfláchen ;  daneben  nun  sind 
stellenweise  gróssere  Quarzkórner  (Krystalle),  die  nur  selten  einen  bláulichmilchigen 
Schein  besitzen.  Orthoklaskrystalle  von  lánglicher  Form  sind  nur  spárlich  ein- 
gewachsen,  weiss,  nicht  durchsichtig,  sonst  noch  ganz  selten  Pyritkornchen.  Der 
Quarzporphyr  ist  fest,  recht  gut  der  Verwitterung  trotzend. 

Unter  dem  Mikroskope  zeigen  sich  nur  die  rundlicheckigen  oder  scharf- 
eckigen  Quarzkórner  so  gedrángt  nahé,  dass  sich  dieselben  stellenweise  berůhren 
die  Grundmasse  nimmt  clen  dazwischen  befindlichen  Raum  ein.  Die  Quarzkórner, 
vóllig  wasserhell,  im  polarisirten  Lichte  lebhaft  gefárbt,  ohne  Sprunge,  dominiren 
wie  schon  erwáhnt.  Die  Orthoklase  sind  recht  untergeordnet,  jedoch  frisch ;  der 
Plagioklas  nur  in  ganz  wenigen,  ebenfalls  lebhaft  gefárbten  Kórnern  zu  bemerken, 
welche  ohne  Zwillingsstreifung  von  Quarz  nicht  zu  unterscheiden  wáren.  Hóchst 
selten  ist  Amphibol  von  clem  sich  nur  ein  |mra  langes  Prisma  fand ;  Pyrit  in  ^\mm 
grossen  und  auch  noch  etwas  grósseren  Kórnern  ist  nur  vereinzelnt  anzutreífen. 

In  der  Grundmasse  tritt  der  Biotit  in  vorwiegender  Menge  entweder  in 
Haufen  oder  einzelnen  braunen  Krystallschuppen  auf.  Die  gróssten  Krystallpláttchen 
sind  ^mm ,  die  vorwiegend  mittleren  jQmm  die  allerkleinsten,  einem  Biotitschuppen- 
staub  áhnlichen  aber,  die  alles  nur  nicht  den  Quarz  durchdringen,  sind  enger 
als  -2^omm-  ^em  Biotitstaub  unci  den  Biotitschiippchen  verdankt  die  Grundmasse 
die  Farbe.    Die  eigentliche  Felsitgrundmasse  zeigt  ganz  deutliche  Aggregatpolari- 


I 


117 

/sation,  wo  nicht  viel  Biotitstaub  die  durchsicbtigen  Geniengtheile  derselben  verdeckt. 
'Spárlich  ist  in  der  Grundmasse  vereinzelter  Magnetitstaub  nachweisbar.  Auch  hier 
lost  sich  die  Felsitgrundmasse  vollig  in  winzige  Kornchen  auf. 

Felsitporphyr. 

n  Nach  dem  beim  Quarzporphyr  im  Allgemeinen  schon  gesagten  sind  hier 

als  Felsitporphyre  Gesteine  mit  vorherrschenden  (demnach  nicht  ausschliesslichen) 
Orthoklaskrystall-Ausscheidungen  verstanden,  was  eigentlich  gegen  den  Sinn  der 
.-neueren  Deutung  des  Felsitporphyres  ist,  welcher  keinen  ausgeschiedenen  Quarz 
I  enthalten  soli.  Die  eigenthůinlichen  Verháltnisse  des  Vorkommens  imd  auch  der 
Textur  unterscheiden  diese  Gesteine  jedoch  von  den  Gránz-Quarzporphyren  hin- 
í.reichend.  Das  Vorkommen  derselben  ist  an  den  mehr  als  1  Myriameter  langen 
.  und  bis  2  km  breiten  Gránzstock  zwischen  rothem  Granit  im  Siiden  und  schwarzen 
(  Thonschiefern  der  Silur-Etagen  Ddt  und  Dd3  im  Norden  gebunden,  welcher  von 
bíttein  iiber  Šiškovic,  Trpíšov,  Svídnic,  Práčov,  Vejsonín,  bis  uber  Malé  Lukavice 
^streicht.  In  diesem  Stocke  sind  die  Felsitporphyre  nicht  nur  porphyrartig,  sondern 
i  auch  felsitisch  und  felsitisch  schiefrig  entwickelt ;  nebstdem  treten  aber  auch  Diorite 
j-und  Dioritaphanite  zum  Vorschein,  die  wegen  des  áhnlichen  Aussehens  der  ober- 
,  fláchlichen  Verwitterungszone  sich  auf  der  Kartě  schwierig  trennen  lassen.  Ganz 
vereinzelnt  trifft  man  diese  Porphyrgesteine  auch  in  einem  schmalen  Zuge  an  der 
|  Gránze  zwischen  unterstem  Untersilur  und  Gneus  SW  Hlinsko  und  gewiss  auch 
t  an  andern  Orten;  wo  dieselben  des  untergeordneten  Auftretens  wegen  mit  andern 
',Gesteinen  zusammengefasst  sind. 

j  Allein  streng  genommen  wiirde  der  Name  Felsitporphyr  auf  die  porphyr- 

I  artig  ausgebildete  Gesteinsmasse  des  oben  erwáhnten  bedeutenden  Gesteinsstockes 
;  auch  nicht  passen,  weil  dieselben  eine  schiefrige  Textur  besitzen,  die  wenn  auch 
unvollkommen,  doch  so  deutlich  ist,  dass  der  Name  des  Flaserporphyres  oder  des 
Porphyroides  der  passendste  fůr  diese  Gesteine  wáre,  wenn  nicht  ihr  Eruptiv- 
[  charakter  bestunde.  Da  nur  geschichtete,  also  gneusartige  Gesteine  als  Porphyroid 
"  bezeichnet  werden,  so  passt  diese  Bezeichnung  auf  die  Eruptivgesteine  nicht,  in 
\  denen  die  schiefrige  Textur  lediglich  die  Folge  der  Bildung  von  Bánken  oder 
Schlieren  im  grossartigen  Maassstabe  ist,  demnach  als  Bewegungs-  und  Erstar- 
\  rungserscheinung  auftritt.  Demnach  wáre  Eruptivporphyroid  oder  schiefriger  Felsit- 
^  porphyr  die  passendste  Bezeichnung;  die  letztere  wird  hier  beibehalten. 

Die  schiefrigen  Felsitporphyre,  welche  auffallend  an  Porphyrtuífe 
»  erinnern,  sind  durch  allmáhlige  Ůbergánge  mit  Felsiten  und  diese  wiederum  mit 
\  Felsitschiefern,  ausserdem  aber  mit  zersetztem  Porphyr  verbunden. 

Am  besten  entblosst  sind  die  schiefrigen  Felsitporphyre  in  der  Schlucht 
\  von  Svídnic  gegen  Škrovád  (S  Chrudim),  wo  das  sudliche  Verfláchen  ihrer  schichten- 
1  áhnlichen  Bánke  deutlich  entblosst  ist. 

i  Eine  Probe  wurde  NW  von  Velké  Lukavice  entnommen.    Ganz  nahé 

3  NW  von  der  Schwefelsáurefabrik,  knapp  an  den  uberlagernden  turonen  Kreide- 
•  schichten  ist  ein  unbedeutender  Bruch  in  diesen,  scheinbar  nicht  becleutend  ange- 
giiffenen  schiefrigen  Felsitporphyr  en  eroífnet. 


118 


Das  unvollkommen  schiefrige  Gestein  zeigt  in  der  blass  gelblichgrauen 
felsitischen  Grundmasse  ziemlich  parallel  gelagerte,  bis  3/4cm  lange  und  weniger 
breite  sehr  gut  spaltbare,  jedoch  nur  an  den  Kanten  durchscheinende,  blass  graulich- 
weisse  deutliche  Orthoklaskry  stalle,  deren  Menge  der  Quantitát  der  Felsitgrundmasse 
entsprechen  wíirde.  Zwillingsbildungen  nach  dem  Karlsbader  Gesetze  sind  deutlich. 
Nur  spárlich  (auf  5—10  Orthoklase  erst  ein  Korn)  kommen  mehrere  Millimeter 
breite  Quarzkrystalle  auch  eingewachsen  vor.  Unter  der  Loupe  erweiset  sich  die 
Felsitgrundmasse  als  splittrig  und  hochst  feinkornig  bis  dicht. 

Eine  theilweise  Analyse  dieses  Gesteins  zur  volligen  Bestimmung  desselben, 
trotzdem  dass  an  dessen  (schiefriger)  Porphyrnatur  kein  Zweifel  obwaltete,  ergab 
mit  '12  g  Substanz: 

Gluhverlust  1*39 
Si02  75-98 

Weil  Quarz  nur  ganz  untergeordnet  ausgescbieden  erscheint,  so  muss  die 
felsitische  Grundmasse  wegen  des  bedeutenden  Kieselsáure-Gebaltes,  den  die  Ana- 
lyse nachgewiesen  bat,  bedeutend  quarzreich  sein,  womit  auch  die  hochst  fein- 
kornige  Textur,  welche  sie  unter  der  Loupe  zeigt  und  die  von  der  dichten  der 
gewóhnlichen  Felsitporphyre  abweicht,  gut  ubereinstimmt. 

Unter  dem  Mikroskope  zeigt  sich,  dass  die  Grundmasse  mehr  als  die 
Hálfte  von  den  ausgeschiedenen  Krystallen  ausmachen  durfte.  Die  ausgeschiedenen 
Orthoklase  sind  beinahe  gánzlich  weiss,  undurchsichtig,  nur  an  noch  durchscheinen- 
den  Stellen  schwache  Aggregatpolarisation  zeigend.  Die  Quarzkórner  (Krystalle) 
sind  theils  ganz  wasserhell,  einige  aber  enthalten  wenige,  jedoch  sehr  grosse, 
schlauchformige  Einschliisse  bis  lmm  und  noch  mehr  Lange,  und  Vómm  un(^  dariiber, 
an  Breite.  Ob  diese  Einschlůsse  aus  Glas,  also  isotroper  Masse,  oder  aus  schon  ent- 
glaster  Masse  bestehen,  kann  nicht  entschieden  werden,  da  im  polarisirten  Lichte 
die  darunter  oder  darůber  befindliche  Quarzschicht  den  Indiíferentismus  gegen 
polarisirtes  Licht  nicht  erkennen  lásst.  Indessen  zeigen  stárkere  Vergrosserungen 
winzige  Punkte  in  der  Masse,  die  wohl  den  Eindruck  einer  Glasmasse  hervorbringt, 
deren  isotroper  Charakter  sich  aber  im  polarisirten  Lichte  nicht  bestátigen  lásst. 
Stellenweise  enthált  die  Einschlussmasse  in  den  Schláuchen  zařte  Staubkórnchen 
von  Magnetit,  die  trotz  der  Kleinheit  von  — 4^omm  doch  quadratische  Quer- 
schnitte  zeigen. 

Die  Grundmasse  ist  stellenweise  hell,  stellenweise  getriibt,  wenn  der  Dunn- 
schliff  nicht  áusserst  diinn  erscheint.  In  diesem  Zustande  zeigt  dieselbe  Mikro- 
fluctuations-Textur  in  vollkommenem  Grade.  Die  triiberen  Parthieen  behaupten  eine 
Bichtung  und  nur  an  den  eingewachsenen  Krystallen  beugen  sie  plótzlich  von 
derselben  ab.  Das  polarisirte  Licht  lásst  stárker  gefárbte,  als  Quarz  deutbare 
Kornchen  darin  erkennen,  welche  ubrigens  auch  keine  Trubung  zeigen.  Erzkornchen 
von  cler  Grosse  von  i1— 3Íomm  herab  sind  einzeln  recht  zahlreich  eingewachsen, 
jedoch  sind  ihre  immer  ganz  deutlich  quadratischen  Querschnitte  ebenfalls  in  einer 
Bichtung,  námlich  die  Fluctuation  andeutend,  eingestreut.  Gewisse  quadratische  Quer- 
schnitte sind  schwarz,  opak,  demnach  Pyrit,  seltener  auch  Magnetit,  andere  grossere 
Kornchen  erscheinen  im  auífallenden  Lichte  rothlich  im  durchgehenden  Lichte, 


i 

119 

j:bei  Abhaltung  des  auífallenden  aber  schwarz;  die  allermeisten  von  den  kleinsten 
» Quadraten  sind  aber  auch  im  durchgehenden  Lichte  bráurilichroth.  Gewisse  grossere 
I  Pyrite  zeigen  rothiiche  Flecken.  Die  rothen  quadratischen  Kórnchen  konnen  nur 
i  als  Haematit  u.  zw.  als  Pseudomorphose  nach  Pyrit  gedeutet  werden.  Es  lassen 
\  si  cli  wohl  auch  sehr  selten  hexagonale  Schiippchen  von  Haematit  beobachten ;  wenn 
|  dieselben  nicht  zufállig,  was  bei  der  grossen  Zahl  von  rothen  Wurfeln  in  der 
<  Grundmasse  moglich  ist,  centrále  Schnitte  im  Wurfel  parallel  zur  Octaederfláche 
>  vorstellen,  so  wiirden  sie  als  urspriinglicher  Haematit  zu  deuten  sein.  Die  erstere 
j  Moglichkeit  hat  aber  Wahrscheinlichkeit  fur  sich.  Wo  Pyritquadrate  geháuft 
|  ersckeinen,  oder  wo  kaum  merkliche  Kliiftchen  das  Gestein  durchsetzen,  zeigen 
sich  graubraune  Triibungen  von  Limonit,  welche  jedoch  in  Orthoklase  nicht  háufig 
leindringen  und  nur  dem  nicht  ganz  frischen  Gestein  eigenthumlich  sind.  Stellen- 
!  weise  ist  auch  der  Richtung  der  Fluctuationsflaserung  nach  ein  hell  olgriines  Mi- 
i  neral  eingeschaltet ;  dasselbe  scheint  auch  gewissen  Kliiftchen  nachzufolgen.  Obwohl 
[  die  Deutung  des  Minerales  als  Epiclot  manches  fur  sich  hátte,  wird  dieselbe  hier 
doch  unterlassen,  da  es  auch  auf  Pyrophyllitschuppen  hinweisen  konnte. 

Wenn  die  Grundmasse  aber  ausserordentlich  diinn  geschliífen  wird,  dann 
i  zeigt  sie  vollig  deutliche  kleinkornige  Textur  unter  dem  Mikroskope ;  polarisirtes 
Licht  fárbt  dann  die  Quarzmikrolithe  lebhafter  als  den  noch  ziemlich  frischen 
Orthoklas. 

Die  Pyritkrystállchen  und  die  Haematitpseudomorphosen  (Staub)  sind  in 

1  den  Krystallen  des  Orthoklases  und  Quarzes  weniger  háufig  als  in  der  Grundmasse. 

Eine  andere  Probe  von  demselben  Orte  bei  Lukavic,  welche  noch  sehr  gut 
spaltbaren,  wenn  auch  nicht  durchsichtigen  Orthoklas  neben  wenig  Quarz  ein- 
gewachsen  enthielt,  zeigte  sich  doch  schon  etwas  weniger  frisch  als  die  vorher- 
gegangene.  Auch  Plagioklas,  mit  deutlicher  tiefer  Zwillingsfurchung  ist  erkennbar. 

i  Wenn  die  unter  der  Loupe  hóchst  feinkórnig  sandsteinartig  splittrige  Grundmasse 
in  der  Richtung  der  unvollkommenen  Schieferung  bei  schwacher  Vergrosserung, 
und  seitlicher  Beleuchtung  besehen  wird,  so  zeigt  sie  durch  glimmeráhnliche, 

,  parallel  gelagerte  Schiippchen  eine  an  hóchst  feinkornigen  glimmerarmen  Phyllit 
erinnernde  Textur.  Das  glimmeráhnliche  Minerál  in  zarten  Schiippchen  bildet  nur 

i  flaserartige  kleine  Pláttchen  in  der  Grundmasse.  Stellenweise  zeigen  sich  auch 
dunkelgriine  aus  zarten  Schiippchen  bestehende  Fleckchen  als  Zeichen  einer  vor 
sich  gehenden  Umwandlung. 

(  Die  glimmeráhnlichen  Schiippchen  sind  Pyrophyllit. 

Der  Diinnschliíf  zeigt  aber  entgegengesetzt  dem  eben  erwáhnten  Anscheine 
die  Orthoklase  theilweise  durchsichtig,  also  frischer  (Plagioklas  fiel  keiner  in  den 
Schliíf)  und  eine  ganz  deutlich  kornige  Aggregatpolarisation  zeigende  Grundmasse, 
deren  Korner  sich  stellenweise  lebhaft  fárben;  darin  derselbe  Haematitstaub  und 
weniger  zahlreich  auch  Pyritstaub,  beides  nur  in  quadratischen  Querschnitten. 
Jedoch  zeigen  sich,  und  darin  besteht  der  nicht  mehr  frische  Zustand,  breite 
wolkig  schlierige  Fárbungen  von  gelbbráunlichem  durchscheinenden  Limonit  der 
also  in  ganz  schwacher  Impraegnation  vielleicht  zwischen  den  Pyrophyllitschiippchen, 
die  dadurch  verdeckt  werden,  auftritt;  nur  stellenweise  sind  weniger  pellucide 
bráunlichgraue  Anháufungen  zu  finden.  Auch  zeigen  sich  ganz  vereinzelnt  kleine 


120 


rundlich  polygonale  Kórner  von  griinlicher  Farbe,  die  einem  an  Chlorit  erinnernden 
Minerále  zugehóren  diirften.  Gewisse  in  Querschnitten  stabfórmige  Formen,  welche 
das  Aussehen  von  Muscovitquerschnitten  haben,  diirften  dem  Pyrophyllit  angehoren. 

In  den  Gehángen  der  Ohebka  zwischen  Svídnic  und  Škrovád,  also  in 
der  westlichen  Fortsetzung  des  Gesteines  von  Lukavic  zeigen  sich  schichtenartige, 
gegen  Siid  veríláchende  Bánke  eines  blass  fleischroth  und  auch  in  andern  Tónen 
gefárbten  unebenschiefrigen  Gesteines,  welches  auf  den  ersten  Blick  den  Namen 
irgend  eines  talkschieferáhnlichen  Gesteines  erhalten  miisste.  Allein  das  Gestein 
ist  schiefriger  Felsitporphyr. 

Der  schiefrige  Felsitporpbyr  von  Škrovád  zeigt  im  Bruche,  parallel  zur  Rich- 
tung  der  Scbiefrigkeit  nocb  das  Aussehen  eines  unvollkommen  schiefrigen  feinen  tal- 
kigen  Glimmerschiefers,  was  durch  áusserst  zařte  Pyrophyllitschiippchen  in  diinn 
flasriger  Anháufung  hervor  gebracht  wird.  Unter  der  Loupe  erscheinen  noch  ein- 
zelne  Quarzkornchen  und  wiirfelformige  Hohlráume  von  brauner  Fárbung  nach 
verschwundenen  Pyritwurfeln  von  j\ — 2Vmm  Kantenlánge.  Im  Querbruche  zeigen 
sich  die  gebogenen  Flasern  der  áusserst  dúnnen  Pyrophyllitlagen,  danu  aber  eine 
blassfleischrothe  Felsitgrundmasse  mit  nicht  mehr  wahrnehmbaren  Orthoklaskry- 
stallen,  welche  als  nicht  mehr  ganz  frisch,  die  Spaltbarkeit  eingebiisst  haben  diirften. 
Quarzkorner  sind  frisch,  ebenso  noch  spárlich  Pyritwiirfelchen,  diese  jedoch  nur 
unter  der  Loupe  sichtbar.  An  dem  angeschliffenen  Querbruch  lassen  sich  aber  noch 
Spuren  von  wenig  kenntlichen  Orthoklaskrystallen  wahrnehmen,  sowie  auch  die 
sehr  dúnnen,  rothlich  gefárbten  Pyrophyllitflasern,  welche  nur  als  áusserst  zařte 
Linien  zum  Vorschein  kommen. 

Der  in  einem  Umwandlungsstadium  befindliche  schiefrige  Felsitporphyr  vom 
linken  Ohebkaufer,  S  Škrovád,  (N  Svídnice)  mit  vorherrschend  felsitischer  Grund- 
masse,  besteht  aus: 

Si02  7053 
Al2  03  +  Fe2  03  17.59 
CaO  Spur 
MgO  -82 
Gluhverlust  3*22 
Alkalien  wurden  unbestimmt  gelassen. 

Ein  ganz  kleiner  Diinnschliíf  senkrecht  zur  Richtung  der  Schieferung  zeigte 
in  der  Grundmasse  ein  sehr  feinkorniges  Gefiige  aus  durchsichtigen  oder  nur 
durchscheinenden  Kornchen  von  Quarz  und  Orthoklas,  welche  im  polarisirten 
Lichte  Aggregatpolarisation  zeigten.  Eine  Tendenz,  wenn  auch  nur  eine  unbedeu- 
tende,  zur  Orientierung  der  kurzen  Orthoklasmikrolithen  parallel  zur  Ebene  der 
unvollkommenen  Schieferung  zeigt  sich  auch  hier.  Die  wahrnehmbaren  Quarz- 
kornchen besitzen  die  Breite  von  — 4Vmm-  In  der  Richtung  der  Schieferung 
zeigen  sich  rothliche  Schnure  von  mit  Haematit  gefárbtem  Pyrophyllit,  sowie  auch 
blasse  flaserige  Fárbungen  von  Haematit,  die  keine  scharfen  Gránzen  zeigen.  Die 
Breite  der  durch  Haematitimpraegnation  roth  gefárbten  Pyrophyllitschnure,  wie  sie 
sich  im  Querschnitte  darstellen,  variirt  von  lj50—  1/30mm.  In  der  Grundmasse  zeigen 
sich  auch  grossere  Quarzkorner  von  vólliger  Durchsiclitigkeit  auch  schon  in 
dickeren  Diinnschliffen ,  sowie  triibe  Orthoklaskórner.   Frische  Pyritkorner  von 


121 


schwarzer  Farbe,  sowie  rothe,  in  Haematit  ungewandelte  Wiirfelchen  des  Pyrites 
sind  gleichfalls  bemerkbar. 

In  dein  Gebiete  dieses  schiefrigen  Felsitporphyres  zwischen  Rtein  und 
Lukavic  finden  sich  mannigfaltige  Varietáten  desselben,  manche  enthalten  auch  ein 
griines  glimmeráhnliches  Minerál,  so  dass  auch  Anklánge  an  Porphyrtuffe  zum 
Vorschein  kommen.  Es  ist  hier  jedoch  das  Richtige  der  Bezeichnung  mancher 
Gesteine  um  so  weniger  zu  treffen,  als  Entblossungen  von  frischen  Gesteinen  nicht 
háufig  sind  und  die  zersetzten  Felsarten  der  Oberfláche  der  Porphyre,  Porphyr- 
schiefer  und  Diorite,  welche  hier  vorkommen,  nicht  immer  von  einander  zu 
trennen  sind. 

Áhnliche  porphyrartige  Felsitporphyre  von  lichter  Farbe  mit  sehr  zarten 
Muscovit-  und  auch  Biotitflasern  finden  sich  an  der  Gránze  zwischen  Gneus  und 
Phylliten  zwischen  Hlinsko  und  Stany,  sowie  an  andern  Orten.  Dieselben  kónnten 
jedoch  sowohl  mit  Gneus  als  auch  mit  feinkornigem  Gneusgranit  verwechselt  werdem 

Neben  porphyrartigen  Gesteinen  findet  sich  in  dem  Gebiete  zwischen  Rtein 
und  Lukavic  auch  Felsit;  derselbe  hat  entweder  blass  gelblich  fleischrothe,  oder 
gelblichgraue  oder  graue  Farben,  massige  oder  schiefrige  Textur,  wodurch  dann 
scheinbar  phyllitartige  Gesteine  mit  wirklichen  Porphyren  im  Zusammenhange  stehen. 

Ein  Felsit  vom  Podjahodnicer  Berge,  ONO  nahé  von  Malé  Lukavice,  von 
blassgrauer  Farbe  in  Kliiftchen  gelblichbraun  gefárbt  auch  mit  zarten  Pyrophyllit- 
schiippchen  stellenweise  tiberzogen,  zeigt  sich  im  Bruche  ausserordentlich  splittrig 
und  erscheint  unter  der  Loupe  hóchst  feinkornig  beinahe  wie  sandsteinartig.  Eine 
theilweise  Analyse  des  Felsites,  welcher,  wie  der  bedeutende  Glúhverlust  zeigt, 
nicht  gánzlich  frisch  sein  diirfte,  ergab: 

Si02  78-61 

Al2  03  18-61 

Fe2  03  Spur 

CaO  Spur 

MgO  Spur 

Glúhverlust  2*45 

Die  Analyse  deutet  auf  einen  sehr  bedeutenden  Quarzgehalt  und  auf  wenig 
Alkalien,  da  sich  die  Šumme  dieser  nachgewiesenen  Bestandtheile  ohne  Alkalien 
schon  ziemlich  zu  100  náhert. 

In  den  Ufern  des  Ohebkabaches  in  Svídnic  (S  Chrudim)  treten  neben 
schiefrigen  Felsitporphyren  Gánge  von  grauem  kluftigen  Felsit  auf,  die  an  gewissen 
Orten  zerkliiftet,  mit  weissen  Áderchen  von  Calcit  impraegnirt  ersch einen  und  an 
andern  Fundstellen  wieder  Tendenz  zur  schiefrigen  Textur  zeigen. 

Das  dichte  Gestein  von  felsitischer  Textur  von  Sví  dni  ce  zeigte  unter 
der  Loupe  spárliche,  winzige  grune  Fleckchen  ohne  scharfe  Begránzung,  auch  leere 
mit  Limonit  iiberkleidete  und  dann  mit  Calcit  erfullte  Spriinge.  Eine  theilweise 
Analyse  mit  *52g.    Substanz  gab: 

Si02  65.90 
A1203  23.71 


Fe2  03  253 
CaO  1.18 
MgO  Spur 
Glůhverlust  2*62 

Wiewohl  der  Si02-Gehalt  des  Gesteines  ein  nicht  bedeutender  ist,  kann 
das  Gestein  weder  als  Diorit  noch  als  quarzfreier  Orthoklasporphyr  gedeutet  werden. 
Der  nur  ganz  geringe  Gehalt  an  CaO,  welcher  moglicher  Weise  auch  theilweise 
einer  Calcitimpraegnation  zukommen  kann,  spricht  gegen  die  Anwesenheit  von  viel 
Plagioklas.  Da  uebst  Orthoklas  noch  Gemengtheile  in  geringerer  Menge  hinzukom- 
men,  welche  den  Si02-Gehalt  des  Gesteines  herabdrucken,  so  kann  trotzdem  etwas 
Quarz  in  diesem  Gesteine  vorbanden  sein,  dessen  Einreihung  zum  Felsit  demnach 
begrůndet  erscheint, 22) 

Diinnschliífe  zeigen  unter  dem  Mikroskope  die  kleinkornige  Grnndmasse, 
welche  in  ausserordentlich  diinnem  Schliffe  vornehmlich  aus  Stábchen  von  Ortho- 
klas besteht,  die  bei  der  Breite  von  -6]Qmm  eine  vielfache  Lánge  besitzen.  Ob  auch 
Quarz  in  etwas  auífallencler  gefárbten  Kornchen  bei  Anwendung  von  polarisirtem 
Lichte  in  der  Grundmasse  vorkommt,  kann  nicht  mit  Bestimmtheit,  sondern  nur 
mit  Wahrscheinlichkeit  behauptet  werden.  Diese  Grundmasse  enthált  Magnetit- 
staub  in  quadratischen  Kornchen  von  ini  Mittel  ^mm  Grosse  in  nicht  besonderer 
Menge  eingestreut,  ausserdem  aber  noch  winzige  griine  Fleckchen,  welche  ein  nicht 
urspriingliches  Minerál  zu  sein  scheinen,  da  sie  sich  auch,  uud  zwar  in  grosserer 
Menge  als  in  der  Grundmasse,  in  der  Náhe  zahlreicher  winziger  Kisse,  welche  das 
Gestein  durchsetzen,  angeháuft  finden.  Man  bezeichnet  solche  Mineralien  sonst 
als  Chlorit,  auch  hier  spricht  manches  dafiir,  dass  diese  Fárbungen  demselben 
angehoren  konnten;  ganz  bestimmte  Kennzeichen  qder  Belege  dafiir  konnen  jedoch 
nicht  gegeben  werden.  Bis  \mm  breite  Schniire  von  Calcit,  aus  Kórnern  mit  deut- 
licher  Zwillingstextur  bestehend,  und  mit  Limonitflecken  an  gewissen  Stellen,  ent- 
sprechen  iufiltrirten  Mineralien. 

Trotz  der  Bezeichnung  des  Gesteines  als  Felsit  zeigt  das  Mikroskop  doch 
wenige  ausgeschiedene,  lang  rechteckige  Krystalle  von  bis  1/3IEm  Breite  in  der 
dichten  (unter  dem  Mikroskop  deutlich  kornigen)  Grundmasse.  Diese  Krystalle 
sind  Orthoklas,  welche  zuweilen  auch  zwillingsartige  Verwachsungen  zeigen. 

In  Folge  der  Einmengung  von  Mineralien  im  Felsite,  welche  keine  oder 
wenig  Si02  enthalten,  wie  Magnetit,  Calcit,  das  griine  chloritáhnliche  Minerál, 
wird  der  Gesammtgehalt  der  Si02  im  Gesteine  bis  zu  etwa  66°/0  wie  die  Analyse 
zeigt,  herabgedruckt.  Da  nun  Orthoklas  selbst  etwa  64V20/0  Si02  enthált,  so  muss 
Quarz  doch  in  geringer  Menge  in  der  Grundmasse  vorhanden  sein,  worauf  manche 
im  polarisirten  Lichte  in  derselben  lebhafter  gefárbten  Kornchen  hinweisen  durften. 

Diorit. 

Unter  diesem  Namen  werden  alle  deutlich  kornigen  Abarten  dieses  so 
gemeinen  und  recht  typisch  im  Eisengebirge  auftretenden  Gesteines  bezeichnet, 
welche  theils  quarzfiihrend  oder  quarzfrei  oder  auch  epidotháltig  sind.  Die  dichten 


123 


,  aphanitischen  Varietáten  sind  sowohl  der  Textur,  als  auch,  was  noch  mehr  ins 
ji  Gewicht  fállt,  genetisch  von  dem  kornigen  Gesteine  getrennt,  wesshalb  sie  auch 
[  eigens  angefiihrt  erscheinen.  Es  ist  recht  inerkwurdig,  dass  sobald  ein  Dioritmagraa 
(  in  silurischen  Gesteinen  auftritt,  dasselbe  im  Eisengebírge  meist  dicht  oder  bei- 
i  nahé  dicht,  in  krystallinischen  anderen  Gesteinen  meist  Eruptivgesteinen  von  etwas 
geringerem  Alter  (als  das  Untersilur)  aber  deutlich  krystallinisch  kornig  sich 
ausbildet.  Der  Grund  dafúr  liegt  nahe.  Die  Diorite  des  Silures  sind  meist  gleich- 
i  zeitige  Bildungen  mit  den  tiefsten  Schichten  desselben  (meist  B  auch  C),  desshalb 
j  das  Dioritmagma,  weil  die  Schichten  B  und  C  sedimentáren  Ursprunges  sind  unter 
!  Wasser  schnell  erstarrte  und  sich  zu  Dioritaphanit  ausbildete ;  wáhrend  die  Gang- 
t  oder  Gangstockmassen  in  anderen  krystallinischen  Gesteinen  (meist  Graniten)  ohne 
schnelle  Abkiihlung,  die  deutlichst  kórnige  Textur  annehmen  konnten.  Ůbrigens 
i1  treten  auch  deutlich  kórnige  dioritische  Gesteine  im  Silure  dort  zum  Vorschein, 
(  wo  sie  gangformig  gelagert  erscheinen,  was  mit  dem  Auftreten  in  Graniten  den 

Bildungs-  und  Erstarrungsum  stán  den  nach  zusammenfállt. 
,  Die  Hauptmasse  der  kornigen  Diorite  ist  an  das  Nebengestein  des  rothen 

Granites  gebunden.  Diorite  und  rothe  Granite  scheinen  mitsammen  in  einem  nahen 
\  genetischen  Verháltnisse  zu  stehen,  weil  sie  so  háuřig  vergesellschaftet  angetroífen 
'  werden.    Diorit  bildet  Gánge  oder  Gangstócke  im  rothen  Granit;  rother  Granit 
durchsetzt  auch  den  Diorit  in  Gangform.  Leider  kann  etwas  Bestimmtes  uber  das 
Yerháltniss  beider  Gesteine  zueinander  zur  Zeit  desshalb  noch  nicht  gegeben 
werden,  weil  es  noch  an  hinreichenden  und  bestimmten  Beobachtungen  fehlt;  die 
Angabe  von  gewissen  Verháltnissen  sich  demnach  theilweise  nur  als  Vermuthung 
|  herausstellt ,  welcher  oft  die  beobachteten  Thatsachen  als  sichere  Basis  noch 
abgehen.  Ausser  in  rothen  Graniten  sind  Diorite  in  andern  theils  laurentinischen 
theils  silurischen  Gesteinen  ebenfalls,  jedoch  nicht  so  háufig  anzutreffen. 

Beachtenswerth,  aber  keineswegs  als  Begel  aufzustellen  sind  die  Beobach- 
tungen betreffs  der  Textur  der  Diorite.  Wenig  máchtige  Dioritgánge  sind  in  der 
Regel  kleinkorniger  ausgebildete  als  máchtigere  Stocke.  Gangformige  Dioritlager- 
státten  sind  in  gewissen  Fállen  nur  in  der  Gang(Stock)-Mitte  regellos  kornig,  in  der 
Nahe  des  Nebengesteines  parallel  zur  Begránzungsfláche  schiefrig,  mit  oft  angerei- 
chertem  Amphibol,  so  dass  bei  fliichtigen  Beobachtungen  oder  mangelnden  Auf- 
1  schlussen,  insbesondere  in  der  Nahe  von  wirklich  geschichteten  Gesteinen  das 
Verkennen  solcher  schiefrigen  Diorite  der  Gangstockulmen  mit  Amphiboliten 
(Amphibolschiefern)  móglich  wáre.  Es  bestehen  zwischen  den  schiefrigen  Aus- 
bildungen  der  Diorite  an  den  Gangulmen  und  den  granitisch  kornigen  in  der 
Gangstockmitte  unmerkliche  Ůbergánge.  Tiefer  unten,  bei  den  Uralit-Dioriten  wird 
dieses  besonders  auffállige  Verháltniss  noch  erwáhnt  werden. 

Eine  andere  Erscheinung  bei  máchtigen  Dioritstócken  ist  die,  dass  in 
gewissen  derselben  in  der  Mitte  Corsit  erscheint,  dass  sie  demnach  eine  Hulle  um 
das  Anorthit-Amphibolgestein  bilden,  obwohl  es  auch  Corsite  gibt,  die  nicht  iinmer 
eine  solche  Diorithulle  besitzen.  Es  wáre  nun  recht  erwiinscht  das  Verháltniss 
zwischen  der  Diorithulle  und  den  Corsitstockmitten  zu  kennen:  ob  námlich  beide 
Gesteine  dadurch  allmáhlig  in  einander  iibergehen,  dass  entweder  neben  Plagioklas 
auch  Anorthit  in  zunehmender  Menge  hinzutritt,  oder  dass  sich  die  Plagioklas- 


124 


masse  (als  Molekůl-Gemenge  von  Albit  mit  Anorthit  betrachtet)  durch  allmáhligen 
Riicktritt  der  Albit-Molekiile  iu  Anorthit  umándert,  oder  dass  im  zweiten  Falle 
Corsit  und  Diorit  scliarf  getrennt  sind  und  allenfalls  nur  durch  Apophysen  mit 
einander  verbunden  erscheinen.  So  erwiinscht  es  nun  wáre,  dieses  Verháltniss  klar- 
gestellt  zu  wissen,  so  sind  die  thatsáchlich  beobachteten  Verháltnisse  doch  so 
unzureichend  und  bald  der  einen  allmáhligen,  bald  der  andern  scharfen  Gránze 
zuneigend,  dass  sie  derzeit  noch  keine  bestimmiere  Ansicht  aufkommen  lassen, 
die  auf  Grund  beobachteter  Thatsachen  viel  Wahrscheinlichkeit  in  sich  hátte. 
Vielleicht  sind  beide  Falle  móglich,  weil  man  sich  unter  verschiedenen  Ver- 
háltnissen  versucht  fiihlt  bald  der  einen  oder  der  andern  Erklárungsweise  das 
Ůbergewicht  einzuráumen.  Die  neueren  Gesichtspunkte  in  der  Geologie  werfen 
immer  solche  Fragen  auf,  deren  Losung  oft  nur  spáter  gelingt,  und  die  vorláufig 
nicht  praeciser  zu  beantworten  sind. 

So  wie  gewisse  Diorite  sich  als  Hůlle  von  Corsiten  ergeben,  so  werden  die- 
selben  wiederum  in  gewissen  Fállen  von  Syeniten  umhiillt,  welche  letzteren,  den 
Mantel  mancher  Dioritstocke  bildend,  dieselben  wiederum  mit  den  Graniten  ver- 
binclen.  Die  Syenite  scheinen  nun  durch  Ůbergang  aus  dem  Diorite  sich  dadurch 
herauszubilden,  dass  blass  fleischrother  oder  anderer  Orthoklas  in  ziemlicher  und 
gegen  die  Nebengesteinsgránzen  in  zunehmender  Menge  zum  Dioritgemenge  hin- 
zutritt.  Auch  hier  zeigen  dann  die  Syenite  (die  oligoklasháltig  sind)  theilweise  eine 
Tendenz  zu  planer  Paralleltextur.  Dieses  Verháltniss  zwischen  Diorit  und  Gránz- 
Syenit  scheint  auch  die  Moglichkeit  des  Ůberganges  von  Corsit  in  Gránzdiorit 
begreiflich  zu  machen,  es  fehlt  jedoch  fiir  die  Annahme  des  letzteren  Falles  noch  eine 
unumstossliche  Beobachtung.  Es  ist  dieses  hier  desshalb  vorausgeschickt  worden,  weil 
auf  der  geologischen  Kartě  diese  Gránzverháltnisse  nicht  immer  darstellbar  sind  und 
dass  demnach  manche  Falle,  wo  die  Kartě  Dioritfarben  zeigt,  das  Ende  oder  die 
Gránze  solcher  Ausscheidungenals  Syenit  zu  deuten  wáren;  ebenso  wáren  theil- 
weise als  Syenite  verzeichnete  Gesteine  stellenweise  mehr  dem  Diorit  áhnlich,  da 
eben  eine  scharfe  Trennung  unmóglich  ist. 

Im  Allgemeinen  sind  die  Diorite  dort  háufiger,  wo  auch  rothe  Granite  zum 
Vorschein  kommen,  demnach  in  WS  Fortsetzung  des  Eisengebirges,  besonders  im 
Parallelkreise  von  Nassaberg.  Hier  treten  deutlich  mittelkornige  Diorite  in  Gángen 
und  Gangstocken  von  Kraskov  an  gezáhlt  in  der  Richtung  von  West  nach  O  st  bis 
iiber  Podskalí  (WN  Skuč)  zum  Vorschein,  wo  nur  die  Bedeckung  durch  Kreide- 
gebilde  die  weitere  nordostliche  Verfolgung  derselben  unmóglich  macht.  Eine  Auf- 
záhlung  der  einzelnen  Lagerstátten  kann  desshalb  schon  nicht  gegeben  werden, 
weil  gewiss  nicht  alle  erkannt  sind. 

Deutlich  mittelkornige  Diorite  finden  sich  bei  Kraskov,  Žďárec,  N  Seč  hier 
mit  Corsit  verbunden,  an  der  Ohebka  in  Bojanov  und  W  Bojanov,  bei  Deutsch- 
Lhotic  und  Samářov,  W  Křižanovic,  Slavic,  Hradišť  und  Bóhmisch-Lhotic ,  W 
Nassaberg.  Ein  langer  Gangstock  zieht  sich  von  Nassaberg  liber  Bratránov  nach 
Krupín  in  der  Lánge  von  iiber  3  km  und  in  der  Máchtigkeit  von  bis  2/3  km.  Der 
bedeutendste  Gangstock  setzt  aber  S  Podlejštan  iiber  N  Božko  v,  A7  Podbožovský 
mlýn  iiber  den  Hořičkaberg  (S  Smrček),  N  Louka  in  die  Schlucht,  welche  von 
Chácholic  gegen  Kostelec  (TFAWSkuč)  sich  hinzieht.  Hier  wird  jedoch  der  Gang- 


125 


stock  durch  uberlagerte  cretaceische  Schi chtěn  bis  auf  die  Thalsohle  ganz  verdeckt. 
Die  Lánge  des  Stockes  dem  Streichen  nach  von  S  Podlejštan  bis  S  Chlácholic 
betrágt  beinahe  1  Myriameter;  gewiss  setzt  sich  aber  der  Stock  noch  unter  Kreide- 
gebilden  weiter  fort. 

Mehr  vereinzelnt  finden  sich  kórnige  Diorite  theilweise  auch  an  Gesteins- 
gránzen  O  und  W  von  Hlinsko,  so  bei  Planan,  Srny,  Rváčov,  Stany,  Schónfeld 
(Jasné  pole). 

Eine  andere  betráchtliche  Masse  mittelkórnigen  Diorites  bildet  eine  kranz- 
fórmige  Hiille  um  den  Corsitkranz,  der  wiederum  Serpentin  umhtillt  bei  Ransko. 
Der  Durchmesser  des  umfassenden  Dioritringes  betrágt  etwa  5  km.  Seině  innere 
Fláche  beriihrt  Corsit,  sein  áusserer  Ranci  geht  in  Amphibol granit  iiber  und  beruhrt 
theils  rothen,  theils  grauen  Granit,  theils  schiefrig  flasrigen  Biotitgneus.  Ein  Theil 
des  Dioritkranzes  liegt  unter  jůngeren  Gebilden  verdeckt.  Seině  síidlichen  Depen- 
denzen  bilden  die  einzelnen  Gangstócke  S  Peršikov  NW  und  SO  Hutě  (bei  Ransko 
W).  Eine  sehr  bedeutende  Gangstockmasse,  von  rothem  Granit  und  rothem  Gneus 
eingefasst  ist  N  Studenec  (O  Chotěboř),  von  Dolní  Vestec  iiber  Štiková,  Huť, 
Žalost  bis  gegen  Rovné  ausgebreitet.  Vielleicht  hángt  diese  Masse  unter  Kreide- 
schichten  mit  clem  Ranskoer  Dioritmassiv  zusammen  oder  steht  mit  demselben 
wenigstens  in  ursáchlichem  Zusammenhange.    Die  Lánge  des  Stockes  diirfte  bis 

4  km,  seine  sichtbare  Máchtigkeit  der  Anschwellung  nach  etwa  2  km  betragen. 
Erwáhnenswerth  ist  noch  der  Stock  mittelkórnigen  Diorites  bei  Zbyslavec  (WNW 
Ronov),  der  mit  Syenit  vergesellschaftet  ist.  Sámmtliche  diese  mittelkórnigen 
Diorite  sind  theilweise  auch  quarzfuhrend. 

Kleinkórnige  Diorite  enthalten  bei  Vejsonín  (8  Svídnice,  S  Chrudim)  und 

5  Malé  Lukavice  (N  Žumberg)  bedeutende  Mengen  von  Pyritkórnern  ausgeschieden, 
so  dass  sie  als  Pyritdiorite  angefuhrt  werden  kónnten.  Auf  der  Kartě  sind  sie  als 
gewóhnliche  Diorite  eingetragen. 

Epiclotdiorite  bilden  Gánge  SW  Trpišov,  O  Práčov,  (S  Chrudim)  in  Felsit- 
porphyren  und  rothem  Granit.  Theilweise  sind  sie  so  kleinkórnig,  dass  sie  den 
Ůbergang  zu  Epidotdioritaphanit  bedingen,  mit  welchem  sie  gleichzeitiger  Ent- 
stehung  sein  durften. 

An  den  Elbeufern  bei  Elbe-Teinic,  vornehmlich  aber  linkerseits  der  Elbe 
werden  oberlaurentinische  oder  tief  cambrische  Gesteine  durch  Gánge  durchsetzt, 
welche  nur  als  Diorit  zu  deuten  sind.  In  denselben  ist  aber  der  Amphibol  meist 
dunkelgriin,  wáhrend  er  in  den  vorerwáhnten  Massen  grunlichschwarz  gefárbt 
erscheint.  Am  Contacte  mit  andern  Gesteinen  zeigen  diese  Diorite,  welche  auch 
Biotit  in  sich  aufnehmen,  vornehmlich  aber  bei  und  in  Vinařic  plane  Parallel- 
textur.  Nur  in  Handstůcken  betrachtet  kónnten  clieselben  auch  mit  unvollkommen 
schiefrigen  Amphiboliten  verwechselt  werclen.  Trotz  der  Dioritnatur  clieser  Gesteine, 
sie  bestehen  námiich  aus  Plagioklas  und  Amphibol,  werden  dieselben  aber  erst 
bei  dem  Gabbro  spáter  angefuhrt  werden,  da  sie  mit  demselben  in  ursáchlichem 
Zusammenhange  stehen,  indem  sie  eigentlich  zu  Diorit  umgewandelte  Gabbro- 
masse  vorstellen.  Der  Amphibol  derselben  ist  námiich  Uralit  und  sie  werden  als 
Uralit-  oder  Labrador-Diorit  dem  Gabbro  angefugt,  getrennt  von  den  eigentlichen 
Pioriten  beschrieben  werden, 


126 


Im  Allgemeinen  siud  die  Diorite  den  Corsiten  recht  áhnlich,  denn  es 
besteht  ja  doch  nur  ein  feiner  Unterschied,  die  Nátur  des  Plagioklases  betreffend, 
welcher  beide  Gesteine  von  einander  trennt.  Die  etwas  grober  mittelkornig  zusammen- 
gesetzten  Diorite  besitzen  wie  der  Corsit  eine  weisse  erdige  Verwitterungskruste 
an  Stelle  des  Plagioklases;  dennoch  sind  narbige  und  grubig-luckige  Oberfláchen 
von  Dioritblócken  mit  vertieften  Plagioklasauswaschungen  und  erhóhten  Amphibol- 
narben  verháltnissmássig  selten  gegeniiber  dieser  Ausbildung  der  Verwitterungs- 
kruste beim  Corsit,  so  dass  in  diesem  mehr  negativen  Verhalten  ein  Erkennungs- 
zeichen  fiir  Diorit  vorbanden  wáre.  Wáhrend  bei  Corsit  die  Amphibole  mindestens 
oberfláchlich  immer  grasgriin,  zuweilen  auch  im  frischen  Bruche  ebenso,  sonst 
aber  meist  dunkel  grasgriin  gefárbt  erscheinen,  was  theilweise  Folge  der  Lockerung 
durch  Zerfaserung  ist,  sincl  bei  Diorit  die  Amphibole  im  frischen  Bruche  nur 
griinlichschwarz,  so  dass  sie  hier  immer  nur  als  schwarz  bezeichnet  werden,  an 
der  angewitterten  Oberfláche  aber  bedeutender  dunkelgriin  als  dies  beim  Corsit 
der  Fall  ist.  Die  schwarze  Farbe  des  Amphiboles,  herrůhrend  von  einer  an  FeO 
reich eren  Varietát  desselben  ist  fiir  Diorit  charakteristisch.  Ebenso  verschieden 
ist  das  Verhalten  des  Diorit-Plagioklases  gegeniiber  dem  Anorthite  des  Corsites. 
Frische  Bruchfláchen  zeigen  beim  Dioritplagioklase  die  sehr  gute  Spaltbarkeit, 
einen  vom  Anorthite  unterschiedlichen  Glanz  und  falls  die  oPfláche  iiberhaupt 
wahrnehmbare  Zwillingsriefung  zeigt,  so  ist  dieselbe  immer  ganz  deutlich,  scharf 
und  ununterbrochen,  was  dem  Anorthite  nicht  zukommt. 

Der  Diorit  des  langen  Gangstockes  von  Božov-Chácholic  zeigt  meist  grob 
bis  mittelkórnige  Varietáten,  zuweilen  auch  kleinkórnige ;  der  Diorit  ist  demnach  ein 
quarzfiihrender.  Eine  Probe  des  Gesteines  vom  Berge  Hořička  (bei  Hlína  W, 
Smrček  S)  zeigt  die  mittelkórnige  bis  grob-kórnige  Textur  deutlich,  die  Gemengthleile 
erreichen  in  der  mittelkornigen  Varietát  bis  3— 4mm  Breite;  der  Plagioklas  herrscht 
etwas  vor.  Nur  ganz  spárlich  und  vereinzelnt  sind  in  dem  kórnigen  Gemenge  viel 
gróssere  Quarzkorner  von  weisser  etwas  ins  bláuliche  spielenden  Farbe  und  milchig 
schielendem  Glanze  eingewachsen.  Die  Plagioklasspaltungsfláchen  zeigen  beinahe 
keine  Zwillings-Streifung  unter  der  Loupe,  wesshalb  das  Gestein  mit  Syenit  zu  ver- 
wechseln  wáre.  Die  Klufte  und  Ablósungen  welche  den  Diorit  durchsetzen,  sind  mit 
Epidotdrusen,  sogar  mit  langen,  bis  diinn  fingerdicken  Epidotsáulen  bedeckt,  welche 
stellenweise  Krystallfláchen  zeigen.  Eine  andere  Gesteinsprobe  W  vom  Hořička- 
húgel,  zwischen  demselben  und  der  Podbožover  Miihle  stammend,  in  fingerdicken 
Kliiften  und  Ablósungen  ebenfalls  mit  Epidot  stellenweise  uberdrust,  oder  nur 
einzelne  Krystallgruppen  tragend,  besitzt  etwas  vorwiegenden  schwarzen  Amphibol 
und  nebst  Plagioklas  etwas  reichlichere  aber  doch  nur  accesorisch  auftretende 
Quarzkorner.  Die  Grosse  der  Gemengtheile  betrágt  im  Mittel  2 — 3mm.  Hie  und 
da  ist  ein  Epidotkórnchen  oder  ein  ganz  unbedeutend  kleines  Pyritkornchen,  letzteres 
meist  im  Amphibol  eingewachsen,  zu  beobachten.  Die  Plagioklase  zeigen  unter  der 
Loupe  keine  warnehmbare  Streifung. 

Aus  dieser  zweitgenannten  Probe  wurden  nach  Zertrummerung  derselben 
zu  einem  róschen  Korné  die  reinsten  Plagioklaskornchen  ausgesucht.  Trotz  der 
Miihe  des  Auslesens  derselben  zeigten  sie  doch  bei  stárkerer  Vergrosserung  Spuren 
von  Amphibolnádelchen  und  Epidotkórnchen,  die  nicht  zu  entfernen  waren,  auf 


127 


die  Analyse  aber  nur  ganz  verschwindend  einwirken  konnten.  Die  theilweise  Unter- 
suehung  des  Dioritplagioklases  mit  *2gr  Substanz  und  des  Diorites  selbst  mit 
l-16g  gab 

fur  den  Plagioklas  fiir  den  Diorit 

Si02    57*09  47-99 
CaO     9.76  12-07 
MgO    Spur  unbestimmt 
Gliíhverlust     2*15  2*43 
ausserdem  im  Plagioklas  noch  einen  Al2  03-gehalt  von  mehr  denn  25°/0.    Da  der 
in  Spuren  dem  Plagioklase  anhaftende  Amphibol  weniger  Si02  und  mehr  CaO, 
als  der  Plagioklas,  der  Epidot  aber  Si02  —  38,  CaO  —  25°/0  enthált,  so  tracbten 
die  Spuren  beider  Mineralien  den  Si02-Gehalt  der  Analyse  herabzudrúcken  und 
den  CaO-Gehalt  zu  erhóhen.    Die  ganz  reine  Plagioklassubstanz  hátte  demnach 
um  etwas  unbedeutendes  mehr  Si02  und  weniger  CaO  als  die  Analyse  angibt. 23) 

Dieser  Diorit  bestunde  demnach  aus  einem  Gemenge  von  56°/0  Plagioklas, 
43°/0  Amphibol  und  etwa  l°/0  Magnetit,  Epidot. 

Unter  dem  Mikroskop  zeigt  die  Varietát  vom  Hořičkahugel  theilweise 
wolkig  getrubte  und  fleckenweise  ganz  durchsichtige  Plagioklase,  welche  Aggregate 
zu  je  einigen  Individuen,  deren  Grosse  llj2mm  bis  4/5mm  betrágt,  bilden,  und  die 
dann  die  oben  angefuhrten,  mit  freiem  Auge  sichtbaren  weissen  Kórner  zusammen- 
setzen.  Die  etwas  weniger  bedeutenden  Amphibolaggregate  —  den  Raum  zwischen 
den  Plagioklasen  einnehmend  —  bestehen  trotz  des  Diinnschliífes,  aus  so  bedeutend 
stark  gefárbter,  weil  sehr  viel  Ferromonoxyd  enthaltender  Mineralvarietát  dass  sie 
beinahe  gánzlich  undurchsichtig,  dunkelgrasgriin  bis  tiefdunkel  bouteillengriin  gefárbt 
erscheinen.  In  diesem  Verhalten,  cler  geringeren  Pelluciditát  liegt  der  Unterschied 
der  Dioritamphibole  von  clen  grasgriin  durchsichtigen  Corsitamphibolen.  Nur  die 
allerdunnsten  Splitter  sind  entweder  grasgriin  oder  bráunlich  bouteillengriin,  je 
nach  dem  Schnitte  derselben.  Der  Pleochroismus  ist  sehr  bedeutend,  die  Spalt- 
barkeit  gut  sichtbar,  das  lángste  beobachtete  Amphibolprisma  misst  S1^^;  kleinere 
Amphibolsáulen  sind  in  den  Plagioklasaggregaten  nicht  so  háufig  eingewachsen, 
als  dies  beim  Corsit  der  Fall  ist.  Magnetit  in  ganz  geringer  Menge  ist  in  dem 
Amphibol  in  Kórnchen  eingewachsen  zu  finden.  Der  Plagioklas  zeigt  im  polari- 
sirten  Lichte  nur  unvollkommene  Zwillingsfárbung  in  Bándern  und  das  nur  in  den 
gánzlich  durchsichtigen  Flecken  desselben.  Nach  dem  Auftreten  von  vielen  blass 
einfárbigen  Querschnitten  konnte  der  Vermuthung  Raum  gegeben  werden,  dass 
ein  ziemlicher  Antheil  des  Feldspathes  monoklin  sei,  das  Gestein  demnach  zu 
Syenit  zu  stellen  wáre.  Dem  widerspricht  aber  die  oben  angefiihrte  Analyse  des 
Plagioklases  selbst.  Es  ist  demnach  bei  Deutung  von  einfárbigen  Feldspáthen 
neben  gebánderten  Vorsicht  zu  gebrauchen,  da  nicht  alles  was  keine  Zwilling- 
streifung  im  polarisirten  Lichte  zeigt,  desshalb  schon  Orthoklas  ist.  Von  Quarz 
fiel  kein  Korn  in  den  Schliff,  weil  dieses  Minerál  obwohl  in  grossen  Kórnern  ohne 
fremde  Einschliisse,  doch  nicht  háufig,  sondern  nur  untergeordnet  auftritt. 

Einige  Amphibolkórner  sind  stellenweise  mit  ólgelbem  bis  zeisiggelbem 
Epidot  eiogefasst,  auch  im  Plagioklas  finden  sich  bis  hóchstens  V3mm  grosse  Kórner 
dieses  Minerales  als  unwesentlicher  Gemengtheil.  Vornehmlich  liebt  es  der  Epidot 


128 


sich  in  gewissen  Kliiften  im  Plagioklas  anzusiedeln,  in  deren  Náhe,  wiewohl  sehr 
selten,  auch  aus  Schiippchen  von  Haematit  bestehencle  Kerne  anzutreffen  sind.  Wenn 
schon  das  Vorkommen  der  Epidotkrystallgruppen  in  den  Kliiften  und  Ablosungen 
dieses  Diorites  die  spátere  Bildung  dieses  Minerales  aus  den  zersetzten  Genieng 
theilen  des  Diorites  klar  darthut,  so  bestátigt  auch  die  Art  des  miki  oskopischen 
Vorkommens  die  spátere  Entstehung  dieses  so  háufigen  Minerales. 

Die  etwas  weniges  kleinkornigere  frischere  Yarietát  von  Podbožov  zeigt 
u.  d.  M.  das  gleiche  Verhalten.  Die  Plagioklase  sind  frischer,  im  polarisirten 
Lichte,  obwohl  nicht  durchgehends  deutlicher  gebándert;  der  Amphibol  beinahe 
undurchsichtig,  tief  dunkelgrasgriin  bis  schmutzig  bouteillengriin.  Im  Amphibol 
sind  kleine,  im  Mittel  -^mm  messende  Magnetitkórner  eingewachsen.  Epidot  bildet 
entweder  den  Saum  gewisser  Amphibole,  oder  ist  er  in  Kliiftchen  im  Plagioklas 
angesiedelt,  oder  aber  impraegnirt  er,  den  Spaltungsfláchen  nach  eindringend, 
gewisse  Parthieen  des  Feldspathes.  Im  Ganzen  aber  ist  die  Epidotmenge  ganz 
gering.    Quarz,  der  am  Bruche  sichtbar  ist,  fiel  nicht  in  den  Dúnnschliff. 

Sudwestlich  von  Skála,  NO  von  Kostelec,  ONO  von  Hlína,  ist  in  der 
Schlucht  daselbst  an  der  Bahn  ein  frischer  Diorit  des  obbenannten  langen  Gang- 
stockes  entblosst,  in  welchem,  neben  mittel-  und  grobkornigen  Abarten  eine  beinahe 
feinkornige  ganz  tadellos  frische  Varietát  von  dunkelgrauer  Farbe  gangformige 
Ausscheidungen  bildet.  Die  Ablosungen  dieses  Diorites  sind  nur  schwach  kreide- 
weiss  gefárbt  und  tragen  keine  Epidotkrusten  an  sich.  Im  Bruche  zeigt  das  stark 
glitzernde  frische  Gemenge  keine  unterscheidbaren  Gemengtheile,  ausser  unter  der 
Loupe  durchsichtige  und  Schwarze  Spaltungsfláchen  von  starker  Spiegelung. 

Eine  theilweise  Untersuchung  mit  l*2g  dieses  Gesteins  ergab: 

Si02  43-54 

Al2  03  21-53 

Fe2  03  10-55 

CaO  12-29 

MgO  6-40 

Fe3  04  4-00 

Gluhverlust  -85 

Die  Analyse  bestimmte  das  FeO  des  Amphiboles  nur  als  Fe203  da  eine 
Trennung  nicht  vorgenommen  wurde ;  Alka  Hen,  auf  welche  keine  Biicksicht  genom- 
men  wurde,  durften  nur  in  ganz  geringer  Menge  etwas  uber  1%  vorhanden  sein. 

Der  Gehalt  an  Magnetit  Fe3  04  wurde  clerartig  ermittelt,  dass  das  gepulverte 
Minerál  in  der  Kalte  mit  Chlorwasserstoffsáure  bchandelt  wurde,  welche  Fe3  04  lost. 

Auffallend  ist  der  niedrige  Gehalt  an  Si02,  welcher  fur  Corsit  sprechen 
wiirde;  doch  wenn  die  SiO^menge  auf  magnetitfreie  Substanz  berechnet  wird, 
ergibt  sich  Si02  =  45l/30/o,  allein  auch  das  ist  fůr  Diorit  niedrig  genug  zum 
Beweise,  dass  der  Amphibol  ein  sehr  eisenreicher  und  siliciumdioxydarmer  ist, 
worauf  seine  bedeutend  geringe  Durchsichtigkeit  im  Duunschliífe  hindeutet, 24) 

Wenn  mit  Benutzung  der  theilweisen  Analyse  des  Plagioklases  unter  der 
Voraussetzung,  dass  derselbe  auch  in  dieser  Dioritvarietát  dieselbe  Zusammen- 


129 


setzung  habe,  die  Mengeuverháltnisse  der  Dioritgemeugtheile  und  die  genáherte 
'Zusammensetzung  des  Amphiboles  selbst,  berechnet  werden,  ergibt  sich  folgendes: 

Das  Gemenge  vou  Amphibol  und  Plagioklas  steht  im  Verháltnisse  von  ^|  j 
da  aber  auch  Magnetit  hinzutritt,  so  kommen  Amphibol,  Plagioklas  und  Magnetit 
im  Verháltnisse  von  74 : 22 : 4  im  Gemenge  zum  Ausdrucke. 

Dor  Amphibol  hátte  dann  etwa  folgende  Zusammensetzung,  wenn  von 
dessen  geringer  Alkalimenge,  die  derselbe  enthalten  diirfte,  abgesehen  wird: 

Si02  44V2% 
Al2  03  20 

Fe203  11-8  oder  auf  FeO  umgerechnet      FeO  10% 

CaO  14V3 

,  MgO  83/4 

[Der  Amphibol  wáre  demnach  ein  bedeutend  thonerdehaltiger,  eisenreicher. 25) 

Wenn  der  Diorit  fein  zerrieben  wird,  so  zeigen  die  staubfórmig  zertheilten 
Gemengtheile  unter  dem  Mikroskope  gánzlich  durchsichtige  Plagioklassplitter  und 
graulich-  bis  rein  bouteillengriine  Amphibolspaltungsstiickchen.  Die  satte  Farbe 
der  hochst  zarten,  zu  Staub  zerriebenen  Amphibole  deutet  schon  die  bedeutend 
geringe  Pelluciditát  der  Krystallaggregate  an. 

In  concertrirter  HC1  gekocht  gibt  das  feine  Pulver  des  Gesteines  nur  Eisen- 
verbindungen  (FeCl3,  FeCl2)  aber  keine  Zersetzungssalze  des  Plagioklases.  Der 
Plagioklas  ist  demnach  trotz  der  geringen  Si02-Menge  des  Diorites  kein  Anorthit. 
Im  Diinnschliffe  zeigen  sich  Leisten  von  Plagioklas  von  ziemlich  gleichbleibencler 
Grosse,  der  Lánge  bis  zu  %mm,  der  Breite  von  T\ — in  untergeordneter  Menge, 
neben  ebenfalls  stabartigen  meist  gleich  grossen,  xl2 — 1l3mm  langen,  — 2V"11 
breiten  vorherrschenden  Amphibolen  derartig  untermischt,  dass  die  Krystallprismen, 
wenn  auch  nicht  ganz,  so  doch  annáhernd  parallel  vertheilt  vorkommen,  demnach 
eine  Orientirung  zeigen.  Magnetitkorner  meist  von  ziemlich  gleicher  Grosse  von 
i5mm  etwa,  sind  in  grosser  Zahl  dazwischen  vertheilt  und  meist  an  den  Amphibol 
gebunden,  selten  auch  im  Plagioklas  eingewachsen.  Die  kleinsten  Magnetitkorner 
von  j\ — ¥Lmm  Grosse  zeigen  quadratische  Formen. 

Nur  stellenweise  und  ganz  untergeordnet  kommen  porpkyrartig  ausgeschie- 
den  bis  4/5mm  grosse  Plagioklas-  oder  Amphibolkrystalle  vor. 

Sehr  selten  sind  Txromm  breite  Nadeln  im  Plagioklas,  die  wahrscheinlich 
zum  Apatit  zu  stellen  wáren.  Auch  hier  sind  die  Amphibolstábchen  wenig  durch- 
sichtig,  bei  diinneren  Schichten  pleochroitisch,  ebenso  gefárbt  wie  schon  oben  ange- 
fuhrt  wurde.  Die  meisten  der  Plagioklasleisten  sind  im  polarisirten  Lichte  einfárbig, 
die  zwilliDgsartigen  Farbenbánder  der  Hemitropien  sind  oft  bis  4fach  wiederholt 
sichtbar.  Nur  die  spárlich  eingewachsenen  porphyrartig  ausgeschiedenen  Plagio- 
klase  zeigen  ganz  deutliche  Farbenbánder.  Epidot  und  Quarz  ist  im  Gemenge 
nicht  beobachtet. 

Eine  andere  untersuchte  Dioritprobe  stammt  %  km  westlich  von  Křiž a- 
novic  (WNW  Nassaberg)  wo  ein  ziemlich  máchtiger  Gangstock  (iiber  100 m)  neben 

9 


130 


andern  Gángen  im  rothen  Granit  zum  Vorschein  kommt.  Der  mittelkornige  Diorit 
mit  3— 4mm  groben  Gemengtheilen  ist  ganz  frisch  und  dem  Diorit  vom  Hořička- 
hiigel  áhnlich.  Der  Plagioklas  hat  einen  Stich  ius  graulichviolette.  Gewisse 
Spaltungsfláchen  desselben  zeigen  deutlich  eine  zařte  Streifung.  Durch  concentrirte 
Chlorwasserstoffsáure  wird  der  Plagioklas  nur  ganz  unbedeutend  angegriffen. 
Eine  theilweise  Analyse  des  Gestéines  mit  l*5g  ergab: 


Si02  48-45 
A1203  18*66 

Das  FeO  des  Gestéines  gewogen  als   Fe203  5-68 

CaO  12-22 
MgO  7-58 
Gliihverlust  -02 
Fe304  2-62 

Der  Magnetit  wurde  auf  die  Art  bestimmt,  dass  das  zerriebene  Gestein 
mit  HC1  m  der  Kalte  behandelt  wurde.  Ohne  Anwesenheit  des  Magnetites  wurde 
der  Gehalt  an  Si02  zu  49  3/4°/o  steigen.  Der  bedeutende  Rest  von  5%,  welcher 
zur  Šumme  100  fehlt,  entfállt  an  die  nicht  bestimmten  Alkalien.  In  dem  Gemenge 
lasst  sich  herausrechnen:  ein  Gehalt  von  Plagioklas  50V3°/0,  Amphibol  47°/  Ma- 
gnetit 22/3%- 

Unter  dem  Mikroskop  erscheint  der  schwarze  Amphibol  im  Dunnschliff 
unrem  grasgriin,  zu  lappigen  Fetzen  zertheilt,  an  denen  eine  unvollkommene  Zer- 
faserung  sichtbar  ist.  Winzige  Magnetite  sind  eingestreut  in  der  Amphibolmasse : 
aber  auch  bis  1-  grosse  Kórner  dieses  Minerales  durch  Anháufung  der  kleineren 
entstanden,  sind  hauřig  anzutreffen.  Nur  stellenweise  lehnen  sich  an  den  Rand 
der  Magnetite  kleine  Haematitpláttchen  an,  als  Zeichen  einer  anfangenden  Zer- 
setzung.  Der  Plagioklas  mit  nur  wenig  kleinen,  eingewachsenen  Amphibolkornern 
ist  ziemhch  frisch,  nur  ganz  gering  trube  gefleckt.  Zwillingsstreifung  zeigt  er  im 
polansirten  Lichte  viel  auftalliger  als  die  Proben  vom  Hořičkahiigel  oder  von  Pod- 
bozovský  mlýn.  Sonst  erinnert  dasVerhalten  ganz  an  das  schon  oben  beschriebene 
Epidot  und  Quarz  ist  nicht  nachweisbar. 

Bei  Stan  und  Jasné  pole  (Schónfeld)  durchsetzen  dunkle  kleinkórnige 
Dionte  Ghmmerschiefer,  Gneuse  und  Granite  in  nicht  bedeutend  máchtigen  Gángen 
Eme  Probe  von  Jasné  po le  (Schónfeld)  von  kleinkornigem  Gefiige  und  schmutzig 
dunkelgruner  Farbe  zeigte  nur  an  der  etwas  angewitterten  Oberfláche,  wo  die  Plagio- 
klase  kreideweiss  gefárbt  erschienen,  kurze,  2-3—  lange,  7,-1™  breite  Sáulchen 
von  schwarzgrunem  Amphibol. 

Unter  d.  M.  erscheinen  die  Amphibole  verschieden  grasgriin  gefárbt,  unregel- 
massig  lappig  und  an  den  Randem  moosartig  zertheilt,  aus  Fasern  bestehend  Im 
durchsichtigen  Plagioklas  treten  entweder  kleine  Tk—  bmm  breite,  bis  i™  lange 
btabchen  von  etwas  blásser  grasgrúnem  Amphibol  in  grosser  Anzahl  zum  Vorschein 
welche  stellenweise  moosartige  Aggregate  bilden.  Magnetitkomchen  oder  Háufchen 
oder  zusammenhángende  Aggregate  sind  vornehmlich  im  Amphibol  eingewachsen 
Pyntkorner  bis  ^  gross  sind  selten.  Der  Plagioklas  aus  Krystallkornern  bestehend 


131 


zeigt  nur  theilweise  die  chromatische  Zwillingsstreifung  ganz  deutlich,  námlich  ins- 
besondere  dort,  wo  die  Krystallaggregate  riicht  bedeutcnd  klein  sind,  denn  durch 
inrinimale  Dimensionen  wird  bei  Plagioklasen  die  Zwillingsstreifung  sehr  háufig 
verdeckt.  Ganz  důnne  Nadeln  von  5i<ymm  Durchmesser,  die  im  Plagioklase  ein- 
gewachsen  sind,  konnten  als  Apatit  gedeutet  werden.  Einige  ganz  seltene  schwarze 
Stábchen  von  eben  solcher  Breite  wie  der  Apatit  konnten  vielleicht  ílmenit  sein. 

Aucli  sehr  pyritreiche  Diorite  sind  verbreitet  im  Eisengebirge.  Dieselben 
stellen  jedocli  meist  sehr  kleinkornige  Varietáten  vor.  An  der  Gránze  zwischen 
rothem  Granit  unci  Quarzporphyr  oder  Felsit  oder  schiefrigem  Felsitporphyr 
kommen  Gange  und  Gangstocke  dieses  Gesteines  in  dem  Felsitporphyrzuge  Rtein- 
Malé  Lukavice  vor.  Zwei  Proben  sind  entnommen  von  einem  Gange  zwischen 
Bito  van  und  Žumberg  (etwas  náher  an  Bitovan),  dann  von  Vejsonín  SW  an  der 
Reichstrasse  von  Chrudim  nach  Nassaberg. 

Die  Pyritdiorite  zeigen  sich  stellenweise  unter  Tage  ganzlich  zersetzt  und 
faul,  etwas  ausgebleicht,  in  Kliiften  aber  mit  braunen  Limonitiiberzugen  oder  An- 
fliigen  íiberzogen.  Beide  Proben  sind  ganz  frisch. 

Das  Gestein  von  Bitovan  S  (Žumberg  N)  ist  griinlichgrau,  sehr  klein- 
kornig,  beinahe  feinkórnig,  jecloch  nicht  aphanitisch;  die  Zusammensetzung  der 
Grundmasse  ist  nicht  ersichtlich,  ausser  kleinen,  etwa  1— 2mm  grossen  porphyr- 
artig  ausgeschiedenen  Plagioklaskrystallen.  Kleine,  jedoch  auch  erbsengrosse  Pyrit- 
korner  sind  sehr  zahlreich,  mindestens  fleckenweise  eingewachsen ;  gewisse  davon 
besitzen  erkennbare  Wurfelform. 

Das  Mikroskop  lost  die  Masse  des  Diinnschliffes  vollkommen  auf.  In  dem 
weissen  durchsichtigen  Plagioklas  erscheinen  ohne  alle  Regel  zerstreut  Amphibol- 
stábchen  von  ziemlich  gleichbleibender  Grosse  von  ^mm  Breite  und  1l8mm  Lánge; 
selten  sind  die  blass  grasgriinen  Stábchen  sehr  breit.  Stellenweise  liegen  einige 
Amphibolstábchen  geháuft,  meist  aber  sind  sie  einzeln,  ohne  jede  Orientierung 
zerstreut.  Ebenso  ungleichformig  zerstreut  und  etwa  in  gleicher  Menge  vorkommend 
wie  der  Amphibol  findet  sich  Magnetit,  von  zarten  Punkten  an,  also  staubformig 
bis  zu  Aggregaten  von  (lmm  Breite;  meist  aber  herrschen  die  mittleren  Grossen 
von  -5\mm  Breite  vor.  Sámmtliche  Magnetitkorner  zeigen  deutliche  quadratische 
Formen.  Im  polarisirten  Lichte  zeigt  auch  der  Plagioklas  eine  kleinkornige,  aus 
ziemlich  gleich  grossen  Prismen  von  --^mm  Breite  und  bis  ^mm  Lánge  bestehende 
regellos  kornige  Zusammensetzung.  Der  Plagioklas  herrscht  bedeutend  vor,  Am- 
phibol und  Magnetit  in  uutergeordneter  Menge  halten  sich  das  Gleichgewicht.  Nur 
einzeln  kommen  grossere  Pyritkórner  bis  V2mm  Breite  zum  Vorschein. 

Der  Plagioklas  zeigt  im  polarisirten  Lichte  nur  einerlei  Farben,  bei  auf- 
merksamer  Beobachtung  sieht  man  jedoch  in  den  breiteren  Stábchen  desselben 
vereinzelnte  Zwillingsstriche.  Er  hat  ganz  das  Aussehen  von  Orthoklas,  was  wahr- 
scheinlich  in  der  Kleinheit  der  Individuen  desselben  seinen  Grund  hat. 

Die  Varietát  WSWvon  Vejsonín,  in  einem  Steinbruche  in  ganz  frischem 
Zustande  entblosst,  gleicht  ganz  der  Vorigen.  Nur  ist  die  Farbe  im  Bruche  etwas 
weniges  lichter  grau,  wreil  mehr  kleinere  Krystállchen  von  Plagioklas,  die  sich  von 

9* 


132 


der  Grundmassé  aber  schlecht  ablieben,  eingewachsen  erscheinen.  Das  Mikroskop 
zeigt  ausser  grosseren  und  etwas  háufigeren  Pyritkórnern,  was  nur  zufállig  ist,  ganz 
die  gleiche  Textur  und  Zusammensetzung,  wie  sie  vordem  angefuhrt  wurde.  In  der 
durchsichtigen  Plagioklasgrundmasse  lassen  sich  die  porphyrartig  eingewachsenen 
grosseren  Plagioklase  wohl,  aber  doch  nur  bei  einiger  Aufmerksamkeit  erkennen, 
weil  in  denselben  weniger  Amphibole  eingewachsen  vorkommen.  Die  kleinkornige 
Plagioklas-Grundmasse  zeigt  ganz  das  Verbalten  von  Orthoklas  ausser  in  einigen 
Querschnitten,  welche  bei  aufmerksamerer  Beobachtung  Andeutungen  von  Zwillings- 
bildung  wahrnehmen  lassen.  Allein  die  im  polarisirten  Liclite  deutlich  hervor- 
tretenden  Plagioklasrechtecke  der  porphyrartig  eingewachsenen  Krystalle  von  3/4  mm 
Breite  und  bis  l1^111  Lange  zeigen  durchwegs,  wenn  auch  nur  wenige,  so  doch 
deutliche,  nie  fehlende  Zwillingsbánder  von  verschieclenen  Farben. 

Es  ist  nun  nóthig  den  Grund  anzugeben,  warum  die  kleinkornige  Grund- 
massé vom  Verhalten  des  Orthoklases  im  polarisirten  Lichte  als  Plagioklas  gedeutet 
wird.  Es  ist  eine  durch  Analysen  vielfach  erhártete  Thatsache,  dass  beinahe  dichte 
oder  sehr  kleinkornige  Plagioklase  keine  Zwillingsstreifung  im  polarisirten  Lichte 
zeigen,  sich  also  áhnlich  wie  Orthoklas  verhalten,  trotz  dieses  Verhaltens  aber 
doch  die  Plagioklasnatur  besitzen.  da  chromatische  Bánder  in  winzig  ausgebildeten 
Krystállchen  meist  verschwinden.  Indessen  zeigen  in  diesem  Falle  doch  einige 
Kornchen  Andeutungen  von  Zwillingsriefen.  Es  wáre  eine  Anomálie,  dass  die  in 
einer  sehr  feinkornigen  Grundmassé  ausgeschiedenen  Feldspathkry stalle  eine  andere 
Zusammensetzung  hátten,  wie  die  Grundmassé  selbst,  da  sie  ja  doch  nur  unter 
gůnstigeren  Bedingungen  aufgewachsene  einzelne  Krystalle  der  Grundmassé  sind. 
Es  kann  demnach  die  u.  d.  M.  kleinkórnig  zusammengesetzte  Grundmassé  nicht 
Orthoklas  sein,  wáhrend  die  ausgeschiedenen  Krystalle,  die  durch  herabsinkende 
Gróssenverháltnisse  mit  den  kleinen  Gemengtheilen  der  Grundmassé,  also  durch 
Ůbergang  in  dieselbe  verbunden  sind,  aus  Plagioklas  bestehen.  Endlich  bestehen 
Ůbergánge  des  Gesteines  in  wirklich  deutlichen  kórnigen  Diorit.  Ausserdera  aber 
spricht  das  Vorkommen  von  zahlreichen  Magnetitkornern  neben  Amphibol  gegen 
Orthoklas. 

Eine  Analyse  zur  Constatirung  der  Plagioklasnatur  durchzufúhren  ist  bei 
dem  Gewichte  der  Griinde,  die  allein  uberzeugend  genug  sind,  nicht  nóthig.  Ůbrigens 
wurde  die  variirende  Pyritmenge,  theilweise  auch  der  Magnetit  bei  der  Inter- 
pretation  clerselben  irrend  hinderlich  sein. 

Man  bezeichnet  wohl  derartige  Gesteine  auch  als  Porphyrite,  es  ist  aber 
in  diesem  Falle  kein  Grund  vorhanden,  dieselben  nicht  als  Diorit  zu  bezeichnen, 
da  sie  ja  in  kórnige  Varietáten  clesselben  ůbergehen. 

Bei  starken  Vergrosserungen  zeigen  die  Plagioklase,  gerade  so  wie  bei  den 
andern  oberwáhnten  Dioriten  Flussigkeitseinschlíisse,  obwohl  dies  nicht  besonders 
hervorgehoben  wurde.  — 

Epidotdiorite  fuhren  in  ziemlich  bedeutenden  Mengen  Epidot,  nicht 
in  Form  eines  unwesentlichen  Gemengtheiles,  wie  dieses  Minerál  in  den  kórnigen 
Dioriten  vom  Horčičkahugel  etc.  erkannt  wurde,  sondern  in  einer  solchen  Menge,  die 
neben  Plagioklas  und  Amphibol  an  der  GesteinszusammensetzungTheil  nimmt.  Epidot- 


'  diorite  erscheineii  háufig  iu  der  Umgebung  von  Trpišov,  Práčov,  (S  Chrudim)  in 
1  Felsitporphyren,  auch  im  Granit. 

Im  Ohebkaufer  N  Práčov  durchsetzen  Gánge  dieses  Gesteines  faule, 
<  scheinbar  schiefrige  Gesteine  in  der  Náhe  der  Granitgránze.   Die  faulen  Gesteine 
sind  entweder  ausgelaugte  Diorittuffe  oder  Felsite  von  schiefriger  Textur.  Ein 
'beiláufig  10m  niáchtiger  Gang  von  Epidotdiorit  durchsetzt  dieselben  etwa  inmitten 
(  zwischen  der  Práčover  Kirche  und  der  Papiermuhle  bei  Svídnic.    Der  Gang  tritt 
am  Contacte  zwischen  faulen  schiefrigen  Gesteinen  und  zersetztem  Felsitporphyr 
auf  und  erscheint  ziemlich  frisch. 

Den  Dioritgang  bildet  ein  kleinkorniges  und  ein  feinkorniges  Gemenge. 
In  dem  kleinkornigen  Diorit,  dessen  Gemengtheile  weisser  Plagioklas,  Amphibol, 
i  Epidot  schon  mit  der  Loupe  deutlich,  wegen  ihrer  Grosse  von  1—1 1/4mm  sichtbar 
sind,  erscheinen  ganz  spárlich  Pyritkornchen  eingestreut.    Durch  Calcit  ist  das 
1  Gestein  nicht  oder  nur  in  ganz  unscheinbaren  Mengen  durchdrungen. 

Unter  dem  Mikroskope  werden  aber  vier  Gemengtheile  im  kornigen  Durch- 
einander  erkannt.  Lange  Eechtecke  zu  Aggregaten  verbunden  aus  Plagioklas 
íbestehend,  welcher  nur  stellenweise  weisse  wenig  clurchsichtige  Flecken  zeigt; 
dann  regellose  Korner  oder  Sáulen,  auch  lappig  zertheilte  Aggregate  meist  von 
sichtbar  fasriger  Zusammensetzung  dem  Amphibol  angehorend;  unformliche  Korner 
von  Epidot  innwendig  rissig,  stellenweise  aber  sich  anclern  Gemengtheilen  etwas 
anschmeigend  und  endlich  regellos  dazwischen  zerstreute  vorwiegend  quadra- 
tische  Magnetitkorner,  meist  in  der  Náhe  des  Amphiboles  oder  in  demselben, 
bilden  die  Gemengtheile.  Die  Magnetitkorner  sind  im  Mittel  ;mm  gross.  Pyrit- 
kórner  sind  verháltnissmássig  wenig  háufig;  ebenso  untergeordnet  erscheinen 
schwarze  undurchsichtige  Stábchen,  welche  wegen  ihrer  Ausdehnung  in  einer 
Richtung  als  Ilmenit  zu  deuten  wáren.  Sie  besitzen  die  Breite  von  etwa  (.Vmm- 
Ganz  vereinzelnt  sind  Tf0mm  breite  Nadeln,  die  fur  Apatit  zu  halten  wáren. 

Der  Plagioklas  zeigt  meist  deutliche,  wenn  auch  nicht  zahlreiche  Zwillings- 
lamellen  im  polarisirten  Lichte.  Nur  die  etwas  fleckigen  zeigen  diese  Erscheinung 
nicht;  obwohl  es  auch  ganz  reine  Querschnitte  gibt,  die  einerlei  Farben  im  pola- 
risirten Lichte  besitzen,  was  bei  der  Breite  der  Zwillingslamellen  erklárbar  ist.  — 

Der  feinkórnige  Epidotdiorit  aus  demselben  Gange  von  graulichgriiner  Farbe 
zeigt  unter  der  Loupe  ausser  spárlich  ausgeschiedenen  Leistchen  von  Plagioklas  nur 
bis  1/2mm  lange  Stábchen  von  Feldspath;  alles  andere  ist  unerkennbar. 

U.  d.  M.  aber  stellt  sich  dieser  Diorit  als  regelloses  Gewirre  von  bis  -J  mm 
breiten  Plagioklasstábchen  mit  Amphibolaggregaten  dar,  in  welchen  besonders 
háufig  die  im  Mittel  etwa  } — ,Lmm  grossen  quadratischen  Magnetitkorner  einge- 
wachsen  sind.  Im  polarisirten  Lichte  zeigen  die  meisten,  auch  stellenweise  tríiben 
Stábchen  des  Plagioklases  Zwillingsstreifung,  oder  doch  Andeutungen  derselben. 
Einige  ganz  durchsichtige  bis  |mm  breite,  scheinbar  hexagonale  Korner  mit  starker 
Fárbung  im  polarisirten  Lichte,  scheinen  auf  Quarz  hinzudeuten.  Der  Epidot  tritt 
nur  untergeordnet  in  ganz  kleinen  Kórnchen  zum  Vorschein.  In  Sáuren  entwickelt 
das  Gestein  ganz  wenig  Bláschen.  Wahrscheinlich  hat  der  Calcit  den  Sitz  in  den 
wenigen  grósseren  etwas  getriibten  Plagioklasen. 


134 


Apatitnadeln  sind  wie  vordem  spárlich,  meist  im  Plagioklas  beobachtet 
worden.  — 

Beide  Varietáten  des  Diorites  zeigen  als  aufangende  Zersetzung  in  der 
Nahé  gewisser  Magnetite  Gruppen  von  hyacinthrothen  hexagonalen  Schuppen  von 
Haematit.  —  Andere  Dioritgesteine  und  zwar  derjenige  Diorit,  dessen  Plagioklas 
zum  Theil  aus  Labradorit  besteht  und  dessen  Amphibol  auch  als  Uralit  bezeiclmet 
werden  konnte,  sind  unter  den  Gabbrogesteinen  eingereicht 

Dioritaphanit. 

Unter  diesem  Nainen  „Aphanit  des  Diorites"  sind  verschiedene  entweder 
dicbte  oder  sehr  feinkornige,  auch  klein  porphyrartige  Gesteine,  deren  Textur  auch 
ebenso  gut  „andesitisch"  heissen  konnte,  bezeiclmet,  welche  trotz  der  Verschieden- 
artigkeit  der  Textur  doch  nur  Ausbildungsweisen  einer  Gesteinsmasse  sind.  Auch 
amygdaloidische  Texturen  finden  sich  bei  clem  Gesteine.  Die  porphyrartigen  (andesi- 
tischen)  Gesteine  gehoren  streng  genommen  gar  nicht  zu  den  Aphaniten,  sie  sind  aber 
desshalb  von  denselben  nicht  zu  trennen,  weil  sie  durch  Ůbergánge  aufs  engste 
mit  denselben  verknúpft  sincl.  Die  Dioritaphanite  sincl  gleichzeitige  Bildungen  mit 
den  tiefsten  silurischen  (cambrischen)  Etagen.  Wahrscheinlich  verdanken  sie  ihre 
feinkornige  Textur  der  Erstarrung  unter  dem  Wasser  des  Silurmeeres. 

Das  Vorkommen  derselben  fállt  in  den  Zug  altsilurischer  Gesteine  zusammen. 
Gang-  und  noch  háufiger  Lagerstócke  ziehen  sich  von  S  Telčic  (SO  Elbe-Teinic) 
angefangen  uber  Zdechovic,  Morašic,  Krasnic,  Lhota,  Sobolusk,  Turkovic,  Bukovina, 
Licomělic  bis  Vlastějov,  wo  sie  durch  Kreideschichten  bedeckt  werden,  also  auf 
die  Streichungslánge  von  2  Myriameter.  Die  grosste  Breite  des  Lagerstockmassives, 
in  horizontaler  Richtung  gemessen,  ist  bei  Holetín-Březinka,  und  betrágt  dieselbe 
etwa  3  km.  In  diesem  Hauptzuge  treten  diese  kurz  als  Dioritaphanite  bezeichneten 
Gesteine  unter  verschiedenen  Structurverháltnissen  auf,  indem  sie  durch  Ůber- 
gánge mitsammen  verbunden  erscheinen.  Diorittuífe  unci  grosskornige  Diorittuff- 
conglomerate  begleiten  den  Zug.  Auch  innerhalb  des  Porphyrmassives  zwischen 
Bitovan  (SO  Chrudim)  und  fttein  (NO  Seč)  kommen  derartige  aphanitische  Aus- 
bildungen  des  Diorites  in  Form  von  Gangstócken  zum  Vorschein. 

Bei  Licomělic  (W  Heřmanměstec)  finden  sich  Diorite,  welche  trotz  ihren 
theilweise  sichtbaren  Gemengtheilen  dennoch  zu  clen  Aphaniten  gerechnet  werden, 
weil  sie  durch  Ůbergánge  mit  denselben  verbunden  sind.  Kleine  Krystállchen 
von  Plagioklas  in  einer  sehr  feinkórnigen  Grundmasse  ausgeschieden,  machen  das 
Gestein  porphyrartig  (andesitisch).  Gewisse  solche  Gesteine  zeigen  durch  parallele 
Anordnung  der  ausgeschiedenen  Plagioklaskrystállchen  unvollkommen  schiefrige 
Textur,  sowie  auch  eine  an  Schichtung  erinnernde  bankformige  Absonderung. 

Dieses  Gestein  mit  porphyrartiger  Textur,  das  also  strenge  genommen  nicht 
als  Aphanit  zu  benennen  wáre,  wenn  es  nicht  aphanitische  Ůbergánge  auíweisen 
wurde,  wurde  von  secundárer  Lagerstátte  unter sucht, 

N  von  Kostelec  (#  Heřmanměstec)  streicht  in  der  flachen  Bachufer- 
terasse  ein  grobschichtiger,  grosskorniger  Diorittuff  aus.  In  dem  Diorittuífe  sind  bis 


135 


faustgrosse  Gerólle  des  Dioritaphanites  von  klein  porphyrartiger  Textur  einge- 
wachsen.    Die  Gerólle  erscheinen  stellenweise  ganz  frisch. 

Das  Gesteiu  besitzt  schmutzig  lichtgraue  Farbe  im  frischen  Zustande,  im 
angewitterten  aber  ist  es  licht  gninlichgrau  mit  bráunlicher  Geróllrinde  oder 
Klůftchen  von  Limonitfárbungen  durchsetzt.  —  Bis  auf  kleinere  ausgeschiedene 
Kornchen  erscheint  das  graue  Gestein  beinahe  dicht. 

Allein  unter  der  Loupe  oder  bei  aufmerksamer  Betrachtung  erkennt  man 
in  der  dicliten  Grundmasse  zahlreiche,  bis  4mm  lange,  2— 3mm  breite  und  3/4mm 
bis  lmm  dicke  Krystalle  von  Plagioklas  der  Form 

oo  P  oo.  oo  'P .  oo  F  oP  .  Foo, 
welche  aber  durchwegs  als  nach  clem  Karlsbader  Zwillingsgesetze  verwachsene 
Hemitropien  sich  darstellen.  Ein  Krystallindividuum  hátte  dann  nur  die  halbe 
Dicke  von  etwa  1j2mm .  In  den  angewitterten  Geróllstiicken  sind  die  Krystállchen, 
die  immer  ganz  gut  ausgebildet  erscheinen,  recht  gut  erkennbar,  lassen  sich  auch 
durch  Zufall  oft  herauslósen.  In  Querbriichen  zeigen  die  Fláchen  der  sehr  guten 
Spaltbarkeit  oP,  wenn  dieselbe  zum  Vorschein  kommt,  starken  Glasglanz  und  trotz 
der  geringen  Breite  doch  starke  Zwillingsriefung,  die  mit  der  Loupe  gut  wahr- 
nehmbar  ist.  Mit  der  Loupe  sieht  man  auch,  dass  die  Fláchen  der  Krystállchen- 
oberfíáchlich  matt,  rauh  und  mit  hochst  zarten  Chloritschuppchen  bedeckt  sind 
Ein  herausgelóster  Zwilling,  dessen  Fláchen  oP  und  oo  P  oo  durch  Spaltung  rein 
entblosst  waren,  gab  unter  dem  Mikroskop  gemessen  oP/\ooPoo  85°  54'  aus  5 
Messungen.    Die  sanidináhnlichen  Krystállchen  sind  demnach  Plagioklase. 

In  der  dichten  grauen  Grundmasse  mit  den  zahlreichen  Plagioklaszwillingen 
ist  ausser  undeutlich  wahrnehmbaren  spárlichen  Kornchen  von  Magnetit  und  klein- 
winzigen,  ebenso  spárlichen  schwarzbraun  ausgekleicleten  zerfressenen  Poren  und 
seltenen  gríinen  Kornchen  nichts  weiter  zu  bemerken. 

Manche  Aphanitgerolle  sind  blassgrúnlich  ganz  dicht;  es  bestehen  eben 
die  Gerólle  aus  verschiedenen  Aphanitvarietáten. 

Das  frische  graue,  kleinporphyrartige  Gestein  gab,  nachdem  es  fruher  mit 
entwickelte  Wasser  ausgekocht  wurde,  mit  Salzsáure  keine  Bláschen  von  C02 ;  es 
enthált  demnach  in  dem  sogenannten  frischen  Zustande  keinen  Calcit. 

Das  sp.  Gewicht  (mit  2'4g  bestimmt)  ist  2*7012.  Ein  l'3g  schweres  Stiick- 
chen,  welches  mit  Wasser  ausgekocht  war,  um  die  Menge  der  Luftblasen  aus  den 
Poren  bestimmen  zu  kónnen,  ergab  l°/0  dem  Volumen  nach  an  Poren;  es  ist 
dies  zu  wenig;  wahrscheinlich  war  das  Stúckchen  zu  gross,  um  ganz  vom  Wasser 
durchdrungen  werden  zu  kónnen.  Kleinere  Stiickchen  gaben  2°/0  (dem  Volumen 
nach)  an  Poren.  Zwei  theilweise  Untersuchungen  verschiedener  Bruchstucke  des 
frischen  Gesteines  gaben: 


Si02 

62-43 

6306 

Al2  Os 

19-60 

19-57 

Fe2  03 

5-35 

5-31 

CaO 

6-40 

MgO 

2-11 

Glúhverlust 

1-61 

1-55 

136 


Die  Alkalieu  wurden  nicht  bestimmt;  alles  Fe  als  Fe203  gewogen.  In 
H  Cl  in  der  Kalte  behandelt,  lost  sich  aus  clem  Gesteine  so  viel  Fe  auf,  dass  es 
als  Fe203  berechnet  407°/0  ergibt.  Ein  bedeutender  Theil  davon  stammt  aus  dem 
Magnetit  und  Limonit,  ein  anderer  Eisenantheil  aus  anderen  zersetzbaren  Mineralien. 

Im  Dunnschliffe  des  Gesteines  bemerkt  man  gleichfalls  die  Poren,  trotz 
welchen  aber  die  Dunnschliffe  doch  haltbar  sind. 

Drei  Dunnschliffe  aus  diesem  Gesteine  zeigten  selbst  bei  schwacher  Ver- 
grosserung  vorherrschend  die  schon  oben  beschriebenen  Plagioklase  in  stabartigen 
Durchschnitten,  von  denen  die  gróssten  etwa  bis  4mm  Lánge,  die  kleinsten  nur  J5  bis 
_i_mm  Breite  und  eine  vielfache  Lánge  hátten.  Diese  Stábchen  und  Rechtecke  kommen 
regellos  eingewachsen,  ziemlich  geháuft  vor,  so  dass  die  Grundmasse  nur  wenig, 
námlich  den  iibrig  bleibenden  Raum  zwischen  denselben  ausfiillt.  Die  Plagioklase 
sind  beinahe  ganz  frei  von  Einschlussen,  selten  ist  in  clenselben  ein  Magnetitkornchen 
oder  spárlicher  Chloritstaub  zu  bemerken ;  von  der  Grundmasse  sind  sie  scharf  ge- 
trennt.  Ein  weiteres  Praeparat  zeigte  gewisse  Rechtecke  des  Plagioklases  mit  einer 
bis  z\mm  dicken  Rinde  von  Chlorit  umhullt,  welcher  auch  eine  getrennte  Spaltungs- 
fláche  ganz  ausfiillt,  sich  aber  mit  Vorliebe  in  der  Náhe  der  Plagioklase,  besonders 
in  Rissen  ansiedelt.  Im  polarisirten  Lichte  zeigen  die  Rechtecke  meist,  wenn  auch 
nur  wenige  breite,  so  doch  deutliche  Zwillingslamellen ;  nur  diejenigen  Schnitte, 
welche  nicht  die  Form  von  Rechtecken,  sondern  die  Form  der  Fláche  oo  P  oo  zeigen, 
demnach  zu  derselben  parallel  geschnitten  erscheinen,  zeigen  keine  FarbenbáDder 
sondern  nur  einfache  Farben.  Es  sind  das,  weil  die  Krystalle  nach  ooPoo  tafel- 
artig  gestaltet  sind,  eben  die  gróssten  Querschnitte,  welche  einfárbig  erscheinen. 

Die  Grundmasse,  der  Menge  nach  untergeordnet  ist  ein  regelloses  Durch- 
einander  von  Plagioklasleistchen  von  der  Breite  von  ,o0mm  mit  Magnetitstaub, 
bis  zur  Breite  von  T£omm ,  welcher  quadratische  Querschnitte  zeigt.  Das  polarisirte 
Licht  lost  das  Gewirre  recht  schon  auf;  gewisse  Leistchen  zeigen  sogar  trotz  ihrer 
Kleinheit  doch  zařte  Zwillingsstreifung.  Diese  Grundmasse  ist  der  eigentliche  Aphanit. 

Manchesmal  legt  sich  der  Magnetitstaub  um  gewisse  grossere  Plagioklas- 
korner  an,  die  er  dann  in  Form  eines  schwarzen  Ringes  umhullt.  Nur  ganz  ver- 
einzelnt  finden  sich  grossere  Magnetitkórner ;  die  mittlere  Breite  derselben  betragt 
Jmm.  Stellenweise  besteht  die  Grundmasse  nur  aus  Plagioklas  und  Magnetit,  viel 
háufiger  sind  aber  in  derselben  Chloritschuppchen  entweder  spárlich  oder  so  háufig 
eingewachsen,  dass  sie  ziemlich  an  Durchsichtigkeit  einbiisst.  Diesem  Chloritstaub 
verdankt  der  Aphanit  auch  die  graue  Farbe. 

Der  Dioritaphanit  mit  kleinporphyrartiger  Textur  besteht  demnach  vor- 
nehmlich  aus  Plagioklas,  wenig  Magnetit,  wie  die  Analyse  zeigt  viel  wcniger  als 
4°/0,  und  Chlorit,  ebenfalls  nur  in  ganz  geringer  Menge.  Orthoklas  ist  keiner 
vorhanden,  trotz  des  ziemlich  bedeutenden  Si02-gehaltes  von  bis  63%.  Der  Plagio- 
klas dúrfte  ein  ziemlich  saurer  Oligoklas,  oder  wenn  auf  die  Molekularmischung  des- 
selben  zuriickgegangen  wird,  ein  solcher  sein,  dessen  Albitgemenge  (68°/0  Si02) 
einen  grossen  Uberschuss  gegeniiber  der  Anorthitmenge  aus  macht. 

Eigentlich  enthált  dieses  zu  den  Dioriten  gezogene  Gestein  keinen  nach- 
weisbaren  Amphibol,  sondern  nur  Chlorit  und  doch  wird  es  hier  als  Chlorit- Diorit 
bezeichnet,  weil  es  statt  des  Amphiboles  das  Zersetzungsproduct  desselben,  den 


I 


137 

.Chlorit  enthált.  Gánzlich  frische  Gesteine  wurden  Amphibol  enthalten,  worauf  der 
Memlich  saure  Plagioklas  hinweiset,  welcher  háufig  mit  Amphibol  vergesellschaftet 
i  sich  findet,  wáhrend  der  Labradorit  die  Gegenwart  des  Augites  in  vielen  Fállen 
jbediugt.  Bei  den  Geróllen,  die  also  auf  secundáre  Lagerstátte  durch  Wasser  erst 
verfiihrt  wurden,  poros  sind  und  Einwirkungen  des  Wassers  ausgesetzt  waren,  ist 
•i der  Ersatz  des  Amphiboles  durch  Chlorit  erklárbar.  Merkwtirdig  ist  es  aber 
jedenfalls,  den  Plagioklas  noch  so  frisch  zu  íinden. 

Betreff  der  Benennung  des  Gesteines  als  Porphyrit  wurde  schon  fruher 
enváhnt,  wie  ungerechtfertigt  eine  solche  Bezeichnung  wáre. 

Bei  Bukovina  an  der  Reichsstrasse  von  Čáslav  nach  Heřmanměstec, 
rsowie  in  der  gesammten  Umgebung  findet  sich  ein  dichter,  diister  graugríiner 
Aphanit,  in  welchem  nur  Punkte  von  Epidot  bis  hóchstens  Hanfkórngrosse  unter- 
íscheidbar  sind.  Das  Gestein  ist  regellos  zerkluftet,  an  gewissen  Orten  aber  unvoll- 
rkomraen  schiefrig.  Die  Probe  knapp  súdlich  von  Bukovina  ist  Epidot  chlor  i  t- 
dioritaphanit  und  zeigt  u.  d.  Mikroskope  in  zwei  verschiedenen  Dunnschliffen 
folgende  Zusammensetzung : 

Ein  fleckig  regelloses  Gemenge  von  weissem  noch  ziemlich  durchsichtigem 
i  Plagioklas  mit  kurzen  Stábchen  von  faserigem  Amphibol  und  mit  zahlreichen 
Chloritschuppen,  welche  die  dunkelgriine  Farbe  bedingen.  In  dieser  Masse  finden 
sich  so  zu  sagen  porphyrartig  ausgeschiedene  Korner  und  selbst  polygonal  begránzte 
Formen  von  ganz  reinem,  innen  rissigem  Epidot,  welcher  keinerlei  Einschltisse 
enthált  und  beinahe  schwefelgelb  ins  zeisiggriine  geneigt  gefárbt,  sowie  durch- 
sichtig  ist.  Die  kleinsten  Epidotkórnchen  besitzen  die  Breite  von  ž]0mm.  Dazwischen 
finden  sich  Magnetitkórnchen  in  Form  von  grobem  Staub  vertheilt  u.  zw.  scheint 
derselbe  eine,  wenn  auch  etwas  wellig  gebogene  Richtung  beizubehalten,  was  also 
eine  Tendenz  zur  Mikrofluctuationsstruktur  andeuten  wiirde.  Die  meist  quadra- 
tischen  Magnetitkórnchen,  welche  vornehmlich  an  die  grunen  Amphibol-  und  Chlorit- 
parthieen  gebunden  sind,  haben  die  mittlere  Grosse  von  (.,0mm . 

Im  polarisirten  Lichte  lost  sich  die  weisse  Masse  in  ein  regelloses  Gemenge 
von  im  Mittel  Tl5 — ^mm  breiten  Stábchen  von  Plagioklas  auf,  welche  Zwillings- 
bildungen  nicht  hervortreten  lassen.  Ganz  spárlich  sichtbare  grossere  Rechtecke 
aber  zeigen  wenn  auch  blasse,  so  doch  deutlich  wahrnehmbare  Farbenbánder. 

In  dem  Gemenge  erscheinen  ausserdem  einzelne,  grosse,  weisse,  kaum 
durchscheinende  Aggregate,  auf  die  das  polarisirte  Licht  geringe  Wirkung  ausiibt ; 
dieselben  sind  ausgeschieclener  Calcit. 

Wenn  ein  Dunnschliff  mit  concentrirter  Chlorwasserstoffsáure  einen  halben 
Tag  in  der  Kálte  behandelt  wird,  so  erscheint  er  stark  unzusammenhángend  mit 
grossen  Hohlráumen  von  verschwundenem  Calcit;  ausserdem  aber  bleicht  er  etwas 
weniges  aus,  indem  die  Sáure  einen  Theil  des  Chlorites  auflost  und  nur  die  Stáb- 
chen des  Amphiboles  zuríicklásst,  wodurch  eben  der  Nachweis  der  sonst  schwierig 
in  der  Chloritmasse  erkennbaren  Amphibolsáulchen  gegeben  ist. 

Von  Sobolusk  (W  HeřmanůvMěstec  1  Myrm)  WN  entfernt  ist  eine 
Kuppe,  welche  aus  amygdaloidischem  Chloritdioritaphanit  besteht.  Das  Gestein 
ist  licht  graugriin,  unvollkommen  schiefrig,  in  der  Fláche  der  undeutlichen  Schiefe- 
rung  unter  der  Loupe  zart  runzelige  Chloritlagen  zeigend  mit  erbsen-  bis  hasel- 


138 


nussgrossen  Ainygdaloiden  aus  Quarz,  oder  Calcit  bestehend.  Die  Amygdaloide  von 
meist  gestreckter  Form  siud  zuweilen  iu  der  Mitte  zerfressen,  zersprungen ;  die 
Sprůnge  mit  Limonit  bedeckt.  Gewisse  Mandeln  bestehen  aus  eiuer  dicken  áusseren 
Quarzlage,  die  unmittelbar  den  Aphanit  berúhrt  und  aus  einem  Calcitkerne,  der 
zuweilen  zerfressen  ist.  Nicht  selten  lásst  sich  in  den  Quarzmandeln  auch  Chlorit 
iu  Schuppen  nachweisen  zum  Belege  dafur,  dass  der  Chlorit  ein  spáter  im  Gesteine 
gebildetes  Minerál  ist. 

Das  Mikroskop  zeigt  eine  vorherrschende  weisse  kleinkornige  Grundmasse, 
mit  wenig  Chloritlappen.  Eine  feine  ziemlich  parallel  laufende  Zerklúftung  im 
Aphanite  ist  mit  Limonit  ausgefullt,  welcher  bis  auf  unbestimmte  nicht  bedeutende 
Entfernungen  die  Grundmasse  impraegnirt.  Ebenso  ist  Chlorit  in  bedeutenderen 
Mengen  solchen  Kluftchen  nach  in  der  Grundmasse  angesiedelt.  Es  hat  den  An- 
schein,  als  wenn  hie  und  da  noch  ein  Amphibolsáulchen  in  den  Chloritlappen 
anzutreffen  wáre,  allein  bei  der  gleichen  Farbe  der  beiden  Mineralien  bedarf  diese 
Móglichkeit  doch  noch  einer  Bestáttigung.  Der  Magnetit  ist  gánzlich  verschwunden, 
denn  die  sehr  seltenen  kleinwinzigen  Staubkornchen  (ťJo — somm)  desselben,  die  ganz 
vereinzelnt  noch  zum  Vorschein  kommen,  sind  kaum  erwáhnenswerth. 

Im  polarisirten  Lichte  zeigen  die  Stábchen  des  Plagioklases  bis  zu  -j6  mm 
Breite,  aus  denen  die  Grundmasse  besteht,  noch  schwache  Farben ;  sogar  Zwillings- 
streifung  lásst  sich  bei  manchen  noch  ganz  deutlich  unterscheiden. 

Von  Sobolusk  l2/3  km  nordlich  liegt  Lhotka;  ganz  nahé  von  Lhotka, 
und  zwar  sudlich,  íindet  sich  ein  ebensolcher  licht  graugriinlicher  Chloritaphanit, 
in  welchem  zahlreiche,  ziemlich  nahé  stehende  bis  haselnussgrosse  Amygdaloide  von 
Epidot,  ausserdem  aber  auch  winzige  Plagioklaskrystállchen  (eigentlich  Zwillinge 
nach  dem  Karlsbader  Gesetze)  porphyrartig,  jedoch  scheinbar  weniger  háufig,  ein- 
gewachsen  sind.  Das  Gestein  hátte  also  eine  kleinporphyrische  und  zugleich 
amygdaloidische  Textur. 

Eine  angeschliffene  Fláche  zeigt  dieses  Verháltniss  ganz  deutlich,  da  in  der 
dichten  dunkelgrauen  (an  einem  andern  Hanclstíicke)  Aphanitgrundmasse  sowohl 
weniger  háufige  Plagioklaskrystallquerschnitte,  als  auch  zahlreichere  rundliche  oder 
etwas  verzogene  Epidotmandeln  zum  Vorschein  kommen. 

Da  der  Epidot  in  cliesen  Aphanitgesteinen  so  háufig  schon  genannt  wurde, 
so  folgt  hier  der  Nachweis  dariiber.  Aus  mehr  als  erbsengrossen  Amygdaloiden 
wurde  der  Epidot  móglichst  rein  ausgesucht  und  mit  '42  g  eine  Analyse  angestellt, 
welche  ergab: 

Si02  4073 
A1203       31  64 
Fe203  4-46 
FeO  -90 
CaO  21-41 
MgO  Spur 
Glúhverlust  -19 
9933 

Trotzdem,  dass  die  Mandeln  des  Epidotes,  wie  die  mikroskopische  Unter- 
suchung  gleich  nachweisen  wird,  nicht  ganz  homogeu  sind,  stimmt  die  Analyse 


139 

doch  ziemlich  gut  mit  der  Zusammensetzung  cles  řemen  Epidotes,  wesshalb  die 
Gegeuwart  dieses  Minerales  daclurch  sicher  nachgewiesen  erscheint. 

Unter  clem  Mikroskope  lóst  sich  das  ganze  Gemenge  sehr  deutlich  auf. 
Die  Grundmasse  von  aphanitischer  Textur  besteht  aus  einem  Gewirre  von  Plagio- 
klasstábchen,  die  im  Mittel  die  Breite  von  5!(ímm  besitzen  unci  zwischen  welchen 
entweder  nur  Magnetitstaub  reiclilich,  oder  in  solcher  Menge  eingewachsen  ist, 
dass  die  Stábchen  in  einer  undurchsichtigen  homogenen  Magnetitmasse  stecken. 
Gewisse  Stellen  zeigen  ausserclem  noch  Chloritláppchen  und  Schuppen  in  der 
Grunclmasse. 

Scharf  begránzt  erscheinen  in  der  Grundmasse  lange  einzelne  Rechtecke 
und  Rechteckgruppen  von  der  Breite  lmm  —  Jmm  und  vielfacher  Lánge.  Diese  Pia- 
gioklasrechtecke  sind  meist  durchsichtig,  weil  frisch,  nur  zuweilen  mit  weissen, 
wenig  durchscheinenden  Flecken,  welche  den  Anfang  von  Umwandlungen  andeuten, 
durchzogen. 

Alles  dieses  jetzt  erwáhnte  stimmt,  bis  auf  das  weniger  háufige  Vorkommen 
der  grosseren  ausgeschiedenen  Krystalle  ganz  mit  dem  porphyrartigem  Chloritdiorit- 
aphanit  der  Gerolle  im  Diorittufřconglomerat  von  Kostelec  uberein. 

In  dem  eben  erwáhnten  Gesteine  sind  nun  die  grossen  Epidotmancleln  ein- 
gewachsen und  scharf  von  der  Gesteinsmasse  getrennt.  Ausser  einigen  vereinzelnten 
Calcitkornchen  oder  Plagioklaskórnern  oder  einem  Chloritlappen,  letzteres  jedoch 
nicht  háufig,  findet  sich  in  clem  Epidot  von  kleinkorniger  Textur,  der  also  Aggregat- 
polarisation  zeigt  oder  ganz  rein  durchsichtig,  innen  zerrissen  erscheint,  kein 
anderes  Minerál  eingewachsen.  Meist  sind  aber  die  kleineren  Amygclaloicle  ganz 
rein.  Epidot  in  Kornchen  oder  Schnurchen  durchzieht  ausserdem  noch  gewisse 
Plagioklase,  oder  kommt  in  Punkten  auch  in  der  Grundmasse  vor. 

Im  polarisirten  Lichte  zeigen  selbst  gewisse  Plagioklasleistchen  der  Aphanit- 
grundmasse  Andeutungen  von  Zwiliingsstreifen,  die  grosseren,  ausgeschiedenen  Kry- 
stalle aber  satte  Farben  unci  bis  auf  die  triiben  weissen  Flecke  ganz  deutliche 
Zwillingsbáncler  oft  in  ziemlicher  Zahl. 

Hie  und  da  sich  in  cler  Grundmasse  zeigende  Schůppchen  von  Haematit, 
die  hyacinthroth  durchscheinen,  gehoren  zu  Seltenheiten. 

Das  Gestein  wáre  also  ebenfalls  amygdaloidischer  Chloritdioritaphanit. 

Bei  Z  cl  ech  o  vic  (WS  Přelouč)  sind  áhnliche  Epiclotchloritclioritaphanite 
vorhanden.    Die  Probe  stammt  vom  westlichen  Teichufer  1  km  N  von  Zdechovic. 

Das  licht  graulichgrune  Gestein  zeigt  in  einer  Richtung  einen  etwas  deut- 
licheren  Bruch,  auf  welchem  unzusammenhángencle  Chloritschuppchen  schimmern; 
kleine  Epiclotkornchen  finden  sich  eingesprengt  im  Gesteine. 

Ganz  frisch  ist  der  Aphanit  nicht  mehr,  weil  er  lichtere  Farben  zeigt; 
allein  die  Textur  ist  doch  noch  deutlich  unter  dem  Mikroskope.  Das  Gestein  ist 
bis  auf  das  beinahe  gánzliche  Zuriicktreten  des  Magnetites,  der  nur  in  ganz  selten 
sichtbaren  Kornchen  auftritt,  etwas  áhnlich  dem  Gestein  von  Bukovina.  Die  weissen 
Plagioklase  von  ganz  kleiner  Form,  welche  jedoch  wegen  der  nicht  mehr  gánzlichen 
Frische  im  polarisirten  Lichte  nicht  so  deutlich  auftreten,  sind  mit  Chloritlappen 
stellenweise  bedeutend  vercleckt;  nur  wo  der  Chlorit  zurůcktritt,  lassen  sie  sich  noch 
gut  bemerken.   Es  scheint,  dass  auch  noch  spárliche  Amphibole  auftreten,  allein 


140 


es  ist  nicht  náher  nachweisbar.  Hie  und  da  treten  grossere  Plagioklas-Rechtecke 
bis  1/2mm  und  noch  mehr  breit  auf.  Diese  grósseren  Plagioklasstábe  fárben  sich 
im  polarisirteu  Lichte  nur  ganz  blass,  zeigen  auch  nur  stellenweise  wohl  blass 
gefárbte  aber  doch  deutliche  Zwillingsbánder.  Gewisse  Krystalle  sind  quer  zer- 
brochen,  etwas  voneinander  verschoben  und  durch  Chloritschuppen  verkittet.  — 
Epidotkorner  und  Aggregate  kommen  in  Menge  in  dem  Gesteinsgemenge  vor;  es 
enthalten  die  Plagioklase  dieses  Minerál  wie  auch  den  Chlorit,  sowohl  in  Kornchen 
als  auch  gewissen  Fugen  nach,  also  als  Infiltration  in  sich  eingeschlossen. 


Diabas. 


Dieses  Gestein  findet  sich  als  Gangstock,  welcher  quarzige  Grauwacken- 
conglomerate  durch  břich  t  nur  an  einem  Orte,  námlich  mitten  zwischen  Chrtník 
und  Ledeč  (WN  Heřmanměstec  7  km).  Der  Gangstock  von  der  Lánge  ll/2  km 
und  der  grossten  Máchtigkeit  von  uber  100m  ist  in  der  Chrtníkschlucht  entblósst 
fig.  6.  Sámmtliche  Diabasvarietáten  sind  etwas  poros,  weil  sie  im  heissen  Wasser 
Luftbláschen  entwickeln;  allein  auch  mit  Calcit  sind  sie  ziemlich  impraegnirt, 
weil  Brocken  davon,  die  vorher  im  Wasser  ausgekocht  wurden,  um  alle  Luft- 
bláschen auszutreiben,  in  Sáuren  stellenweise  recht  lebhaft  brausen.  Die  Textur 
ist  durchwegs  mittelkornig. 


Eine  ganz  reine  Varietát  zeigt  in  weissem  vorherrschendem  Plagioklas, 
welcher  nur  durchscheinend  ist,  bis  2'3mm  breite  kurze  Sáulen  von  graulichbraunem 
Augit,  ausserdem  aber  neben  wenigen  kleinen  Pyritpunkten  auch  stellenweise 
schwarze  Kornchen. 

Unter  dem  Mikroskope  herrscheu  auch  die  langen  (bis  6mm)  Rechtecke 
des  Plagioklases  vor,  welcher  ziemlich  rein  und  trotz  stellenweise  zum  Vorschein 
kommender  Triibung  im  polarisirten  Lichte  doch  deutliche  Zwillingsstreifung  zeigt, 
Die  kurzen  Sáulen  des  Augites  sind  blassbraun  'durchsichtig,  rissig  frei  von  Ein- 
schlíissen  und  mit  einem  sehr  dtinnen  blassgriinen  Saum,  6\ — -3Vnm5  vou  Chlorit 
umgeben.  Seltener  dringt  der  Chlorit  Kluftchen  nach  in  die  Augitmasse.  Bedeuten- 
dere  Anháufungen  von  Chloritschuppen,  meist  scharf  vom  Plagioklas  getrennt, 
finden  sich  auch  im  Diinnschliffe,  jedoch  nur  in  ganz  geringer  Zahl ;  ebenso  selten 
sind  einzelne  Chloritláppchen  im  Plagioklas.  Aggregate  von  schwarzen  Kórnern,  bis 
jmm  Drejt?  deuten  auf  titanháltigen  Magnetit,  weil  sie  mit  dem  weissen,  Leukoxen 
genannteu  Titanat  (Titanomorphit)  umhullt  werden. 

Blassbráunliche  dichte  Aggregate  durchsetzen  die  Ablósungen  in  dem 
Diabas.    Unter  d.  M.  bestehen  sie  aus  einem  Gewirre  vqn  Stábchen,  welche  der 


141 

Lange  nach  in  der  Mitte  durch  eine  Linie  getheilt  sich  als  ^mm  breite  Zwillings- 
Btábchen  darstellen,  die  der  starken  Fárbung  nach,  die  sie  iin  polarisirten  Lichte 

«  zeigen,  als  Augit  gedeutet  werden  kónuten,  wofiir  aber  der  Beweis  noch  zu  er- 

I  bringen  wáre. 

Die  Augitquerschnitte  zeigen  starke  Farben  im  polarisirten  Lichte.  Einzelne, 
dann  und  wann  qnadratische  Pyritkórnchen  nud  spárliche  Nadeln  von  — 5Vmm 
Breite  den  Plagioklas  nur  stellenweise  vereinzelnt  durchsetzend,  deuten  auf  Apatit. 
,  Das  Gestein  ist  demnach  ziemlich  frisch  und  wohlerhalten.  Eine  andere  Yariettá 
von  ebenfalls  mittelkorniger  Textur  zeigt  in  etwas  vorherrschendem,  blass  lauch- 
griinem  dnrchscheinenden  Plagioklas  2 — 21/2mm  breite  Prismen  von  blass  schmutzig 
graulichbraunein  spaltbaren  Augit,  nebst  spárlichen  schwarzen  Kórnchen. 

Unter  dem  Mikroskop  zeigt  der  Diinnschliff  Rechtecke  von  Plagioklas, 
'  die  sclrwachen  Rissen  nach  blass  grúnlich  oder  sattgríin  wenu  die  Klúftchen  bis 
— ^omm  breit  erscheinen,  durch  infiltrírten  Chlorit  geíárbt  sind,  innen  reine  zer- 
kliiftete  Korner  von  Augit  von  blass  rothlich  brauner  Farbe  mit  einer  diinnen  blassen 
Chloritlage  umhullt,  die  nur  selten  irgend  welchen  Kliiftchen  nach  ins  Innere 
eindringt.  Háufig  sind  scharf  begránzte,  aus  Chlorit  bestehende  Aggregate  zwischen 
dem  Gemenge  scheiubar  tvie  eingeklemmt.  Kleine  Aggregate  von  diinnen  Stábchen 
von  Ilnienit,  die  einander  genáhert  erscheinen  sind  durch  umhullenden  Leukoxen 
verbunden.    Lange  Štábe  von  Ilnienit  bis  ^mm  dick  uud  4mm  lang  sind  gebrochen 
und  mit  Leukoxen,  der  eine  schwache  Hiille  bildet,  verkittet. 
Pyritkórnchen  erscheinen  spárlich. 

In  den  Chloritausscheidungen  ist  manchesmal  kórniger  Magnetit  uud 
Pyritstaub  zu  treften. 

Eine  dritte  Varietát  ist  schmutzig  griin  gefárbt ;  nur  lange  (bis  lcm),  diinne 
Plagioklasleisten  erscheinen  deutlich  sichtbar,  soust  ist  uur  dichter  Chlorit  in 
Kornchenform  noch  dazwischen  bemerkbar. 

Das  Mikroskop  zeigt  eine  weiter  gehende  Umwandlung.  Es  gibt  frische 
Plagioklasleisten  und  solche,  die  dui*ch  Chlorit  durchzogen  oder  gefleckt  sind,  in 
der  Masse.  Die  Augite  sind  den  Klíiften  nach  durch  Chlorit  erfúllt,  so  dass  dieser 
eiu  Xetzwerk  bildet,  innerhalb  welchem  noch  frische  Augite  steckeu ;  oder  umhullt 
der  Chlorit  Augite  so  bedeuteud,  dass  die  Hiille  gegeniiber  dem  frischen  Augit- 
kerne  sehr  vorherrscht.  Nebstdem  kommen  auch  selbststándige  scharf  begránzte 
Chloritaggregate  von  satt  grasgriiner  Farbe,  vielleicht  schon  gánzlich  umgewandelte 
Augite,  zum  Vorschein.  Mit  dem  Chlorit,  oder  unabhángig  von  demselbeu  erscheinen 
gelblichbraune  Flecken  von  Limonit,  sowohl  im  Plagioklas  als  auch  im  Augit;  in 
ersterem  Falle  zeigt  sich  der  schon  grasgriine  Chlorit  bráunlich  gefleckt.  Nadelu 
oder  Štábe  von  Ilmenit  erscheinen  durchwegs  vou  Leukoxeu  eingefasst.  Stellen- 
weise gruppiren  sich  die  Ilmenitstábchen  derartig,  dass  sie  áhnliche  wiukelig  ge- 
brochene  und  dreieckige  Formen  bilden,  wie  es  an  den  diinnen  Sylvanitiiberziigeu 
von  Oftenbanya  in  Siebenbiirgeu  bekanut  ist. 

Calcitkorner  oder  kurze  dicke  Klíifte  dieses  Miuerales  sowie  Nadeln  von 
Apatit  lassen  sich  gleichfalls  nachweiseu.  Trotz  der  bedeuteuden  Yeránderung, 
welche  Wasser  durch  Absatz  von  Chlorit  iu  dem  Gesteine  hervorbrachte,  ist  der 


Plagioklas  docli  noch  so  frisch  geblieben,  dass 
maucher  davon  im  polarisirten  Liclite  lebhafte 
Farbenbánder  zeigt. 

Gabbro. 

Dieses  Gestein  reiht  sich  uumittelbar  an 
den  Diabas  an,  weil  es  aus  denselben  Gemeng- 
theilen  námlich  aus  Plagioklas  (Labradorit)  und 
Augit  (Diallag)  besteht.  Es  verhált  sich  aber  in 
gewisser  Hinsicht  etwas  verschieden,  was  ein 
Grund  zur  Trennung  von  dem  Diabase  ist. 

Der  Gabbro  ist  háufiger  im  Eisengebirge 
als  der  Diabas  selbst,  er  ist  iiberliaupt  viel  háu- 
figer, als  dies  sonst  von  diesem  nur  zerstreut 
auftretenden  Gesteine  angenommen  wird.  Nirgends 
aber  sind  die  Gangstocke  des  Gabbros  bedeutend 
ausgedehnt.  Die  Hauptverbreitung  des  Gesteines 
fállt  mit  dem  Granitstocke  zusammen,  welcher 
sich  von  Bernardov  (SO  Elbe-Teinic)  bis  liber 
Mora  sic  hinzieht.  In  dem  Granitstocke  und  bis  zu 
einer  gewissen  Entfernung  von  demselben  finden 
sich  die  Gangstocke  des  Gabbros  eingelagert, 
welche  mit  ihrer  Streichungsrichtung  der  nach 
SO  gerichteten  Achse  des  kleinen  Granitmassivs 
parallel  laufen. 

Es  seien  hier  nur  drei  der  kurzen  Gang- 
stocke angefiihrt,  welche  sámmtlich  in  einer  Linie 
von  iVIFnach  SO  getrennt  von  einander  auftreten. 

Der  máchtigste  Gangstock  ist  unter  Vi- 
nařic,  am  linken  Elbeufer  gegenliber  Elbe-Teinic, 
in  der  Lánge  von  l1^  km  und  der  Máchtigkeit 
von  etwa  33/4  hundert  Meter  abgelagert.  Derselbe 
reicht  mit  seinen  NW  Ausláufern  bis  unter  Elbe- 
Teinic  ins  rechte  Elbeufer  hinein.  Gneusgranit 
durchbricht  den  Stock  in  weniger  máchtigen  Gán- 
gen.  Wegen  der  Eigentliiimlichkeit  der  Lagerung 
sei  das  Profil  des  linken  Elbeufers  vom  Zahořer 
Bahnhofe  (Station  Elbe-Teinic)  bis  Náhe  gegen 
Kojic  hier  noch  eingefíigt  Fig.  3  um  das  Ver- 
háltniss  des  unter  Yiuařic  zum  Yorschein  kom- 
menden  Gabbrostockes  zu  den  Nebengesteinen 
ersiclitlich  zu  machen.  An  der  Granze  gegen  Neben- 
gesteine  ist  der  Stock  klein-  bis  mittelkornig. 


( 


143 

sowie  unvollkommeu  schiefrig  uud  mit  mauchem  Amphibolitschiefer  dann  ver- 
wechselbar;  iu 'der  Mitte  der  grobkórnigen  Stockmasse,aber  zeigt  er  die  regellose 
grossblóckige  Zerkliiftung.  Der  zweite  Gangstock  SW  von  der  Kuppe  v  Oklikách 
(306m  A)  ist  im  Walde  genau  O  vom  Bernardover  Jágerhause,  in  dessen  Náhe  er 
einem  Amphibolit  gleicht,  wie  dies  auf  der  Kartě  auch  beibehalten  ist.  Seině 
Begránzimg  ist  unvollkommenen  Aufschlusses  wegen  nicht  genau  anzugeben ;  er  ist 
jedoch  sicher  2/3  km  lang. 

Der  dritte  bedeutende  Stock,  welcher  durch  einen  Gang  rothen  Granites 
durchsetzt  wird,  befindet  sich  im  Walde  inmitten  zwischen  Kašparův  dolík  und 
Zbraňoves.  Der  grobkornige  Stock  gestattet  keineswegs,  wegen  nicht  uberall  nach- 
weisbarer  Begránzung  desselben  seine  Máchtigkeit  und  Streichungserstreckung 
sicher  anzugeben ;  er  besitzt  aber  eine  ziemlich  bedeutende  Ausdehnung  von  gewiss 
iiber  1  km  und  eine  Máchtigkeit  von  uber  200 m. 

Der  Vinařicer  Stock  durchbricht  Glimmerschiefer ;  die  beiden  letztgenannten 
sind  im  rothen  Granit  eingelagert. 

Zahlreiche  andere  Gánge,  welche  mit  dem  Gabbro  in  genetischem  Zusam- 
nienhange  stehen,  werden  gleich  nach  der  Beschreibung  dieses  Gesteines  als  Uralit- 
oder  Labradordiorite  beschrieben  werden. 

In  Vinaříc  lassen  sich  vornehmlich  drei  Varietáten  des  Gabbro  unter- 
scheiden,  welche  gegeneinander  keine  scharfen  Gránzen  bilden.  In  Mitten  des 
Stockes  eine  grobkornige,  in  grossen  polyedrischen  Blocken  regellos  zerkluftete, 
eine  mittelkornige  recht  deutlich  gemengte,  und  eine  kleinmittelkornige  dunkle,  mit 
vorwaltendem  Diallag,  der  den  andern  feldspáthigen  Gemengtheil  verdeckt;  diese 
letztere  Yarietát  ist  ganz  unvollkommeu  schiefrig,  insbesonclere  nahé  an  den  Gránzen 
des  Stockes  mit  dem  Nebengesteine.  Die  grobkornige  Gabbrovarietát  zeigt  Gemeng- 
theile,  die  bis  iiber  lcm  Lánge  erreichen. 

Der  Plagioklas  besitzt  auf  der  oPfláche  sehr  deutliche,  wenn  auch  nicht 
zahlreiche  Zwillingsstriche,  seine  Farbe  ist  licht,  mit  einem  Stich  ins  graulich 
violette;  sonst  ist  derselbe  durchsichtig.  Ausgesuchte  Stíickchen  des  Plagioklases 
zeigten  bei  der  Analyse,  mit  Vernachlássiguug  cles  Alkaligehaltes  die  Zusammen- 
setzung  des  Labradorites.  Labradorit  aus  grobkórnigem  Gabbro  ganz  nahé  dem 
Wáchterháuschen  Nro  281  an  der  Eisenbahn  gegeniiber  der  nach  Elbe-Teinic 
filhrenden  Holzbriicke  gab  (aus  1  gi*.  verwendeter  Substanz): 

Si02  52-73 

Al2  03  30-51 

CaO  1166 

MgO  -68 

Gluhverlust  '92 

unbestimmte  Alkalien  3*50 

Too-oo" 

Trotz  der  scheinbaren  Reinheit  hatte  der  Plagioklas  doch  etwas  Augit 
(Diallag)  eingeschlossen,  sonst  wiřrde  sein  MgO-halt  kein  so  bedeutender  sein. 26) 

Der  Diallag  zeigt  duster  graugriine  Farbe,  an  der  angewitterten  Oberfláche 
ist  er  aber  dunkelgriiu,  wáhrend  der  Plagioklas  weiss,  undurchsichtig  erscheint- 


! 


144 


Im  Querbruche  ist  er  matt  glánzend,  an  der  sehr  guten  Spaltungsfláche  aber  stark 
perlmutterartig  glánzend  imd  dunkelgrun.  Ganz  diinne  Splitter  sind  beinahe  olgriin^ 
etwas  ins  laucligriiue  geneigt.  Grosse  Fláchen  der  Theilbarkeit  zeigt  der  Diallag 
nicht,  aber  dafur  glánzen  ausgedehnte,  aber  vielfach  durch  andere  eingewachsene 
Gemengtheile  unterbrocheiie  Fláchen  zu  gleicher  Zeit. 

Zuweilen  finden  sich  in  dem  Gabbro  bis  nussgrosse  Aggregate  von  Diallag- 
prismen  und  regellos  dickfasrige  Sáulchen,  welche  Amphibol  sincl,  der  mit  dem 
Namen  Uralit  hier  angefuhrt  werden  wird.  An  den  Gránzfláchen  solcher  Aggre- 
gate finden  sich  auch  kleine  Biotitschuppen  in  ganz  geringer  Menge,  obzwar  dieses 
Minerál  zuweilen  auch,  ohne  an  diese  Aggregate  von  Uralit  gebunden  zu  sein 
sich  vereinzelnt  oder  in  Aggregaten  vorfindet.  Der  Diallag  bestimmt  die  im  Grossen 
diistere  Farbe  des  Gesteins,  obwohl  er  keineswegs  im  Ůbergewichte  auftritt. 

Nebst  diesen  beiden  Gemengtheilen  finden  sich  accesorisch  noch  bis  2mm 
breite  Korner,  wahrscheinlich  von  Magnetit  und  ebenso  spárlich  bis  1/2mm  dicke 
Platten  von  Ilmenit.    Pyrit  ist  kaum  wahrzunehmen ;  Olivin  nirgends  bemerkbar. 

Das  ganze  Gabbrogestein  gab  nach  Vernachlássigung  der  Alkalien  und 
Wágung  des  Fe  als  Fe2  03  statt  als  FeO,  aus  l*2g  zur  Analyse  genommenen  Sub- 
stanz  folgende  Zusammensetzung : 

Si02  51-87 
Al2  03  -f  Fe2  03    27  27 
CaO  12*67 
MgO  6-36 
Gluhverlust  1-04 

Hált  man  dem  gegenuber  die  Zusammensetzung  des  Plagioklases,  so  ergibt 
sich  fur  den  Diallag  unter  Nichtberiicksichtigung  der  Alkalien  und  des  Wasser- 
gehaltes  die  Zusammensetzung  von  etwa: 

Si02  49-9 
Al2  03  +  Fe2  03  22-4 
CaO  13-5 
MgO  13*0 

Befremdencl  erscheint  hier  der  hohe  Gehalt  fůr  die  Šumme  von 

A]203  +Fe203; 

andere  Diallage  enthalten  nur  10— 19°/0  von  diesen  Gemengtheilen  (wenn  FeO  als 
Fe2  03  umgerechnet  wird).  Die  Erklárung  muss  dahingestellt  bleiben.  Eine  Analyse 
konnte  nicht  durchgefuhrt  werden,  weil  sich  der  Diallag  rein  nicht  auslesen  liess. 

Demnach  wiirde  der  Gabbro  bestehen  aus  weniger  denn  52°/0  Plagioklas, 
weniger  als  48°/0  Diallag  und  einem  geringen  nicht  náher  angebbarem  Reste  von 
Ilmenit  und  Magnetit. 

In  Sáuren  entwickelt  das  im  Wasser  vorher  ausgekochte  Gestein  stellen- 
weise  lebhaft  Blasen  von  C02. 

Unter  dem  Mikroskope  ist  der  Plagioklas  durchsichtig,  der  Diallag  aber 
lauchgrún  bis  ins  bráunliche  oder  blass  grasgriine  geneigt;  oft  ziemlich  durch- 
sichtig nicht  zersprungen,  oder  wie  Augit  nicht  rissig  erscheinend.  Manche  etwas 
rissigen  augitáhnlichen  Kórner  zeigen  oft  Schwarze  lnpraegnationen  den  Rissen 


i 

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1 


,  nach ,  die  vielleicht  aus  Psilomelan  bestehen.  Auch  ganz  durchsichtige,  blass 
rothlich  bráunliche  Fláchen  clem  Biotit,  und  zwar  im  Schnitte  ziemlich  parallel 

'  zur  Fláche  oP  angehorig,  zeigen  sich  neben  Diallag.  Spárlich  sincl  Magnetitkorner 
eingewachsen  so  wie  auch  kleine  vereinzelnte  Pyritkornchen.  Ein  Ilmenitquerschnitt 
fiel  nicht  in  den  Dúnnschliff.  Im  Plagioklas  bemerkt  man  nur  selten  kurze  Nadeln 

,  von  Apatit  in  der  Breite  von  ¥'¥mm .  Das  Gestein  ist  ganz  frisch  bis  auf  die  in  Plagio- 
klasen  so  háufig  sich  vorfindenden  getriibten  Háufchen,  welche  auch  hier,  jedoch 

i  nur  spárlich,  zum  Vorschein  kommen  und  theilweise  vielleicht  auf  Calcit  bezogen 
werden  konnen.  Trotz  der  Frische  des  Gesteines  finclen  sich  gewisse  Diallage  mit 
Fleckchen  von  Limonit  schwach  umrandet,  welcher  auch  in  Kluftchen  in  dieselben 

j  eindringt.  Solche  Diallage  zeigen  aber  eine  grasgrune  Farbe  u.  d.  M.  und  stellen 
ein  Aggregat  von  regellos  zerstreuten  Amphibolstábchen,  von  der  mittleren  Breite 

'von  5'ó — g,omm  vor,  es  ist  das  also  Uralit.  Ob  die  Uralitbildung  aus  dem  Diallag 
eben  durch  das  Eindringen  des  Limonites  bedingt  war,  oder  ob  umgekehrt  der 
Limonit  erst  nach  erfolgter  Umwancllung  des  Diallages  in  ein  Amphibolaggregat 
eindringen  konnte,  bleibt  dahingestellt.  Man  sieht  auch  ziemlich  scharf  getrennt 
vom  Diallag  solche  deutlicher  griinen  Uralitaggregate ;  manchesmal  zeigen  gewisse 
Randlinien  des  Diallages  einen  diinnen  grasgrunen  Saum  von  Uralit.  Im  Ganzen 
ist  aber  der  Uralit  nicht  háufig. 

Der  Plagioklas  zeigt  ganz  reine  Farben  und  deutliche  Zwillingsstreifung, 
zuweilen  auch  Zwillingsgitterung  im  polarisirten  Lichte. 

Die  fůr  den  Labradorit  des  Gabbro  angegebenen  Nádelchen  von  schwarzer 
Farbe,  oder  Táfelchen  von  brauner  Farbe,  auf  welche  sonst  der  violette  Stich 
desselben  bezogen  wird,  konnten  nicht  nachgewiesen  werden.  Wohl  findet  sich 
ganz  vereinzelnt  hie  und  da  ein  schwarzes  Nádelchen  oder  ein  blassgríinlicher 
Mikrolith  (vielleicht  Diallag)  im  Plagioklase,  allein  es  ist  díeses  Vorkommen  wegen 
der  Seltenheit  nicht  zu  beachten. 

Die  mittelkornige  Varietát  des  Gabbro  besteht  aus  bis  liber  1/2cm  langen 
und  entsprechend  weniger  breiten  Gemengtheilen.  Einzelne,  grob  nadelformige 
Plagioklase  von  der  Breite  von  l1/^  erreichen  selbst  die  Lánge  von  uber  3/4cm. 
Die  Farbe  des  Plagioklases  ist  weiss  mit  einem  Stich  ins  Violette,  clie  Durchsich- 
tigkeit  bedeutend,  die  Streifung  ganz  cleutlich.  In  dieser  Varietát  kommen  entwecler 
gTaulichschwarzgrúne  oder  an  den  vollkommensten  Spaltungsíláchen  dunkelbráunliche 
Diallage  vor,  welche  letztere  aber  im  Querbruche  dunkelolgrún  gefárbt  sind.  Die 
erst  genannte  Abart  bildet  ziemlich  feste  záhe  knollenartige  Ausscheidungen  in 
andern  Gabbroarten,  die  zweite  Varietát  aber  kommt  als  Gestein,  in  dem  Vinařicer 
Stocke  allmáhlig  aus  der  grobkornigen  sich  entwickelnd  vor.  In  Wasser  ausgekochte 
Stiickchen  brausen  stellenweise  ziemlich  lebhaft  in  Sáuren. 

Von  accesorischen  Gemengtheilen  kommen  nur  kleine  Punkte  eines  schwarzen 
Erzes  (Magnetit,  Ilmenit),  dann  kleine  Kornchen  von  Pyrit  und  Pyrrhotin  sehr  unter- 
geordnet  zum  Vorschein. 

Eigenthiimlich  ist  fur  den  mittelkornigen  Gabbro  clie  Erscheinung,  dass 
auf  ziemlich  bedeutenclen  Bruchfláchen  gewisse  Diallagspaltungsfláchen  trotz  ihrer 
Unzusammengehorigkeit  zugleich  glánzen.    Auf  cler  angewitterten  Oberfláche  tritt 

10 


14G 


aber  der  Diallag  als  dunkelgruner  Amphibol,  der  Plagioklas  als  weissliche  matte 
undurchsichtige  Masse  auf. 

Die  Proben  stammen  von  der  Eisenbahn  in  Vinařic  gegenuber  dem  Eisen- 
bahnviaducte  (etwas  weniges  O  von  dem  Fundorte  der  grobkornigen  Varietát). 

Eine  davon  zeigt  genau  das  Verhalten  des  grobkornigen  Gesteines,  jedoch 
sind  manche  der  zersprungenen  Diallage  von  blass  rothlichbrauner  Farbe  durch 
ein  iníiltrirtes  schwarzes  Minerál,  wahrscheinlich  Psilomelan  wie  mit  einem  Netz 
durchzogen  iind  mit  einem  griinlichgrauem  wolkigen  Hof  von  x\ — ]ram  Breite 
umgeben.  Die  Deutung  des  Hofes  gelang  nicht.  Sonst  sind  gewisse  Diallage  auch 
in  das  Ampliibolaggregat,  námlich  den  Uralit  umgewandelt.  Eine  weitere  Probe 
zeigt  wohl  noch  schmutzig  grúne  Diallage,  sowie  blass  rothlichbraune  Biotite, 
allein  erstere  nur  mebr  in  Form  von  scharf  begránzten  Kernen ;  denn  alles  andere, 
was  als  Diallag  zu  deuten  wáre,  ist  eigentlich  schon  Uralit.  An  den  Gránzen  mit 
dem  Plagioklas  zeigt  sich  der  Uralit  besonders  stark  zerfasert  und  theilweise 
moosartig  zertheilt,  Im  Plagioklas  finden  sich  nicht  parallel  gelagerte  lange  hexa- 
gonale  Tafelchen,  die  vielleicht  als  Diallag  zu  deuten  wáren,  auch  ganz  spárlich 
auťtretencle  Nádelchen  von  schwarzer  Farbe  kommen  vor;  von  den  Nádelchen  wird 
liei  dem  Corsit  von  Ransko  das  Náhere  noch  erwáhnt  werden.  Die  blassen  Tafelchen 
sind  kaum  1\mm  lang.  Ebenso  beherberget  der  Plagioklas  entweder  Einschliisse, 
oder  Einschlussen  áhnliche  Pooren.  Einzelne  Nadeln  von  Uralit  s]-6mm  und  mehr 
breit  und  bis  Jmm  lang  und  liegen  zerstreut  herum.  Tief  braune  zersprungene 
Querschnitte  in  diesem  Gabbro  sind  entweder  als  Augit  oder  Olivin  zu  deuten,  was 
nicht  zu  entscheiden  war. 

Die  Probe  mit  den  dunkelólgrunen  Spaltungsfláchen  des  Diallages  besteht 
nur  zum  geringsten  Theil  aus  Diallag ;  der  bedeutendste  Theil  ist  regellos  fasriger 
Uralit,  dessen  Stábchen  bis  y0  mm  Breite  erreichen.  Ob  die  kleinen  quadratischen 
Magnetitkornchcn  in  solchen  Uraliten  ursprtinglich  oder  spáter  gebildet  worden  sind, 
bleibt  unentschieden.  Diese  Varietát  stellt  also  nur  mehr  den  Ůbergang  zu  dem 
Uralit  oder  Labradordiorit  vor,  weil  der  Uralit  vorherrscht. 

Es  darf  nicht  unerwáhnt  gelassen  werden,  dass  trotz  der  Umwandlung  des 
Diallages  in  Uralit  der  Plagioklas  gar  keine  Einbusse  an  seiner  Frische  erlitten 
hat;  Plagioklase  des  Gabbros  und  dieses  Ůbergangsgesteines  zeigen  ein  unver- 
ándertes  Verhalten  u.  d.  M. 

Die  dritte  Varietát  des  Gabbro  im  Vinařicer  Stocke  mit  vorherrschendem 
Diallag,  grob  schiefriger  Textur,  besitzt  Gemengtheile  in  der  Grosse  von  2— 3mm. 
Nur  der  dunkelgritne  Gemengtheil  herrscht  vor,  das  Strichpulver  des  Gesteines 
ist  lichtgriinlich.  Zuweilen,  wie  O  knapp  bei  Vinařic  enthált  das  Gestein  auch 
Biotitschuppen.  Ausser  Diallag  bemerkt  man  unter  der  Loupe  in  dem  Gesteine 
kleine  Punkte  von  Magnetit  (Ilmenit)  in  bedeuteuder  Háufigkeit,  etwas  weniger 
zahlreich  kommen  noch  kleinere  Pyritkornchen  zum  Vorschein. 

Im  Dúnnschliffe  zeigt  sich  der  Plagioklas  recht  untergeordnet,  er  nimmt 
nur  den  zwischen  dem  grúnen  Minerále  ťibrig  gelassenen  Kaum  ein  und  zeigt 
nur  in  etwas  bedeutenderen  Stuckchen  Zwilliugsstreifung.  Der  Biotit  ist  in  der 
blass  rothlichbraunen  Varietát  gánzlich  durchsichtig,  im  polarisirten  Lichte  satt 
fárbig;  die  schmutzig  lauchgrune  Varietát  des  Diallages  ist  wenig  durchscheinend. 


147 


wahrscheinlich  schon  etwas  umgewandelt.  Einen  bedeutenden  Antheil  an  der  Zu- 
sammensetzung  des  Gesteines  nimmt  aber  der  fasrige,  an  cleu  Begránzungsfláchen 
zerfaserte  Uralit  ein,  dessen  Fasern  ira  Ganzen  ziemlich  die  Richtung  der  ganz 
unvollkommenen  planěn  Parallelstructur  besitzen. 

Er  umhiillt  die  dunklen  Parthieen  des  vermeintlichen  Diallages,  welcher 
aber  bei  náherer  Betrachtung  in  radialfasrige  Uralitaggregate  umgewandelt  erscheint. 
Zahlreiche  Erzpunkte  und  Kornchen  durchsetzen  in  reichlicher  Menge  die  Minera- 
lien  des  Diinnschliffes. 

Eigentlich  wáre  dieses  Gestem  scbon  náher  dem  Uralitdiorit  als  dem 
Gabbro  zu  stellen,  dessen  Reste  von  Diallag  nur  mehr  geringe  sind. 

Der  Gabbro  O  vom  Jágerhaus  von  Bernardov  ist  grobkornig,  die  nicht 
breiten  Plagioklasrechtecke  des  Gesteinsbruches  so  wie  das  diallagáhnliche  Minerál 
erreichen  Lángen  von  3/4cm  und  dariiber. 

Dúnnschliffe  zeigen  Plagioklase  von  frischer  Bescbafíenheit  von  lang  recht- 
eckigen  Schnitten,  neben  dem  griinen  Minerál,  im  Gleichgewicbte  entwickelt.  Der 
Diallag  kommt  háuíig  noch  im  Gesteine  u.  zw.  in  Form  scbarfbegránzter  polygo- 
naler  Korner,  welche  wenig  durcbscheinend,  scbmutzig  lauchgriin  gefárbt  sind  und 
die  feinen  Risse  des  Diallages  parallel  zu  einer  Richtung  durchsetzen,  dabei  aber 
ganz  unbedeutenden  Dichroismus,  zeigen.27)  Vielleicht  ist  der  Diallag  niclit  mehr 
ganz  frisch.  Nur  in  um  etwas  weniger  bedeutender  Menge  findet  sich  verworren 
fasriger  gras-  griiner  Amphibol  in  Aggregaten,  welche  moosartig  zerschlitzte  Be- 
gránzungsfláchen besitzen.  Korner  von  Ilmenit  und  Magnetit  sind  in  ziemlicher 
Menge  eingewachsen. 

Nebensáchlich  ist  das  Vorkommen  von  Limonit  in  gewissen  Rissen,  die 
das  Gestein  durchsetzen. 

In  dem  Gabbrostocke  von  Vinařic  íinden  sich  aber  gewisse  mittelkornige 
Gesteinsvarietáten,  in  welchen  das  diallagáhnliche  Minerál  eine  dunkelgrúne  Farbe 
besitzt  und  unter  der  Loupe  nebst  hóchst  zart  faseriger  Zusammensetzung  aber 
noch  die  Spaltbarkeit  des  Amphiboles  zeigt.  Die  Plagioklase  sind  ganz  frisch, 
ins  Viollete  spielend.  Hie  und  da  sind  Korner  von  Pyrrhotin  sichtbar.  Selten  auch 
kleine  Schuppen  von  Biotit.  Dieses  Gestein  ist  demnach  nicht  mehr  Gabbro,  sou- 
dem aus  der  Umwandlung  desselben  hervorgegangener  Uralit-  oder  Labrador-Diorit. 

Uralit-Diorit. 

Uralit-  oder  Labradorit-Diorit  ist  demnach  ursprunglich  Gabbro  gewesen, 
aus  dem  er  durch  Umwandlung  des  Diallages  in  Uralit  hervorgegangen  ist,  wobei 
der  Plagioklas  von  der  Umwandlung  nichts  an  seiner  Frische  eingebússt  hat.  Es 
gibt  keine  scharfe  Gránze  zwischen  Gabbro  und  diesem  Uralit-Diorit,  weil  sich 
das  urspriingliche  Minerál,  der  Diallag  in  solch'  bedeutender  Menge  vorfinden  kann, 
dass  die  Zuweisung  des  Gesteines  zum  Gabbro  oder  zu  dem  Diorit  unausfúhrbar 
erscheint.  Insgesammt  sind  aber  die  Uralit-Diorite  doch  etwas  weniges  deutlicher 
griinlich,  also  dem  mittelkórnigen  Corsit  áhnlich,  weil  der  dunkel braune  oder 
dunkelbraungriine  Ton  des  Gabbrodiallages  sich  in  einen  dunkelgraugriinen  um- 
wandelt,  wenn  námlich  die  Umwandlung  des  Diallages  in  ein  Uralit  vollzogen  ist. 

10* 


148 


Von  Berná r cl ov  (SO  Elbe-Teinic)  nach  NO,  3/4  km  ist  an  der  Gránze 
von  rothem  Granit  unci  Chloritdioritaphanit  ein  Stock  von  Uralitdiorit  von  mitt- 
lerem  Korné  in  der  Erstreckung  von  etwa  200m  eingelagert.  Weiter  NW  treten 
in  tiefsten  untersilurischen  Phylliten  noch  etliche  wenig  máchtige  NW  streichende 
Gánge  dieses,  jedoch  nur  kleinkórnigen  Gesteines  auf. 

Das  mittelkornige  Gestein  von  diister  gríiner  Farbe  hat  Gemengtheile, 
cieren  Grosse  gegen  2mm  betrágt;  nur  die  grossten  Uralitsáulen  und  die  lángsten 
Plagioklasrechtecke  erreichen  Lángen  von  2*/2  und  4mm.  Im  frischen  Bruch  ist 
beim  Labradorit  auch  der  Stich  ins  Viollete  bemerkbar,  wáhrend  sich  der  dunkel- 
grune  Amphibol  nicht  deutlich  begránzt  zeigt. 

Die  Zusammensetzung  des  Gesteines  ist  sehr  áhnlich  derjenigen  des  Gab- 
bros  von  Vinařic,  denn  1  gr  Substanz  gab: 

Si02  49*60 
Al2  03  18-32 

FeO,  und  etwas  Fe203  bestimmt  und  gewogen  als    Fe2  03  8-72 

CaO  11-28 
MgO  7-69 
Gliihverlust     T62  1*52 
Alkalien  unbestimmt    .  .  . 
Wircl  fůr  die  Zusammensetzung  des  Plagioklases  diejenige  des  Labradorites 
von  Vinařic  pag.  143  angenommen,  so  wiirde  das  Gestein  bestehen  aus  etwa  50% 
Uralit  (und  Diallag),  48°/0  Labradorit  und  etwa  2°/0  Biotit,  Magnetit,  Ilmenit, 
Pyrit,  Calcit. 

Darnach  wiirde  sich  auch  die  Zusammensetzung  des  Uralites,  wenn  der 
Gliihverlust,  dann  die  Alkalien  unberucksichtigt  werden  und  das  FeO  als  Fe2  03 
in  Kechnung  gesetzt  wird,  wie  folgt,  berechnen: 
Si02  47*3 
Al2  03  6-6 

Fe2  03    17*1  28)    (statt  FeO,  est  ist  aber  der  Fe203-Halt  zu  gross) 
CaO  10-9 
MgO  15-1 

Im  Důnnschlifře  zeigen  sich  frische  Plagioklasrechtecke  mít  lebhaften 
Farben  im  polarisirten  Lichte;  dann  scharf  begránzte  oder  noch  háufiger  an  den 
Rándern  zerfranste  Uralite  von  fasriger  Textur  meist  ohne,  wohl  aber  auch  noch 
hie  unci  cla  mit  Diallagkernen ,  welche  nur  die  zařte  Spaltungs-Faserung  und 
lebhaftere  Farben  im  polarisirten  Lichte  zeigen.  Hie  und  da  zeigt  sich  accessorisch 
ein  Rechteck  oder  ein  Lappen  róthlichbráunlichen  Biotites,  dann  Magnetitkórner 
und  Ilmenitstábe,  sowie  auch  Pyritkórnchen.  Das  Aussehen  des  Uralit-Diorites 
erinnert  ganz  an  den  umgewandelten  mittelkórnigen  Gabbro  von  Vinařic. 

Zwischen  Vinařic  unci  Kojic  durchsetzen  (etliche  10  an  der  Zahl)  echte 
und  Lager-Gánge  die  Glimmerschiefer  und  silurischen  Phyllite  des  linken  Elbeufers. 
Der  am  weitesten  NO  von  Vinařic  entfernte  Gang  im  Glimmerschiefer  (am  náchsten 
Kojic  zwischen  dem  Bahnwáchterhauschen  Nr.  279  und  280,  von  279  flussabwárts 
uber  200m  entfernt),  etwa  3m  máchtig,  besteht  aus  einem  ganz  áhnlichen  Uralit- 
Diorit,  dessen  Gemengtheile  bis  2V2mm  und  dariiber,  an  Grosse  erreichen. 


149 


Das  ganz  frische  Gestein  zeigt  stellenweise  Diallagspaltungsfláchen,  soust 
aber  sehr  zartfasrigeu  Uralit  und  ins  blassviollete  spielenden  Labrador. 

Die  Zusammensetzung  ist  unter  Nichtbeachtung  der  Alkalien  mit  1*3  gr 
Substanz  folgende: 

Si02  47-38 
Al203  +Fe203  32-23 
CaO  9-76 
MgO  6-73 
Gluhverlust  1*70 

Es  ůberwiegt  demnach  der  griine  Diallag-  und  Uralitgemengtheil. 

Zwei  Diinnschliffe  zeigten  stellenweise  wolkig  weiss  getriibten,  sonst  aber 
frischen  Labradorit  in  langen  rechteckigen  Formen,  auf  welche  polarisirtes  Licht 
stark  einwirkte.  Die  Zwillingslamellen  sind  sehr  deutlich;  hie  und  da  eine  Apatit- 
nadel  von  6,omm  Breite  eingewachsen  enthaltend.  Der  eine  Diinnschliff  zeigt  nur 
faserigen  Uralit,  der  zum  Theil  an  den  Begránzungsfláchen  zerfranst  und  mit  lose 
zerstreuten  Uralitstábchen  begleitet  ist,  und  keinen  Diallag  sowie  auch  keinen 
Biotit;  der  andere  Diinnschliíf  zeigt  noch  unbedeutende  Reste  von  gelblich  gras- 
griinem  Diallag,  der  aber  durch  eine  ganz  diinne  Lage  von  Uralit  von  grasgriiner 
Farbe  umhiillt  wird;  nebstdem  zahlreiche  faserige  Uralite  mit  Lappen  und  Recht- 
ecken  von  blassrothlichbráunlichem  Biotit.  Bei  der  Drehung  des  Objectes  um  90° 
iiber  dem  Polarisator  (ohne  Analysator)  ándert  die  Uralithtille  um  den  Diallag  den 
Farbenton  bedeutend,  wáhrend  sich  der  Diallag  nur  ganz  unbedeutend  in  der 
Farbennuance  ándert 

Gewisse  Magnetit-  und  Ilmenitkorner  und  Štábe  stecken  in  einer  Leukoxen- 
kruste.  Pyritkórnchen  kommen  auch  zum  Vorschein. 

Áhnliche  Uralitdioritgánge  íinden  sich  auch  S  und  SO  von  Telčic  und 
3/4  km  O  von  Chvaletic  (SO  Elbe-Teinic)  in  tiefen  untersilurischen  Phylliten. 
Ebenso  an  der  Strasse  von  Bernardov  nach  Zbraňoves,  moglich  dass  auch  N  von 
Vedralka  (Franciscahain). 

Ein  kleinkorniger,  grob  bankformiger  Uralit-Diorit  mit  wenig  zelligen  Quarz- 
kltiften  durchsetzt  und  allseitig  vom  Pláner  umgeben,  wesshalb  seine  Lagerungs- 
verháltnisse  unbekannt  sind,  befindet  sich  an  dem  Wege  von  Heřmanměstec  nach 
Nákle,  3/4  km  S  von  Nákle.  Im  Bruche  ist  nur  der  dunkelgriine  Uralit  sichtbar, 
welcher  stellenweise  zartfaserige  Textur  unter  der  Loupe  zeigt. 

In  Sáuren  entwickelt  das  Gestein  Bláschen  von  C02.  Eine  theilweise 
Analyse  unter  Vernachlássigung  der  Alkalien  mit  1*05  und  1*11  g  Substanz  ergab 


Trockenverlust  bei  100°  C   '30 

In  Essigsáure  losliches  FeC03  1*25 

„       CaC03  1-49 

MgC03  -25 

Gluhverlust  nach  Abzug  der  C02  der  eben  ange- 

fiihrten  drei  Carbonate  4'40 

Si02    45-81 

A1203  +Fe203    37*14 


150 


CaO  327 

MgO   5-49 

Das  gróssten  Theils  als  FeO  in  der  Verbindung  euthaltene  Eisen  ist  hier 
als  Fe03  in  Šumme  mit  A1203  angefiihrt. 

Der  Diinnschliff  zeigt  in  griinen  Aggregaten  von  mehreren  mm  Lánge 
hochstens  lmm  lange  Plagioklasrechtecke  oder  ungestaltete  Formen,  die  dann  und 
wann  auch  Zwillingsstreichung  im  polarisirten  Lichte  zeigen.  In  den  griinen  Aggre- 
gaten kommen  auch  unbedeutende  Kornchen  von  Plagioklas  eingewachsen  vor. 

Das  griine  Aggregat  mit  lappig  oder  moosartig  verzweigten  Randem  besteht 
theils  aus  fasrigen  Anháufungen  von  Uralit,  theils  aus  lappigen  Schuppen,  welche 
wegen  des  bedeutenden  Glíihverlustes,  der  demnach  meist  Wasser  im  Gesteine 
nachweiset,  auf  Chlorit  hinweisen.  Das  griine  Aggregat  wáre  demnach  ein  Gemenge 
von  Uralit  mit  Chlorit. 

In  dem  Gemenge  finden  sich  grossere  Kórner  von  Magnetit  und  kórnige 
Anháufungen  von  Ilmenit  in  Leukoxenhiillen  eingeschlossen. 


Corsit. 

Dieses  Gestein,  welches  zu  den  sonst  seltenen  gehórt,  ist  im  Gebiete  der 
Kartě  des  Eisengebirges  sowie  in  der  an  das  Eisengebirge  anliegenden  Gegend 
ziemlich  verbreitet.  *29)  Es  bildet  der  Corsit  daselbst  meist  Gangstocke  insbesondere 
an  den  Gránzen  des  roth  gefárbten  Granites  mit  anderen,  entweder  laurentiuischen 
oder  silurischen  Gesteinen.  Die  Gangstocke  sind  zumeist  von  keiner  bedeu- 
tenden Lángenerstreckung,  obwohl  einige  recht  ansehnliche  solche  Stocke  erkannt 
worden  sind. 

Das  schónst  entwickelte  grobkornigste  Gestein,  in  welchem  die  Gemeng- 
theile  ausserordentlich  deutlich  zum  Vorschein  kommen  ist  in  dem  kurzen  Gang- 
stocke V3  km  NO  von  Částkov,  ebensoviel  N  von  Prostějov,  etwas  mehr  als  1  km 
S  von  Žumberg  in  grobkornigem  rothem  Granit  eingelagert.  Der  Corsit  an  seinen 
Randem  von  kórnigem  Diorittrummern  eingefasst,  bildet  hier  die  kleine  Kuppe 
(Hohe  380m).  Diesem  Gesteine  schliesst  sich,  was  den  guten  Erhaltungszustand 
der  Gemengtheile  und  die  deutlich  kórnige  Textur  anbelangt,  die  Gesteinsmasse 
des  Corsites  an,  welche,  soviel  eben  in  dem  bewachsenen  Terrain  zu  entnehmen 
ist,  einen  recht  langen  Gangstock  bildet,  indem  sie  sich  im  Contacte  von  rothem 
Gneus  und  grauem  Granit  oder  rothem  Granit  mit  grauem  sudlich  von  Polom 
uber  Unter-Brádlo  (O)  an  der  Ohebka  (Chrudímka),  O  Vršov  bis  SW  gegen 
Polanka  hinzieht.  Wenn  die  nachgewiesenen  anstehenden  Corsitmassen  wirklich 
nur  einen  zusammenhángenden  Gangstock  bilden,  so  káme  demselben  dem  NNW 
Streichen  nach  die  Lánge  von  7  km  zu;  die  grosste  Máchtigkeit  wiirde  l/2  km 
betragen.  Das  súdliche  Gangstockende  am  rechten  Ohebkabachgehánge,  wo  es 
durch  rothen  Granit  durchsetzt  wird,  zeigt  die  oben  angeriihinte  grobkómige  und 
theilweise  frische  Zusamrnensetzung. 

Andere  Gangstocke  zeigen  wohl  noch  ein  ziemlich  grobes  Kom,  sind  jedoch 
im  Vergleich  zu  den  oberwáhnten  nicht  mehr  so  auffallend.    Die  Umrandung 


151 


Iderselben  mit  deutlich  kórnigem  Diorit  ist  eine  allgemein  giltige  Eigenthiimlichkeit 
derselben.  Diese  auderen,  wohl  aucli  noch  grobkórnigen  Corsitvarietáten  siud  au  fol- 
*•  geudeu  Orteu  zu  fiuden :  Ein  ringformiges  Stockmassiv  inmitten  aus  Serpentin-  und 
I  Olivingestein  (Troktolit)  bestehend  mit  einem  lichten  Durchmesser  von  3  km  und 
\  einer  Ringbreite  von  */4 — 1  km,  von  einem  noch  breiteren  Dioritring  eingefasst,  bildet 
,  deu  Fuss  des  665 m — 675m  hohen  bewaideten  Kuppenhiigels,  au  dessen  iV-Fusse 
Ransko  liegt. 

<  Ein  nur  wenig  máchtiger  Gang  au  dem  Contacte  von  rothem  Granit  mit 

Phyllit  des  Untersilurs  streicht  V/3  km  SW  von  Kladné  (O  Hlinsko).  Zwei,  4  bis 
2  km  lange,  bis  */s  km  mach  ti  ge  Stocke  streichen  NS  der  eine  unter  Srny,  der 

\  andere  '/2  km  O  von  Petrkov  an  der  Gránze  zwischen  Gneus  und  Gneusgranit 
oder  rothem  Granit  (NW  Hlinsko).  Zwei  unbedeutendere  Gánge  streichen  V/3  km 

f  WNW  von  Trhová  Kamenice  an  der  Gránze  zwischen  zwei  Granitvarietáten.  Kuapp 
S  bei  Jančour  und  %  km  W  von  Možděnic  (SSO  und  SW  Trhová  Kamenice) 
sincl  gleichfalls  máchtigere  Gánge  bekannt;  an  ersterem  Orte  ein  Contactgang 

,  zwischen  rothem  Granit  und  grauem  Gneus,  an  letzterem  ist  die  Entblóssung 
unzureichend  zur  Bestimmung  der  Lagerung.  Je  ein  Gang-Stock  ist  3/4  km  O 
bei  Drakotic  (NO  Nassaberg)  und  1  km  NW  Vršov  (SO  Seč),  an  ersterem  Orte 
am  Contact  zwischen  rothem  Granit  und  Gneusgranit,  an  letzterem  zwrischen 
rothem  Granit  und  rothem  Gneus.  S  3/4  km  von  Kovářov  ist  ein  schwacher  Gang 
an  der  Gránze  von  rothem  Granit  mit  einer  Scholle  von  Gneusgranit  in  rothem 
Granit;  1  km  SW  von  Hrbokov  oder  1  km  NW  von  Kovářov  (Seč  NW)  ist  ein 
bedeutender  Gangstock  von  2  km  Lánge  und  73  km  Máchtigkeit  im  rothen  Granit 
an  der  Gránze  mit  Gneusgranit.  Bei  Krásko  v  NO  1  km  (Seč  NW)  ist  ein  unbedeu- 
tenderer  Stock  zwischen  rothem  Granit  und  zu  Ottrelitschiefer  umgewandelten 
untersilurischen  Thonschiefern,  gleichfalls  in  Begleitung  mit  Dioriten,  wie  bei 
Hrbokov  eingelagert.  Bei  Mladotic  schief  quer  uber  die  Doubravaschlucht  streichend, 
ist  ein  etwa  nur  100m  —  200m  und  noch  weniger  máchtiger  Gang  auf  2  km  Lánge 
an  der  Gránze  zwischen  Biotit-Gneus  und  Amphibolgneus  gut  entblósst  (SSO 
Ronov  an  der  Doubrava).  In  der  siidlichen  Fortsetzung  dieses  Gangstockes  J/z  km 
NO  Moravan  (NNO  Vilímov)  ist  ein  Corsithíigel  entblósst,  die  Gránze  nicht  wahr- 
nehmbar.  Moglich  dass  auch  NW  Zbyslavec  (Ronov  a.  d.  Doubrava  NO)  ein  Corsit- 
gang  streicht, 

Es  ist  moglich,  dass  manche  dieser  Corsitstocke,  in  welchen  die  minera- 
logische  Nátur  des  Plagioklases  als  Anorthit  nicht  náher  untersucht  wurde,  welche 
also  nur  nach  ihrer  Áhnlichkeit  mit  andern  Varietáten  dem  blossen  Ansehen  nach 
bestimmt  wurden,  dem  Diorite  náher  stehen  konnten,  wie  etwa  der  Gang  4/5  km 
ONO  von  Seč  oder  der  unbedeutende  Gang  1  km  SWS  Bistřic  bei  Včelákov  und 
andere,  die  demnach  als  Corsit  áhnlich  zu  bezeichnen  wáren.  Dafiir  aber  konnten 
wieder  gewisse  als  Diorit  ausgeschiedene  Gesteine  wie  NO  Blatno  (bei  Hlinsko) 
und  andere  bei  náherer  Untersuchung  dem  Corsite  anheimfallen.  30) 

Es  wurden  nur  die  Corsite  von  vier  Fundortern  námlich  von  Mladotic 
{S  Ronov),  von  Hrbokov  (NO  Seč),  vom  Kraskover  Jágerhaus  (NO  Kraskov,  NW 
Seč),  sowie  von  Ransko  und  1—1 1/2  km  W  Ransko,  náher  untersucht.  Da  der 
Charakter  dieser  Gesteine  doch  nur  wenig  veránderlich  ist,  wurden  desshalb  nur 
diese  vier  Fundortern  eingehender  studiert. 


152 


Der  Gang  von  Mladotic,  welcher  nach  22h3/4  also  parallel  der  Richtung 
des  Eisengebirges  streicht,  setzt  SSO  vom  abgetra.genen  Mladoticer  Meierhofe  an, 
erlangt  im  IF-Theile  von  Mladotic  (und  bei  dem  gevvesenen  Hofe),  wo  er  uber  die 
Doubravathalschlucht  ins  recbte  Ufer  iibersetzt,  die  grosste  Mácbtigkeit  von  etwa 


200™  bei  sehr  steilem  Einfallen  nach  O  (Fig.  2).  Im  rechten  Gehánge  der  Bach- 
schlucht  verengt  er  sich  bedeutend,  indem  er  bei  der  heil.  Kreuzkirche  nur  50 m 
bis  60m  Máchtigkeit  hat.  iVvon  der  Kreuzkirche,  die  auf  obercenomanen  Schichten 
steht,  wird  der  Gang  von  diesen  Kreidegebildeu  bedeckt  und  kommt  in  der  Ver- 
lángerung  seines  Streichens  an  dem  S  Ende  von  Ronov  (N  Korečnickv  mlýn)  noch 
eine  entblósste  Corsitmasse  von  geringem  Umfange  zum  Vorschein.  Der  súdliche 
máchtigere  Gangstocktheil  ist  regellos  kornig,  der  nordliche  verengte  Theil  aber, 
besonders  nahé  der  Kreuzkirche  (S)  zeigt  eine  grobe  plane  Paralleltextur,  durch 
unvollkommen  parallele  Lagerung  der  Gemengtheile,  zu  den  einander  ziemlich 
genáherten,  nicht  mehr  so  steilen  Gangbegránzungsfláchen.  Mit  diesem  Gange  in 
irgend  einem  genetischen  Zusammenhange  stehen  ein  ganz  kleines  Serpentinmassiv 
knapp  NW  an  der  Mladoticer  Múhle  und  ein  Troktolitgestein,  gleichfalls  als  kleines 
Massiv,  gegeniiber  der  St.  Martinkirche  (am  linken  Ufer) ;  beide  diese  Gesteine  sind 
am  rechten  Ufer  des  Doubravkabaches.  Das  Hangencle  des  Ganges  bildet  grauer 
Biotitgneus,  das  Liegende  granatfiihrender  Amphibolgneus.  Der  Durchschnitt  ganz 
wenig  N  vom  Serpentinstock  in  der  doppelten  Doubravkabiegung  von  NNW  nach 
SSO  und  wieder  nach  NW  (Fig.  2)  versinnlicht  die  Lagerung.  Diorit-áhnliche 
Gesteine  íinden  sich  an  den  Gangberúhrungsfláchen  mit  dem  Nebengestein  nur  in 
dem  machtigeren  súdlichen  Theile  in  nicht  bedeutender  Menge,  so  dass  beinahe 
der  ganze  Gang,  mit  Ausnahme  der  wenig  ausgebreiteten  Gránzlage  von  Diorit, 
aus  Corsit  besteht. 

In  dem  grobkornigen  Corsitgesteine  herrscht  Anorthit,  nur  S  von  der  Kreuz- 
kirche, námlich  in  dem  Gangetheile  mit  unvollkommener  planěn  Paralleltextur  und 
zwischen  clem  W  Theil  von  Mladotic  und  dem  gewesenen  Mladoticer  Meierhof,  also 
S  von  Mladotic,  uber  den  Amphibol  vor ;  sonst  scheinen  beide  Gemengtheile,  Amphibol 
und  Anorthit,  sich  das  Gleichgewicht  zu  halten,  wenn  auch  der  dunkle  Amphibol 
die  Farbe  des  Gesteines  bedingt. 

Die  Beschaffenheit  cles  Corsits  an  der  Oberfláche,  das  ist  in  der  Masse 
der  am  Gangstockausbiss  liegenden  wenig  veriinderten  Blócke,  wird  bei  Gelegen- 
heit  der  Beschreibung  des  Gesteines  bei  Hrbokov  erwáhnt  wcrden,  so  dass  hier 
gleich  die  Beschaffenheit  des  frischen  Gesteines  angefúhrt  werden  kann. 

Das  ziemlich  grobkornigc  Gestein  enthált  S  von  Mladotic  stellenweise  an 
Anorthit  reichere  Ausscheidungen,  wodurch  scine  dunkelgraugriine  Farbe  zu  eiuer 
lichten  wird.  Selbst  sehr  grosskornig  ausgebildete  Ausscheidungen  íinden  sich  hier 
vor,  welche  aus  grobkornigen  zusammenhangenden  Aggregaten  von  ziemlich  frischem 


Fig.  2. 


NO 


1:10000 


Doubravka  SW 


I 

I 

153 

Anorthit,  aus  členěn  man  beinahe  faustgrosse,  fast  amphibolfreie  Handstiicke  schlagen 
kanu,  und  aus  kleineren  bis  kindsfaustgrossen  Amphibolaggregaten,  welche  entweder 
aus  gauz  reinem,  oder  uur  untergeordnet  mit  Anorthitkornern  gemeugtem  Amphibol 
bestehen. 

Nahé  am  Ausbisse  oder  iu  den  Kluftchen,  welche  unter  dem  Rašen  das 
Gestein  durchsetzen,  findet  sich  auf  demselben  stellenweise  ein  weisser  undurch- 
sichtiger  kreideáhnlicher,  dunner  erdiger,  jedoch  nicht  abfárbender  Ůberzug  von 
1  Kaolin  als  Zersetzungsprodukt  des  Anorthites,  welcher  an  derartigen  Stellen  auch 
schwach  weiss  getrúbt  ist.  Der  erdig  kreideartige  Ůberzug  besteht  aus  Schůppchen 
von  krystallinischer  Forra  wie  der  Kaolin  und  erscheint  nur  in  ganz  unbedeuten- 
dem  Grade  mit  Calcit  impraegnirt,  da  er  in  Sáuren  sehr  wenig  C02-Bláschen 
entwickelt. 

Die  grobkornigen  Anorthitaggregate  sind  durchscheinend,  kleinere  Bruch- 
stucke  durchsichtig,  blassweiss,  bis  hochstens  beinahe  1  □  cm.  grosse,  meist  aber 
í  etwas  kleinere  Spaltuugsfláchen  zeigend.  An  den  nur  ziemlich  ebenen  Spaltungs- 
fláchen  von  etwas  ins  Perlmutterartige  geneigtem  Glasglanz  zeigt  sich  wohl  auch 
die  Zwillingsstreifung  auf  oP,  jedoch  nicht  so  háufig  und  so  gut  ausgeprágt,  wie 
dies  bei  den  andern  Plagioklasen  der  Fall  ist.  Diinne  durchsichtige  Splitter  schmel- 
zen  an  den  Kanten  schwer  an  und  werden  dadurch  weisslich  trúbě.  Das  sp.  G. 
betrágt  27202  (mit  *985  g.  Substanz).  Gewisse  Kórner  und  Spaltungsformen 
zeigen  schalige  Zusammensetzung  nach  oP.  An  Spaltungsgestalten  wurde  unter 
dem  Mikroskope  gemessen  die  Neigung  von  oP  zu  co  P  qo  mit  85°  26'  (aus  5  Mes- 
sungen,  statt  85°  50'  was  innerhalb  der  Fehlergránzen  liegt). 

Eine  Analyse  des  nicht  bei  100°  C  getrockneten  Anorthites,  dessen  Glúh- 
verlust  und  Alkalien  nicht  bestimmt  wurden  ergab,  nach  Rob.  Uhlig: 

Si02  —  42-34 
A1203  35-50 
CaO  18-70 

Hygroskopische  Feuchtigkeit,  Gluhverlust,  unbestimmter  Rest:  3'46 

100-00 

Ganz  reine  durchsichtige  Anorthitbrocken  bedecken  sich  in  Sáuren  mit 
kaum  irgend  nennenswerthen  Bláschen  von  C02. 

Der  Amphibol  solcher  grosskornigen  Ausscheidungen  zeigt  sich  in  zweierlei 
Varietáten :  selten  in  spáthigen  Individuen ;  háufig  in  feinstenglig  schuppig  kórnigen 
Aggregaten. 

Die  seltenen  spáthigen  Amphibole  bilden  bis  2cm  lange  und  etwas  weniger 
breite  Individuen  ohne  Terminationsfláchen  mit  stark  vertikál  gerieften  oscillatorisch 
unebenen  co  P-Fláchen.  Die  sehr  ebenen  Spaltuugsfláchen,  die  den  fiir  das  Am- 
phibolprisma  oo  P  charakteristischen  Winkel  mitsammen  bilden,  zeigen  nur  Spuren 
i  von  vertikálen  Strichen,  nebstclem  aber  einen  so  starken  Glanz,  dass  man  bei  dem 
1  Vorhandensein  von  nur  einer  solchen  Spaltungsrichtung  die  Spiegelung  beinahe 
als  dem  Diallag  áhnlich  bezeichnen  konnte.  Die  Oberfláchenfarbe  ist  schwarzgrun 
mit  einem  Stich  ins  Bráunliche;  diinne  Splitter  sind  schmutzig  graugriin  durch- 
scheinend, leicht  zu  einer  Kugel  von  ebensolcher  Farbe  v.  d.  L.  schmelzbar.  Man- 
chesmal  dringen  ganz  diinne  Ůberzuge  von  Kaolin  zwischen  die  Spaltungsrisse  ein, 


i 


154 


was  jedoch  unwesentlich  ist.  Gewisse  Amphibolprismen  zeigen  auf  den  Spaltungs- 
fláchen  bedeutende  vertikále  Risse  und  Unterbrechungeu,  weil  dieselben  aus  parallel 
verwachsenen  kleineren  Iudividuen  in  Form  von  zarten  Stengeln  aufgebaut  sind; 
solche  Amphibole  sind  schwárzlicli  lauchgriin.  Noch  andere  bestehen  nur  aus 
beinahe  parallel  verwachsenen  dicken  kurzen  Fasern  und  dann  ist  die  Spaltbarkeit 
bedeutend  unterbrochen ;  die  Farbe  ist  die  gleiche.  Diese  Gruppenkrystalle  ver- 
mitteln  den  Ůbergang  zu  den  immer  im  frischen  Zustande  schwárzlichgrůn  gefárbten 
schuppig  kornigen  Aggregaten. 

Diese  Aggregate,  deren  Kórner  zieralicli  parallel  oder  ganz  regellos  kórnig 
geháuft  sind,  zeigen  ebene  hochstens  1  nmm  grosse,  sonst  immer  kleinere  Spaltungs- 
fláchen.  Durch  ziemlich  párali ele  Anordnung  der  winzigen  kurzen  schuppigen 
Stengel  entstehen  grobfasrige  Individuen.  Es  kommen  die  kornigen  Aggregate 
auch  scharf  abgesetzt  an  den  Krystallindividuen  von  etwas  anderer  Farbe  und 
ebenen  Spaltungsfláchen  vor.  Die  kleineren  Anháufungen  von  schuppig  kornigen 
Aggregaten,  welche  Krystallkorner  nachahmen,  sind  etwa  hanfsamengross. 

Die  nicht  mehr  gánzlich  frischen  Amphibole,  also  in  Gesteinssplittern  nahé 
der  Tagesoberfláche  entnommen,  werden  deutlicher  griin,  allenfallsdunkel  grasgriin. 
Der  Anorthit  aber  wird  weiss,  trube. 

Die  Farbe  des  Corsites  ist  bedingt  von  der  Aggregirung  der  Anorthit-  und 
Amphibol-Gemengtheile.  Sind  beide  in  groben  Korném  im  Gleichgewichte  ent- 
wickelt,  so  verdeckt  der  dunkle  Amphibol  die  halb  durchsichtigen  Anorthitkorner. 
Bei  vorherrschendem  Anorthit  bilden  die  kleineren  kórnigsehuppigen  Amphibol- 
Aggregate  nur  Flecken  in  dem  Anorthitaggregate.  Es  konnen  aber  auch  in  kornig- 
schuppig-aggregirtem  Amphibolen  weisse  scheinbar  untergeordnete  Anorthitkorner 
zum  Vorschein  kommen,  dann  hat  das  Gestein  das  Aussehen  eines  kleinkornigen 
Gemenges. 

Unter  dem  Mikroskope  zeigen  die  grobkórnigen  Anorthitausscheidungen 
bei  geringen  Vergrosserungen  (von  60mal)  ausser  den  Spaltungsfugen  und  der 
schaligen  Zusammensetzung  nach  oP,  und  auch  nach  andern  Fláchen  noch  Sprunge 
in  anderen  Richtungen,  die  zufállig  sein  konnen.  Dann  aber  nach  gewissen  Stri- 
chen  grauliche  Háufchen  als  Einschlusse,  die  von  einander  mehr  oder  weniger 
weit  entfernt  sind  und  im  Mittel  5Vmm  messen,  jedoch  auch  um  das  Vielfache 
grosser  erscheinen.  Die  Durchsichtigkeit  der  Krystallaggregate  im  Diinnschliffe 
ist  eine  vollkommene.  Die  kleineren  Krystallindividuen,  die  zum  Durchschnitte 
kommen,  besitzen  Breiten  von  mehr  als  ll»mm,  wáhrend  die  grossen  Individuen 
Dimensionen  von  3 — 5mm  aufweisen. 

Im  polarisirten  Lichte  zeigen  sehr  viele  Durchschnitte  eine  bedeutende  Zahl 
von  Farbenstreifen,  gewisse  aber  nur  hie  und  da  einen  Streifen,  was  von  der 
Orientirung  der  Durchschnittes  derselbeu  abhángt.  Bei  manchen  Individuen  ist 
die  Streifenzahl  so  bedeutend,  dass  man  auf  die  Breite  von  l"""  sieben  verschie- 
dene  Farbenlamellen,  bei  220facher  Vergrosserung  aber  sogar  24fárbige  Zwillings- 
lamellen  in  derselben  Breite  von  TVmm  abzáhlen  kanu.  In  der  Mehrzahl  der  Indi- 
viduen kommen  die  Zwillingslamellen  nicht  in  so  grosser  Zahl  zum  Vorschein. 
Viele  Individuen  vielleicht  J  —  J  aller  beobachteten  zeigen  nur  einfache,  und 
wegen  der  bedeutenden  Frische  des  Anorthites  demnach  lebhafte  Farben  im  polari- 


155 

!;irten  Lichte.  Es  sind  nicht  gerade  die  kleinsten ;  es  zeigte  sogar  ein  5min  grosser 
,£rystallschnitt  nur  eineu  Farbenton.    Diese  Erscheinung  riihrt  davon  her,  dass 

iiitweder  wirklich  Iudividuen  ohne  hemitrope  Ausbildung  zum  Vorscheiu  kommen, 
*>der  dass  der  zufállige  Durchschnitt  durch  eine  einzige  dickere  Zwillingslamelle 
Wdurchgeht,  ohne  eine  anliegencle  zu  treffen,  oder  dass  beide  Ursachen  mitwirken. 

Fedenfalls  ist  die  ziemlich  bedeutende  Zahl  der  nur  einen  Farbenton  zeigenden 
'•Juerschnitte  benierkenswerth ;  es  zeigt  dies  deutlich,  dass  es  nicht  die  Zwillings- 

rerwachsung  allein  ist,  welche  fůr  Plagioklase  charakteristisch  ist,  da  es  eben  auch 

Durchschnitte  ohne  Farbenbánder  gibt  (die  nicht  Orthoklas  sind).  Am  seltensten 

Ěinden  sich  aber  Querschnitte  mit  gitterartig  (senkrecht,  eigentlich  nur  nahezu 
senkrecht,  je  nach  der  Schnittrichtung)  sich  kreuzenden  Farbenlamellen,  welche  von 
^iner  doppelten  Zwillingsverwachsung  nach  oo  P  co  und  oP  herriihren. 31)  Im  pola- 
msirten  Lichte  zeigt  sich  die  schalige  Zusammensetzung  vieler  Individuen  ganz 
fieutlich,  ausser  durch  eine  schwache  oder  bedeutende  Ánderung  des  Farbentones 
i|  auch  oftmals  durch  den  Absatz  der  Zwillingslamellen  an  den  Beruhrungsfláchen 

("der  Schalen. 
Ein  Dunnschliff  aus  einem  mittelkornigen  Gemenge  von  Kórnern  bis  iiber 
Milliineter  Grosse,  die  aus  kórnig  schuppigem  Arnphibol  und  aus  Individuen  von 
•Anorthit  bestehén,  zeigte  unter  dem  Mikroskope  Anháufungen  von  vorwiegenden 
i"Amphibolk6rnern  neben  Anorthitaggregateu.  Selten  ist  in  den  geháuften  Amphibol- 
i  Aggregaten  ein  Anorthitkorn  zu  finden,  wáhrend  in  den  Anorthitaggregaten  Am- 
phibolkorner  etwas  háufiger  sind.    Die  Amphibole  mit  deutlichem  Pleochroismus 
jzeigen  meist  grasgriine  (gelblich-,  gelblichbráunlich-  bis  dunkelgrasgriine)  Farben, 
rsind  nicht  oder  nur  wenig  zerfasert;  die  kleineren  Individuen  von  den  Dimen- 
;!sionen  Vio  unQ"  i%mu\  die  grosseren  Prismen  ]  mm  breit  und  Jmm  lang.  Die  Anor- 
,  thite  mit  ziemlich  bedeutender  Durchsichtigkeit  und  deutlicher  Spaltbarkeit  sind 
í etwas  grosser  wie  die  Amphibolindividuen.    Mit  den  Amphibolen,  aber  nie  im 
■  Anorthit,  kommen  im  Mittel  ^mm  grosse  Schwarze  Magnetitkornchen  (nicht  Py- 
rite, da  die  grell  beleuchteten  Bruchfláchen  unter  der  Loupe  dieses  Minerál  nicht 
zeigen)  spárlich,  meist  vereinzelnt,  seltener  einige  beisammen  eingewachsen  vor. 

Im  polarisirten  Lichte  zeigt  der  Anorthit  neben  deutlich  mit  Farbenbándern 
( gezeichneten  Individuen  auch  einfárbige,  letztere  aber  nicht  vorherrschend.  Der 
Arnphibol  zeigt  sich  etwas  zersprungen  nur  aus  einfachen  Krystallindividuen  be- 
'stehend,  die  danu  und  wann  auch  geradlinig  begránzt  sind.  —  Zur  deutlichen 
Erkennung  des  Gemenges  im  Corsite  reicht  schon  die  Vergrosserung  von  60mal  hin. 

Der  Corsit,  welcher  nicht  mehr  vollig  frisch  ist,  allein  im  polarisirten 
i  Lichte  noch  keine  Farbenabschwáchung  seiner  Gemengtheile  zum  Yorschein  kommen 
lásst,  zeigt  gewissen  Kluftchen  nach  und  in  Spriingen  des  Amphiboles,  sowie  an 
'  den  Begránzungsfláchen  von  Amphibolkrystallen  gegen  einander  oder  gegen  den 
Anorthit,  wohl  auch  im  Anorthit  selbst,  kleine  Aggregate  von  Epidot,  welcher 
im  gewóhnlichen  Lichte  zeisiggriin  und  pleochroistisch,  ziemlich  stark  chromatisch 
aber  im  polarisirten  Lichte  erscheint.  Er  diirfte  ein  Zersetzungsprodukt  eines, 
oder  beider  Gemengtheile  des  Corsites  seiu.  — 

Der  Gangstock  SW  Hrb  o  kov,  welcher  auf  mehr  als  2  km.  Lánge  dem 
OWStreichen  nach,  in  der  Máchtigkeit  bis  300 — 350m  bekannt  ist,  wird  nordlich 

i' 


i 


156 


von  rothem  Granit,  sudlich  aber  in  der  Richtung  von  O  nach  W  gleichfalls  von 
rothem  Granit,  von  einer  Scholle  von  grauem  Gneusgranit,  und  dann  vorherr- 
schend  von  grobkornigem  Diorit  begránzt.  Es  ist  jedoch  die  Entblóssung  keine 
derartige,  um  das  Verháltniss  des  Contactes  des  Corsites  mit  Diorit  angeben 
zu  konnen,  ob  námlich  der  Diorit  durch  Ůbergang  mit  dem  Corsit  vereint  oder 
von  demselben  scharf  geschieden  sei.  Es  ist  nur  eine,  noch  durch  keine  Thatsache 
begrundete  Vermuthung  das  Erstere  anzunehmen. 

Der  Ausbiss  des  Stockes  ist  durch  grosse  Blocke  gekennzeichnet,  welche 
zahlreich  im  Walde  und  auf  den  Hutweiden  herumliegen.  Die  grossen,  theilweise 
bemoosten  Blocke  von  dunkeler  Farbe  sind  stark  narbig,  Erhohuugen  von  dunkel 
grasgrunem,  stellenweise  rostig  geílecktem  Amphibol,  sowie  viele  Millimeter  tiefe 
Gnibchen,  bis  zu  Erbsengrosse  bedingen  das  grobnarbige  Aussehen  der  Oberfláche. 
Die  Griibchen  riihren  von  ganz  zersetztem  und  durch  Wasser  und  Wind  weg- 
gefiihrtem  Anorthit  her,  der  gegeniiber  den  hervorstehenden  Narbenhockern  des 
wetterbestándigeren  Amphiboles  ein  leicht  zersetzbares  Minerál  ist.  In  einer  Tiefe 
von  2— 3mm  unter  der  Narbenkruste  von  Amphibol  ist  der  Anorthit  kreideweiss 
erdig,  aus  Kaolin  bestehend  und  nur  mit  Calcitspuren  impraegnirt,  wáhrend  in 
kaum  J/2  cm  Tiefe  unter  der  narbigen  Oberfláche  schon  frischer  spáthiger  Anor- 
thit das  Gemenge,  mit  dem  nur  etwas  weniges  dunkler  grasgrunem  Amphibol,  bildet. 

Kliifte  im  Gestein  zeigen,  wenn  sie  nahé  unter  der  Gesteinsoberfláche 
entblosst  sind,  neben  etwas  kreideweiss  gefárbtem  Anorthit  zuweiien  ganz  schwache 
flechtenartige  Ůberziige  von  halberdigem  Calcit,  wohl  auch  Epidotkórner. 

In  der  grobkornigsten  Varietát  des  Corsites  besitzen  die  Anorthitkrystalle 
Lángen  bis  zu  lcm  und  Breiten  bis  zu  1j2cm:  zuweiien  kommen  nur  Korner  ohne 
deutliche  Krystallform  zum  Vorschein.  In  den  kleinkornigsten  Gesteinen  haben 
die  Anorthitaggregate  nur  wenige  Millimeter  im  Durchmesser.  Der  Amphibol 
zeigt  seltener  prismatische,  meist  regellos  kornige  Gestalten,  die  aus  zahlreichen 
Fasern  aufgebaut  sind,  desshalb  ihre  Spaltungsfláchen  nie  eben  erscheinen.  In  den 
grob  zusammengesetzten  Corsiten  sind  Amphibole  dunkel  grasgriin,  in  den  mittel- 
kornigen  etwas  lichter  graulich  grasgriin,  jedoch  kornig  aggregirt,  desshalb  nicht 
immer  mit  sichtbar  guter  Spaltbarkeit. 

Die  Anorthitspaltungsfláchen  lassen  trotz  ihrer  deutlichen  Grosse  unter 
der  Loupe  nicht  immer  sogleich  die  Zwillingsstreifung  erkennen,  obwohl  gewisse 
Fláchen  dieselben  recht  gut  zeigen.  Es  dúrfte  diese  Erscheinung  theilweise  auf 
die  nur  gute  Spaltbarkeit  (und  nicht  sehr  gute,  wie  bei  den  andern  Plagioklasen) 
zuriickzufúhren  sein.  Obwohl  die  durchsichtigen  bis  halbdurchsichtigen  Anorthite 
weissliche  Farben  haben,  zeigen  sie  doch  in  gewissen  Gesteinen  einen  schwachen 
Stich  ins  Graulichviolette.  In  den  mittelkornigen  Corsiten  sind  die  Anorthitaggre- 
gate weiss,  nur  durchscheinend,  weil  sie  kleinkórnig  zusammengesetzt  sind. 

Gewisse  Gesteine  zeigen  Pyritkórnchen  in  sparlicher  Zahl,  schon  ohne 
Zuhilfenahme  der  Loupe.  Dem  blossen  Anblick  nach  kann  die  Zusammensetzung 
zu  gleichen  Theilen  aus  Anorthit  und  Amphibol  geschátzt  werden,  wenn  auch  der 
Amphibol  den  Farbenton  im  Grossen  bedingt. 

Der  rein  ausgesuchte  Anorthit,  dessen  spec.  G.  nicht  bestimmt  wurde, 
sowie  das  ganze  Corsitgestein  in  der  grobkornigen  Ausbildung,  gleichfalls  ohne 


157 

i  Bestimmung  des  spec.  G.  wurden  ersteres  mit  1*0  gr,  letzteres  mit  1*42  gr  luft- 
trockener  Substanz  anály sirt. 

Anorthit  Corsit. 

Si02    4284  Si02  46-59 

A1203    35.21  Al203  +Fe203    28  12 

CaO    17-07  CaO  14-10 

MgO    Spur  MgO  7-99 

Gllihverlust,       )  Glůhveiiust,  -94 

unbestimmte  Alkalien  j  imbestimmte  Alkalien  2*26 


100-00  100-00 
Die  Menge  der  unbestimmten  Alkalien  im  Corsite  durfte  etwas  weniges 
jbedeutender  sein  als  2-26,  weil  statt  FeO  in  der  Analyse  das  wirklich  gewogene 
lFe203J  das  im  Amphibol  nur  in  geringerer  Menge  vorhanden  ist,  eingesetzt  wurde. 
Der  Anorthit  enthált  aucb  Alkalien,  denn  das  Verháltniss  des  O  in  SiO.,,  A1203, 
'CaO  ist  4*19 : 3  :  -89  statt  4:3:1,  demnach  bei  CaO  zu  wenig. 

Wird  aus  den  beiden  angefůhrten  Analysen  des  Anorthites  und  des  Corsites 
das  Mengenverháltniss  cles  Anorthites  und  Amphiboles  in  dem  Gesteine  berechnet, 
-so  ergibt  sich  fiir  die  analysirte  Felsart  ein  Gemenge  von  65V2°/0  Anorthit  und 
34*5%  Amphibol ;  der  Magnetit  bildet  nur  ganz  geringe  Bruchtheile  eines  Prozentes. 
Auch  fiir  den  Amphibol  kanu  man  die  beiláufige  Zusammensetzung  berechnen,  er 
durfte  aus  SiOo  533/4 

Al203  (Fe203)  142/3 
CaO  8V2 
MgO    23  74 

bestehen. 32)  Doch  ist  diese  herausgerechnete  Zusammensetzung  desshalb  ver- 
xbesserungsfahig,  weil  fiir  die  Ableitung  derselben  der  Gehalt  an  Alkalien  vernach- 
lássigt  worden  ist;  und  auch  die  als  FeO  in  der  Verbindung  vorhandene  Mono- 
ťOxydstufe  des  Eisens  unbekannt  und  nur  als  Sesquioxyd  mit  A1203  summarisch 
'angefuhrt  ist.  Auch  auf  den  Gllihverlust  wurde  keine  Rúcksicht  genommen; 
desshalb  diese  herausgerechneten  Zifíern  nur  relativen  Werth  besitzen  und  mit 
Vorsicht  zu  gebrauchen  sind. 

Im  Dúnnschliff  zeigen  die  Anorthite  des  grobkornigen  (aber  nicht  des 
igrobkórnigsten)  Corsites,  dessen  Anorthit  analysirt  wurde,  deutliche  Anorthitkry- 
jStalle,  deren  kleinsten  bei  der  Breite  von  lmm  die  Lange  von  3mm,  die  grossten 
bei  der  Breite  von  4mm  die  Lange  von  8mm  besitzen.  Dieselben  sind  rissig,  meist 
i^nach  den  Spaltungsrichtungen ;  durchsichtig,  nur  stellenweise  scharf  begránzt, 
[weiss  getriibt  und  ganz  rein,  ausser  ganz  seltenen  unbedeutend  kleinen  Kornchen 
ívon  Amphibol,  denen  die  Spur  MgO  der  Analyse  des  Anorthites  zuzuschreiben 
jist.  Auch  Schalenbildung  zeigt  sich.  Ein  beobachteter  Krystall  zeigte  zu  sechs 
I  Fláchen  (wahrscheinlich  oo  'P,  oo  P'  od  P  qo)  eine  Krystallschale,  die  dadurch  deutlich 
'^war,  dass  eine  schwach  griinlich  grauliche  Triibung  mit  recht  spárlich  eingewachsenen 
[Kornchen  von  Amphibol,  deren  bedeutenclsten  -^{)mm  lang  und  Jomm  breit  sind,  die 
»Gránzfláche  der  Schale  gegen  den  Kernkrystall  herstellt.  Auch  Zwillinge  nach 
^dem  Karlsbader  Gesetze  gebildet,  (Zwillingsebene  oo  P  oo),  also  mit  einer  Zwillings- 
\  naht  in  der  Mitte,  sind  nachweisbar.  Merkwiirdiger  Weise  zeigt  ein  grosser  solcher 


158 


Zwillingskrystall  mit  der  vorerwáhnten  Schale  vou  lmm  Dicke  umhiillt  nur  in  Kern- 
krystall  unci  der  Schale  der  zugehorigen  Hálfie  und  zwar  nur  in  der  einen  Zwillings- 1 
hálfte  Farbenbánder  triklinischer  Feldspáthe,  wáhrend  die  andere  Zwillingshálfte  i 
bis  auf  drei  kurze,  gemeinsam  verbundene,  kaum  ein  Viertel  der  Krystalllánge  ein- 1 
nehmende  Leistchen  ganz  einfárbig  erscheint.    Die  mittlere  Hauptzwillingslamelle  | 
lóst  sich  aber  im  polarisirten  Lichte  in  drei  Farbenbánder  auf.    Dieses  Verhalten  j 
ist  ein  deutlicher  Fingerzeig,  dass  die  andere  Zwillingshálfte  die  mit  Ausnahme 
des  kurzen  interponirten  Bandstreifens  parallel  zu  00P00  ganz  einfárbig  erscheint 
wegen  dem  erwáhnten  Bandstreifen  kein  Orthoklas  ist,  und  dass  wirklicher  Anorthit 
auch  in  beinahe  nicht  zwillingsartig  gestreiften,  demnach  nicht  polysynthetischen, 
also  einfachen  Krystallen  vorkommen  kann.    Ůbrigens  wáre  die  Verwachsung  von 
Anorthit  mit  Orthoklas  in  zwillingsartiger  Form  auch  gar  nicht  móglich,  ohne 
genetische  Verháltnisse  zu  verletzen. 

Der  Amphibol  in  unformlichen  Krystallen  oder  kórnigen  Aggregaten  nimmt 
den  Raum  zwischen  den  Anorthitkrystallen  ein.  Die  krystallinischen  Aggregate| 
scheinen  etwas  gegen  den  Anorthit  zuriickzutreten.  Eine  grobe  Zerfaserung  ist  i 
auch  hier  fůr  Amphibol  charakteristisch,  welcher  verschiedene  Nuancen  der  gras-l 
griinen  Farbe  aufweiset.  Im  Amphibol  sincl  sehr  spárlich  bis  J5  mm  grosse  Magnetit- 1 
kórner  vereinzelnt  und  noch  spárlicher  etliche,  etwa  eben  so  grosse  Pyritkornchen 
eingewachsen. 

Ein  anderer  Dúnnschliíf  stammt  von  einem  Gestein,  dessen  Anorthitkórner 
von  bis  V3  □  cm  Grosse  auf  der  Bruchfláche  sehr  kleinkornig  aggregirt,  die  da- 
zwischen  liegenden  ausgedehnteren  Amphibolaggregate  schuppigkornig  und  graulich- 1 
grasgriin  gefárbt  erscheinen. 

Unter  dem  Mikroskope  bildet  Anorthit  und  Amphibol  landkartenartig  be- 
gránzte  Fetzen,  welche  aus  krystallinischen  Aggregaten  von  Anorthit  und  Amphibol 
bestehen.    In  den  Anorthitaggregaten  finden  sich  lappige  Formen  von  Amphibol 
oder  auch  kurze  Stábchen  regellos,  jedoch  nicht  in  bedeutender  Menge  eingewachsen;  j 
die  kleinsten  Amphibolstábchen  im  Anorthit  sincl  -3\mm  lang  und  halb  so  breit, 
Dessgleichen  erscheinen  in  den  Amphibolaggregaten  Anorthitkórner,  ebenfalls  in  I 
ansehnlicher  Zahl  eingestreut.    Manche  Amphibole  sincl  fasrig,  manche  nicht,  sie 
sind  beinahe  wie  lappig  zertheilt,  jedoch  deutliche  Spaltungsfugen  zeigend.  Ganze 
Lappenparthien  des  Amphiboles  enthalten  ausser  Anorthit  keinen  anderen  Einschluss,  | 
wáhrend  wieder  an  gewissen  Stellen-Háufchen  von  entfernt  stehenden  Magnetit- ; 
kornchen  mit  quadratischen  Querschnitten,  von  clenen  die  mittleren  Tlomm  breit  j 
sind,  zu  beobachten  sind.  Fárbungen  von  Haematit  begleiten  die  Magnetitkornchen 
als  Zeichen  der  aufangenclen  Zersetzung. 

Im  polarisirten  Lichte  zerfallen  die  fetzenfórmig  gruppirten  Anorthit - 
aggregate  deutlich  in  meist  fárbig  gestreifte,  jedoch  auch  einfárbige  Korner,  deren 
Mittelgrosse  }mm  betrágt.    Die  Krystallkorner  des  Amphiboles  durften  im  Mittel  | 
dieselbe  Grosse  haben.  — 

Der  Corsit  oberhalb  (NNO)  des  Kraskov-er  Jágerhauses,  an  welchem 
die  an  dieser  Stelle,  námlich  am  norcllichen  Gangulm  besonders  deutlich  zu 
Ottrelitschiefer  metamorphosirten  untersilurischen  Grauwackenthonschiefer  absetzen, 
bildet  einen  Gangstock,  dessen  siidliche  Begránzung  vermuthunsweise  Diorit  oder 


159 


Syenit  im  Granite  ist.  Die  siidliche  Entblóssung  ist  nicht  deutlich.  Die  nicht 
bedeutende  Máchtigkeit,  jedenfalls  aber  zwischen  50— 100m  ist  nicht  genauer 
bestimmbar. 

Das  Gestein  ist  ganz  áhnlich  dem  grobkornigen  Corsit  von  Hrbokov,  die 
Blocke  oberfláchlich  luckig  narbig,  die  Anorthite  kreideweiss,  jedoch  trotzdem  schon 
wenige  Millimeter  unter  der  grubigen  Rinde  frisch.  Im  Dunnschliff  sind  Anorthit- 
kórner  imd  Amphibolsáulen  tlieilweise  ebenfláchig  begránzt  zu  bemerken,  der  Anor- 
thit  scheinbar  vorwiegend  mit  bis  |  ncm  grossen  Fláchen,  der  Amphibol  mit  etwas 
kleineren  Fláchen  zum  Vorschein  kommend.  Die  Anorthite  und  Amphibole  verhalten 
sich  sonst  genau  so,  wie  vordem  erwáhnt  wnrde,  jedoch  mit  dem  Unterschiede, 
dass  hier  im  polarisirten  Lichte  auch  gitterformige  Farben  bemerkt  wurden,  was 
nur  zufállig  ist  und  gewiss  auch  bei  den  Schliffen  von  Hrbokov  zum  Vorschein 
gekommen  wáre,  wenn  deren  noch  mehr  vorgelegen  hátten.  Ausserdem  ist  hier 
im  Anorthit  auch  Magnetit  in  Háufchen  zu  etlichen  nicht  sehr  genáherten  Kornchen, 
der  mittleren  Grosse  von  -4\Tmm ,  beobachtet  worden.  Die  Magnetitmenge  in  diesem 
Corsit  dílrfte  aber  eine  so  unbedeutende  sein,  dass  sie  sich  erst  durch  hundertstel 
Prožeňte  fiihlbar  machen  wíirde.  Der  nicht  beobachtete  Pyrit  diirfte  auch  hier 
kaum  fehlen.  — 

In  bedeutendster  Menge  kommt  der  Corsit  als  kranzfórmige  Umhullung 
des  Serpentinmassivs  im  Ransker  Walde  (S  Ransko)  zum  Vorschein.  Die  innere 
Fláche  des  Corsitkranzes  bilclet  theils  Serpentin  theils  Troktolit,  mit  welchen 
Gesteinen  der  Corsit  durch  Ůbergánge,  welche  dadurch  vermittelt  werden,  dass 
Olivin  zum  Corsite  bis  zur  Verdrángung  der  andern  Gemengtheile  desselben, 
hinzutritt,  verbunden  ist.  Die  áussere  Umhullung  des  Corsitkranzes  bildet  ein 
Dioritring,  dessen  Verháltniss,  wegen  mangelnden  deutlichen  Aufschlussen  in  dem 
durchaus  bewaldeten  Gebiete  nicht  náher  klarzulegen  ist.  Wenn  ein  allmáhliger 
Ůbergang  in  Diorit  vermuthet  wird  so  hat  diese  Anschauung  eben  den  Werth  einer 
durch  anderweitige  Erfahrungen  moglichen  Wahrscheinlichkeit,  die  jedoch  noch 
der  Sicherstellung  entbehrt.  Der  Corsit  durchsetzt  aber  wie  der  Diorit  die  Granite 
und  Syenitgranite  der  áusseren  Ringfláche  des  Diorites  in  schwachen  Gángen,  wie 
dies  vereinzelnt  und  zwar  bei  Hutě  (W  Ransko)  angetroffen  wurde. 

Dieses  Gestein  des  den  Serpentin  umhullenden  Ringes  wird  hier  kurz  nur 
Corsit  von  Ransko  genannt  werden.  Blocke  von  kleinnarbig  luckiger,  mit  Moos 
bewachsener  Oberfláche,  genau  den  Blocken  von  Hrbokov  áhnlich  deuten  die  An- 
wesenheit  des  Corsites  an.  Das  Gefuge  des  Gesteins  ist  ein  deutlich  mittelkórniges, 
desshalb  die  Narben  und  luckigen  Vertiefungen  etwas  kleiner  als  bei  der  Hrbokover 
Varietát  ausgeprágt  sind.  Bei  etwas  pyritreicheren  Varietáten  ist  die  narbige  Rinde 
mehr  rostig  gefárbt ;  auch  Kliiftchen  zeigen  den  rostfarbigen  Beschlag  des  Limonites. 
Merkwůrdiger  Weise  findet  man  gerade  an  gewissen  Blocken  des  an  Anorthit  rei- 
cheren  Corsites  unter  einer  bemoosten  Verwitterungsrinde  von  nur  lmm  schon  den 
ganz  frischen  Bruch  des  Anorthites  und  dunkel  grasgrúnen  Amphiboles.  Gewisse 
Gesteine,  insbesondere  diejenigen  mit  tiberwiegendem  Amphibol  zeigen  Pyrit- 
kórnchen  bis  zur  Breite  von  72mmi  Ja  sogar  -±omm  dicke,  unterbrochene  Kliiftchen 
dieses  Minerales.  In  den  deutlich  mittelkornigen,  bis  beinahe  grobkornigen  Gesteins^ 


160 


abarten  zeigt  der  Anorthit  auch  einen  Stich  ins  Graulichviolette.  Sonst  stimmt 
alles  mit  dem  schon  bei  dera  Hrbokover  Gesteine  erwáhnten  iiberein, 

Zur  Untersuchung  wurclen  Proben  knapp  S  von  dem  Húttendorfe  Ransko 
und  1  km  W  von  Ransko,  wo  der  Corsit  mit  Diorit  zugleich  zum  Vorschein 
kommt,  gesammelt. 

Aus  einem  beinahe  grobkornigen  Gemenge  dieses  Gesteines  mit  vorwie- 
gendem  Anorthit  wurde  das  sp.  G.  des  schwach  ins  Graulichviolette  stechenden, 
sonst  halbdurchsichtigen  Anorthites  mit  2*7443  (aus  *87  g)  bestimmt.  Die  Analyse 
mit  -85  g  lufttrockener  Substanz  unternommeD,  ergab: 

Si02  44-21 
Al2  03  35-90 
CaO  18*33 
MgO  Spur 
Gliihverlust  -95 
Unbestimmt  "61 
100-00 

Unter  dem  Unbestimmten  sincl  entweder  ganz  geringe  Mengen  von  Alka- 
lien,  oder  der  analytische  Fehler  zu  verstehen.  Dieser  Anorthit  ware  clemnach  im 
Vergleich  zu  denjenigen,  welche  fruher  mit  ihrer  Zusammensetzung  angegeben 
worden  sind,  der  reinste,  da  er  auch  sehr  gut  dem  Verháltnisse  4:3:1,  welches 
die  Sauerstoífmengen  der  Si02,  A12  03,  CaO  geben,  entspricht,  indem  sich  dafúr 
4: 2-85: -89  herausrechnen  lásst. 

Die  zu  Dunnschliffen  verwendeten  Proben  zeigten  unter  dem  Mikroskope 
meist  vorherrschenden  Anorthit  und  untergeordneten  Amphibol,  trotzdem  dass  sie 
dunkel  gefárbt  erscheinen,  denn  nur  an  einer  Probe  sieht  man  schon  mit  freiem 
Auge  das  Vorherrschen  cles  Anorthites.  Die  weissen  Anorthitparthieen  von  bis 
5— 6mm  Durchmesser,  sowie  die  bis  iiber  2mm  grossen  Amphibole  losen  sich  u.  d. 
M.  im  polarisirten  Lichte  in  kórnige  Aggregate  auf;  bei  den  Anorthiten  messen 
die  einzelnen  Korner  der  Lánge  nach,  die  kleinsten  bis  unter  3/5mm  die  gróssten 
uber  l2/3mm.  Beim  Anorthit  ist  die  Schalenbildung  weniger  háufig,  dafiir  aber  tritt 
die  zwillingsartige  Zusammensetzung  an  gewissen  Dunnschliffen  auch  schon  ohne 
Zuhilfenahme  der  Polarisation  gut  zum  Vorschein,  indem  gewisse  Zwillingslamellen 
bei  schwacher  Vergrosserung  (etwa  60fach)  in  der  Richtung  ooP  oo  scharf  begránzte 
Nebelflecke  zeigen,  in  welchen  bei  aufraerksamer  Beobachtung  hochst  zařte  schwarze 
Stábchen  eingewachsen  zum  Vorschein  kommen. 

Kleine  fetzenartige  Parthieen,  sowie  auch  im  Mittel  73omm  hreite  und  V6  mm 
lange  Amphibolstábe  von  lichtgrasgruner  Farbe  finden  sich  im  Anorthit  ganz  spár- 
lich  vertheilt  und  sind  die  Ursache,  warum  die  Anorthitanalyse  Spuren  von  MgO 
nachweiset.  Seltene  Magnetite  im  Amphibol  von  geradlienig  begránzter  lappiger 
Form  oder  fasrig  an  den  Endfláchen  zertheilten  Korner,  sowie  noch  seltenere 
Kornchen  dieses  Minerales  im  Anorthit  sind  beinahe  ganz  belanglos  zu  nennen, 
trotzdem  dass  sie  sich  stellenweise  zu  Haufehen  gruppiren.  Die  Mittelgrosse  der 
Magnetitkorner  ist  V3omm-  Manche  Amphibole  zeigen  vielleicht  Schalenbildung, 
denn  gewisse  Diinnschliffe  besitzen  im  polarisirten  Lichte  um  bráunlichgriine  Am- 
phibolprisraen  grasgriine  Sáume. 


161 

Im  polarisirten  Lichte  sind  die  allermeisten  Anorthite  stark  chromatisch 
;  gebándert,  etliche  weuige  auch  gegittert  und  nur  eine  ganz  unansehnliche  Menge 
|  zeigt  einfache  Farben  ohne  Zwillingsbánder. 

Die  schon  erwáhnten  zarten  Stábchen,  welche  die  Nebelílecken  bilden, 
1  kommen  auch  in  winzig  kleinen  Gruppen  zerstreut  vor,  aber  nicht  in  allen  Mnn- 
'  schliffen.    Dann  schneiden  sie  sich  unter  beinahe  rechten  Winkeln  oder  unter 
i  spitzen  Winkeln  von  30 — 40°  etwa,  indem  gewisse  Stabchen  immer  zu  diesen  Rich- 
r  tungen  parallel  sind.  Die  Nebelflecke  zeigen  bei  schwacher  Vergrosserung  (60mal) 
kaum  wahrnehmbare  Schwarze  Punktchen  zwischen  den  Stábchen;  die  Quer- 
;  schnitte  solcher  Stabchen  stehen  schief  oder  normál  zur  Ebene  des  Schliffes, 
"  indem  nur  die  nahezu  zur  Schliffebene  parallel  laufenden  stabartig  erscheinen. 
Die  hóchst  zarten  Stábchen  zeigen  auch  bei  bedeutenden  Vergrósserungen  von 
220mal ,  sowie  die  punktformigen  Querschnitte  der  im  Raume  des  Anorthites 
i  zerstreuten  Nadeln,  doch  nur  Schwarze  Farbe  ohne  Durchsichtigkeit.    Erst  bei 
550facher  Vergrosserung  nehmen  die  Punkte  polygonale  nicht  deutbare  Umrisse 
i  an  und  sowohl  Punkte  als  auch  Nadeln  scheinen  mit  tief  brauner  Farbe  durch. 
]  Die  Breite  der  Nadeln  betrágt  dann  im  Mittel  etwa  ,Vóo— iVoo  mn\  die  Lánge  ist 
1  variabel  bis  |mm.    Dieses  Vorkommen  der  schwarzen  (eigentlich  braunen  Nadeln 
oder  Stábchen  erinnert  an  das  Vorhandensein  gleichartiger  Gebilde  von  noch 
nicht  sicher  gestellter  mineralogischen  Stellung  im  Labradorit,  nur  dass  in  diesem 
die  Nadeln  weniger  zart  erscheinen.    Erwáhnt  muss  noch  werden,  dass  sich  die 
Corsite  von  Ransko  beim  Schleifen  zu  Diinnschliffen  nur  ausnahmsweise  brockeln 
und  sonst  wie  sámmtliche  andern  Vorkommnisse  dieser  Gesteinsgruppe  in  aus- 
gedehnten  angeschlitfenen  Fláchen  haltbar  erscheinen. 

In  gewissen  Corsiten  und  zwar  vornehmlich  in  denjenigen,  welche  aus 
der  Náhe  der  inneren  Peripherie  des  Corsitringes  im  Ranskoer  Walde  stammen, 
werden  gelbbraune  bróckelnde  mit  Limonit  theilweise  (unter  der  Verwitterungs- 
rinde)  gefárbte  Kórnchen  bis  2mm  Ausdehnung  bemerkt,  welche  im  frischen  Bruche 
diistere  graubraune  Farbe  besitzen  und  aus  Olivin  bestehen.  Der  Amphibol  tritt 
bei  Zunahme  dieses  Minerales  zuriick,  so  dass  Olivin  als  Stellvertreter  desselben 
anzunehmen  ist.  Auch  hier  zeigt  sich  unter  der  Verwitterungskruste  neben  gelb- 
braun  gefárbtem  zersetztem  Olivin  ganz  unveránderter  Anorthit.  Dieser  Olivin- 
Corsit  bildet  das  erste  Ůbergangsglied  in  den  Troktolit,  welcher  den  Zwischenring 
bildet,  der  zwischen  der  Serpentinkuppe  als  Massiv  der  Ransker  Waldkuppe  und 
dem  Corsitkranz  eingeschaltet  ist.  Leider  gestattet  die  mangelhafte  Entblossung 
nicht  diesen  allmáhligen  Ůbergang  von  Corsit  in  Troktolit,  durch  Austritt  des 
Amphiboles  und  endliche  Verdrángung  des  Anorthites,  deutlicher  verfolgen  zu 
kónnen.  Unter  dem  Mikroskope  zeigen  kleinwinzige  Brocken  des  Olivins  (aus 
einem  anderen  Handstuck),  der  táuschend  an  Serpentin  erinnert,  olgrune  Farbe 
bei  vólliger  Durchsichtigkeit  und  Frische. 

In  dem  Troktolite  sind  die  Olivine  nicht  immer  ganz  frisch. 


n 


162 


Troktolit. 

Uuter  diesem  Namen  kónnen  olivinreiche  Gesteine,  die  neben  dem  oft 
uberwuchernden  Olivin  noch  Anorthit,  Bronzit,  Diallag  oder  nur  eines  dieser  Mine- 
ralien  enthalten,  bezeichnet  werden.  Die  Umgránzung  dieses  Gesteinsbegriffes  ist 
demnach  keine  genaue  und  wenn  demselben  allenfails  auch  ein  anderer  Name 
gegeben  werden  solíte,  so  wird  dies  von  keinem  Belange  sein.  Um  dem  Gestein 
einen  kurzen  und  moglichst  passenden  Namen  zu  geben,  ist  die  Bezeichnung 
desselben  als  Troktolit  zutreffend. 

Dieses  Gestein  bildet  den  zwischen  dem  Corsitringe  und  der  Kuppe  von 
Serpentin  bei  Ransko  eingeschalteten  Kranz,  welcher  beiderseits  ohne  scharfe 
Gránzen,  nach  aussen  also  in  Corsit,  nach  innen  in  Serpentin  sich  allmáhlig 
umwandelt.  Leider  gestattet  die  nur  unvollkommene  Entblossung  der  Gesteins- 
ausbisse  in  der  Waldkuppe  von  Ransko  nicht  diese  allmáhlige  Umwandlung  des 
Corsites  in  Troktolit  durch  Hinzutreten  cles  Olivines,  dann  in  Olivinfels,  durch 
allmáhliges  Zuriicktreten  des  Anorthites  und  Amphiboles  und  endlich  in  Serpentin, 
Schritt  fůr  Schritt  zu  verfolgen. 

Zwei  Varietáten  des  Troktolites,  der  in  mit  Moos  bewachsenen  Blócken 
im  Walde  vorkommt,  welche  hier  untersucht  wurden,  stammen  vom  alten  Wald- 
wege  her,  der  vom  Opočnohammer  nach  Peršikov  fithrt,  vom  Ransko-er  Hochofen 
genau  2  km  SW  entfernt. 

Der  Name  Troktolit  (Forellenstein)  ist  ganz  passend  fůr  das  Gestein, 
welches  dústere,  tief  schmutzig  rothbraune  fleckige  Farben  besitzt;  in  der  Tiefe, 
wo  das  Gestein  gánzlich  frisch  anzutreffen  wáre,  diirfte  die  Farbe  mehr  ins  Griin- 
liche  sich  ándern. 

Die  erste  Varietát  stammt  aus  jenem  Theile  des  Troktolitkranzes,  welcher 
etwas  naher  der  Corsitgránze  geriickt  ist.  Das  schmutzig  braun  gefárbte  Gestein 
enthált  rothliche  Flecke  und  weisse  schriftáhnliche  Einsprengungen.  Eine  geschlif- 
fene  Fláche  zeigt  das  fleckige  Aussehen  deutlich. 

Im  Dúnnschliffe  herrscht  das  Olivinmineral,  eigentlich  dessen  Umwandlung 
bedeutend  iiber  die  andern  Gemengtheile  vor. 

Der  Olivin  ist  jedoch  nur  mehr  in  kleinen  Kornchen  von  ) — ,Lmm  Breite 
als  Rest  in  einem  netzformig  sich  verschlingenden  Maschenwerk  vorhanden,  welches 
aus  Serpentin,  zu  Schnuren  und  Netzen  angeháuften  Kornchen  eines  schwarzen 
Erzes,  vielleicht  Magnetit,  dann  kleinen  ausgeschiedenen  Nestern  von  nicht  schup- 
pigem,  sondern  erdigem  Haematit,  aus  Flecken  und  Schnuren  von  Limonit  besteht. 

In  dem  zersetzten  Olivin  sind  eingewachsen  Erzkórner  von  quadratischem 
Querschnitt  bis  \  mm  gross,  vielleicht  Magnetit  oder  Chromit,  dann  auch  zerstreut 
auftretende  Chloritschuppen  bis  zur  Breite  von  mm. 

Grossere  Korner  im  Serpentin  zeigen  Spaltungsrisse  in  einer  Richtung, 
sie  důrften  entweder  dem  Diallag  oder  Bronzit  angehóren,  was  nicht  sicher  zu 
bestimmen  ist.  Die  schriftartig  verzogenen  eingewachsenen  Korner  von  weisser 
Farbe  sind  zum  gróssten  Theil  undurchsichtig  getrůbt,  demnach  nicht  mehr  ganz 


,  frisch;  dieselben  werden  aus  deni  Grunde  fůr  ADorthit  gehalten,  weil  dieses  Gestem 
durch  Ůbergang  mit  Corsit  verbunden  ist. 

Eine  zweite  Probe  dieses  Gesteines  náher  dem  Serpentine  entnoimnen, 
1  zeigt  bei  ebensolcher  fleckiger  Beschaífenheit  der  Oberflácbe  wieder  vorherrschend 
I  zersetzten  Olivin  und  das  dem  Diallag  oder  Bronzit  álmliche  Minerál.  Die  frischen 
'  Olivinkórner  als  Rest  des  Minerales  sind  zersprungen,  die  Sprunge  durch  infiltrirten 
P  Limonit  braun  gefárbt,  sonst  aber  stecken  sie  in  dem  Serpentinnetzwerk,  in  welchem 
J  die  schwarzen  Erzschniire,  die  rothen  und  braunen  Haematit-  und  Limonitanháu- 
fungen,  dann  die  bis  V!2mm  langen  Sáulen  des  augitáhnlichen,  nicht  náher  deut- 
baren,  wahrscheinlich  auch  nicht  mehr  frischen  Minerales  eingewachsen  vorkommen. 
i  Chloritschuppen  und  quadratische  Schwarze  Erzkornchen  kommen  ausserdem  noch 
in  geringerer  Menge  zum  Vorschein. 

In  beiden  Fállen  hat  man  es  hier  also  nur  mit  einem  schon  hochgradig 
|  umgewandelten  Olivingestein  zu  thun. 


Klastische  Oesteine. 


Von  diesen  wird  nur  eines  derselben,  námlich  das  als 

Diorittuff  -  Conglomerat 

auf  der  Kartě  ausgeschiedene  hier  erwáhnt.  Das  Gestein  ist  ein  Tuífgestein  des 
Chloritdioritaphanites,  welcher  kurz  immer  nur  als  Dioritaphanit  bezeichnet  wird. 
Es  begleitet  in  máchtigen  Schichtengliedern  die  kurzweg  als  Dioritaphanite  bezeich- 
neten  Gesteine  und  lásst  sich  parallel  zur  Richtung  des  Eisengebirges  streichend  von 
Krasnic,  iiber  Litošic,  Lhotka  bis  uber  Urbanic,  also  in  einem  etwa  3/4  Myrm.  langem 
Zuge  verfolgen.  Es  findet  sich  aber  noch  unter  úberlagernden  jungeren  (Kreide- 
schichten)  an  andern  Orten  wie  zwischen  Přibylo  v  bei  Heřmanměstec  und  Kostelec, 
wo  die  Entblóssung  das  Gestein  zu  Tage  kommen  liess.  Auch  blosse  Dioritaphanit- 
tuífe  finden  sich  vor;  dieselben  sind  aber  leicht,  sowohl  mit  echten  Aphaniten, 
welche  nicht  mehr  ganz  frisch  sind,  als  auch  mit  aphanitischen  Grauwackenschie- 
fern  zu  verwechseln. 

Das  tuffartige  Bindemittel  enthált  mehr  oder  weniger  bis  faustgrosse  Aphanit- 
gerolle,  auch  Quarzitgrauwacke,  Lydit,  die  sich  theils  beriihren,  theils  aber  in 
spárlicherer  Menge  zum  Vorschein  kommen.  Das  Bindemittel,  also  der  Aphanittuíf 
hat  je  nach  dessen  Frische  entweder  eine  graue  Farbe  und  gewisse  Áhnlichkeit 
mit  frischem  Aphanit,  oder  fleckig  grungraue  oder  selbst  blassgrune  Farbe,  letztere 
im  Zustande  von  schon  weiter  vorgeschrittener  Zersetzung.  Mehr  zersetzte  Grund- 
massen  sind  etwas  poros  oder  kleinluckig,  in  den  Hohlráumen  bráunlich  gefárbt. 
Die  bráunlichen  und  steJlenweise  fleckenartig  auftretenden  anderen,  meist  graulichen 

11* 


164 


oder  grůnlichen  Farben  riihren  wahrscheinlich  von  zersetzten  Mineralgemengtheilen 
her.   Die  etwas  fauleD  Grundmassen  sind  matt,  manchesmal  mit  erdigein  Bruche.  i 

Dieses  Triimmergestein  vom  reehten  Bachufer  unter  Kostelec,  dessen  Ge- 1 
rolle  schon  frůher  (pag.  134)  in  der  Gruppe  der  Chloritdioritaphanite  eingereiht  i 
wurden,  ist  auch  in  der  Grundmasse  untersucht.   Es  wurde  nur  die  anscheinend  j 
frischeste,  graue  sehr  feinkornige  Masse,  welche  nur  stellenweise  kleine  schmutzig 
grůnen  Fleckchen  zeigte,  zu  einem  Díinnschliff  hergerichtet. 

Die  grunlichen  Stellen  bestehen  aus  einer  Anháufung  von  scharf  begránzten 
Plagioklasrechtecken,  deren  gróssten  die  Breite  von  | mm  besitzen.  Gewisse  kleineren 
Rechtecke  legen  sich  mit  ihren  Lángenseiten  aneinander,  jedoch  so,  dass  sie  an  i 
den  Enden  ůberragen,  wodurch  gewisse  davon  stufenfórmig  vertieft  sind.  Die 
meisten  Plagioklase  zeigen  im  polarisirten  Lichte  wenig  Zwillingsbánder ;  Schnitte, 
die  angenáhert  zu  co  P  co  parallel  gehen,  also  von  breiter  und  von  lang  hexago- 
naler  Form  erscheinen,  sind  nur  einfárbig.  Die  ziemlich  lebhaften  Farben  im  pola- 
risirten Lichte  deuten  auf  wenig  zersetzte  Feldspathmasse  hin,  was  auch  die 
Durchsichtigkeit  des  Minerales  bestátigt. 

Zwischen  den  Plagioklasrechtecken,  welche  wohl  ein  Gewirre  bilden,  in  dem 
aber  doch  die  Tendenz  zu  paralleler  Anlagerung  vieler  Leisten  ersichtlich  ist, 
beíindet  sich  das  grune  Minerál,  welches  nach  seiner  Farbe  und  dem  Dichroismus 
sowohl  fůr  Amphibol  als  auch  fůr  Chlorit  gehalten  werden  konnte.  Es  sprechen 
manche  Grůnde  von  Gewicht  dafůr,  es  zu  dem  letzteren  Minerále  beizuzáhlen,  wie 
dies  auch  bei  der  Deutung  des  Aphanites  von  Kostelec  pag.  136  schon  geschah. 

Die  graue  Masse  im  Tuffe  besteht  aus  ebensolchen  Plagioklasrechtecken, 
zwischen  welche  sich  aber  schwarzes  Erz  statt  des  Chlorites  eindrángt,  stellenweise 
auch  in  Form  von  sehr  zartem  Staub  in  die  Plagioklase  eindringt.  Im  ersteren 
Falle  sind  die  Gránzen  zwischen  Erz  und  Plagioklas  ganz  scharf,  wodurch  der 
Unterschied  der  Farbe  beider  ein  greller  wird,  was  im  letzteren  Falle  weniger 
auífallend  ist.  Nach  der  quadratischen  Form  der  Staubkornchen  zu  urtheilen 
konnten  dieselben  auf  Magnetit  bezogen  werden.  Zwischen  den  grůn  und  grau 
gefárbten  Parthieen  des  Tuífes  gibt  es  keine  scharfen  Gránzen,  da  in  den  mit 
Chloritstaub  verbundenen  Plagioklasen  fleckenweise  Gruppen  von  mit  Magnetit 
getrennten  Querschnitten  vorkommen.  Flecken  von  Haematit  sowie  winzige  Háufchen 
finden  sich  spárlich  in  der  Grundmasse. 

Unter  dem  Mikroskope  wáre  der  TuíF  von  dem  frischen  Aphanit  auf  keine 
Art  zu  unterscheiden ;  die  Sicherstellung  der  Tuífnatur  konnte  nur  nach  den 
makroskopischen  Verháltnissen  stattfinden;  ein  neuerlicher  Beleg,  dass  die  Art 
der  Bildung  eines  Gesteines  unter  dem  Mikroskope  nicht  in  allen  Fállen  zu 
ergťůnden  ist. 


II. 


Das  Vorkommen  von  Miiieralien  im  Eisengebirge. 

An  Mineralien  ist  das  eigentliche  Eisengebirge,  sowie  die  súdbohmische 
Gneushochfláche,  welche  sich  SW  von  dem  Gebirge  weiter  ansteigend  ausdehnt, 
nicht  reich.  Nichtsdestoweniger  sind  manche  Vorkommnisse,  sowohl  im  Eisen- 
gebirge, als  in  der  sudbóhmischon  Gneushochfláche,  insoweit  sie  auf  der  geolo- 
gischen  Kartě  neben  dem  ersteren  zur  Darstellung  gelangen  konnte,  erwáhnenswerth. 
Naturlicher  Weise  sind  die  Gemengtheile  von  Gesteinen  nicht  als  Mineralien  hier 
aufgezáhlt,  wenn  sie  nicht  etwa  unwesentlich  in  den  Felsarten  auftreten. 

Die  Minerál vorkommnisse  kónnten  je  nach  dem  Vorkommen  gruppirt 
werden  in  Mineralien  aus  der  gescbichteten  Gesteinen  der  Laurentin-  und  Silur- 
formation,  aus  Eruptivgesteinen  und  aus  jungeren  an's  Eisengebirge  sich  anlehnenden 
Schichten. 


Mineralien  der  laurentinischen  Gruppe  des  Eisengebirges. 

Es  ist  vornehmlich  der  Gneus,  welcher  wegen  seiner  Mineralien  ein- 
schliessenden  Lagerstátten  in  erster  Reihe  Beachtung  verdient.  Am  reichsten  sind 
noch  im  Verháltniss  zu  andern  Vorkommnissen  solche  Lagerstátten,  die  an  die 
Náhe  des  krystallinischen  Kalkes  im  Gneuse  gebunden  sind.  In  erster  Reihe  steht 
das  Mineralvorkommen  bei  Bojanov  (Seč  O,  Nassaberg  W),  welches  an  die  im 
Gneuse  vorkommenden  Kalklagerstátten  gebunden  erscheint. 

Der  Gneus  des  rechten  Ohebka(Chrudímka)-Ufers  zwischen  Bojanov  und 
Křižanovic  ist  zwischen  rothem  und  grauem  Granit  als  máchtige  Scholle  ein- 
gezwángt;  seinen  Textur  ist  eine  derartige,  dass  er  sowohl  als  Gneusgranit  als 
auch  als  Granitgneus  aufgefasst  werden  konnte.  Wegen  des  Vorkommens  von 
Kalklagerstátten  wurde  hier  die  Benennung  Granitgneus  fur  den  undeutlich  schie- 
frigen  Biotitgneus,  der  nur  dicke  Bánke  mit  einem  JV0,  jedoch  auch  SW  oder  W 
Verfláchen  bildet,  angenommen.  Wiirden  die  Kalklagerstátten  fehlen,  so  wáre  die 
Entscheidung  ob  das  Gestein  Gneusgranit  oder  Granitgneus  sei,  schwierig  zu  treffen. 


166 


Von  Chlum  (O  Bojanov)  angefangen  finden  sich  in  dem  Granitgneuse 
Kalklagerstátten  von  kurzer  Ausdehnung  dem  Streichen  nach,  in  der  Richtung 
von  NO  gegen  SW  auf  die  Lange  von  2  km.  Sámmtliche  kurze  Kalklager  stellen 
sich  als  stufenformig  abgerissene  in  clieser  Richtung  hinter  einander  folgende  oft 
weit  entfernte  Reste  einer  ursprunglichen  Lagerstátte  dar ;  das  Streichen  derselben 
geht  vorwiegend  von  NNW  nach  SSO.  Solcher  einzelner  Kalk-Lagerúberreste 
kennt  man  viel  mehr  als  6,  die  meisten  sind  aber  nicht  mehr  erkennbar,  da  die 
darauf  bestandenen  Gruben  schon  seit  Dezennien  verlassen  und  mit  Wald  bewachsen 
sind.  Nur  ein  einziger  Bruch  gestattet  noch,  sich  uber  das  Vorkommen  des  Kalkes 
nur  eine  theilweise  Vorstellung  zu  machen.  W  von  Polanka,  wo  der  Granitgneus 
nach  etwa  19h  mit  60°  verflácht,  folgt  die  Dehetníkschlucht  mit  dem  entgegen- 
gesetzten  Einfallen  der  Granitgneusbánke.  Hier  ist  im  rechten  Gehánge  im  oberen 
Theile  der  Schlucht,  nicht  weit  vom  rechten  Ufer  des  Báchleins  ein  Bruch  auf 
krystallinischen  Kalk  noch  theilweise  offen,  obwohl  er  schon  lange  verlassen  dasteht. 
Diese  Stelle  in  der  Dehetníker  Schlucht  ist  750  Schritt  W  von  Polanka,  oder 
genau  1*6  km  SSO  von  Bojanov  oder  3/4  km  vom  bewaldeten  Ende  der  Schlucht, 
bachaufwárts  situirt.  Im  Dehet  nik  bei  Polanka  also  verfláchen  die  Granit- 
gneusbánke etwa  nach  2l/4h  niit  60°  und  dazwischen  ist  ein  mehrere  Decimeter 
máchtiges  (kaum  lm)  Lager  von  mittelkrystallinischem  Kalke  aufgeschlossen.  Der 
Lagercharakter  wird  hier  nur  desshalb  angenommen,  um  die  parallele  Lagerung 
desselben  mit  den  Granitgneusbánken  anzudeuten;  die  Entblóssung  ist  keine  der- 
artige,  um  mit  volliger  Sicherheit  diese  Behauptung  aufrecht  erhalten  zu  kónnen.33) 
Das  sogenannte  Lager  ist  nur  aul  kurze  Entfernung  dem  Streichen  nach  bekannt, 
(rund  10 m),  inzwischen  verworfen,  durch  weisse,  zertrůmmerte  bis  2l3m  máchtige 
Granitgánge  durchsetzt ;  es  setzt  gegen  S  plótzlich  an  einem  weissen  nicht  máchtigen 
Granitgange  ab  und  erscheint  erst  wieder  in  bedeutender  Entfernng  vorworfen  in 
der  linken  Lehne.  Der  krystallinische  weisse,  in  diinnen  Scherben  durchscheinende 
Kalk  hat  bis  erbsengrosse  Korner  und  ist  ziemlich  rein,  die  Spaltungsfláchen 
zeigen  oft  zahlreiche  Zwillingsstreifung  nach  —  %  R. 

Das  Dehetníker  Lager  ist  wegen  der  Verwerfungen,  an  denen  der  weisse 
Granit,  der  den  Granitgneus  in  bis  meter-  und  noch  bedeutend  máchtigeren  Gángen 
und  Trúmmern  durchsetzt,  so  hervorragend  Theil  nimmt,  eine  reiche  Lagerstátte 
von  sogenannten  Contactmineralien,  deren  urspriinglicher  Sitz,  weil  dieselben  theil- 
weise nur  von  der  Haldě  stammen  nicht  immer  mit  der  wiinschenswerthen  Sicher- 
heit bekannt  ist. 

Im  kornigen  Kalke  sind  Kliifte,  die  in  der  Mitte  offen  erscheinen,  bis  zu 
3 — 4  cm  auf  beiden  Seiten  von  dem  Kluftrisse  von  kleinkornigstahligem  Amphibol 
(Actinolit)  eingefasst,  welcher  vom  kornigen  Kalk  nicht  ganz  scharf  getrennt  ist. 
Der  verworreu  kurzfasrige,  stellenweise  blass  lauchgríin  gefárbte  Actinolit  ist  an 
den  Kanten  stark  durchscheinend  und  wúrde,  falls  er  etwas  weniges  kleinkorniger 
zusammengesetzt  wáre,  ein  Mittelding  zwischen  kornigstengiigem  Amphibol  und 
zwischen  dichtem  Nephrit  vorstellen.  Nur  ist  er  nicht  so  záhe.  Wo  die  Kluft 
frei  ausgebildet  ist,  erscheinen  kurze  diinne  Stengel  von  Amphibol  in  liegender 
Stellung  auf  derselben.  Solche  Kliifte  sind  aber  meist  mit  jungeren  Mineralien 
bedeckt,  so  allenfalls  mit 


167 


AI  bit.  Derselbe  ist  beinahe  clurcbsichtig,  nur  schwacb  graulich  gefárbt 
und  nabezu  mit  den  Flácben  ooP  oo  angewachsen,  indem  er  Drusen  bildet,  deren 
Krystalle  parallel  orientirt  sind.  Die  gróssten  Krystalle,  aus  wenigen  kleineren 
aufgebaut,  haben  ganz  das  Aussehen  von  Adularen  und  erreichen  Lángen  bis  zu 
Vj2cm  bei  einer  Breite  von  mehr  als  lcm.    Die  Fláchencombinationen  sind: 

oo'P.  ooP'.  oP.  ooP  oo  oder   co'P.  co  P'.  oP.  oo  P  oo  .  2P  co ' .  ,P  co  .  coP3\ 
Parallel  zu  oP  zeigt  sich  Schalenbildung  bei  gewissen  kleineren  Krystallen.  Die 
Fláchen  co  'P .  oo  P'  zeigen  schwache  verticale  Streifung,  oP  aber  entweder  flache 
Zwillingsrinnen  oder  Zwillingsstreifung.  Ohne  diese  Streifung  konnten  die  Gruppen 
oder  einfacben  Krystalle  leicht  mit  Adular  verwechselt  werden. 

Auf  dem  kleinkrystallinischen,  grobfasrigen ,  blassgrunlichen  Amphibol 
(Actinolit),  welcher  die  Albitkrystalle  trágt,  sind  kleine,  hochstens  Vj4mm  dicke 
kurze  Sáulen  von  Apatit  der  Form  co  P .  oP,  als  Gruppenkrystalle  entwickelt, 
blass  berggrún  gefárbt,  beobachtet  worden. 

Auf  ebensolchen  finger-  bis  zweifingerdicken  Unterlagen  von  kornig  fein- 
stengligem  Amphibol  oder  einem  Gemenge  der  kurzen  Actinolitnadeln  mit  Calcit 
findet  sich  auch  Pyroxen  (Diopsid). 

Der  Diopsid  bildet  lichtgrunliche  oder  graulichweisse,  an  den  Kanten  durch- 
scheinende  grosskrystallinische  Parthieen  zugleich  mit  verworren  bis  radiál  dunn- 
stengligem  Amphibol  (Actinolit),  der  den  Raum  zwischen  den  Pyroxenindividuen 
einnimmt.  Dazwischen  stecken  auch  gróssere  spáthige  Calcite  mit  zarter  Zwillings- 
riefung  nach  — ll2U  und  halber  Durch  sich  tigkeit.  Der  Actinolit  hat  einen  etwas 
bedeutenderen  Glanz  wie  die  grossspáthigen,  weniger  glánzenden  Diopsidfláchen. 
Selbst  lange  Stengel  bis  uber  Decimeterlange  und  mehr  als  Fingerbreite,  welche 
deutliche  Individualisirung  zeigen,  finden  sich  vor. 

Diese  individualisirten  Diopsidaggregate  lassen,  wenn  sie  deutlich  zum 
Vorschein  kommen,  eine  recht  gute  Spaltungsrichtung  nach  co  P  oo ,  die  einen 
schwachen  Perlmutterglanz  zeigt,  erkennen.  Doch  ergibt  sich  bei  náherer  Be- 
obachtung  dieser  Fláchen,  dass  sie  weniger  als  Spaltungsrichtungen,  vielmehr  als 
weniger  vollkommene  Schalenbildung  nach  oo  P  co ,  theilweise  aber  auch  als 
Zwillingszusammensetzungsfláche  {co  P  oo  }  zu  deuten  ist.  Diese  Fláche  zeigt  sich 
nebstdem  stark  horizontál  gestrichelt  und  zwar  in  Abstánden  von  etwa  2/3mm  im 
Mittel.  Dieser  Strichelung  nach  ist  das  Minerál  ebenfalls  theilbar  und  erweiset 
sich  diese  Theilbarkeit  als  Folge  der  Schalenbildung  nach  oP.  Weil  ein  jeder 
die  Schalen,  von  der  durchschnittlichen  Dicke  von  V8  bis  etwas  uber  lmm,  trennende 
Strich  eine,  wiewohl  geringe  aber  doch  bemerkbare  Dicke  besitzt,  so  liegt  die 
Vermuthung  nahé,  ob  nicht  die  Schalentextur  nach  oP  etwa  durch  verwendete 
áusserst  dunne  Pyroxenlamellen  bedingt  ist.  Úbrigens  ist  die  Schalenbildung  nach 
oP  beim  Diopsid  schon  bekannt,  demnach  hier  nicht  zum  erstenmale  erwáhnt.  34) 

Der  Winkel  oP  und  oo  P  co  betrágt  105°  30'  was  dem  Winkel  C  im  mono- 
symetrischen  Systéme  von  74°  30'  (bei  Pyroxen  ist  C  =  74°  11')  entspricht.  Da 
die  Fláchen  oP  und  ooPco  nur  ganz  wenig  spiegeln,  demnach  nur  unter  dem 
Mikroskope  gemessen  werden  konnten,  so  ergibt  sich  die  durch  die  Messmethode 
bedingte  geringe  Differenz  der  Winkelangaben. 


168 


An  einem  Individuum,  welches  nach  der  Flache  oo  P  oo,  die  hier  die  Juxta- 
positionsfláche  eines  Zwillinges  vorstellt,  gespalten  ist,  von  der  die  schaligen  Lam- 
mellen  oP  beiderseits  abfallen,  indem  sie  in  dieser  Flache  sich  treffen,  lásst  sich  der 
Winkel,  den  sie  mitsammen  einschliessen,  mit  149°  bestimmen.  Um  nun  uber  die 
Diopsidnatur  des  Minerales  die  vollige  Ůberzeugung  zu  gewinnen,  wurde  es  vor 
dem  Lothrohr  versucht;  dann  dessen  spec.  Gew.  mit  3-1992  (aus  111  G)  bestimmt 
und  endlich  die  unvollstándige  Analyse  desselben  ermittelt,  welche  ergab: 

Si02  51-73 

CaO  26-24 

MgO  18-15 

Der  zu  100  fehlende  Rest  von  etwa  33/4°/0  durfte  den  nicht  bestimmten 
Glúhverlust,  Fe-  und  vielleicht  auch  Spuren  von  Alverbindungen  vorstellen. 

Der  Diopsid  zeigt  vermoge  seiner  lammellar-schaligen  Zusammensetzung 
nach  oP  und  auch,  wiewohl  etwas  weniger  deutlich,  nach  qoPqo  die  vollkommene 
Spaltbarkeit  nach  ooPnur  in  solchen  Individuen,  welche  weniger  deutlich  schalig 
sind.  Es  verhindert  demnach  die  lammellar  schalige  Zusammensetzung  die  Hervor- 
bringung  von  Spaltungsfláchen  nach  coP  bedeutend. 

Einige  Diopsidindividuen  bestehen  in  gewissen  Theilen  ihrer  Masse,  meist 
am  Rande  aus  griinlichen  oder  auch  weissen,  feinen  parallelen  dicken  Fasern  von 
etwas  anderem,  námlich  stárkerem  Glanze.  Es  ist  dies  eine  anfangende  Pseudo- 
morphose  das  Diopsides  in  Tremolit,  die  vom  Rande  gegen  den  Kern  fortschreitet ; 
die  Tremolitnadeln  behaupten  die  Richtung  der  Hauptachse  des  Diopsides. 

Es  scheint  der  Diopsid  in  áhnlichen  Kluften  vorzukommeu,  wie  der  Albit, 
oder  mindestens  in  aderformigen  Nestern,  námlich  auf  der  kórnigfaserigen  Actinolit 
oder  Tremolitunterlage. 

Mit  dem  Diopsid,  háufiger  noch  in  Nestern  im  kornigen  Kalke,  welcher 
an  solchen  Stellen  auch  mit  dem  Tremolit  (Actinolitnádelchen)  durchdrungen  ist, 
oder  auch  knapp  an  der  Gránze  mit  dem  weissen  Granit  finden  sich  Nester  von 
grobspáthigem 

Skapolith.  Derselbe  tritt  demnach  meist  in  Contactnestern  in  derbeu 
bis  kopfgrossen  Stiicken  auf,  welche  von  schwach  gelblichgraugriin  gefárbtem  kor- 
nigem  Kalke  bis  in  íingerdicken  Lagen  begleitet  werden.  Die  grobkrystallinischen 
bis  langgezogenen  uncleutlichen  Sáulen  des  Skapolithes  sind  an  den  Spaltungsfláchen 
schwach  rissig,  der  Durchscheinheit,  clem  Glanze  nach,  ganz  dem  Skapolit  áhnlich 
und  nicht  mit  kórnigem  Orthoklas,  welcher  ebenfalls  Nester  bildet  zu  verwechsein. 
Die  angewitterte  Oberfláche  des  Skapolithes,  ist  in  Bruchstiicken,  welche  lange  an 
Luft  lagen,  etwas  getríibt,  undurchsichtig. 

Der  Skapolith  ist  hier  keineswegs  selten,  trotzdem  dass  er  in  Bóhmen  zum 
erstenmale  nachgewiesen  worden  ist.  Vor  dem  Lothrohr  schmelzen  kleine  Splitter 
unter  Aufscháumen  zu  einer  durchsichtigen  Perle.  Die  Hárte  ist  5V2 ;  das  specif. 
Gew.  2'6945  (mit  *96g  bestimmt).  Im  Wasser  entwickelt  das  Minerál  eine  bedeu- 
tende  Menge  von  Luftbláschen. 

Dieses  Vorkommen  des  Skapolithes  im  kornigen  Kalke  als  Contactmineral 
stimmt  mit  dem  Auftreten  dieses  Minerales  an  andern  Orten  úberein. 


v  Orthoklas  bildet  Nester  von  krystallinischem  Gefiige  mit  oder  ohue 

í  Skapolith  als  Gránzmineral.   In  denselben  ist  manchesmal  auch  lauchgriiner  Talk 

in  Krystallen  zu  finden,  wie  derselbe  spáter  beschrieben  werden  wird.    Eiu  Theil 

der  kornigen  Aggregate  durfte  auch  Albit  sein. 

Q  u  a  r  z  findet  sich  als  Gránzmineral  zwischen  den  durchsetzenden  weissen 

Granitgángen  und  dem  kornigen  Kalk,  oder  zwischen  Kalk  und  Granitgneus.  Er 

ist  derb,  weiss  und  durchscheinend ;  enthált  auch  Tafeln  von  blasslauchgriinem  Talk. 
Rhodonit.    In  den  krystallinischen  weissen  Orthoklasnestern  wurden 

als  Seltenheit  kleine  mehr  als  mohngrosse  Kórner  dieses  Minerales  eingewachsen 

gefunden. 

Granát  (Grossular).    Als  Seltenheit  auf  dem  verworren  kurzfaserigen 
^  Amphibol  (Actinolit)  in  Begleitung  mit  den  vorerwáhnten  Mineralien,  in  dessen 
l  Kluften  er  in  kleinen  gelblichbraungrimen  Krystallen  oo  O  aufgewachsen  ist. 
S  Epidot  in  grossspáthigem  zwillingsartig  gestreiftem  Calcit,  am  Contacte 

í;  mit  dem  weissen  Granit  und  dem  kornigen  Kalk  oder  im  Orthoklas  oder  Ska- 
G  polith,  wie  wohl  seltener  eingewachsen,  ist  nur  in  quergebrochenen  Krystallen  von 
.  1 — 2mm  Breite  bekannt.  Im  Bruche  muschlig,  diamantartig  glasglánzend,  die  Be- 
;  gránzungen  nur  den  Fláchen  oP,  —  P  oo ,  oo  P  oo  entsprechend.  Die  dunkelpista- 
ciengriine  Farbe,  der  Glanz  und  das  Verhalten  vor  dem  Lothrohr  lassen  dieses 
J  hier  so  seltene  Minerál  erkennen. 

Im  Skapolith  findet  sich  Titanit  in  kleinen  bis  lcm  langen  und  3/4Cm 
breiten  Krystallen  eingewachsen,  doch  sind  die  kleinen  Krystalle  viel  haufiger  als 
die  grossen,  welche  ihrer  Grosse  nach  an  die  Krystalle  von  Arendal  erinnern.  Die 
braunen  glánzenden  Krystalle  zeigen  die  Fláchen  2/3P2.  oP.  Poo. 

Im  kornigen  Kalke  fand  sich,  jedoch  nur  eiu  einziges  Mal,  demnach  als 
Seltenheit,  ein  eingewachsenes  zerbrochenes  Individuum  vou  Columbit  von  den 
Fláchen  oo  P  oo  deutlich,  aber  vielleicht  auch  von  oo  P  begránzt,  vor.  Im  Quer- 
bruche  ist  der  beinahe  eisenschwarze,  ganz  schwach  bráunliche,  halb  metallisch 
glánzende  undurchsichtige  Columbit  von  kirschrothem  Strich  unci  von  der  Hárte  6. 
Vor  dem  Lothrohr  wird  das  Minerál  nicht  magnetisch,  ist  unschmelzbar  und  gibt 
eine  sehr  deutliche  Manganreaction.  Mehr  Proben  konnten  nicht  angestellt  werden. 
Das  als  Columbit  erkannte  Minerál  ist  das  erste  Vorkommen  in  Bohmen. 3;))  Wegen 
des  verháltnissmássig  reichlichen  Mitvorkommens  von  Titanit  ist  dessen  Vorhanden- 
sein  nicht  aussergewohnlich.  Ausser  diesen  Mineralien  kommen  in  der  Dehetníker 
Schlucht  noch  andere  vor,  welche  sich  der  genauen  Bestimmung  entziehen. 

So  werden  manche  Skapolithe  von  Adern  eines  dem  edlen  Serpentin 
áhnlichen  durchscheinenden  schwefelgelben  Minerales  durchzogen.  KÓrnige  Amphi- 
bole  und  Kalke  durchziehen  an  den  Kanten  stark  durchscheinende  Triimmer, 
welche  blass  schmutziggrunlich  ebenfalls  an  edlen  Serpentin  erinnern,  die  sich 
aber  fettig  anfúhlen  und  durch  den  Fingernagel  ritzen  lassen,  vielleicht  deuten 
sie  auf  dichten  Talk  (Steatit)  oder  Kaolin  (Steinmark),  wiewohl  sie  auch  an  manche 
Pseudophyte  (von  Markirchen  in  den  Vogesen)  erinnern.  Ohne  genaue  Unter- 
suchungen,  zu  welchen  es  an  reinem  Materiále  gebricht,  lassen  sich  derartige 
Mineralien  nicht  immer  bestimmen.    Das  Minerál  ist  vor  dem  Lothrohr  schwer 


170 


schmelzbar,  demnach  vielleicht  auch  ein  nicht  homogenes  Minerál,  etwa  Talk  mit 
irgeud  einer  ancleru  Beimengung. 

In  weissem  kornigen  Kalke  erscheinen  Adern  eines  dichten  gelblichgrauen,  j 
gewiss  aus  dem  Kalkstein  durch  Impraegnation  entstandenen  Minerales,  von  Kalk  | 
nicht  ganz  scharf  getrennt,  in  welchem  kleine  Korner  von  blass  honiggelber  Farbe, 
mattem  Glanze  im  dichten  Bruche  und  geringer  Hárte,  eingewachsen  erscheinen. 
Diese  Korner  entziehen  sich,  ihrer  geringen  Menge  wegen,  der  náheren  Unter- 
suchung,  machen  aber  den  Eindruck,  als  wáren  sie  bei  ihrer  ganz  geringen  Hárte 
Pseudomorphosen  vielleicht  von  Talk  oder  einem  Thon  nach  Chondrodit  oder  Augit. 
Die  Begrundung  wird  spáter  bei  der  Erwáhnung  der  Mineralien  des  Kalklagers 
von  Rychnov  bei  Krouna  folgen. 

Die  alten  bewachsenen  Gruben  auf  Theile  des  Kalklagers  im  Walde  Ochoz, 
500  Schritte  W  von  Chlum,  im  Gehánge  am  rechten  Ohebkaufer,  diirften  áhnliche 
Verháltnisse  wie  der  Dehetníker  Bruch  gezeigt  haben.    Auch  hier  sind  die  Gánge  : 
des  weissen  Granites  háufig,  an  denen  die  Lagertheile  plotzlich  absetzen. 

Quarz  als  Contactbildung  fiihrt  hier  eingewachsen  dúnne  unrein  licht 
griinlichgrau  gefárbte  hexagonale  Tafeln  von  Talk,  wie  derselbe  schon  vordem,  ! 
jedoch  in  kleineren  dickeren  Tafeln  erwáhnt  worden  ist.  Die  bis  2cm  Durchmesser 
besitzenden  Tafeln  sind  eben  oder  etwas  gebogen,  auf  der  oP  Fláche  auch  un- 
bedeutend  runzlig.  Der  Talk  ist  wenig,  aber  deutlich  optisch  zweiachsig. 

Nester  von  Skapolith,  umgeben  von  dem  mit  Tremolit  durchzogenen  gelblich- 
griinen  Kalke  und  mit  serpentináhnlichen  Kornchen  íinden  sich  auch  hier  háufig. 

In  eben  einer  solchen  Scholle  von  Granitgneus  der  Třemošnicer  Schlucht 
(in  welcher  das  Eisenwerk  Hedwigsthal  liegt),  deren  linksseitige  obere  Nebenschlucht 
Peklo  heisst, 36)  ist  nahé  unter  der  Peklomiihle,  etwa  řOO  Schritt  darunter  (W 
Kraskov)  im  rechten  Gehánge  ein  korniger  Kalk  bekannt,  dessen  Fortsetzung  gegen 
NW  am  einen  nicht  bedeutend  máchtigen  Gang  von  rothem  Granit  plotzlich  absetzt. 
Auch  durch  weniger  bedeutende  Granitgánge  ist  der  in  seiner  Lagerung  gestorte 
kornige  Kalk  durchsetzt.  Die  Lagerstátte  scheint  ein  Lager  zu  sein,  wiewohl  die 
Aufschlusse  noch  geringen  Zweifeln  Raum  lassen.  In  den  Granitgángen  sind  auch 
mit  Biotit  umhullte  Kalk-  und  Skapolithnester  anzutreffen.  Das  Verfláchen  des  Lagers, 
dessen  Máchtigkeit  bis  zu  l1^111  ja  sogar  zu  3m  anschwillt,  wechselt  von  22h  bis 
24V4h  mit  20—40°.  Es  ist  nur  in  der  Mitte  rein  weiss,  nur  mit  grunlichen 
Streifen ;  ^  vom  Hangenden  und  Liegenden  aber  grunlich  gefárbt  durch  Serpentin 
oder  Actinolitimpraegnationen.  Der  kornige  Kalk  wird  durch  fingerdicke  Adern  von 
verworren  kornig-kurzfaserigem  Actinolit  von  graulich-griiner  Farbe  oder  mit 
Tremolit  von  lichterer  Farbe  durchsetzt.  Sowohl  in  diesen  Adern  als  auch  am 
Contacte  mit  dem  Nebengestein  finden  sich  Skapolith;  die  Kluftchen  erscheinen 
mit  schwachen  Uberziigen  eines  serpentinartigen  Minerales  tiberzogen.  Im  derben 
Skapolith  sind  auch  kleine  Titanitkrystalle  eingewachsen. 

Das  Vorkommen  von  Skapolith  erinnert  an  die  Mineralfundorter  beiBojanov. 

Im  dúnnplattigen  G 1  i  m  m  e  r  s  ch  i  e  f  e  r  und  seinen  Ůbergángen  in  Amphibol- 
schiefer  finden  sich  nur  kleine  Granatkornchen  in  der  Umgebung  von  Podbořan.  In 
den  Gneusglimmerschiefern  W  von  Mrákotřn  (zwischen  Skuč  und  Hlinsko  auf  der 
Kartě  als  Glimmerschiefer  aufgetragen)  kommen  gleichfalls  kleine  Granatkorner  vor. 


I 


171 

|  Im  0$  Fusse  der  Železné  hory  sind  meist  zahlreiche  Baue  auf  Gánge  und 

|j  Triimmer  von  Lim  o  nit  zwischen  Licoměřic  bis  Chvalovic  (Žlebské  Chv.  NO 
r   Ronov)  im  Betrieb  gewesen.    Bei  Licoměřic  entweder  in  faulem  Glimmerschiefer 
[   oder  Phyllit-Glimmerschiefer  oder  Amphibolitschiefer,  was  nicht  immer  nach  alten 
Pingen  genau  zu  entnehmen  ist;  bei  Chvalovic  in  einem  faulen  Gesteine,  welches 
nicht  mehr  deutbar  ist  und  das  zersetzter  Amphibolit  oder  Diorit  sein  kónnte, 
f   in  Amphibolschiefer.    Die  Limonite  diirften  Gangtriimmer  oder  Gangnester  als 
n   Rasenláufer  vorgestellt  haben;  ob  dieselben  vielleicht  der  Ausbiss  von  Magnetit- 
trummern  bilden,  kann,  weil  der  Bergbau  zum  Erliegen  kam,  nicht  behauptet  werden, 
I*    wo  nur  Vermuthungen  nach  den  an  clen  Halden  vorfindlichen  Gesteinen  gesta ttet 
-    sind.    Die  am  spátesten  zum  Erliegen  gekommenen  Stollenbaue  sind  knapp  bei 
Chvalovic  nahé  uber  der  Gránze  des  schiefrigen  Amphibolgneuses  und  Amphibol- 
1    schiefers  iiber  der  Kreidestufe,  die  sich  an  den  Fuss  des  steilen  Abhanges  anlehnt. 
i  Bei  Licoměřic  finden  sich  auch  Quarznester  von  kleinkrystallinischer  Textur 

j    mit  dem  dichten  Limonřt,  der  hier  nesterformig  vorzukommen  scheint.  37) 

In  den  laurentinischen  Gesteinen,  welche  das  Eisengebirge  in  der  Náhe  des 
[  bohmisch-máhrischen  Gebirges  zusammensetzen,  finden  sich  nur  wenige  beachtens- 
werthe  Mineralien;  so  allenfalls  im  8  Theile  des  Dorfes  Krouna  (Hlinsko  O),  wo 
nicht  weit  von  den  siidlichsten  Hiitten  des  Dorfes  in  einem  Biotitgneuse  mit  aus- 
geschiedenen  weissen  Orthoklasaugen  Biotitglimmerschiefer  wechsellagert,  in  dessen 
biotitármeren  granulitáhnlichen  Varietáten  griine  Schuppen  von Muscovit  (Fuchsit) 
und  braunschwarze  T  u  r  m  a  1  i  nsáulchen  vorkommen.  Das  Verfláchen  dieser  Schichten 
hier  ist  gegen  22h  mit  30°  gerichtet. 

Zwischen  Krouna  und  Rychnov,  jedoch  naher  zu  Rychnov  kommen  im 
kleinkornigen  Biotitgneus  mit  weissen  Kórnern  von  Orthoklas  (Augengneus),  der 
nach  173/4h  mit  45°  verflácht,  viele  schwache,  hochstens  etwa  lm  máchtige  Lager 
und  lenticuláre  Nester  von  kornigem  weissem  Kalke  vor,  welcher  vielfach  verworfen 
ist  und  durch  zahlreiche  weisse  aplitische  oder  kleinkórnige,  echte,  wenig  máchtige 
Granitgánge  durchsetzt  und  ebenfalls  verworfen  wird.  Nur  wenig  máchtige  Gneus- 
schichten  trennen  stellenweise  die  Kalklager. 

In  dem  kornigen  Kalke  kommt  stellenweise  ein  schuppiges  oder  gninliches 
dichtes  durchscheinendes  Minerál  vor,  welches  alsTalk  zu  deuten  wáre  theils  in 
Nestern,  theils  in  Kluftchen.  Ebenso  sind  auch  Kliifte  im  Gneus  durch  grunliche 
Steatitůberziige  gefárbt,  wie  auch  in  den  Graniten  manche  Orthoklase  griinlich 
gefárbt  sind,  als  wenn  eine  anfangende  Pseudomorphose  in  Steatit  vorliegen  wiirde.38) 
Ausserdem  finden  sich  bis  beinahe  erbensgrosse  Korner  von  blass  honig- 
gelber  und  grauschwarzer  Farbe,  dichter  Textur  und  der  Hárte  von  1 — 1%  im 
kornigen  Kalke,  welche  als  irgend  eine  Pseudomorphose  nach  Augit  oder  Chondrodit 
zu  deuten  wáren.  Dieselben  verlieren  im  Kolbchen  Wasser,  werden  dabei  schwarz, 
brennen  sich  unter  Leuchten  weiss  ohne  zu  schmelzen  und  enthalten  kein  A1203. 
Winzige  Psilomelandendrite  sind  im  Kalke  háufig. 

In  dem  kornigen  Kalklager,  von  8m  Máchtigkeit  und  iVOVerfláchen,  von 
Javorka  im  Eisengebirge  (OBestvín),  dessen  Liegendes  weiss,  das  Hangende  aber 
graphitisch,  dunkel  gefárbt  ist,  erscheinen  im  Liegenden  gleichfalls  Serpentinnester- 


» 


172 


In  dem  unter  Rychnov  liegenden  Biotit-Muscovitgneuszuge  kommen  in 
Ruda  bei  Pustá  Kamenice  (bei  Cachnov  NNO  Svratka)  in  ganz  untergeordneten 
Amphibolitschiefern  M  a  g  n  e  t  i  t  anháufungen  und  Nester  vor.  39) 

Ebenso  wird  Magnetit  in  Einsprengungen  im  Amphibolitschiefer  bei  Stru- 
žinec  (SW  Hlinsko)  angefuhrt,  wo  bei  dem  Hegerhause  vor  20  Jahren  noch  Schur- 
fungen  bestanden.  Es  heisst  auch  das  Hegerhaus  „u  Rudy". 

In  der  Hodonínerschlucht,  die  oberhalb  der  Peklomuhle  in  die  Ohebka- 
schlucht  mundet,  finden  sich  W  von  Nassaberg  in  der  Náhe  des  Weges  nach 
Bóhmisch-Lhotic  in  der  Thalschlucht  in  einer  kleinen  Gneusscholle,  welche  im 
grauen  Granit  oder  Diorit  eingeschlossen  ist,  kurze  Gangtrummer  von  Lim  o  nit 
von  kaum  bauwurdiger  Máchtigkeit.  Die  kurzen  Nesterchen  und  Gangtrumchen 
von  dichtem  Limonit  in  dem  ganz  faulen  Gneuse  scheinen  auch  nur  Rasenláufer 
zu  sein  und  móglicher  Weise  ebenfalls  an  der  Gránze  von  schiefrigem  Diorit  oder 
Nestern  von  Amphibolit  mít  Granit  vorzukommen.  Sie  durften  den  in  Dioriten 
eigenthumlichen  Pyriten,  die  sich  gánzlich  zersetzt  haben,  den  Ursprung  verdanken. 
Eine  deutliche  Entblossung  in  dem  vielfachen  Wechsel  von  Gesteinen  fehlt,  desshalb 
náhere  Angaben  liber  die  Lagerungsverháltnisse  unzulássig  erscheinen  um  so  mehr 
als  der  Stollen  des  Versuchsbaues  verbrochen  ist. 

In  den  Gesteinen  im  Liegenden  des  Eisengebirges  also  SW  von  demselben 
ist  vornehmlich  Granát  ein  sehr  gemeiner  accesorischer  Gemengtheil  in  manchen 
Gesteinen. 

In  den  schiefrigen  Biotitgneusen,  welche  sich  als  niedrige  Klippen  aus  der 
Kreideniederung  von  Zbislav  SO  gegen  Loučíc  (ONO  Časlau)  hinziehen,  erscheinen 
ganz  untergeordnet  biotitarme  Parthieen,  oder  Schichten  von  Muscovitgneus,  oder 
Turmalingneus  ganz  untergeordnet  eingelagert.  Die  schiefrigen  Biotitgneuse  mit 
oder  ohne  kurze  Quarz-  oder  weissen  Orthoklasflasern  fuhren  in  grosser  Zahl  bis 
eigrosse  colombin-  bis  colombinrosenroth  gefárbte  Granatkorner  (Almandine).  Zu- 
weilen  sind  die  Almandine  schalig  oder  auch  kórnig  zusammengesetzt  mit  etwas 
Orthoklas  durchwachsen,  háufig  aber  mit  einer  dunnen  Orthoklasrinde  umhullt. 

In  dem  ganzen  Zuge  Zbislav-Chotěboř  sind  Granáte  in  Gneusen  haufig, 
so  dass  eine  Aufzáhlung  der  einzelnen  Funclstátten  zu  weitláufig  wáre. 

Reichlich  sind  bis  nussgrosse  colombinrothe  Granáte  in  dem  Biotitgneus 
und  dem  schiefrigen  Muscovitgneus  S  und  SW  von  Ronov;  noch  zahlreicher  treten 
bis  mehr  als  wallnussgrosse  Granatkorner  aber  im  Amphibolgneus  zwischen  Ronov 
und  Mladotic  zum  Vorschein. 

Ebenso  finden  sie  sich  auch  im  Granitgneus  von  Staré  dvory  bei  Lichnice. 

Im  Amphibolschiefer  von  Markovic  (iVJFZleb),  sowie  auch  im  Zuge  dieses 
Schiefers  (auch  Amphibolgneus)  von  Kněžic  gegen  Moravan,  dann  bei  Zvěstovic 
sind  E  p  i  d  o  t-Ausscheidungen  in  Kornern  und  kurzen  Sáulen  so  háufig,  dass  die 
Bezeichnung  dieser  Schiefer  als  Epidotamphibolschiefer  gerechtfertigt  wáre.  Bei 
Markovic  finden  sich  in  denselben  ausserdem  noch  grossere  nesterfórmige  bis  mehr 
als  fingerdicke  Ausscheiduugen  von  weissem  Orthoklas. 

In  dem  Biotit- Amphibolgneus  von  grobstengliger  Textur,  der  nach  6V4h 
mit  58°  verflácht,  in  der  Umgebung  von  Borová  sind  winzige  Py rrho  tinkornchen 
bis  zu  erbsengrossen  Aggregaten  angeháuft;  mit  denselben  treten  ganz  spárlich 


173 


auch  Chalkopy  ritkornchen,  die  jedoch  erst  unter  der  Loupe,  sichtbar  sind,  auf. 
Vornehmlich  in  dem  Hiigel  8  von  Borová,  auf  dem  die  Kirche  steht,  zeigt  das 
Gesteiu  die  vorerwáhnten  Impraegnationen. 

Súdlicher  bis  zur  Sázava  (bei  Přibyslav)  zeigen  biotitreichere  Gneuse 
wiederum  zahlreiche  Granatkorner. 

In  dem  Biotitgneus  von  grobflasriger  Textur  bei  Svratka  und  Svratouch 
finden  sich  kurze  Gangnester  von  durchsichtigem  Rauchquarze. 

In  der  Umgebung  von  Golčuv  Jeníkov  vornehmlich  gegen  Siiden  bis  Le- 
štinka  und  Nové  dvory  finden  sich  oberíiáchlich  viele  Brocken  von  wasserhellem 
Quarz  (Bergkrystall)  oder  von  blass  rauchgrauem  durchsichtigem  Quarze,  an  denen 
noch  theilweise  blass  fleischrothe  Orthoklasbruchstiicke  oder  spárliche  grossere 
Schuppen  von  Biotit  haften.  Diese  durchsichtigen  Quarze  stammen  sámmtlich  aus 
schwachen  Gángen  von  Pegmatit,  die  clen  biotitreichen  Gneus  durchsetzen  oder  in 
Nesterform  auch  ausgebildet  sind. 

Áhnliche  Rauchquarze  finden  sich  aber  auch  an  andern  Orten  wie  nahé 
der  Sázava,  allenfalls  bei  Kácov  recht  háufig,  was  jedoch  schon  weit  aus  unserem 
Gebiete  fállt. 

Quarze  in  lenticuláren  Nestern  sind  in  dem  flasrigen  Biotitgneuse  oder 
in  dem  Glimmerschiefergneuse  8W  vom  Eisengebirge  in  dem  80  bóhmischen 
Gneusplateau  háufig.  Die  scharfkantigen  Brocken  gemeinen  Quarzes,  welche  stellen- 
weise  in  den  Feldern  auf  dem  Gneusgrunde  so  háufig  sind,  stammen  aus  diesen 
Nestern. 

Auch  Turmalín  in  recht  ansehnlichen  bis  fingerdicken  Krystallen  bildet 
einen  háufigen  Gemengtheil  des  Gneuses  vornehmlich,  wenn  er  etwas  Muscovit 
enthált.  Aufíallig  ist  die  Menge  des  Turmalines  in  jenen  festen  schuppigen  Mus- 
covitgneusen,  welche  grossere  Kuppen  von  granitáhnlichem  Aussehen  bilden,  wie 
die  Bláníkkuppen  bei  Louňovic  u.  s.  w.  Eine  solche  Kuppe  aus  schuppigem  Mus- 
covitgneus,  der  áhnlich  wie  Granit  in  dicke  Bánke  zerfállt,  ist  die  Tisí  skála 
zwischen  Časlau  und  Golcův  Jeníkov,  in  welcher  der  Turmalín  recht  háufig  ist. 

Indessen  durchsetzen  den  Gneus  8W  vom  Eisengebirge  háufig  auch  Tur- 
malinpegmatite,  deren  Bruchstúcke  sich  an  allen  Feldwegen  finden. 

In  dem  Biotitgneus  n.  zw.  in  der  flasrigen  und  biotitreichen  Varietát  des- 
selben  findet  sich  zwischen  Borek  und  Kraborovic  80  Vilím  o  v,  nahé  síidlich  von 
der  Hauptstrasse  ein  Lagerstock  von  Serpentin,  der  liber  100m  Máchtigkeit  besitzt, 
steil  nach  23/4h  wie  der  Gneus  beinahe  saiger  verflácht  und  deutlich  bankformig 
abgesondert  ist.    Die  Bánke  gehen  parallel  zur  Schichtung  des  Gneuses. 

Das  Liegende  des  Serpentinlagerstockes  ist  Eklogit,  das  Hangende  bildet 
Amphibolschiefer.  Accessorisch  finden  sich  im  Serpentin  Korner  von  zu  Phaestin 
umgewandeltem  Bronzit;  die  Kliifte  desselben  sind  durch  weisse  Magnetitanflúge 
ausgefullt. 

In  den  Biotitgneusen,  die  nach  5V4— 6x/4  mit  80—75°  verfláchen,  finden 
sich  auch  kleinere  gangformige  Nester  von  Serpentin:  so  bei  der  Briicke  (Bráu- 
haus)  NWvon  Borová  im  rechten  Bachufer,  wo  dieses  Gestein  mit  eingewachsenen 
Kórnern  von  Bronzit  und  Pyrop  auf  viele  Schritte  Lánge  zum  Vorschein 
kommt,  dann  irgendwo  im  N  Gehánge  der  Žáková  hora  (A  809m  schon  in  Máhren) 


174 


S  von  Heralec  in  Form  eines  Stockes  in  den  Wiesen  des  flacheren  Gehánges. 
Dieser  Serpentin  von  schmutzig  graugriiner  Farbe  und  sehr  feinkorniger  Textur 
ist  schon  ausserhalb  des  geologisch  colorirten  Bereiches  der  Kartě.40) 

Bei  der  Miihle  von  Stany  (SW  Hlinsko)  kommen  in  Gneusen  und  schief- 
rigen  Felsitporphyren  bis  armdicke  Quarznester  mit  kleinstengligen  und  verworren 
dickfasrigen  Aggregaten  von  Schwarzem  Tur  malin  vor. 

Mineralien  der  geschichteten  Gesteine  der  silurischen  Gesteine  des 

Eisengebirges. 

In  den  Silurschichten  des  eigentlichen  Eisengebirges,  in  welchem  diese 
Gesteine  bis  gegen  Slatiňan  zu  im  Zusammenhange  auftreten,  finden  sich  ins- 
besondere  zwischen  Bumbálka  und  W  Litošic  in  den  schwarzen  phyllitáhnlichen 
Thonschiefern  der  cambrischen  Etage  A  lenticuláre  Lager  von  weissem  dichtem 
oder  feinkornigem  Quarz  von  solcher  Ausdehnung,  dass  sie  selbst  auf  der  Kartě 
aufgetragen  werden  konnen.  Lenticuláre  Quarznester  von  geringerer  Grosse  sind 
aber,  ebenso  wie  Triimmer  und  Schniire,  sowohl  in  Grauwacken  als  auch  Grau- 
wackenschiefern,  Thonschiefern  Quarziten,  so  háufig,  dass  dieselben  nicht  besonders 
erwáhnt  werden  konnen.  In  einem  bedeutenden  solchen  nesterformigen  Quarzlager 
genau  W,  etwa  100—200  Schritte  von  Vápenka  (bei  Semtěš),  welches  wahrscheinlich 
in  Schwarzem  cambrischen  Thonschiefer  A  oder  am  Contact  desselben  mit  Granit 
eingelagert  ist,  finden  sich  Adern  und  kurze  bis  fingerdicke  Nester  von  klein- 
kornigem  derbem  Arsenopyrit,  welche  unter  dem  Rašen  etwas  graulich  an- 
gelaufen  sind  und  in  Kluftchen  mit  Anfliigen  von  blassgriinlich  gefárbtem  A  r  s  e  n  i  t 
íiberzogen  erscheinen. 

In  denselben  Thonschiefern  der  Etage  A  sind  P  y  r  i  timpraegnationen  recht 
háufig;  durch  theilweise  Zersetzung  der  Pyrite  werden  die  schwarzen  Phyllite 
brócklig,  zu  Alaunschiefer  verwandelt,  sind  mit  braunen  oder  citronengelben  schwa- 
chen  Krusten  íiberzogen  wie  O  von  Vinařic  (Fig.  3,  O  von  Yinařic  bei  Stange  225). 
Anháufungen  von  Pyritkornern  oder  Krystallen  in  Form  von  kurzen  Nestern  oder 
den  Schichten  nach  gehenden  Impraegnationsschniirchen  wurden  in  diesen  Gesteinen 
vielfach  beschurft  und  auch  theilweise  versuchsweise  abgebaut :  so  in  der  Schlucht, 
welche  N  von  Licoměřic  ausmúndet,  zwischen  der  Miindung  derselben  und  den 
verlassenen  Kalkgruben  daselbst  etwas  tiefer  unter  denselben,  im  linken  Gehánge 
genau  NNO  von  Licoměřic  etwa  550 — 60Om  entfernt.  Die  schwarzen  Thonschiefer 
zeigen  am  Ausbisse  braune  Limonitfárbungen.  Im  Walde  Stráček  NW  von  dem 
Jágerhause  bei  Zbislavec  ist  in  der  Bachsohle  Pyrit  in  Quarznestern  ebendesselben 
Thonschiefers  A  in  Kórnern  eingewachsen.  Sonst  sind  andere  Fundorter  nicht 
erwáhnenswerth. 

Aber  auch  in  den  phyllitáhnlichen  schwarzen  Thonschiefern  der  Etage  Ddx, 
welche  durch  die  Citkover,  Podol-Prachovic-Kostelecer,  und  andere  Schluchten 
entblósst  sind,  zeigen  sich  Spuren  von  einstiger  reichlicher  Anwesenheit  von  ein- 
gewachsenen  Pyritkrystallen  der  Form  oo  O  oo.  Es  finden  sich  hier  námlich  in 
den  Phylliten  iiberall  zahlreiche  einzelne  oder  geháufte  Hohlráume  nach  verschwun- 


175 


denen  Pyriten,  aus  denen  trotz  der  eingedríickten  und  deformirten  Formen  der- 
selben  doch  auf  die  Wiirfelgestalt  der  einst  da  eingewachsen  gewesenen  Pyrite 
geschlossen  werden  kanil.  Die  negativen  verdrůckten  Hohldriicke  sind  bráimlich 
angeflogen.  Es  ist  nicht  unmóglich,  dass  unter  dem  Ausbisse  dieser  Thonschiefer 
die  Pyrite  wirklich  noch  eingewachsen  anzutreffen  wáren. 

In  dem  kórnigen  Kalke,  welcher  einen  Lagerstock  in  den  Phylliten  Ddx 
bei  Vápenný  Podol-Prachovic  bildet,  erscheinen  Kliifte  durch  spáthigen  Calcit 
ausgefullt  oder  auch  mit  Drusen  der  Form  —  */2R .  co  R  iiberkleidet.  Im  ostlichen 
Lagerende  ist  der  Kalk  durch  eine  mit  zerriebenem  graphitischen  Phyllit  ausgefullte 
Verwerfungskluft  dislocirt,  in  deren  Náhe  im  kórnigen  Kalke  Calcitdrusen  der 
Form  —  2R  und  auch  Seleni  tkrystállchen  vorkommen. 

Im  kórnigen  Kalke  der  Etage  A  in  der  Schlucht  von  Licoměřic  sind  in 
Limonit  umgewandelte  Pyritkornchen,  oder  oberfláchlich  bráunliche  Pyrite  der  Form 

+  ~~~žr~~  ^s  lmm  Grosse,  eingewachsen. 

a 

Aber  auch  echte  Gánge  von  Mineralien  durchsetzen  die  cambrischen 
Gesteine. 

Durch  Chvaletic  (OS  Elbe-Teinic)  streicht  ein  máchtiger  Limonitgang 
in  Schichten  der  Etage  A,  von  dem  sich  lose  Brocken  von  dichtem  reinen  Limonit 
am  Wege  vom  oberen  Theile  des  Dorfes  gegen  Zdechovic  reichlich  zerstreut  vor- 
finden.  Aber  550m  WNW  von  der  Mitte  des  Dorfes  aus  gemessen,  kommt  der 
40—50  Schritte  machtige  Gangausbiss  im  Wege  gut  entblosst  zum  Vorschein,  in 
dessen  Streichungsrichtung  Erzfundstufen  gesammelt  werden  konnen.  Der  Gang 
besteht  aus  einer  faulen  gebleichten  Phyllitbreccie,  welche  durch  Limonitschnure 
durchsetzt  und  mit  Limonit  verbunden  ist ;  im  Gange  findet  sich  auch  ein  gánzlich 
aufgelóster,  vielleicht  granitischer  Gang,  der  durch  ein  Limonitnetzwerk  durchsetzt 
wird.  Das  Erz  ist  stellenweise  geodenartig,  auch  aus  verschieden  fárbigen  in 
einander  geschachtelten  Schalen  zusammengesetzt.  Das  Nebengestein,  ein  ebenfalls 
fauler,  am  Ausbiss  gebleichter  und  aufgelóster  Thonschiefer  mit  steilem  NNO  Ver- 
fláchen  zeigt  Limonitimpraegnationen,  sowie  auch  citrcnengelbe  Anfliige,  die  auf 
zersetzte  Pyritimpraegnationen  hindeuten.  Im  Ausbisse  sind  kleine  Nester  von 
Psilomelan,  sowie  auch  Psilomelankrusten  auf  halb  zu  Lydit  umgeánderten 
Thonschiefern  háufig.  Ebenso  finden  sich  im  lettig  aufgelosten  Thonschiefer  des 
Gangausbisses  unter  dem  Rašen  kleine  Knollen  von  Diadochit  mit  traubiger 
Oberfláche.  Das  ganze  Erzvorkommen  erinnert  ungemein  an  den  Erzgang  im  W 
Abfall  des  Chlumberges  bei  Mezihoří. 41) 

In  den  licht  griinlichgrauen  cambrischen  Grauwacken  oder  schiefrigen 
Grauwacken  sind  kurze  Quarzgánge  oder  Klúfte  háufig. 

Ganz  nahé  bei  Ledeč  (N)  (SW  Choltic)  verfláchen  die  Grauwacken  mit 
90°  nach  1 — l1/^,  sind  aber  transversal  zerkluftet;  das  Verfláchen  der  transversalen 
Zerkliiftung,  welche  in  schiefrigen  Einlagerungen  eine  falsche  Schieferung  hervor- 
bringt,  ist  aber  nach  83/4h  mit  64°  gerichtet,  Kliiftchen  oder  arm  dicke  Gang- 
triimmer  von  weissem  Quarz  von  krystallinisch  zerfressenem  Aussehen  in  den 
drusigen  Hohlráumen,  stellenweise  nach  verschwundenem  Pyrit  braun  gefárbt  mit 
bis  handgrossen  Nestertriimmern  von  feinkórnigem  Chlorit,  durchsetzen  die 


176 


Schichten  in  Menge,  weil  die  bedeutende  Dislocation  hier  die  Bildung  von 
Spaltenráumen  begiinstigte.  Quarz  und  Chlorit  sind  gleichzeitige  Bildungen.  Selten 
fand  sich  hier  auch  ein  derbes  beinahe  nussgrosses  Korn  von  Chalkopyrit, 
dessen  Vorkommen  so  háuíig  an  Quarz-Chlorit-Gánge  gebunden  ist.  Dass  das 
schmutzig  gríine  sehr  feinkórnige  Minerál  wirklich  Chlorit  ist,  zeigt  dessen  spec. 
Gew.  von  2*9815  (mit  2'84g  Substanz  bei  29°  C).  Der  lufttrockene  Chlorit  hat 
beinahe  kein  hygroskopisches  Wasser  enthalten,  denn  uber  Schwefelsáure  verlor 
derselbe  hochst  unmerklich  an  Gewicht;  das  spec.  Gew.  bezieht  sich  auf  das 
getrocknete  Minerál.  Die  Schuppen  des  Chlorites  von  hexagonaler  Form  haben 
die  Breite  von  ^ — šV*"1- 

Ůbrigens  ist  in  kórnigen  Grauwacken  sehr  feinkorniger  (sogenannter  dichter) 
Chlorit  in  Quarztriimmern  und  ebenso  mit  Limonitimpraegnationen  von  zersetztem 
Pyrit  herriihrend  an  unterschiedlichen  Orten  des  Eisengebirges  anzutreífen. 

Abgesehen  von  clen  in  Schiefern  eingewachsenen  Mineralien,  wie  dem 
Ottrelit  im  S  Abhange  der  Bučina  der  zusammenhángenden  Silurgebilde  im  Eisen- 
gebirge,  dem  Staurolith,  Andalusit,  Granát  in  der  Hlinsko-Skučer,  im  Granit 
eingehullten  Schieferinsel,  und  bei  Nichtberucksichtigung  der  zahlreich  in  Schiefern 
auftretenden  Quarznester  sind  in  der  Schieferinsel  bei  Kreuzberg  (Krucburg)  noch 
Mineralien  bekannt. 

In  den  grauen,  griinlichgrauen  cambrischen  Phylliten  oder  Glimmerschiefer- 
phylliten,  also  metamorphosirten  ehemaligen  Grauwackenschiefern,  die  nach  10h — 14h 
mit  20° — 50°  verfláchen,  sind  bei  Kreuzberg  kleinkórnige  quarzige  Grauwacken  ein- 
gelagert.  Dieselben  erscheinen  zwischen  Stadt  Kreuzberg  und  dem  Kreuzberge 
(A659m)  durch  zahlreiche  seichte  Gruben  entblosst,  in  welchen  auf  kurze  Gánge 
und  Gangnetze  oder  Gang-Nester  von  kleinkornigem  (Eisenglanz)  oder  dichtem 
Haematit  Tag-Baue  gefuhrt  worden  sind.  Alle  Kliiftchen  der  graulichen  fein- 
kornigen  Quarzit-Grauwacke  sind  mit  dichtem  Haematit  oder  wenigstens  schwachen 
Ůberziigen  dieses  Minerales  braun  roth  gefárbt.  In  den  Hohlráumen  des  Haematites 
sind  Malachite  in  tafelartigen  Aggregaten  als  Pseudomorphosen  nach  irgend 
einem  Minerál  anzutreífen.  42j  Ausserdem  finden  sich  auch  schwache  Ůberzuge, 
cliinne  Rinden  oder  Auflúge  oder  auch  hanfsamengrosse  halbkuglige,  sehr  diinn 
concentrisch  schalige  Aggregate  einzeln  oder  vereinigt.  Die  Farbe  des  Malachites 
ist  zwischen  span-  unci  smaragdgriin.  Mit  dem  Haematit  findet  sich  auch  Chalko- 
pyrit 43).  Nebstdem  zeigen  die  Klúfte  der  quarzigen  Grauwacke  einzelne  kugel- 
fórmige,  oder  aus  Halbkugelcken  bestehenden  dilnnen  Krusten  von  schwárzlich 
smaragdgriinem  Lun  nit.  Die  Krusten  haben  bis  mehr  als  Millimeterdicke,  die 
Kíigelchen  sind  grosser  als  eine  kleine  Erbse.  Selbst  die  reinst  ausgesuchten 
Lunnitkiigelchen  von  hochst  zart  radialfasriger  Textur,  oder  die  klein  traubig- 
nierenfórmigen  Krusten  erscheinen  mit  wenig  Malachit  verunreinigt. 

Die  Hárte  =  51/*,  das  specif.  Gewicht  konnte,  da  sich  selbst  das  allerreinst 
ausgesuchte  Minerál  als  mit  Malachit  verunreingt  ergab,  nicht  bestimmt  werden 
In  Essigsáure  und  auch  theilweise  im  Ammoniak  ist  er  loslich.  Manche  Krusten  sind 
mit  einem  schwachen  Ůberzuge  von  Haematit  (mit  Limonit  gemengt)  oberfláchlich 
braunroth  gefárbt,  ein  Hinweis  auf  die  jungere  Bildung  mancher  rothen  Ůberzuge. 
welche  in  der  Regel  alter  sind  als  der  Malachit  und  Lunnit. 


177 


Eine  Analyse  mit  1*14  g.  Substanz  ergab: 

Umgerechnet  auf  die  bei  !00°C 
H20  bei  100°  C       -74  getroeknete  Substanz 

Glůhverlust    10-91   10-97 

CuO    68-46    68-93 

Fe2  03,  P205     3-74    3.77 

P205    14-66    14-81 

As205    Spur   Spur 

Unlóslieh  (Gangart)     2-90   2-91 

101-41  101-39 
Diese  Analyse  gibt  auch  folgendes: 

Glůhverlust  10'97 
CuO  68-93 
Fe2  03  200 
P2  05  16-58 
As2  05  Spur 
-  Gangart  2*91 
oder  da  das  Eisensesquioxyd  als  Limonit  vorhanden  war,  ergibt  sich: 
Gliihverlust  des  grunen  Minerales  10*63 

CuO  68-93 
P2  05  16-58 
As2  05  Spur 
Limonit  2*34 
unlosliche  Gangart  2'91 
Der  Glůhverlust  von  10*63  besteht  aus  H2  O  des  Lunnites  und  Malachites 
sowie  H20,  C02  des  Malachites,  welcher  als  untrennbare  Verunreinigung  mit  dem 
Lunnit  zum  Vorschein  kommt.  Da  wegen  Mangel  an  reinerem  Materiál  die  Menge 
der  C02  nicht  direkt  bestimmt  werden  konnte,  um  daraus  das  Mengenverháltniss 
des  Malachites  bestimmen  zu  konnen,  musste  bei  der  Berechnung  der  Analyse 
das  Verháltniss  des  H20  und  C02,  welche  der  Malachitbeimengung  entsprechen 
wiirden,  etwa  so  gewáhlt  werden,  dass  auf  die  P2  05  Menge  ein  durch  eine  ganze 
Zalil  ausdriickbares  aequivalentes  Multiplum  von  aq=H20  entfalle. 44)  Es  ergibt 
sich  dann  als  Verháltniss  des  O  im  H2  O,  (des  Gltihverlustes  nach  Abzug  des 
H20,  C02  des  Malachites)  CuO  und  P2  05  wie  6*10 :  11*21 : 9  34  oder  3*27:6:5, 
was  der  Lunnitformel  entspricht. 

Das  zur  Analyse  verwendete  Lunnitmateriale  wurde  darnach  bestehen  aus : 
Lunnit  81*5,  Malachit  13*22,  Limonit  2*30,  unlóslicher  Gangart  2*87,  zu- 
sammen  100*00%. 


Mineralien  aus  den  Eruptivgesteinen  des  Eisengebirges. 

Es  sind  wiederum  nur  die  accesorischen  Gesteins-Gemengtheile  gemeint, 
demnach  keineswegs  diejenigen,  welche  wesentlich  zur  Zusammensetzung  der  Fels- 
arten  beitragen  und  welche  theils  kórnig  oder  porphyrartig  ausgeschieden  sind, 

12 


178 


wenn  auch  manche  davon,  wie  die  bis  fingergrossen  blassfleischrothen  Orthoklas- 
krystalle  des  Gneusgranites  O  von  Slavětín  Erwáhnung  verdienen. 

In  dem  grauen  Gneusgranite  der  Umgebung  von  Horní  Babákov  (NWN 
Hlinsko)  vornehmlich  an  der  Gránze  mit  den  krystallinischen  Schiefern  der  Hlinsko- 
Skučer  silurischen  Schieferinsel  íinden  sich  zentnerschwere  weisse  Quarzblocke,  als 
Triimmer  von  Gangnestern,  auf  der  Oberfláche.  In  denselben  sind  grobkornig 
bláttrige  Aggregate  von  Muscovit  eingewachsen,  welche  entweder  áltere,  oder 
mit  dem  Quarze  gleicbzeitige  Bildungen  vorstellen,  da  sich  unvollkommene  Krystall- 
aggregate  im  Quarze,  wenn  dieselben  entfernt  erscheinen,  als  Hohldriicke  abformen. 
Selbst  kopfgrosse,  kornig  schuppige,  nur  aus  Muscovit  bestehende  Aggregate  finden 
sich  hier  háufig  lose  herumliegen. 

Im  SW  Abfalle  cler  Kaňková  hora,  oberhalb  Kubíkové  Duby  und  Třemoš- 
nice,  werden  schwache  Pegmatitgánge  in  dem'  groben  Granitgneuse  bemerkt,  in 
welchen  oft  ziemlich  bedeutende  Muscovittafeln,  wenn  der  Orthoklas  blassfleisch- 
roth ;  noch  háufiger  aber,  wenn  die  Gánge  weissen  Biotitpegmatit  vorstellen,  grossere 
Biotittafeln  eingewachsen  erscheinen. 

Im  Amphibol-  und  Biotit-Amphibolgneus,.  der  nach  41/*11  mit  26°  verflácht, 
erscheint  S  von  Ronov,  ganz  nahé  (etwa  nur  200  Schritte  SW,  von  der  Miihle 
„na  kořečníkách"  ein  etliche  Meter  máchtiger  zertriimmerter  Pegmatitgang,  aus 
weissem  grosskórnigem  Orthoklas,  blass  rauchgrauem,  sehr  grobkornigem  Quarz 
unci  wenig  Biotitplatten  zusammengesetzt.  Am  Wege  von  Ronov  zur  heiligen 
Kreuz-Kirche,  knapp  SO  hinter  der  erwáhnten  Miihle,  diirfte  der  Gang  wieder  aus- 
beissen,  aber  er  scheint  hier  ein  Trumm,  das  beinahe  nur  aus  Biotittafeln  besteht 
zu  bilden,  denn  der  Orthoklas  ist  zu  rothlichgrauem  Kaolin  verándert,  der  Quarz 
unversehrt.  Der  Bio  ti  t  (Meroxen)  bildet  bis  thalergrosse  und  noch  grossere  bis 
íingerdicke,  unvollkommen  hexagonale,  ebene  oder  schwach  gebogene  Platten,  die 
durchaus  leicht  unter  der  Strasse  auszugraben  sind.  Die  schwarzgrunen  Tafeln 
sincl  oberfláchlich  und  in  feinen  Kluftchen  bráunlich  roth,  durch  Thon  gefárbt. 

In  einem  weissen  grobkórnigen,  beinahe  an  Pegmatit  erinnernden  Granite, 
welcher  zahlreiche,  wenn  auch  wenig  máchtige  Gánge  und  Triimmer  am  Berge 
Krásný,  im  Ochozwalde  bei  Chlum,  in  der  Dehetníkschlucht  bei  Polanka  bildet 
und  die  Ursache  von  Verwerfungen  in  den  Kalklagern  hierselbst  vorstellt,  sind 
kleine  bis  beinahe  linsengrosse  graubraune  Krystalle  von  Titanit  der  Form 
2/3  P2  .  oP  .  -4-  P  oo  háufig  eingewachsen. 

Der  Granit  erinnert  an  Aplit  und  Pegmatit  zugleich,  da  er  arm  an  deut- 
lichen  grosseren  Biotitschuppen  ist,  statt  welchen  oft  nur  kurze  lichtgrúne  Am- 
phibolsáulchen  den  dritten  Granitgemengtheil  bilden.  Der  rein  weisse  Orthoklas 
herrscht  bedeutend  vor,  der  Quarz  ist  nur  ganz  untergeordnet,  blassgraulich,  durch- 
sichtig.  Ob  der  Amphibol  ursprunglich,  oder  vielleicht  eine  Pseudomorphose  von 
fasrigem  Actinolit  nach  irgend  einem  Minerále  vorstellt,  bleibt  fraglicli,  obwohl 
das  erstere,  bei  der  Frische  des  Gesteines  eine  hohe  Wahrscheinlichkeit  besitzt. 
Stellenweise  zeigen  die  Granitgemengtheile  eine  Tendenz  zur  Bildung  von  schrift- 
granitartigen  Verwachsungen,  was  das  Gestem  wieder  dem  Pegmatit  náher  riickt. 

In  die  sem  Granite  mit  lieckenweise  blassgraulichem  Orthoklase  und  seltenen 
grosseren  Biotittafeln  ist  im  Kalkbruche  der  Dehetníker  Schlucht  auch  Apatit 


179 


von  schón  blassgrimer  Farbe,  táuschend  áhnlich  clem  Beryll  in  der  Form  oo  P, 
ohne  Endflache,  von  Rabenfederkieklicke  eingewachsen  vorgefunden  worden.  Das 
sehr  seltene  Minerál  von  der  Hárte  5,  ist  in  Sáuren  lóslich. 

Auch  im  Biotitgneus,  welcher  glimmerreich  erscheint  (Glimmerschiefer- 
gneus)  und  zwischen  Moravan  und  Spitic  (N  Vilímov)  langgezogen  lenticuláre 
Qnarznester  eingeschaltet  enthált,  erscheinen  in  den  Schluchten  bei  Bučovic  ganz 
schwache  Gánge  von  Pegmatit,  die  wenig  T  u  r  m  a  1  i  nsáulen,  aber  clafur  nette  bis 
mehr  als  lcm  breite  rhombische  Prismen  von  M  u  s  c  o  v  i  tkrystallen  eingewachsen 
enthalten. 

Eines  von  den  gemeinsten  Mineralien  auf  Kliiften  im  rothen  Granit,  welches 
vornehmlich  dort  zu  finden  ist,  wo  dioritische  Gesteine  den  rothen  Granit  durch- 
setzen,  ist  dichter  Epidot.  Krusten  bis  zu  Fingerdicke  oder  diinne  Anfluge  sind 
vornehmlich  in  der  Umgebung  von  Nassaberg,  der  Umgebung  von  Seč  (Kraskov, 
Žďárec,  Rudov,  Kovářov)  háufig.  An  die  Aufzáhlung  sámmtlicher  Orte,  wo  der 
Epidot  in  rothem  Granit  vorkommt,  kann  hier  nicht  eingegangen  werden. 

In  Graniten  finden  sich  auch  Impraegnationen  und  ader-  sowie  nesterartige 
Ausscheidungen  von  dichtem  Haematit,  so  allenfalls  im  Dorfe  Včelákov  selbst, 
wo  jedoch  liber  das  Verháltniss  der  Impraegnirung  wegen  unvollstándiger  Ent- 
blosung  keine  náhere  Angabe  móglich  ist;  dann  auch  in  dem  Steilabfalle  des 
Eisengebirges  zwischen  Bestvín  und  Roušínov,  wo  vornehmlich  der  rothe  Granit 
unter  Hoješín,  wenn  derselbe  etwas  zersetzt  erscheint,  durch  Impraegnationen  oder 
Haematittrúmmer  und  Schnure  durchsetzt  wird. 

Der  Quarz-  und  Felsitporphyr  fuhren  kein  nennenswerthes  unwesentliches 
Minerál.  Nur  in  den  schiefrigen  Felsi tp o rphyren  des  máchtigen  Rtein- 
Lukavicer  Gangmassivs  finden  sich  etliche  Mineralien  von  Belang.  Die  grauen 
Felsite  und  Felsitschiefer  des  Svídnicer  Thales  enthalten  stellenweise  zahlreiche 
Impraegnationen  von  Pyrit,  sowie  bis  2mm  breite  Pyritwiirfel  eingewachsen.  Der 
oberflachlich  nicht  mehr  ganz  frische  Porphyr  des  rechten  Thálchen-Ufers  zwischen 
Petříkovic  und  Pohořalka  (SW  Slatiňan)  ist  am  Wege,  welcher  von  cla,  námlich 
•75— *76  km  ONO  von  Petříkovic,  nach  Liboměric  fiihrt,  stellenweise  rothbraun 
gefárbt  und  wird  clurch  einen  deutlichen,  etliche  wenige  dm  máchtigen,  aus  reinem 
dichten  Haematit  bestehenclen  Gang  durchsetzt,  dessen  Ausbiss  in  den  Weg  fállt. 

Fingerdicke  Haematitschnure  und  Impraegnationen  durchsetzen  auch  den 
schiefrigen  Felsitporphyr  von  Bitovan. 

Der  "56  km  ONO  von  Malé  Lukavice  entfernte  Hugel,  genannt  Podjahocl- 
nický  vrch  (A331m),  der  aus  hochst  feinkornigem  Felsit  besteht,  fiihrt  in  Kliiften, 
die  clurch  Limonit  bráunlich  angeflogen  sind  ausser  Schiippchen  von  Pyrophyllit 
auch,  wiewohl  seltener  bis  uber  Centimeter  breite,  radial-stengligschuppige  Aggre- 
gate  dieses  Minerales.  Die  stengligen  Bláttchen  sind  perlmutterglánzend  und  blass 
gelblichbráunlich. 

In  Velké  Lukavice  (Gross  L.)  selbst  kommt  kein  schiefriger  Felsitporphyr 
zum  Vorschein,  weil  derselbe  zur  Ganze  verfault,  und  in  ein  schiefriges,  clem 
ersten  Anblicke  nach  an  Talkschiefer  erinnerndes,  nicht  bedeutencl  festes  Gestein 
umgewandelt  ist,  welches  aus  zarten,  blass  gelblichgrauen  Schuppchen  von  Pyro- 
phyllit und  Quarzlagen  oder  gedehnten  Quarzkornern  besteht.    Dass  die  hochst 

12* 


180 


zarten  Schiippchen  nicht  Talk,  sondern  Pyrophyllit  (ein  Zersetzungsprodukt  des 
verfaulten  Orthoklases)  sind,  ergibt  die  Untersucliimg,  indem  dieselben  A1203 
enthalten  und  nach  dem  Verluste  von  *41%  H20  bei  100°  C,  bezogen  auf  das 
lufttrockene  Minerál,  einen  Gliihverlust  von  5*  19%  (aus  */2  g)  erleiden.  Das  Wasser 
entweicht  scbnell  aus  dem  Minerále,  wenn  sich  dasselbe  auch  nicht  aufbláht,  wie 
die  bláttrigen  Yarietáten  desselben  (bei  Talk  wird  das  H20  erst  bei  lange  anhal- 
tendem  Glúhen  verjagt).  Stellenweise  zeigt  der  Pyrophyllitschiefer  keine  Quarz- 
korner,  stellenweise  tritt  das  umgekehrte  Verháltniss  statt.  In  dem  Pyrophyllit- 
schiefer selbst,  oder  in  der  Nahé  der  Quarznester,  die  darin  oft  zum  Vorschein 
kommen,  oder  auch  in  den  Quarznestern  findet  sich  Pyrit  in  Krystallkórnern,  oft 
bis  zur  gánzlichen  Verdrángung  der  Schiefermasse  gedrángt  vor,  meist  aber  in 
einzelnen  Kornchen  zerstreut.  Die  Form  gewisser,  deutlich  krystallisirter  Pyrite  ist 

entweder  co  O  oo  oder  auch  +  deren  grossten  bis  1CD1  im  Durchmesser  breit 

Li 

sind.  Sonst  erscheinen  auch  Einsprengungen  dieses  Minerales.  Alles  Nabere  dariiber 
wird  im  III.  Abschnitte  folgen,  der  dem  Bergbaue  zu  Lukavic  gewidmet  sein  wird. 

Ůbergánge  von  frischen  schiefrigen  Felsitporphyren  in  diese  Pyrophyllit- 
schiefer finden  sich  bie  Skrovád,  indem  sich  in  der  Porphyrmasse  diinne,  parallel 
gelagerte  Membranen  von  schuppiger  Zusammensetzung  zeigen. 

In  schiefrigen  ganz  faulen  graulich  gebleichten  Gesteinen,  von  denen  es 
nicht  sicher  ist,  ob  sie  eine  Phyllitscholle  oder  schiefrige  Felsite  waren,  NO  bei 
Licibořic  sind  nahé  der  Granitgránze  auch  Baue  auf  fíaematitimpraegnationen 
durch  Pingen  angedeutet.    Eine  Bedeutung  díirfte  das  Vorkommen  nicht  haben. 

Im  Syenit  von  Kraskov  (/SO,  von  Ždárec  NNO,  von  beiden  Orten  beinahe 
gleich  weit  etwa  1  km  entfernt)  finden  sich  im  rechten  Ufer  des  Zlatý  potok  in 
dessen  nicht  flachen  Ufern  bedeutende  Nester  eines  Epidotgesteines,  welches  aus 
Quarz,  dichtem  Epidot,  braunem  Granát  in  bis  faustgrossen  Gemengtheilen 
besteht.  In  dem  Epidotgesteine  erscheinen  schwache  weisse  Calcitadern  von  faseriger 
Textur.  Klúfte  des  Syenites  uberzieht  Epidot  in  áhnlicher  Weise  wie  im  rothen 
Granit;  auch  Pyritkrystállchen  fůhren  dieselben.  In  den  Epidot-  oder  Epidot- 
quarznestern  sind  nun  Impraegnationen  von  Magnetit  háufig,  stellenweise  sind 
die  Magnetitkorner  so  gedrángt,  dass  sie  derbe  nesterartige  oder  gangartige  Aus- 
scheidungen  bilden ;  theils  sind  sie  an  Epidot,  theils  an  Granát  gebunden.  Zahlreiche 
kleine  Pingen  von  da  gewesenem  Bergbaue  45)  deuten  die  Richtung  des  Streichens 
dieses  magnetitfuhrenden  Epidot-Granatgesteines  im  Syenit  an,  welche  sich  stellen- 
weise von  O  nach  W  gehend,  erkennen  lásst. 

Der  Titanit  in  diesem  Syenit,  welcher  winzige  Krystállchen  bildet,  der 
aber  auch  in  Biotit-Amphibolgranit  von  Hutě  (b.  Ransko)  und  an  zahlreichen 
andern  Orten  in  Syenit  und  Diorit  vorkommt,  ist  schon  bei  den  betreífenden 
Gesteinen  im  Abschnitte  I.  genannt  worden. 

Die  im  Diorite  und  zwar  in  der  kórnigen  Varietát  desselben,  gleich- 
giltig,  ob  er  echter  Diorit  oder  Uralit-Diorit  sei,  vorkommenden  accessorischen 
Mineralien  wie  Magnetit,  Pyrit,  Pyrrhotin,  Quarz,  werden  hier  nur  dann  enváhnt, 
wenn  sie  in  auffálligerer  Menge  vorkommen,  denn  das  Vorkommen  derselben  ist 
in  gewissen  Fállen  selbstverstándlich. 


181 


Im  Diorite  des  Zuges  Božov-Hořička  (Hiigel)  finden  sich  ausser  beinahe 
durchsichtigen  eiDgewachseuen  Quarzkornern  bis  mehr  als  Erbsengrosse  von  blass- 
bláulichmilchweisser  Farbe,  welche  dadurch  an  Cordierit  erinnern,  noch  Quarze 
in  Krystalldrusen  als  Ausfiilluiig  vou  Kliiften.  Ebendaselbst  und  zwar  in  den 
Hugeln  von  der  Podbožover  Miihle  bis  zum  Hořičkahiigel  sind  in  Kliiften  federkiel- 
bis  beinahe  fingerdicke  Epido tkrystalle,  meist  nur  mit  vollig  entwickelten  hori- 
zontálen Prismenfláchen,  oder  krystallinische  Ůberziige  sehr  háufig.  Der  Epidot 
gehort  iiberhaupt  zu  den  háufigen  Mineralien  im  oder  auf  kórnigem  Diorit,  so 
findet  er  sich  in  Koruchen  im  Epidot  von  Trpíšov;  im  schwarzen,  aus  Blócken 
angeháuften  kleine,  niedrige  Kuppen  bildenden  Diorit  S  von  der  gewesenen  Kies- 
Pochmiihle  bei  Malé  Lnkavice  aber  finden  sich  Amygdaloide  von  Erbsengrosse, 
welche  aus  radialfasrigem  Epidot  bestehen.  Der  ziemlich  kleinkornige  Diorit  fuhrt 
noch  ausgeschiedene  Amphibole  auch  Pyrit,  selbst  bis  in  nussgrossen  Aggregaten, 
etwas  seltener  Pyrrhotinkorner.  Weitere  Epidotfundorter  im  Diorit  werclen  nicht 
aufgezáhlt. 

Ebenso  háufig  findet  sich  in  eingesprengten  Kornern  Pyrit,  Besonders 
reich  an  solchen  Einsprengungen,  welche  selbst  in  den  kleinsten  Brocken  des  Ge- 
steines  nicht  fehlen  und  bis  nussgrosse  Anháufungen  bilden,  ist  der  feinkornige 
Diorit,  welcher  zwischen  Vejsonín,  S  Malé  Lukavice,  dann  ONO  Malé  Lukavice 
lín  Zumberger  Thale,  einen  oder  mehrere  Gangstocke  bildet.  Bei  der  Miihle  in 
Svídnic  finden  sich  in  Dioritaphanit  und  Felsit  bis  2mm  Kantenlánge  messende  Pyrit- 
wíirfel  háufig.  Es  braucht  nicht  eigens  erwáhnt  zu  werden,  dass  der  Ausbiss  des 
Dioritgangstockes  braun  gefárbt  ist. 

Der  Pyrrhotin,  so  háufig  clerselbe  in  Dioriten  in  kleinen  Kornchen 
auftritt,  bildet  in  demselben  doch  nicht  háufig  kórnige  Anháufungen.  Erwálmens- 
werth  ist  ein  Gang  von  schwarzgrunem  mittelkórnigem  Diorit  mit  etwas  Olivin, 
welcher  im  Ransker  Walde,  in  der  Mkolaizeche  nahé  der  Miindung  des  Stollens 
auftritt,  in  Kliiften  stark  braun  gefárbt  ist  und  in  welchem  Pyrrho tinkornchen, 
Pyrit,  seltener  Chalkopyrit  ja  sogar  Arsen  op  yritkornchen  bis  hóchstens 
hanfkorngrosse  so  reichlich  eingewachsen  sind,  dass  sie  einen  bedeutenden  Bruch- 
theil  cler  Gesteinsmasse  ausmachen. 

Durch  den  westlichen  Theil  des  Dorfes  Včelákov  streicht  ein  viele  Meter 
máchtiger,  kleinkórniger,  mit  Pyrit  impraegnirter  Dioritgang  etwa  von  N  nach  S. 
Derselbe  zeigt  sich  in  einen  mit  Wasser  ertránkten  Tagbau  und  Schachteinbaue  im 
Dorfe  selbst,  in  der  Náhe  des  durch  Haematit  gefárbten  Granites.  Aus  dem  Diorite 
wurden  einst  Pyrrhotin,  dann  andere  Erze,  Chalkopyrit 4  6)  und  G  a  1  e  n  i  t  ge- 
wonnen.  Es  kann  uber  die  Art  des  Yorkommens,  nachdem  keine  Anhaltspunkte  mehr 
vorliegen,  kein  Urtheil  abgegeben  werden,  wahrscheinlich  waren  es  Nester  und 
Impraegnationen.  Der  Pyrrhotin  kam  in  bis  faustgrossen,  derben,  etwas  schalig  aus- 
gebildeten  Massen  vor,  welche  als  unverwendbar  galten,  da  aus  den  Haldenstiicken 
Gartenmauern  aufgefiihrt  wurden.  Dass  auch  Galenit  hier  gewonnen  und  daselbst 
verschmolzen  wurde  und  wahrscheinlich  das  eigentlich  werthvolle  Minerál  dieses 
Bergbaues  vorstellte,  von  dem  die  Daten  so  diirftig  sind,  folgt  daraus,  dass  im 
Wege  nach  starken  Regen  noch  Bleitropfen  als  Reste  der  gewesenen  Schmelzwerke 
aufzufiuden  waren. 


182 


An  der  Ohebka  u.  zw.  im  linken  Ufer  finden  sich  in  kleinkornigen  Dioriten, 
die  mit  Syeniten  und  Syenitgraniten  die  rothen  auch  grauen  Granite  hier  durch- 
setzen,  besonders  zwischen  Řeka  und  Mezisvétí  S  unter  Křižanovic  (NW  Nassaberg) 
im  Ufer  selbst  Pik  roli tuberzuge  (Serpentin)  in  dúnnen  Kliiften.  Da  Pikrolit  nur 
in  Serpentinen  zu  treffen  ist,  so  ist  dieses  Vorkommen  bemerkenswerth.  Bei  Řeka 
findet  sich  in  kornigen  Dioriten  kleinkorniger  Chlorit  in  kleinen  Hóhlungen 
und  Kluftchen. 

In  Zersetzung  begriífene  Diorite  bei  Ransko,  sowie  Diabas  bei  Chrtník 
fúhren  in  Kliiften  spáthigen  Calcit  háufig. 

Die  aphanitische  Ausbildung  des  Diorites  der  Chlorit-Epidot-Diorit  fiihrt 
in  Mandeln  bis  zu  Nussgrósse  dichten  Epidot,  wie  S  bei  Lhota  (W  Choltic). 

Im  Corsite  sind  nur  die  grósseren  Ausscheidungen  vonAnorthit  erwáh- 
nenswerth,  wie  sich  solche  neben  grósseren  Amphibolnestern  bei  Mladotic  finden. 
Es  lassen  sich  sogar  Formatstůcke  schlagen,  welche  beinahe  durchwegs  aus  reinem 
weissen,  durchscheinendem,  grobkornigem  Anorthit  bestehen.  In  allem  anderen 
wird  auf  den  Corsit  pag.  150  verwiesen. 

Im  Gabbro  von  Vinařic  sind  nebst  dem  schon  erwáhnten  Pyrrhotin  auch 
kleinkornige  Chlorite  und  Plagioklaskrystalle  in  Gangklůftchen  háufig. 

Der  Serpentin,  welcher  in  einer  unbedeutenden  stockformigen  Masse 
in  Mladotic  (einige  Schritte  NW  der  Muhle)  licht-  bis  diistergraugrun  gefárbt, 
grobbankformig  abgesondert,  unter  dem  Rašen  ziemlich  zersetzt  vorkommt,  enthált 
noch  kleine  Olivinkórnchen.  Nebstem  aber  Bronzit  in  krystallinischen  kleinen 
Kornern  und  Chromit  in  winzigen  Kornchen  eingewachsen.  Der  etwas  zersetzte 
Serpentin  unter  dem  Rašen  fiihrt  weisse  M  a  g  n  e  s  i  tknoten  unci  Ůberziige ;  frischere 
Gesteinsbánke  sind  durch  fingerdicke  Schniire  von  spáthigem  Calcit  durchzogen, 
andere  wieder  durch  Gymnit  von  schmutzig  gelblichgriiner  Farbe  ausgefúllt. 
Der  an  den  Kanten  schwach  durchscheinende,  schimmernde,  fettglánzende,  ziemlich 
leicht  zerbrockelnde  und  unvollkommen  muschlig  brechende,  mit  zahlreichen 
schwarzen  Psilomelankluftchen  durchtriimmerte  Gymnit  hat,  rein  ausgesucht 
das  sp.  G.  von  2*4400  (aus  1*23  g).  Er  ist  mit  zahlreichen  mikroskopischen 
Poren  durchzogen,  da  er  im  Wasser  bedeutende  Mengen  von  Luftbláschen  ent- 
wickelt.  Das  hier  gefundene  spec.  Gew.  ist  gegeniiber  den  sonst  fůr  Gymnit 
angegebenen  Zahlen  von  P94 — 2*31  zu  gross,  was  vielleicht  auf  den  oberwáhnten 
Umstand,  der  nicht  bei  allen  Gymniten  sich  einstellt,  zurúckzufiihren  sein  diirfte ; 
moglich  dass  dies  auch  auf  andere  Verunreinigungen,  welche  in  amorphen  Zer- 
setzungs-Mineralien  so  háufig  vorkommen,  bezogen  werden  kanu.  Manche  der 
erwáhnten  Calcitadern  in  etwas  frischerem  Serpentin  enthalten  in  der  Mitte  eine, 
wenige  mm  dicke  Lage  von  grunlichgrauem  Gymnit,  der  demnach  erst  nach  erfolgter 
Calcitbildung  die  Adern  ausfiillte. 

Unter  dem  Rašen  ist  stellenweise  der  Serpentin  ganz  in  einen  gymnitischen 
zersetzten  Serpentin  umgewandelt,  in  welchem  kleine  Nester  von  weissem  Quarz, 
eines  im  zersetzten  Serpentin  so  seltenen  Minerales  aufgefunden  worden  sind.  An 
den  Beriihrungsstellen  mit  den  Quarznestern  finden  sich  in  dem  zersetzten  Serpentin 
grune  Schuppen,  die  man  sonst  als  Chlorit  zu  bezeichnen  pflegt,  welche  aber  auch 
Pennin  oder  Talk  sein  kónnten. 


183 


Die  aus  schmutzig  graubraimem,  oberfláchlich  etwas  luckigem  Serpentin 
bestehende  bewaldete  Kuppe  voň  Ransko,  um  welche  ein  Troktolit-,  dann  ein 
Corsitring  die  Serpentinbegránzung  bilden,  enthált  trotz  der  Entstelmng  des  Serpen- 
tines  aus  Olivin  doch  wenig  fur  den  Serpentin  charakteristische  Mineralien.  Viel- 
leicht  ist  die  Umwandlung  des  Serpentins  schon  eine  zu  bedeutende.  Nur  Kluftchen 
mit  dichtem  Magnesit  und  mit  Pikrolit  sowie  Marmolit  zeigen  sich  in  demselben, 
wie  an  der  Malá  louka  auf  der  Kuppe.  Auch  langfaseriger  Chrysotil  soli  im  fri- 
scheren  Serpentin  unter  der  Erzdecke  in  der  Nikolaizeche  vorgekoramen  sein. 

Besonders  bemerkenswerth  fur  den  Serpentin  ist  dessen  Ůberlagerung 
durch  Decken  von  erdigem  oder  oolithischem  L  i  m  o  n  i  t,  dessen  Máchtigkeit  etliche 
Meter  betrágt.  Es  sind  diese  ausgedehnten  Limonitdecken  ein  Gegenstand  sehr 
regen  Bergbaues  gewesen  und  wird  das  Náhere  dariiber  im  III.  Abschnitte  folgen. 

Mineralien  der  jíingeren  an  das  Eisengebirge  sich  anlehnenden 

Schichten. 

In  der  Insel  von  permischen  Sandsteinen  und  Conglomeraten  von  theil- 
weise  lockerem  Zusammenhange  sind  bei  Nouzov  am  NO  Fusse  der  Kanková  hora 
(NW  Seč)  Nester  von  dichtem  Quarz,  Hornsteine  námlich,  von  rothlichen  oder 
bráunlichen  Farben  zu  finden.  Dieselben  liegen  zerstreut  im  Walde  und  stammen 
aus  aufgelosten  Schichten. 

In  den  Schichten  des  Kreidesystems,  welche  das  Eisengebirge  umfassen, 
finden  sich  Mineralien  vornehmlich  in  den  tiefstem  limnischen  Schichten  der  unter- 
cenomanen  Stufe  (Perucer  Schieferthone).  Wo  diese  tiefsten  Schieferthonschichten, 
die  zu  Thon  zergehen,  allein  oder  mit  zu  Sand  oder  Kies  zerfallenen  Resten  der 
uber  ihnen  lagernden  Quadersandsteine  (Perucer  Quader)  zu  Tage  treten,  dort  finden 
sich  oberfláchlich  kleine  Nester  von  thonigem  Lim  o  nit  zerstreut.  Diese  Limonite 
bilden  Knauer,  dann  Impraegnationen  in  dem  Thon  oder  in  eingelagerten  Sand- 
steinlagen  und  diirften  friiher  Sphaerosiderit  gewesen  sein.  In  dem  Rande  der 
tiefsten  Schichten  des  Kreidesystems,  welche  im  Bogen  von  Načešic,  Vlastějov  etwa 
iiber  Vyžic  nach  Kostelec  (SW  Heřmanměstec)  sich  schleppen,  sind  derartige  Erz- 
anháufungen  durch  bis  6m  tiefe  Scháchtchen  (Duckeln)  zahlreich  aufgeschlossen 
und  unter  der  nicht  máchtigen  weissgrauen  Thonlage  gegraben  worden  4 ;). 

In  dem  Gehánge  zwischen  Kostelec  und  Skutíčko  (bei  Skuč)  sind  diese 
tiefsten  untercenomanen  sandigen  Schieferthone  und  durch  Erze  impraegnirte  Sand- 
steinlagen,  mit  Haematit  und  Limonitknauern  rothlich  gefárbt,  dariiber  folgen 
erst  die  weissen  oder  graulichen  Schieferthone  und  Sandsteine,  in  welchen  sich 
Schmitze,  Lagen  und  Nester  von  Schwarzem  Lignit  finden.  Meist  stellen  die 
Lignitnester  die  Form  von  verdrúckten  Baumstriinken  manchmal  als  Protopteris 
erkennbar  vor,  sind  sehr  rein,  muschlig  brechend,  glánzend,  demnach  dem  Gagat  etwas 
áhnlich.  Leider  ist  das  Vorkommen  dieser  Nester  von  Braunkohle  ohne  jeden  prak- 
tischen  Werth.  Zahlreiche  Schurfungen  auf  diese  schwachen  Nester  haben  dieselben 
bei  Skutíčko,  Peralec,  (OSO  Richenburg)  in  der  sůdwestlichen  Terasse  des  Okrou- 
hlíkberges  bei  Hlubokov  (S  Kreuzberg),  V/2  km  SO  von  Vojnoměstec  nachgewiesen. 


184 


Wo  die  Schiehten  des  Kreidesystems  jetzt  gánzlich  vorschwunden  siud,  finden  sich  in 
geschiitzten  Lagen  in  Vertiefungen  oder  in  Gesteinskliiften  noch  Reste  der  Limonite 
als  Bindemittel  von  Sand-  oder  Geschiebkórnern,  von  Quarz  oder  Phyllit,  wie  dies 
den  allertiefsten  untercenoraanen  Schichten  entspricht,  vor.  Solche  Erznester  und 
Knaner  sind  in  der  Čertovina  (NO  Hlinsko)  auf  Lyditen  und  Phylliten  zu  íindeu, 
indem  daselbst  jede  andere  Spur  der  gewesenen  Ůberlagerung  durch  Kreicleschichten 
verschwunden  ist. 

In  der  Náhe  der  aus  Baumstriinken  bestehendeu  Kohlenschmitze  fanděn 
sich  in  den  dunkel  gefarbten  Schieferthonen  in  Skutíčko,  als  daselbst  vor  Decennieu 
noch  geschiirft  worden  ist,  halbdurchsichtige ,  dunkel  honiggelbe  bis  bráunlich 
hyacinthrothe,  ziemlich  feste,  muschlig  brechende  bis  kindskopfgrosse  Knollen  von 
Succinit  vor,  welche  nur  oberfláchlich  unter  der  sandigen  Thonhiille  etwas 
matter  gefárbt  erscheinen. 

In  den  weissen  Schieferthonen  unci  Thonen  —  die  ebenfalls  fingerdicke 
Limonitpláttchen  einschliessen  —  in  welchen  die  Kohlennester  in  Peralec  eingelagert 
sind,  erscheinen  bis  nussgrosse  Marka  si tkrystallgruppen.  Einzelne  Fláchen  der  bis 
erbsengrosse  Krystalle  von  der  Form  Pco  .Pgo  oP  erscheinen  durch  kleinere  Pyrit- 
krystalldrusen  aus  einzelnen  parallel  verwachsenen  Krystallen  der  Form  O  ůber- 
kleidet.  — 

In  clem  tertiaeren  Basalt  und  der  Basaltwacke  von  Košumberg,  welche  noch 
auf  die  Kartě  des  Eisengebirges  fallen,  finden  sich  bis  haselnussgrosse  Olivinkorner. 

Die  allerjungsten  tertiaeren,  das  ist  die  alluvialen  Bildungen  sind  der 
Calcit  als  Kalktuíf  in  Decken  gelagert  unter  der  Dammerde  im  Žehušicer  Parke 
(NON  Čáslau)  unci  der  Fi ch  te  li t  zu  erwáhnen.  Letzteres  Minerál  findet  sich  in  den 
Kluften  der  Wurzelstocke  des  nur  wenig  nachgedunkelten  Holzes  der  Pinus  uligi- 
nosa  Neum.  (Pinus  obliqua  Suter)  in  dem  Radostíner  Torflager  (S  Vojnoměstec). 
Die  erwáhnte  Pinusart  wáchst  jetzt  noch  an  diesen  Stellen.  Die  meist  den  Jahres- 
ringen  nachgehenden  Klufte  des  Wurzelstockes  enthalten  die  diinnen  lamellenartig 
krystallinischen  Krusten  des  weissen  bis  graulichweissen  Fichtelites. 

Die  Sandanschwemmungen  des  Zlatý  potok  fuhren  unter  Kraskov  Geschiebe 
von  Rutil,  Tur  malin,  Granát,  Pyrop,  deren  urspriiugliche  Lagerstatte  nicht 
bekannt  ist,  obwohl  sie  nur  aus  der  Thalweitung  N  von  Seč  stammen  konnen. 


ANHANG. 


IIÍ. 


Das  Vorkommen  von  eiuigen  Lagerstátten  nutzbarer  Mineralien 

im  Eisengebirge. 

Bergbau  wird  im  Eisengebirge,  námlich  in  dessen  £0-Fortsetzung  nur  in 
Lukavic,  dann  aber  auch  bei  Ransko  —  hier  orographisch  schon  in  der  Gneus- 
hochebene  des  óstlichen  Bohmen,  jedoch  sehr  nahé  dem  Eisengebirge  —  gefiihrt. 
An  ersterem  Orte  ist  es  Pyrit,  an  letzterem  Limonit,  welche  den  Gegenstand  des 
Bergbaues  bilden  und  schon  desshalb  eine  náhere  Beschreibung  verdienen,  weil 
die  Kenntnisse  uber  beide  Lagerstátten  bisher  mangelhaft  waren. 


Der  Pyrit  (Kies)-  Bergbau  zu  Lukavic. 

In  der  Umgebung  von  Lukavic  herrschen  schiefrige  Felsitporphyre  vor. 
Dieselben  treten  in  Entblossungen  oder  im  Bachláufen  vornehmlich  an  der  Ohebka 
zu  Tage,  werden  N  von  Velké  Lukavice  durch  Schichten  des  Kreidesystems 
verdeckt  und  schliessen  selbst  Stocke  von  pyritfuhrendem  Diorit  ein.  Stelienweise 
sind  die  schiefrigen  Felsitporphyre,  deren  petrographische  Beschreibung  schon  im 
II.  Abschnitte  pag.  117.  gegeben  wurde,  als  Felsite,  theils  als  schiefrige  Felsite 
entwickelt.  Im  Ohebkabacheinrisse  zwischen  S  vid  nic  und  Škrovád  sind  dieselben 
dadurch  in  halber  Metamorphose  begriffen,  dass  in  denselben  zařte  schuppige  Flasern 
von  Pyrophyllit  auftreten,  wodurch  die  Schichten  und  Bánke  daselbst  noch  mehr 
deutlich  schiefrig  werden.  Das  Verfláchen  der  Schichten  und  Bánke  des  Felsit- 
porphyres,  sowohl  des  ganz  frischen,  wie  er  sich  knapp  N  hinter  der  Lukavicer 
Fabrik  zeigt,  als  auch  des  in  anfangender  Umwandlung  durch  Hinzutreten  von 
zarten  Pyrophyllitschuppchen  beíindlichen,  wie  er  sich  gut  entblósst  in  der  Bach- 
schlucht  der  Ohebka  (SW  von  Velké  Lukavice)  zeigt,  ist  ein  vorherrschend 
ostliches  nach  63/4h — Sll^h  gerichtet  zwischen  35° — 50°  schwankendes.  Stelien- 
weise ist  das  Verfláchen  ein  ziemlich  steiles,  von  50 — 75°  und  das  meist  an  den 
Gesteinsgránzen,  sonst  aber  ein  mittleres. 


188 


Sámmtliche  hier  vorkommende  Gesteine  sowohl  Porphyre  als.auch  Diorite, 
ebenso  die  an  den  Gránzen  mit  dem  Granit  allenfalls  in  den  Eruptivgesteinen 
eingehiillten  Schollen  von  geschichteten  Schiefergesteinen  sind  mit  Pyrit  in  unter- 
schiedlicher,  aber  nirgends  (bis  auf  gewisse  Diorite),  in  bauwiirdiger  Menge  im- 
praegnirt  und  an  den  Gesteinsgránzen  und  in  Klúften,  sowie  an  Stellen,  wo  sie 
etwas  angegriffen  erscheinen,  vornehmlich  am  Ausbisse  rostbraun  gefárbt  oder  braun 
impraegnirt.  Die  Gesteine  mit  dem  zersetzten  Pyrit  werden  faul,  kurzkliiftig,  briichig 
und  brockelig;  die  durch  Zersetzung  des  Pyrites  gebildeten  Eisensulphate  aber, 
welche  der  Regen  abspiilt,  setzen  an  den  grossen  Geróllsteinen  des  Ohebkabaches 
von  Práčov  an  abwárts  Limonitháute  ab,  wesshalb  das  Bachbett  aus  oberfláchlich 
braun  gefárbten  Geróllsteinen  bestelit. 

Im  Dorfe  Gross-Lukavic  ist  kein  scliiefriger  Felsitporphyr  entblosst,  weil 
derselbe  hier  in  ein  gánzlich  umgewancleltes  Gestein  verándert  ist.  Es  kommt 
hier  námlich  Pyrophyllitschiefer  als  Stock  ohne  scharfe  Gránzen  im  Felsitporphyr 
zum  Vorschein,  welcher  durch  allmáhlige  Ůbergánge  in  denselben  úbergeht.  Der 
pyrophyllitháltige  Felsitporphyr  des  Svídnicthales  stellt  ein  solches  Ůbergangsglied 
in  schiefrigen  Felsitporphyr  vor.  Unter  Lukavic  waren  also  die  Yerháltnisse,  welche 
die  gánzliche  Metamorphose  des  schiefrigen  Felsitporphyres  in  Pyrophyllitschiefer 
durch  Zuhulfenahme  von  Wasser  bedingten,  die  giinstigsten.  Der  Umfang  dieses 
zu  Pyrophyllitschiefer  verfaulten  Porphyres,  welcher  als  Stock  keine  scharfen 
Gránzen  zeigt,  ist  kein  bedeutender,  seine  Mitte  diirfte  im  Dorfe  selbst  liegen. 
An  den  Pyrophyllitschiefer  ist  der  Bergbau  auf  Pyrit  gebunden;  je  mehr  man  sich 
von  dem  Pyrophyllitschiefer  gegen  den  Felsitporphyr  náhert,  was  nur  in  dem 
Ůbergangsgesteine,  in  welchem  Feldspáthe  zunehmen  geschieht,  desto  unregelmás- 
siger  vertheilt  sich  der  Pyritgehalt  im  Gesteine,  bis  er  endlich  bloss  als  Impraeg- 
nation  erscheint. 

In  den  Schiefern  von  Lukavic  ist  nun  die  Pyritlagerstátte.  Dieselbe  streicht 
genau  so  wie  die  Schiefer,  verflácht  mit  den  Schiefern  nach  63/4  bis  7*/4  unter  G5° 
bis  hochstens  75°,  im  Mittel  unter  etwa  70°. 

Die  Schiefer  von  Lukavic  kann  man  durch  Bergbau  aus  der  Tiefe  frischer 
und  unveránderter  erhalten,  als  von  der  Tagesoberfláche.  Dieselben  sind  ziemlich 
quarzig,  jedoch  nicht  bedeutend  fest,  da  der  Quarz  in  denselben  keine  zusammen- 
hángenden  Pláttchen  oder  Lagen,  sondern  nur  kleinere  oder  gróssere  Nester  in 
der  TUchtung  der  Schichtung  und  Schieferung  bildet.  Der  Quarz  ist  licht  weiss 
und  hochst  feinkornig. 

Dem  Anschein  nach  wurde  man  die  Schiefer  sogleich  als  Talkschiefer 
bezeichnen;  sie  glánzen  so  perlmutterartig  wie  Talkschiefer,  fárben  ab,  haben  ein 
fettiges  Anfiihlen  und  sind  schwach  gelblichgrau  oder  schmutzig  weiss  bis  rein 
weiss  wie  Talkschiefer.  Trotzdem  sind  sie  nicht  Talkschiefer,  sondern  ein  zersetztes 
umgewandeltes  Porphyr- Gestein,  in  welchem  der  Quarz  unverándert,  die  andern 
Gemengtheile  aber  in  Pyrophyllit  zersetzt  oder  auch  pseudomorphosirt  worden 
sind,  wesshalb  das  Gestein  nicht  so  bedeutend  fest  erscheint. 

Die  weissen  Schíippchen,  oder  die  schmutzig  weissen,  diinnen,  an  den 
Kanten  kaum  durchscheinenden,  kurzen,  gewundeneu  weichen  Lagen,  welche  die 


189 


gedehnteii  Quarzkórner  von  einander  trennen,  sind  Pyrophyllit,  der  Schiefer  dem- 
nach  ein  Pyrophyllitschiefer. 

Der  Nachweis  der  Pyrophyllitnatur  des  talkáhnlichen  Minerales  wurde 
schon  bei  der  Aufzáhlung  der  Mineralien  des  Eisengebirges  im  Abschnitte  ÍL 
pag.  179.  gegeben. 

Weil  das  Pyrophyllitgestein  im  Vergleich  zum  Felsitporphyr  oder  zum 
pyrophyllitháltigen  schiefrigen  Porphyr  verháltnissmássig  weniger  fest  ist,  so 
beisst  es  nirgends  zu  Tage  aus,  und  kommt  nur  in  der  schwachen  Depression  von 
Gross-Lukavic  vor. 

In  diesem  metamorphischen ,  quarzháltigen  Schiefer  (Pyrophyllitschiefer) 
kommen  lenticuláre  Nester  von  weissem  Quarz  und  zwar  in  gewissen  Schichten 
háufiger  als  in  anderen  vor  und  liegen  dieselben  demnach  zur  Schichtung  parallel. 

Im  Pyrophyllitschiefer  selbst  oder  in  der  Náhe  der  Quarznester,  oder  auch 
in  den  Quarznestern  findet  sich  uberall  Pyrit,  entweder  in  kleinen  Kórnchen  ein- 
gesprengt  oder  in  kleinen  Krystallen  der  Form  co  Oco  eingewachsen.  Man  wird  selten 
ein  ganz  pyritfreies  Schieferstiick,  das  aus  der  Grube  stammt,  finden.  Es  sind  also 
nur  einige  Schichten  reicher  mit  Pyrit  durch wach sen.  In  diesen  mit  Pyrit  reich- 
licher  durch wachsenen  Schichten  finden  sich  parallel  zur  Schichtung  und  Schie- 
ferung  reichere  lenticuláre  oder  echte  Lager  von  Pyrit,  welche  den  Schiefer  nicht 
selten  ganz  verdrángen  und  dann  viele  kurze  Lager  von  unbedeutender,  bis  zu 
einer  Máchtigkeit  von  selbst  2/3  Meter  ja  beinahe  selbst  ein  Meter  bilden.  Zumeist 
sind  die  kurzen  Lager  von  geringerer  Máchtigkeit  háufiger,  als  die  bedeutend 
máchtigen.  Diese  kurzen  Lager  bestehen  entweder  vorherrschend  aus  Pyrit  mit  nur 
ganz  wenig  eingeschlossener  Schiefermasse,  clemnach  aus  reicher  Impraegnation 
oder  bei  gánzlicher  Verdrángung  des  Pyrophyllitschiefers  durch  derbes  Erz  in  der 
Richtung  der  Schieferung  (Schichtung)  aus  reinem  grosskornigen  Pyrit,  der  unter 
gůnstigeren  Verháltnissen  eingewachsene,  dann  und  wann  selbst  1  cm  grosse  und 

noch  grossere  Krystalformen  -|-  00  ®^  annimmt. 

Die  kurzen  lenticuláren  Lager  von  Pyrit  im  pyritischen  weissen  Pyro- 
phyllitschiefer wieclerhoíen  sich  iibereinander,  demnach  sowohl  in  der  Richtung 
der  Máchtigkeit  der  Schichten,  als  auch  dem  Streichen  und  Verfláchen  nach.  Dem 
Streichen  nach  ist  die  erzfuhrende  Zone  auf  etwa  200  Meter  bauwiirdig  und  reich- 
háltig  bekannt;  dem  Verfláchen  nach  noch  unbekannt,  weil  selbst  die  grosste  jetzt 
erreichte  saigere  Tiefe  von  uber  160  Meter  erzhaltig  ist.  Fig.  15,  16,  17,  18  ver- 
sinnlicht  das  Erzvorkommen  der  Schiefer;  die  drei  ersten  Streckenorter  fig.  15, 
16,  17  mit  der  Erzfullung  der  Lagerstátte  sind  aus  tieferen  Horizonten  der  Grube 
(7.,  6.,  5.  Lauf);  die  Fig.  18.  stellt  ein  Abbauort  aus  einem  hoheren  Horizonte 
(1.  Lauf)  vor. 

Es  handelt  sich  um  die  Bezeichnung  der  Lagerstátte:  Die  Erze  treten 
wohl  als  unbauwiirdige  lmprágnation  in  Schichten  von  Schiefer  auf,  zwischen 
denen  und  in  denen  kurzere  oder  lángere  Lager  von  reich  en  Imprágnationen  oder 
selbst  derbem  Erz  zum  Vorschein  kommen.  Demnach  ist  die  ganze  Lagerstátte 
sowohl  den  Lagerungsverháltnissen  als  auch  der  Bildung  nach  ein  Lager  oder 
mehrere  Lager. 


190 


Die  Lagerstátte ,  welche  aus  ein- 
zelnen  kurzen  also  leuticuláren  Lagern  oder 
Nestern  von  Finger-  bis  Meterdicke  besteht, 
kónnte  foiglich  entwecler  als  ein  Lager, 
welches  aus  vielen  Lenticulár-Bánkeu  mit 
tauben  (durch  Pyrit  nur  imprágnirten)  Zwi- 
schenmitteln  besteht,  oder  falls  man  auf  die 
bedeutendere  Máchtigkeit  der  gauzen,  solche 
Lagerbánke  fiihrenden  Zone  Rucksicht  nimmt^ 
auch  als  Lagerstock  gedeutet  werden.  Die 
Bildung  der  Erzlagerstátte  ist  diejenige  eines 
Lagers,  denu  die  derben,  oder  als  reiche  Im- 
praegnation  zwischeu  den  Pyrophyllitschiefern 
eingelagerten  Erzbánke  sind  mit  dem  Pyro- 
phyllitschiefer  zu  gleicher  Zeit  entstanden. 
Freilich  ist  der  Pyrophyllitschiefer  selbst 
kein  urspriingliches,  sondern  ein  aus  dem 
ursprunglichen  schiefrigen  Felsitporphyr  ent- 
standenes  Gestein,  in  welchem  sowohl  die 
Pyrophyllitschuppen  wie  die  Quarzkorner  als 
die  lenticuláren  Quarzuester  Reste  oder  Zer- 
setzungsproducte  der  Gemengtheile  des  Por- 
phyres  entstanden  sind.  Die  Pyritanháufungen 

Fig.  18. 


x/l0o ;    1  Centimeter  =  1  Meter 


verdanken  die  Entstehung  den  urspriinglich  in  den  Porphyren  in  geringer  Menge 
als  eingewachsen  vorhanden  gewesenen  Erzpartikelchen,  welche  also  als  regene- 
rirter  Pyrit  den  Ort  gewechselt  und  sich  lagerartig  neu,  und  in  mehr  angeháuften 
Parthieen  wieder  gebildet  haben. 

In  den  oberen  Horizonten  des  Bergbaues,  so  zwischen  dem  1.  und  2.  Laufe 
(bis  40m  Tiefe)  ist  clas  Verfláchen  der  Schichten  und  Lagerbánke  nur  65°,  wáhrend 
es  zwischen  dem  6-8.  Laufe  (110— 165m  Tiefe)  75°  betrágt.  In  den  oberen 
Horizonten  sind  die  Lagerbánke  einander  ziemlich  genáhert  wie  es  die  Fig.  18 
einer  Abbaustrasse  versinnlicht.  Dieselben  werden  mit  der  ganzen  Breite  der  Abbau- 
strasse,  also  in  der  ganzen  Máchtigkeit  von  bedeutend  liber  6m  abgebaut.  Es  kónnte 
hier  die  Lagerstátte  von  mehr  als  6m  und  noch  bedeutend  daniber  als  Lager- 
stock bezeichuet  werden.  —  In  den  tieferen  Láufen  aber  wird  das  gesammte 


Fig.  15.  Fig.  16. 


1  cm  —  1  m.  1  cm  —  1  m. 


Fig.  17. 


Vioo  1  cm  ~  1  m. 


Derber  Pyrit  Quarz  Pyropliyllit-Schiefer 


191 


Berg-Mittel,  welches  die  Erzbánke  fíihrt,  máchtiger,  ober  die  einzelnen  bau- 
wiirdigen  Bánke  (Lagerbánke)  entfernen  sich  mehr  von  einander;  in  Folge  dessen 
werden  die  Zwischenmittel  bedeuteuder  und  es  konnen  demnach  die  einzelnen 
Lagerbánke  nur  fiir  sich  abgebaut  werden,  wie  solche  einzelnen  Lagerbánke  die 
Figuren  15,  16,  17  zeigen.  Die  Verengung  des  bauwurdigen  Theiles  des  Stockes 
betrágt  vom  7—8.  Lauf  l1^151?  es  ist  also  ein  echtes  Lager.  Freilich  treten  dann 
mehrere,  durch  etwas  máchtigere  mit  spárlicheren  Pyritlinsen  durch setzie  oder 
durch  Pyrit  impraegnirté,  jedoch  unbauwurdige  Zwischenmittel  getrennte  Lager  zum 
Vorschein.  Quarznester  mit  oder  ohne  Pyritimpraegnation  begleiten  die  lenticu- 
láren  Lagerbánke  oder  Lagernester  des  Pyrites  durchwegs. 

Die  Erzlagen  (Lagernester)  keilen  sich  meist  bald  aus,  nehmen  auch  oft 
plótzlich  an  Máchtigkeit  zu  oder  zerstreuen  sich  in  Impraegnationen.  Háufig  sind 
dieselben  gewunden,  oft  stark  gewunden,  gerade  so  wie  die  schlúpfrigen  nachgie- 
bigen  Pyrophyllitschieferschichten. 

Kurze  Verwerfungen  findet  man  nicht  háufig,  weil  der  sehr  nachgiebige 
schlúpfrige  Schiefer  sich  leichter  unter  dem  Drucke  windet,  als  dass  er  reisst; 
lángere,  und  zugleich  bedeutende  Verwerfungskliifte  sind  wohlbekannt  und  mit 
gar  leicht  schlupfrigem,  rutschendem,  zermalmtem  weissem  Schiefer  ausgefiillt. 
Dieselben  haben  auf  die  Erzlagerstátte  keinen  sonderlichen  Einfluss. 

Die  Bergbauverháltnisse. 

Das  Lager  ist  durch  eine  Fláche  von  6  einfachen  Grubenmassen  belehnt ; 
durch  einen  von  der  Chrudimka  aus  dem  Liegenden  ins  Hangende  getriebenen 
Stollen  von  1593  Meter  Lánge,  welcher  223/4  Meter  Saigerteufe  einbringt,  und 
dann  durch  drei  Scháchte  aufgeschlossen.  Alle  drei  Scháchte  sind  Saigerscháchte 
und  im  Hangenden  des  Lagers  angelegt. 

Der  Hauptrichtschacht  ist  als  Bartholomei-Forderschacht  mitten  im  Dorfe 
Gross-Lukavic  knapp  nordlich  an  der  nach  Bytován  fiihrenden  Strasse  in  geringen 
lichten  Dimensionen  angelegt,  durch  8  Láufe  mit  dem  Lager  verbunden  und  163 
Meter  tief.  Am  Scháchte  steht  ein  zweipferdiger  Pferdegóppel  fiir  Tonnenforde- 
rung  eingerichtet. 

Ueber  100  Meter  siidlich  vom  Fórderschacht  ist  der  mit  einem  oberschlách- 
tigen  Wasserrad  versehene  Kunstschacht,  der  auf  den  dritten  Lauf,  66V3  Meter 
tief,  herabgeht.  Noch  etwas  weniges  súdlicher  ist  der  auf  den  Stollenhorizont, 
223/4  Meter,  abgeteufte  Wetterschacht. 

Der  Stollen,  welcher  die  Grube  von  Wássern  lost,  ist  nicht  befahrbar,  da 
derselbe  so  eng  gewolbt  ist,  dass  nur  hagere  Burschen  durchschlupfen  konnen. 

Die  8  Láufe,  welche  in  Saigerabstánden  von  20  Meter  unter  einander 
folgen,  sind  mit  dem  Fórderschachte  durch  Querschláge  verbunden,  der  erste  Lauf 
oder  der  Stollenhorizont  ist  unter  dem  Schachttagkranz  223/4  Meter,  der  dritte 
66V3  Meter,  der  fůnfte  1041/3  Meter,  der  siebente  tiefst  zugángliche  138*4  Meter. 
Der  achte  Lauf  163  Meter  tief,  ist  ertránkt. 


192 


Im  Lager  sind,  je  tiefer  desto  unregelmássigere  Strecken  getrieben,  was 
clas  Vorkommen  der  Lagerstátte  charakterisirt,  indem  die  einzelnen  bauwurdigen 
Lagerbánke  von  einander  entfernter  stehen,  die  Aufschlussstrecken  auch  von  einer 
vertaubten  Lagerbank  querschlágig  oder  schief  auf  eine  andere  ansetzende  Bank 
iibergehen,  wodurch  die  Unregelmássigkeit  bedingt  wird.  Durch  Gesenke,  in  welchen 
Haspelfórderung  stattfindet,  werden  die  Laufe  unter  einander  verbunden.  Der 
Aufschluss  und  die  Ausrichtung  des  Lagers  ist  besonders  in  der  Tiefe  unvoll- 
kommen. 

Der  Abbau  ist  ein  Firstenstrassenbau ;  die  Firstenstrassen  hatten  in  den 
oberen  Bauen,  wo  das  Lager  máchtiger  war,  bedeutencle  Breite  und  sind  die- 
selben  sogleich  nach  dem  Abbau  versetzt  worden,  so  dass  keine  Kastenzimmerung 
nóthig  war. 

Die  Strecken  stehen  trotz  der  Milde  des  Gesteins  ausserordentlich  gut, 
meist  ganz  ohne  Zimmerung,  ebenso  die  Firstenstrassen,  was  dem  Mangel  an 
eigentlichen  zusitzenden  Wássern  zuzuschreiben  sein  diirfte;  denn  die  Kunst  besorgt 
nur  die  Hebung  der  in  den  oberen  Horizonten  sickernden  Tagwásser. 

Auch  bedeutende  áltere  verhaute  Zechen  stehen  ganz  gut  ohne  Verbruch. 
Bei  einer  bedeutenderen  Wasserlássigkeit  diirfte  das  Gestein  aber,  insbesondere 
an  den  schliipfrigen  Verwerfungskliiften  ziemlich  druckhaft  erscheinen. 

Die  Wasserhaltung  besorgt  ein  enges  oberschláchtiges  Wasserrad  von 
7*6  Meter  Durchmesser,  auf  welches  das  Aufschlagwasser  durch  eine  geneigte 
Holzróhre  aus  einer  fur  die  Fabrik  bestimmten  Wasserleitung  von  Radochlín 
(Libáň)  zugeleitet  wird.  Der  Kraftaufwand  ist  3  Pferdekráfte.  Die  wenigen  Wásser 
heben  zwei  Plungerpumpen,  eine  am  dritten  und  die  andere  am  zweiten  Lauf  bis 
auf  die  Stollensohle.  Das  Gestánge  ist  ein  Drahtseil,  mit  einem  Gewicht  von  280  Kg 
belastet.  Die  Plunger  sind  ganz  von  Hartblei  11*85  cm  im  Durchmesser  und  von 
3T6  cm  Hub.  Die  Steigróhren  sind  von  Blei.  Die  Grubenwásser  (Tagwásser)  sind 
ziemlich  sauer  und  wiirden  Eisenbestandtheile  bald  unbenutzbar  machen. 

Der  Stancl  der  Arbeiter  ist  im  Jahre  1874  gewesen:  etwa  43  Háuer  und 
30  Fórderer.  Die  Háuer  haben  ein  Geding  von  32  fl.  6.  W.  fiir  40  Tonnen 
(=  4'4  Kubikmeter)  erziges  Hauwerk;  die  Fórderer,  welche  selbst  die  Haspel- 
forderung besorgen,  per  40  t.  15  fl.  Die  Háuer  verdienen  sich  in  der  8stíindigen 
Schicht  41  bis  45  kr.  o.  W.  Die  Fórderer  36  bis  37  kr.  ó.  W. 

Die  Schachtfórderung  geschieht  in  Tonnen  von  11  Kubikmeter  (3llz  Kubik- 


Fuss)  Inhalt. 

Die  jáhrliche  Fórderung  an 

Erzhauwerk  betrug : 

1861     .  . 

.    .     860  Kubikmetei 

1862     .  . 

.    .  790 

5) 

1869  .... 

555  Kubikmeter 

1863     .  . 

.    .  685 

55 

1870  .... 

505 

n 

1864     .  . 

.    .  880 

55 

1871  .... 

785 

é 

1865     .  . 

.    .  1010 

r> 

1872  .... 

915 

55 

1866     .  . 

.    .  935 

n 

1873  .... 

995 

1  » 

1867     .  . 

.    .  1215 

55 

1874  .... 

1075 

n 

1868     .  . 

.    .  740 

n 

1875  (halb.  Jahr) 

600 

n 

Ein  Kubikmeter 

gefórdertes  Erzhauwerk  gibt  etwa  2*3  t.  Erz. 

193 


Das  gefórderte  Hauwerk  wird  gewaschen,  indem  es  im  fliessenden  Wasser 
mit  Schaufelu  durchgearbeitet  wird;  kleineres  Erz  wird  auf  die  allereinfachste 
Art  geschlemmt. 

Da  das  Erz  nur  in  etwa  hanfkorngrosser  Zerkleinerung,  die  durch  horizontál 
sich  bewegende  Múhlsteine  erzielt  wird,  zum  Verbrennen  zu  schwefliger  Sáure 
bestimmt  ist,  welche  in  Schwefelsáiirekammern  geleitet  wird,  so  ist  dasselbe  nicht 
rein  von  der  Bergart  zu  scheiden  oder  aufzubereiten ;  es  ist  dies  aber  dem  Ver- 
brennungsprozesse  nicht  hinderlich. 

Es  kann  auf  die  Bergart  unci  den  Waschverlust  1/5  abgerechnet  werden. 

Geschichtliches.  Die  Erzlagerstátte  wurde  zu  Anfang  des  18.  Jahr- 
hundertes  durch  Zufall  (beim  Brunnengraben)  erschurft  und  von  Prager  Gescháfts- 
leuten  bebaut.  Doch  scheint  der  aus  dem  Bergbau  gezogene  Nutzen  kein  sonder- 
licher  gewesen  zu  sein,  da  dieselben  um  einen  kleinen  Abíinclungsbetrag  den  Bergbau 
im  Jahre  1732  an  den  Erben  sammtlicher  Graf  Schonfelďschen  Guter,  Fursten 
Johann  Adam  Auersperg  uberliessen,  dessen  Nachkommenschaft  jetzt  noch  den 
Bau  besitzt. 

Seitdem  der  Bergbau  im  furstlichen  Besitze  ist,  wurde  aus  dem  Pyrit 
Schwefel  u.  z.  bis  zum  Jahre  1868  gewonnen;  aus  den  Bránden  aber  durch  Ab- 
wittern  derselben  Eisenvitriol,  dann  rauchende  (bóhmische)  Schwefelsáure  48)  und 
Caput  mortuum  (Engelroth)  erzeugt.  Um  das  Holz  der  Wálder  zu  verwenden, 
wurden  moglichst  viele  Holz  verzehrende  neue  Industrien  an  die  neu  entstandene 
Fabrik  angereiht,  so  eine  Salpetersiederei  und  Salpetersáurefabrik.  Lukavic  war 
neben  Altsattel  die  einzige  Fabrik  in  Bóhmen,  welche  Schwefelsáure  und  Salpeter- 
sáure  erzeugte  und  in  Handel  brachte.  Kremnitz  und  Felsobánya  in  Ungarn  erzeugten 
wohl  auch  diese  Sáuren,  jedoch  nur  zum  Verbrauch  der  eigenen  Munzámter. 

Die  Kiese,  sowie  auch  die  Róstruckstánde  wurden  theilweise  auch  an  die 
Silberhutten  Jung-Vožic  und  Batibořic  im  Táborer  Kreise  abgegeben. 

Die  Forderung  geschah  bis  1760  durch  den  jetzigen  Wetterschacht  mittelst 
Haspeln,  in  welchem  Jahre  der  jetzige  Bartholomei-Schacht  abgeteuft  und  auf 
Pferdefórderung  eingerichtet  wurde.  Derselbe  wurde  im  Jahre  1809  auf  seine  gegen- 
wártige  Tiefe  163  Meter  niedergebracht  und  spáter  noch  der  Stollen  angelegt.  In 
der  ersten  Zeit  muss  aber  der  Bergbau,  insbesondere  etwas  nach  der  Mitte  des 
vorigen  Jahrhundertes  Mangel  an  Arbeitern  gehabt  haben,  da  die  furstlichen  Patri- 
monialgerichte  Diebe  und  Frevler  zur  Grubenarbeit,  die  ihnen  mit  4  kr.  Wiener 
Wáhrung  per  Schicht  vergiitet  wurde,  verurtheilten. 

Seit  dem  jetzigen  Jahrhundert  ist  der  Bergbau  mehr  in  den  Hintergrund 
getreten  und  war  derselbe  nur  als  Mittel,  um  die  chemische  Fabrik  zu  erhalten, 
angesehen  worden.  In  der  That  vermehrte  sich  die  Erzeugung  der  chemischen 
Producte  und  die  Verschiedenartigkeit  derselben  (ausser  den  schon  angefuhrten 
i  wurden  noch  Adler-Vitriol,  Kupfervitriol,  Salzsáure,  Superphosphat  und  andere 
Producte  gewonnen). 

Seit  1868  wird  kein  Schwefel  mehr  erzeugt,  sondern  das  Erzklein  im 
Gerstenhóferischen  Schiittofen  gánzlich  todt  gebrannt  und  auf  englische  Schwefel- 
sáure verarbeitet. 


i! 


194 


Auch  jetzt  noch  ist  der  Fabrik sbetrieb  clie  Hauptsache,  obwohl  er  nicht 
mehr  als  Mittel  der  Holzverwerthung  angesehen  werden  kann,  und  der  Bergbau 
auch  nur  ein  Mittel  zum  Zwecke  49)  der  Erzeugung  von  chemischen  Producten  ist. 

Die  Limonit-Tagbaue  von  Ransko. 

Wie  schon  frůher  oft  bemerkt  wurde,  besteht  die  bewaldete  Kuppe,  an 
deren  NW  Fusse  clas  Hůttendorf  Ransko  liegt,  aus  einem  runden  Serpeutinmassiv, 
welches  von  Innen  nach  Aussen  durch  einen  Ring  von  Troktolit,  dieser  durch 
Corsit  umhullt  wird,  der  mit  Diorit  und  Amphibolgranit  oder  Gneus  in  Beriihrung 
tritt.  Das  kreisformige  Serpentinmassiv  besitzt  den  mittleren  Durchmesser  von 
etwa  2*/4  km.  Vom  Troktolit  derselbe  nicht  scharf  getrennt,  ebenso  libergeht 
cler  Troktolit  durch  das  Zwischengestein  des  olivinháltigen  Corsites  in  echten 
olivinfreien  Corsit,  obwohl  wegen  der  Bewaldung  die  Gránzen  nicht  úberall  mit 
der  wtinschenswerthen  Schárfe  kenntlich  sind.  Den  ostlichen  Fuss  der  Ransko- 
Kuppe  bedecken  untercenomane  Sandsteine.  Der  Corsit-  unci  Troktolitkranz  sind 
durch  zahlreiche  Blocke  im  Walde  angedeutet. 

An  vielen  Orten  sowohl  am  Corsit,  Troktolit,  als  auch  am  Serpentin,  der 
dessen  Mitte  einnimmt,  findet  man  entweder  horizontále  oder  sehr  schwach  geneigte 
Lagerstátten,  das  ist  Decken  von  Limonit,  der  aus  der  Zersetzung  des  Corsites 
oder  Serpentins  hervorgegangen  ist  und  im  Liegenden  durch  Ůbergánge  mit  beiden 
Gesteinen  verbunden  ist,  in  Ausláufern  und  Klůften  in  dieselben  eingreift,  sowie 
auch  noch  unzersetzte  Kerne  derselben  einhullt. 

Weil  sich  die  Umwandlung  des  Diorites  oder  Serpentins  in  Limonit  gerade 
nur  an  Stellen  zeigt,  die  eine  sanfte  Neigung  besitzen,  oder  aber  ebene  Ráume 
mit  schwacher  Vertiefung  auf  der  Hóhe  der  Serpentinkuppe  bilden,  so  liegt  die 
Vermuthung  nahé,  dass  blos  Gewásser  die  Zersetzung  der  Gesteine  bewirkt  oder 
doch  unterstutzt  haben  mogen. 

Es  findet  diese  Vermuthung  nicht  nur  darin  eine  besondere  Stiitze,  dass 
sich  in  der  Náhe  solcher  Limonitdecken  auf  der  Serpentinkuppe  noch  schwache 
Reste  von  zu  sandigen  Letten  umgewandelten  untercenomanen  Schieferthonen 
(Perucer  Schichten)  vorfinden,  sondern  sie  ist  auch  durch  die  Art  der  moglichen 
Umbildung  des  Serpentines  in  Limonit,  wobei  Wasser  jedenfalls  zur  Wegfuhrung 
der  Magnesia-  und  Siliciumverbindungen,  die  durch  Zersetzung  frei  wurden,  noth- 
wendiger  Weise  mitwirken,  leicht  begreiflich. 

SSO  und  SO  von  Ransko  vom  Hochofen  aus  gemessen  in  den  Entfernungen 
von  550— 600m,  dann  850— 880m ,  1100— 1200m  befinden  sich  am  zersetzteu, 
urspriinglich  wahrscheinlich  olivinháltigen  Corsite  drei  Tagbaue  von  Limonit;  die 
zwei  ersteren  sind  die  sogenannten  Ransko-Zechen.  Dieselben  liegen,  und  zwar  die 
ersten  zwei  (Ransko  und  Pelles-Zeche)  zwischen  dem  Damme  des  Rekateiches  und 
dem  Dorfe  Ransko,  die  letzte  oder  dritte  (Gabrielagrube)  am  Ende  des  Reka- 
teiches an  dessen  linkem  Ufer.  Die  zwei  ersten  Tagbaue  auf  der  Limonitdecke 
sind  beinahe  erschópft,  die  zweite  Zeche  ist  jetzt  als  Grubenbau  im  Betriebe. 


195 


Die  Neigung  des  Lagers  in  dieser  sogenannten  Ransko-Grube  ist  sanft 
gegen  den  Teich,  also  gegen  NO.  Das  Erzlager  hat  eine  Máchtigkeit  von  2  bis  3  m, 
welche  aber  bis  zu  9  m  sich  ermáchtigt.  Das  Hangende  von  2  bis  9  m  Tiefe 
besteht  aus  Letten,  in  welchem  grosse  Knauer  von  mehr  oder  weniger  frischem 
Corsit,  augenscheinlich  die  letzten  Reste  von  zerstórten  unci  vom  sanften  Gehánge 
berabgelangten  Corsitmassen  liegen. 

Der  Limonit  ist  entweder  ochrig  oder  halbfest,  auch  ziemlich  fest  mit  Rinden 
von  dicbtem,  festerem  Erze,  wohl  auch  mit  Geoden  durclisetzt.  Gegen  das  Liegende 
zu  wird  das  erdige  Erz  schwach  griinlich  (etwa  wie  Seladonit),  mit  schwachen 
Adern  von  Calcit  durchzogen,  was  den  Ůbergang  in  festeren  oder  brockligen  auf- 
gelosten  Corsit  vermittelt.  Solche,  den  Ůbergang  bildende  faule  Gesteine  sind  mit 
Erzadern  durchflochten,  durch  ein  grtines  chloritáhnliches  Minerál  griin  gefárbt, 
einem  Diorittuff  nicht  unáhnlich,  zugleich  brocklig  und  kalkreich,  schmutzig 
dimkelgriin,  rothbraun  angelaufen,  mit  erdigen  Kernen. 

Sud-ostlich  350 — 380m  weit  von  der  Ransko'er  Grube  ist  am  linken  Teich- 
ufer  die  dritte  Zeche,  Gabrielagrube,  mit  einem  unter  áhnlichen  Verhaltnissen  auf 
zersetztem  Corsit  auftretenden  Limonitlager,  welches  durch  stellenweise  9m  machtigen 
Lehm  mit  grossen  frischen  oder  faulen  Corsitblocken  íiberlagert  wird. 

Die  Erze  sind  am  flachen  Fusse,  also  náher  gegen  das  Teichufer  máchtiger, 
wáhrend  sie  dem  sanften  Gehánge  aufwárts  schwácher  werden,  bis  sie  sich  auskeilen. 

Auf  der  Hóhe  der  Kuppe,  die  aus  Serpentin  besteht  und  Ebenheiten  zeigt, 
befinden  sich  zwei  Gruben,  die  Josefigrube  unci  die  Nikolaigrube,  beide  nahé  an 
der  Strasse,  welche  von  Ransko  nach  Borová  fiihrt.  Erstere  SSO  von  Hochofen 
Ransko  2l50m ,  wenige  Schritte  S  vom  cler  Biegung  der  Strasse  von  S  nach  WSW, 
letztere  S  vom  Hochofen  2450m  oder  genau  W  von  N  Ende  von  Hlubokov  1330 m. 
Beide  besitzen  gegen  3  m  ochrige  Limonite,  die  von  gelben  bis  gelbbraunen 
thonigen  Sanden  von  2  m  und  daríiber  Máchtigkeit  bedeckt  werden.  Im  Hangenden 
sind  Brocken  und  lose  eingebettete  Stůcke  von  wenig  zersetztem  Serpentin.  Im 
Liegenden  des  Ockers  halbzersetzter  Serpentin.  In  der  Nikolaigrube  zeigt  sich  im 
Liegenden  ein  Gestein,  welches  noch  nicht  gánzlich  ausgeprágter  Serpentin  ist, 
demnach  ein  weit  in  Umwandlung  begriífener  Troktolit,  weil  clie  Nikolaigrube 
gerade  so  wie  die  vorerwáhnten  nahé  am  Rande  liegt  und  zwar  schon  im  Bereiche 
des  Troktolitkranzes,  wáhrend  die  hier  vorher  erwáhnten  Gruben  noch  randlicher, 
auf  dem  Olivin-Corsit  sich  befinden. 

Nur  die  Josefizeche  befindet  sich  im  wirklichen  Serpentin  mit  Marmolit- 
und  Pikrolitklíiftchen  und  Magnesitschnurchen. 

Die  sandig  lettige  Decke  des  Erzlagers  stellt  clie  letzten  Reste  von  unter- 
cenomanen  zerfallenen  Schieferthonen  vor,  welche  durch  Erz  ochriggelb  gefárbt  sind. 

Die  5  hier  angefuhrten  Decken  von  ochrigem  Limonit,  welcher  nur  unter 
einer  restlichen  untercenomanen  Decke  mit  oder  ohne  gróssere  Gesteinsknauer  als 
wirkliche  lagerartige  (Contactlagerstátten)  Bildungen  auftreten,  besitzen  bei  einer 
Breite  von  50— 150m  eine  2  bis  2V2  fache  Lánge;  sie  bilden  clemnach  Ellipsoide. 

Die  bedeutendste  Limonitablagerung  als  Decke  auf  faulem  Troktolit  (bei- 
nahe  durchwegs  aus  Olivin  zusammengesetzt)  und  nicht  auf  echtem  Serpentin,  weil 
sie  sich  auch  am  Rande  der  Serpentinparthie  befindet,  liegt  mitten  zwischen  Ransko 

13* 


196 


und  Borová,  vom  Eanskoer  Hochofen  gegen  SW  22/5  km  entfernt.  Die  Hauptrichtung 
dieser  O  von  der  Kansko-Borová-er  Strasse  sich  ausbreitenden  Limonitdecke  ist 
WSW;  die  Lánge  des  Tagabraumes  betrágt  genau  3/4  km,  die  grosste  Breite 
bedeutend  mehr  als  150m . 

Der  Bau,  welcber  sich  an  der  Gránze  des  Rausko'er  und  des  Borová'er 
Waldes  befindet,  fiihrt  den  Namen  der  Borová-Grube. 

Die  Máchtigkeit  des  braunen  meist  ochrigen  Erzes  betrágt  bis  12m ,  also 
weniger  als  dessen  nicht  festes  lettig  sandiges  Hangende  mit  den  Brocken  von 
zersetztem  Serpentin.  Im  Liegenden  ubergeht  das  Erz  in  Serpentin  oder  auf- 
gelosten  Troktolit.  Das  Lager  wird  durch  einen  beinahe  1  km  langen  Stollen,  der 
aber  nur  13V2  ni,  unterteuft,  vom  Wasser  gelost.  Der  Stollen  ist  mit  dem  Mundloch 
in  serpentináhnlichem  Troktolit  angelegt  und  im  máchtigsten  Lagertheile  ist  der- 
selbe  in  Erz  getrieben,  so  dass  in  dessen  Sohle  noch  3  bis  4  m  Erz  ansteht. 

Frůher  wurde  in  dem  Lager  Grubenbau  getrieben,  desshalb  die  Fláche 
Pinge  an  Pinge  und  darin  auch  Wassertumpel  zeigt.  Jetzt  werden  die  Erzlagerreste 
mittelst  Tagbau  gewonnen. 

Ausnahmsweise  zeigt  sich  an  einigen  Orten  im  Lager  ein  oolitischer 
thoniger  Limonit  mit  bis  hanfkorn-  und  erbsengrossen,  entfernt  von  einander 
stehenden  kugelrunden  Ooliten. 

In  dem  Lager  ragten  aus  dessen  Liegendem  taube,  das  ist  nicht  ganz  in 
Erz  umgewandelte  Parthien  von  Serpentin  oder  zersetztem  Troktolit  in  das  Erz 
hinein;  dieselben  stehen  jetzt  als  Klippen  in  dem  beinahe  ganz  erschopften  Tagbaue, 
dessen  Sohle  uneben  erscheint,  da  die  Umwandlung  cles  Serpentines  oder  faulen 
Troktolites  unterschiedlich  tief  stattfand.  Eine  scharfe  Gránze  zwischen  ochrigem 
Erze  und  dem  Liegend-Serpentin  gibt  es  nicht,  weil  sowohl  allmáhlige  Ůbergánge 
als  auch  Durchtrummerungen,  die  erzig  sind,  stattfinden. 50) 

In  dem  Serpentin  bemerkt  man  stellenweise  noch  Ůbergánge  von  Diorit 
oder  Corsit  oder  Troktolit  in  Serpentin.  Ein  solches  Ůbergangsgestein  enthált  in 
geringer  Menge  Arsenopyrit  accessorisch  eingesprengt.  Im  nicht  ganz  frischen 
Diorit  oder  olivinháltigen  Corsit  in  der  Náhe  cles  Stollenmundloches  streicht  ein 
festerer  mittelkorniger  Dioritgang  mit  zahlreichen  kleinen  eingewachsenen  Kórnchen 
von  Pyrrhotin.  spárlichem  Pyrit  und  noch  spárlicheren  Chalkopyritkornchen. 


Anmerkungen. 


5)  Auch  bei  Biskupic  unweit  Ronov  wird  ein  Kalklager  angegeben.  Ohne  Autopsie. 

3)  Es  muss  auf  die  eingehenden  Arbeiten  und  zwar:  Krejčí,  Studien  im  Gebiete 
der  bohniischen  Kreideformation ;  Fric,  Palaeontologische  Untersucbungen  der  einzelnen 
Schichten  der  bohmischen  Kreideformation  (Archiv  d.  naturw.  Landesdurchforschung  v. 
Bóhmen  1869  Bd.  1.  1878  Band  4  Nr.  1)  verwiesen  werden. 

4)  Auf  der  Kartě  nicht  besonders  dargestellt,  wegen  der  nicht  bedeutenden 
Machtigkeit. 

5)  Die  Briiche  auf  den  stellenweise  serpentinisirten  Kalk,  der  ani  Contacte  mit 
den  durchsetzenden  Eruptivgángen  gemengt,  demnach  unrein  ist,  sind  seit  1840  nicht 
mehr  im  Betriebe.  Die  Lagerungsverhaltnisse  sind  desshalb  nicht  mehr  deutlich. 

6)  Sowohl  Biotit,  als  auch  der  cordieritáhnliche  Quarz  wurden  untersucht. 

7)  In  England  schiebt  man  zwischen  das  Laurentin  und  die  cambrische  Gruppe 
noch  eigenthíimliche  Stufen  ein,  welche  den  Namen  der  Etagen,  von  unten  nach  oben 
gerechnet:  Dimetian,  Arvonian,  Pebidian  kurz  Pre-Cambrian  erhielten.  (Hicks,  on  a  new 
Group  of  Pre-Cambrian  Rocks  in  Pembrockshire  p.  285 — 295;  Hicks,  on  the  Pre-Cam- 
brian Rocks  in  Caernarvonshire  and  Anglesea  p.  295 — 309  etc.  Quarterly  Journal  of 
the  Geological  Society  London  1879  Vol.  35  Part  2,  H.  Hicks,  on  the  Metamorphic  and 
Overlying  Rocks  in  the  Neighbourhood  of  Loch  Maree,  Ross-shire,  Ib.  1878  Vol.  34  Part. 
4,  p.  811—819). 

Wollte  man  diese  Gebilde  auch  bei  uns  in  Bohmen  nachgewiesen  haben,  so 
mussten  manche  unter  der  Etage  A  liegenden  Amphibolschiefer,  Glimmerschiefer  dazu 
gerechnet  werden,  deren  Verknupfung  mit  dem  Laurentin  aber  eine  engere  ist.  Es  diirfen 
iiberhaupt  geologische  Verhaltnisse  eines  Landes  nicht  sogleich  auch  in  ein  anderes  íiber- 
tragen  werden,  weil  die  Bildung  von  Schichten  und  Formationsstufen  nicht  nach  unseren 
theoretischen  Eintheilungen,  sondern  nach  andern  Gesetzen,  deren  Auffindung  Zweck  des 
Studiums  ist,  vor  sich  gingen. 

8)  Im  Jahre  1831  wurde  der  Bruch  verlassen. 

9)  Zwischen  Nutic  und  Citkov  wurden  in  den  Kluften,  welche  das  óstliche  Kalk- 
steinlagerende  verwerfen  und  die  durch  den  zermalmten  schwarzen  Thonschiefer  ausgefiillt 
werden,  von  unternehmungslustigen  aber  wenig  unterrichteten  Leuten  auf  Graphit  geschiirft. 

10)  Bořický,  Petrographische  Studien  an  den  Basaltgesteinen  Bohmens  p.  92; 
Archiv  d.  naturw.  Landesdurchforschung  Bohmens  1874  Bd.  II,  Abth.  II.,  Theil  II. 

ir)  Uber  das  Eisengebirge  findet  sich  schon  eine  áltere  Beschreibung  unter  dem 
Titel:  Ferd.  Andrian,  Geologische  Studien  aus  dem  Chrudímer  und  Čáslauer  Kreise  im 
Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt  Wien  1863  Band  13  p  183—208.  Dieselbe 


2)  Diese  Nunimer  wurde  bei  der  Redaction  des  Textes  iibersehen  und  kann  daher  hier 
nicht  berucksichtiget  werden. 


198 


komité  aber  nicht  beniitzt  werden.  Nocb  áltere,  wenn  aucb  ganz  kurze,  dabei  aber  ricbtige 
Andeutungen  uber  das  Eisengebirge  finden  sicb  von  Zippe  in  Sommers  Topograpbie 
Bobraens  1847  Band  5  u.  11  (Cbrudímer  und  Čáslauer  Kreis)  und  Reuss,  Kurze  Ůber- 
sicbt  der  geognostiscben  Verbaltnisse  Bóbmens  Prag  1854.  Zippe  bat  eine  besondere 
Gabe  gebabt,  in  kurzen  Worten  die  Verbaltnisse  klar  zu  legen.  Wenn  sicb  aucb  manebes 
wabrend  der  Zeit  in  der  Terminologie  geándert  hat,  so  bleibt  die  meist  ricbtig  auf- 
gefasste  Tbatsacbe  docb  besteben. 

12)  In  der  nacbsten  Nabe  der  Kircbe  von  Třibuben  befinden  sicb  auf  dem  wenig 
ausgedebnten  Lebmplateau  drei  bedeutende  Wálle  aus  uralter  Zeit  ganz  nabe  neben 
einander. 

13)  Diese  Eigentbúmlicbkeit  der  Gitterung  ist  nicbt  als  Mikroklin  zu  deuten, 
welcber  Feldspatb  keineswegs  eine  ganz  gut  fixirte  Mineralspecies  ist,  da  er  nocb  ver- 
schieden  gedeutet  wird;  sondern  sie  gebort  zwei  Zwillingsgesetzen  des  Plagioklases, 
námlicb  dem  haufigen  nacb  oo  P  oo  und  dem  weniger  gemeinen,  nacb  oP  an.  Wenn  die 
Gitterung,  abgeseben  von  der  kritiscben  Berecbtigung  der  Mikroklin-Species,  als  Mikroklin 
gedeutet  werden  wollte,  so  musste  sie  den  ganzen  Querscbnitt  umfassen  und  nicbt  in 
einem  gebánderten  Plagioklase  fleckenweise  auftreten.  Ein  Fingerzeig,  mit  der  Deutung 
solcber  Gittererscbeinungen  als  Mikroklin  vorsicbtig  zu  sein. 

14)  Diese  Formentwickelung  des  Ortboklases  wird  als  Mikroklin  bezeicbnet.  Ob 
diese  Bezeicbnung  aucb  zukíinftig  beibebalten  werden  wird,  muss,  da  die  Berecbtigung 
der  Aufstellung  der  Feldspatbart  Mikroklin  nocb  in  Discussion  begriffen  ist,  dabingestellt 
bleiben.  Gegen  die  Mikroklinnatur  des  gestreiften  Feldspatbes  erklárt  sicb  Micbel-Lévy, 
welcher  denselben  fur  Ortboklas  balt  (Identitě  probable  du  microcline  et  de  1'ortbose; 
Bulletin  de  la  societé  mineralogique  de  France  1879  Nr.  5  p.  135 — 139). 

15)  Abnlicbe  Staurolitb-Pbyllite  finden  sicb  aucb  in  den  Pyrenaen  bei  Bagněres, 
wo  dieselben  gleicbfalls  wie  bei  Hlinsko  in  Andalusitscbiefer  iibergeben,  wenn  der  glimmer- 
reicbere  Pbyllit  sicb  zu  einem  dunklen  Tbonscbiefer-Pbyllit  umwandelt. 

16)  Wenn  man  die  kurze  Mittbeilung  Eosenbuscb's  iiber  die  Pbaenomene,  welcbe 
den  Contact  des  Granites  mit  Tbonscbiefern  zu  begleiten  pflegen,  insbesondere  bei  Barr- 
Andlau  in  den  Vogesen  im  Neuen  Jabrbucb  f.  Miner.,  Geologie  u.  Palaentologie  Stuttgart 
1875  p.  849—851  durcbliest,  íindet  man  in  derselben  eine  solcbe  Abnlicbkeit  mit  den 
Verbaltnissen  in  der  untersiluriscben  Scbieferinsel  von  Hlinsko-Skuč,  dass  sicb  die  Ver- 
mutbung  aufdrangt,  als  wenn  diese  Pbaenomene  uberall  die  gleicben  waren. 

17)  Ottrelit  ist  nur  ein  Varietátsname  fur  Cbloritoid;  derselbe  entbalt  bedeutende 
Antbeile  von  Mn,  gibt  demnacb  diese  leicbt  kenntlicbe  Reaktion  vor  dem  Lótbrobr.  Unser 
Ottrelit  entbalt  aber  kein  Mn  oder  nur  ganz  unbedeutende  Spuren,  so  dass  derselbe  mit 
der  Varietat  Vénasquit,  welcbe  manganfrei  ist,  zusammenfallt.  (Note  sur  la  Vénasquite: 
Damour  Bulletin  de  la  Société  miner.  de  France  1879,  II  T,  6,  p  167).  Es  wird  jedocb 
bier  im  Texte  meist  nur  der  Name  Ottrelit  neben  Cbloritoid  gebraucbt,  obwobl,  wenn 
scbon  Varietatsnamen  gebraucbt  werden  sollen,  die  Bezeicbnung  Vénasquit  (wegen  der 
Abwesenbeit  von  Mn)  passender  wáre. 

Etwas  verscbieden  wie  der  bohmiscbe  Ottrelitscbiefer  verbált  sicb  das  Gestein 
des  Berges  Elias  bei  Vavdbos,  Cbalcidice.  (F.  Becke,  Gesteine  der  Halbinsel  Cbalcidice, 
Tscbermak,  Minerál,  u.  petrograpb.  Mittbeilungen  1878  Wien,  Bd  I.  p.  269  etc.) 

18)  Mancbe  solcbe  Gneusgranite  wurden  aucb  fur  wirklicben  Gneus  gebalten,  dem 
also  eine  eruptive  Entstebung  nicbt  abgesprocbcn  werden  kann.  Allein  die  Bezeicbnung 
als  Gneus  gebt  doch  etwas  zu  weit  fiir  ein  Eruptivgestein,  in  welcbem  Biotit  als  Ge- 
mengtbeil  sicb  parallel  zu  den  Contactflacben  mit  dem  durcbbrocbenen  Gesteine  gelagert 
bat.  I)ie  Granitnatur  solcber  eruptiven  scbiefrigen  Gesteine  muss  betont  werden.  Zutreífend 
ist  der  Aufsatz  von  Herm.  Credner:  Der  rotbe  Gneus  des  sácbsiscben  Erzgebirges,  seine 


199 


Verbandverhaltnisse  und  genetischen  Beziehungen  zu  der  archáischen  Schichtenreihe  in 
Zeitschrift  d.  deutsch.  geol.  Gesellsch.  Berlin  1877  Bd.  29  p.  757 — 793.  Es  erscheint  hier 
nachgewiesen,  dess  der  Begriff  Gneus  zu  weit  gefasst  wird  und  auf  granitische  Gesteine 
mit  durchgreifender  Lagerung  ausgedehnt  wird,  wáhrend  der  echte  Gneus  geschichtet  ist. 

19)  Es  lag  zu  wenig  Untersuchungsmaterial  vor,  so  dass  uber  das  rothe  Minerál, 
das  dem  Rutil,  oder  auch  dem  Haematit,  vielleicht  auch  Haematitpseudomorphosen  nach 
Pyrit  ahnlich  sieht,  keine  náhere  bestimmtere  Angabe  gemacbt  werden  konnte. 

20)  Zippe,  welcher  ein  feines  Gefuhl  fur  Erkennung  von  Gesteinen  hatte,  nannte 
diese  Quarzporphyre,  zur  Zeit,  wo  die  besten  Hilfsmittel  nur  in  der  besten  Ůbung  bestanden 
(also  vor  etwa  40 — 50  Jahren),  mit  dem  Namen  „schwarzer  Granit."  Ohne  die  besseren 
Hilfsmittel  der  neuen  Mineralogie  wurde  es  mancher  Petrograph,  dem  die  geologischen 
Verháltnisse  ebenso  unklar  wáren,  wie  vor  einem  halben  Jahrhunderte,  kaum  besser 
bestimmen  konnen.  Wenn  das  Gestein,  das  Zippe  damals  meinte,  jetzt  Quarzporphyr  heisst, 
so  ándert  dies  nichts  an  den  bedeutenden  Verdiensten  Zippes,  der  das  Richtige  zu  treffen 
wusste. 

21)  J.  Krejčí  und  R.  Helmhacker  Erláuterungen  zur  geologischen  Kartě  der  Um- 
gebung  von  Prag.  Archiv  fur  naturw.  Durchforsch.  v.  Bóhmen  Bd.  IV.  Nr.  2  geol.  Abthl. 
p.  76  und  pag.  187. 

22)  In  Justus  Roth  Beitrage  zur  Petrographie  der  plutonischen  Gesteine  Berlin 
1869,  1879  (Abhandl.  d.  k.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin  1869,  1879)  finden 
sich  Felsitporphyranalysen  angefuhrt,  deren  SiO.^-Gehalt  selbst  bis  65 — 591/2°/0  herabsinkt, 
also  noch  geringer  ist  als  in  dem  Felsite  von  Svídnice.  Unter  Felsitporphyr  fasst  Roth 
aber  quarzhaltige  Gesteine  nach  dem  alteren  Eintheilungsprincip  zusammen. 

23)  Dieser  Plagioklas  stunde  zwischen  Oligoklas  und  Labradorit  in  der  Mitte. 
Mineralogen,  welche  den  Andesin  nicht  anerkennen,  sondern  zu  dem  Oligoklas  ziehen, 
wurden  den  Plagioklas  zu  Oligoklas  stellen.  "Wenn  aber  die  Andesinvarietat  anerkannt 
wird,  so  ware  der  Plagioklas  wirklicher  Andesin.  Das  ándert  aber  nichts  am  Charakter 
des  Diorites,  welcher  nur  aus  irgend  einem  Plagioklas  und  Amphibol  besteht.  Freilich 
nennt  man  den  Plagioklas  am  haufigsten  Oligoklas.  Es  liegt  aber  an  der  Trennung  der 
Plagioklasvarietaten,  die  keine  scharfen  Gránzen  besitzen,  wenig.  Spáter,  beim  Gabbro 
werden  sogar  Diorite  (Uralit-Diorite)  angefuhrt  werden,  deren  Plagioklas  ein  Labradorit  ist. 

24)  Indessen  fiihrt  auch  Roth  1.  c.  Anmerkung  22)  in  seinen  beiden  Zusammen- 
stellungen  von  Dioritanalysen  (nicht  Corsiten)  Kieselsauregehalte  von  44°/0 — 41°/0,  also 
noch  weniger  als  im  Diorite  von  Skála  an. 

25)  Solchen  Berechnungen  ist  indessen  umsoweniger  Yertrauen  zu  schenken,  je 
veránderter  das  Gestein  und  je  zahlreicher  die  Gemengtheile  desselben  sind  und  je  weniger 
factische  Unterlagen  eine  solche  Berechnung  besitzt.  Bei  zwei  Gemengtheilen  ist  eine 
solche  Berechnung  noch  halbwegs  wahrscheinlich,  da  zwei  Gleichungen  mit  zwei  Unbe- 
kannten  aufzulosen  sind  (der  3te  Gemengtheil,  námlich  der  Magnetit,  wurde  eigens  bestimmt) ; 
bei  mehr  Gemengtheilen  aber  ist  dem  Einbildungsvermogen  freier  Raum  gegeben,  denn  es 
erscheinen  mehr  Unbekannte  als  gegebene  Gleichungen.  Die  Methode  befolgt  demnach  nicht 
mehr  den  fur  wissenschaftliche  Forschungen  nothigen  Gang. 

Es  werden  in  den  folgenden  Zeilen  p.  132  die  Griinde,  wesshalb  eine  klein- 
kornige,  keine  Zwillingsstreifung  im  polarisirten  Lichte  zeigende,  sich  also  ahnlich  dem 
Orthoklas  verhaltende  Aggregatmasse,  doch  Plagioklas  ist,  desshalb  angefuhrt,  weil  durch 
die  Nichtbeachtung  anderer  Verháltnisse  leicht  Fehler  entstehen.  Da  bei  der  Volum- 
verminderung  von  Plagioklasen  die  Zwillingslamellen  sich  nicht  in  gleichem  Massstabe  ver- 
jiingen,  demnach  viel  weniger  schnell  in  der  Breite  abnehmen,  als  es  den  kleinen  Indi- 
viduen  der  Plagioklase  entsprechen  wiirde,  so  mussen  dieselben  ganz  verschwinden,  wenn 
die  Grosse  der  Plagioklase  bis  zur  Breite  der  Zwillingslamellen  sich  verkleinert  hat.  Die 


200 


Streifung  ist  fur  Plagioklase  sehr  charakteristisck,  kommt  aber  nicht í ausnahmslos  vor; 
wesshalb  das  Fehlen  derselben  noch  nicht  die  Plagioklasnatur  der  Feldspáthe  ausscliliesst. 
Eigentlich  ist  also  nicht  die  Streifung  ohne  Ausnahme,  das  Charakteristische  fur  Plagioklas 
oder  das  Fehlen  derselben  ein  Erkennungszeichen  fiir  Orthoklas,  sondern  nur  die  chemische 
Zusammensetzung,  wo  die  Krystallform  nicht  nachweisbar  ist.  Ein  Plagioklas  von  der  che- 
mischen  Zusammensetzung  und  den  anderen  damit  verbundenen  Eigenthumlichkeiten  bleibt 
Plagioklas,  mág  er  eine  Streifung  oder  keine  Streifung  zeigen.  Die  Zwillingsstreifung  ist  fur 
winzige  und  auch  gróssere  Plagioklaskrystalle  ein  sehr  bequemes  und  schnelles,  aber  nicht 
ausschliesslich  an  Plagioklasen  vorkommendes  Merkzeichen,  welches  ofters  fehlt,  als  man 
anzunehmen  geneigt  war.  Bei  Beschreibung  des  Corsites  wird  mehrfach  erwáhnt  werden, 
dass  der  Plagioklas  (Anorthit)  keine  Streifung  besitzt. 

26)  Eine  ganz  áhnliche  Zusammensetzung  zeigt  der  Labradorit  des  Gabbros  von 
Iron  Mountain,  Laramie  Hill  U  .  S,  nach  Wiedemann ;  nur  enthalt  er  etwas  FeO,  wahr- 
scheinlich  als  mechanische  Verunreinigung.  Die  Alkalien  sind  hier  K20  und  Na20  im 
Verháltniss  von  l°/0  :  3°/0.  (Zirkel  Microscopical  Petrography  pag.  109  in  Report  of  the 
Geol.  Exploration  of  the  Forthieth  Parallel  Vol.  VI.) 

27)  Fur  den  Diallag  wird  als  charakteristisch  der  geringe  Grad  von  Dichroismus 
angegeben.  Es  ist  dies  richtig,  allein  nicht  von  allgemeiner  Geltung;  die  allermeisten 
Diallage  verhalten  sich  so.  Es  kam  mir  ein  Diallag  von  Salzburg  unter  die  Hand,  welcher 
in  dunner  Platte  gespalten,  in  der  dichroscopischen  Loupe  ebenso  starke  Farbendiíferenzen 
zeigte,  wie  manche  Amphibole.  Ein  neuer  Beleg  dafiir,  dass  bei  Bestimmung  von  Mine- 
ralien  in  Diinnschliffen  Vorsicht  geboten  ist. 

28)  Die  herausgerechnete  theilweise  Analyse  des  Amphiboles  (Uralites)  hat  wie 
alle  berechneten  Analysen  nur  genngen  Werth,  weil  die  accessorischen  Gemengtheile  weder 
der  Menge  noch  der  Zusammensetzung  nach  bekannt  sind.  So  ist  der  herausgerechnete 
Gehalt  von  Fe203,  abgesehen  davon,  dass  ein  bedeutender  Theil  als  FeO  in  der  Ver- 
bindung  vorhanden  ist,  desshalb  zu  gross,  weil  der  auf  den  Fe- Gehalt  der  Analyse  Einfluss 
besitzende  Magnetit  im  Gemenge  des  Gesteines  der  Menge  nach  nicht  bekannt  ist.  Solche 
Analysen,  welche  die  Rechnung  ergibt,  sind  desshalb  nur  mit  Vorsicht  aufzunehmen  und 
darf  man  dieselben  nur  als  genáherte  Werthe  betrachten. 

29)  Der  Corsit  auf  Corsica,  wo  derselbe  zuerst  in  der  merkwiirdigen  sphaeroídaleu 
Textur  schon  vor  mehr  als  50  Jahren  bekannt  geworden  ist,  bildet  im  Amphibolgranit,  der 
aus  Orthoklas,  Oligoklas,  Sphen,  Amphibol,  welcher  letztere  theilweise  in  Chlorit  umgewandelt 
ist,  besteht  (wohl  auch  Quarz?)  drei  Stocke  in  der  geogr.  Breite  von  41°  43^2'  u^d  der 
ostlichen  Lánge  von  Paris  6°  453//.  Die  kurzen,  nahé  an  einander  liegenden  Stocke,  von 
denen  der  nordliche  und  sudliche  bis  4'/2  km.  lang  und  2*/4  km.  breit  sind,  der  mittlere 
aber  unbedeutend  ist,  liegen  NO  von  Sarthene  lJ/2  Myriam.,  innerhalb  eines  Dreieckes, 
welches  durch  die  drei  Ortschaften  Serre,  Levie  und  St.  Lucia  di  Tallano  (Campo  longo) 
gebildet  wird.  Das  Neueste  uber  dieses  Vorkommen  jedoch  in  der  grossten  Kurze  ab- 
gefasst  ist  in  Hollande,  Geologie  de  la  Corse  (Annales  des  Sciences  géologiques  par  M. 
Hébert  &  A.  Milné  Edwards  Paris  1877,  Tome  9)  zu  finden.  Das  Vorkommen  des  Cor- 
sites in  amphibolhaltigen  kornigen  Gesteinen  wiirde  auffallend  an  das  Vorkommen  in 
Bohmen  erinnern,  wo  bei  Ransko,  Hrbokov  etc.  auch  Syenit  und  Amphibolgranitgesteine 
vorkommen. 

Es  diirften  Corsite  aber  nicht  so  selten  sein,  als  nach  den  wenigen  Daten.  welche 
iiber  dieselben  vorliegen,  zu  urtheilen  wáre;  die  meisten  diirften  noch  unter  dem  Kamen 
Diorit  versteckt  sein,  woriiber  nur  die  wirkliche  Analyse  des  Plagioklases  Aufschluss 
geben  kann.  Bekannt  sind  Corsite  vom  Konžavoskoi  kamen  im  Nord-Ural,  Poudiére  in 
Frankreich,  Yamaska  mountain  in  Canada.  Bohmen  ist  recht  reich  an  diesen  soust  so 
seltenen  Gesteinen.  Ein  Corsit  in  der  Umgebung  von  Prag  bei  Klokočná  (bei  Mnichovic) 
wurde  schon  friiher  beschrieben.  (Archiv  der  naturw.  Landesdurchforschung  v.  Bohmen 
IV.  Bd.  No.  2.  Geol.  Abtheil  pag.  22G.) 


201 


30)  Es  ist  auf  Reisen  bei  Inangriffnahme  der  Kórperkráfte,  dann  bei  der  Zer- 
streuung  der  Gedanken  nicht  immer  móglich  den  Anorthit  von  anderen  Plagioklasen 
sogleich  zu  erkennen,  da  das  nur  mit  der  Erfassung  von'  Thatsachen  im  grossten  Mass- 
stabe  angewohnte  Auge  nicht  mehr  an  das  Winzige  der  Gesteinsuntersuchung  accomodirt 
ist.  Stórend  wirkt  auch  die  ungewohnte  Beleuchtung  oder  die  zu  weit  gebende  Zersetzung. 
Nicbtsdestoweniger  lásst  sich  der  Anorthit  von  anderen  Plagioklasen  dem  blossen  Ansehen 
nach,  als  auch  nach  der  Art  der  Verwitterung  im  Arbeitszimmer  bei  gewohnter  Accomo- 
dation  des  Auges  an  nahé  liegende  Gegenstande  und  weniger  Zerstreuung  durch  geo- 
logische  Verháltnisse  im  Grossen,  erkennen. 

31)  Wie  dies  auch  bei  Labradorit  schon  háufig  nachgewiesen  worden  ist.  Bei 
Diorit  wurde  das  Vorhandensein  von  gegittertem  Plagioklas  (Andesin)  auch  nachgewiesen. 
Es  ist  demnach  bei  der  bekannten  Zusammensetzung  solcher  gitterfórmig  doppelt  hemi- 
tropen  Feldspáthe  nicht  an  Mikroklin  zu  denken,  zu  dem  man  solche  Feldspáthe  manchmal 
voreilig  ohne  die  Zusammensetzung  derselben  zu  kennen,  stellt.  Es  ist  richtig,  dass  die 
optischen  Eigenschaften  recht  charakteristisch  sind  fiir  die  Bestimmung  der  Mineralien 
unter  dem  Mikroskope,  sie  sind  aber  doch  nur  ein  Theil  der  Mineral-Kennzeichen,  denn 
zur  Erkennung  eines  Minerales  gehoren  alle  seine  Merkmale ;  in  allererster  Reihe  ist  es 
die  chemische  Zusammensetzung,  welche  in  den  schwierigsten  Fallen  das  einzige  und  auch 
sicherste  Kennzeichen  bleibt. 

32)  Wie  schon  vorher  angefúhrt,  ist  die  herausgerechnete  Analyse  immer  mit 
Vorsicht  aufzunehmen.  Weil  hier  aus  zwei  Gleichungen  je  eine  Unbekannte  aufzusuchen 
war,  so  ist  die  herausgerechnete  Analyse  des  Amphiboles  ziemlich  nahé  seiner  wirklichen 
Zusammensetzung. 

33)  Die  Aufschliisse  mússten  zahlreicher  sein,  um  sich  mit  Sicherheit  fiir  den 
lager-  oder  gangartigen  Charakter  der  Lagerstátte  aussprechen  zu  konnen.  Die  Bezeichnung 
als  Lager  scheint  den  Verhaltnissen,  wie  sie  sich  darstellten,  angemessener  zu  sein, 
wesshalb  sie  gewáhlt  wurde.  Leider  gestatten  die  anderen  verfallenen  zahlreichen  Gruben 
keine  Untersuchung  der  Lagerungsverhaltnisse. 

34)  (Tschermak,  Uber  Pyroxen  uud  Amphibol,  Tsch.  Mineralogische  Mittheilungen 
1871  p.  22  lte  Folge). 

35)  Spáter  wurde  auch  im  Granit  des  Isergebirges  dieses  Minerál  (Niobit)  von 
Janovský  aufgefunden  (Berichte  der  deutschen  chem.  Gesellsch.  1880,  XIII,  p  139  etc.) 
und  da  das  Vorkommen  etwas  reichlicher  ist,  auch  analysirt. 

36)  Die  Třeinošnicer  Schlucht  entsteht  durch  Vereinigung  der  linksseitigen  Peklo- 
schlucht  und  der  rechtsseitigen  Starodvorská  rokle  (Althofer  Schlucht). 

37)  Yerschmolzen  wurden  die  Erze  im  Hochofen  von  Hedwigsthal  in  der  Tře- 
mošnicer Schlucht. 

38)  Auf  Talk  ist  nur  dem  Ansehen  nach  geschlossen  worden,  eine  eingehendere 
Untersuchung  liegt  nicht  vor.  Keinesfalls  ist  aber  das  Minerál  Serpentin,  schon  wegen 
der  geringen  Harte  von  2. 

39)  Ohne  Autopsie. 

40)  Ebenso  findet  sich  noch  ausserhalb  des  Bereiches  der  Kartě  am  rechten 
Sázavaufer  zwischen  Ronov  und  Pořič  (naker  an  Pořič)  oberhalb  Přibislav  im  Gneuse, 
dessen  Verflachen  nach  3%  niit  52°  gerichtet  ist,  und  der  durch  Muscovitgranitgánge 
durchsetzt  wird,  ein  mehrere  (10 — 15)  Schritt  machtiges  Lager  von  Olivin,  mit  stengligem 
Talk,  viel  kleinen  Bronzitkornern  und  Pikrolit.  Zwischen  dem  Schloss  Přibislav  und  der 
Spiritusbrennerei  (also  O  von  Přibislav)  ist  an  der  Strasse  im  flasrigen  glimmerreichen 
Biotitgneus  mit  lenticularen  Schichten  von  lichtem  grobkornigem  Gneus  alles  nach  4}/4h 
mit  65°  verflachend,  in  welchem  ein  l1^™  machtiges  Lager  von  dichtem  Orthoklas 
(Haelleflint)  von  licht  grauer  Farbe  eingeschaltet  ist. 


202 


41)  Welcher  auch  in  ganz  áhnlichen  Gesteinen  niit  ebenso  bedeutender  Máchtigkeit 
zuin  Vorschein  konimt.  Helnihacker,  Geognostische  Beschreibung  eines  Theils  der  Gegend 
zwischen  Benešov  und  Sázava  1874  (Archiv  d.  naturw.  Landesdurchforschung  v.  Bohnien 
II.  Bd  II.  Abth.  I.  Theil). 

42)  Den  Nachweis  ob  Baryt?,  erlauben  diese  Pseudomorphosen  wegen  ihres 
spárlichen  Yorkommens  nicht  zu  fiihren. 

43)  Der  Chalkopyrit  (dessen  Vorkommen  sicb  aber  nicbt  auf  Autopsie  griindet) 
ist  hier  gewiss  das  urspriingliche  Minerál,  aus  dessen  Zersetzung  die  andern  sauren 
Kupfermineralien  als  wie  Malachit  und  Lunnit  hervorgegangen  sind. 

44)  Dieses  ist  eine  willkuhrliche  Deutung,  weil  eben  die  C02-Menge  nicht 
bestimmt  werden  konnte;  wird  aber  die  Rechnung  durchgefiihrt,  so  stimmt  der  Rest  des 
Kupferphosphates  ganz  nait  Lunnit  und  nicht  niit  Ehlit,  fiir  welchen  sonst  dieses  Minerál 
gehalten  wird,  uberein.  Ehlit  hat  iibrigens  auch  eine  geringere,  schwankende  Hárte  von 
l1^,  2,  7;  der  Ehlit  (fruher  Prasim  —  Lunnit  von  Libethen  genannt)  hat  nur  die  Hárte  von 
5  ergeben. 

Da  nun  diese  etwas  willkuhrliche  Deutung  des  Gliihverlustes,  die  aber  allein  in 
diesem  Falle  zu  der  Formel  des  Lunnites  fiihrt,  —  auf  andere  Art  gedeutet  koninit 
die  Ehlitformel  nicht  zum  Vorschein,  —  doch  nicht  einwurfsfrei  ist,  indeni  derselben 
wohl  Wahrscheinlichkeit,  aber  nicht  durch  einen  Beleg  bewiesene  vollige  Sicherheit  zu 
Grunde  liegt,  so  wáre  eine  erneuerte  Analyse  mit  direkter  Bestimmung  der  C02  erwiinscht, 
zu  der  aber  als  Hauptbedingung  hinreichendes  Materiál  vorhanden  sein  musste,  da  durch 
das  Ergebniss  derselben  entweder  diese  hier  aufgestellte,  mit  nicht  vollig  hinreichendem 
Materiále  angestellte  Deutung  des  Minerales  als  Lunnit  zu  bestátigen  oder  zu  wider- 
legen  wáre. 

Nebenbei  sei  hier  erwahnt,  dass  die  meisten  álteren  Analysen  der  Kupfer- 
phosphate  nicht  volliges  Vertrauen  verdienen,  da  nirgends  die  Angabe  vorhanden  ist,  dass 
sie  rein  und  nicht  mit  Malachit  verunreinigt  waren.  Der  Gliihverlust  wurde  einfach  als 
H20  gedeutet  und  dann  die  Formeln  berechnet.  Das  diirfte  neben  der  Moglichkeit  der 
Mengung  vorschiedener  Kupferphosphate  mit  einander  auch  mit  ein  Grund  sein,  warum 
die  Analysen  solcher  Mineralien  von  einander  abweichen. 

Schrauf,  uber  Phosphorkupfererze  (Zeitschrift  f.  Krystallographie  und  Mineralogie 
v.  Groth  IV.  Bd.  1879  p.  1  etc.)  erwahnt  auf  pag.  2,  dass  Exempláre  von  Kreuzberg  dem- 
selben  zur  Untersuchung  vorlagen;  in  dem  Aufsatze  ist  aber  von  dem  Kreuzberger 
Minerále  keine  nahere  Angabe  mehr  vorhanden,  so  dass  auch  hier  die  zu  einer  Analyse 
benothigte  Menge  unzureichend  gewesen  sein  diirfte. 

45)  Fiir  den  Hochofen  von  Hedwigsthal  bei  Třemošnic.  Schlackenreste  finden 
sich  hier  im  Walde  háuíig,  desshalb  das  Erzvorkommen  ein  altbekanntes  sein  muss. 

46)  Das  Vorkommen  des  Chalkopyrites  wird  hier  ohne  Autopsie  angefuhrt. 

4")  Uber  das  Erzvorkommen  gilt  alles  das,  was  schon  im  Archiv  der  naturw. 
Landesdurchforschung  von  Bohnien  II  Bd.,  II.  Abth.  I.  Theil,  Vála  u.  Helmhacker,  Das 
Eisensteinvorkommen  in  der  Gegend  von  Prag  und  Beraun  auf  pag.  353 — 357.  (Die  Erze 
der  Kreideformation)  angefuhrt  erscheint. 

48)  Da  der  Pyrit  selenhaltig  ist,  enthált  die  bohmische  Schwefelsáure  Selen 
gelost,  welches  durch  Verdiinnung  derselben  als  rother  Schlamm  ausgeschieden  wird. 

49)  Sucht  man  fiir  dieses  Vorkommen  ein  anderes  áhnliches,  so  wird  man  an 
Walchern  bei  Oblarn  im  Ennsthale  Obersteiermarks  erinnert,  wo  Pyrite  auf  eine  ahnliche 
Art,  jedoch  in  festen  krystallinischen  Gesteinen  im  Quarzschiefer  und  Glimmerschiefer 
vorkommen.  Es  ist  diese  Lagerstatte  noch  zu  wenig  bekannt,  um  bessere  Vergleichungen 
anstellen  zu  kónnen;  dicselbe  solíte  nur  erwahnt  werden,  damit  sie  sich  der  Aufmcrk- 
samkeit  nicht  entziehe.  Vielleicht  wáre  auch  das  Vorkommen  von  Kiesen  (Pyrit,  Pyrrhotin) 


203 


in  Norwegen  zu  vergleichen.  Forekonister  af  Kise  i  Visse  Skifere  in  Norge  af  Amund 
Helland,  Christiania  1873  (Universitestsprograui  for  lste  Semester  1873).  — 

Die  geschicktlicken  Daten  stammen  von  Herrn  Faoriksdirektor  zugleick  Gruben- 
betriebsleiter  Th.  Woat. 

50)  Analogien  dieses  Limonitvorkommens  in  Form  von  lagerartigen  Decken  auf 
Serpentinen  íinden  sick  an  andern  Orten  auck.  So  im  Bóhmerwalde  bei  Ckmelná  am 
Fusse  des  Blánsker  Waldes,  im  Waldcken  und  bei  der  Einschickt  Šimeček,  sowie  in  den 
Nebengráben  und  dem  Plateau  zwiscken  dem  Tanzmeister-  und  Sommergraben  bei  St. 
Stephan  im  Murthale,  Obersteiermark.  (Helmhacker  Uber  einige  Lagerstatten  von  Limonit 
im  Serpentin,  Zeitscbrift  des  berg-  und  húttenmanniscken  Vereins  fiir  Steiermark  und 
Karntben  1876.) 


Erklárung  der  Figuren  im  Texte. 


Fig.  1  pag.  15.  Amphibolgneus  in  der  Schlucht  zwischeu  Ronov  und  Mladotic 
an  der  Doubravka  in  einer  etwa  1l3m  máchtigen  Lage  innerhalb  einer  Schichtenbank 
schiefrig  geknickt,  obwolil  die  Hangend-  und  Liegendbank  ganz  ebensckiefrig  ist.  Die 
schwarzen  Linien  bezeichnen  den  Ampbibol  des  Gneusgemenges,  das  weiss  gelassene  den 
Orthoklas,  Oligoklas  und  Quarz. 

Fig.  2  pag.  18,  152.  Ein  Scbnitt  durch  den  máchtigen  Corsitgang  in  der  Rich- 
tung  von  NO  nach  SW  unweit  NW  von  Mladotic  bei  dera  bedeutenden  Buge  des 
Doubravkabaches.  Das  Liegende  des  Corsitganges  bildet  Amphibolgneus;  das  Hangende 
ist  Biotitgneus  (im  Holzschnitte  bloss  als  Gneus  bezeichnet). 

Fig.  3  pag.  30,  108,  142.  Die  Ansicht  des  linken  Elbeufers  gegenuber  Elbe- 
Tejnic,  wie  dasselbe  von  dem  Eisenbahneinschnitte  entblosst  ist,  vom  Zabořer  Bahnhofe 
aus  (Station  Elbe-Tejnic)  bis  nahezu  gegen  Kojic  dem  Laufe  der  Elbe  folgend.  Der 
Schnitt  geht  demnach  nicht  vollig  senkrecht  gegen  die  Richtung  der  Schichten.  Die  von 
5  zu  5  fortlaufenden  Zahlen  unter  dem  Schnitte  sind  die  Nummern  der  Telegraphen- 
stangen;  ebenso  sind  die  Kilométerzahlen  angegeben.  Unter  dem  Bahnhofe  sind  Elbe- 
aluvionen ;  darunter  deutlich  díinnschiefriger  Amphibolit  a,  welcher  durch  Glimmerschiefer- 
phyllit  ph  uberlagert  wird  und  nahé  vom  "Wáchterhaus  Nr.  282  mit  33°  nach  24h  einfállt. 
Darauf  folgt  wieder  Amphibolschiefer  a  und  wieder  Glimmerschiefer  und  Glimmerschiefer- 
phyllit  ph;  bei  dem  Wáchterhaus  Nr.  281  aber  zwei  Lagergange  von  Gneusgranit  ž,  welche 
durch  Glimmerschiefer  <ph  getrennt  werden.  Eine  Scholle  von  dem  Schieferp/i  im  Liegend- 
gange  bei  Telegraphenstange  239  beweiset  die  eruptive  Nátur  des  Gneusgranites.  In  der- 
selben  kommen  gegen  das  Hangende  zu  schwache  Quarzgánge  vor,  welche  immer  spatere 
Verschiebungen  andeuten  und  die  auch  als  lenticulare  Quarznester,  weiter  oben  bei  Kilo- 
meter  334,  so  haufig  sind  und  an  die  Náhe  von  Dioritgángen  gebunden  erscheinen.  Vom 
Gabbrostocke  g,  welcher  vom  Hauschen  281  bis  zum  Bahnviaducte  unter  Yinařic  ent- 
blosst ist,  trennt  den  Gneusgranit  eine  schwache  Glimmerschieferlage  ph.  Vom  Viaducte 
aufwarts  folgen  Glimmerschiefer,  die  durch  schwáchere  Gneusgranit-  sowie  Gabbro  wie 
Uralitdioritgange  (g)  durchbrochen  werden.  In  dieser  Parthie,  Stange  229  bis  zum  Bahn- 
viaduct,  wo  der  tiefere  Theil  von  Vinařic  steht,  ist  die  Lagerung  deutlich,  zwischeu 
Stange  226  und  229  aber  bedeckt,  so  dass  auf  der  Figur  3  das  Zeichen  ph  als  Glim- 
merschiefer nur  mit  Wahrscheinlichkeit  aufgetragen  ist.  Bei  der  Telegraphenstange  225 
nahé  des  Hohlweges  ist  aber  eine  recht  bedeutende  Verwerfung,  da  auf  Glimmerschiefern 
ph,  Thonschiefer  der  tiefsten  Silurétage  A  (cambrisch)  aufruhen,  in  welchen  ein  sehr 
feinkorniger  (Uralit)  Dioritgang  d  bemerkbar  ist.  Die  grauschwarzen  Thonschiefer  A,  die 
nach  l3/4h  verflachen,  sind  im  Liegenden  gestort  gelagert  und  mit  citronengelben  Anflugen 
bedeckt.  Im  Hangenden  uber  A  folgen  dunnschiefrige  Glimmerschiefer  ph  wahrscheinlich 
in  etwas  discordanter  (uberschobener)  Lagerung  und  in  denselben  bei  Wáchterhaus  280 
echte  Gange  von  Gneusgrauit  i  und  von  Uralitdiorit  d.    Der  HaDgendgang  des  Uralit- 


205 


diorites  wird  durch  Chloritschiefer  c  getheilt.  Weiter  flussaufwárts  folgen  dann  wieder 
Glimmerschiefer  ph,  Amphibolit-Glimnierschiefer  a  und  zwei  durch  Glimmerschieferphyllit 
p  getrennte  Lagergánge  von  Uralitdiorit  d  l1/^  — l1/4m  máchtig,  in  deren  Náhe,  und  zwar 
im  Liegenden,  ini  Glimmerschiefer  lenticulare  Quarznester  folgen.  Das  Hangende  bildet  wieder 
Glimmerschiefer  ph,  der  nach  l3/4h  mit  40°  verflácht,  mit  lenticularen  Quarznestern ;  dann 
bei  196  ein  3m  machtiger  Uralitdioritgang.  Im  weiteren  Hangenden  ein  sehr  dunnschie- 
friger  Glimmerschieferphyllit  ph  mit  einem  echten  Dioritgange  d  von  lm  Máchtigkeit  bei 
192,  in  dessen  Hangendem  wieder  langgezogene  Quarzlinsen  erscheinen.  Beim  Wáchterhaus 
279  wendet  sich  die  Glimmerschiefer-Uferterasse  in  der  Richtung  des  Streichens  gegen 
Kojic,  wesshalb  sie  hier  nicht  weiter  ausgefuhrt  erscheint.  —  Massstab  1 :  10000. 

Fig.  4  pag.  48  stellt  die  westliche  Stirnansicht  der  Černá  skála  WNW  von 
Hošťalovic  vor;  dieselbe  ragt  aus  Chloritdioritaphaniten  hervor.  ist  ganz  deutlich  ge- 
schichtet,  vielfach  gefaltet  und  durch  Quarzkliifte  durchsetzt. 

Fig.  5  pag.  50  das  Thálchen  von  Tupes  gegen  den  WNW  Lipolticer-Teich.  Bei 
Tupes  tritt  die  aus  groben  lichten  quarzigen  Grauwacken  der  Etage  B  bestehende  Mauer 
aus  der  turonen  Kreideuberlageruug  t  hervor  und  wird  durch  eine  nicht  ganz  deutlich 
entblósste  Verwerfung,  die  parallel  zum  Streichen  geht,  durchsetzt.  Am  Ausbisse  zeigen  sich 
grosse,  von  der  Brandung  des  Kreidemeeres  abgerundete  Knauer  der  Grauwacke.  Gegen 
SW  folgen  Wechsellagerungen  von  Grauwackenschiefern,  die  denjenigen  der  Etage  C 
áhnlich  sind,  mit  den  quarzigen  Grauwacken  B ;  dann  ebensolche  "Wechsellagerungen,  jedoch 
mit  dunklen  kórnigen  Grauwacken  C,  bis  dieselben  unter  Lipoltic  vorherrschend  werden. 
Die  Zeichen  B,  C  bedeuten  nicht  das  Zeichen  der  betreffenden  Etage,  sondern  beziehen 
sich  nur  auf  das  Gestein. 

Fig.  6  pag.  50,  140.  Der  Gangstock  des  Diabases  in  dem  zu  einer  Schlucht 
verengten  Thálchen  bei  Chrtník  (S  Choltic).  Bei  der  Ságe  durchbricht  Diabas  d  das 
quarzige  feste  Grauwackenconglomerat  B  und  schliesst  auch  eine  Scholle  von  Conglomerat 
B  und  Grauwackenschiefer  C  ein.  Das  Liegende  C,  sudlich  von  der  Miihle  besteht  aus 
transversal  schiefrigen  Grauwackenschiefern,  in  denen  gewisse,  in  der  Zeichnung  punctirte 
Grauwackenschichten  den  Verlauf  der  Schichtung  andeuten,  welche  sonst  durch  die  falsche 
Schieferung  ganz  verdeckt  werden  wiirden. 

Fig.  7  pag.  54.  Idealer  Durchschnitt  durch  das  Eisengebirge  zwischen  Semtěš 
und  der  Skála  bei  Lipoltic.  Aus  der  Kreideebene  der  Doubravkadepression  bei  Semtěš 
erhebt  sich  uber  turonen  Schichten  t,  der  Steilrand  des  Eisengebirges,  welcher  aus  Glim- 
merschiefern  p,  p  und  Amphibolschiefern  am  gebildet  ist.  Deutlich  aufgelagert  sind  die 
cambrischen  Schichten  A  mit  der  lagerartigen  Kalklinse  bei  der  Vápenice.  Des  uber  der 
Etage  A  folgende,  bis  gegen  Lhotka  ist  nicht  so  gut  entblosst,  als  es  wunschenswerth 
wáre.  Es  sind  dies  zuerst  tuffige  dunkelgriine  Grauwacken  und  Grauwackenschiefer  d  l, 
dann  Chlorit-Dioritaphanite  a  mit  eingeschaltéten  Stocken  von  Aphanitconglomerat  s, 
welches  bei  Lhotka  steil  nach  NO  einfallt.  Die  nun  dariiber  folgenden  graugriinen  Grau- 
wacken d  und  dunklen  Grauwackenschiefer  b  mit  transversaler  Zerkluftung,  welche  immer 
die  Mauer  der  festen  quarzigen  Grauwacke  der  Etage  B  begleiten,  sind  ziemlich  deutlich 
entblosst,  steil  verfláchend.  Was  das  Liegende  und  was  das  Hangende  hier  wáre,  bleibt 
unbestimmt.  Bei  Podvrd  verlieren  sich  die  Schichten  B  abermals  unter  obercenomanen 
und  turonen  Schichten  ko,  t. 

Fig.  8  pag.  57.  Ein  Durchschnitt  durch  das  Thal  von  der  Bačala-Muhle  gegen 
Citkov.  Bei  Dolan  bilden  korycaner  sandige  Kalke  ko  den  Fuss  der  Eisengebirges.  Die 
graugrunen  Grauwacken  d  und  die  festeren  grauschwarzen  quarzigen  Grauwacken  ds  sind 
der  Lagerung  nach  zu  den  Quarziten  d2  nur  ideál  dargestellt,  da  hier  irgendwo  die 
Zbislavec-Chotenicer  Bruchlinie  durchgehen  diirfte,  welche  nicht  gut  entblosst  ist.  Weiter 
folgen  vielfach  gefaltete  antiklinal,   synklinal  und  isoklinal  verbogene  Schwarze  Thon- 


206 

schiefer  der  Zone  d,,  deren  Lagcrungsverháltniss  gegen  d2  gleichfalls  nicht  zweifcllos 
blossgelegt  ist.  Die  Lagerung  wird  erst  im  Liegenden  des  Kalklagers  eine  deutliche, 
weniger  gestorte;  nur  das  Podoler  Kalklager  v  ist  in  der  Citkover  Schlucht  lokal  ver- 
worfen.  Die  Hangendschiefer  dr  verfláchen  wenig  gestórt,  bis  sie  an  aplitiscbe  Granite  ap 
und  rotbe  Granite  g  anstossen,  in  welchen  Quarzporpbyrgánge  p  eingelagert  sind. 

Fig.  9  pag.  59.  Der  máchtigste  Theil  des  Kalkstockes  bei  Boukalka.  Sowobl 
im  Hangenden  wie  im  Liegenden  verflácben  die  scbwarzen  Thonscbiefer  dt  nacb  S  ganz 
deutlicb,  trotz  ibrer  transversalen  Scbieferung.  Erst  im  linken  Gehánge  der  Prachovicer 
Scblucbt  stellen  sicb  die  vielfachen  Scbieferknickungen  ein.  Bei  m  treten  im  Kalkstocke 
die  Minettegánge  auf,  welcbe  auf 

Fig.  10  pag.  59  vergróssert  dargestellt  sind.  Die  Figur  stellt  die  entblosste  Wand 
eines  Kalkbruebes  oberbalb  (S)  Boubalka  vor;  m  sind  die  Minettegánge  im  kornigen, 
wobl  gescbicbteten  Kalke. 

Fig.  11  pag.  61.  Ein  Durchschnitt,  ideál  gebalten,  durcb  den  ostlichen  Tbeil 
des  Eisengebirges  íiber  Deblov.  g  sind  rotbe  Granite  mit  Felsiten  /,  schiefrigen  Felsit- 
porpbyren  fp,  und  Dioritapbaniten  a,  an  welcben  die  Scbiefergesteine  des  Eisengebirges 
absetzen.  NNW  von  Pohořalka  ragt  die  deutlicb  gescbicbtete  geneigte  Mauer  von  d2 
mit  Scolithus-Resten  hervor;  diese  Scbicbten  sind  gewolbartig  gebogen;  unter  denselben 
erscbeinen  scbwarze  Tbonscbiefer  bis  zur  Mauer  von  d2  bei  Deblov.  Hier  bleibt  das 
Verháltniss  von  d2  und  d2  insofern  unklar,  als  es  nicbt  sicher  erwiesen  ist,  ob  unter 
Deblov  eine  Verwerfungskluft  durchgeht,  trotzdem  dasz  viel  Wahrscheinlichkeitsgrunde 
fur  den  Bestand  einer  Brucblinie  vorliegen,  Unter  Mejtky  sind  wieder  scbwarze  Tbon- 
schiefer  át  abgelagert,  die  sicb  unter  korycaner  Scbicbten  ko  verlieren.  Unbestimmt 
bleibt  es,  ob  ein  oder  zwei  Ziige  von  Quarziten  bier  besteben. 

Fig.  12  pag.  62.  Contactstelle  zwiscben  siluriscben  Tbonscbiefern  p  und  lauren- 
tiniscbem  Gneuse  r  in  der  Scblucbt,  welche  von  der  ostlicben  Muhle  bei  Vojnůvměstec 
gegen  ONO  aufsteigt.  Die  Stelle  des  Durcbscbnittes  ist  beinabe  genau  -9  km  O  von 
Vojnůvměstec.  Die  Tbonschiefer  liegen  auf  dem  Gneuse  discordant  und  werden  SW  von 
obercenomanen  ce  und  turonen  Scbichten  t  iiberlagert. 

Fig.  13  pag.  81.  Ein  Durcbscbnitt  durcb  das  Kreideplateau  von  Leitomyšl- 
Hobenmauth.  Der  Scbnitt  gebt  uber  Proseč  und  Sudislav  in  gerader  Ricbtung.  Bei 
Proseč  berrscben  rotbe  Granite  G  vor,  welche  eine  Scbolle  von  zu  Amphibolphyllit  um- 
gewandelten  tiefsten  Silurgesteinen  P  einscbliessen.  Auf  dem  Granit  ruben  mácbtige 
Quaderschichten  U.  C.  des  Unteren  Cenomans  (Perucer  Scbicbten),  darauf  die  Unterturonen 
Pláner  U.  T.,  welcbe  in  der  tieferen  Stufe  aus  dem  Bauplaner  in  der  oberen  parallcl 
schraffirten  Stufe  aus  merglig  dúnnplattigen  Schicbten  besteben,  welcbe  die  erste  ticfere 
Terrain-Stufe  unter  Cbotovice  bilden.  Die  zweite  Terrain-Stufe  bilden  mittelturone  unten 
plattige,  oben  festere  Kalkpláner  (Iserschichten)  M.  T.,  welcbe  in  den  obersten  Lagen 
sandig  kalkig  und  reich  an  Callianassa-Resten  sind.  In  der  Loučná-Niederung  bedecken 
diese  Mittelturonplaner  bláulich  grauc  diinnplattige  Pláner  und  Mergel  des  Obcrturons 
(Teplicer  Schichten)  O.  Tt  welche  der  Schnitt  zwischen  Cerekvice  und  Heřmanic  zeigt. 
In  dem  Horizonte  der  Stillen  Adler  zeigen  sich  keine  Untercenomanen  Quader,  sondern 
bloss  glaukonitische  Sandsteine  des  Obercenomans  O.  C.  (Korycaner  Schichten)  welche 
stellenweise  auf  inselartig  zum  Vorschein  kommenden  Graniten  G  aufruhen.  Diese  ober- 
cenomanen Sandsteine  diirften  im  SW  Theile  des  Durchschnittes  zwischen  Bor  und 
Chotovic  in  der  tiefsten  Lage  des  Unterturons  U.  T.  vorhanden  sein,  da  sie  hier  schwach 
und  mergelig  entwickelt  sind.  Im  Steilrande  der  Ufergehánge  der  stillen  Adler  bei 
Sudislav  wiederholt  sich  die  Auflagerung  der  Plánerschichten  U.  T.  (Unterturon)  M.  1\ 
(Mittelturon)  wie  scbon  erwáhnt.  Der  dargestellte  Durchschnitt  zeigt  den  flach  mulden- 
formigcn  Charakter  der  ganzen  Ablagerung  des  Kreidesystems. 


207 


Fig.  14  pag.  112.  Eiu  Durckschnitt  in  der  unbedeutenden  Thalschlucht  initten 
zwischen  Unter-Holetín  und  Ober-Babákov,  oder  genau  S  1 V2  km  vou  Stříteř  (N  Hlinsko), 
die  Gránze  zwiscben  Granit  und  Phyllit  p  (umgewandelten  Grauwackenschiefer  der  Hlinsko- 
Skučer  Schieferinsel)  darstellend. 

Der  jiingere  Biotitgranit,  grauer  Granit  ž  von  etwas  gneusahnlicher  Textur  gránzt 
an  Phyllit,  welcher  zu  kleinkornigem  gestrecktem  Amphibolschiefer  a  metamorphosirt  ist, 
der  in  Phyllit  p  ubergeht.  Gánge  von  Diorit  d  und  ganz  unvollkommen  schiefrigem  Granit- 
porphyr  (oder  Quarzporphyr)  po  durchsetzen  nahé  der  Granze  die  Phyllite,  welche  in  der 
Náhe  der  Gange  in  der  Lagerung  gestort  sind.  Der  Schnitt,  welcher  genau  von  N  nach 
S  geht,  durchsetzt  die  Schichten  etwas  schief,  da  deren  Verflachen  (falls  es  nicht  die 
transversale  Textur  ist)  nach  83/4h  mit  78  bis  d1/^  mit  80°  gerichtet  ist.  Die  unvoll- 
komniene  Schieferung  des  Granitporphyres  geht  parallel  der  schiefrigen,  wahrscheinlich 
aber  transversalen  Textur  des  Phyllites. 

Fig.  15,  16,  17  pag.  190.  Streckenorter  auf  Pyritlagern  im  Pyrophyllitschiefer 
ani  7,  6  und  5  Laufe  des  Bartholomeischachtes  in  Gross-Lukavic.  Die  derben  lager- 
artigen  Pyritbanke  und  Schniire,  welche  schwarz  gehalten  sind,  begleitet  Quarz  in  lenti- 
cularen  Nestern.  Dié  Máchtigkeit  ist  sehr  wechselnd. 

Fig.  18  pag.  190.  Ein  Abbauort  auf  einzelne  lenticulare  Pyritbanke  (Lager)  und 
lagerartige  Schnurchen  am  1  Laufe.  Die  Pyrophyllitschiefer  sind  stellenweise,  da  sie  nicht 
tief  unter  Tage  liegen  durch  in  Zersetzung  bcgriffenen  Pyrit  braunlich  gefleckt.  Samnitliche 
Knickungen  der  Schichten  machen  die  Bánke  des  Pyrites  mit,  welche  in  ihrer  Ge- 
sammtheit  als  Lagerstock  aufzufassen  wáren. 


THE  LI8RARY  OF  THE 

APR  23  1938 

UNiVEHKITY  OF  ILLINOIS 


DAS  ARCHIV 

fůr  die 

naturwissenschaftliche  Landesdiirchforschung  von  BShnien 

unter  Redaktion  von 

Prof.  Dr.  K.  Kořistka  und  Prof.  J.  Krejčí 
enthált  folgende  Arbeiten: 

EnSTEPl  BAND. 

I.  Die  Arbeiten  der  topographischen  Abtheilung  (Terrain  und  Hóhenverháltnisse) 
Dieselbe  enthált: 

a)  Das  Terrain  und  die  Hóhenverháltnisse  des  Mittelgebirges  und  des 
Sandsteingebirges  im  nórdlichen  Bohmen  von  Prof.  Dr.  Karl  Kořistka. 
139  Seiten  Text,  2  chromolith.  Ansichten,  1  Profiltafel  und  11  Holzschnitte. 

b)  Erste  Série  gemessener  Hóhenpunkte  in  Bohmen  (Sect.-Blatt  II.)  von  Prof. 
Dr.  Kořistka.    128  Seiten  Text. 

c)  Hóhenschichtenkarte,  Section  II.,  von  Prof.  Dr.  Kořistka.  Diese  Kartě  enthált 
die  in  dem  Text  a)  besehriebene  Situation.  Sie  ist  58  Centimeter  lang,  41  Centimeter  hoch, 
im  Massstabe  von  1  : 200.000  gezeichnet,  und  es  sind  die  allgemeinen  Hóhenverháltnisse 
durch  Schichtenlinien  von  25  zu  25  Meter  und  durch  verschiedene  Farben  ausgedrúckt. 
Preis  fl.  4* —   Preis  der  Kartě  app  n-  1*60 

II.  Die  Arbeiten  der  geologisehen  Abtheilnng.   Dieselbe  enthált: 

a)  Vorbemerkungen  oder  allgemeine  geologische  Verháltnisse  des  nórd- 
lichen Bohmen  von  Prof.  Johan n  Krejčí.    37  Seiten  Text,  7  Holzschnitte. 

Z>J  Studien  im  Gebiete  der  bóhm.  Kreideformation  von  Prof.  J.  Krejčí. 
142  Seiten  Text,  1  chromolith.  Ansicht,  39  Holzschnitte. 

c)  Paláontologische  Untersuchungen  der  einzelnen  Schichten  der  bohm. 
Kreideformation  sowie  einiger  Fundorte  in  anderen  Formationen  von 
Dr.  Anton  Fric.    103  Seiten  Text,  4  chromolith.  Tafeln,  9  Holzschnitte. 

d)  Die  Steinkohlenbecken  von  Radnic,  vom  Húttenmei ster  Karl  Feis tm an tel. 
120  Seiten  Text,  40  Holzschnitte,  2  Karten  der  Steinkohlenbecken  von  Radnic  und  Bras. 
Preis  fl-  450 

III.  Die  Arbeiten  der  botanischen  Abtheilung.   Dieselbe  enthált : 
Prodromus  der  Flora  von  Bohmen  von  Dr.  Ladislav  Čelakovský.  (I  Theii.) 
104  Seiten  Text.   Preis   n- 

IV.  Zoologische  Abtheilnng.   Dieselbe  enthált: 

a)  Verzeichniss  der  Káfer  Bóhmens  vom  Conservator  Em.  Lokaj.  78  Seiten  Text. 

b)  Monographie  der  Land-  und  Sůsswassermollusken  Bóhmens  vom  Assi- 
stenten  Alfred  Slavík.    54  Seiten  Text  und  5  chromolith.  Taíeln. 

c)  Verzeichniss  der  Spinnen  des  nórdlichen  Bohmen  vom  Real-Lehrer 
Emanuel  Bárta.    10  Seiten  Text.   Preis  n.  1  — 

V.  Chemiscbe  Abtheilnng.   Dieselbe  enthált: 

Aualytische  Untersuchungen  von  Prof.  Dr.Hoffmann.  16  S.  Text.  Preis  25  kr. 
Preis  des  ganzen  I.  Bandes  (Abth.  I.  bis  V.)  geb  ti.  y  — 

Z  W  E  I  T  E  R   B  A  N  X>. 
Erster  Theil.  (Hálfte.) 

I.  Die  Arbeiten  der  topographischen  Abtheilung  (Terrain-  und  Hóhenverháltnisse). 
Dieselbe  enthált: 

!  a)  Das  Terrain  und  die  Hóhenverháltnisse  des  Iser-  und  des  Riesen- 
gebirges  und  seiner  sudlichen  und  óstlichen  Vorlagen  von  Prof.  Dr.  Karl 
Kořistka.  128  Seiten  Text,  2  chromolith.  Ansicht,  1  Profiltafel  und  10  Holzschnitte. 

b)  Zweite  Série  gemessener  Hóhenpunkte  in  Bohmen  (Sect.-Blatt  III.)  von  Prot. 
Dr.  Kořistka.    84  Seiten  Text.  . 

c)  Hóhenschichtenkarte,  Section  IH.,  von  Prof.  Dr.  Kořistka.  (Diese  Kartě 
enthált  die  in  dem  vorstehenden  Text  angegebene  Situation,  sie  ist  58  Centimeter  lang, 
41  Centimeter  hoch,  im  Massstabe  von  1 : 200.000  gezeichnet,  und  es  sind  die  allgemeinen 
Hóhenverháltnisse  durch  Schichtenlinien  von  25  zu  25  Meter  und  durch  verschiedene  ř  arben 
ausgedrúckt.  Preis  dieser  Abtheilung  n-  4*50 


II.  Die  Arbeiten  der  geologischen  Abtheilung.   I.  Theil  enthált: 

a)  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:  Fauna  der  Steinkohlenformation  Bóhmens  mit  4  Tafeln. 

b)  Karl  Feistmantel :  Die  Steinkohlenb ecken  bei  Klein-Přílep,  Lísek,  Stílec, 
Holoubkow,  Mirescbau  und  Letkow  mit  9  Holzschnitten. 

e)  Jos.  Vála  und  R.  Helmbacker:  Das  Ei sensteinv orkommen  in  der  Gegend 

von  Prag  und  Beraun  mit  6  Tafeln,  9  Holzschnitten  und  1  Kartě. 
d)  R.  Helmhacker:  Geognostische  Beschreibung  eines  Theil  es  der  Gegend 
zwischen  Beneschau  und  der  Sázava,  mit  1  Tafel  und  1  Kartě. 

Dieser  Theil  enthált  448  Seiten  Text,  11  Tafeln,  18  Holzschnitte  und  2  geol.  Karten. 

Preis  fl.  4  — 

II.  Theil  enthált: 

Dr.  Em.  Bořický:  Pe tr o gr aphis ch e  Studien  an  den  Basaltgesteinen  Bóhmens 

mit  294  Seiten  Text  und  8  Tafeln.   Preis  fl.  3*50 

Preis  der  ganzen  ersten  Hálfte  des  zweiten  Bandes  (I.  und  II.  Abtheilung  zusammen)  geb.  fl.  10' — 


55  W  E  I  T  E  JE\,    B  A  N  I>. 

Zweiter  Theil.  (Halfte.) 

III.  Botanische  Abtheilung.   Dieselbe  enthált: 

Prodromus  der  Flora  von  Bóhmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovský  (II.  Theil) 
288  Seiten  Text  und  1  Tafel.   Preis  fl.  260 

IV.  Zoologische  Abtheilung.   Dieselbe  enthált: 

a)  Prof.  Dr.  Ant.  Fric:    Die  Wirbelthiere  Bóhmens. 

b)  „       „       „        „       Die  Flussf ischerei  in  Bóhmen. 

c)  „       .,       „        „       Die  Krustenthiere  Bóhmens. 

Mit  1  Tafel,  100  Holzschnitten,  272  Seiten  Text.    Preis  fl.  3*— 

V.  Chemische  Abtheilung. 

Prof.  Dr.  Em.  Bořický:  Uber  die  Verbreitung  des  Kali  und  der  Phosphorsáure 
in  den  Gesteinen  Bóhmens.    58  Seiten  Text.  Preis  60  kr. 

Preis  der  ganzen  zweiten  Hálfte  des  zweiten  Bandes  (III.,  IV.  u.  V.  Abth.  zusammen)  geb.  fl.  5' — 
Es  kann  der  zweite  Band  sowohl  im  Ganzen,  wie  auch  in  den  ftinf  angefuhrten  Haupt- 
abtheilungen,  deren  jede  ein  fur  sich  abgeschlossenes  Ganzes  bildet,  bezogen  werden. 


r>  i\  i  r  r  e  it  batso. 

Davon  ist  bisher  erschienen: 

II.  Geologische  Abtheilung: 

I.  Heft.   Petrographische  Studien   an  den  Phonolithgesteinen  Bóhmens  von 
Prof.  Dr.  Em.  Bořický  mit  2  chromolith.  Tafeln,  96  Seiten  Text.  Preis  .  .   fl.  1  — 

II.  Heft.    Petrographische  Studien   an    den  Melaphyrgesteinen   Bóhmens  von 

Prof.  Dr.  Em.  Bořický  mit  2  chromolith.  Tafeln.    88  Seiten  Text.    Preis  fl.  1  — 

III.  Heft.   Die  Geologie   des   bóhmischen  Erzgebirges  (I.  Theil)   von  Prof.  Dr. 

Gustav  Laube  mit  mehreren  Holzschnitten  und  einer  Profiltafel.  216  Seiten  Text 
Preis  fl.  2'— 

III.  Botanische  Abtheilung: 

Prodromus  der  Flora  von  Bóhmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovský.    (III.  Theil. 
Schluss.)   320  Seiten  Text.   Preis  fl.  2*40 

IV.  Zoologische  Abtheilung: 

I.  Heft.    Die  Myriopoden  Bóhmens  von  F.  V.  Rosický  mit  24  Holzschnitten.  44  Seiten 

Text.  Preis  60  kr. 

II.  Heft.    Die  Cladoceren  Bóhmens   von  Bohuslav  Hellich  mit  70  Holzschnitten. 
132  Seiten  Text. 

V.  Chemisch-petrologische  Abtheilung: 

Elemente  einer  neuen  chemisch-mikroskopischen  Minerál- und  Gesteinsanalyse 
von  Prof.  Dr.  Bořický  mit  3  Holzschnitten  und  2  lith.  Tafeln.  80  Seiten  Text.  fl.  1*40 


~V  I  E  JFt  T  E  R,  BAND. 

No.  1.    Studien  im  Gebiete  der  bóhmischen  Kr  e  ide  f  ormation.    Die  Weissen- 

berger  und  Malnitzer  Schichten  von  Dr.  Anton  Frič  mit  155  Holzschnitten. 

154  Seiten  Text.    Preis  fl.  3  — 

No.  2.  Erláu  terungen  zur  geologischen  Kartě  der  Umgebungen  von  Prag  von 

J.  Krejčí  und  R.  Helmhacker  mit  1  Kartě,  mehreren  Profilen  und  Holzschnitten  fl.  4*50 
No.  3.  Prodromus  der  Flora  von  Bóhmen  von  Prof.  Dr.  Ladislav  Celakovský. 

(IV.  Theil.)    Nachtráge  bis  1880.    Verzeichniss  und  Begister. 
No.  4.  Petrologische   Studien  an  den  Porphyrgesteinen  Bóhmens  von  Prof.  Dr* 

Em.  Bořický  (noch  nicht  erschienen). 
No.  5.  Flora  des  Flussgebietes  der  Cidlina  und  Mrdlina  von  Prof.  Ed.  Pospíchá  1 
No.  6.  Der  Hangendflótzzug  im  Schlan-Rakonitzer  Steinkohlenbecken  von  Carl 

Feistmantel. 


Druck  von  Dr.  Ed.  Grógr  in  Prng  1882.  —  Selbstverlag. 


STUDIEN 

im  Gebiete  der 


BOHMISCHEN  kreideformam 


Palaeontologische  Iwhip  der  einzdn  Sickk 

ni. 

Die  Isersehiehten. 

VON 

XDr.        3ST  T.  !F  R  I  O- 

Mit  132  Textfiguren. 

(ARCHIV  DER  NATURW.  LANDESDURCHFORSCHUNG  VON  BOHMEN.) 
V.  Band.  Nro.  2.  (Geologische  Abtheilung.) 

v$> — **** — 

P  R  A  G. 

In  Comm  ission  bei  FR.  ŘIVNÁČ. 
1883. 


STUDIEN 

im  Gebiete  der 

BÓHMISGHEN  KREIDEFORMATION. 

Palaeontologische  Untersuchinigen  der  einzelnen  SáieMá 

in. 

Die  Iserschichten. 

Von 

3Dr-  ^nsrrr.  frió. 


Mit  132  Textfiguren. 


(Archiv  der  naturw.  Landesdurehforschung  von  Bohmen.) 
V.  Band  Nr.  2.  (Geolog.  Abtheilung.) 


PR  AG. 

Commissions-Verlag  von  Fr.  Řivnáč.  —  Druck  von  Dr.  Ed.  Grégr. 

1883. 


I 


VORWORT. 


Die  vorliegende  Arbeit  ist  die  Fortsetzung  der  Detailstudien  in  den 
einzelnen  Schichten  der  bohm.  Kreideformation,  wie  ich  mir  dieselbe  zur 
Aufgabe  gestellt  habe.  Die  cenomanen  Perutzer  und  Korycaner  Schichten 
wurden  im  ersten,  die  turonen  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten  im 
zweiten  Bandě  des  Archives  fíir  die  Landesdurchforschung  behandelt.  Es 
folgen  nun  die  zunáchst  jiingeren  senonen  Iserschichten,  deren  Studium 
mit  ganz  besonders  grossen  Schwierigkeiten  verbunden  war. 

Es  zeigte  sich  aber  auch  hier,  dass  aus  dem  Labyrinthe  cler  álteren 
verschiedenen  Quader-  und  Plánerbezeichnungen  nur  durch  Festhalten  an 
paláontologischen  Horizonten  der  Ausweg  zu  finden  ist  und  dass  die  meist 
locale  petrographische  Beschaffenheit  der  Ablagerungen  von  untergeordneter 
Bedeutung  ist. 

Das  Einsammeln  der  Petrefacten  und  die  Untersuchung  der  Profile 
begann  im  Jahre  1864  und  dauerte  mit  kleinen  Unterbrechungen  bis  zum 
Jahre  1881  und  zwar  immer  in  den  Ferienmonaten,  wáhrend  in  den  Winter- 
monaten  an  der  Sichtung  und  Bestimmung  der  Petrefacten  gearbeitet  wurde. 

Trotz  der  vielen  verwendeten  Miihe  kann  man  nachfolgende  Arbeit 
nicht  als  eine  den  Gegenstand  erschopfende  Monographie  betrachten,  son- 
dern  nur  als  einen  Fiihrer,  welcher  weiteren  Studien  zur  Basis  dienen  soli. 

Beziiglich  der  einschlágigen  Literatur  erlaube  ich  mir  darauf  hinzu- 
weisen,  dass  bereits  im  ersten  Bandě  des  Archives  pag.  171  ein  Yer- 
zeichniss  der  einschlágigen  Werke  sowie  deren  Wíirdigung  von  Prof.  Krejčí 
gegeben  wurde. 

Es  kann  nicht  meine  Aufgabe  sein7  in  Nachfolgendem  alle  veralteten 
hie  und  da  gemachten  Aeusserungen  íiber  die  Iserschichten  zu  kritisiren, 


denn  es  sind  dieselben  meist  ganz  ohne  paláontologische  Basis  oder  stiitzen 
sich  auf  spárliches  Materiál.  Bei  dem  den  Publicationen  des  Archives  knapp 
zugemessenen  Umfange  wiirde  es  eine  undankbare  Aufgabe  sein,  Behaup- 
tungen  zu  bekámpfen,  an  deren  Vertheidigung  wohl  heutzutage  Niemand 
denken  wird. 

Auch  die  álteren  Versuche  der  Parallelisirung  der  Isersehichten  mit 
Ablagerungen  in  anderen  Lándern  waren  vor  der  Verarbeitung  des  reichen 
Materials  an  Petrefacten  werthlos  und  man  wird  nach  der  Erkenntniss  des 
in  Nachfolgendem  geschilderten  Detail  die  analogen  auswártigen  Localitáten 
von  Neuem  genau  untersuchen  miissen  und  vielfach  neue  Einsammlungen 
von  Petrefacten  mit  genauer  Prácisirung  der  Fundschichte  vorzunehmen 
gezwungen  sein,  bevor  man  zur  Vergleichung  mit  unseren  Isersehichten 
wird  schreiten  kónnen. 

Ich  theilte  auch  diese  Arbeit  in  drei  Abschnitte,  von  denen  der  erste 
die  allgemeine  Charakteristik  der  untersuchten  Schichten,  der  zweite  die 
specielle  Beschreibung  der  einzelnen  Localitáten  enthált,  wáhrend  der  dritte 
illustrirte  Belege  fur  die  vorgefundenen  Arten  nebst  kurzen  Anmerkungen 
liefert  und  vor  Allem  zur  Orientirung  unserer  einheimischen  der  grossen 
paláontologischen  Literatur  entbehrenden  Freunde  der  Palaontologie  dienen 
soli  und  keineswegs  auf  eine  erschopfende  Bearbeitung  des  vorliegenden 
Materiales  Anspruch  machen  will. 

PRAG  im  Jánner  1883. 


Dr.  A.  Fric. 


L  Charakteristik  und  Gliederung  der  Iserschichten. 


Charakteristik  der  Iserschichten. 

Die  Iserschichten  wurden  unter  diesem  Namen  zuerst  von  Prof.  Krejčí*)  als 
ein  selbststándiges  Glied  der  bohmischen  Kreideformation  angefiihrt.  Es  geschah 
diess  vor  Allem  wegen  ihrer  orographischen  Bedeutung,  da  sie  in  einer  Máchtigkeit 
bis  zu  100  Meter  auf  weite  Strecken  die  gleiche  Beschaffenheit  behalten  und  als 
ein  orographisch  individualisirtes  Plateau  den  ganzen  Baum  zwischen  dem  basal- 
tischen  Mittelgebirge,  der  Elbe  und  der  Iser  bis  zur  Landesgrenze  und  daruber 
hinaus  in  das  Bereich  der  sogenannten  sáchsischen  Schweiz  einnehmen.  Die 
paláontologische  Begrundung  blieb  spáteren  Detailarbeiten  vorbehalten. 

In  den  álteren  Schriften  des  Prof.  Keuss  finden  wir  aus  dem  Grunde  nichts 
Náheres  daruber,  weil  diese  Schichten  in  dem  von  ihm  untersuchten  westlichen 
Theile  von  Bohmen  nur  schwach  angedeutet  und  nicht  in  ihrer  charakteristischen 
Form  entwickelt  sind.  Bloss  bei  einigen  Petrefacten  fiihrt  er**)  an,  dass  sie  in 
dem  kalkigen  Sandsteine  des  ostl.  Bohmens  vorkommen. 

Es  sind  diess  z.  B,  Mytilus  Ligeriensis  (jetzt  Modiola  typica),  Cyprina  oblonga 
von  Auscha  und  Callianassa  von  Triebitz. 

In  einer  spáteren  Schrift***)  erwáhnt  er  der  Schichten,  mit  denen  wir  uns 
befassen  und  reiht  die  sandsteinartigen  Gebilde  im  ostlichen  Bohmen  bei  Triibau, 
Triebitz  etc.  (p.  76)  in  die  „mittlere  Abtheilung  der  bóhm.  Kreide",  fugt  aber 
hinzu,  dass  ihre  Stellung  noch  keineswegs  sichergestellt  ist. 

Die  Quadersandsteine  dieser  Schichten  machten  den  Geologen  viel  Schwierig- 
keiten  und  man  quálte  sich  ab  mit  der  Sicherstellung,  ob  es  ein  Unterquader, 
Mittelquader  oder  Oberquader  sei. 

In  Bohmen  ist  es  aber  nicht  rathsam,  die  petrographische  Erscheinung  des 
Quadersandes  als  Hilfsmittel  zur  Bezeichnung  von  einzelnen  Schichten  verschie- 
denen  Alters  zu  beniitzen,  denn  wir  haben  nicht  weniger  als  8  Quadersande  ver- 
schiedenen  Alters: 

1.  Quadersandstein.  Cenomane  Siisswasserablagerung  mit  Pflanzenabdríicken. 
(Perucer  Schichten.) 

2.  Quadersandstein.  Cenomane  Meeresablagerungen.    (Korycaner  Schichten.) 


*)  Zweiter  Jahresbericht  der  Durchforschung  von  Bohmen  1867  und  Archiv  fúr  Landes- 
durchforschung,  erster  Band  Sect.  II  pag.  48. 

**)  Versteinerungen  der  bóhm.  Kreideformation  EL,  pag.  4  und  16. 

***)  Kurze  Uebersicht  der  geognostischen  Verháltnisse  Bohmens,  Prag,  Calve'sche  Buchhand- 
lung  1854,  pag.  76. 

1 


2 


3.  Quadersandstein.  Sandige  Facies  der  turonen  Schichten  mit  Inoceramus 
labiatus  in  der  sáchsischen  Schweiz.   (Weissenberger  Schichten.) 

4.  Quadersandstein.  Rhynchonellenquader  der  Dřinover  Knollen  (bei  Melnik). 
(Weissenberger  Schichten.) 

5.  Quadersandstein.  Rhynchonellenquader  der  Byšicer  Uebergangsschichten. 
(Iserschichten.) 

6.  Quadersandstein.  Erster  Kokořiner  Quader.  (Iserschichten.) 

7.  Quadersandstein.  Zweiter  Kokořiner  Quader.  (Iserschichten.) 

8.  Quadersandstein.  Die  Quader  von  Grossskal  und  Tannenberg.  (Chlomeker 
Schichten.) 

Da  die  Quadersandsteine  petrographisch  meist  vollkommen  gleich  sind  und  nur 
selten  (mit  Ausnahme  der  Korycaner  Schichten)  hinreichend  bezeichnende  Petre- 
facten  enthalten,  so  ist  man  darauf  hingewiesen,  ihr  relatives  Alter  nach  den 
paláontologischen  Einschlussen  der  plánerigen  und  kalkigen  Lagen,  welche  unter 
und  iiber  ihnen  liegen,  zu  beurtheilen.  In  das  Bereich  der  Iserschichten  fallen 
von  den  angefuhrten  Quadern  drei:  Nr.  5,  6  und  7  der  oben  angefúhrten  Reihe. 

Auf  den  alteren  Karten  der  geologischen  Reichsanstalt  waren  die  Iserschichten 
nicht  ausgeschieden,  sondern  mehr  vom  petrographischen  Standpunkte  aus  ihre 
Quader  und  Quadermergel  mit  denselben  Farben  wie  die  alteren  Pláner  und  Quader 
bezeichnet.  Erst  Dr.  U.  Schlonbach,  welcher  unsere  Petrefactensammlungen  durch- 
zusehen  Gelegenheit  hatte  und  welchen  ich  zu  den  von  uns  eruirten  instructiven 
Aufschliissen  begleitete,  erkannte  die  Richtigkeit  der  Ausscheidung  der  Iserschichten 
als  selbststándiges  Glied  unserer  Kreideformation  und  fuhrt  die  Weissenberger, 
Malnitzer  und  Iserschichten  in  seinem  Mittel-Quader  und  Mittelpláner  an  *),  in 
welcher  Auffassung  sie  seither  auf  den  Karten  der  geol.  R.-Anstalt  aufgetragen 
erscheinen. 

Die  paláontologische  Begrundung  der  Selbststándigkeit  der  Iserschichten 
blieb  mir  vorbehalten  unci  ich  wurde  in  der  Losung  der  Aufgabe  sehr  ausgiebig 
durch  die  Bearbeitung  der  Echinodermen  von  Dr.  Otom.  Novák  unterstiitzt,  deren 
Ergebnisse  die  Selbststándigkeit  der  Iserschichten  glánzend  bestátigten. 

Der  stratigraphische  und  paláontologische  Charakter  der  Iserschichten  lásst 
sich  in  kurzen  Worten  folgendermassen  ausdriicken : 

Die  Iserschichten  sind  kalkige  und  sandige  Ablagerungen, 
welche  den  Malnitzer  Schichten  mit  Ammonites  Woolgari  auf- 
gelagert  sind  und  in  ihren  oberen  Lagen  durch  Ammonites  con- 
ciliatus,  Trigonia  limbata,  Pholadomya  nodulifera,  Modiola  typica, 
Micraster  Michellini,  Hemiaster  plebeius  und  Caratomus  Laubei 
charakterisirt  sind. 

Ihnen  fehlt  Ammonites  Woolgari  und  sie  besitzen  noch  nicht 
den  A  mm.  D'Orbignianus  und  Cardium  Ottonis,  welche  s  páter  zu- 
gleich  mit  der  sich  wiederholenden  Trigonia  limbata  in  den 
Chlomeker  Schichten  auftreten. 


*)  Sitzungsber.  der  geol.  Keichsanstalt  1869,  pag.  143. 


3 


Die  Iserschichten  werclen  vou  den  Teplitzer  Schichten  mit  Terebratula  sub- 
rotunda  und  Micraster  breviporus  (M.  coranguinum  fruherer  Autoren)  ůberlagert. 
(Leitomischel,  Abtsdorf,  Chlomek  bei  Melnik.) 

Da  die  Teplitzer  Schichten  nicht  ůberall  gut  entwickelt  anzutreíFen  sind  und 
wo  sie  gut  entwickelt  sind,  wieder  die  Iserschichten  nicht  typisch  auftreten,  so 
kamen  wir  auf  den  Gedanken,  dass  sich  beide  vertreten  und  nur  verschiedene 
Facies  einer  Ablagerung  reprásentiren,  zu  welcher  Aufíassung  man  auch  von  an- 
deren  Seiten  zeitweise  geneigt  war. 

Diese  Gedanken  mussten  aber  fallen,  sobald  das  grosse  Materiál  an  Petre- 
facten  gesichtet  war  und  genaue  Profile  an  neuen  giinstigen  Aufschliissen  auf- 
genommen  wurden. 

Zu  den  Eigenthumlichkeiten  der  Iserschichten  gehort  auch  das  Fehlen  der 
Exogira  columba,  welche  wir  friiher  vielfach  als  in  denselben  vorkommend  ange- 
fiihrt  haben.  Bei  sorgfáltiger  Untersuchung  der  betreífenden  Exempláre,  welche 
durch  ihre  Gesammterscheinung  und  ihr  massenhaftes  Auftreten  ganz  an  Ex.  columba 
erinnern,  zeigte  es  sich,  dass  sie  sámmtlich  Anwachsfláchen  haben,  die  aber  oft 
sehr  klein  sind  und  leicht  ubersehen  werden.  Nach  wohlerhaltenen  Exem- 
plaren  wurde  f e s tgeste lit,  dass  alle  in  den  Iserschichten  vor- 
kommenden  Exogiren,  die  friiher  fiir  Ex.  columba  gehalten  wurden, 
der  E.  conica  Sow.  angehóren. 

Oefters  wurden  friiher  von  Geinitz  und  von  uns  die  Iserschichten  denjenigen 
von  Kieslingswalde  parallelisirt,  da  sie  mit  denselben  die  Trigonia  limbata  gemein- 
schaftlich  haben ;  aber  es  zeigte  sich  nach  der  Entdeckung  der  Chlomeker  Schichten, 
dass  diese  den  Priesener  Bakulitenthonen  aufgelagerten,  durch  Cardium  Ottonis 
gekennzeichneten  viel  jungeren  Sandsteine  das  wahre  Aequivalent  der  Kieslings- 
walder  Schichten  sind. 

Man  darf  sich  nicht  durch  die  Trigonia  limbata  táuschen  lassen,  denn  sie 
tritt  bei  uns  zweimal  auf:  erstens  in  den  Iserschichten,  ohne  Card.  Ottonis 
(danu  ánderten  sich  die  Verháltnisse  und  es  lagerten  sich  die  Priesener  Baku- 
litenthone  ab)  und  zweitens  in  den  Chlomeker  Schichten,  welche  eine  modificirte 
Wiederholung  der  Iserschichten  sind,  und  da  in  Gesellschaft  von  Card.  Ottonis. 

Zur  Orientirung  uber  das  Lagerungsverhaltniss  der  Iserschichten  gebe  ich 
in  Fig.  1  ein  schematisches  stark  verkiirztes  Profil  der  ganzen  bohm.  Kreideforma- 
tion  und  zwar  in  der  Richtung  von  Raudnitz  gegen  Jung-Bunzlau,  wobei  die  Gegend 
durchschnitten  wird,  in  welcher  die  Iserschichten  am  besten  entwickelt  sind  und 
in  Fig  2  ein  Schéma  der  Schichtenfolge  mit  Andeutung  und  Charakterisirung  der 
einzelnen  Lagen. 

Diese  Schichtenfolge,  wie  wir  sie,  Prof.  Krejčí  und  ich,  im  ersten  Bandě  des 
Archives  (Sect.  II  p.  46)  aufgestellt  haben,  wurcle  seither  durch  die  wei teren 
Arbeiten  als  die  richtige  bestátigt  und  durch  paláontologische  sowie  auch  strati- 
graphische  Thatsachen  der  Beweis  geliefert,  dass  diess  eine  feste  Basis  fůr  weitere 
Studien  bildet.  (Kleine  Modification  z.  B.  bezuglich  der  Zugehórigkeit  des  Exogiren- 
sandsteins  von  Malnitz,  den  wir  friiher  zu  den  Iserschichten  rechneten,  der  aber  in 
die  Weissenberger  Schichten  gehort,  ándern  am  Ganzen  nichts.) 

i* 


Es  sei  erlaubt,  hier  eine  kurze 
Charakteristik  der  einzelnen  Schichten 
folgen  zu  lassen: 

1.  Perucer  Schichten.  Suss- 
wasserablagerungen  cenomanen  Alters. 
Quader  mit  Einschlussen  von  Schiefer- 
thonen,  die  eine  reiche  Flora,  welche 
soeben  neu  bearbeitet  wird  *)  und  spar- 
liche  Thierreste,  Mollusken  und  Insekten 
fúhren.  **) 

2.  Korycaner  Schichten.***) 
Meeresablagerungen  von  cenomanem 
Alter  mit  Trigonia  sulcataria,  Pecten 
asper  und  Ostrea  diluviana.  Sandsteine, 
Kalksteine,  Conglomerate,  weissliche  od. 
grúne  Letten. 

3.  Weissenberger  Schich- 
ten. f)  Meeresablagerungen  turonen 
Alters  mit  Inoceramus  labiatus,  Ammo- 
nites  Woolgari  und  zahlreichen  Fisch- 
resten.  Mergel,  gelbe  Baupláner  und 
Knollenplaner  oder  Quadersande  mit 
In.  lab.  (meist  die  Basis  der  Sand- 
steinwánde  der  sáchsischen  Schweiz 
bildend). 

4.  Malnitzer  Schichten. 
Meeresablagerungen  turonen  Alters,  in 
denen  noch  Am.  Woolgari  háufig  ist, 
Area  subglabra  in  grossen  flachge- 
drůckten  Exemplaren  auftritt  und  von 
Gastropoden,  Fusus  Renauxianus,  Turbo 
cogniacensis  und  Rapa  cancellata.  Die 
librige  Fauna  stimmt  mit  den  Weissen- 
berger Schichten  íiberein.  Glauconitische 
und  Knollen  fiihrende  Pláner. 


*)  Velenovský:  Pie  Flora  der  bohm. 
Kreideform.  (Beitráge  zar  Pal.  Oesterr.-Ung. 
v.  Mojsisovies  und  Neumeyer.  Wien  1882.) 

**)  Dr.  Frič:  Perucer  Schichten.  Archiv 
íúr  Landesdurchforsch.  Band  I.  Sect.  II.  p.  185. 
***)  Archiv  L  c.  p.  189. 
f)  Archiv.  IV.  Band  Nr.  1.  Geol.  Abth. 
Studien  im  Gebiete  der  bohm.  Kreideformation. 
Die  Weissenberger  u.  Malnitzer  Schichten.  1878. 


Ghlomeker  Schichten 


Priesener  Schichten 


Teplitzer  Schichten 


Iserschichten  < 


Malnitzer  Schichten 


Weissenberger  Sch. 


Korycaner  Schichten 


Perucer  Schichten 


Quadersaňd  mit  Cardium  Otto- 
nis  (Ueberquader)  —  Kies- 
lingswalde 


Sphárosiderite 


Gelbe  und  graue  Bakuliten- 
thone 


Plánerkalke  mit  Terebratula 
subrotunda  oder  bláuliche 
Mergel 

Briozo  en  schi  chtěn 
Trigoniaschichten 

Zweiter  Kokoříner  Quader 

Zwischenpláner 

Erster  Kokoříner  Quader 

Byšicer  Uebergangsschichten 
Avellanenschichte 


:  tm 


Launer  Knollen 
Malnitzer  Griinsand 

Wehlowitzer  Pláner 

Dřinover  Knollen 
Semitzer  Mergel 


Kalke,  Sandsteine  etc.  mit 
Meeresthieren  cenomanen 
Alters 


Quadersaňd  mit  Landpflanzen 


Schieferthon  mit  Kohlen- 
schmitzen 


mym.m    Silur-  oder  Kohlenformation 


Fig,  2.  Schichtenfolge  der  buhm.  Kreideformation 


6 


5.  Iserschi chtěn.  Meeresablagerungen  untercenonen  Alters  mit  Ammo- 
nites  conciliatus,  Trigonia  limbata,  Pholadomya  nodulifera,  Micraster  Michellini, 
Hemiaster  plebeius  und  Ceratomus  Laubei.  Haben  keinen  Amm.  Woolgari  mehr 
und  noch  kein  Cardium  Ottonis.  Kalkige,  sandige  Pláner  ohne  oder  mit  einge- 
lagerten  Quadersanden,  oder  bloss  als  petrefactenleere  Quader  auftretend.  Bilden 
die  obere  Partie  der  Sandsteinwánde  der  sáchsischen  Schweiz  und  den  hohen 
Schneeberg. 

6.  Die  Teplitzer  Schichten.  Meeresablagerungen  cenonen  Alters  mit 
Terebratula  subrotunda  und  Micraster  breviporus  (M.  coranguinum  frůherer  Autoren). 
Máchtige  Planerkalke  oder  blaue  feuchte  Letten. 

7.  Die  Priesener  Schichten.  Meeresablagerungen  cenonen  Alters  mit 
zahlreichen  Scaphytes  Geinitzii  unci  Baculites  Faujassi,  mit  Ammonites  D'Orbi- 
gnianus. 

Feuchte  bláuliche  oder  bráunliche  Thone,  oft  mit  verkiesten  Petrefacten ;  bei 
hoher  trockener  Lage  weisse  dunnschichtige  Plattenpláner. 

8.  Chlomeker  Schichten.  Meeresablagerungen  cenonen  Alters  mit  Car- 
dium Ottonis,  Amm.  D'Orbignianus,  Trigonia  limbata. 

Quadersande  von  Chlomek,  Grossskal,  Tannenberg  (die  Schichten  von  Kieslings- 
walde  als  Litoralbildung). 

Diese  jiingsten  Schichten  unserer  Kreideformation  sind  noch  alter  als  die  mit 
Belemnitella  quadrata. 

Gliederung  der  Iserschichten. 

Der  Schliissel  zum  Verstándniss  der  Iserschichten  ist  in  der  Melniker  Gegend 
zu  suchen,  wo  man  beim  Studium  von  Profilen,  die  vom  Rande  der  von  den  Iser- 
schichten gebildeten  Mulde  gegen  deren  Centrum  bei  Mšeno-Dauba  hin  sich  ver- 
folgen  lassen,  nach  und  nach  einen  klaren,  wenn  auch  muhsam  erworbenen  Einblick 
in  die  complicirte  Gliederung  bekommt. 

Namentlich  sind  es  zwei  Linien,  welche  die  Zusammenstellung  des  ideálen 
Profiles  (Fig.  2)  ermóglicht  haben.  Die  eine  ist  von  Liboch  liber  Schellesn,  Zimoř, 
Kokořin  nach  Kanina,  die  zweite  von  Všetat,  Byšic,  Řepin,  Chorouška,  Kanina. 
Beide  Profile  werden  weiter  unten  detailirt  beschrieben  werden. 

Der  ganze  Complex  lásst  sich  in  4  Horizonte  theilen:         Profil  Fig.  3. 

1.  Byšicer  Uebergangsschichten  Nro.  3,4. 

2.  Kokořiner  Quaderschichten   „    5 — 7. 

3.  Choroušker  Trigonienschichten  „  8 — 15. 

4.  KaninerBryozoenschichten   „  16 — 18. 

Die  Quaderschichten  sind  nicht  iiberall  entwickelt  und  stellenweise  nur  durch 

petrefactenleere  Pláner  vertreten.  Dort  ist  es  oft  sehr  schwer  die  Grenze  zu  ziehen, 
wo  die  eigentlichen  Iserschichten  beginnen,  denn  sie  sind  nur  in  ihren  oberen  Lagen 
reich  an  bezeichnenden  Petrefacten. 


8 

1.  Byšicer  Uebergangsschichteii. 

Die  Feststellung  cler  uuteren  Grenze  cler  Iserschichten  gegeu  die  sie  unter- 
lagemden  Maluitzer  Schichten  hin  ist  mit  grossen  Schwierigkeiten  verbunden,  denn 
petrographisch  zeigt  sich  an  den  aufgeschlossenen  Contactstellen  kein  auffallender 
Uiiterschied  und  in  Bezug  auf  die  Fauna  ist  auch  der  Uebergang  ein  allmáhliger. 

Es  wáre  bequem  die  Iserschichten  erst  mit  dem  Kokořiner  Quader  beginnen 
zu  lassen  und  alles  darunter  Liegende  bis  auf  die  Wehlowitzer  Pláner  herab  den 
Malnitzer  Schichten  zuzurechnen,  wenn  dieser  Auífassung  nicht  mehrere  Umstánde 
entgegenstehen  wúrden.  Erstens  sind  die  Kokořiner  Quader  nicht  uberall  ent- 
wickelt  und  dann  entfiele  der  Vortheil  dieser  gewaltsamen  Abtheilung,  und  zweitens 
finden  wir  zwischen  diesen  Quadern  und  den  als  Aequivalent  der  Malnitzer  Schichten 
erkannten  Lagen  eine  Reihe  von  eigenthiimlichen  Knollenplánern  mit  zahlreichen 
Fischspuren,  die  wir  als  selbststandiges  Glied  in  der  Schichtenfolge  unserer  Kreide- 
formation  anerkennen  můssen.  Ich  will  diese  den  Malnitzer  Schichten  aufgelagerten 
tiefsten  Iserschichten  als  Byšicer  Uebergangsschichten  bezeichnen. 

Als  Byšicer  Uebergangsschichten  fasse  ich  die  sámmtlichen 
sandigen  knollenf  iihr  enden,  stellenweise  quaderartigen  oder 
plánrigen  Ablagerungen  zusammen,  welche  zwischen  den  Mal- 
nitzer Schichten  und  dem  ersten  Kokořiner  Quader  liegen. 

Wáhrend  clie  Malnitzer  Schichten  durch  háufiges  Auftreten  von  grossen  flach- 
gedrúckten  Area  subglabra  ausgezeichnet  sind  und  in  ihren  Knollenlagen  be- 
zeichnende  Gastropoden  (Turbo  cogniacensis,  Fusus  Renauxianus,  Rost.  Buchi) 
enthalten,  treffen  wir  in  den  Byšicer  Uebergangsschichten  auffallend  háufig  grosse 
Knollen  von  Fischschuppen,  grosse  Exempláre  von  Pholadomya  aequivalvis  und 
das  ráthselhafte  Petrefact,  das  fruher  als  Hamites  strangulatus  angefúhrt  wurde, 
traf  ich  hier  ebenfalls  an.  Den  Knollenlagen  der  Byšicer  Schichten  entstammt 
auch  der  schóne  Beryx  ornatus  Ag.  von  Benátek. 

In  der  Umgebung  von  Byšic,  namentlich  in  Hleďseb,  kann  man  in  den  Byšicer 
Schichten  folgende  Lagen  unterscheiden : 

1.  Plánrige  Lage  mit  festen,  an  Fischschuppen  reichen  Knollen,  etwa  3  m. 

2.  Losen  Sand  „    1  m. 

3.  Rhynchonellenquader   „  1*5  m. 

4.  Kalkige  Fucoidenbank  „  0*15  m. 

auf  welche  unmittelbar  der  erste  Kokořiner  Quader  folgt. 

Am  reichsten  an  Petrefacten  ist  der  Rhynchonellenquader,  aber  diess  nur  in 
Beziehung  auf  Individuen,  denn  ausser  cler  R.  plicatilis  (und  zwar  der  Form,  die 
fruher  als  R.  alata  angefiihrt  wurde)  kommt  hochstens  noch  Vola  quinquecostata, 
Pecten  laevis  und  Spongites  saxonicus  darin  vor. 

Die  besten  Localitáten  zum  Studium  dieser  Schichte  sind  Schellesn,  Zimoř, 
Hleďseb,  Byšic  und  Kosátek.  An  anderen  ist  sie  nur  schwach  angedeutet  und 
bloss  nach  einer  rostigen  Verfárbung  der  Schichten  kenntlich  (z.  B.  zwischen 
Čečelic  und  Byšic). 

Dem  ausseren  Aussehen  nach  gleicht  dieser  Rhynchonellenquader  auffallend 
demjenigen,  welchen  wir  in  den  Dřinover  Knollen  z.  B.  in  der  Schlucht  bei 


9 


Liboch  *)  kennen  gelernt  habeu ;  doch  ist  seine  Lagenmg  iiber  den  Weissenberger 
und  Malnitzer  Schichten  unzweifelhaft,  wie  aus  mehreren  weiter  unten  folgenden 
Profilen  ersichtlich  ist. 


Fig.  4.  Rhynchonellenquader  mit  R.  plicatilis  und  Vola  quinquecostata  von  Hleďseb  bei  Byšic. 

Nat.  Grosse. 


Fig.  5.  Partie  aus  der  Náhe  von  Zimoř.  1.  Rhynchonellenquader  der  Byšicer  Schichten. 
2.  Loser  Sand,  welcher  die  untersten  Lagen  des  ersten  Kokořiner  Quaders  deckt.  3.  Mittlerer 
Theil  des  ersten  Kokořiner  Quaders  mit  zahlreichen  Hóhlungen.  4.  Oberer  Theil  des  ersten  Ko- 
kořiner Quaders  mit  deutlicher  Schichtung.   5.  Zwischen-Pláner,  den  Humus  des  Waldbodens 

liefernd. 


*)  Weissenberger  Schichten  p.  84. 


10 


Die  kalkige  Fucoidenbank  verdient  aus  dem  Grunde  Beachtung,  weil  sie  das 
durch  die  Quadersande  durchsickernde  Wasser  aufhált  und  an  vielen  Stellen  zur 
Entstehung  von  Quellen  Veranlassung  gibt. 

2.  Die  Kokořiner  Quader. 

Die  Kokořiner  Quader,  wie  wir  sie  in  den  tiefen  Thálern  in  der  Mitte  des 
Bereiches  der  Iserschichten  finden,  sind  zwei  15 — 20  m.  máchtige,  in  grosse 
Quader  zerkluftete  Sandsteine,  die  von  einander  durch  eine  plánrige  Zwischen- 
schichte  getrennt  sind. 

An  den  Randem  der  Mulde,  bei  Byšic,  Benátek,  Jung-Bunzlau  etc.  sieht 
man  sich  nach  denselben  vergebens  um,  bald  gewahrt  man  aber  ihre  Spuren, 
wenn  man  sich  lángs  der  Tháler  dem  Centrum  der  Mulde  náhert  und  kann  ihre 
rasche  Zunahme  an  Máchtigkeit  gut  beobachten.  Oft  sind  sie  an  der  Thallehne, 
die  dem  Muldenrande  náher  ist,  viel  schwácher,  als  an  der  entgegengesetzten 
dem  Centrum  der  Mulde  náheren  Lehne. 

Specielle  Beispiele  davon  werden  bei  der  Schilderung  der  einzelnen  Locali- 
táten  gegeben  werden  und  vorderhand  mag  die  Hinweisung  auf  das  schematische 
Profil  Fig.  3  genugen,  wo  die  allmálige  Zunahme  der  Quader  anschaulich  dar- 
gestellt  ist. 

Wir  unterscheiden  dort: 

a)  den  ersten,  unteren  Kokořiner  Quader    .....  Nro.  5, 

b)  die  Zwischenpláner  „  6, 

c)  den  zweiten,  oberen  Kokořiner  Quader  „  7. 

(Im  Adlergebiet  sind  die  Quader  gar  nicht  entwickelt  und  wahrscheinlich 
durch  plánrige  Lagen  vertreten.) 

a)  Der  untere  Kokořiner  Quader  zeichnet  sich  im  Allgemeinen  durch 
die  mehr  graue,  auf  frischem  Bruche  weisse  Farbe  aus.  Die  tieferen  Bánke  sind 
compacter  und  werden  meist  von  dem  Verwitterungsproduct  dem  losen  weissen 
Sande  verdeckt  (Fig.  5  Nro.  2).  Die  mittleren  Bánke  zeigen  oft  grosse  Hóhlungen  an 
den  verwitterten  Wánden  (Nro.  3)  und  die  hochsten,  etwa  das  oberste  Funftel  ein- 
nehmenden  Bánke  zeigen  deutliche  Schichtung  (Nro.  4).  Die  Vegetation-Schichte, 
welche  man  am  Gipfel  des  unteren  Quaders  antrifft,  hat  ihren  Humus  der  plán- 
rigen  Zwischenschichte  zu  verdanken  (Nro.  5).  Von  Petrefacten  ist  hier  bloss 
Spongites  saxonicus  und  Fucoiden  áhnliche  Gebilde  anzutreffen. 

Beziiglich  der  mineralogischen  Beschaffenheit  beschránke  ich  mich  darauf, 
dass  die  Mehrzahl  der  Quarzkóruer,  welche  den  Sandstein  zusammensetzen,  aus 
rein  weissem  Quarz  besteht  und  dass  nur  spárliche  rosenrothe  und  dunkle  Quarz- 
korner  vorkommen. 

Das  Bindemittel  hált  die  Kórner  sehr  ungeniigend  zusammen  und  es  ist  fast 
unmoglich,  ein  Handstúck  fůr  die  Sammlung  davon  zu  machen.  Deshalb  ist  auch 
der  technische  Werth  dieses  Sanclsteines  ein  sehr  beschránkter.  Die  zu  localen 
Bauzwecken  gebrochenen  Blocke  verwittern,  wenn  sie  nicht  gleich  verwendet 
werden  und  bekommen  bald  abgerundete  Kanten  oder  zerfallen  gánzlich,  wenn 
sie  ein  oder  zwei  Jahre  den  Eiuflussen  der  Witterung  ausgesetzt  bleiben.  Nur 


11 


selten  werden  hártere  Partien  angetroffen,  die  dann  za  Grenzsteinen  oder  Stein- 
metzarbeiten  verwendet  werden. 

In  diesem  Quader  sind  die  Figuren  bei  Liboch  gehauen,  welche  aus  den 
Lehrjahren  des  beriihmten  Bildhauers  Levý  stammen  (siehe  weiter  unten). 

Der  erste  Kokoř.  Quader  reicht  melir  bis  zum  Rande  der  Mulde  und  man  trifft 
ihn  bei  Schellesn  zuerst  allein  ohne  den  zweiten  an  den  Thallehnen,  dann  senkt  er  sich 
immer  tiefer  und  tiefer,  bis  er  die  Thalsohle  erreicht  und  zuletzt  ganz  verschwindet. 

Wo  er  in  den  Thálern  des  Kokořiner  Gebietes  etwa  zur  halben  Hohe  der 
Thallehne  reicht,  dort  gewahrt  man  auf  ihm  den  zweiten  Quader  entwickelt,  wie 
er  sich  aus  den  die  Zwischenpláner  deckenden  Wáldchen  erhebt. 

I)  Der  Zwischenpláner  von  Hledseb  ist  ein  die  beiden  Quader  tren- 
nendes  Glied,  welches  leicht  iibersehen  wird,  denn  die  murben  sandigen  Pláner 
sind  in  der  Regel  von  Vegetation  verdeckt.  So  werden  z.  B.  die  malerisch  schonen 
Felsenwánde  des  Kokořiner  Thales  in  ihrer  halben  Hohe  von  einem  Bandě  Fáhren- 
wáldchen  horizontál  in  zwei  Hálften  getheilt  und  dieser  schóne  griine  Saum  steht 
eben  auf  diesen  Zwischenplánern. 

Unverdeckt  sieht  man  sie  oberhalb  Hledseb  am  Vruticer  Bache,  zwischen 
Melnik  unci  Řepin  lángs  des  Weges  nach  der  auf  der  Anhóhe  stehenden  Háuser- 
gruppe,  welche  dort  Vystrkov  genannt  wird.  Dann  sehr  deutlich  bei  Kovánec. 

Von  Petrefacten  sind  bisher  nur  wenige  vorgefunden  worden  und  diess  nur 
solche,  welche  fast  in  allen  Schichten  unserer  Kreideformation  vorkommen. 

Der  Zwischenpláner  scheint  gegen  Dauba  und  Auscha  hin  sowie  in  der 
sáchsischen  Schweiz  so  sandig  zu  werden,  dass  man  ihn  nicht  mehr  von  den 
Quadern  unterscheiden  kann,  worauf  die  beiden  Kokořiner  Quader  als  eine  com- 
pacte  zusammenhángende  Quaderbildung  erscheinen. 

Verzeichniss  der  in  den  Zwischenplánern  aufgefundenen  Arten. 

(Nach  der  Sammlung  des  Herrn  Jos.  Pražák  in  Choroušek.) 


irkov 

seby); 

Řepin 

>->  <v 

l-s 

t-s  o 

Lhotka 

Hostin 

Bosin  (oberh 
der  neuen  Mii 

Kovanec 

Nosadlov 

Fischreste    .  .  .   

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+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

Ammonites  peramplns,  Mant  

Rostellaria  sp  

Eriphyla  lenticularis,  Stol  

Area  subglabra,  ďOrb.  (?)  

1 1 1 

+ 
+ 

12 


ystrkov 
eďseby) 

11 

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Ppptpri  ThiÍAVfHrní    A  PiOin 

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Anrimía  QnViťvnnPíitíi 

Plivnuli  An  pil  q    ■nlípofíliG  SflW 

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c)  Der  zweite  Kokořiner  Quader  nimmt  den  oberen  Theil  der  Fels- 
wáude  des  Kokořiner  Thales  ein.  Seině  Máchtigkeit  ist  in  der  Regel  eine  etwas 
geringere  als  die  cles  ersten.  In  der  petrographischen  Zusammensetzung  sowie  in 
seiner  ganzen  Erscheinung  ist  er  dem  ersten  Kokořiner  Quader  sehr  áhnlich,  aber 
auf  der  verwitterten  Oberfláche  erscheint  er  schon  von  weitem  rostroth.  Auf 
frisehem  Bruche  ist  er  auch  mehr  gelblich  und  nur  da,  wo  in  einem  grossen 
Bruclie  tief  in  un verwitterten  Partien  gearbeitet  wird,  erscheiut  er  auch  weiss. 


13 


In  seinen  hóchsten  Lagen  fuhrt  er  Lagen  von  mehr  oder  weniger  grobem  Gerolle, 
deren  weisse  und  rothe  Kieselsteiue  schon  von  weitem  sichtbar  sind. 

Der  zweite  Kokořiner  Quader  ist  eben  so  arm  an  Petrefacten  wie  der  erste, 
und  es  treten  nur  selten  in  ihm  scbwache  kalkigere  Lagen  mit  Rhynchonellen  auf. 
Hie  und  da  trifft  man  Steinkerne  von  Lima  multicostata  darin.  Spongites  saxo- 
nicus  ist  eine  háufige  Erscheinung.  Sein  technischer  Werth  scheint  nocb  geringer 
zu  sein  als  der  des  ersten. 


Fig.  6.   Partie  aus  der  Oegend  von  Truskavna,  wo  beide  Quader  entwickelt  sind. 

1.  Loser  Sand,  der  die  Basis  der  ersten  Kokořiner  Quader  verdeekt.    2.  Erster  Kokořiner  Quader. 
3.  Plánrige  Zwischenschichte  bewaldet.   4.  Zweiter  Kok.  Quader. 


Die  meist  kalkig  plánrigen  Trigoniaschichten,  welche  man  auch  als  eigen- 
tliche  Iserschichten  im  engeren  Sinne  des  Wortes  bezeichnen  kónnte,  bestelien 
aus  einer  ganzen  Reihe  von  festeren  und  murberen  Lagen,  die  bald  mehr  kalkig, 
fest,  bald  mehr  plánerig,  miirbe,  stellenweise  wieder  mehr  sandig  sind  und  ganz 
den  Habitus  des  Quadersandes  annehmen.  Jede  der  Lagen  hat  ihre  gewisse  petro- 
graphische  Eigenheit,  jede  einen  etwas  abweichenden  Charakter  in  Bezug  auf  Petre- 
factengruppirung,  wie  man  sich  an  ihren  verwitterten  Rándern  an  den  Thallehnen 
oder  an  alten  Hohlwegen  und  Wasserrissen  iiberzeugen  kann.  Wo  die  Felswand 
durch  Steinbrecherarbeit  bis  auf  ganz  gesunde  Schichten  entblósst  ist,  dort  wird 
die  Entziíferung  der  einzelnen  Glieder  zur  Unmoglichkeit. 

Die  petrographische  Beschaffenheit  der  Trigoniaschichten  wechselt  bedeutend, 
was  hauptsáchlich  von  dem  verschiedenen  Grade  der  Verwitterung  und  der  theil- 
weisen  Entkalkung  abhángig  ist.  Grósstentheils  sind  es  kalkige,  sandige  Pláner, 
welche  feste  graue  Knollen  fuhren  und  in  diesen  sind  dann  die  meisten  Petrefacten. 


3.  Choroušker  Trigoniaschichten. 


14 


Stellenweise  nehmen  die  verwitterten  Lagen,  wo  sie  gleichmássig  feinkornig 
sind,  das  Aussehen  des  gewohnlichen  Plánersandsteins  der  Weissenberger  Schichten 
an,  wáhrend  dieselbe  Schichte  einige  Meter  weiter  einen  festen  grauen  compacten 
Kalkstein  darstellt,  wie  er  kaum  von  manchen  Varietáten  des  silurischen  Kalkes 
der  Etage  E  oder  G  zu  unterscheiden  ist.  (Brandeis  an  der  Adler.)  In  der 
sáchsischen  Schweiz  und  in  den  Weckelsdorf-Adersbacher  Felsen  ist  die  hochste 


Lage  des  Quadersandes  als  Aequivalent  der  Trigoniaschichten  anzusehen.  Die 
Bildung  von  Erscheinungen,  wie  es  z.  B.  das  Praebischthor  in  der  sáchsischen 
Schweiz  ist,  glaube  ich  folgendermassen  erkláren  zu  konnen:  Die  feste  Decke  des 
Thores  entspricht  den  Trigoniaschichten,  wáhrend  die  Stiitzen  clem  zweiten  Koko- 
řiner  Quader  angehoren  diirften,  woriiber  weiter  unten  ausfuhrlicher  gehandelt 
werden  wird. 

Wir  finden  in  den  Choroušker  Schichten  eine  reiche  Fauna,  welche  zwar 
noch  im  Ganzen  den  Charakter  der  tieferen  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten 
trágt,  aber  eine  Menge  neuer  Formen  aufweist,  von  denen  frúher  keine  Spur  vor- 
handen  war. 

Die  auffallendste  Erscheinung  ist  die  Trigonia  limb  a  ta,  dann  Perná  sub- 
spathulata,  Pholadomya  nodulifera,  Exogira  laciniata,  E.  matheroniana.  Bezeich- 
nend  ist  auch  die  grosse  Háufigkeit  der  Lima  multicostata  var.  canalifera  und  der 
verschiedenen  Arten  von  Echinodermen. 

Den  jahrelang  fortgesetzten  Beobachtungen  und  dem  fleissigen  Sammeln 
meines  Freundes  Herrn  Jos.  Pražák  in  Choroušek  ist  es  gelungen,  in  seiner  Um- 
gebung  8  Hauptlager  im  Bereiche  der  Trigoniaschichten  zu  unterscheiden,  mit 
denen  sich  meine  anderweitig  gesammelten  Erfahrungen  oft  sehr  gut  in  Einklaug 
bringen  lassen. 

Die  in  Nachfolgendem  gebotene  Gliederung  bietet  Anhaltspunkte  fiir  die 
Unterbringung  der  petrefactenreichen  Schichten  gleichen  Alters,  die  wir  in  weiter 
ostlich  gelegenen  Theilen,  bei  Jungbunzlau,  Turnau  und  Leitomischl  vorfinden. 


Fig.  7.  Trigonia  limbata. 


D'Orb. 


15 


Gliederung  der  Trigoniaschichten  bei  Choroušek  nach  Beobachtungen 

des  Herrn  Jos.  Pražák. 


1.  Miirbe  zerfallende  Pláner  mit  Nautilus  rugatus.  Pholadomya 

nodulifera,  riesigen  Iuoceramus  Brongniarti,  Micraster  Mi-  Profil  Fig.  3 
chellini,  Hemiaster  plebejus  Nov.  Catopygus  albensis,  Serpula  auf  Seite  7. 
socialis  etc   Nro.  8 

2.  Feste  sandig  kalkige  Schichte,  die  als  erste  vorspringende 
Stufe  an  den  Thallehnen  wahrzunehmen  ist  und  oberhalb 
welcher  Quellen  entspringen.  Dieselbe  enthált  riesige  Am- 

monites  peramplus  und  Inoceramus  Brongniarti   „  9 

3.  Miirbe  gelbliche  Plánerschicbte  mit  Trigonia  limbata,  Pinna 
decussata  und  sehr  zahlreichen  Petrefacten   „  10 

4.  Feste  sandige,  oben  und  unten  von  einer  sehr  harten  quarzigen 
Lage  begrenzte  Schichte,  welche  an  den  Thallehnen  die  zweite 
vorspringende  Stufe  bildet   „11 

5.  Aus  6  Lagen  bestehende  Partie,  reich  an  Petrefacten,  nach 

oben  hin  durch  eine  Bank  mit  Exogira  conica  begrenzt  .  .  „   12  a—f. 

6.  Rostrother  Quader  mit  Reihen  kalkiger,  an  Petrefacten  (na- 
mentlich  Rhynchonellen)  reichen  Knollen.  Hauptlager  der 
Pseudomya  anomioides   „  13 

7.  Brocklige  grobsandige  Pláner  mit  zahlreichen  Spongites  sa- 

xonicus   „  14 

8.  Rostrother  Quader  mit  unregelmássigen  Fucoidenconcretionen  „  15 


Verzeichniss  der  fur  die  Trigoniaschichten  bezeichnenden  Arten. 


Elbe-Iser- 

Gebiet 


Cretornis  Hlaváči,  Fr  

Halec  Sternbergii,  Ag  

Nautilus  galea,  Fr.  et  Schl.  . 
Ammonites  conciliatus,  Stol.  . 

Turritella  iserica,  Fr  

Turbo  Goupilianus,  ďOrb.  .  . 

Opis  chocenensis,  Fr  

Crassatella  cf.  austriaca,  Zitt. 
Crassatella  cf.  macrodonta,  Zitt. 
Trigonia  limbata,  ďOrb.  .  .  . 
Area  Schwabenaui,  Zitt.  .  .  . 
Area  pholadiformis,  ďOrb.  .  . 
Modiola  typica,  Forbes    .  .  . 
Pseudomia  anomyoides,  Fr. 
Pholadomya  nodulifera,  Mtinst. 
Cytherea  cf.  polymorpha,  Zitt. 


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16 


Elbe-Iser- 
Gebiet 


Perná  subspatulata,  Reuss  . 
Lima  Dupiniana,  ďOrb.  .  . 

Lima  iserica,  Fr  

Lima  dichotoma,  Reuss  .  . 
Exogyra  laciniata,  ďOrb.  . 
Ěxogyra  Matheroniana,  ďOrb. 

Krabbe  a)  

Krabbe  b)  

Calianassa  antiqua,  Otto  .  . 
Serpula  socialis,  Goldf.  .  . 
Biflustra  Pražáki,  Nov.  .  . 
Entalophora  Geinitzii,  Reuss. 
Petalopora  seriata,  Nov.  .  . 
Cidaris  cf.  Vindocinensis,  Ag. 

Cyphosoma  sp  

Holaster  elongatus,  Nov.  .  . 
Micraster  Michellini,  Ag. 
Hemiaster  plebejus,  Nov. 
Catopygus  fastigatus,  Nov.  . 
Nucleolites  bohemicus  .  .  . 


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Aus  diesem  Verzeichniss  geht  hervor,  dass  die  Trigoniaschichten  sich  nicht 
bloss  von  den  álteren  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten,  sondern  auch  von 
den  júngeren  Teplitzer  Schichten  unterscheiden,  denn  es  gehen  nur  wenige  Arten 
in  dieselben  hinauf.  Einige  der  Iserarten  intermittiren  und  erscheinen  dann  wieder 
erst  in  den  viel  jungeren  Chlomeker  Schichten. 


4.  Bryozoenschichten  von  Kanina. 

Die  Bryozoenschichten  bilden  den  Schluss  der  Iserschichten  und  stellen 
gleichsam  den  bloss  local  entwickelten  Rahm  des  iippigen  Thierlebens  der  voran- 
gehenden  Perioden  dar. 

Die  grósste  Entwickelung  erreichen  diese  fast  aus  lauter  Bryozoen  bestehenden 
Schichten  beim  Dorfe  Kanina,  wo  sie  als  fester  Kalkstein  von  6  m.  Máchtigkeit 
entblósst  sind.  Verwitterte  Stellen  der  Kalkbánke  sind  ganz  mit  den  kleinen 
Aestchen  der  Bryozoen  bedeckt  und  andere  Petrefacten  sind  hier  sehr  selten  und 
schlecht  erhalten. 

Schwácher  entwickelt  finden  wir  die  Bryozoenschichten  bei  Gross-Újezd,  bei  Cho- 
roušek,  noch  weniger  scharf  abgegrenzt  bei  Čejtic  und  Libichov  (bei  Jungbunzlau), 
Lindenau  bei  Bohm.-Leipa.  Im  Adlergebiet  sind  sie  bei  Brandeis  a.  d.  Adler,  bei 
Děsná  und  Chotzen  angedeutet,  und  zwar  durch  Vorkommen  von  bezeichnenden 
Bryozoenarten  in  den  hochsten  Lagen  der  plattenfórmigen  Kalksteine,  mit  denen 
hier  die  Iserschichten  abschliessen. 


17 


Bei  Leitomischl  clurften  die  als  „Sadrák"  bezeicbneten  LageD  den  Bryozoen- 
Schichten  entsprechen. 

Localsamraler  werden  bei  detailirter  Untersucbung  ihrer  Umgebung  gewiss 
Gelegeubeit  finden,  neue  Fundorte  der  Bryozoen-Schichten  sicberzustellen. 


Fig.  8.  Fragment  der  Kaniner  Bryozoen-Schickteii,  an  dessen  verwitterter  Ober- 
fláche  zahlreiche  Arten  von  Bryozoen  sicktbar  sind.   Nat.  Grosse. 

Verzeichniss  der  in  den  Bryozoen-Schichten  der  Umgebung  von 
Kanina  und  Choroušek  aufgefundenen  Arten. 


Oxyrhiua  angustidens. 

Panopaea  gurgitis. 

Belemnites  sp. 

Pseudomya  anomioides. 

Nautilus  sublaevigatus. 

Tellina  sp. 

Nautilus  galea. 

Venus  sp. 

Animonites  peramplus  (kleine  Exem- 

Avicula anomala. 

pláre). 

Inoceramus  Brongniarti. 

Belemnites  sp. 

Lima  semisulcata. 

Turritella  iserica. 

Lima  iserica. 

Turritella  Fittoniana. 

Lima  pseudocardium. 

Nerita  dichotoma. 

Lima  canalifera. 

Turbo  Goupilianus. 

Lima  Dupiniana. 

Avellana  sp. 

Pecten  laevis. 

Isocardia  gracilis. 

Pecten  curvatus. 

Protocardia  Hillana. 

Pecten  Dujardinii. 

Crassatella  austriaca. 

Vola  quinquecostata. 

Crassatella  macrodonta. 

Exogyra  conica. 

Trigonia  limbata. 

Exogyra  lateralis. 

Mutiella  ringmerensis. 

Exogyra  laciniata. 

Eripbyla  lenticularis. 

Exogyra  Matheroniana. 

Cytherea  polymorpha. 

Ostrea  hippopodium. 

Area  echinata. 

Ostrea  semiplana. 

Pinna  decussata. 

Ostrea  sp. 

Area  subglabra. 

Ostrea  frons. 

Modiola  typica. 

Anomia  subtruncata. 

Pholadomya  aequivalvis. 

Anomia  subradiata. 

2 


18 


Rhynchonella  plicatilis. 

R  h  y  u  cli  o  n  e  1 1  a  C  u  v  i  e  r  i. 

Rhynchonella  Mantelli. 

Magas  Geinitzii. 

Serpula  socialis. 

Serpula  gorclialis. 

Serpula  ampulacea. 

Serpula  macropus. 

Hippothoa  labiata. 

Biíiiistra  Pražaki. 

D  i  a  s  t  o  p  o  r  a  a  c  u  p  u  n  c  t  a  t  a. 

P  r  o  b  o  s  c  i  n  a  bohemie  a. 

Proboscina  Suessi. 

Entalophora  Geinitzii. 

E  n  t  a  1  o  p  h  o  r  a  r  a  r  i  p  o  r  a. 

Spi  r  opor  a  verticillata. 

Truncatula  tenuis. 

Petalophora  seriata. 

Antedon  (Glenotremites  sp.) 

Die  mit  durchschossenen  Lettern 
Trigoniaschichten  aufgefunden  worden 
um  17  Ar  ten  mehr  als  diese. 


Cidaris  subvesiculosa. 
Glyphocyphus  sp. 
Cyphosoma  radiatum. 
Cyphosoma  sp. 

Holectypus  Turonensis. 
Cardiaster  Ananchytis. 
Holaster  elongatus. 
Micraster  Michellini. 
Hemiaster  plebeius. 
Catopygus  Pražák  i. 
Catopygus  albensis. 
Catopygus  fastigatus. 
Nucleolites  bohemicus. 
Car  atom  us  Laubei. 
Micrabatia  coronula. 
Flabellina  elliptica. 
Spongites  saxonicus. 
Vioa. 

Ventriculites  sp. 

gedruckten  Arten  sind  bisher  nicht  in  den 
und  es  haben  claher  die  Bryozoenschichten 


Das  Hangende  der  Iserschichten. 

Der  Schichtenfolge  gemáss  sollen  auf  die  Iserschichten  nun  die  Teplitzer 
Schichten  mit  Terebr.  subrotunda  und  Micraster  breviporus  folgen,  wie  wir  sie 
in  der  Gegeud  von  Teplitz,  Laun  und  Leitmeritz  entwickelt  finden.  Und  in  der 
That  gelang  es  endlich,  auf  clen  typischen  Iserschichten  die  Schichten  mit  Terebr. 
subrotunda  aufgelagert  zu  finden  und  zwar  bei  Leitoinischl  und  bei  Abtsdorf,  wie 
es  weiter  unten  náher  beschrieben  werden  wird. 

Auf  diesen  Mergeln  liegen  unmittelbar  die  tiefsten  Lagen  der  Priesener 
Schichten  in  Form  von  grauen  oder  weissen  Platten. 

Wo  die  Teplitzer  Schichten  gut  entwickelt  sind,  dort  sind  gewóhnlich  wieder 
die  Iserschichten  schwer  nachzuweisen. 

Diess  fúhrte  natúrlich  auf  den  Gedanken,  ob  die  Iserschichten  nicht  ein 
Aequivalent  der  Teplitzer  Schichten  sind  und  nur  als  locale  Facies  von  Ablage- 
rungen  einer  Periodě  aufzufassen  seien. 

Solche  Vermuthungen  konnten  aber  nur  damals  aufgestellt  werden,  wo  man 
vom  paláontologischeii  Charakter  der  Iserschichten  noch  nichts  wusste.  Gegen- 
wartig  hat  man  hinreichencle  Griinde,  aus  der  Fauna  auf  die  Selbststandigkeit  der 
Iserschichten  zu  schliessen. 

Aus  dem  Erscheinen  mancher  Brachiopoden  und  Bryozoen  Rh.  Cuvieri,  R. 
Mantelli  in  den  hóchsten  Lagen  der  Iserschichten  erkennt  man  zwar  eine  An- 


19 


náherung  an  die  Fauna  der  Teplitzer  Schichten,  aber  an  eine  Parallelisirung  der- 
selben  ist  gegenwártig  nicht  zu  denken. 

Die  Teplitzer  Schichten  mit  Micraster  breviporus  und  Terebratula  sub- 
rotunda  haben  in  ihrer  Fauna  (mit  Ausnahme  der  Echinodermen  und  Brachiopoden) 
eine  sehr  grosse  Aelmlichkeit  mit  den  Wehlowitzer  Planern  der  Weissenberger 
Schichten  und  haben  sich  gewiss  unter  sehr  áhnlichen  Verháltnissen  abgelagert. 
Sie  gehen  ganz  allmáhlig  in  die  Priesener  Bakuliten-Thone  íiber,  in  denen  die 
entschieden  jiingeren  senonen  Arten  auch  erst  in  deren  hoheren  Lagen  auftreten. 

II.  Beschreibung  der  im.Bereiche  der  Iserschichten  unter- 

suchten  Localitáten. 

Meine  Untersuchungen  der  Iserschichten  fallen  in  zwei  Perioden:  Die  erste 
fállt  in  die  allgemeinen  Begehungen  der  Kreideformation  in  den  Jahren  1864 — 67, 
wo  hauptsachlich  an  Petrefacten  reiche  Localitáten  ausgebeutet  wurden  und  nur 
eine  allgemeine  Uebersicht  der  gesaminten  Schichten  angestrebt  wurde  und  die 
zweite,  wo  ich  in  den  Jahren  1878 — 81  den  Iserschichten  eine  specielle  Auf- 
merksamkeit  widmete. 

Chronologisch  mag  dies  folgendermassen  dargestellt  werden. 

A 1 1  g  e  m  e  i  n  e  U  n  t  e  r  s  u  ch  u  n  g  e  n : 

1864.  Die  sáchsische  Schweiz  und  die  Umgebung  von  Bóhm.-Leipa. 

1865.  Die  Strecke  cler  Kralup-Turnauer  Bahn. 

1866.  Umgebung  von  Jung-Bunzlau  und  Turnau. 

1867.  Bohmisch-Trubau  —  Leitomischl,  Jičín,  Kieslingswalde. 

D  e  t  a  i  1  u  n  t  e  r  s  u  ch  u  n  g  e  n. 

1878.  Všetat,  Byšic,  Choroušek,  Kanina,  Hlavno,  Benátek. 

1879.  Chotzen,  Leitomischl,  Polička,  Bohm.-Triibau,  Landskron. 

1880.  Chotzen. 

1881.  Weckelsdorf  —  Braunau. 

Im  Ganzen  wurden  an  60  Localitáten  untersucht  und  von  denselben  circa 
180  Arten  in  mehreren  Hunderten  von  Exemplaren  den  Sammlungen  des  Museums 
eingereiht.  Dieselben  befinden  sich  gegenwártig  in  dem  geol.  Pavillon  und  sind 
zum  grossten  Theile  hinter  Glas  ausgestellt,  Grosse  Formatstucke,  welche  den 
Charakter  der  Gebirgsarten  besser  als  kleine  Haudstucke  zur  Darstellung  bringen, 
zieren  die  Schránke  als  Aufsatzstucke. 

Die  lange  Beihe  von  Jahren,  in  denen  ich  mit  grossen  Unterbrechungen 
meist  nur  in  den  Ferienmonaten  diese  Untersuchungen  fortsetzen  und  die  zur 
Bestimmung  und  Ordnung  nothige  Zeit  mit  Mtihe  meinen  íibrigen  Berufsgescháften 
abgewinnen  konnte,  mogen  manche  Mángel  entschulcligen,  welche  Fachmánner  an 
nachfolgenden  Schilderungen  wahrnehmen  durften. 

2* 


20 


Wáhrend  der  Excursionen  wurde  ich  vielfach,  namentlich  durch  Verabreichung 
von  Petrefacten,  von  nachstehenden  Herren  gefórdert: 
Herr  Em.  Bárta,  Prof.  in  Leitomischl. 

„     Erxleben,  Apotheker  iu  Landskron. 

„     Fr.  Hlaváč,  Apotheker  in  Chotzen. 

„    Musika,  Ingenieur. 

„     J.  Pražák,  Grundbesitzer  in  Choroušek. 

„    Ig.  Prach,  Bienenziichter  in  Rovensko. 

„     Constantin  Schuster,  Ingenieur  in  Turnau. 

„    Prinz  Alexander  Taxis  in  Laučín. 

„     Dr.  C.  Watzel  in  Bóhm.-Leipa. 

In  Bezug  auf  die  Reihenfolge,  in  der  ich  die  Localitáten  beschreiben  soli, 
stosse  ich  hier  auf  gróssere  Schwierigkeiten,  als  es  bei  den  Korycaner  und  Weissen- 
berger  Schichten  der  Fall  war.  Dort  konnte  ich  annáherungsweise  den  ehemaligen 
Ufern  des  Kreide-Meeres  folgen,  was  hier  bei  der  Zerklúftung  des  Terrains  nicht 
recht  thunlich  ist  und  ich  bin  daher  genóthigt,  theils  instructive  Profile  vom 
Rande  zum  Centrum  der  einzelnen  Mulden  hin  zu  schildern,  theils  den  durch  die 
Iser  und  Stille  Adler  gefurchten  Thálern  zu  folgen. 

Es  erwies  sich  als  zweckmássig,  die  zu  beschreibenden  Partien  je  nach  dem 
Stromgebiete,  in  dem  sie  liegen,  zu  gruppiren  und  ich  theilte  daher  den  ganzen 
Complex  der  Iserschichten  in  das  Elbe-  und  Isergebiet  und  in  das  Adler- 
gebie  t. 

Jedeš  dieser  Gebiete  hat  seine  petrographischen  sowie  auch  paláontologischen 
Eigenthiimlichkeiten  und  obzwar  sie  mit  einander  nicht  zusammenhángen,  so  haben 
sie  doch  die  bezeichnendsten  Arten  gemeinschaftlich,  wie  weiter  unten  hinreichend 
klar  dargelegt  werden  wird. 

Das  Elbe-Isergebiet. 

Das  Elbe-Isergebiet  nimmt  den  nordostlichen  Theil  des  mittleren  Bohmens 
ein,  lásst  sich  von  Turnau  ab  lángs  der  Iser  bis  Benátek  verfolgen.  Sodann  ist 
der  Rand  uber  Kosátek,  Byšic  nach  Schellesn  und  Sowice  (gegenuber  von  Raudnitz) 
wahrzunehmen  und  mit  Unterbrechung  des  basaltischen  Mittelgebirges  danu  in  den 
malerischen  Sandsteinwánden  der  sáchsischen  Schweiz  wieder  zu  finden  und  bis  nach 
Sachsen  hin  nachweisbar.  Der  nordostliche  Rand  lásst  sich  aus  der  Jičíner  Gegend 
iiber  Libun,  Turnau,  Sichrov,  Liebenau,  Lindenau  in  die  Gegend  von  Bohm.-Leipa 
verfolgen. 

Die  Sandsteinpartien  der  Iserschichten  reichen  in  der  sáchsischen  Schweiz 
westlich  bis  inclusive  dem  hohen  Schneeberg  óstlich  bis  zu  Bóhm.-Kamnitz,  von 
wo  ab  sie  dann  von  den  Priesener  Bakuliten-Schichten  und  den  Chlomeker  Quader- 
schichten  verdeckt  werden. 

Die  Felsenpartien  von  Adersbach-Weckelsdorf  sind  eine  Wiederholung  der 
sáchsischen  Schweiz  und  konnen  als  zu  derselben  gehorig  betrachtet  werden.  Die 
orographische  Beschreibung  íindet  man  bereits  im  ersten  Bandě  des  Archives  von 


21 


Prof.  Krejčí,  weshalb  ich  mich  aut*  die  Schilderung  des  Terrains  uicht  weiter  ein- 
zulassen  brauche. 

Den  petrographischen  Charakter  aulangend  lásst  sich  derselbe  dahin  be- 
zeichnen,  dass  die  sudlicken  Ránder  der  Iserschichteu  kalkig  pláurige  petrefacten- 
reiche  Ablagerungen  sind,  die  nach  Norden  hin  immer  mehr  von  den  sich  zwischen 
dieselben  einschiebenden  Quadern  verdrángt  werden,  so  dass  endlich  bloss  petre- 
factenleere  Sandsteine  anstehen,  die  aber  eine  bedeutendere  Máchtigkeit  haben 
als  die  kalkigen  Ufergebilde  gleichen  Alters. 

Die  Fauna  weist  nur  spárliche  Differenzen  auf,  welche  sich  im  Fehlen  einiger 
Arten  kundgeben.  Auffallend  ist  der  Mangel  an  Callianassa  im  westlichen  Theile 
des  Elbegebiets,  in  dem  man  in  der  Umgebung  von  Mšeno  vergeblich  darnach 
sucht  und  erst  im  Iserthal  von  Zamost  bis  Turnau  zahlreiche  Scheeren  derselben 
trifft.  Dagegen  ist  Trigonia  limbata  hier  háufiger  als  im  Adlergebiet. 

Von  den  Echinodermen  sind  Catopygus  fastigatus,  Echinobrissus  bohemicus 
und  Ceratomus  Laubei  bisher  nur  im  Elbegebiet  nachgewiesen  worden. 

Auch  die  Entwickelung  der  Bryozoenschichten  ist  hier  viel  namhafter  als 
weiter  in  Osten. 

1.  Die  Gegend  von  Wehlowitz,  Schellesn,  Kokořin  bis  Kanina. 

Fiir  das  Studium  der  Iserschichteu  in  der  Melniker  Gegend  ist  es  rathsam, 
mit  dem  Profile  zu  beginuen,  das  sich  bei  Liboch  vom  Flussbette  der  Elbe  bis 
zur  oberen  Libocher  Kirche  verfolgen  lásst  und  das  ich  in  meiner  letzten  Arbeit  *) 
eingehend  geschildert  habe. 

Als  Vorstudie  wáre  auch  das  Profil  von  Wehlowitz  zu  empfehlen,  weil  dort 
seit  der  Zeit  meiner  Schilderung  die  Briiche  grossartig  geoffnet  wurden  und  weil 
man  hier  Gelegenheit  hat,  von  den  Arbeitern  eine  gute  Suitě  von  charakteristischen 
Arten,  namentlich  Fische  und  Crustaceen,  zu  erhalten.  Da  ich  in  meiner  Arbeit 
keine  Zeichnung  des  Wehlowitzer  Profils  gegeben  habe,  so  will  ich  es  hier  nach- 
tragen  (Fig.  9). 

Ist  man  nach  dieser  orientirenden  Vorbereitung  endlich  an  der  oberen  Libocher 
Kirche  angelangt,  so  kanu  man  die  Pláner  lángs  der  Berglehne  des  nach  Schellesn 
sich  hinziehenden  Thales  in  ihrem  Einfallen  unter  die  ersten  Quadersandsteine 
der  Iserschichten  beobachten. 

Gegeníiber  dem  „Geweihtenbrunn",  etwa  ara  halben  Wege  nach  Schellesn, 
bergen  die  bewaldeten  Hugel  die  riesigen  Quaderblocke  des  ersten  Kokořiner 
Quaders,  welche  unserem  genialen  Landsmanne,  dem  Bildhauer  Levý,  Gelegenheit 
gaben,  durch  Ausfuhrung  einer  Reihe  von  geschichtlichen  und  humoristischen 
Genrebildern  eine  Erinnerung  an  seine  Lehrjahre  als  Dilletant  **)  zu  hinterlassen. 

In  Schellesn  selbst,  wo  sich  das  Thal  gegen  Tupadl  und  Zimoř  theilt,  bilden 
die  Quadersande  schon  nahezu  das  obere  Drittel  der  Thallehne  und  werden  in 
ihnen  Hóhlungen  gehauen,  die  als  Wohnungen  benutzt  werden. 


*)  Die  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten  pag.  84. 

'*)  Den  Zutritt  zu  den  Bildhauerarbeiten  erhált  man  nach  Anmeldung  beim  Forstamte. 


22 


Hier  fand  ich  Gelegenheit,  das  unmittelbare  Liegende  des  ersten  Kokořiner 
Quaders  genau  zu  uiitersuchen.  Es  siud  kalkig  sandige  Knollen  mit  Rhynchonella 
plicatilis,  Pholadomya  aequivalvis  und  Fucoides  (friiher  Hamites)  strangulatus. 
Auch  sincl  diese  Schichten  am  Wege  nach  Tupadl  zugánglich,  wo  sie  vor  Jahren 
einen  riesigen  Ammomtes  peramplus  lieferten. 


E 

Fig.  9.  Profil  der  Weissenberger  und  Maluitzer  Schichten  bei  Wehlowitz  unweit 
Melnik.  E.  Die  Elbe.  1.  Pláner  vom  Alter  der  Dřinover  Knollen.  2.  Rhynchonellenquader  der 
Dřinover  Knollen.  3.  Obere  Partie  der  Dřinover  Knollen.  4.  Feste,  durch  Fucoiden  veríilzte 
Schichte  „Věčnost"  genannt.  5.  Wehlowitzer  Fischpláner.  6.  Knollenlage  der  Fischpláner. 
7.  Plattenpláner  (zz  Griinsand  d.  Malnitzer  Schichten).  8.  Launer  Knollen  d.  Malnitzer  Schichten. 


Blickt  man  von  der  Anhohe  bei  Schellesn  in  das  Thal  gegen  Zimoř,  so  be- 
merkt  man,  wie  sich  der  Quadersand  immer  mehr  zur  Thalsohle  senkt.  (Nim  ist 
es  an  der  Zeit,  sich  einen  Fiihrer  zu  suchen,  der  den  weiteren  Weg  durch  das 
Labyrinth  der  kreuz  und  quer  zerkliifteten  Quaderschluchten  zu  den  in  Folgendem 
genannten  Ortschaften  weisen  wiirde,  denn  stundenlang  kann  man  hier  herumirren, 
ohne  einem  Menschen  zu  begegnen,  der  Auskunft  uber  den  richtigen  Weg  zu  geben 
im  Stande  wáre.) 

Die  plánrigen  Byšicer  Uebergangsschichten  nehmen  immer  weniger  und  weniger 
an  der  Bildung  der  Thallehne  Antheil  und  im  Orte  Zimoř  selbst  findet  man  den 
ersten  Kokořiner  Quader  in  seiner  vollen  selbststándigen  Entwickelung  und 
nur  am  Fusse  desselben  steht  eine  an  grossen  Rhynchonellen  reiche  Quaderschichte 
der  Byšicer  Uebergangsschichten  (Fig.  5). 

Ausser  den  Rhynchonellen  finden  wir  noch  folgende  Arten: 

Vola  quinquecostata,       Pecten  laevis,       Spongites  Saxonicus. 

Die  Basis  der  Quader  ist  in  der  Regel  von  losem,  durch  Verwitterung  von 
den  Wánden  herabgeschwemmten  Sand  verdeckt,  welcher  lne  und  da  eine  spár- 
liche  Vegetation  trágt.  Ihre  mittlere  Partie  ist  von  grauer  Farbe,  zeigt  horizontále 
Schichtung  und  Reihen  von  ausgewitterten  Hohlungen. 


I 


23 


Die  oberste  graue  geschichtete  Partie  ist  von  der 
mittleren  niebr  quadrigen  durch  eine  eisenschiissige 
rostrothe  Schiehte  getrennt  und  trágt  am  Gipfel  eiuen 
Fáhrenbestand. 

Setzt  man  seine  Wanderung  in  dem  stillen  Thale 
fort,  so  gewahrt  man,  unterhalb  Truskavna  ange- 
langt,  schon  den  zweiten  Kokořiner  Quacler,  wie  er  von 
dem  ersten  durch  eine  Schiehte  míirben,  plánrig  san- 
digen  Gesteins  (Hleďseber  Zwischenpláner)  getrennt  ist. 
Diese  miirbe  Lage  trágt  in  der  Eegel  einen  íippigen 
Wald,  dessen  lebhaftes  Grtin  die  beiden  grauen  und 
rostrothen  Quaderpartien  von  einander  trennt. 

Zur  Ausbeutung  clieser  Zwischenschichte  findet 
sich  hier  keine  Gelegenheit,  denn  kein  Steinbruch 
offnet  in  ausgiebigerer  Weise  diese  an  Petrefacten 
armen  Schichten. 

Bei  „Nový  mlýn"  soli  nach  Herrn  Pražák  im 
Zwischenpláner  auch  eine  schwache  Quaderschichte  auf- 
treten,  an  deren  Basis  Rhynchonellen  zahlreich  sind. 

Der  Quader  selbst  besteht  aus  2  Bánken,  von 
denen  jede  etwa  10  m.  Hóhe  hat. 

Die  Oberfláche  erscheint  mehr  rostfarbig  als  beim 
ersten  Quader  und  die  hochsten  der  Verwitterung  trotzen- 
den  Ránder  sind  ein  Conglomerat,  dessen  bis  faustgrosse, 
meist  aus  weissem  Quarz  bestehende  Gerólle  von  Weitem 
bemerkbar  sind. 

Die  malerische  Schónheit  beider  Quader  wird  noch 
durch  den  Umstand  erhóht,  dass  an  den  Gránzlinien 
zwischen  den  horizontálen  Abschnitten  derselben  eine 
tippige  Erica-Vegetation  im  Herbste  als  mild  rosenrothe 
Linien  erscheint. 

Von  Truskavna  gegenuber  muss  man  die 
Schlucht  verfolgen,  welche  allmáhlig  aufsteigend  uns 
auf  das  Plateau  des  Dorfes  Kokořin  fůhrt,  das 
schon  auf  den  Trigonia-  und  Bryozoenschichten  steht. 
Hat  rnan  seine  Korperkráfte  in  dem  bescheidenen 
Gasthause  des  Dorfes  gesammelt,  so  steigt  man  durch 
Einschnitte  im  zweiten  Quacler  zur  Burgruine 
Kokořin,  welche  auf  dem  Gipfel  des  ersten  Quaders 
steht. 

Das  Auge  an  den  Schónheiten  des  Thales  wei- 
dend,  schreitet  man  nun  in  der  Thalsohle  an  der  Basis 
des  ersten  Quaders  bis  unterhalb  des  Dorfes  K  a  n  i  n  a, 
wo  man  gezwungen  ist,  die  steile  Lehne  hinauf  die 
beiden  Quader  zu  erklimmen,  um  unter  dem  Dorfe 


24 

selbst  die  kalkigen  Choroušker  Schichten  mit  ihrer  Exogyrenbauk  zu  erreichen 
und  die  Bryozoenschichten  aufzusucheu. 

Die  Choroušker  Trigoniaschichten  unterhalb  Kauina  sind  nicht  so  schon  auf- 
geschlossen  wie  bei  Choroušek  selbst;  doch  sieht  man  nach  dem  Auftreten  der 
Exogirenbank,  dass  hier  nach  lángerem  emsigen  Sammeln  dieselben  Lagen  nach- 
gewiesen  werden  konnen,  wie  im  nahen  Orte  Choroušek,  welche  wir  im  náchsten 


Fig.  11.    Profil  bei  Kokořin.   1.  Byšicer  Uebergangsschichten  mit  Rhynchonellenquader,  meist 
von  Schuttsand  verdeckt.    2.  Erster  Kokořiner  Quader  mit  der  Burg  Kokořin.  3.  Zwischenpláner. 
4.  Zweiter  Kokořiner  Quader  mit  dem  Dorfe  Kokořin.   5.  Trigoniaschichten.   6.  Bryozoenschichten 
auf  der  Anhohe,  welche  das  Kokořiner  Thal  von  dem  Zimoř-Truskavnathal  trennt. 


Fig.  12.  Profil  unterhalb  Kanina.   1.  Erster  Kokořiner  Quader.  2.  Zwischenpláner.  3.  Zweiter 
Kokořiner  Quader.    e,  e  Ericastreifen.    4.  Conglomeratschichte  des  zweiten  Kokořiner  Quaders. 
5.  Trigoniaschichten.    6.  Rostrother  Sand.    7.  Bryozoenschichten.    8.  Diluvium. 


25 


Abschnitt  werden  kennen  lernen.  Deshalb  lassen  wir  uns  deren  Detailstudium 
dorthin. 

Um  so  wichtiger  ist  hier  die  Aufgabe,  die  Kalkbriiche  ausfindig  zu  machen, 
m  denen  die  Bryozoenschichten  so  schon  entwickelt  sind. 

Der  Steinbrnch,  in  welcbem  clie  B  r  y  o  z  o  en  s  chi  ch  te  n  gewonnen  werden, 
ist  nahé  am  Dorfe,  aber  sehr  versteckt,  so  dass  man  ihn  ohne  Erkundigung  nicht 
selbst  aufzufmden  im  Stande  ist.  Man  nennt  den  Ort  „Nad  Kaninskou  studnicí" 
oder  auch  „u  dražného  kalu". 

Daselbst  angelangt,  íindet  man  die  Bryozoenschichten  in  einer  Machtigkeit 
von  6  m.  entblosst  und  der  sámmt- 
liche  Kalkstein,  aus  dem  die  Schichten 
bestehen,  ist  fast  aus  lauter  Bryozoen 
zusammengesetzt. 

Das  Liegende  bildet  die  hóchste 
sandige  Lage  der  Trigonienschichten, 
welcher  ein  bláulich  grauer  zerfallender 
Pláner  in  der  Máchtigkeit  von  5—6  cm. 
aufliegt.  Aus  diesem  kann  man  die 
kleinen  Aestchen  der  Bryozoen  durch 
Schlemmen  gewinnen.  (Fig.  13  Nro.  2.) 

Darauf  folgen  3  Bánke  festen  Ge- 
steins. 

Die  erste  Bank,  2  m.  máchtig, 
wird  zu  Kalkbrennen  verwendet  und 
die  verwitterte  Oberfláche  wimmelt  von 
Bryozoen. 

Die  zweite  Bank,  3  m.,  wird  als 
Baustein  verwendet. 

Die  dritte  Bank,  1  m.,  wird  zu 
Schotter  geschlagen. 

Ueber  der  dritten  Bank  liegen 
30  cm.  losen  Sandes,  dann  75  cm. 
grobsandigen  Pláners  und  50  cm.  rost- 
rothen  Sandsteins. 

(Den  Schluss  der  Schichtenfolge 
auf  dem  ganzen  Plateau  dieser  Gegend 
bilden  Diluvialablagerungen,  an  denen 
man  drei  Lagen  unterscheiden  kann: 
1.  Lage  von  Lósskindeln,  2.  gelben  Diluviallehm  und  3.  rothen  Diluviallehm,  in 
hiesiger  Gegend  „Červenka"  genannt.) 

Ausser  den  Bryozoen  findet  man  bier  sehr  wenig  andere  Versteinerungen  und 
wir  werden  erst  an  einem  der  folgenden  Profile  Gelegenheit  haben,  uns  zu  iiber- 
zeugen,  dass  man  in  clen  Bryozoenschichten  noch  etwa  3  paláontologische  Hori- 
zonte unterscheiden  kann. 

Bei  Kanina  sind  wir  am  Ende  der  ersten  Linie  angelangt,  welche  uns  vom 


Fig.  13.  Profil  der  Bryozoenschichten 
von  Kanina  im  Steinbruche  „nad  Ka- 
ninskou studánkou".  1.  Rostrother 
Sandstein,  hóchste  Lage  der  Trigoniaschichten. 
2.  Blaugraue  brócklige,  aus  lauter  Bryozoen 
bestehende  Lage.  3.  Fester  Kalkstein  (zum 
Brennen,  2  m.).  4.  Fester  Kalkstein  (Bau- 
stein, 3 — 4  m.).  5.  Kalkstein  (zum  Schotter, 
1  m.).  6.  Loser  Sand  (30  cm.).  7.  Geschich- 
teter  grobsandiger  Kalkstein  (75  cm.).  8.  Rost- 
rother Sand  (50  cm.).  9.  Diluviallehm  mit  Lóss- 
kindeln. 10.  Gelblicher  Diluviallehm  „Bělka". 
11.  Rostrother  Diluviallehm  „Červenka". 


26 


westlichen  Rande  der  Isergebilde  uber  die  Byšicer  Uebergaugsschichteu,  die  beiden 
Kokořiner  Quader,  die  Trigoniaschichteu  bis  zu  den  Bryozoenschichten  gefiihrt  hat. 
Wir  werden  nun  zu  demselben  Punkte  Kanina  im  náchsten  Abschnitt  vom  siid- 
lichen  Rande  der  Ablagerungen  zu  gelangen  suchen. 


2.  Die  Gegend  von  Všetat,  Čečelic,  Byšic,  Řepin,  Choroušek  und 

Kanina. 

Die  ersten  Andeutungen  der  Iserschichten  treffen  wir  auf  dem  Gipfel  des 
langen  Hugels,  welcher  sich  von  Všetat  *)  nach  Dřiš  hinzieht  und  auffállig  aus 
der  Ebene  des  Elbealluviums  hervorsteht.  Au  der  Basis  des  Hugels  im  Dorfe 
Všetat  selbst  stehen  Semitzer  Mergel  mit  zahlreichen  Versteinerungen  an.  Ammo- 
nites  Woolgari  und  A.  Bravaisianus  sind  hier  háufig.  Reihen  von  festeren  kalkigen 
Knollen,  welche  uber  den  Mergeln  sich  hinziehen,  entsprechen  den  „  Dřino ver 
Knollen",  die  Wehlowitzer  Planer,  die  Malnitzer  und  Byšicer  Schichten  míissen 
hier  alle  eine  sehr  geringe  Máchtigkeit  haben. 

Die  Berglehne,  welche  aus  plánrigen  und  knolligen  Lagen  besteht,  ist  wenig 
aufgeschlossen  und  von  den  Quadersanden  der  Iserschichten  ist  hier  keine  Spur. 
Am  Gipfel  des  Hugels  trifft  man  in  kleinen  Gruben  und  an  den  Feldrainen  Platten 
von  sandigem  Kalke  mit  Inoceramus  Brongniarti  unci  ich  halte  dieselben  nach 
Analogie  mit  anderen  Localitáten  fiir  die  tiefsten  Lagen  der  Trigoniaschichteu. 

Wenn  wir  auch  an  dem  gleich  folgenden  Profile  bessere  Einsicht  in  die 
Schichtenfolge  erlangen  werden,  so  ist  doch  der  Besuch  von  Všetat  beim  Beginne 
der  Excursion  sehr  anzurathen,  weil  man  an  anderen  Localitáten  die  petrefacten- 


Fig.  14.  Profil  zwisclien  Byšic  und  Čečelic.  B.  Bahn  bei  Byšic.  Č.  Čečelic.  S.  Schiittboden. 
1.  Semitzer  Mergel  mit  zablreicben  Petrefacten  beim  náhon  Orte  Všetat.  2.  Dřinover  Knollen  mit 
Lima  elongata.  3.  Wehlowitzer  Planer  in  einem  Steinbruche  gut  entblosst.  4.  Malnitzer  Schichten. 
5.  Grosse  Knollen  mit  Fischschuppen.  Byšicer  Uebergangsschichten.  6.  Rostrothe  Sande  (Aequi- 
valente  der  beiden  Kokořiner  Quader).    7.  Die  tiefsten  Lagen  der  Trigoniaschichteu  (mit  grossen 

iDoceramus  Brongniarti). 


reichen  Semitzer  Mergel  nicht  zugánglich  findet  und  nur  als  feuchte  Letten  oder 
als  quelleufiihrenden  Horizont  wahrnimmt  und  doch  die  Kenntniss  dieses  guten 
Reprásentanten  der  Weissenberger  Schichten  fůr  das  Verstaudniss  der  ganzeo 
Gegend  sehr  wichtig  ist. 


*)  Eisenbahnstation  Všetat-Přívor  der  osterr.  Nordwestbahn. 


Ein  aualoger  Híigel  trennt  die  nalien  Ortschaften 
Čečelic  nud  By  sic  unci  ein  Feldweg,  der  an  einem 
Steinbruche  vorbeifiihrt,  gewáhrt  einen  Einblick,  wie 
ihn  das  Profil  Fig.  14  gibt. 

Von  Všetat  kommend  trifft  man  die  Semitzer 
Mergel  am  Fusse  des  Hiigels  in  den  Gárten  von 
Čečelic  (1).  Beim  Schtittboden  kann  man  etwa  5 
Reihen  von  Dřinover  Knollen  mit  Lima  elongata 
zahlen  (2).  Den  Wehlowitzer  Fischpláner  selien  wir 
in  dem  Steinbruche  (3)  eutblosst,  clessen  hochsten 
Lagen  den  Malnitzer  (4)  Schichten  entsprechen.  Die 
Byšicer  Uebergangsschichten  (5)  verrathen  sich  durch 
grosse,  an  Fischschuppen  reiche  Knollen. 

Die  Kokořiner  Quader  sind  durch  Streifen  von 
rostrothen  Sandsteinen  angedeutet  (6),  welche  hie 
und  da,  namentlich  an  der  Basis,  Rhynchonellen 
fůhren. 

Den  Gipfel  des  Berges  nehmen  graue,  an  der 
Oberfláche  weiss  verwitterte  Plattenkalke  mit  Inoce- 
ramus  Brongniarti,  wie  bei  Všetat,  ein  und  dtirften 
auch  hier  den  tiefsten  Lagen  der  Choroušker  Tri- 
goniaschichten  entsprechen. 

Ganz  analoge  Profile  constatirte  ich  bei  Ko- 
ně top  und  Hlavno  sudovo.  (Der  Ausdruck  „Ko- 
uětop"  deutet  darauf  hin,  dass  die  Pferde  in  den 
feuchten  Lagen  der  Semitzer  Mergel,  die  am  Fusse 
des  Berges  anstehen,  einsinken.) 

Die  Berglehne  nordlich  von  Byšic  ist  eine 
Wiederholung  des  eben  geschilclerten  Profils.  Die 
Semitzer  Mergel  sind  durch  die  Háuser  von  Byšic 
maskirt  und  dúrften  in  den  Brunnen  des  Ortes  nach- 
zuweisen  sein.  Am  Wege  zum  Steinbruche  begleiten 
uns  die  Dřinover  Knollen,  in  welchen  Herr  Pražák 
Ammonites  Woolgari  vorfand  und  im  Steinbruche 
selbst  finden  wir  den  fast  ganz  petrefactenleeren 
Baupláner,  in  dessen  hochsten  Lagen  die  rost- 
rothen Spuren  des  Rhynchonellen-Quaders  sich  be- 
merkbar  machen,  der  die  Basis  der  hier  noch  nicht 
entwickelten  Kokořiner  Quader  andeutet.  Weiter 
gegen  Hostin  bei  Harbasko  finclet  man  an 
Feldrainen  Stiicke  der  Trigoniaschichten,  die  hier 
nirgends  gut  entblosst  sind  und  bei  Hostin  selbst 
von  Teplitzer  und  Priesener  Schichten  becleckt 
werden. 


28 


Etwas  óstlich  beim  Orte  Kosátek  sincl  die  Iserschichten  máchtiger  entwickelt. 
Ein  Eisenbahneinschnitt  entblosste  daselbst  die  Byšicer  Uebergangsschichten  mit 
einem  verwitterten  Rhynchonellenquader  und  die  in  der  Umgebung  darúber  liegen- 
den  sandigen  Kalke  lieferten  folgende  Versteinerungen : 

Verzeichniss  der  in  den  Choroušker  Schichten  bei  Ko šátek  auf- 

gefundenen  Petrefacten. 


Diese  Arten  wurden  wáhrend  des  Eisenbahnbaues  gesammelt  und  es  ist  bei 
solchen  Gelegenheiten  die  Provenienz  der  Stíicke  immer  mit  Vorsicht  aufzunehmen. 
Doch  deutet  die  Trigonia  limbata  und  Pholadomya  nodulifera  darauf  hin,  dass  in 
der  Náhe  von  Kosátek  die  wahren  Trigoniaschichten  anstehen. 

Will  man  einen  guten  Einblick  in  das  Liegende  der  Kokořiner  Quader 
erlangen,  so  muss  man  das  Hochplateau  auf  dem  Wege  uber  Hostim  passiren,  um 
zu  dem  kleinen  Orte  Hleďseb  zu  gelangen.  (Die  mit  Wald  und  Feldern  bedeekte 
Hochebene  zeigt  bei  Hostim  die  Priesener  Schichten  in  Form  eines  weisslichen, 
dunnschichtigen  Pláners  mit  Inoceramus  Cuvieri.) 

Im  Dorfe  Hleďseb  trifft  man  an  der  Basis  der  Anhohe  „Vystrkov"  einen 


(Meist  Geschenk  des  Herrn  Constantin  Schuster.) 


Trigonia  limbata. 
Area  subglabra. 
Pinna  decussata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Pholadomya  nodulifera. 
Pholadomya  perlonga. 
Panapaea  gurgitis. 
Inoceramus  Brongniarti. 
Lima  semisulcata. 


Lima  iserica. 
Pecten  laevis. 
Pecten  curvatus. 
Pecten  Dujardinii. 
Vola  quinquecostata. 
Ostrea  sp. 
Exogyra  conica. 

Rhynchonella  plicatilis  (depressa  Schl.). 
Biflustra  Pražaki. 


v 


Fig.  16.  Profil  von  Hleďseb  (zwischen  Melnik  und  Řepin).    Hledseb  H,  Vystrkov  V. 
1.  Byšicer  Uebergangsschichten  (3  m.).    2.  Miirber  Sand  (1  m.).   3.  Rhynchonellenqnader  (150  m.). 
4.  Feste  Fucoidenbank.    5.  Erster  Kokořiner  Quader.    6.  Hleďseber  Zwischenplaner. 


29 


kleinen  Steinbruch,  iu  welchem  die  Byšicer  Uebergangsschichten  mit  mebreren 
Reihen  vou  grossen  grauen  Knollen  entblosst  sind.  ,(Fig.  16).  1.  Daruber  folgt 
etwas  můrber  Sand  (2)  und  dann  eine  Bank  des  Rhynckonellenquaders  (3),  welche 
als  Decke  eine  harte  dunkelgefárbte  Fucoidenbank  trágt  (4).  Es  folgt  sodann  der 
erste  Kokořiner  Quader  (5)  und  daruber  der  miirbe  Zwischenpláner,  mit  welchem 
die  Reihenfolge  hier  endet  und  auf  welchem  die  „Vystrkov"  benannte  Háuser- 
gruppe  steht.  Verfolgt  man  nun  das  óstlich  sich  unterhalb  Řepin  hinziehende 
Thal,  so  gewahrt  man  bald  den  zweiten  Kokořiner  Quader,  uber  welchem  die 
Trigoniaschichten  immer  mehr  entwickelt  auftreten,  je  mehr  man  sich  gegen 
Choru  sic  náhert. 

Vor  Chorušic  zweigt  links  ein  Thal  ab,  das  an  der  neuen  Generalstabskarte 
als  Husovodol  bezeichnet  ist.  Hier  trifft  man  den  zweiten  Kokořiner  Quader 
schon  in  der  Thalsohle  anstehend  an  und  lángs  eines  Waldweges  kann  man  die 
sámmtlichen  Lagen  der  Trigoniaschichten  sowie  die  der  Bryozoenschichten,  wie 
sie  bei  Choroušek  und  Kanina  prácisirt  sind,  wiederfinden. 

Zwischen  Chorušic  und  Choroušek  ist  •  ein  tiefes  Thal,  dessen  Lehnen  ganz 
allein  von  den  verschiedenen  Lagen  der  Trigoniaschichten  gebildet  werden.  Der 
von  der  Thalsohle  gegen  Choroušek  hinfuhrende  Weg  ist  es,  an  welchem  Herr 
Pražák  die  Vertheilung  der  Arten  so  prácise  studirt  hat,  dass  sie  als  Anhalts- 
punkt  fur  die  Gliederung  der  Trigoniaschichten  in  anderen  Gegenden  dienen  kann. 
Die  petrographische  Beschaffenheit  wurde  bereits  auf  Seite  15  geschildert. 

Das  Liegende  der  Trigoniaschichten,  den  zweiten  Kokořiner  Quader,  hat  man 
etwas  weiter  sudóstlich  im  Thale  zu  suchen. 

Auch  die  erste  Lage  (Fig.  17  Nro.  1)  der  Trigoniaschichten  ist  gerade  unter- 
halb Choroušek  vom  Thalalluvium  verdeckt  und  wird  erst  bei  der  als  „Sión"  be- 
zeichneten  Tbalpartie  sichtbar.  Dieselbe  ist  durch  mehr  als  50  Arten  Petrefacten 
gekennzeichnet. 

Der  Weg  beriihrt  beim  Aufsteigen  gegen  Choroušek  zuerst  die  feste,  sandig 
kalkige  Schichte  (2),  welche  riesige  Inoceramen  und  Ammoniten  fúhrt,  dann  eine 
miirbe  thonige  Lage  (3)  mit  Trigonia  limbata,  Pinna  decussata  etc.  Die  weitere 
Lage  (4)  ist  mehr  durch  die  dieselbe  oben  und  unten  begranzende,  sehr  feste 
Schichte  als  durch  Petrefacten  gekennzeichnet. 

Der  Steinbruch  zur  rechten  Seite  des  Weges  ist  in  plánrigen  kalkigen  Lagen 
geoffnet  (5),  deren  man  sechs  (a—f)  unterscheiden  kann.  Jede  dieser  Lagen  weist 
eine  gewisse  Eigenthiimlichkeit  in  Bezug  auf  Gruppirung  der  fůr  die  Trigonia- 
schichten bezeichnenden  Arten  auf.  So  hat  z.  B.  b  viele  Pinna  decussata  und 
Lima  dichotoma,  senkrechte  und  verdriickte  Fucoiden,  c  ist  reich  an  Catopygus, 
/  ist  eine  Bank  von  Exogyra  conica. 

Náhere  Details  sind  in  einer  Specialarbeit  uber  Choroušek  und  Umgebung 
anzuhoífen. 

Weiter  nach  oben  macht  sich  ein  rostrother  Sandstein  (6)  mit  petrefacten- 
reichen  Knollen  bemerkbar.  Darauf  folgen  brocklige,  grobkornig  sandige  Pláner  (7) 
und  den  Schluss  der  Reihe  bildet  ein  rostrother  Sand  (8),  in  welchem  unregel- 
mássige  Concretionen  liegen.    Die  Bryozoenschichten  sind  an  der  Choroušker 


30 


Thallelme  selbst  nicht  anzutreffen,  soudem  in  náchster  Umgebung  bei  Oujezd, 
Živonín,  Vtelno,  Neineslovic,  Kanina,  Nebužel  imd  vielen  anderen  Localitáten. 

Beim  Anlegen  der  neuen  Strasse  wurde  die  geschilderte  Schichteufolge  noch 
deutlicher  aufgeschlossen. 


S. 


3 


■l 


t 


Fig.  17.  Profil  der  Thallelme  unterhalb  Choroušek.  1—8  Lagen  der  Trigoniaschichten. 
1.  Tiefste  Lage  in  der  Thalsohle  verdeckt,  etwas  weiter  óstlich  im  Thale  gegen  Kadlin  zu  Tage 
tretend.  2.  Sandig  kalkige  Lage.  3.  Můrbe  thonige  Lage,  an  der  Basis  ein  wichtiger  Horizont 
ftir  Quellen.  4.  Sandige,  oben  und  unten  mit  festem  Gestein  begránzte  Lage.  5.  Plánrige,  aus 
6  Bánken  zusammengesetzte  Lage,  /  Bank  mit  Exogira  conica.  6.  Rostrother  Sandstein  mit  Pe- 
trefacten-Knollen.    7.  Brócklige,  grobkórnig  sandige  Pláner.    8.  Rostrother  Sand  mit  unregel- 

mássigen  Concretionen. 


Das  nim  folgencle  Verzeichniss  basirt  sich  theils  auf  die  von  mir  und 
Dr.  O.  Novák  gesammelten  Arten,  hauptsáchlich  aber  auf  die  durch  jahrelangen 
Fleiss  zusammengebrachte  Sammlung  des  Herrn  Landtagsabgeordneten  Jos.  Pražák 
in  Choroušek.  Die  den  Fundorten  beigefiigten  Ziffern  beden  ten  die  Lage  der  Fund- 
schichte  nach  dem  Profile  Nro.  17. 


31 


Verzeicliniss 


der  in  der  Umgebung  von  Choroušek  in  den  Trigonia-  und  Bryozoen- 
schichten  aufgefundenen  Petrefacten. 


Choroušker  Trigonia- 
Schickten 


Kaniner  Bryozoen- 
Schichten 


10. 

11. 

12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 
45. 


Oxyrhina  angustidens 
Belemnites  sp.  .  .  . 
Nautilus  sublaevigatus 
Nautilus  galea  .  .  . 
Nautilus  rugatus  .  . 
Ammonites  peramplus 
Turritella  Fittouiaua 
Turritella  iserica  . 
Natica  Gentii    .  . 
Natica  lamellosa  . 
Nerita  dichotoma  . 
Turbo  Goupilianus 
Avellana  sp.  .  .  . 
Cardium  productum 
Protocardium  Hillauum 
Isocardia  gracilis  . 
Crassatella  cf.  austriaca 
Crassatella  cf.  macrodouta 
Cyprina  quadrata  .  .  . 
Mutiella  Ringmerensis 
Eriphyla  leuticularis  . 
Cytlierea  polymorplia  . 
Trigonia  limbata  .   .  . 
Area  subglabra  .... 
Area  echiData   .  .  . 
Pinua  decussata    .  -  . 
Solen  Guerangeri  .  .  . 
Gastrochaena  sp.  .  .  . 
Pseudomya  anomioides 
Lithodomus  spatulatus 
Modiola  typica  .... 
Mytilus  radiatus   .  .  . 
Pholadomya  aequivalvis 
Pholadomya  nodulifera 
Pholadomya  perlonga  . 
Panopaea  gurgitis    .  . 
Panopaea  mandibula  . 
Panopaea  Ewaldi  .  .  ■ 
Avicula  anomala  .  .  . 
Inoceramus  sp.  (striatus?) 
Inoceramus  Brongniarti? 
Lima  ovata   .  .  . 
Lima  Dupiniana  . 
Lima  semisulcata  . 
Lima  multicostata 


Choroušek  1,  5 

Choroušek  1,  5 

Choroušek  1 

Choroušek  1,  5,  6 

Choroušek  6 
Choroušek  1 
Choru  šice  8 

Choroušek  5 

Choroušek  3,  5 
Choroušek  3,  5 

Choroušek  1,  3 
Choroušek  1 
Choroušek  1,  5 

Choroušek  1 
Choroušek  1 
Choroušek  3,  3 
Choroušek  1,  3 
Choroušek  1 
Hus.,  Chor.  1,  3,  5 
Choroušek 

Choroušek  6! 
Choroušek  L 
Choroušek  1 


Choroušek  1,  2,  ; 
Choroušek  1,  5 
Choroušek  1,  5 
Choroušek  1 
Choroušek  2 
Choroušek  1 

Choroušek  1 !  5? 


Choroušek  7,  8 
Choroušek  1 — 8 


Živonín 
Vtelno 
Živ.,  Vtelno 
Vtelno 

Živonín,  Vtelno 

Vtelno 
Živonín,  Vtelno 


Gr. -Újezd 
Živonín 
Živonín 


Kanina 
Gr.-Újezd 
Vtelno,  Živ. 

Husodol,  Gr.-tijezd 
Bezno 
Živonín 

Vtelno,  Živ. 
Živonín 
Kanina,  Újezd 
Nemeslovic 


Vtelno 
Pramínek 
Živonín 
Živonín 
Zamachy 

Vtelno,  Z.,  Ž. 


Živonín,  Vtelno 

Vtelno 
Kanina 
Kanina 
Živonín,  Gr.-Újezd 
Újezd,  Živonín 


32 


Choroušker  Trigonia- 
Schichten 


Kaniner  Bryozoen- 
Schicliten 


46.  Lima  dichotoma    .  . 

47.  Lima  Sowerbyi  .  . 

48.  Lima  iserica  .... 

49.  Lima  pseudocardium 

50.  Pecten  laevis    .  .  . 

51.  Pecten  curvatus    .  . 

52.  Pecten  Dujardinii  .  . 

53.  Vola  quinquecostata 

54.  Exogyra  conica    .  . 

55.  Exogyra  lateralis  .  . 

56.  Exogyra  laciniata  .  . 

57.  Exogyra  Matheroniana 

58.  Ostrea  semiplana  .  . 

59.  Ostrea  frons.  .  . 

60.  Ostrea  hippopodium 

61.  Ostrea  diluviana  .  . 

62.  Anomia  subtruncata,  d'0 

63.  Anomia  snbradiata,  Reuss 

64.  Anomia  semiglobosa 

65.  Anomia  sp  

66.  Rhynchonella  plicatilis 

67.  Pihynchonella  Cuvieri  . 

68.  Rhynchonella  Mantelli 

69.  Magas  Geinitzii    .  .  . 

70.  Hippothoa  labiata    .  . 

71.  Biflu  stra  Pražáki  .  .  . 

72.  Diastopora  acupunctata 

73.  Proboscina  Bohemica  . 

74.  Proboscina  Suessii   .  . 

75.  Entalophora  Geinitzii  . 

76.  Entalophora  raripora  . 

77.  Spiropora  verticillata  . 

78.  Truncatula  tenuis    .  . 

79.  Petalophora  seriata  .  . 

80.  Osculipora  plebeia  . 

81.  Antedon  (Glenotremites)  sp 

82.  Cidaris  subvesiculosa 

83.  Glyphocyphus  sp.  .  . 

84.  Cyphosoma  radiatum 

85.  Cyphosoma  sp.  .  .  . 

86.  Holectypus  Turoneusis 

87.  Cardiaster  Ananchytis 

88.  Holaster  elongatus  . 

89.  Micraster  Michellini 

90.  Hemiaster  plebeius  . 

91.  Catopygus  Pražáki  . 

92.  Catopygus  albensis 

93.  Catopygus  fastigatus 

94.  Nucleolites  bohemicus 

95.  Caratomus  Laubei  . 


Choroušek  6 
Choroušek  1,  5,  7 
Choroušek  1 ,  5,  6,  8 
Choroušek 
Choroušek  1,  8 
Choroušek  1 — 8 
Choroušek  5 
Choroušek  1 — 8 
Choroušek  1 — 8,  5 ! 
Choroušek  1 
Choroušek  6,  7 
Choroušek  1,  6,  8 
Choroušek  3,  5 
Choroušek  5 — 8 
Choroušek  1 — 8 

Choroušek  1 
Choroušek  1,  8 
Choroušek  5 
Choroušek  6,  8 
Choroušek  6!  8 


Choroušek  1 

Choroušek  1,  3, 

Choroušek  1,  7 

Choroušek  1 


Choroušek  1,  7 


Choroušek  1 

Choroušek  1,  5, 

Choroušek  1 

Choroušek  1 

Choroušek  1 
Choroušek 

Zamachy  1 

Choroušek  1 

Choroušek  1 

Choroušek  1,  5 

Choroušek  1,  5 

Choroušek  1,  5, 


Vtelno,  Ziv. 
Kanina 

Újezd 
Živonín 
Žiyonín,  Vtelno 
Zivonín  etc. 
Živonín  etc. 
Žiyonín  etc. 
Živonín 
Živonín 
Živonín,  Vtelno 
Živonín,  Vtelno 


v  Živonín,  Vtelno 
Živ.,  Újezd,  Vtelno 
Újezd? 

HL,  Živ.,  Vtelno 
Uj.,  Vt.,  Ž.,  Neb. 
Živ.,  Vtelno 
Živ.,  Vtelno 

Živ.,  Vtelno 
Živonín 
Újezd 
Újezd 
HL,  Živ.,  Vtelno 
HL,  Živ.,  Vtelno 
HL,  Živ.,  Vtelno 
HL,  Živ.,  Vtelno 
HL,  Živ.,  Vtelno 
Živonín 
Vtelno,  Živ. 
Vtelno,  Živ. 
Új,  Vt,  Živ. 
Vt.,  Z.,  Kau. 
Újezd,  Živ. 

Živonín 
Hus.,  Vtelno 
Vtelno 
Hus.,  Živ.,  Vtelno 
Hus.,  Živ.,  Vtelno 
Vtelno 
Živ.,  Vtelno 
Hus.,  Živ. 
Led.,  Živ.,  Mšeno 
Živ.,  Vtelno 


33 


96.  Holaster  elongatus  

97.  Cardi aster  ananchytis    .  .  .  . 

98.  Serpula  socialis  

99.  Serpula  ampulacea  

100.  Serpula  macropus  

101.  Serpula  gordialis  

102.  (Fungia)  Micrabatia  coronula  ?  . 

103.  Spongites  saxonicus  

104.  Vioa  sp  

105.  Vioa  Exogyrarum  

106.  Vioa  miliaris  

107.  Ventriculites  sp  

108.  Flabellina  elliptica  

109.  Fucoides  funiformis  

110.  Fucoides  columnaris  

111.  Fucoides  cauliformis  

112.  Fucoides  strangulatus    .  .  .  . 


Choroušker  Trigonia- 
Schi  chtěn  • 


Zamach  1 
Choroušek  1,  2 
Choroušek  1,  5 
Choroušek  1 
Choroušek  1,  5 
Choroušek  2,  5,  6 
Choroušek  1 — 8 
Choroušek 
Choroušek  5 
Choroušek  7 

Choroušek  1 
Choroušek  5 
Choroušek  1,  2 
Choroušek  5 
Choroušek  1 


Kaniner  Bryozoen- 
Schichten 


Vtelno 
Vtelno,  Živ. 
Újezd? 
Živonín 
Živ.,  Vtelno 
Vtelno,  Hl.,  Živ. 
Živonín,  Vtelno 
Vtelno 


Živonín 
Živonín 


3.  Die  Gegend  von  Vrutie,  Sušno,  IVemeslovic,  Zamach  und  Choroušek. 

Ein  áhnliches  Profil  wie  das  eben  geschilderte  kann  man  in  einem  mehr 
óstlich  gelegenen  Thale  verfolgen,  das  uns  von  der  Eisenbahnstation  Vrutic  liber 
Sušno,  lángs  des  Hlubokabaches  unterhalb  Nemeslovic  und  Zamach,  wieder  bis  zu 
Choroušek  hinfiihrt. 

Mit  dem  Studium  des  Liegenden  der  Iserschichten  beginnt  man  unmittelbar 
hinter  der  Vruticer  Zuckerfabrik  und  verfolgt  die  Schichten  lángs  des  Feldweges 
nach  Vtelno,  an  der  Lehne  gegeniiber  dem  Meyerhofe.  (Profil  Fig.  18.) 

Die  Semitzer  Mergel  der  Weissenberger  Schichten  sind  in  der  Thaltiefe  ver- 
deckt  und  sind  gewiss  in  enger  Beziehung  mit  den  máchtigen  Quellen,  welche  hier 
zu  Tage  treten  und  in  neuerer  Zeit  bei  der  Trinkwasserfrage  der  Stadt  Prag  zur 
Discussion  kamen. 

Im  Steinbruch  hinter  der  Zuckerfabrik  stehen  graue  Baupláner  an,  welche 
trotz  ihres  abweichenden  Aussehens  dennoch  als  die  Wehlowitzer  Fischpláner  auf- 
zufassen  sein  werden.  Die  máchtigen  Bánke  werden  von  senkrechten  runden  Stángeln 
durchzogen,  welche  vielleicht  als  Róhren  von  Arenicola  zu  betrachten  sind. 

Der  Feldweg  nach  Vtelno  fůhrt  uns  bei  den  Byšicer  Uebergangsschichten  (2) 
vorbei,  in  welchen  wir  grosse  Knollen  mit  Fischschuppenanháufungen  antreffen. 
Es  sind  dies  sehr  merkwurdige,  in  dieser  ganzen  Gegend  einen  bestimmten  Hori- 
zont bezeichnende  Erscheinungen.  Die  Knollen  sind  an  50  cm.  lang,  haben  30  bis 
40  cm.  im  Durchmesser,  stehen  senkrecht  in  den  Schichten  und  enthalten  zwei 
neben  einander  liegende,  aus  lauter  Fischschuppen  bestehende  Wiilste  von  4 — 5  cm. 
Durchmesser.  (Ich  fand  sie  in  dem  nahen  Bepiner  Thale  ganz  im  selben  Niveau.) 
Darúber  gewahrt  man  eine  schwache,  aus  lauter  Fucoiden  bestehende  Schichte  (3), 

3 


34 


grossen  Concretionen,  welche  als  die  Ausbisse  der  mehr  nordlich 
Kokořiner  Quader  aufzufassen  sind  (4,  5).    Die  weiter  nacli  oben 


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die  wohl  mit  der  von  Hleďseb  (Profil  Fig.  16  auf  Seite  28)  verglichen  werden  muss. 
Nun  folgen  sandige  Pláner  mit  glasirten,  von  senkrechten  Fucoiden  durchsetzten 

entwickelten 
anstehenden 
grauen,  grobsandigen  Kalke 
fuhren  graue  rundliche  Knollen 
(6),  weiter  unregelmássige  Con- 
cretionen (7),  dann  rostrothe 
Reste  nach  Spongien  (8). 

Die  Reihe  scbliesst  hier 
mit  flachen  Kalkplatten,  áhn- 
lich  wie  auf  den  Hiigeln  bei 
Všetat  und  Byšic  (9,  10). 

Die  sámmtlichen  Lagen 
6 — 10  gehóren  ohne  Zweifel  den 
tieferen  Trigonia-Schichten  an, 
doch  wird  ein  lángeres  Sam- 
meln  eines  den  Ort  ófter  besu- 
chenden  Paláontologen  nothig 
sein,  um  dies  genau  zu  prá- 
cisiren. 

Nach  dieser  Vorstudie 
muss  man  Sušno  zu  erreichen 
suchen,  wo  ein  áhnliches  Profil 
ansteht,  und  sodann  das  unter- 
halb  Nemeslovic  sich  hinzie- 
hende,  vom  Hlubokabache  be- 
gleitete  Thal  aufsuchen. 

Hier  stósst  man,  das  Thal 
verfolgend,  am  Fusssteige  nach 
Sušno  zuerst  auf  den  zweiten 
Kokořiner  Quader,  welcher  sich 
nach  Norden  hin  immer  mehr 
der  Thalsohle  náhert  und  end- 
lich  darin  ganz  verschwindet, 
so  dass  die  ganze  Thallehne 
von  den  Choroušker  Trigonia- 
schichten  und  den  Bryozoen- 
schichten  gebildet  wird. 

Gegenůber   Kadlin ,  wo 
noch    der   zweite  Kokořiner 
Quader  in  der  Thalsohle  ansteht,  lassen  sich  die  einzelnen  Lagen  der  Trigonia- 
schichten  an  den  Contouren  der  Thallehne  nach  den  verschiedenen  Verwitterungs- 
graden  unterscheiden,  wie  das  aus  beifolgender  Skizze  (Fig.  19)  zu  ersehen  ist. 
Man  gelangt  (mit  Fiihrer!)  unterhalb  Chorušic  an  eine  Stelle,  wo  sich  das 


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35 


Thal  spaltet:  links  fiihrt  es  zu  dem  uns  bekannten  Profile  unterhalb  Choroušek, 
rechts  zieht  es  sich  mehr  als  eine  Stunde  weit  bis  hinter  Gross-Oujezd,  wo  die 
Schichtenfolge  mit  reichen  Bryozoenschichten  endet.  Von  den  zahlreichen  Locali- 
táten,  an  denen  die  Bryozoenschichten  in  dieser  Gegend  zugánglich  sind,  ist 
Živonín  die  ausgiebigste  und  belehrendste,  denn  hier  werden  sie  von  Resten  der 
Teplitzer  und  Priesener  Schichten  úberlagert. 


Fig.  19.  Profil  der  Thallehne  gegeniiber  Kadlin.  Kl.  Erster  Kokořiner  Quader  in  der  Thal- 
sohle  verdeckt.    O.  Zwischenpláner.    K2.  Zweiter  Kokořiner  Quader.    1. — 8.  Lagen  der  Trigonia- 
schichten,  mit  denen  von  Choroušek  (p.  30)  ubereinstimmend. 

Herr  Pražák  war  hier  im  Stande,  drei  paláontologische  Niveaus  wahrzunehmen : 
Im  unteren  Drittel  sind  die  Catopygus-  und  Micraster-Arten,  dann  Glypho- 
cyphus  anzutreífen  und  die  Schlemmungen  weisen  eine  Unzahl  von  mikroskopischen 
Foraminiferen  auf.  Das  mittlere  Drittel  ist  das  Hauptlager  fůr  die  Bryozoen; 
es  enthált  die  kleine  Varietát  der  Ostrea  hippopodium.  Das  oberste  Drittel 
liefert  den  Holectypus  turonensis,  sowie  die  kleinen  Exempláre  von  Rhynchonella 
Cuvieri  und  Mantelli. 

Hier  sind  wir  abermals  auf  dem  Hochplateau  bei  Kanina  angelangt. 


Um  die  Berglehnen  des  Iserthales  verstehen  zu  lernen,  muss  man  mit  den 
orientirenden  Excursionen  in  der  Gegend  von  Lisá  beginnen  (Fig.  20  L).  Hier  tiber- 
zeugt  man  sich,  dass  die  Stadt  auf  dem  Horizont  der  Dřinover  Knollen  (1) 
(Weissenberger  Schichten)  steht.  *)    Die  Steinbriiche  oberhalb  der  Stadt  sind 


Das  Iserthal  von  Benátek  bis  Turnau. 


*)  Die  Semitzer  Mergel  sind  von  dem  Elbeschutte  verdeckt  und  diirften  in  den  Brunnen 
von  Lissa  nachzuweisen  sein. 

3* 


36 


typische  Wehlowitzer  Fischpláner  (2),  welche  Enoploclythia  Leachii  und  in  neuester 
Zeit  auch  Macropoma  speciosum  geliefert  haben.  Mehr  nach  Norden  vor  dem  Orte 
Vrutic  liegen  Pláner  mit  Lima  multicostata  und  durften  dem  Horizont  der  Mal- 
nitzer  Schichten  (3)  entsprechen. 

Lángs  der  Strasse  gegen  Benátek  hin  trifft  man  beim  Orte  Jiřic  die  Byšicer 
Uebergangsschichten  (4)  an,  wo  bei  einem  fliichtigen  Besuche  folgende  Arten  ge- 
sammelt  wurden. 


Verzeichniss  der  in  den  Bischitzer  Uebergangsschichten  bei  Jiřic 
(zwischen  Lisa  und  Benátek)  aufgefundenen  Petrefacten. 

Scaphites  Geinitzii.  Lima  pseudocardium. 

Isocardia  sp.  Pecten  Nilssoni. 

Nuculla  sp.  Pecten  Dujardinii. 

Area  sp.  Ostrea  sp. 

Lithodomus  spatulatus.  Rhynchonella. 

Tellina  sp.  Micraster? 
Inoceramus  Brongniarti. 

Der  hier  im  Terrain  bemerkliche  Rúcken  der  Bischitzer  Schichten  zieht  sich 
westlich  bis  nach  dem  Orte  Hieronimberg  (Čihadla),  wo  ich  in  einem  Hohlwege 
ganz  dieselben  Petrefacten  antraf,  wie  bei  Jiřic. 

An  allen  den  erwáhnten  Schichten  ist  ein  Einfallen  gegen  das  Iserthal,  nach 
Norden  wahrnehmbar,  und  von  dem  Vorhandensein  von  Quadersanden  keine  An- 
deutung  vorhanden. 

Im  Thale  des  Iserflusses  angelangt  findet  man  wenig  Anhaltspunkte,  um  sich 
zu  orientiren  und  es  wáre  sehr  niitzlich,  wenn  ein  Localsammler  zur  Charakteristik 
der  hier  anstehenden  Schichten  mehr  paláontologische  Belege  aufsammeln  móchte. 

Am  linken  Ufer  der  Iser  beim  Schiittboden  in  Alt-Benatek  ist  in  einem 
kleinen  Steinbruche  ein  petrefactenleerer  Pláner  aufgeschlossen,  dessen  máchtige 
Bánke  von  senkrechten  meterlangen  (Fucoides?  columnaris)  Sáulchen  durchsetzt  sind. 

Am  rechten  Ufer  ist  hinter  der  Háuserreihe,  welche  „Obodř"  genannt  wird, 
der  Fundort  des  Beryx  ornatus  (Fr.  Rept.  und  Fische,  Taf.  5  Fig.  2 — 3). 

Beim  Háuschen  Nr.  48  zieht  sich  in  der  Hóhe  von  7  Metern  an  der  steilen 
Felswand  eine  Reihe  grosser  grauer  Knollen  und  in  einem  derselben  fand  sich 
der  erwáhnte  schóne  Fischrest.  Ich  nahm  mir  grosse  Mtthe,  in  diesem  Niveau 
eine  Reihe  von  Petrefacten  ausfindig  zu  machen,  erhielt  aber  nur  wenig  bezeich- 
nende  Arten. 

Inoceramus  Brongniarti.  Exogyra  lateralis. 

Pecten  curvatus.  Ostrea  hippopodium. 

Pecten  Dujardinii. 


Die  ubrige  Thallehne  von  Neu-Benatek  besteht  aus  mtirben,  sandigen,  bráun- 
lichen  Plánern,  in  denen  etwa  von  Meter  zu  Meter  festere  kalkigere  Knollenlagen 


37 


auftreten.  Grosse  Ammonites  pcramplus  nud  Inoceramus  Brongniarti  kommen 
sowohl  in  den  tieferen  als  auch  in  den  hoheren  Lagen  vor. 

Es  ist  bisher  sehr  schwer,  diese  Schichten  zu  deuten  und  im  Nachfolgenden 
sollen  nur  Vermuthungen  ausgesprochen  werden. 

Manche  der  tiefen  petrefactenleeren  Pláner  mogen  den  Kokořiner  Quadern 
entsprechen.  Die  Fischknollen  und  die  Schichten  mit  Ammonites  peramplus  und 
Inoceramus  Brongniarti  durften  dem  unteren  Drittel  der  Trigoniaschichten  ange- 
hóren.  Zu  dieser  Ansicht  gelangte  ich  bei  der  weiteren  Verfolgung  des  Iserthales 
gegen  Jungbunzlau  hin,  wo  áhnliche  Pláner  wie  bei  Benátek  von  den  hoheren  Lagen 
der  Trigoniaschichten  bedeckt  werden. 

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Fig.  20.  Profil  von  Lisa  (L)  nach  Benátek  (B). 
1.  Dřinover  Knollenschichte.    2.  Wehlowitzer  Fischpláner.    3.  Malnitzer  Schichten.    4.  Byšicer 
Uebergangsschichten  bei  Jiřic  (J).    5.,  5.'  Trigoniaschichten.    a  Tiefere  Lage  mit  Fischknollen 
(Fundort  des  Beryx  ornatus).    b  Hohere  Lage  (etwa  Nro.  3  des  Profiles  von  Choroušek)  mit  Ino- 
ceramus Brongniarti  und  Ammonites  peramplus. 


Verfolgt  man  die  Iserschichten  am  rechten  Iserufer  stromaufwárts,  so  gewahrt 
man,  dass  sie  ganz  allmáhlig  gegen  Nordwest  einfallen,  so  dass  die  hóchsten  Lagen 
der  Trigoniaschichten,  welche  bei  Zámost  und  Jungbunzlau  hoch  auf  der  Thallehne 
anstehen,  bei  Bakov  sich  der  Thalsohle  náhern  und  in  einem  Steinbruche  náchst 
dem  Bahnhofe,  also  nicht  gar  hoch  uber  dem  Wasserspiegel,  zugánglich  sind. 

Viel  gunstiger  als  die  Profile  von  Byšic,  Choroušek,  Kanina,  ist  fur  die  rasche 
Orientation  in  den  Iserschichten  das  Thal,  das  sich  von  der  Eisenbahnstation  Zamost- 
Krnsko  (Prag-Turnauer  Bahn)  unterhalb  Stranov  uber  Cetno  und  Kovánec  nach 
Skalsko  hinzieht. 

Die  Máchtigkeit  der  einzelnen  Lagen  der  Trigoniaschichten  ist  hier  eine  viel 
bedeutendere,  als  bei  Choroušek  und  Kadlin.  Namentlich  macht  sich  eine  der 
tieferen  Lagen  als  ungewohnlich  máchtiger  braungelblicher,  feinsandiger  Pláner 
bemerkbar.  Dieses  vorzugliche,  auch  zu  Steinmetzarbeiten  taugliche  Gestein  wurde 
zur  Zeit  des  Bahnbaues,  namentlich  bei  „Podvinec",  gebrochen.  Es  ist  arm  an 
Petrefacten  und  ich  erhielt  daraus  nur  wenige  Arten,  welche  weiter  unten  auf- 
gefuhrt  werden  (Seite  40).  Senkrechte  Fucoides  columnaris  sind  darin  háufig. 

Fur  diese  Gegend  und  namentlich  fůr  das  Profil  Zámost-Skalsko  ist  es  zweck- 
mássig,  diese  Schichte  als  Podvinecer  Baustein  zu  bezeichnen. 

Ich  muss  hier  bemerken,  dass  man  nicht  erwarten  kann,  an  den  Thallehnen 
der  Iser  alle  Lagen  der  Trigoniaschichten  in  gleicher  Máchtigkeit  und  mit  voll- 
kommen  ubereinstimmender  petrographischer  Beschaffenheit  wiederzufinden  wie  bei 
Choroušek,  und  man  muss  daher  mit  der  Parallelisirung  der  hier  entblóssten  Lagen 
mit  denen  auf  dem  Profil  Fig.  17  angedeuteten  vorsichtig  sein. 


38 


Car  manche  Erscheinungen  sind  geeignet,  den 
Beobachter  zu  vexiren.  Vor  Allem  ist  es  die  Bildung 
der  Bánke  der  grossen  Exogyra  conica,  welche  nicht 
bloss  an  das  im  Schéma  angedeutete  Niveau  gebunden 
sind,  sondern  auch  in  den  tieferen  Lagen  stellenweise 
auftreten  konnen. 

Ein  grosser  Steinbruch,  welcher  westlich  vom 
Viaducte  zur  Zeit  des  Bahnbaues  geofřnet  wurde,  ent- 
blosst  uns  die  Choroušker  Trigoniaschichten  in  ausge- 
zeichneter  Weise.  Dieselben  werclen  gegen  Skalsko  hin 
immer  weniger  máchtig  und  nehmen  immer  geringeren 
Antheil  an  der  Bildung  der  Thallehne  und  unter  ihnen 
tritt  zuerst  der  hohere,  zweite  Kokořiner  Quader,  dann 
die  Zwischenpláner  und  endlich  der  erste,  tiefere  Ko- 
kořiner Quader  zu  Tage  (Fig.  21). 

Am  Fusse  des  genannten  Steinbruches  gewahrt 
man  eine  Quelle,  nach  der  man  schliessen  kann,  dass 
hier  das  Niveau  der  ersten  Lage  der  Choroušker 
Schichten  in  der  Thalsohle  verdeckt  ist.  (Fig.  22.) 

Die  tiefsten  zugánglichen  Schichten  enthalten  eine 
Unzahl  von  Spongites  funiformis  nebst  kleinen  Lima- 
und  Pecten-Arten.  Die  unterste  der  abgebauten  Lagen 
ist  etwa  4  m.  máchtig,  enthált  viele  Fucoides  colum- 
naris  und  zahlreiche  grosse  Exempláre  der  Exogyra 
conica.  Nun  folgen  etwa  7  m.  feinkórnigen  sandigen 
Pláners,  der  sich  in  4  Bánken  darbietet  und  den  wir 
als  Podvinecer  Baustein  bezeichnet  haben.  Er  lásst 
sich  dann  lángs  des  ganzen  Thales  gegen  Kován  hin 
und  zwar  an  der  óstlichen  Thallehne  verfolgen.  Am 
Gipfel  dieser  Bánke  gewahrt  man  zahlreiche  Lagen 
vom  Knollenpláner,  welche  aber  hier  nicht  ohne  Ge- 
fahr  zugánglich  sind.  Ich  konnte  dieselben  auf  der 
nórdlichen  Seite  der  zum  Viaduct  fuhrenden  Boschung 
náher  untersuchen. 

Ich  fand,  dass  die  ersten  den  máchtigen  Pláner- 
bánken  auflagernden  Knollenreihen  sehr  reich  an  Serpula 
socialis  sind  (Fig.  21,  4)  und  von  einer  etwa  1  Meter 
máchtigen  Schichte  Quaders  bedeckt  werden. 

Auf  einige  Bánke  miirben  Pláners  folgt  noch  eine 
quaderáhnliche  feste  Bank  mit  grossen  kalkigen  Knolleu 
und  diese  trifft  man  im  Niveau  des  Bahngeleises  im 
Einschnitte  gegen  Kuttenthal  zu  an.  Auf  diese  folgen 
nun  abwechselnd  festere  und  miirbere  Lagen  mit  oder 
ohne  Knolleu,  welche  die  Ver treter  der  oberen  Hálfte 
der  Choroušker  Trigoniaschichten  darstellen  und  reich 


39 


an  Petrefacten  sind.  Die  hochsten  Bánke,  welche  an  der  Umbiegungsstelle  der  Bahu 
(wo  diese  das  Iserthal  verlásst,  um  nordwestlich  gegen  Kuttenthal  zu  fuhren)  im  Ein- 
schnitte  entblósst  sind,  halte  ich  schon  fiir  die  Reprásentanten  der  Bryozoenschichten. 

Wo  die  Bahn  das  Hochplateau  erreicht,  da  liegt  auf  den  kalkigen  Iserschichten 
ein  grauer  Letten,  in  welchem  zahlreiche  Steinkerne  verschiedener,  die  Trigonia- 


Fig.  22.  Profil  der  Lehne  des  Iserthales  beim  Viaducte  in  Zámost  (Station  Krnsko-Stranov). 
(J.)  Iserfluss.  1.  Tiefste  Lagen  der  Trigoniaschi chtěn.  2.  Bank  mit  grossen  Exogyra  conica. 
3.  Podvinecer  Baustein.  4.  Sandige  Knollenpláner  mit  zahlreichen  Serpula  socialis.  5.  Zwei  schwache 
Quaderbánke  durch  Plánerlagen  getrennt.  6.  Die  hochsten  Lagen  der  Trigoniaschichten  (vielleicht 

schon  Bryozoenschichten). 


schichten  charakterisirenden  Arten  vorkommen,  deren  eine  Suitě  auch  in  der  Samm- 
lung  des  Herrn  Pražák  zu  finden  ist.  Dieselbe  Schichte  tritt  auch  bei  Bezno  auf, 
wo  Herr  V.  Vaněk,  Lehrer  daselbst,  nachfolgende  Arten  gesammelt  und  deni  Museum 
zugesandt  hat. 


Verzeichniss  der  vom  Herrn  Lehn 
Bezno  gesammelten 

Nautilus  sp. 
Scaphites  Geinitzii. 
Natica  Roemeri. 
Natica  sp. 
Pleurotomaria  sp. 
Turbo  sp. 

Rostellaria  Schlottbeimi. 
Rostellaria  (calcarata?). 
Fusus  sp. 
Voluta  suturalis. 
Rapa  sp. 
Avellana  ? 

Cardium  productum. 


r  Vaněk  auf  einem  Ackerfelde  bei 
Arten.  (Steinkerne.) 

Crassatella? 
Cyprina  ? 

Nucula  sp.  (gróssere  Art). 
Nucula  sp.  (kleinere  Art). 
Trigonia  limbata. 
Area  subglabra. 
Area  (echinata?) 
Vola  quinquecostata. 
Serpula  ampullacea. 
Nucleolites  Bohemicus. 
Ventriculites. 
Plocoscyphia. 
Vioa  sp. 


40 


Um  das  Liegende  der  Choroušker  Trigoniaschichten  zu  constatiren,  muss  man 
der  Strasse  entlang  das  Thal  von  Krnsko  gegen  Skalsko  hin  verfolgen ;  man  gewahrt 
bei  Strenic  (Fig.  21  8)  an  der  rechten  Berglehne  hinter  den  letzten  Háusern  des  Ortes 
kleine  Steinbriiche,  in  welchen  der  zweite  Kokořiner  Quader  gebrochen  wird.  Der 
sehr  miirbe  Sandstein  enthált  stellenweise  grosse  linsenformige  Quarzconcretionen 
(Fig.  21,  3). 

Dieser  Quader  kommt  nun  immer  hoher  und  hoher  an  der  Berglehne  zu 
liegen,  so  dass  er  vor  Cetno  schon  fast  in  balber  Hóhe  der  Lehne  als  deutliche 
Stufe  wahrzunehmen  ist.  Unter  demselben  liegen  hier  máchtig  entwickelte  Zwischen- 
pláner  mit  harten  Knollen  (Fig.  21,  2)  und  hart  am  Wege  macht  sich  schon  der 
erste  Kokořiner  Quader  bemerkbar,  welcher  von  hier  an  immer  mehr  hervortretend 
die  Thalsohle  von  beiden  Seiten  bis  unterhalb  Skalsko  einnimmt  (Fig.  21,  1). 

Der  Weg,  welcher  von  der  Thalsohle  gegen  Kovánec  hinfuhrt,  bietet  vor- 
treffliche  Gelegenheit,  alle  erwáhnten  Schichten  zu  studiren. 

Von  unten  nach  oben  folgen  hier: 

a)  Erster  Kokořiner  Quader, 

h)  Zwischenpláner, 

c)  Zweiter  Kokořiner  Quader, 

d)  Choroušker  Trigoniaschichten  mit  dem  Podvinecer  Baustein  in  den  tieferen 
Lagen. 

Diese  letzteren  nehmen  hier  schon  kaum  das  obere  Funftel  der  Lehne  ein 
und  werden  gegen  Ko vaň  hin  noch  schwácher.  Auf  der  Anhohe  Hrádek  zwischen 
Skalsko  und  Katusic  fehlen  sie  ganz  und  der  zweite  Kokořiner  Quader  bildet  den 
Gipfel  dieser  malerischen  Partie. 

Das  geschilderte  Profil  wúrde  eine  gunstige  Gelegenheit  zu  einer  genauen 
Messung  der  einzelnen  Schichten  und  deren  ab-  und  zunehmenden  Máchtigkeit, 
sowie  deren  Einfallswinkel  bieten,  was  natúrlich  nicht  alles  von  einem  Paláontologen 
verlangt  werden  kanu. 

Fiir  die  Umgebung  von  Jungbunzlau  war  fur  mich  am  meisten  das  Profil 
belehrend,  das  ich  im  Jahre  1866  unweit  dem  Bahnhofe  bei  Cejtic  auf- 
genommen  habe.  Ein  daselbst  damals  geoffneter  Steinbruch  liess  keine  gunstige 
Untersuchung  zu,  aber  ein  knapp  daran  liegencler,  an  der  ganzen  Berglehne  sich 
hinziehender  Wasserriss  mit  hervorstehenden  festeren  Bánken,  machte  es  moglich, 
die  einzelnen  Schichten  genau  nach  ihren  Petrefacten  zu  untersuchen. 

Die  tiefsten  Lagen,  ein  grauer  fester  Kalkstein  (Fig.  23,  1),  erwiesen  sich 
wáhrend  des  Eisenbahnbaues  auf  der  ganzen  Linie  Zámost-Jungbunzlau  als  der 
Sitz  riesiger  Exempláre  von  Ammonites  peramplus,  Nautilus  galea  und  Inoceramus 
Brongniarti.  Sie  entsprechen  den  Nr.  1  und  2  der  Trigoniaschichten  des  Choroušker 
Profiles  (Seite  30). 

Das  nach  oben  náchstfolgende  Glied  ist  ein  an  10  m.  máchtiger,  feinkórniger 
gelblicher,  kalkiger  Sandstein  (2),  welcher  nicht  weit  von  hier  bei  Podvinec  zu  Stein- 
metzarbeiten  ausgebeutet  wird.  Ich  erhielt  aus  diesem  Sandstein :  Lima  multicostata 
mit  gespaltenen  Rippen,  Pecten  Dujardinii,  Ostrea  semiplana  und  Serpula  macropus. 

Dann  folgt  eine  60  cm.  máchtige  Sandsteinbank  (3)  und  darauf  kalkige  Schichten 
mit  Magas  Geinitzii  (4)  und  nachstehenden  Petrefacten : 


41 


Fischfragmente. 
Scaphites  sp. 
Trigonia  limbata. 
Pinna  decussata. 
Modiola  capitata. 
Modiola  typica. 
Lima  Sowerbyi. 
Lima  semisulcata. 
Lima  sp. 

Lima  multicostata. 
Lima  iserica. 
Pecten  curvatus. 


Pecten  Dujardinii. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  laciniata. 
Ostrea  hippopodium 

(vesicularis). 
Ostrea  frons. 
Anomia  subtruncata. 
Anomia  subradiata. 
Rhynchonella. 
Magas  Geinitzii. 
Serpula  socialis. 
Flabellina  elliptica. 


Eine    zweite   Sandsteinbank   von  3  m. 

(5)  trennt  die  letzterwáhnte  petrefactenreiche 
Schicbte  von  rostigen  kalkigen  Plattenlagen, 
welcbe  nachstehende  Arten  enthielten: 

Verzeichniss  der  in  den  obersten  Lagen 

(6)  bei  Cejtic  (Eisenbahnstation  Jung- 
bunzlau)  aufgefundenen  Petrefacten. 


Corax  heterodon. 
Pycnodus  scrobicu- 
latus. 

Scheere  einer  Krabbe. 
Turritella  iserica. 
Eryphila  sp. 
Pectunculus  sp. 
Trigonia  limbata. 
Area  subglabra. 
Solen?  cf.  Guerangeri. 
Tellina. 

Perná  subspatulata. 


Spondylus? 
Lima  pseudocardium. 
Lima  multicostata. 
Lima  semisulcata. 
Pecten  laevis. 
Pecten  curvatus. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra. 
Exogyra. 

Anomia  subtruncata. 
Rhynchonella. 
Biflustra  Pražáki. 


Fig.  23.  Profil  der  Thallehne  bei 

Čejtic  (Bahnhof  Jungbunzlau). 
1.  Tiefste  Lagen  der  Trigoniaschichten 
mit  riesigen  Ammonites  peramplus  und 
Inoceramus  Brongniarti.  2.  Máchtiger, 
feinkórniger,  kalkiger  Baustein  (10  ra.). 
3.  Sandstein.  4.  Kalkige  Schichte  mit 
Magas  Geinitzii.  5.  Sandstein.  6.  Pe- 
trefactenreiche Schichte,  den  hóheren 
Trigoniaschichten  entsprechend. 


-8  des  Chorou šker  Profils 


Aus  diesen  zwei  Verzeichnissen  ersieht 
man  zur  Geniige,  dass  die  betreffenden  Lagen 
den  oberen  Trigoniaschichten  wahrscheinlich  Nro.  5 
entsprechen. 

Die  zwei  Sandsteinbánke  sind  die  Fortsetzung  derjenigen  des  Profiles  bei 
Zámost. 

Bei  lángerem  Sammeln  durch  einen  Localgeologen  diirfte  es  móglich  werden, 
eine  prácisere  Uebereinstimmung  mit  Choroušek  nachzuweisen. 

Obzwar  die  Petrefacten,  die  nicht  mit  genauer  Angabe  der  Fundschichte 
versehen  sind,  einen  beschránkten  Werth  fúr  gegenwártige  Arbeit  haben,  so  muss 


42 


ich  hier  doch  ein  Verzeichniss  derjenigen  Arten  beifugen,  welche  ich  in  der 
Gegend  zwischen  Zamost,  Jungbunzlau,  Bakov  und  Miinchengrátz  wáhrend  des 
Bahnbaues  theils  selbst  gesammelt  theils  von  Gónnern  unseres  Museums  geschenkt 
erhalten  habe. 

Verzeichniss  der  in  den  Choroušker  Schichten  in  der  Gegend  zwischen 
Zámost,  Jungbunzlau,  Bakov  und  Můnchengrátz  wáhrend  des  Bahn- 
baues aufgefundenen  Petrefacten. 


Oxyrhina  Mantelli. 

Osmeroides-Schuppen. 

Pycnodus  scrobiculatus. 

Ammonites  peramplus  (Riesen-Exem- 

plare). 
Nautilus  sublaevigatus. 
Turritella  Fittoniana. 
Rostellaria  sp. 
Cardium  productum. 
Protocardia  Hillana. 
Crassatella  austriaca. 
Mutiella  sp. 
Cyprina  quadrata. 
Eriphyla  lenticularis. 
Trigonia  limbata. 
Pectunculus  sp. 
Area  subglabra. 
Pinna  decussata. 
Modiola  capitata. 
Modiola  typica. 
Lithodomus  spatulatus. 
Pholadomya  nodulifera. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  mandibula. 
Gervillia  solenoides. 
Perná  subspatulata. 


Tellina  semicostata. 

Inoceramus  Brongniarti  (Riesen-Exem- 

plare). 
Lima  Sowerbyi. 
Lima  iserica. 
Lima  semisulcata. 
Lima  elongata. 
Lima  multicostata. 
Pecten  Nilssoni. 
Pecten  curvatus. 
Pecten  acuminatus. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  Matheroniana. 
Exogyra  laciniata. 
Exogyra  lateralis. 
Exogyra  conica. 
Ostrea  semiplana. 
Ostrea  diluviana. 
Ostrea  frons. 
Anomia  n.  sp. 
Anomia  subradiata. 
Anomia  subtruncata. 
Rhynchonella  plicatilis. 
Eine  Krabbe. 
Callianassa  antiqua. 


Die  hochsten  Lagen  der  Trigoniaschichten  fand  ich  bei  Jungbunzlau  in  einem 
kleinen  Steinbruche  unterhalb  Libichov  und  sammelte  daselbst  viele  Arten. 

Verzeichniss  der  in  den  Trigoniaschichten  in  Libichov  bei  Jung- 
bunzlau aufgefundenen  Petrefacten. 


Fischschuppen. 
Ammonites  peramplus. 
Nautilus. 


Turritella  multistriata. 
Cardium  productum. 
Mutiella  sp. 


43 


Crassatella  austriaca. 
Cyprina  quadrata. 
Modiola  capitata. 
Lima  niulticostata. 
Pecten  curvatus. 
Exogyra  conica. 
Exogyra  Matheroniana. 


Ostrea  hippopodium. 

Kleine  „vesicularis",  Varietát  in  grosser 

Meuge  mit  Exogyra  Matheroniana  zu- 

sammen. 
Anomia  subtruncata. 
Hemiaster  plebeius. 
Micraster  Michellini. 


Die  Gegend  voh  Bakov  (Station),  Weisswasser,  Bohm.-Leipa,  Písnik 
und  Lindenau  nebst  den  Bergen  Bosig  und  Roli. 

Hat  man  sich  beim  Bahnhofe  Bakov  durch  Auffinden  von  Callianassa-Scheeren 
und  Bryozoen  von  dem  Reichthum  an  Petrefacten  uberzeugt  und  die  Kalkháltigkeit 
des  Gesteines  nicht  íibersehen,  so  wird  man  beim  Verfolgen  des  Thales  gegen  Weiss- 
wasser hin  von  dem  allmáhligen  Verschwinden  dieser  Schichten  und  dem  Zunehmen 
der  Quadersande  uberrascht  sein,  welche  hier  áhnlich  wie  im  Thale  bei  Krnsko 
einer  nach  dem  anderen  auftritt. 

Bald  verliert  man  alle  paláontologischen  Anhaltspunkte  und  nackter  eisen- 
schussiger  Quader  steht  an,  welcher  am  Habichtstein  bloss  Kerne  von  Lima  multi- 
costata  aufweist. 

Verlásst  man  die  Niederung  und  steigt  durch  den  Quadersand  gegen  die 
Bósigberge  hinauf,  so  trifft  man  unterhalb  dem  Dorfe  Bosig  kalkige  Trigonia- 
schichten  mit  einer  Bank  von  unzáhligen  kleinen  Ostrea  hippopodium  und  Serpula 
socialis  an,  auf  welche  dann  Priesener  Bakulitenschichten  folgen. 

Einen  áhnlichen  Saum  der  kalkigen  Iserschichten  fand  ich  am  Sudabhange 
des  Rollberges  bei  Raabendorf. 

Von  hier  aus  fallen  die  Trigoniaschichten  allmáhlig  gegen  Norden  ein;  man 
gewahrt  sie  noch  am  Eisenbahneinschnitt  bei  Aschendorf  und  in  Písnik  bei  Bohm.- 
Leipa  sind  sie  schon  in  der  Thalsohle  verdeckt.  Nur  dem  gunstigen  Umstande  einer 
Brunnengrabung  verdanken  wir,  dass  wir  in  dieser  Gegend  eine  ansehnliche  Reihe 
von  fur  die  Trigoniaschichten  bezeichnenden  Arten  vorfinden  konnten. 


Verzeichniss  der  in  Písnik  aufgefundenen  Petrefacten. 


Natica  lamellosa. 
Protocardium  Hillanum. 
Cyprina  sp.  (ligeriensis?) 
Trigonia  limbata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Modiola  typica. 
Avicula  anomala. 
Lima  Sowerbyi. 
Lima  semisulcata. 
Lima  pseudocardium. 
Lima  iserica. 


Lima  multicostata. 
Pecten  Nilssoni. 
Pecten  laminosus? 
Pecten  curvatus. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  laciniata. 

Ostrea  Hippopodium  (var.  vesicularis). 
Ostrea  frons. 
Anomia  (imitans). 
Callianassa  antiqua. 
Serpula  ampulacea. 


44 


Weiter  nordóstlich  in  dem  Thale  bei  L  i  n  d  e  n  a  u  treten  die  Trigoniaschichten 
mit  Cailianassa-Scheeren  zu  Tage,  um  dann  unter  den  máchtig  entwickelten  Chlo- 

meker  Sandsteinen  zu  verschwinden.  Ich  fand  daselbst: 

Callianassa  antiqua.  Vola  quinquecostata. 

Cyprina  quadrata.  Pecten  laevis. 

Lima  semisulcata.  Fungia  coronula. 

Lima  multicostata. 


Die  Gegend  von  Jičín,  Rovensko,  Turnau,  Liebenau. 

Um  den  nordóstlichen  Rand  der  Iserschichten,  wie  er  sich  aus  der  Turnauer 
Gegend  gegen  Liebenau  und  dann  am  Fusse  des  Jeschkengebirges  hinzieht,  im 
Zusammenhange  betrachten  zu  konnen,  ist  es  nothig,  weiter  sůdlich  in  der  Jičiner 
Gegend  zu  beginnen. 

Man  iiberzeugt  sich  bald,  dass  hier  die  Quader  der  Iserschichten  nicht  auf- 
treten  und  deshalb  auch  die  untere  Gránze  der  Iserschichten  unsicher  bleibt,  dafur 
aber  die  Trigoniaschichten  zur  vortrefflichen  Entwickelung  gelangt  sind. 

Zwischen  Jičín  und  Turnau  ist  der  Rand  der  Kreideschichten  an  den  Melaphyr- 
zug  des  Kozákov  angelagert  und  wáhrend  die  cenomanen  Korycaner  Quader  meist 
steil  gehoben  anstehen,  die  turonen  Plánerablagerungen  zum  grossten  Theile  weg- 
geschwemmt  sind,  findet  sich  von  den  Iserschichten  ein  schmaler  Streifen,  der  nur 
an  wenigen  Punkten  dem  Studium  in  Bezug  auf  Lagerung  und  Petrefacten  zu- 
gánglich  ist. 

Zuerst  trifft  man  einen  Aufschluss  in  den  Trigoniaschichten  an  der  Strasse 
bei  Knižnice  vor  Libuň.  Dieser  Fundort  liefert  manche  Arten,  welehe  wir  gewohnt 
sind  in  den  Malnitzer  Schichten  anzutreffen,  aber  das  Vorhandensein  der  Trigonia 
limbata  und  Lima  iserica  beweisen  hinlánglich,  dass  wir  uns  hier  im  Bereiche 
der  Trigoniaschichten  befinden. 


Verzeichniss  der  bei  Knižnice  unweit  Libuň  aufgefundenen  Petrefacten. 


Osmeroides  levesiensis  Schuppeu. 
Ammonites  sp.  (Bruch stiick  einer  ge- 

knoteten  Art). 
Ammonites  peramplus. 
Scaphites  Geinitzii  (sehr  háufig). 
Baculites  undulatus. 
Fusus  (Nereidis?) 
Voluta  Rómeri. 
Natica  lamellosa. 
Cyprina  quadrata. 
Trigonia  limbata. 
Pinna  decussata. 
Lithodomus  spatulatus  (háufig). 


Modiola  capitata. 
(Siliqua  Petersi?) 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  gurgitis. 
Panopaea  mandibula. 
Tellina  sp. 
Avicula  anomala. 
Gervillia  solenoides. 
Inoceramus  Brongniarti. 
Lima  elongata. 
Lima  iserica. 
Pecten  curvatus. 
Vola  quinquecostata. 


45 


Exogyra  Matheroniana. 
Exogyra  laciniata. 
Ostrea  hippopodium. 
Ostrea  semiplana. 


Ostrea  frons. 
Anomia  subtruncata. 
(Amorphospongia  rugosa). 


L  i  b  u  ň. 


Scaphites  Geinitzii  (háufig). 

Baculites  undulatus. 

Turritella  Fittoniana. 

Cyprina  quadrata. 

Area. 

Panopaea. 


Tellina. 

Gervillia  solenoides. 
Lima  elongata. 
Pecten  curvatus. 
Exogyra  laciniata. 
Micraster. 


Bei  Rovensko  ist  es  die  Anhóhe  bei  Bia  tec,  welche  die  Iserschichten  mít 
ihrer  typischen  Fauna  erkennen  lásst.  Am  óstlichen  Abhange  cler  Anhohe  claselbst 
liefern  die  kalkigen  Schichten  folgende  Arten: 


Perná  subspatulata. 

Eine  andere  Stelle,  wo  die  Iserschichten  sich  erkennen  lassen,  ist  die  An- 
hohe zwischen  Kotva  und  Rovensko. 

Deutlich  kann  man  die  Iserschichten  bei  Lochtuš  beobachten,  wo  sie  den 
Schichten  mit  Lima  elongata  aufgelagert  sind  und  von  einem  Sandsteine  der  Chlo- 
meker  Schichten  uberlagert  werden.  (Dieser  Sandstein  enthált  bei  Volavec  Massen 
von  Inoceramen.) 

Ich  sammelte  daselbst,  ausser  anderen  Arten,  Perná  subspatulata,  Modiola  typica 
und  Pholadomya  nodulifera,  alles  fur  die  Trigoniaschichten  bezeichnende  Arten. 


Blatec  bei  Rovensko. 


Otodus  appendiculatus. 
Turritella  Fittoniana. 
Eriphyla  lenticularis. 
Crassatella  sp. 
Cyprina  quadrata. 
Panopaea  gurgitis. 
Panopaea  mandibula. 


Lima  multicostata. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  laciniata. 
Exogyra  Matheroniana. 
Ostrea  hippopodium. 
Ostrea  semiplana. 
Anomia  subtruncata. 


Fig.  24.  Profil  bei  Lochtuš  (L).    1.  Malnitzer  Schichten  mit  Lima  elongata.    2.  Iserschichten 
mit  Pholadomya  nodulifera.    3.  Quadersand  der  Chlomeker  Schichten. 


46 


Máchtig  entwickelt  und  vom  Iserthale  tief  eingeschnitten  finden  wir  die  Iser- 
schichten  bei  Turnau  und  Rohosec.  Die  ganze  Hohe  der  Thallehnen  wird  von  den 
Choroušker  Trigoniaschichten  eingenommen.  Die  riesigen  Ammoniten  von  75  cm. 
Durchmesser,  welche  die  Durchfahrt  unseres  Museums  zieren,  riihren  aus  den 
tiefsten  hier  zugánglichen  Schichten  im  Kottlerischen  Garten  und  charakte- 
ri sirén  die  erste  Stufe  der  Choroušker  Schichten  (Ideal-Profil  Fig.  3  Nro.  8). 
Fig.  25  a  bei  Dolanek  gegeniiber  Rohosec  findet  man  unweit  des  Wehres  am 
Fusssteige  graue  Pláner  mit  faustgrossen  Knollen,  welche  ganz  von  Heteropora 
magnifica  Nov.  durchsetzt  sind  (Fig.  b). 

Die  gelblichen,  graue  Knollen  enthaltenden  Pláner,  die  in  einem  Steinbruche 
gewonnen  werden,  lieferten  in  den  tieferen  Lagen: 


Fig.  25.  Profil  der  Lehne  bei  Dolanek 
gegeniiber  von  Rohosec  bei  Tnrnau. 

J  Iserfluss.  P  Fusssteig.  a  Tiefste  Lage  der 
Trigoniaschichten  mit  riesigen  Ammoniten 
(weiter  flussabwárts  im  Kottlerischen  Garten 
anstehend).  b  Knollen  mit  Heteropora  ma- 
gnifica. 1.  p  Lage  mit  Perná  subspatulata, 
p'  mit  Pholadomya  nodulifera.  2.  Lage  mit 
Pecten  acuminatus.  3.  Lage  mit  zahlreichen 
Pectunculus.  4.  Lage  mit  Callianassa.  5.  Exo- 
gyrenbank.  6.  Priesener  Bakulitenthone  (die 
Lagen  darunter  unzugánglich). 


Verzeichniss  der  in  den  Cho- 
roušker Schichten  bei  Dola- 
nek unweit  Turnau  aufgefun- 
denen  Petrefacten. 

(Profil  Nro.  1.) 

Turritella  Fittoniana. 
Natica  Roemeri. 
Turbo  Goupilianus. 
Rostellaria  Buchi. 
Cardium  productum. 
Protocardium  Hillanuni. 
Crassatella  austriaca. 
Crassatella  macrodonta. 
Mutiella  ringmerensis. 
Cyprina  quadrata. 
Cyprina  sp. 
Trigonia  limbata. 
Area  Schwabenaui. 
Area  subglabra. 
Modiola  typica. 
Pinna  decussata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  gurgitis. 
Tellina  semicostata. 
Tellina  sp. 
Gervillia  solenoides. 
Perná  subspatulata. 
Pecten  acuminatus. 
Pecten  curvatus. 
Spondylus  sp. 
Exogyra  columba. 


47 


Exogyra.  Rhynchonella. 
Ostrea  vesicularis.  Clodocora?- 
Anomia  subtruncata. 

Die  etwas  hóheren  Lagen  enthielten: 

(Profil  Nro.  2.) 


Fischschuppenknollen. 

Avicula  anomala. 

Turritella  Fittoniana. 

Perná  subspatulata. 

Scala  decorata. 

Inoceramus. 

Natica. 

Lima  pseudocardium. 

Turbo  Goupilianus. 

Lima  aspera. 

Protocardia  Hillana. 

Lima  ovata. 

Crassatella  macrodonta. 

Lima  elongata. 

Eriphyla  lenticularis. 

Lima  dichotoma. 

Pectunculus  sp. 

Lima  multicostata. 

Area  subglabra. 

Pecten  curvatus. 

Area  pholadiformis. 

Pecten  acuminatus. 

Area  Schwabenaui. 

Vola  quinquecostata. 

Pinna  decussata. 

Exogyra  lateralis. 

Modiola  capitata. 

Ostrea  hippopodium  (var.  vesicul.). 

Modiola  typica. 

Terebratula. 

Mytilus  radiatus. 

Rhynchonella. 

Pholadomya  aequivalvis. 

Callianassa  antiqua. 

Pholadomya  nodulifera. 

Serpula  socialis. 

Noch  hohere,  wenig  aufgeschlossene  Lagen,  lieferten  aufřallend  viele  Exem- 
pláre eines  Pectunculus  (Fig.  25,  3)  und  dann  folgt  eine  Bank  mit  Callianassen  (4) 
und  eine  mit  Exogiren  sp.?   In  der  Callianassabank  fanděn  sich: 

(Profil  Nro.  4.) 

Crassatela  sp.  Pecten  curvatus. 

Pinna  decussata.  Ostrea  frons. 

Mytilus  sp.  Anomia  subtruncata. 

Lima  pseudocardium.  Callianassa  antiqua  (sehr  háufig). 

Lima  multicostata. 

Nicht  weit  von  da  lieferten  noch  zwei  Localitáten  typische  Iserversteinerungen, 
Loučkov  und  Ohraženic. 

Verzeichniss  der  in  den  Choroušker  Schichten  bei  Loučkov  (Turnau) 

gefundenen  Arten. 

Turritella  Fittoniana.  Modiola  capitata. 

Turbo  Goupilianus.  Panopaea. 

Protocardium  Hillanum.  Perná  subspatulata  (sehr  háufig). 


48 


Lima  iserica.  Ostrea. 

Pecten  laevis.  Anomia  subtruncata. 

Pecten  curvatus. 

Verzeichniss  der  bei  Ohraženic  unweit  Turnau  gefundenen  Arten. 

Pleurotomaria  (Steinkern  einer  grossen  Exogyra  Matheroniana. 

Art).  Anomia  subtruncata. 

Modiola  typica.  Callianassa  antiqua. 

Avicula  anomala.  Spongites  saxonicus.  (Exemplár  mit 
Pecten  curvatus.  Kieselnadeln.) 
Lima  pseudocardium. 

Gegenuber  am  rechten  Ufer  der  Iser  unterhalb  Rohosec,  sammelte  ich  fol- 
gende  Arten: 

Rohosec. 

Otodus  appendiculatus.  Inoceramus  sp. 

Crassatella  austriaca.  Lima  pseudocardium. 

Cyprina  quadrata.  Pecten  curvatus. 

Circe?  Exogyra  conica. 

Trigonia  limbata.  Exogyra  Matheroniana. 

Modiola  typica.  Anomia  subtruncata. 
Perná  subspatulata. 

Die  an  Perná  subspatulata  reiche  Schichte  des  Profiles  von  Dolanek  trifft 
man  auch  am  entgegengesetzten  Ufer  und  die  etwa  30  cm.  máchtige  Schichte  be- 
steht  aus  lauter  Perná  spatulata,  eine  wahre  Pernabank. 

Die  Vergleichung  des  Profiles  von  Dolanek  mit  dem  von  Choroušek  wird 
mit  der  Zeit  eine  grosse  Uebereinstimmung  zeigen,  denn  die  Exogyrenbank  wird 
gewiss  demselben  Horizonte  entsprechen,  wie  diejenige  unterhalb  Choroušek. 

Es  ist  zu  bedauern,  dass  bei  letzterem  Orte  es  noch  nicht  gelungen  ist,  die 
Callianassa  aufzufinden. 

Die  Lagen,  welche  bei  Dolanek  die  Trigonia  limbata  und  Pholadomya  nodu- 
lifera  fuhren,  entsprechen  dem  Nro.  3  und  5  des  Profiles  von  Choroušek. 

Sobald  bei  Dolanek  mit  solchem  Eifer  und  mit  solcher  Ausdauer  gesammelt 
und  beobachtet  werden  wird,  wie  es  in  der  Gegend  von  Choroušek  durch  Herrn 
Pražák  geschehen  ist,  dann  wird  meiner  Ueberzeugung  nach  die  Uebereinstimmung 
beider  Profile  immer  deutlicher  hervortreten. 


Das  Adlergebiet. 

Das  Adlergebiet  liegt  im  óstlichen  Theile  von  Bóhmen  und  wird  von  der 
máhrischen  Gránze  an  von  der  Stillen  Adler  und  von  dem  Lužnabache  durch- 
schnitten.  Nordlich  reicht  es  bis  Koldin,  westlich  ist  es  durch  die  Linie  Vraclav, 
Neuschloss,  Desna  begránzt,  siidlich  reicht  es  liber  Leitomischel  bis  Lesnik  und 
ostlich  bei  Triebitz  nach  Máhren  hin. 


I 


49 

Die  petrographische  Charakteristik  besteht  in  dem  Mangel  von  Quadersanden, 
deun  man  íindet  hier  nur  unreine  kalkige  Pláner  von  grauer,  okergelber  oder  auch 
róthlicher  Farbe,  welche  schwer  von  den  dieselben  untertéufenden  Malnitzer  Schichten 
zu  unterscheiden  sind.  Wegen  Abgang  der  Quader  ist  auch  ihre  Máchtigkeit  eine 
viel  geringere,  aber  trotzdem  bilden  sie  zwischen  Chotzen  und  Wildenschwert 
malerisch  schone  Gruppen,  welche  in  ihren  Contouren  an  die  analogen  Formen 
des  Quadersandes  der  sáchsischen  Schweiz  und  der  Weckelsdorfer  Felsen  erinnern. 

Die  Fauna  zeichnet  sich  durch  grosseren  Reichthum  und  bessere  Erhaltung 
der  Petrefacten  aus.  Abgesehen  von  dem  Auftreten  der  áusserst  seltenen  Vogel's 
Cretornis  Hlaváči  und  cles  prachtvollen  Fisches  Halec  Sternbergii  ist  das  massen- 
hafte  Vorkommen  der  Callianassa  antiqua  bezeichnend,  Von  Cephalopoden  ist 
Ammonites  conciliatus  Stol.  interessant.  Bei  den  Echinodermen  ist  das  háufige 
Vorkommen  des  Hemiaster  plebeius  und  Micraster  Michellini  eine  Erscheinung, 
die  sich  im  Elbe-Iser-Gebiet  nicht  wiederfindet. 

Rhynchonellen  bilden  nicht  mehr  Bánke  und  sind  uberhaupt  sehr  sparsam. 

Unter  den  ráthselhaften  Gebilden,  bei  denen  man  schwankt,  ob  man  sie  zu 
den  Fucoiden  oder  zu  den  Schwámmen  stellen  soli,  ist  der  mit  einem  bis  faust- 
grossen  Knollen  beginnende  Fucoides  funiformis  fúr  das  ganze  Adlergebiet  sehr 
bezeichnend. 

Umgebung  von  Chotzen,  Brandeis  a.  d.  Adler  und  Wildenschwert. 

Náhert  man  sich  der  Bahn  entlang  von  Westen  der  freundlichen  Umgegend 
von  Chotzen,  so  gewahrt  man  in  den  Gráben,  zu  beiden  Seiten  der  Bahnstrecke, 
mit  Wasser  gefullte  verlassene  Steinbriiche  und  hie  und  da  noch  aufgeschlichtetes, 
plattenfórmiges  Gestein  mit  zahlreichen  Fucoiden  und  Spongiten,  sowie  mit  Ab- 
driicken  einer  Lima  oder  einer  Auster.  Dies  sind  die  ersten  Anzeichen,  dass  wir 
uns  dem  Gebiete  der  Iserschichten  nahern,  welche  hier  noch  ganz  unten  unter 
dem  Niveau  der  Bahn  gelagert  sind,  und  wie  man  an  Einschnitten  und  an  den 
norcllich  gelegenen  bewalcleten  Hiigeln  bemerken  kann,  von  máchtigen  Lagen  der 
Priesener  Bakulitenthone  iiberlagert  werden. 

Von  der  Briicke  in  Chotzen  uberraschen  uns  am  rechten  Ufer  der  Stillen 
Adler  die  malerisch  prachtvollen  steilen  Wánde,  zu  denen  sich  hier  die  Iser- 
schichten erheben  und  die  „Peliny"  genannte  Partie,  von  der  wir  beifolgend 
eine  Skizze  bringen,  macht  gewiss  auf  jeden  Freund  der  Nátur  einen  tiefen 
Eindruck  (Fig.  26). 

Die  Basis  der  Wánde  nehmen  Pláner  mit  Lima  elongata  ein  und  durch  die- 
selben wurde  auch  der  Tunnel  gefiihrt  (Fig.  29,  1). 

Ich  sammelte  sowohl  an  der  Basis  der  „Peliny"  als  auch  in  dem  Gestein, 
welches  aus  dem  Tunnel  gehoben  gegenwártig  auf  der  Anhóhe  ober  dem  Tunnel 
auf  grossen  Halden  liegt. 


51 


Verzeichniss  der  in  den  Tunnelschichten  bei  Chotzen  aufgefundenen 

Petrefacten. 

Osmeroides  levesiensis.  Pecten  curvatus. 

Aptychus  sp.  Ostrea  hippopodium. 

Panopaea  mandibula.  Anoraia  subtruncata. 

Lima  elongata.  Enoploclythia  Leachii. 

Pecten  subpulchellus.  Plocoscyphia  sp. 

Pecten  Nilssoni. 

Das  Gestein  ist  plánerig;  feste  Bánke  wechseln  mit  murberen  zerfallenden 
Lagen  und  es  ist  kein  Zweifel,  dass  dies  die  hóheren  Weissenberger  Schichten 
sind.  (Die  an  Inoceramus  labiabus  reichen  tieferen  Weissenberger  Schichten  sind 
erst  bei  Brandeis  a.  d.  Adler  zugánglich.) 

Weiter  nach  oben  sind  die  Schichten  mit  Ostrea  semiplana  zu  bemerken  und 
vertreten  hier  den  Malnitzer  Horizont  (Fig.  29,  2,  3). 

Dann  folgen  Knollenpláner,  welche  den  Byšicer  Uebergangsschichten  und  dem 
Horizonte  des  Halec  Sternbergii  entsprechen  (4). 

Dieselben  sind  oberhalb  dem  Schiesshause  in  einem  kleinen  verlassenen  Stein- 
bruche  entblosst,  wo  ich  selbst  Spuren  von  Fischresten  auffand. 

Nun  kommen  die  an  Lima-Arten  und  Echinodermen  reichen  Trigoniaschichten 
(5,  6),  welche  am  besten  in  dem  Steinbruche  „Báčův  lom"  (unweit  dem  Bahnhofe 
an  der  Strasse  nach  Leitomischel)  entblosst  sind,  wo  sie  zu  Schotter  geschlagen 
werden.  Diesem  Umstande  hat  man  es  zu  verdanken,  dass  es  mir  mit  Hilfe  des 
eifrigen  Sammlers  Herrn  Fr.  Hlaváč,  Apothekers  in  Chotzen,  gelungen  ist,  eine 
so  reiche  Suitě  an  Arten  hier  anfúhren  zu  konnen. 


Verzeichniss  der  in  den  Trigoniaschichten  bei  Chotzen  aufgefundenen 

Arten. 

Cretornis  Hlaváči,  Fr.  .  .      .      .      .  .  Zářecká  Lhota. 

Oxyrhina  Mantelli    ...      .....  Friedhof. 

Oxyrhina  angustidens   Friedhof. 

Otodus  semiplicatus  Báč.  Steinbruch. 

Otodus  appendiculatus   Friedhof. 

Corax  heterodon    Friedhof. 

Lamna  acuminata   Báč.  Steinbruch. 

Lamna  raphiodon  Friedhof. 

Osmeroides  sp   Vrchoviny. 

Halec  Sternbergii  Jung-Koldin. 

Lepidenteron  Chotzen. 

Ammonites  peramplus  Báč.  Steinbruch. 

Ammonites  conciliatus  Báč.  Steinbruch. 

Nautilus  sublaevigatus  Friedhof. 

Nautilus  galea   ...  Vrchoviny. 

4* 


52 


Baculites  sp  

.  .  .  Friedhof. 

Turritella  Fittoniana  

.  .  .  Friedhof. 

Turritella  multistriata  

.  .  .  Friedhof. 

Nati  ca  Roemeri  

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Pleurotomaria  linearis  

.  Báč.  Steinbruch. 

Turbo  Goupilianus  

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Rostellaria  Schlottheimi  

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Mitra  Roemeri  

.  .  .  Friedhof. 

Voluta  suturalis  

.  .  .  Friedhof. 

Cerythium?  sp  

.  Friedhof. 

Opis  chocenensis  

.  .  Báč.  Steinbruch. 

Cardium  productura   

.  .  .  Friedhof. 

Crassatella  macrodonta  

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

Cyprina  cf.  crassidentata,  Zittel  . 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

Eriphyla  lenticularis  

.  .  .  Friedhof. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

Lithodomus  spatulatus  .... 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

Modiola  capitata  

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

Pholadomya  perlonga  

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

,  .  .  Střižek's  Steinbruch. 

Cytherea  cf.  polymorpha  

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Bac.  Steinbruch,  Friedhof. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

.  .  .  BáČ.  Steinbruch. 

.  .  .  Báč.  Steinbruch. 

53 


Pecten  acuminatus  Báč.  Steinbruch. 

Pecten  Dujardinii  Báč.  Steinbruch. 

Vola  quinquecostata  Báč.  Steinbruch. 

Spondylus  histrix  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Exogyra  conica  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Exogyra  laciniata  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Exogyra  matheroniana   Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Exogyra  lateralis  Báč.  Steinbruch. 

Ostrea  seniiplana  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Ostrea  frons  Báč.  Steinbruch. 

Ostrea  diluviana  Báč.  Steinbruch. 

Ostrea  Hippopodium  Báč.  Steinbruch. 

Anomia  semiglobosa  Báč.  Steinbruch. 

Anoniia  subradiata  Báč.  Steinbruch. 

Anomia  subtruncata  .  Báč.  Steinbruch. 

Anomia  sp  Báč.  Steinbruch. 

Rhynchonella  plicatilis  Báč.  Steinbruch. 

Magas  Geinitzii   Friedhof. 

Callianassa  antiqua  Báč.  Steinbruch. 

Pollicipes  sp  Friedhof. 

Biflustra  Pražáki  Friedhof. 

Membranipora  sp  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Serpula  socialis   Báč.  Steinbruch. 

Serpula  macropus  Báč.  Steinbruch. 

Serpula  ampulacea  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Cidaris  sp.  (cf.  Reussi)  Báč.  Steinbruch. 

Cyphosoma  sp  Báč.  Steinbruch. 

Cardiaster  ananchytis  Báč.  Steinbruch. 

Hemiaster  plebeius   Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Micraster  Michellini  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Micrabatia  (coronula?)  Friedhof. 

Plocoscyphia  labyrinthica  Steinbruch  am  Tunnel. 

Isoraphinia  sp  Friedhof. 

Ventriculites  sp  Báč.  Steinbruch. 

Spongites  saxonicus   Báč.  Steinbruch. 

Flabellina  elliptica  Báč.  Steinbruch. 

Cristellaria  rotulata  Báč.  Steinbruch. 

Fucoides  funiformis  Báč.  Steinbruch,  Friedhof. 

Fucoides  columnaris   Báč.  Steinbruch. 


Die  tieferen  Lagen  der  Trigoniaschichten  zeigen  stellenweise  ganze  Reihen 
von  faust-  bis  kopfgrossen  Hóhlungen,  in  welchen  man  eine  murbe  poróse  Masse 
wahrnimmt,  die  nach  sorgfáltig  vorgenommenem  Schlámmen  unter  dem  Mikro- 
skope Kieselnadeln  der  Gattung  Plocoscyphia  aufweist  (Fig.  27,  28).  In  anderen 
der  Hóhlungen  sind  Reste  von  walzenfórmigen,  zu  den  Hexactinelliden  gehórigen 


54 


Schwámmen,  welche  nicht  náher  bestimmt  werden  konnten.  Das  diese  Schwamm- 
reste  umgebende  Gestein  bildet  eine  feste  Hiille,  an  der  man  concentrische  Ringe 
von  verwittertem  Brauneisenstein  beobachtet,  so  dass  der  Querschnitt  demjenigen 
eines  Astes  nicht  unáhnlich  ist. 

Ein  interessanter  Fundort  wurde  jiingst  bei  der  Verlegung  der  Strasse  behufs 
Vergrosserung  des  Friedhofes  in  Chotzen  entdeckt.  Die  obersten  Lagen  der  unteren 
Trigoniaschichten  zeigen  die  Oberfláche  zu  einem  sandigen  miirben  gelben  Pláner 
umgewandelt,  in  welchem  man  die  Petrefacten  mit  dem  Messer  herausarbeiten 
kann,  was  besonders  bei  den  Schalen  von  Ostrea  laciniata  gelingt.  Sonst  findet 
man  darin  nur  selir  schón  erhaltene  Negative,  áhnlich  wie  wir  sie  bald  auch  bei 


Brandeis  an  der  Adler  werden  kennen  lernen.  Eine  der  hochsten  Lagen  dieses 
Gesteines  zeigt  zahlreiche,  3  cm.  breite  flache  Gánge,  welche  mit  feinem  grauen 
Letten  erfiillt  sind  und  urspriinglich  entweder  Wurmgánge  oder  Fucoidenstángel 
waren.  Die  darauf  folgenden  zerfallenden  stark  glauconitischen  Pláner  enthalten 
zahlreiche  griine  walzenfórmige  Spongien  und  griine  glatte  Steinkerne  der 
meisten  in  den  Trigoniaschichten  bei  Chotzen  nachgewiesenen  Arten. 

Die  Beschaffenheit  der  Steinkerne  ist  eine  ganz  eigenthumliche ;  denn  man 
findet  in  der  Regel  keine  Spur  von  Schale  daran,  aber  die  Bohrschwámme  und 
die  Gánge  von  Wůrmern,  welche  die  einstige  Schale  durchbohrt  haben,  die  deckeu 
die  Oberfláche  der  Steinkerne. 

Auch  Haiíischzáhne  gehoren  nicht  zu  den  Seltenheiten. 

Die  Aequivalente  der  Bryozoenschichten  findet  man  sowohl  in  Báč's  Stein- 
bmch,  als  auch  oberhalb  des  Friedhofes  nur  schwach  entwickelt,  aber  doch  deutlich 
und  zwar  in  Form  von  důnnen,  mit  Kalkinkrustationen  bedeckten  Platten,  in  deuen 
man  Serpula  socialis  und  Flabellina  cordata  vorfindet.  Bryozoen  sind  auch  in  diesen 
Platten  nicht  selten,  aber  beim  Spalten  des  Gesteines  bekommt  man  bloss  ihre 
Spaltíláchen,  sehr  selten  etwas  von  der  Oberfláche  zu  Gesicht.  Biflustra  Pražáki 
ist  die  háufigste  Erscheinung.  Das  Gestein  hat  ganz  das  Aussehen  wie  der  „Sa- 
drák"  bei  Leitomischel,  in  dem  wir  weiter  unten  auch  den  Reprásentanten  der 
Bryozoenschichten  erkennen  werden. 


Fig.  27.  Plocoscypbia  labyrinthica.  Die  Hóhlung  in 
den  unteren  Trigoniaschichten  veranlassend. 


Fig.  28.  Nadeln  in  dieser 
Hóhlung  gefunden. 


55 


Trachtet  man  uber  Ausbreitung  der  Iserschichteu  in  der  Umgebung  von 
Chotzen  sich  zu  orientiren,  so  findet  man,  dass  nach  Norden  hin  wenig  Auf- 
schlusse  vorhanden  sind,  dass  die  petrefactenreichen  Trigoniaschichten  sich  bald 
ganz  verlieren  und  meist  nur  noch  die  Byšicer  Fischknollen  in  Steinbriichen  ent- 
blósst  sind. 

Gewóknlich  sind  nur  bei  Meierkófen  und  einzelnen  Dórfern  kleine  Stein- 
briiche  zu  finden,  in  denen  gelegentlich  eines  zufállig  vorkommenden  Baues  ge- 
brochen  oder  im  Winter  etwas  Schotter  geschlagen  wird. 

So  ist  beim  Meierhofe  „Vrchoviny"  ein  kleiner  Steinbruch,  wo  im  ver- 
gangenen  Winter  die  vordere  Hálfte  des  interessanten  Fisches  Osmeroides  sp. 
gefunden  wurde.  Die  Schichten  gehóren  den  Byšicer  Fischknollen  an  und  ich  fand 
von  anderen  Petrefacten  bloss  Lima  cenomanensis,  Ostrea  semiplana  und  den  eigen- 
thúmlichen  Fucoides  funiformis,  welcher  hier  eine  gewóhnliche  Erscheinung  ist. 


Fig.  29.  Profil  durch  die  „Peliny"  bei  Chotzen  und  die  Anhóhe,  durch  welche  der  Tunnel  fiihrt. 
H.  Chotzener  Friedhof.  O.  Stille  Adler.  P.  Parkwiese  „Peliny".  T.  Tunnel.  1.  Weissenberger 
Schichten.  2.,  3.  Vertreter  der  Malnitzer  Schichten.  4.  Knollenlage  mit  Fischresten  (— ?  Byšicer 
Uebergangsschichten.  5.  Kalkige  plánerige  Lagen  der  Trigoniaschichten,  welche  nach  oben  hin 
viele  Hóhlungen  nach  Spongien  fúhren  und  schon  die  reiche  Fauna  mit  Lima  multicostata  etc. 
besitzen.  6.  Diinne  kalkige  Platten,  deren  hóchste  Lagen  den  Kaniner  Bryozoenschichten  ent- 
sprechen.    7.  Fette  Letten  (Teplitzer  Schichten?).    8.  Diluvial-Gerólle. 

Beim  Meierhofe  Jung-Koldin  wurde  schon  zu  Sternberg's  Zeiten,  zur  Zeit, 
als  der  Meierhof  gebaut  wurde,  der  prachtvolle  Fisch  Halec  Sternbergii  ge- 
funden. Jetzt  ist  der  Steinbruch  fast  ganz  verlassen  und  nur  mit  grósster  Muhe 
gelang  es  mír,  die  zur  Feststellung  des  Alters  nothigen  Petrefacten  aufzufinden, 
welche  darauf  hinweisen,  dass  ausser  den  Byšicer  Fischknollen  in  den  hóchsten 
Lagen  des  Steinbruches  auch  ein  kleiner  Best  von  den  Trigoniaschichten  hier  vor- 
handen ist. 

Verzeichniss  der  bei  Jung-Koldin  aufgefundenen  Petrefacten. 

Halec  Sternbergii,  Ag.  Isocardia  gracilis.  • 

Fischschuppen.  Inoceramus  sp. 

Ammonites?  Lima  multicostata. 

Bulla?  Lima  elongata. 


56 


Lima  iserica.  Ostrea  semiplana. 

Lima  cli  ch  o  tom  a.  Ostrea  Hippopodium. 

Lima  Sowerbyi.  Rhynchonella  ? 

Pecten  Nilssoni.  Callianassa  antiqua. 

Pecten  acuminatus.  Pollicipes  sp. 

Pecten  curvatus.  Cyphosoma. 

Vola  quiuquecostata.  Hemiaster  plebeius. 

Ostrea  Matheroniana.  Micraster  Michellini. 


Meine  Ansicht,  class  die  Fundstelle  des  Halec  den  Iserschichten  angehórt, 
fand  ich  spater  auch  bei  Vinař  feestátigt,  wo  auch  dieser  Fisch  kurzlich  gefunden 
wurde  und  wo  man  das  Liegende  und  Hangende  genau  sicherzustellen  im  Stande 
ist.  Auch  dort  liegt  er  in  Knollen  vom  Alter  der  Byšicer  Uebergangsschickten. 

Beim  Orte  „Cuclava"  fand  Herr  Havlíček,  Baumeister  in  Chotzen,  einen 
interessanten  Ammoniten,  welcher  wahrscheinlich  ein  sehr  altes  Exemplár  des 
Ammonites  conciliatus  Stol.  ist  und  vom  Herrn  Fr.  Hlaváč,  Apotheker  in  Chotzen, 
unserem  Museum  geschenkt  wurde. 


Brandeis  an  der  Adler. 

Ueber  das  Liegende  der  Iserschichten  in  dieser  Gegend  wird  man  besser  bei 
Brandeis  an  der  Adler  belehrt. 

Das  tiefste  Glied  ist  hier  ein  grauer  Pláner  mit  Inoceramus  labiatus,  welchen 
man  am  linken  Ufer  der  Stillen  Adler  in  der  idyllischen  Waldpartie  „Klopoty"  in 
der  Umgebung  cles  Amos  Comenius  Denkmals  anstehend  findet.  Am  rechten  Ufer, 
hinter  der  Muhle,  sind  etwas  jiingere  graue  Pláner  mit  Pecten  pulchellus 
entblosst  und  diese  haben  ia  dieser  Gegend  als  Dungmittel  eine  hochwichtige 
Bedeutung. 


Fig.  30.  Profil  bei  Brandeis  an  der  Adler.  A.  Monument  von  Amos  Comenius  am  Fusse  der 
Anhólie  Klopoty.  O.  Stille  Adler.  B.  Brandeis.  Z.  Ruině.  K.'  Kaliště.  1.  Weissenberger  Schichten 
mit  Inoceramus  labiatus  und  Pecten  pulchellus.  2.  Semitzer  Mergel.  3.  Wehlowitzer  Fisch- 
pláner.  4.  Petrefactenarme  (Malnitzer?)  Pláner.  5.  Trigoniaschichten  mit  grossen  Ammonites 
peramplus.    G.  Andeutungen  von  Bryozoenschichten. 


57 


Uuterhalb  der  Ruině  trifft  man  am  Fahrwege  nach  „Kaliště"  gelbgraue 
Mergel,  welche,  nach  den  Petrefacten  zu  urtheilen,  den  Semitzer  Mergeln  ent- 
sprechen  diirften.  Ich  fand  hier  nur  wenige  Arten,  aber  in  der  Fortsetzung  der- 
selben  Schichte  am  Fusse  der  Thallehne  „Brandýsské  paseky"  gelang  es  mir 
(am  Fusssteige)  folgende  Arten  sicherzustellen : 


Verzeichniss  der  beim  Fusssteige  unterhalb  der  „Brandýsské  paseky" 
in  den  Semitzer  Mergeln  gesammelten  Arten. 


Schuppen  von  Beryx. 

Schuppen  von  Osmeroides. 

Aptychus. 

Natica  lamellosa. 

Rostellaria. 

Dentalium  cidaris. 

Inoceramus. 

Nucula. 


Pinna  decussata  (sehr  klein). 

Lima  Sowerbyi. 

Pecten  Nilssoni. 

Pecten  curvatus. 

Pollicipes. 

(Hemiaster  ?) 

Ventriculites. 


Es  folgen  nun  petrefactenarme  Pláner,  die  man  als  die  Vertreter  der  Wehlo- 
witzer  Fisclipláner  (3)  betrachten  kann  und  auf  welchen  die  Ruině  der  Burg  steht. 
Etwas  weiter  oben  in  einem  Steinbruche  entblósste  Schichten  dtirften  den  Malnitzer 
entsprechen  (4). 

Beim  Aufsteigen  lángs  des  Fahrweges  lassen  sich  bald  die  grauen  Fischknollen 
der  Byšicer  Schichten  erkennen  und  ich  fand  darin  ein  Fragment  des  M  a  c  r  o  p  o  m  a. 

Nun  kommt  man  zum  Horizont  der  Lima  multicostata,  den  riesigen  Ammo- 
niten  A.  peramplus  und  Callianassa  antiqua  (5). 

Ganz  oben  am  Plateau  liegen  dann  plattenformige  kalkige  Pláner,  welche 
Serpula  filif.  fúhren  und  schon  das  Aussehen  der  Bryozoenschichten  annehmen, 
indem  die  Oberfláche  der  Platten  mit  kalkigen  Inkrustationen  úberzogen  ist. 

Die  petrefactenreichen  Schichten  sind  auch  an  der  Strasse  nach  Chotzen  in 
Steinbriichen  zugánglich,  in  denen  man  stellenweise  eine  merkwiirdige  Veránde- 
rung  des  Gesteins  wahrnimmt. 

Wáhrend  der  unverwitterte  feste  Kalkstein  áusserst  hart,  schwer  und  von 
mohngrauer  Farbe  ist,  sind  dessen  Schichten  stellenweise,  ofíenbar  durch  Einfluss 
des  Wassers  ganz  ausgelaugt  und  in  ein  leichtes,  rostgelbes  Plánergestein  ver- 
wandelt,  das  man  mit  dem  Messer  schneiden  kann.  Dasselbe  enthált  bloss  die 
Abdriicke  der  Petrefacten,  die  Schalen  sind  meist  vollstándig  verschwunden,  dafur 
zeigen  die  Negative  prachtvoll  das  Detail  der  Schalenoberfláche,  wie  man  sie  bei 
Exemplaren  aus  dem  festen  Kalkstein  nie  zu  Gesicht  bekommt.  In  den  hóchsten 
Lagen  kamen  viele  Bryozoen  vor,  doch  kann  man  hier  die  bryozoenfuhrende 
Schichte  nicht  so  genau  absondern  wie  bei  Kanina. 


58 


Verzeichniss  der  in  den  Trigoniaschichten  bei  Brandeis  an  der  Adler 

gefundenen  Arten. 


Ammonites  peramplus. 
Pleurotomaria  linearis. 
Lithodomus  spatulatus. 
Modiola  capitata. 
Modiola  typica. 
Avicula  anomala. 
Inoceramus  Brongniarti. 
Lima  elongata. 
Lima  multicostata. 
Lima  iserica. 
Pecten  curvatus. 
Pecten  serratus. 
Pecten  Dujardinii. 
Vola  quinquecostata. 


Exogyra  laciniata. 
Exogyra  lateralis. 

Ostrea  Hippopodium  (var.  vesicularis). 
Ostrea  semiplana. 
Ostrea  frons. 
Anomia  n.  sp. 
Hemiaster. 
Serpula  macropus. 
Callianassa  antiqua. 
Biflustra  Pražáki. 
Heteropora  magnifica. 
(Mehrere  nur  im  Negativ  erhaltene 
kleine  Arten  von  Bryozoen.) 


An  der  gegenuberliegenden,  am  linken  Adlerufer  sich  erhebenden  Berglehne 
(Klopoty)  kann  man  wegen  dichter  Bewaldung  die  einzelnen  Schichten  nieht  ver- 
folgen  und  muss  sich  damit  begnligen,  am  Fusse  die  tiefsten  Weissenberger 
Schichten  mit  Inoceramus  labiatus  und  oben  bei  der  Ruině  Orlík  die  petrefacten- 
reichen  Trigoniaschichten  zu  constatiren. 


Neuer  Bahnhof  (Kerhartitz)  bei  Wildeiischwert. 

Einen  noch  tieferen  Einblick  in  die  Schichtenfolge  der  die  Iserschichten 
untetteufenden  Glieder  unserer  Kreideformation  gewáhrt  das  beim  Bahnbau  ent- 
blósste  Profil  im  neuen  Bahnhofe  in  Wildenschwert.  Beim  Wáchterhause  in  Ker- 
hartitz tritt  Gneiss  zu  Tage,  an  welchen  sich  unmittelbar  rothe  glimmerreiche 
Schichten  des  Rothliegenden  anlagern.  Am  westlichen  Ende  des  Bahnhofes  liegen 
auf  dem  Rothliegenden  glauconitische  Quader  der  Korycaner  Schichten,  von  denen 
wir  nach  den  Aufschliissen  bei  Hnatnitz  wissen,  dass  sie  Pecten  asper  und  Ostrea 
carinata  fiihren  (Fig.  31,  1). 

Nun  sehen  wir  hier  die  Weissenberger  Schichten  in  einer  iiberraschend  mauig- 
faltiger  Entwickelung,  wie  sie  fůr  die  ganze  Umgebung  charakteristisch  ist. 

Die  erste  Plánerschichte,  welche  dem  glauconitischen  Quader  aufgelagert  ist, 
enthalt  den  Inoceramus  labiatus  in  Unzahl,  dabei  Exempláre  von  mehr  als 
25  cm.  Lánge  (2).  In  dem  weiter  folgenden  rostgelben  Pláner  (3)  ist  er  schou 
seltener.  Derselbe  enthalt  in  seinen  mittleren  Lagen  eigenthůmliche  Knollen- 
fucoiden,  wie  ich  dieselben  schon  fruher  *)  aus  der  Gegend  von  Luže  und  Briinlitz 
beschrieben  habe  (4). 


*)  Weissenberger  Schichten,  pag.  40. 


1 


59 


Nach  oben  hin  (5)  enthált 
dieser  leichte  sandige  Pláner  einen 
Seeigel  (Epiaster  sp.),  welcher  in 
dem  ganzeu  Adlergebiete  von 
Adlerkosteletz  angefangen  uber 
Wamberg  bei  Senftenberg,  Zohsee 
bei  Landskron,  Polička,  Neuschoss 
úberall  in  demselben  Gestein  in 
gleichem  Horizonte,  welcher  den 
tiefsten  Lagen  der  Semitzer  Mer- 
gel  entspricht,  vorkommt. 

Der  Erhaltungszustand  ist 
ein  derartiger,  dass  bloss  der 
Steinkern  des  stets  verdrůckten 
Seeigels,  sowie  das  Negativ  der 
Schalenoberfláche  erhalten  ist ; 
die  Schale  selbst  ist  gánzlich 
verschwunden. 

Nun  folgen  ziemlich  scharf 
abgegrenzte  graue,  dunnschichtige, 
zerfallende  Pláner  mit  Inoceramus 
labiatus,  Pecten  pulchellus  und 
zahlreichen  Fischschuppen  (7).  In 
der  sattelfórmigen  Vertiefung  be- 
merkt  man  gelbe  Mergel  (8). 

Auf  die  nassen  gelben  Mer- 
gel folgen  schwarzgraue  brocklige 
Pláner  mit  Schuppen  von  Cyclo- 
lepis  (9)  und  eine  auífallend  fe- 
stere  Bank  (10)  trennt  dieselben 
von  Bauplánern,  welche  auffal- 
lend  rostig  gefárbte  Spaltfláchen 
haben  (11). 

Unter  den  nun  folgenden 
Schichten  erinnert  eine  durch 
massenhaftes  Auftreten  von  Glau- 
conitkornern  an  den  Grunsand  der 
Malnitzer  Schichten  der  Launer 
Umgegend  [Čenčic,  Malnitz  (12)]. 
Sie  enthált: 

Oxyrhina  angustidens. 
Schuppen  von  Beryx. 
Schuppen  von  Osmeroides. 
Aptychus. 


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60 


Inoceramus  Brongniarti  (Triimmer  Exogyra  lateralis. 

sehr  grosser  Exempláre).  Ostrea  hippopodium. 

Pecten  Nilssoni.  Magas  Geinitzii. 

Pecten  pulchellus.  Flabellina  cordata. 

Etwas  hóher  folgen  Schwarze  bláttrige  Mergel  mit  Fischschuppen  und  dann 
blaue  Pláner  mit  Lima  elongata  (13)  und  díirften  die  Basis  der  Iserschichten  dar- 
stellen,  denn  es  folgen  darauf  die  durch  Hohlungen  nach  Spongien  bezeichneten 
tieferen  Iserschichten  und  gleich  darauf  die  durch  Lima  multicostata  kenntlichen 
Trigoniaschichten. 

Das  in  Fig.  31  gegebene  Profil  ist  stark  verkúrzt  und  soli  nur  einigermassen 
das  Verstandniss  der  Schichtenfolge  erleichtern.  Es  wurde  nach  3  Photographien 
gezeichnet,  welche  ich  mit  einem  leicht  tragbaren  Apparate  von  Dreiroll  in  Paris 
aufgenommen  habe. 


Umgebung  von  Bohm.-Trubau. 


Fiir  das  Verstandniss  der  Lagerung  der  Iserschichten  bei  Bohm.-Trubau  wird 
es  fórderlich  sein,  wenn  man  friiher  das  eben  geschilderte  Profil  am  neuen  Bahnhof 
in  Wildenschwert,  sowie  die  Umgebung  von  Chotzen  studirt.  Dann  wird  man  sich 
leichter  zurecht  finden  und  die  Schichten  wiedererkennen,  deren  Lagerung  dort  klar, 
hier  aber  schwer  zu  verstehen  ist. 

Auch  ist  es  zweckmássig,  bis  zu  den  Randgebilden  in  Zohsee  hinter 
Landskron  einen  Ausflug  zu  machen,  wo  die  an  Inoceramus  labiatus  reichen 
tiefsten  Weissenberger  Schichten  in  Steinbriichen  geoffnet  sind. 

Ich  wurde  auf  diese  interessante  Localitát  durch  Herrn  Em.  Erxleben  in 
Landskron,  den  Besitzer  einer  recht  netten  geologischen  Sammlung  aufmerksam 
gemacht  und  aquirirte  von  dort  theilweise  als  Geschenk  des  genanuten  eifrigen 
Paláontologen  folgende  Arten : 

Mytilus  Neptuni.  Exogyra  conica. 

Inoceramus  labiatus.  Ostrea  hippopodium. 

Lima  elongata.  Epiaster  sp. 

Pecten  curvatus.  Spongites  saxonicus. 

Pecten  Dujardinii.  Fucoides  columnaris. 

Exogyra  lateralis. 

Hat  man  in  Zohsee  die  Eigenthumlichkeiten  des  Gesteines,  welches  in  dieser 
Gegend  die  Weissenberger  Schichten  aufweisen,  kennen  gelernt,  so  erkennt  man 
es  leichter  bei  dem  Profile  von  Triebitz,  zu  dessen  Schilderung  wir  nim  ubergehen. 

Das  eine  belehrende  Profil  ist  in  der  Richtung  von  Triebitz  nach  Rybník  zu 
verfolgen  und  wird  wohl  Niemandem  grosse  Schwierigkeiten  machen. 

Am  nordlichen  Ende  von  Triebitz  findet  man  am  rechten  Ufer  des  Baches 
oberhalb  der  letzten  Háuser  den  gelben  Pláner  mit  Epiaster  sp.  (Nro.  5  des  Wilden- 
schwertcr  Profils)  cntblósst.  (Fig.  32,  1.) 


61 


Am  linken  Ufer  steht  glaucouitisches  festes  Gestein  an  (Wild.  Profil  Nro.  13) 
imd  die  darauf  lagernden  Plánerschichten  enthalten  zahlreiche  Lima  elongata 
(Fig.  32,  2). 


Fig.  32.  Profil  zwischen  Triebitz  (T)  und  Rybník  (R). 
1.  Weissenberger  Schichten  mit  Epiaster.    2.  Glauconitische  Lage  mit  Lima  elongata.    3.  Lage 
mit  Spongites  gigas  und  4.  mit  senkrechten  Concretionen.    5.  Trigoniaschichten  mit  Hóhlungen 
nach  Spongien.    6.  Einlagerungen  von  Hornstein.    7.  Callianassaschichten. 

Dem  Wege  nach  Rybník  entlang  sieht  man  gewóhnlichen  Pláner  mit  Spongites 
gigas  (3)  und  mit  senkrechten  baumstrunkáhnlichen  Concretionen  (Fig.  32,  4). 
Nach  und  nach  gehen  diese  Planer  in  die  durch  Fucoides  funiformis  charakteri- 
sirten  Schichten  uber.  Es  treten  hier  auch  Knollenfucoiden  auf,  welche  hier  in 
dieser  Gegend  nicht  auf  das  Vorkommen  in  clen  tiefsten  Weissenberger  Schichten 
beschránkt  sind. 

Am  hóchsten  Punkte,  an  welchem  die  Strasse  iiber  den  zwischen  Triebitz 
und  Rybník  sich  erhebenden  Bergriicken  fůhrt,  stehen  die  durch  Hóhlungen  nach 
Spongien  kenntlichen  tieferen  Lagen  der  Trigoniaschichten  an  (5). 

Beim  Herabsteigen  gegen  Rybník  hin  trifft  man  in  denselben  eine  Exogyren- 
bank  sowie  eine  Schichte  von  Hornstein  eingelagert  (6). 

Dann  folgen  erst  die  an  Callianassa  und  Serpula  socialis  reichen  platten- 
fórmigen  Kalke  (7). 

Wahrend  die  Schichten  an  dem  geschilderten  Profil  von  Triebitz  gegen  Rybník 
hin  einfallen,  liegen  vom  letzteren  Orte  die  an  Callianassen  reichen  Schichten  an 
den  Lehnen  des  seichten  Thales  bis  Bóhm.-Trubau  hin  horizontál.  In  zahlreichen 
kleinen  Steinbruchen,  die  hier  aufgeschlossen  sind,  arbeitete  ich  mit  meinem  Petre- 
factensammler  durch  lángere  Zeit  im  Jahre  1877,  wodurch  der  paláontologische 
Charakter  der  fruher  als  „Callianassen-Sandsteine  Reuss"  bezeichneten 
Schichten  erst  klar  wurde  und  seine  Uebereinstimmung  mit  den  Trigoniaschichten 
des  Isergebietes  ausser  Zweifel  gesetzt  wurde. 

Das  Gestein  ist  ein  rothlicher  plattiger  Kalkstein,  der  sehr  fest  mit  den 
Petrefacten  zusammenhángt  und  dieselben  meist  nur  als  Steinkerne  loslásst. 


Verzeichniss  der  in  den  an  Callianassen  reichen  Trigonia-Schichten 
bei  Bóhm.-Trůbau  aufgefundenen  Arten. 

Turritella  Fittoniana.  Isocardia  gracilis. 

Natica  Roemeri.  Protocardium  Hillanum. 

Pleurotomaria  sp.  Mutiella  ringmerensis  (var.  crassi- 
Rostellaria  sp.  těsta). 


62 


Crassatella  macrodonta. 
Cyprina  quadrata. 
Trigonia  limbata. 
Area  subglabra. 
Pinna  decussata. 
Modiola  capitata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  Ewaldi? 
Panopaea  gurgitis. 
Tellina  semicostata. 
Cytherea  polymorpha. 
Avicula  anomala. 
Perná  subspatulata. 
Inoceramus  (cf.  striatus). 
Lima  Sowerbyi. 
Lima  dichotoma. 
Lima  ovata. 
Lima  iserica. 
Lima  semisulcata. 
Lima  multicostata. 

Ammonites  conciliatus  und  Stelaster 
Umgebung  von  B.-Trúbau  gefunden. 


Pecten  laevis. 
Pecten  curvatus. 
Pecten  acuminatus. 
Pecten  Dujardinii. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  conica. 
Exogyra  lateralis. 
Exogyra  laciniata. 

Ostrea  hippopodium  (var.  vesicularis). 

Ostrea  semiplana. 

Ostrea  frons. 

Anomia  subtruncata. 

Anomia  semiglobosa. 

Anomia  subradiata. 

Magas  Geinitzii. 

Krabbe, 

Callianassa  antiqua. 
Serpula  ampulacea. 
Cardiaster  ananchitis. 

tuberculifera  wurden  vor  Jahren  in  der 


Viel  schwieriger  und  complicirter  ist  das  Profil  von  Schirmdorf  gegen  die 
Anhohe,  uber  welche  die  Strasse  nach  Leitomischel  fiihrt,  dieses  hat  aber  eine 
mehr  stratigraphische  als  paláontologische  Bedeutung. 

Unmittelbar  bei  Schirmdorf  (Semanín)  stehen  die  Trigoniaschichten  mit  zalil- 
reichen  Callianassen  an  und  lehnen  sich  an  die  steil  aufsteigende  Berglehne,  welche 
aus  viel  álteren  Schichten  besteht  (Fig.  33). 

In  der  Schlucht  unterhalb  der  „AI ten  Angerflur"  sind  noch  Spuren  eines 
Versuchsbaues  nach  Kohle  in  den  Perutzer  Schichten  (i).  Die  Korycaner  cenomanen 
Schichten  sind  hier  durch  einen  etwa  1  Meter  máchtigen  glauconitischen  Quader 


i. 


Fig.  33.  Profil  von  Schirmdorf  (S)  auf  die  Anhohe  bei  Pozucha  in  der  Richtung  gegen  Leitomischel. 
1.  Perucer  Schichten  mit  verlassenem  Kohlenbau.  2.  Glauconitschichten  der  Korycaner  Schichten 
mit  Pect.  asper.  3.,  4.  Weissenherger  Schichten.  5.  Graue  Letten  mit  Terebratulina  rigida  und 
zahlreichen  Foraminiferen  („u  Kapličky").  6.  Byšicer  Uebergangsschichten  mit  grossen  grauen 
Knollen.   7.  Trigoniaschichten  mit  Callianassen.   7'  Trigoniaschichten  am  Fnsse  des  Kozlovberges 

bei  Semanín  (S). 


63 


angedeutet  (2),  worauf  gleich  graue  Pláner  mit  Inoceramus  labiatus  folgen  (3). 
Die  nun  folgenden  Schichten  fiudet  man  lángs  der  Strasse  entblosst,  aber  die 
grosse  Armuth  an  Petrefacten  lásst  Einen  lange  in  Unsicherheit  uber  das  genaue 
Alter  und  das  Aussehen  des  Gesteines  unci  lásst  nur  vermuthen,  dass  es  Pláner 
der  Weissenberger  Schichten  sind  (3,  4).  Erst  bei  der  Semaníner  Kapelle  ist  eine 
Lettengrube  geoffnet,  welche  zahlreiche  Terebratulina  gracilis  liefert  (5). 

Weiter  treffen  wir  einen  Steinbruch 
in  festem  Plánergestein  geoffnet,  in  dessen 
oberster  Lage  ich  Ostrea  semiplana  (die 
kurze  breite  Varietát)  vorfand,  welche  in 
dieser  Gegend  clen  tieferen  Horizont  der 
Trigoniaschichten  andeutet. 

Die  petrefactenreichen  Trigoniaschich- 
ten treffen  wir  erst  auf  der  Anhóhe  bei 
Pozucha,  wo  sie  gegen  das  Leitomischler 
Thal  einfallen. 

Beziiglich  des  Hangenden  der  Iser- 
schichten  in  dieser  Gegend  finden  wir  den 
nóthigen  Aufschluss  bei  Abtsdorf.  Auf  den 
in  zwei  máchtigen  Bánken  (Fig.  34,  1,  2)  auf- 
tretenden  Trigoniaschichten  lagern  die  diinn- 
plattigen  Bryozoenkalke  (3),  welche  von  einer 
etwa  1  m.  máchtigen  Schichte  dunkelblauen 
Lettens,  welcher  sich  durch  die  daselbst  auf- 
gefundene  Terebratula  subrotunda 
als  Reprásentant  der  Teplitzer  Schichten 
erkennen  lásst,  Derselbe  wird  von  typischen 
Priesener  Baculitenschichten  uberlagert,  wie 
man  sie  bei  Leitomischel  und  Chotzen  wieder- 
íindet.  Diese  Auffassung  der  Schichtenfolge 

fand  neuestens  bei  einem  Strassenbau  in  Leitomischel  ihre  Bestátigung. 


Fig.  34.  Schéma  der  Schichtenfolge  bei 
Abtsdorf. 

1,2.  Trigoniaschichten  (  l8er8chichten. 

3.  Bryozoenschichten  j 

4.  Teplitzer  Schichten  mit  Terebratula 
subrotunda. 

5.  Priesener  Baculitenschichten. 


Die  Gegend  von  Sichrov,  Liebenau,  Bohm.-Eicha  und  Světlá. 

Die  Untersuchung  dieser  Partie  fállt  in  die  fruheren  Jahre  meiner  Arbeiten, 
wo  ich  noch  nicht  die  Gliederung  der  Iserschichten  kennen  gelernt  habe  und  da 
es  mir  nicht  móglieh  war,  seitdem  wieder  lángere  Zeit  in  der  Gegend  zuzubringen, 
so  muss  ich  mich  bloss  darauf  beschránken,  das  Vorkommen  der  Trigoniaschichten 
im  Allgemeinen  zu  erwáhnen.  Ein  fluchtiger  Besuch  der  Gegend  wiirde  da  wenig 
geholfen  haben,  denn  um  die  einzelnen  Lagen  der  Trigoniaschichten  constatiren 
zu  konnen,  ist  ein  lángeres  intensives  Sammeln  durch  einen  in  der  Gegend  woh- 
nenden  Paláontologen  nóthig.  Im  Ganzen  scheint  das  Profil  von  Dolanek  bei  Turnau 
auch  fur  diesen  Zug  der  Iserschichten  massgebend  zu  sein.  Die  tieferen  Lagen 
sind  selten  zugánglich  und  die  Anhohen  bei  Sichrov,  sowie  der  gegen  Liebenau 
hinziehende  Semmelberg  liefern  zahlreiche  Callianassascheeren.  Aus  der  Umgebung 


64 


voii  Bohm.-Eicha  erhielt  ich  von  dem  Oekonomen  Jos.  Škoda  aus  Rad  vánic  zalil- 
reiche  Arten  aus  den  Trigoniaschichten,  aber  dieselben  waren  bloss  im  Thalgerolle, 
niclit  in  der  Schichte  selbst  gesammelt.  Ich  erwáhne  davon  bloss:  Exogyra  laci- 
niata,  E.  conica,  Heteropora  magnifica,  Callianassa  antiqua  etc.  (Eiu  Fragment 
von  Macropoma  speciosum  deutet  darauf  hin,  dass  in  dieser  Gegend  ein  guter 
Fundort  von  Fischen  in  den  Wehlowitzer  Plánem  besteht.)  Die  Rhynchonellen- 
bank  von  Wlachai  dem  Alter  nach  náher  bezeichnen  zu  wollen,  ist  bis  jetzt 
schwierig,  denn  es  lásst  sich  nur  vermuthen,  dass  es  entweder  die  Rhynchonellen- 
schichte  der  Byšicer  Uebergangsschichten  ist  (Zimoř)  oder  dass  sie  dem  Zwischen- 
planer  angehort.  Eine  auffallende  Erscheinung  ist,  dass  sich  die  petrefactenfuhrenden 
Trigoniaschichten  so  hoch  gegen  das  Jeschkengebirge  hinaufziehen,  denn  sie  lassen 
sich  selbst  unterhalb  des  Ortes  Světlá  beobachten. 

Die  sáchsische  Schweiz  ist  fur  den  Paláontologen  ein  trostloses  Gebiet  und 
ich  muss  mich  hier  darauf  beschránken,  die  Griinde  anzugeben,  weshalb  wir  eiuen 
Theil  der  máchtigen  Quaderwáude  als  zu  den  Iserschichten  gehorig  betrachten. 

Den  ersten  Anhaltspunkt  fand  ich  am  Fusse  des  hohen  Schneeberges,  wo 
iiber  den  Quadersanden  mit  Inoceramus  labiatus  glauconitische  und  graue  Pláner 
mit  Ammonites  Woolgari  (Malnitzer  Schichten)  den  Quader  des  eigentlichen  Schnee- 
berges unterteufen.  *)  Nach  den  in  der  Melniker  Gegend  gemachten  Erfahrungen 
konnen  also  die  Quader  des  hohen  Schneeberges  nur  den  beiden  Kokořiner  Quadern 
entsprechen.  Die  hier  aufgefundenen  Petrefacten  Lima  multicostata  und  Rhyncho- 
nella  (Steinkerne)  sprechen  nicht  dagegen.  Hochstens  wáre  hier  dariiber  noch  die 
Quaderfacies  der  Trigoniaschichten  zu  suchen,  was  bei  dem  Mangel  an  gut  erhal- 
tenen  Petrefacten  eine  undankbare  Arbeit  ist. 

Vom  hohen  Schneeberge  aus  neigen  sich  die  Quaderschichten  dem  Elbethale 
zu  und  bei  Herrnskretschen  nehmen  sie  etwa  die  obere  Hálfte  der  Felswánde  eiu. 
Die  oberste  Lage  der  Quader  ist  bedeutend  fester  als  die  tieferen  und  kann  gut 
als  Quaderfacies  der  Trigoniaschichten  aufgefasst  werden. 

Diese  feste  Schichte  ermóglichte  die  Bildung  des  Prábischthores. 

Bei  Dittersbach  fand  ich  in  den  hochsten  Lagen  dort,  wo  das  Gloriett  am 
Rudolf stein  steht,  eine  16rippige  Lima  multicostata,  ganz  wie  sie  in  den  typischen 
Trigoniaschichten  vorkommt. 

Vom  Elbethal  liegen  die  Quader  der  Iserschichten  fast  horizontál,  osťsvarts 
bis  in  die  Gegend  von  Bohm.-Kamnitz ;  hier  liegen  dariiber  die  Priesener  Bacu- 
litenschichten  und  darauf  die  Chlomeker  Sandsteine,  die  danu  auch  fast  horizontál 
bei  Tannberg  und  Schonlinde  sich  clirect  an  das  Urgebirge  anlagern.  **) 

Die  Gegend  zwischen  Weckelsdorf  und  Bran n au. 

Zur  Orientirung  beziiglich  des  Alters  der  beruhmten  Adersbach-Weckelsdorfer 
Felsen  habe  ich  zwei  Profile  aufgenommen  und  zwar  das  eine  vom  Rande  der 


*)  Weissenberger  Schichten,  p.  48. 
**)  Vergleiche  Prof.  Krejčí:  Archiv  I.j  II.  p.  130. 


65 


\  Kreidegebilde  im  Brauuauer  Thale,  nach  dem  Weckelsdorfer  Thale  gegen  Mokřen, 
das  andere  von  Weckelsdorf  gegen  die  Felsenpartie  hin. 

Das  erste  beginnt  mit  einem  interessanten  Contactproíile  am  Eisenbahn- 
I  einsclmitt  bei  der  Station  Bodisch. 

Wenige  Schritte  in  der  Richtung  gegen  Braunau  hin  gelangt  man  an  einem 
Punkte  an,  wo  die  Kreideformation  sich  an  die  Permformation  an  einer  Rutschungs- 
spalte  anlegt. 

Die  tiefsten  Schichten,  die  Perutzer,  sind  hier  verdeckt  und  die  Sandstein- 
Felsen,  welche  sich  an  das  Rothliegende  (Fig.  38,  1)  anlagern,  gehoren  den  Kory- 
caner  (2)  und  den  tiefsten  Lagen  der  Weissenberger  Schichten  an  und  haben  das 
Aussehen  wie  die  Inoceramenschichten  von  Zohsee  bei  Landskron  (3). 

Leider  gibt  es  hier  keine  Petrefacten  und  man  kann  bei  Schilderung  des 
Profiles  gegen  Weckelsdorf  hin  nur  annáherungsweise  die  Absátze  im  Terrain  nach 
ihrem  petrographischen  Charakter  und  durch  Vergleichung  mit  áhnlichen  anderwárts 
petrefactenfiihrenden  Schichten  deuten. 

Bei  der  Station  Bodisch  (3,  4)  finden  wir  schwarzgraue,  an  Fucoiden  reiche 
Pláner  mit  hárteren  glauconitischen  Partien,  welche  sehr  an  das  Gestein  von  Zohsee 
bei  Landskron  erinnern.  In  der  nun  folgenden  sattelfonnigen  Niederung  gewahrt 
man  uasse  gelbe  Mergel  (Semitzer),  welche  aber  nirgencls  aufgeschlossen  sind  (5). 
Die  náchste  Anhóhe  besteht  aus  festen  grauen  (rostroth  verwitterten)  Bauplánern, 
in  welchen  es  mir  gelang,  Inoceramus  Brongniarti  und  Lima  Sowerbyi  nachzuweisen. 

Wir  befinden  uns  hier  ohne  Zweifel  im  Niveau  der  Wehlowitzer  Pláner  (6). 
Den  Kamm  dieser  Anhohe  bildet  ein  an  Spongiten  reicher,  sehr  fester  Sand- 
stein  (7),  den  wir  spáter  am  Weckelsdorfer  Profile  an  der  Basis  der  Iserschichten 
antreffen  werden  und  welcher  dem  Rhynchonellenquader  der  Byšicer  Schichten 
entspricht  (8). 

Die  bewaldete  Niederung,  welche  sich  gegen  den  Vostašberg  hinzieht,  birgt 
wohl  ausser  etwas  Uebergangsschichten  hauptsáchlich  den  unteren  Kokořiner 
Quader,  der  genannte  Berg  aber,  welcher  nur  ein  Fragment  der  Weckelsdorfer 
Felsen  darstellt,  wircl  vom  zweiten  Kokořiner  Quader  gebildet  (9). 

Die  beigelegte  Skizze  entwarf  ich  von  einer  Anhohe  zwischen  Ober -Weckels- 
dorf und  der  Station  Bodisch  am  Wege  nach  Deutsch-Wernersdorf,  passirte  danu 
das  Thal,  um  mich  von  der  Beschaífenheit  der  einzelnen  Schichten  zu  uberzeugen. 

Die  Basis  fur  das  zweite  Profil  findet  man  im  Steinbruche  an  der  Marien- 
kirche  in  Weckelsdorf  und  in  einem  anderen  an  der  gegenúberliegenden  Lehne.  Es 
sind  hier  graue  feste  Baupláner  aufgeschlossen,  in  denen  ich  nach  langem  Suchen 
nachstehende  Petrefacten  vorfand: 

Fischstachel,  10  cm.  lang,  an  der  Basis       Pecten  curvatus. 

2  cm.  breit,  mit  rauher  Oberfláche.        Vola  quinquecostata. 
Ammonites  peramplus.  Exogyra  conica. 

Baculites.  Cidaris  (subvesiculosa?),  Stacheln. 

Inoceramus  Brongniarti.  Micraster? 
Lima  multicostata.  Stelaster  sp. 

Lima  sp. 


5 


66 


Von  dem  Steinbruche  gegenuber  der  Marienkirche  verfolgte  ich  die  Schichten 
an  dem  Waldwege,  der  gegen  den  Holsterberg  hinfuhrt. 

Ich  fand  bloss  fucoidenreiche,  graue,  knollige  Pláner  mit  sehr  harten  kleinen 
Knollen  und  erst  hinter  einem  Holzschlage  fůhrte  der  Weg  an  einer  Bank  festen 
grauen  Spongitensandsteins  vorbei,  der  einen  Vergleich  mit  dem  Bhynchonellen- 
quader  der  Byšicer  Uebergangsschichten  zulásst. 

Es  liegen  darauf  noch  etwas  graue  Pláner  und  dann  gleich  die  máchtigen 
Quadermassen,  welcbe  ich  fiir  die  beiden  Kokořiner  Quader  unseres  Ideal-Profiles 
halte  (Fig.  35,  3,  4). 

Die  hochste  Lage  der  Quader  ist  merklich  fester  als  die  tieferen  Partien 
und  zeichnet  sich  durch  zahlreiche  nuss-  bis  kopfgrosse  Hohlungen  an  den  ver- 
witterten  Wánden  aus  (Fig.  39). 

Diese  Hohlungen  betrachtete  ich  friiher  als  durch  Auswaschung  der  murberen 
Stellen  entstanden,  war  aber  nicht  wenig  íiberrascht,  diese  Hohlungen  an  frisch 
gesprengten  Blocken  in  ganz  gesundem  Gestein  wiederzufinden  (Fig.  36). 

Da  in  kalkigen  Schichten  gleichen  Alters  in  der  Gegend  von  Chotzen  zahl- 
reiche Hohlungen  vorkommen,  von  denen  ich  nachgewiesen  habe,  dass  sie  von 
dem  Meeresschwamme  Plocoscyphia  labyrinthica  herruhren,  so  ist  es  sehr  wahr- 
scheinlich,  dass  auch  diese  Hohlungen  áhnlichen  Meeresschwámmen  ihren  Ursprung 
verdanken. 

Es  gewinnt  dadurch  auch  meine  Ansicht,  dass  diese  festen  hóchsten  Sandstein- 
lagen  der  Weckelsdorfer  Felsen  dem  unteren  Theile  der  Choroušker  Trigoniaschichten 
in  der  Facies  von  Quadern  entsprechen,  eine  Bestátigung. 

Eine  Wiederholung  des  geschilderten  Profiles  finden  wir  am  Wege,  den  die 
Touristen  von  Springer's  Kestauration  zu  dem  Felseneingange  einschlagen.  Man 
geht  zuerst  an  grauen  Plánern  der  Weissenberger  Schichten  mit  Lima  elongata 
vorbei,  trifft  danu  unterhalb  der  Echobaude  kalkige  Lagen  mit  ziemlich  viel  Petre- 
facten  an,  welche  den  Byšicer  Uebergangsschichten  angehoren. 

Scaphites  Geinitzii.  Inoceramus  Brongniarti. 

Hamites?  Lima  elongata. 

Mutiella  sp.  Ostrea  semiplana. 

Cyprina  quadrata.  Exogyra  conica. 
Tellina? 


Am  Eingange  in  die  Felsenstadt  habeu  die  Quadersande  65  m.  Hohe  und 
ist  darin  wohl  hauptsáchlich  der  zweite  Kokořiner  Quader  vertreten,  wáhrend  die 
Spitzen  der  Quadersáulen,  welche  durch  ihre  bizarren  Formen  an  Kronen  (Fig.  37), 
Vógel,  Menschenkópfe  u.  s.  w.  erinnern,  wieder  die  Trigoniaschichten  vertreten, 
wie  wir  es  am  fruheren  Profile  gesehen  haben. 

Die  durch  fortschreitende  Verwitterung  theilweise  oder  ganz  geóffheten 
Spongienhohlungen  unterstůtzten  die  Bildung  der  zackigeu  Formen,  wie  wir  sie 
z.  B.  an  der  sogenannten  Krone  wahrnehmen.  Da  das  Gestem  selbst  aber  sehr 
fest  ist,  so  widersteht  es  den  Witterungseinfliissen  sehr  lange  und  diirfte  bis  zur 
Bildung  der  jetzigen  Gestalt  viel  Zeit  verstrichen  sein.  (Der  schwefelgelbe  Anflug 


67 


an  den  Quaderwánden  sind  Soridien  von  Lebermosen.  Hie  und  da  trifft  man  an 
den  herumliegenden  Blocken  den  kleinen  Pilz  Sphyridium  bissoides  in  Unzahl.) 

Anch  bei  Adersbach  habe  ich  schon  friiher*)  náchgewiesen,  dass  die  grauen 
Pláner,  welche  unter  die  Quaderfelsen  einfallen,  vom  Alter  der  Weissenberger 
Schichten  sind;  denn  sie  lieferten: 

Inoceramus  labiatus,    Lima  elongata,    Lima  multicostata. 


Fig.  35.  Profil  der  Weckelsdorfer  Felsen.  A.  Weg  nach  Adersbach.    S.  Springeťs  Restauration. 
E.  Echobaude.    T.  Eingang  zu  den  Felsen.    1.  Blaue  Pláner  mit  Lima  elongata.    2.  Byšicer 
Uebergangsschichten.    3.,  4.  Kokořiner  Quader.    5.  Lage  mit  Schwammhóhlungen,  verschiedene 
Figuren  bildend,  wahrscheinlich  ein  Aequivalent  der  Trigoniaschichten. 


Fig.  36.    Frisch  gesprengter  Sandsteinblock  der         Fig.  37.  Die  sogenannte  „Krone".  Ver- 
hochsten  Lagen  d.  Weckelsdorfer  Felsen  mit  Hoh-         witterungsrest  der  an  Spongienhohlungen 
lungen  nach  Spongien.    Vi0  nat-  Grosse.  reichen  hochsten  Lage  der  Weckelsdorfer 

Felsen.  (Trigoniaschichte  ?)  etwa  Vso  liat- 
Grosse. 


*)  Weissenberger  Schichten,  p.  44. 


5* 


Zuř  Aufnahme  von  Profilen  sincl  hier  aber  die  Verháltnisse  nicht  so  giinstig 
wie  bei  Weckelsdorf. 


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Fig.  39.  Block  des  Quadersandes  aus  den  hochsten  Lagen 
der  Weckelsdorfer  Felsen  mit  angewitterten  Hóhlungen  nach 
Spongien.  (Von  dem  Riicken,  der  sich  von  Weckelsdorf  gegen 
den  Holsterberg  hinzieht.)  V20  nat-  Gr. 


Die  Gegend  von  Hohenmauth  und  Leito- 
misehel. 

Bei  Zámrsk  beginnt  das  muldenformige  Tlial, 
das  sich  uber  Hohenmauth  bis  hinter  Leitomischel 
hinzieht  und  dessen  Lehnen  von  den  zur  Achse  des 
Thales  einfallenden  Iserschichten  gebildet  werden. 

Auch  hier  empfiehlt  es  sich,  behufs  des  ein- 
gehenden  Studiums,  Profile  vom  Kande  des  Com- 
plexes  gegen  dessen  Centrum  zu  verfolgen,  wozu 
wir  hier  namentlich  von  dem  Luže-Neuschloss- 
Budislaver  Thale  aus  gute  Gelegenheit  haben. 

Als  erste  Tour  wollen  wir  die  Linie  Vinar- 
Vraclav-Zámrsk  betrachten. 

Vinař  erreicht  man  etwa  in  einer  Stunde 
von  der  Station  Uhersko  oder  Zámrsk-Hohenmauth 
und  findet  daselbst  súdlich  vom  Dorfe  in  einer 
Schlucht  „u  Pazderny"  am  Fusse  des  sich  nach 
stidóstlicher  Kichtung  hin  erhebenden  Pláner- 
zuges  Semitzer  Mergel  und  graue  Pláner  vom 
Alter  der  Dřinover  Knollen  (1,  2),  welche  letztere 
sehr  reich  an  Scaphiten,  Baculiten  und  anderen 
Petrefacten  sind. 


69 


(Dieselbeii  Schichten  sincl  auch  an  der  Strasse  nach  Vraclav  entblosst,  am 
Fusse  der  Anhóhe  „Na  vartě",  wo  meine  Schiiler,  die  Gebriider  Hanuš,  sehr 
fleissig  sammelten.  Das  háufige  Vorkommen  der  Terebratulina  rigida  ist  sehr  be- 
zeichnend  und  kónnte  nebst  anderen  noch  náher  zu  untersuchenden  Vorkommnissen 
den  Anfánger  zu  der  Idee  verleiten.  es  seien  dies  Teplitzer  Schichten.) 

Vr. 


Fig.  40.  Profil  von  Vinař  nach  Vraclav  (unweit  Hohenmauth).  Vi.  Vinař.  P.  Pazderna.  Vr.  Vraclav. 
M.  St.  Niclas.  1.  Semitzer  Mergel.  2.  Dřinover  Knollen.  3.  Wehlowitzer  Fischpláner  und  Mal- 
nitzer  Schichten.  4.  Byšicer  Uebergangs-Schichten  mit  Halec  Sternbergii.  5.  Tiefere  Lagen  der 
Trigoniaschichten.   6.  Hohere  Lagen  der  Trigoniaschichten  mit  Callianassa  und  Hemiaster  plebeius. 


Verzeichniss  der  bei  Stadouň  („Na  vartě")  in  den  Semitzer  Mergeln 
der  Weissenberger  Schichten  aufgefundenen  Arten. 

(Gesammelt  von  Herrn  Hanuš.) 


Ammonites  peramplus. 

Inoceramus. 

Hamites  sp. 

Gervillia  solenoides. 

Scaphites  Geinitzii. 

Avicula  anomala. 

Aptychus  sp. 

Lima  Sowerbyi. 

Baculites  sp. 

Lima  semisulcata. 

Scalaria  Clenientina. 

Lima  multicostata. 

Natica  lamellosa. 

Lima  elongata. 

Rostellaria  megaloptera. 

Pecten  Nilssoni. 

Rostellaria  subulata. 

Pecten  curvatus. 

Rostellaria  calcarata. 

Pecten  subpulchellus. 

Voluta  Roemeri. 

Pecten  (serratus). 

Voluta  suturalis. 

Spondylus  spinosus. 

Rapa  cancellata. 

Ostrea  hippopodium. 

Dentalium  cidaris. 

Ostrea  semiplana. 

Nucula  pectinata. 

Ostrea  frons. 

Nucula  sp. 

Exogyra  lateralis. 

Leda. 

Anomia  subradiata. 

Area  sp. 

Anomia  subtruncata. 

Modiola  capitata. 

Terebratulina  rigida. 

Lithodomus  cf.  rostratus. 

Terebratulina  chrysalis. 

Tellina  sp. 

Rhynchonella  (Cuvieri?). 

Venus. 

Magas  Geinitzii. 

70 


Pollicipes.  Crystellaria  rotulata. 

Tragos  globulare.  Micraster  sp. 

Frondicularia  augusta.  Cyphosoma  radiatum. 

Auf  der  Anhohe  bei  Vinař  sind  grosse  Steiubrúche  im  Plánergestein  geóffnet 
und  obzwar  Petrefacten  hier  keiue  Seltenbeit  sind,  so  macbt  hingegen  die  prácise 
Eruirung  der  Scbichte,  aus  der  sie  stammen,  doch  grosse  Schwierigkeiten.  Ein 
Theil  der  aufgefundenen  Arten  gebort  unzweifelhaft  dem  Weblowitzer  Pláner  an, 
welcher  hier  eine  der  tiefsten  der  abgebauten  Bánke  bildet  (3) ;  es  sind  dies  z.  B. : 

Dercetis  Reussi.  Glyphitheutis  ornata. 

Enoploclythia  Leachii.  Perná  cretacea. 

Die  Malnitzer  Scbichten  konnte  ich  bisher  nicht  genau  ausscheiden. 

Verzeichniss  der  in  den  Steinbrůchen  bei  Vinař  gesammelten 

Petrefacten. 


Otodus  appendiculatus. 
Lamna  rapbiodon. 

Corax  heterodon  (bis  22  mm.  breit). 

Saurocephalus  marginatus. 

Spinax  sp. 

Ptychodus  sp. 

Picnodus  scrobiculatus. 

Dercetis  Reussi. 

Halec  Sternbergii. 

Osmeroides  sp. 

Beryx  (Schuppen). 

Lepidenteron. 

Scaphites  Geinitzii. 

Aptycbus  sp. 

Ammonites  peramplus. 

Ammonites  Austeni. 

Glyphithentis  ornata. 

Turritella  Fittoniana. 

Scala  decorata. 

Pleurotomaria  seriatogranulata. 
Turbo  (Goupilianus). 
Rostellaria  Requieniana. 
Voluta  Roemeri. 
Cardium  productum. 
Isocardia  gracilis. 
Eriphyla  lenticularis. 
Nucula  sp. 


Leda  sp. 

Area  subdinensis. 
Area  echinata. 
Pinna  decussata. 
Pholas  sclerotites. 
Modiola  capitata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  mandibula. 
Panopaea  Gurgitís. 
Venus  sp. 
Avicula  anomala. 

Gervillia  solenoides  (Riesenexemplare). 

Perná  cretacea. 

Inoceramus  Brongniarti. 

Inoceramus  sp. 

Lima  dicliotoma. 

Lima  multicostata. 

Lima  iserica. 

Lima  Sowerbyi. 

Pecten  Nilssoni. 

Pecten  Dujardinii. 

Ostrea  semiplana  (breite  Varietát). 

Ostrea  frons. 

Exogyra  lateralis. 

Anomia  subtruncata. 

Anomia  semiglobosa. 

Rhynchonella  plicatilis. 


71 


Enoploclythia  Leachii.  Stellaster. 

Pollicipes.  Flabellina  cprdata. 

Cidaris  sp.  Serpula  adhaerens. 

Micraster  sp.  Sequoia  Reichenbachi. 
Cyphosoma  (Stacheln). 

Etwa  6  Meter  unter  der  Ackerkrume  kommen  Knollenlagen  vor,  welche  die 
Lagerstátte  des  Halec  Sternbergii  sind  und  wahrscheinlich  dem  Alter  nach  den 
Byšicer  Uebergangsschichten  entsprechen  (4).  Auch  wurde  in  diesen  Knollen  ein 
Prachtexemplar  eines  68  cm.  langen  Osmeroides  aufgefunden,  der  wahrscheinlich 
einer  neuen  Art  angehórt. 

Die  hóchsten,  im  Steinbruche  bei  Vinař  entblóssten  Schichten  entsprechen 
dem  tieferen  an  Petrefacten  armen  Theile  der  Trigoniaschichten  (5);  der  obere 
Theil  ist  hier  nicht  vorhanden. 

In  der  Richtung  gegen  Vraclav  hin  treten  auf  diesen  Plánem  der  Vinarer 
Briiche  immer  jungere  Lagen  hinzu. 

In  einem  kleinen  Steinbruche  bei  Vraclav  traf  ich  schon  die  Trigoniaschichten 
mit  Exog.  laciniata  an,  im  Orte  selbst  stehen  schon  Lagen  von  Plattenkalken  mit 
Callianassa  antiqua,  Hemiaster  plebejus  und  Serpula  socialis  an  (6). 

In  Vraclav  selbst  lásst  sich  das  Profil  von  der  Thalsohle  bei  der  Kirche 
St.  Nikolai  lángs  des  Weges  bis  zur  oberen  Kirche  verfolgen. 

Die  Quellen  bei  der  Nikolaikirche  stehen  unzweifelhaft  mit  den  in  der  Thal- 
sohle verdeckten  Semitzer  Mergeln  in  Zusammenhang. 

In  einem  Steinbruche  neben  der  Nikolaikirche  sammelte  mein  Schuler  Herr 
Hanuš  viele,  die  Dřinover  Knollen  charakterisirenden  Arten. 

Etwa  in  der  halben  Lehne  fand  ich  einen  Zweig  von  Sequoia  Reichenbachi, 
welche  den  Wehlowitzer  Horizont  hier  andeutet  und  ganz  oben  hinter  dem  Fried- 
hofe  stehen  die  Trigoniaschichten  an. 

Von  Vinař  uber  Vraclav  bis  auf  den  Vrchovitzer  Berg  hin  lagern  die  uns 
bescháftigenden  Schichten  fast  horizontál  mit  einer  ganz  schwachen  Neigung  gegen 
die  Achse  der  Mulde,  aber  der  áusserste  Rand  ist  dann  plótzlich  umgebrochen  und 
fállt  in  einem  Winkel  von  45°  gegen  dieselbe  ein,  wie  man  das  beim  Meierhofe 
Mladejov  und  bei  Zámrsk  beobachten  kann. 

Ein  vollkommenes  Profil  finden  wir  in  Neuschloss  beim  Aufsteigen  gegen 
die  Anhohe  bei  Chotovis.  Am  Bache  stehen  in  der  Richtung  zur  Haberský-Můhle 
die  glauconitischen  Quadersande  der  Korycaner  Schichten  an  (1),  auf  welche  ganz 
áhnlich  wie  bei  Wildenschwert  die  mit  Inoceramus  labiatus  angefullten  Pláner 
liegen  (2).  Die  nun  folgenden  Schichten  sind  am  Fahrwege  nach  Chotovis  ent- 
blósst;  zuerst  knollige  graue  Pláner  (3),  dann  vor  dem  ersten  Kreuze  die  Knollen- 
fucoiden  und  die  gelben  Pláner  mit  Epiaster  (4),  auf  welche  gewohnliche  Semitzer 
Mergel  folgen  (5). 

Beim  zweiten  Kreuze  stehen  festere  Plánerschichten  an,  die  den  Dřinover 
Knollen  und  Wehlowitzer  Plánem  entsprechen  (6).  Im  Dorfe  Chotovis  sind  nasse 
Mergel  mit  zahlreichen  Fischschuppenfolgen  zugánglich  (7)  und  díirften  ebenso  wie 


72 


die  darauf  liegenden  blauen  Pláner  mit  Lima  elongata  vom  Alter  der  Malnitzer 
Schichten  sein  (8). 

Beim  Aufsteigeu  gegen  die  auf  der  Anhohe  gelegeue  Kirche  trifft  mau  uber 
den  Plánern  mit  Lima  elongata  die  Knollenschichten  der  Byšicer  Uebergangs- 
schichten  an,  welehe  wahrscheinlich  dem  Horizont  des  Halec  Sternbergii  in  den 
Steinbmchen  von  Vinař  entsprechen  (9).  Die  darauf  folgenden  Bauplaner  kónnte 
man  als  ein  Aequivalent  der  Kokořiner  Quader  ansehen  (10),  denn  die  darauf 
liegenden  petrefactenarmen  Pláner  erweisen  sich  durcb  die  Scyphienhohlungen, 
sowie  durch  die  stammformigen  Concretionen  als  die  tieferen  Glieder  der  Trigonia- 
schichten  (11),  welehe  hier  den  Schluss  der  Scbichtenfolge  bilden. 


Fig.  41.  Profil  von  Neuschloss  (N)  auf  die  Anhohe  von  Chotovis  (ch). 
1.  Glauconitische  Korycaner  Schichten.  2. — 6.  Weissenberger  Schichten.  2.  Lage  mit  zahlreichen 
grossen  Inoceranius  labiatus.  3.  Knollige  graue  Plilner.  4.  Gelbe  Pláner  mit  Epiaster  sp.  5.  Se- 
mitzer  Mergel.  6.  Dřinover  Knollen,  nach  oben  in  harten  (Wehlowitzer?)  Bauplaner  libergehend. 
7.  Bláuliche  Letten  mit  Fischschuppen.  8.  Blaue  Bauplaner  mit  Lima  elongata  (Malnitzer).  Dorf 
Chotovis.  9.  Byšicer  "Oebergangsschichten  mit  Fischknollen.  10.  Bauplaner  (vielleicht  Aequivalent 
der  Kokořiner  Quader).  11.  Pláner  mit  senkrechten  Concretionen  und  kleinen  Hóhlungen  nach 
Spongien.  Kirche  Chotovis.  (NB.  Die  Trigoniaschichten  beginnen  erst  weiter  gegen  Leitomischel 

beim  Wirthshause  „u  3  kocourů".) 

Die  petrefactenreichen  Trigoniaschichten  der  Iserschichten  treífen  wir  erst 
weiter  gegen  Leitomischel  hin,  wo  sich  bei  dem  isolirt  stehenden  Wirthshause 
„bei  3  Katern"  eine  gute  Gelegenheit  zum  Einsammeln  von  Petrefacten  findet. 
Ich  fuhre  hier  die  vorkommenden  Arten  nicht  an,  weil  wir  diese  Fauna  beim 
náchsten  Profil  „Desna".  das  die  Fortsetzung  derselben  Schichte  liefert,  Gelegen- 
heit haben  werden,  besser  kennen  zu  lernen. 

Ein  áhnliches  Profil  treffen  wir  etwas  weiter  siidlich  bei  Budislav,  Desna 
und  Lubná  an. 


73 


Die  an  clas  Urgebirge  angelagerten  Korycaner  Schichten  treífen  wir  bei  Bu- 
dislav  in  Steinbriichen  geoffnet.  Dort  fand  ich  auf  Platten,  welcbe  mit  einer  Thon- 
lage  in  Berůhrung  standen,  positive  Abdriicke  irgend  eines  Organismus,  welche 
beim  ersten  Anblick  an  die  Erscheinung  des  Cheirotherium  aus  dem  bunten  Sand- 
stein  lebhaft  erinnern.  Bei  genauerer  Beobacbtung  zeigte  es  sich,  dass  nicht  bloss 
4  oder  5  fingerartige  Wiilste,  sondern  oft  6 — 7  vorhanden  sind.  Geinitz  bildet 
etwas  sehr  Aehnliclies  unter  dem  Namen  Epitheles  furcata  Goldfuss  ab.  (Elbe- 
thalgeb.  I.  Taf.  8  Fig.  8.) 

Die  weitere  Schichtenfolge  der  tieferen  Weissenberger  Scbicbten  ist  hier 
nicht  so  zugánglich  wie  bei  Neuschloss  und  man  muss  sich  in  den  verschiedenen 
Thálern  hier  die  Glieder  des  Proíils  zusammensuchen. 

In  L  u  b  n  á  findet  man  die  scaphitenreichen  Dřinover  Knollen,  wie  wir  sie  in 
Vinař  bei  der  „Pazderna"  kennen  gelernt  haben  und  die  jungeren  Lagen  sind 
dann  gut  bei  Desna  zugánglich.  (Fig.  42.) 

Hier  stehen  in  der  Thalsohle  bei  der  Muhle  Pláner  mit  Lima  elongata  und 
Ostrea  lateralis  an  (1)  (Wehlowitzer?). 

In  der  Linie  oberhalb  der  Muhle  auf  der  alten  Strasse  (S)  findet  man  Bau- 
pláner  ohne  Petrefacten  (2)  von  Alter  der  Malnitzer  Schichten  (?) ;  an  der  neuen 
Strasse  (N)  blaue  Baupláner  mit  senkrechten  Concretionen  (3).  Dann  folgen  die 
tieferen  Lagen  der  Trigoniaschichten,  welche  nach  oben  hin  zahlreiche  Hohlungen 
nach  Spongien  aufweisen  (4). 

Unterhalb  der  ersten  Háuser  von  Desna  stehen  schon  die  Trigoniaschichten 
mit  zahlreichen  Lima  multicostata  an  (5),  worauf  dann  erst  im  Dorfe  selbst  in 
einem  zwischeu  den  Háusern  befindlichen  Steinbruche  die  sehr  reichen  Lagen  mit 
Serpula  socialis,  Callianassa,  Lima  iserica  und  Bryozoen  folgen  und  in  ihren 
hóchsten  Partien  den  Bryozoenschichten  entsprechen  diirften  (6). 


Fig.  42.  Profil  bei  Desna.  M.  Muhle.  8.  Alte  Strasse.  N.  Neue  Strasse.  D.  links:  die  tieferen 
Háuser  von  Desna.  D.  rechts:  die  hóchsten  Háuser  von  Desna.  1. — 3.  Weissenberger  Schichten. 
1.  Graue  Pláner  mit  Lima  elongata.  2.  Baupláner.  3.  Blaue  Baupláner  mit  senkrechten  Concre- 
tionen. 4.  Tiefere  Trigoniaschichten,  nach  oben  mit  kleinen  Hohlungen  nach  Spongien.  5.  Tri- 
goniaschichten.   6.  Bryozoenschichten  (?). 


74 


Verzeichniss  der  in  den  Trigoniaschichten  in  Desna  aufgefundenen 

Arten. 


Baculites  (undulatus). 
Turritella  iserica. 
Turritella  Fittoniana. 
Pleurotomaria  linearis. 
Turbo  Goupilianus. 
Rostellaria. 

Crassatella  macroclonta. 
Mutiella  ringmerensis. 
Trigonia  limbata. 
Area  subglabra. 
Mytilus  radiatus. 
Mocliola  capitata. 
Modiola  typica. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Panopaea  gurgitis. 
Pauopaea  Ewaldi. 


Avicula  anomala. 
Tellina  semicostata. 
Lima  Doupiniana. 
Lima  iserica. 
Lima  dichotoma. 
Pecteu  curvatus. 
Pecten  acuminatus. 
Vola  quinquecostata. 
Exogyra  conica. 
Exogyra  Matheroniana. 
Ostrea  semiplana. 
Anomia  subradiata. 
Serpula  socialis. 
Vioa  catenata. 
Flabellina  elliptica. 


Von  Desna  aus  kaun  man  dann  die  Trigoniaschichten  auf  der  ganzen  Hoch- 
ebene  bis  gegen  Leitomischel  verfolgen,  wo  sie  dann  unter  die  Teplitzer  und 
Priesener  Schichten  einfallen. 

Im  Siiden  von  Leitomischel  erreicht  man  die  Grenze  der  Kreidegebilde  unter- 
halb  Polička,  wo  ein  verlassener  Kohlenbau  „v  Letkovnách"  die  Perutzer  Schichten, 
sowie  die  glauconitischen  Quader  der  Korycaner  Schichten  entblosste. 

Auf  diesem  ruhen  nasse  Mergel  (Semitzer)  und  dann  Inoceramenplaner,  die 
bis  nach  Polička  hin,  wo  denselben  an  der  Stadt  selbst  der  rostgelbe  Pláner  mit 
Epiaster  (Nro.  5  des  Kerhartitzer  Profils)  aufgelagert  ist. 


Fig.  43.  Profil  bei  Leitomischel  (L)  in  der  Richtimg  von  Osten  nach  Westen. 
E.  Trigoniaschichten  mit  grossen  Exogyra  conica.    C.  Desgleichen  mit  zahlreichen  Scheeren  von 
Callianassa  antiqua.  B.  Bryozoenschichten  (Sadrák).    T.  Blaue  Thone  mit  Terebratula  snbrotunda 
(Teplitzer  Schichten).    P.  Priesener  Schichten. 


Wo  die  Strasse  gegen  den  „Velký  kopec"  nach  Hana  aufsteigt,  gewahrt  man 
graue  Knollenpláner  (Dřinover  Knollen),  aus  denen  ich  in  der  Schulsammlung  von 
Polička  unter  anderen  Petrefacten  Baculites  undulatus  vorfand. 

In  Lesnik  ist  das  Thal  bis  auf  die  nassen  Semitzer  Mergel  eingeschnitten. 


75 

Die  Dřinover  Knollenpláuer  in  der  halben  Hóhe  cler  Thalsohle  lieferten 
zahlreicke  Scaphiten  und  Baculiten,  sowie  clas  Fragment  eines  grossen  Hamiten. 

Die  hochsten  hier  anstehen- 
den  Pláner  scheinen  noch  in  das 
Bereicli  der  Malnitzer  Schichten 
zu  gehoren,  denn  ich  erhielt 
daraus  ein  typisches  Exemplár 
der  Pleurotomaria  seriatogranu- 
lata,  wie  wir  sie  gewohnt  sind 
im  Čenčicer  Griinsande  zu  finden. 

Die  typischen  Iserschichten 
treífen  wir  erst  weiter  nordlich, 
wo  die  Strasse  „am  Naděl- 
av a  1  d"  das  Sebranitzer  Thal 
kreuzt.  Diese  Gegend  heisst  „Na 
Dolečkách".  An  dem  gegen 
Leitomischel  aufsteigenden  Theile 
der  Strasse  ist  ein  Steinbruch 
geoffnet,  in  welchem  die  grauen 
Fischknollen  der  Byšicer  Schich- 
ten entblósst  sind  und  ich  fand 
in  einem  derselben  Keste  eines 
Picnodus.  Dariiber  liegen  die  Tri- 
goniaschichten,  die  sich  von  hier 
aus  bis  nach  Leitomischel  ver- 
folgen  lassen. 

In  der  unmittelbaren  Náhe  von  Leitomischel,  namentlich  bei  Cerekvic, 
treten  die  Trigoniaschichten  an  vielen  Stellen  zu  Tage  und  das  von  Callianassen- 
scheeren  wimmelnde  Gestein  liefert  den  Baustein  fur  die  genannte  Stadt. 

In  einem  Steinbruche  „Na  Líbánkách"  iiberzeugte  ich  mich,  dass  auf  eine 
sandige  Lage  (1)  eine  Exogyrenbank  folgt  (2),  welche  von  dem  an  Callianassen 
reichen  Kalkstein  uberlagert  wird.  Die  nun  folgenden  Lagen  von  Bausteinen, 
welche  hier  „Pecina"  genannt  werden  (4,5),  entsprechen  den  hóheren  Trigonia- 
schichten und  das  oberste  zerstorte  Gestein  Kumavka,  das  hier  „Sadrák"  genannt 
wird,  stimmt  mit  den  Bryozoenschichten  iiberein  und  ist  namentlich  an  der  Kalk- 
incrustirung  kenntlich. 

An  der  Strasse  nach  Polička  wurcle  in  der  am  rechten  Ufer  der  Luzná  ge- 
legenen  Partie  von  Leitomischel  das  Hangende  der  Iserschichten  vom  Herrn  Prof. 
Bárta  gut  constatirt,  indem  er  in  den  auf  den  „Sadrák"  sich  anlagernden  dunklen 
Letten  die  Terebratula  subrotunda  (semiglobosa  Aut.)  sammelte,  welche  bei  uns 
fiir  den  Teplitzer  Horizont  so  bezeichnend  ist. 

Es  ist  somit  kein  Zweifel,  dass  auch  im  Adlergebiete  die  Iserschichten  von 
einem  Vertreter  der  Teplitzer  Schichten  uberlagert  werden,  auf  welchen  dann  erst 
die  Priesener  Baculitenschichten  in  machtiger  Entwickelung  zu  liegen  kommen. 


Fig.  44.  Profil  im  Steinbruche  „Na  Líbánkách"  bei 
Leitomischel  (aufgenommen  im  Jahre  1867.)  1.  San- 
dige Lage.  2.  Lage  mit  Exogyra.  3.  „Havle" -Kalk- 
stein ohne  regelmássige  Lagerung  mit  Callianassa. 
4.  „Hlavní  Pecina",  guter  Baustein  mit  zahlreichen 
senkrechten  Fucoidenstángeln.  5.  „Pecina" -Baustein, 
zweite  Categorie.  6.  Rumovka  oder  Sadrák  (Bryozoen- 
schichten). 


76 


Naclitrag. 

Zum  Schlusse  muss  ich  noch  einiger  unsicheren  Randgebilde  erwáhnen, 
welche  bei  Raudnitz  und  Leitmeritz  zu  Tage  treten  und  der  Lagerung  nach  den 
Iserschichten  angehóren  diirften. 

Die  eine  Localitát  ist  Třeboutic  bei  Leitmeritz,  wo  ich  graue  Knollenpláner 
antraf,  welche  auf  blaugrauen  (?  Malnitzer)  Plánern  liegen  und  von  Teplitzer 
Kalken  uberlagert  werden.  Die  aufgefandenen  Petrefacten  deuten  auf  die  Byšicer 
Uebergangsschichten  hin. 


Verzeichniss  der  in  Třeboutic  bei  Leitmeritz  aufgefundenen 

Petrefacten. 


Nautilus  sublaevigatus. 
Turritella  Fittoniana. 
Natica  Roemeri. 

Rostellaria  ovata,  Goldfuss. 
Avellana  sp. 
Area  Geinitzii? 
Area  subglabra. 
Pectunculus  ? 
Pinna  decussata. 
Leguminaria  Petersi. 
Modiola  capitata. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Tellina  concentriea. 


Viele  nicht  naher  bestimmbare  Stein- 
kerne  aus  der  Gruppe :  Venus,  Area, 
Tellina  etc. 

Avicula  anomala. 

Gervillia  solenoides. 

Inoceramus  Brongniarti. 

Lima  Sowerbyi. 

Pecten  Nilssoni. 

Pecten  Dujardinii. 

Vola  quinquecostata. 

Ostrea  hippopodium. 

Micraster  sp. 


Die  zweite  Localitát  ist  am  Fusse  des  Sowice-Berges  unweit  Raudnitz.  Dort 
trifft  man  lángs  des  Weges  nach  Wettel  im  Dorfe  Brozánek  oberhalb  der  Pláner, 
welche  sich  von  dem  Gastorf-Wegstádtler  Plateau  hier  immer  tiefer  herabsenken, 
graue  Knollenpláner,  welche  nach  oben  hin  immer  mehr  und  mehr  grobsandig 
werden.  Dieselben  sind  sehr  reich  an  Turritella  Fittoniana;  ausserdem  fand  ich: 


Natica  lamellosa. 
Avicula  glabra. 
Isocardia  gracilis. 
Pholadomya  aequivalvis. 
Area  subglabra. 


Inoceramus  sp. 
Lima  pseudocardium. 
Ostrea  semiplana. 
Rhynchonella  plicatilis. 


Es  sind  Vorkehrungen  getroffen  worden,  dass  hier  gríindlich  gesammelt 
wird,  damit  man  den  Charakter  dieser  zweifelhaften  Schichten  besser  consta- 
tiren  kann. 

Die  hochste  Lage  dieser  Pláner  ist  sehr  miirbe,  ohne  Knollen,  und  verspricht 
viel  Petrefacten  zu  liefern. 

Die  Felder  oberhalb  dieser  Schichten  sind  sandig  und  stellenweise  entstammt 
der  Sand  augenscheinlich  einem  Quadersand  (wahrscheinlich  dem  ersten  Kokořiner 


77 


Quader).  Dies  wiirde  die  Vermuthung  bestárken,  dass  die  Knollenpláuer  von  Brozáuek 
den  Byšicer  Uebergangsschichten  entsprechen. 

Am  liuken  Ufer  der  Elbe  habe  ich  bloss  bei  Podlusk,  westlich  von  Raudnitz, 
áhnliche  Knollen  bemerkt,  doch  wird  es  wohl  dem  eifrigen  Geologen  Herrn  Prof. 
Zahálka  in  Raudnitz,  den  ich  auf  diese  Frage  aufmerksam  gemaeht  habe,  bald 
gelingen,  diesen  Horizont  an  mehreren  Stellen  der  neu  angelegten  Wege  und 
Strassen  nachzuweisen. 

Bei  Auscha  waren  meine  Bemíihungen  bisher  fruchtlos,  denn  hier  scheinen 
die  Trigoniaschichten  schon  den  petrographischen  Habitus  des  Quaders  angenomraen 
zu  haben  und  die  gesammelten  Petrefacten  sind  sehr  mangelhaft  erhalten.  Die  Uni- 
gebung  von  Auscha  lieferte  mir: 

Ammonites  sp.  Lima  pseudocardium. 

Callianassa.  Vola  quinquecostata. 

Eriphyla  lenticularis.  Ostrea  hippopodium  (var.  vesicu- 

Panopaea  Ewaldi.  laris). 

Avicula  anomala.  Anomia  n.  sp. 

Inoceramus  Brongniarti.  Anomia  subtruncata. 

Lima  multicostata.  Rhynchonella  plicatilis. 

Dies  reicht  natiirlich  nicht  hin,  náhere  Einsicht  in  die  Gliederung  der  Iser- 
schichten  dieser  Gegend  zu  gewáhren. 

Hiemit  schliesse  ich  die  Schilderung  der  untersuchten  Localitáten  und  hoffe, 
dass  eine  Reihe  von  strebsamen  Palaontologen  daran  gehen  wird,  das  von  mir 
Gebotene  zu  vervollstándigen. 


78 


Tabellarische  Uebersicht 

der  in  den  Iserschichten  aufgefundenen  Petrefacten. 


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Iserschichten 


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Aves. 

Cretornis  Hlaváči.  Fr. 


Pisces. 

Oxyrhina  Mantelli.  Ag.  .  . 
Oxyrhina  angustidens.  Reuss. 
Otoclus  semiplicatus.  v.  Mumt 
Otodus  appendiculatus.  Ag 
Corax  heterodon.  Reuss.  . 
Lamna  raphiodon.  Ag. 
Lamna  subulata.  Ag.  .  . 

Pycnodus  SCrobiculatllS.  Reuss 

Osmeroides  Lewesiensis.  Ag 
Osmeroides  Vinarensis.  Fr. 

CyclolepíS  AgaSSÍzi.  Reuss. 

Halec  Sternbergii.  Ag.  . 
Beryx  ornatus.  Ag.  .  . 
Lepidenterou.  Fr.  .    .  . 

Cephalopoda. 


Belemnites  sp  

Nautilus  sublamgatus.  D'Orb. 
Nautilus  rugatus.  Fr.  et  Schl. 
Nautilus  galea.  Fr.  et  Schl.  . 
Ammonites  couciliatus.  Stol. 
Ammonites  peramplus.  Mant. 
Scaphites  Geinitzii.  . 
Helicoceras  Reussianum.  Gein. 

Hamites  sp  

Baculites  undulatus.  D'Orb.  . 

Gastropoda. 

Turritella  multistriata.  Ram. 
Turritella  iserica.  Fr.  .    .  . 


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+ 


+ 


+ 
+ 


79 


Korycaner  Schichten  1 

Weissenberger 
Schichten 

Malnitzer  Schichten  1 

Iserschichten 

Teplitzer  Schichten  j 

Bysicer  Ueber- 
gangs-Sch. 

Zwischen- 
Pláner 

Trigonia-Sch. 

Bryozoen-Sch. 

Turritella  Fittoniana.  Goldf.  . 

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Gosau. 

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Natica  Roemeri.  Gein.    .    .  . 

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4- 

i 

i 

4- 

Natica  lamellosa.  Róm.   .    .  . 

— 

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+ 

— 

— 

+ 

Natica  Gentii.  Sow  

— 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

— 

+ 

Nerita  dichotoma.  Gem.  .    .  . 

+ 

+ 

Pleurotomaria  linearis    .    .  . 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 

+ 

Turbo  Goupilianus  .... 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 

— 

Rostellaria  Requieniana.  n'0rb. 

+ 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 

 > 

Rostellaria  megaloptera? 

— 

— 

— 

+ 

— 



Rostellaria  Schlottheinii.  Róm.  . 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 

— 



JLtosieiiaiia  ovaia.  Goldf.  . 

■ — 

— 

— 

— 

— 

+ 

— 



Fusus  Renauxianus.  D'Orb.  .  . 

— 

— 

+ 

— 

— 



Voluta  Roemeri.  Gein.    .    .  . 

— 

— 

— 

+ 

— 



Voluta  suturalis.  Goldf.   .    .  . 

— 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

— 



Mitra  Roemeri.  D'Orb.     .    .  . 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 



+ 



PelecvDoda 

— 

— 

— 

— 

+ 

— 



Protocardium  Hillanum.  ,SW  . 

+ 

+ 

+ 

— 

+ 

— 



Gosau. 

Cardium  productum.  Sow.   .  . 

+ 

— 

— 

+ 

— 



Gosau. 

Isocardia  gracilis.  Fr.  ... 

— 

— 

+ 

— 

— 

+ 

+ 



Crassatella  cf.  austriaca.  zitt.  . 

+ 

+ 



Gosau. 

Crassatella  cf.  macrodonta.  zut. 

+ 

+ 

Gosau. 

Mutiella  ringmerensis.  Gein. 

+ 

+ 

+ 

+ 

Cyprina  quadrata.  D'Or&.     .  . 

+ 

+ 

+ 

C.  C.  *) 

Cyprina  cf.  crassideutata.  zitt.  . 

+ 

Eriphyla  lenticularis.  stol.  .  • 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Trigonia  limbata.  &Orb.  .    .  . 

Gosau. 

4- 

Area  subglabra.  &Orb.    .    .  . 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

C.  C. 

+ 

+ 

Area  Schwabenaui.  zitt.  .    .  . 

+ 

Area  pholadiformis.  D'0>-b.  .  . 

+ 

c.  c. 

Pinna  decussata.  Goldf.   .    .  . 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Mytilus  radiatus.  Goldf.  .    .  . 

+ 

+ 

+ 

c.  c. 

Solen?  cf.  Guerangeri.  D'Orb. 

+ 

+ 

Lithodomus   spatulatus.  Reuss. 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

c.  c. 

Lithodomus  cf.  rostratus.  D'Orb. 

+ 

l 

+ 

*)  Craie  chlorité  des  grěs  inferieur  turonien  in  Frankreich. 


30 


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Iserschichten 

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Koryca 

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Malnit 

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Plá 

Trigon 

Bryozc 

Teplit; 

Gastrochaena  amphisbaena  Gein. 

— 

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— 

+ 

+ 

— 

— 

Gosau. 

Leguminaria  Petersi?  Beuss. 

— 

+ 

— 

+ 

— 

— 

Gosau. 

Modiola  capitata.  zitt. 

— 

4- 

+ 

— 

+ 

— 

— 

Gosau 

Modiola  typica.  Forb.      .    .  . 

+ 

+ 

— 

Pseudomya  anomioides.  Fr. 

+ 

— 

Pholadomya  aequivalvis.  D'Orb. 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

— 

Pholadomya  nodulifera.  Munst.  . 

+ 

+ 

— 

Pholadomya  perlonga.  Fr. 

— 

— 

+ 

— 

— 

+ 

— 

— 

Panopaea  gurgitis.  Brongn. 

— 

+ 

+ 

— 

+ 

+ 

— 

+ 

Panonaca  rnandibiila  an 

jl  íajx±\j  fj\Áj\jiM    j  j  j  tiiiv.il  u  lim  •    kju Laj •    o  f) .  • 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 

— 

— 

Panopaea  Ewaldi?  Beuss. 

— 

— 

+ 

— 

— 

— 

Tellina  semicostata.  Gein. 

+ 

— 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

— 

— 

Tellina  conccntrica  tipu*? 

X  VJllllltV     v l/llvvll  ti  J.VjLv«     ilCítuo.          «  • 

Venus  sp. 

Cytherea  cf.  polymorpha.  zut. 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

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— 
— 

— 

— 
— 

— 

— 

— 
— 

+ 
+ 

— 

+ 

— 
— 

Gosau. 

4vicula  anomala  Kmn 

-*-JL  »  1VU1UJ      t-VJLA  V/lll  LAJ  ICA)  •      kJU  IAJ  •                •            •  • 

— 

+ 
+ 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

— 

Gervillia  solenoides.  Defr. 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

— 

+ 

Gosau. 

Perná  subspatulata.  Beuss. 

— 

— 

— 

— 

+ 
+ 

— 

— 

Inoceramus  Brongniarti 

— 

+ 

+ 

— 

+ 

+ 

+ 

— 

+ 

— 

— 

Lima  cf  Duniniana  iVGrh 

U11UUI       VI  •            '  tl  I.MUllllltl,         1  J    \J  §  (/.       •  • 

— 

— 



— 

— 

+ 

+ 

4- 

— 

Neocom. 

Lima,  semisulca,ta  7W/« 

U1111CV      YJ  V1H1U  W. J-WCAi  yJÍAjé     XY  1 1 0  •          •           •  • 

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— 

Lima  elongata.  £W 

— 

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— 

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+ 

Lima  multicostata.  Gein. 

— 

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+ 
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+ 

+ 

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— 

Lima  pseudocardium.  Beuss. 

— 

+ 

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+ 

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— 

Lima  iserica.  Fr. 

— 

— 



— 

? 

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— 

Lima  aspera.  Mant  

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— 

— 

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— 

— 

+ 

+ 

Lima  dichotoma  fípnoo 

-1— i  1  lil  W     uiviiv  Uviiiiv*     JLtCWoO*         •          *  • 

— 

1 

Lima  Sowerbyi.  Gein. 

+ 

+ 

+ 

+ 

Pecten  Nilssoni.  Goldf.    .    .  . 

+ 

+ 

+ 

Pecten  laevis.  NUs  

+ 

+ 

+ 

+ 

Pecten  curvatus.  Gein. 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Pecten  Dujardinii.  Bdm.  . 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Pecten  serratus.  NUs. 

+ 

+ 

Pecten  acuminatus  Gpin 

_L        \J  VJ  Vy  JJ       ILV,'  llllJllltilttkJt       \JJ  KjLI  V  •               •  • 

+ 

Vola  quinquecostata.  Sow.  sp.  • 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Spondylus  hystrix.  Goldf.    .  . 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Exogyra  lateralis.  mis.  .    .  . 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

Sen.  inf. 

Exogyra  laciniata.  B'Orb.  sp. 

+ 

+ 

Exogyra  Matheroniana.  z>'Oď.  . 

+ 

+ 

+ 

Gosau. 

Ostrea  diluviana.  iArmě  .    .  . 

+ 

Ostrea  frons.  Park  

+ 

81 


d 

o 

cd 

a 

CD 
-ta 

Iserscjiichten 

cd 

Korycaner  Schi< 

Weissenberg 
Schichten 

Malnitzer  Schic 

Byšicer  Ueber- 
gangs-Sch. 

Zwischen- 
Pláner 

Trigonia-Sch. 

Bryozoen-Sch. 

Teplitzer  Schic 

Ostrea  semiplaiia.  Sow.    .    .  . 
Ostrea  hippopodium.  Nils.  . 
Anomia  subtruncata.  B'Orb. 
Anomia  semiglobosa.  Gein.  .  . 
Anomia  subradiata.  Revss.    .  . 

Anomia  sp  

Anomia  imitans  

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

+++ l l li 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

_ 
— 



+ 

Brachiopoda. 

Magas  Geinitzii  

Rhynchonella  plicatilis.  Sow.  . 
Rhynchonella  Cuvieri     .    .  . 
Rhynchonella  Mantelliana.  Sow. 

+ 

+ 

— 

+ 
+ 

— 

+ 

— 

+ 
+ 

— 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

Bryozoa. 

Hippothoa  labiata.  Nov.  .    .  . 
Biflustra  Pražáki.  Nov.    .    .  . 
Diastopora  acupunctata.  Nov.  . 
Proboscina  Bohemica.  Nov.  .  . 
ProhosHiift  Siipssí  Wnn 
Entalophora  Geinitzii.  Beuss.  . 
líntalonhora  rarioora  n^Orh 
Spiripora  verticillata.  Goldf. 
Truncatula  tenuis.  Nov. 
Heteropora  magniíica.  Nov.  .  . 
Petalophora  seriata.  Nov.     .  . 
Osculipora  plebeia.  Nov.      .  . 

+ i + i + i l+l 1 ++ 

+ 

+ 

— 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

+ 

+ 

— 
— 

- 

Crustacea. 

+ 
+ 

Callianassa  antiqua  .... 

+ 
+ 
+ 

+ 

Vermes. 

Serpula  socialis.  Goldf.    »    •  • 
Serpula  ampulacea.  Soiv.     .  . 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

G 


82 


CÍ 

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1 

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Iserschichten 

a 

O) 
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Korycaner  Schi< 

Weissenberg 
Schichten 

Malnitzer  Schic 

Byšicer  Ueber- 
gangs-Sch. 

Zwischen- 
Pláner 

Trigonia-Sch. 

Bryozoen-Sch. 

Teplitzer  Schic 

Serpula  macropus.  Sow.   .    •  • 
Serpula  gordialis.  Goldf.  .    .  . 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

Echinodermata. 

Antedon  sp.  (Glenotremites)  . 
Cidaris  cf.  Vendocinensis.  Ag. 
Cidaris  subvesiculosa.  jyorh.  . 
Cyphosoma  radiatum.  Sorignet.  . 

Holectypus  Turonensis.  Desor.  . 
Cardiaster  ananchytis.  D'Orb.  . 
Holaster  elongatus.  Nov.     .  . 
Micraster  Michelini.  Ag.     .  . 
Heraiaster  plebeius.  Nov.    »  . 
Catopygus  Pražáki.  Nov. 
Catopygus  albensis.  Gein.    .  . 
Catopygus  fastigatus.  Nov.  .  . 
Nucleolites  bohemicus. 
Caratomus  Laubei.  Nov.      •  . 
Stellaster  (Asterias)  tuberculi- 

+ 
— 

— 
— 

1 l  i l 1 1 1 l 1 II 1  1 

— 
— 

l    ll  +  ll  1  l  l  +  l  li  1  1  l  1 

+  I+++I++I+I I+++++ 

+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

— 

— 

Coelenterata. 

Micrabatia  cf.  coronula  .    .  . 
Plocoscyphia  labyrinthica.  Reuss 

Ventrículites  angustatus.  Rom.  . 
Ventriculites  radiatus.  Jifawí.  • 
Vioa  Exogyrarum.  Fr.     .    .  • 
Vioa  catenata.  Fr.  .... 

Spongites  saxonicus.  Gein.  .  • 

— 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

+1 1 l+l 1 1+ 

+ 

Foraminifera. 

Flabelliua  elliptica.  Níiss.    •  - 
Cristellaria  rotulata.  Lam.    •  • 

+ 
+ 

+ 
+ 

_ 

— 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

83 


chtěn  1 

u 

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Iserschichten 

;hten 

Korycaner  Schi 

Weissenberg 
Schichten 

Malnitzer  Schi( 

Byšicer  Ueber- 
gangs-Sch.  | 

Zwischen- 
Pláner 

|  Trigonia-Sch. 

Bryozoen-Sch. 

Teplitzer  Schic 

Plantae  ? 

Fucoides  funiformis.  Fr.     .  . 
Fucoides  columnaris.  Fr.     .  . 
Fucoides  cauliformis.  Fr.     .  . 
Fucoides  strangulatus.  Fr.  .  . 

+  1  +  1 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 

— 

175  Arten 

33 

57 

61 

17 

34 

150 

„í  i 

81 

37 

Von  den  175  Arten,  welche  bisher  in  den  Iserschichten  vorgefunden  wurden, 
kommen  bloss  33  in  den  cenomanen  Korycaner  Schichten  vor  und  dies  sind  meist 
solche,  welche  in  ailen  Lagen  unserer  Kreideformation  auftreten.  Aus  den  Weissen- 
berger  und  Malnitzer  Schichten  geht  nur  etwa  ein  Drittel  der  Arten  in  die  Iser- 
schichten liber. 

Die  jungeren  Teplitzer  Schichten  weisen,  so  weit  man  es  vor  der  eingehenden 
Bearbeitung  derselben  bestimmen  kann,  bloss  37  Arten  auf,  die  in  den  Iserschichten 
vorkommen. 

Daraus  geht  zur  Genuge  hervor,  dass  die  Iserschichten  einen  selbststandigen 
palaeontologischen  Charakter  haben  und  es  verdienen.  als  ein  besonderes  Glied 
in  unserer  Schichtenfolge  hervorgehoben  zu  werden. 


84 


III.  Kritisches  Verzeichniss  der  in  den  Iserschichten  vor- 
kommenden  Versteinerungen. 

In  Beziehung  auf  die  Regeln,  uach  welcheu  ich  dieses  Verzeichniss  zusammen- 
gestellt  habe,  verweise  ich  auf  das,  was  ich  in  der  Einleitung  zu  einem  áhnlichen 
Verzeichnisse  der  Versteinerungen  der  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten 
(pag.  95)  gesagt  habe. 

Auch  hier  ist  die  Bestimmung  zum  Theil  noch  von  provisorischem  Charakter, 
denn  die  definitivě  Schichtung  des  Materiales  kann  nur  in  Monographien  durch- 
gefiihrt  werden,  welche  die  einzelnen  Petrefactengruppen  durch  alle  Schichten 
unserer  Kreideformation  verfolgen. 

Ausser  den  bereits  bestehendeu  Monographien  iiber  Reptilien,  Fische,  Cephalo- 
poden  und  Bryozoen  sind  mehrere  weitere  in  Vorbereitung.  Dr.  Ot.  Novák  voll- 
endete  soeben  eine  Arbeit  iiber  die  irreguláren  Echinodermen,  auf  welche  ich  mich 
in  Nachstehendem  berufen  werde,  da  ihr  Erscheinen  binnen  Kurzem  zu  erwarten  ist.  *) 
Zu  einer  Monographie  der  Crustaceen,  die  ich  vorbereite,  sind  die  meisten  Tafeln 
bereits  lithographirt.  Ausserdem  arbeiten  in  den  Laboratorien  des  Museums  mehrere 
jungere  Kráfte  an  den  Gastropoden,  Bivalven  und  Spongien. 

Wenn  auch  áhnliche  Arbeiten  vielleicht  in  der  Zukunft  manchen  von  mir 
jetzt  gebrauchten  Namen  ándern  werden,  so  konnte  ich  mit  der  Veróffentlichung 
nachstehender  Uebersicht  nicht  lánger  zogern. 

Manche  Bestimmungen  erweisen  sich  auch  aus  dem  Grunde  unsicher,  weil 
der  Erhaltungszustand  der  Exempláre  ein  sehr  mangelhafter  ist.  Dies  ist  nament- 
lich  bei  den  Pelecypoden  (Bivalven)  der  Fall,  wo  nur  in  seltenen  Fállen  die  Schalen- 
oberflache  und  das  Schloss  wahrzunehmen  ist.  Sehr  oft  blieb  nur  der  Steinkern 
das  einzige  Substrát  der  Bestimmung.  Es  ist  dies  am  meisten  bei  den  Arten  zu 
bedauern,  welche  in  ihrer  Gesammterscheinung  sehr  an  Gosauarten  erinnern,  aber 
aus  dem  Grunde,  weil  wir  nur  Steinkerne  haben,  keine  sichere  Bestimmung  zu- 
lassen. 

Es  móge  daher  das  Gebotene  nicht  zu  streng  beurtheilt  und  wohlwollend 
aufgenommen  werden. 

Bei  Arten,  welche  auch  in  den  Weissenberger  oder  Malnitzer  Schichten  vor- 
kommen,  werde  ich  bloss  die  in  meiner  letzten  Arbeit**)  gegebenen  Abbilduugen 
citiren  und  zwar  mit  „W.  Sch."  Nur  in  Fállen,  wo  die  Exempláre  aus  den  Iser- 
schichten stark  abweichen,  gebe  ich  neue  Abbildung  derselben.  Die  Abbildungen 
sind  diesmal  nicht  in  Holzschnitt,  sondern  mittelst  der  Chemigraphie,  welche  sich 


*)  Sitzungsbericht  der  k.  bóhm.  Ges.  der  Wissenschaften,  10.  Nov.  1882. 

**)  Die  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten  1878.  Archiv  fůr  Landesdurchforschung, 
IV.  Band  Nro.  1. 


85 


zuř  Darstellung  der  Petrefacten  viel  besser  eignet,  durobgefůhrt  *),  denn  sie 
gleichen  in  Kreidemanier  verfertigten  Lithographien,  *die  man  bisher  nicht  im 
Buchdruck  zu  verwenden  im  Stande  war. 

.A.  v  e  s. 

Cretornis  Hlaváči  Fr.  (Vesmír,  X.  Jalirgang,  Seite  233.   Sitzungsberichte  der 
k.  bohm.  Gesellschaft  der  Wissenschaften  26.  Nov.  1880.)  —  Fig.  45  a—f. 

Bei  Zářecká  Lhota  unweit  Chotzen  offnete  man  im  Herbste  1880 
unterhalb  des  Teiches,  in  der  Schlucht  gegen  die  Korab-Miihle  hin,  einen 


v  /;■<"/ 


c 

Fig.  45.   Cretornis  Hlaváči,  Fr. 

Steinbruch,  um  Materiále  zu  einem  Strassenbau  zu  gewinnen.  Da  ging  zufállig 
Frau  Tomek  aus  Chotzen  vorbei  und  sah,  dass  die  Arbeiter  etwas  im  Ge- 
steine  besehen  und  bewundern.  Als  sie  wahrnahm,  dass  es  eine  Versteine- 
rung  ist,  so  erbat  sie  sich  ein  Stuckchen,  um  es  Herrn  Apotheker  Hlaváč 
zu  iiberbringen,  da  derselbe  áhnliche  Sachen  sammelt.  Derselbe  erkannte 
die  Wichtigkeit  des  Fundes,  begab  sich  sogleich  an  clen  Fundort  und  sam- 
melte  alles,  was  noch  aufzufinden  war. 


*)  Die  Zeichnungen  wurden  auf  englischem  Kornpapier  (Maclure  et  Macdonald)  von  den 
Herren  L.  Lukáš  und  Langhans  ausgefúhrt  und  von  der  Firma  Angerer  &  Goeschel  in  Wien, 
Ottakringstrasse  33  die  Clichés  angefertigt. 


86 


Die  mir  eingesandteu  Exempláre  sind  rothlich  weisse  im  festen  grauen 
Kalksteine  der  Iserschichten  eingebettete  Knochen,  deren  Splitter  unter 
dem  Mikroskope  die  Knochenstructur  sehr  gut  erhalten  zeigen.  Alle  haben 
sehr  dunne  Wánde  und  demnach  geráumige  Lufthohlen. 


Fig.  45.  Cretornis  Hlaváči,  Fr. 

Der  eine  Knochen  ist  ein  ganzes  Exemplár  eines  Coracoideum  von 
75  mm.  Lánge,  im  Gesammthabitus  etwa  demjenigen  einer  Gans  áhnlich 
(Fig.  45  a,  b). 

Dann  ist  ein  Fragment  des  Oberarmes  (Fig.  45  c),  eine  Ulna  (d,  e),  ein 
Handwurzelknochen  und  zwei  Finger  (Fig.  45  g,  f)  vorhanden.  Eine  ein- 
gehende  Bearbeitung  dieser  Vogelreste  wird  vorbereitet. 


87 


IPisces. 

Oxyrhina  Mantelli  Ag.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  7,  Fig.  12). 

Die  Haifische  sind  in  den  Iserschichten  uberhaupt  áusserst  selten  und 
ich  erhielt  bloss  ein  Exemplár  von  bedeutender  Grosse  aus  der  Gegend 
von  Jungbunzlau  und  ein  etwas  kleineres  Exemplár  befindet  sich  in  der 
Schulsammlung  in  Chotzen  aus  dem  grauen  Kalke  der  „Báčova  skála" 
daselbst. 

Oxyrhina  angustidens  Reuss.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  8,  Fig.  13). 

In  den  glauconitiscben  murben  Lagen  der  Trigoniaschichten  am  Fried- 
hofe  bei  Chotzen.  Sehr  selten  in  den  Bryozoenschichten  von  Živonín. 


Fig.  46.  Otodus  semiplicatus,  Miinst.   Nat.  Grosse. 


Otodus  semiplicatus  Munster  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  7,  Fig.  10).  —  Figur 
Nro.  46. 

Das  prachtvolle  abgebildete  Exemplár  erhielt  unser  Museum  vom  Herrn 
Pfarrer  Plachta  aus  Svijan  bei  Munchengrátz. 

Es  scheint  aus  dem  rostigen  Quacler  der  Iserschichten  zu  stammen, 
doch  ist  der  Horizont,  aus  dem  es  stammt,  nicht  ganz  sichergestellt. 

Dass  diese  Art  sicher  clen  Iserschichten  angehort,  beweist  ein  zweites 
Exemplár,  welches  in  den  kalkigen  Trigoniaschichten  im  Steinbruche  „Báčův 
lom"  bei  Chotzen  gefunden  wurde.  Dasselbe  befindet  sich  in  der  Sammlung 
des  Herrn  Fr.  Hlaváč,  Apoťhekers  in  Chotzen. 
Otodus  appendiculatus  Ag.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  5,  Fig.  5). 

Kleine  Exempláre  dieser  in  unserer  Kreideformation  sehr  verbreiteten 
Art  fanděn  sich  in  den  Iserschichten  bei  Zamost,  Rohosec  unci  Blatec  (Ro- 
vensko)  in  der  gewohnlichen  Grosse  von  10 — 12  mm.  vor. 
La  mna  raphiodon  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  10,  Fig.  17). 

Sehr  selten  in  den  Trigoniaschichten  bei  Chotzen. 
Lamna  subulata  Ag.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  Seite  9,  Fig.  15). 

Selten  in  den  glauconitischen  Schichten  beim  Friedhofe  in  Chotzen. 
Corax  heterodon  Reuss.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  11,  Fig.  23,  24). 

Ein  kleiner,  glánzend  schwarzer  Zahn  der  normalen  Form,  ohne  clen 
Seitenlappen,  wurde  im  Steinbruche  bei  Čejtic  (Bahnhof  Jung-Bunzlau)  iu 
den  hóchsten  Lagen  der  Iserschichten,  welche  wahrscheinlich  clen  Bryozoen- 


88 


schichten  von  Kauiua  entsprechen,  gefunden.    Einige  grosse  Exempláre 
stammen  aus  den  glauconitischen  miirben  Plánem  der  Trigoniaschichten 
beim  Friedhofe  in  Chotzen. 
Pycnodus  scrobiculatus  Reuss.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  22,  Taf.  2  Fig.  7). 

Das  grósste  aller  bisher  in  der  bohm.  Kreideformation  aufgefundenen 
Exempláre  stammt  aus  einem  in  den  Iserschichten  geoffneten  Steinbruche 
bei  Míinchengrátz  a.  d.  Iser. 

Es  ist  von  schwarzer  Farbe,  12  mm.  breit  und  die  charakteristischen 
Punkte  an  der  Oberfláche  sind  gut  wahrzunehmen. 

Ein  Schneidezahn  von  6  mm.  Lánge,  hellbraun,  riihrt  aus  den  Trigonia- 
schichten von  Čejtic  bei  Jungbunzlau  her.  Wahrscheinlich  gehoren  zu  der- 
selben  Art  die  Skelettreste  sowie  die  Schuppen,  welche  ich  in  den  Fisch- 
knollen  „v  Dolečkách"  bei  Leitomischel  gefunden  habe. 


Fig.  47.  Halec  Sternbergii,  Ag.  von  Jung-Koldín,  etwa  73  nat.  Grosse. 

Osmeroides  Lewesiensis  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  32,  Fig.  55). 

Normále  Schuppen  dieser  Art  wurden  bei  Jungbunzlau,  Choroušek  und 
Knižnic  gefunden.  Auch  trifft  man  sie  massenhaft  auf  clen  Fischschuppen- 
knollen,  welche  in  den  Byšicer  Uebergangsschichten  auftreten,  Vrutic, 
Řepín  etc. 

Osmeroides  Vinarensis  n.  sp. 

Von  der  Gattung  Osmeroides  wurden  in  der  jungsten  Zeit  mehrere 
ganze  Exempláre  in  der  Gegend  von  Chotzen  und  Vinař  bei  Hohenmauth 
gefunden,  es  wird  aber  erst  eine  sorgsame  Untersuchung  derselben  voran- 
gehen  miissen,  bevor  man  wird  entscheiden  konnen,  ob  es  andere  Arten 
als  Lewesiensis  sind.  Nach  den  Schuppen  zu  urtheilen  ist  es  eine  neue  Art 
und  ich  will  sie  vorderhand  als  O.  Vinarensis  bezeichnen. 

Cyclolepis  Agassizi  Gein.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  34,  Fig.  59). 

Die  zarten,  glánzenden,  meist  goldbraunen  Schuppen  trifft  man  als  Be- 
standtheile  der  Fischschuppenknollen  der  Byšicer  Uebergangsschichten  bei 


89 


Vrutic,  Sušno  etc.  an;  auch  in  den  tiefsten  Trigoniaschichten  von  Dolanek 

bei  Turnau  habe  ich  sie  gefunden. 
Halec  Sternbergii  Ag.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  37,  Taf.  9).  —  Fig.  47. 

Das  von  Agassiz  Reuss  und  mir  abgebildete  Exemplár,  dessen  photo- 

graphisch  verkleinerte  Figur  ich  hier  beifiige,  wurde  in  den  Iserschichten 

bei  Jung-Koldín,  nordlich  von  Chotzen,  gefunden.   In  neuerer  Zeit  erhielt 

ich  áhnliche  Reste  aus  den  Steinbriichen  bei  Vinař  unweit  Hohenmauth. 

Auch  hier  stammen  sie  aus  den  tieferen  Lagen  der  Iserschichten. 
Beryx  oruatus  Ag.  (Fr.  Rept.  und  Fische,  pag.  43,  Taf.  5,  Fig.  2,  3).  —  Text- 

figur  Nro.  48. 

Ruhrt  aus  den  grauen  Knollen  der  Byšicer  Uebergangsschichten  in 
Benátek  an  der  Iser  her  und  zwar  aus  der  Berglehne  hinter  der  „Obodř" 
genannten  Háusergruppe. 


Fig.  48.  Beryx  ornatus,  Ag.  Fast  ganzes  Exemplár  aus  den  Fischknollen  in  Benátek. 

V3  nat.  Grosse. 

Lepidenteron  sp. 

Unter  diesem  Namen  fuhre  ich  hier  lángliche  Wiilste  an,  die  an  der 
Oberfláche  áhnlich  wie  das  L.  longissimum  mit  zahlreichen  Fischschuppen 
verschiedener  Gattungen  bedeckt  sind  (Osmeroides  Cyclolepis  etc).  Man 
findet  sie  nieist  horizontál  liegen.  Aehnliche  Anháufungen  von  Fischschuppen 
fand  ich  auch  in  senkrecht  stehenden  grossen  Knollen  und  zwar  senkrecht 
zwei  nebeneinander  aufgestellt,  wodurch  die  Fraglichkeit  ihrer  Nátur  noch 
grosser  wird.  Diese  Fischschuppenwulste  halten  einen  gewissen  Horizont 
in  den  Byšicer  Uebergangsschichten,  kommen  aber  einzeln  auch  anderwárts 
in  den  hoheren  Iserschichten  vor. 

Cephalopoda. 

Belemnites  sp.  —  Fig.  49. 

Das  kleine  Fragment  aus  den  Bryozoenschichten  von  Vtelno  wurde  von 
Herrn  J.  Pražák  gefunden  und  ist  der  einzige  Rest,  den  wir  von  dieser 
wichtigen  Gattung  aus  den  Iserschichten  besitzen.  Die  mangelhafte  Erhal- 


4 


90 


tung  erlaubt  keiue,  auch  nicht  eine  annáherungsweise  Bestimmung  und  ich 
beschránke  mich  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  die  Oberfláche  ganz 
áhnlich  wie  bei  Belemnitella  quadrata  gekórnt  ist  und  dass  die  Achse  etwas 
aus  dem  Centrum  gerúckt  ist.  Von  der  Furchung  und  den  Aderungen,  welche 
fur  die  genannte  Art  charakteristich  sind,  sind  keine  Andeutungen  vorhanden. 
Nautilus  sublaevigatus  ďOrb.  (Fr.  et  Sch.  Cephalop.  pag.  21,  Taf.  12,  Fig.  1). 

Exempláre  dieser  Art  kommen  in  Gesellschaft  des  Ammonites  peram- 
plus  in  den  tiefsten  Lagen  der  Iserschichten  in  der  Umgebung  von  Jung- 
bunzlau  vor,  sind  aber  sehr  schwer  von  den  jungen  des  Nautilus  Galea  zu 
unterscheiden,  welcher  in  denselben  Scbichten  vorkommt.  Wir  besitzen 
auch  Exempláre  aus  den  hóheren  Lagen  von  Libichov  bei  Jungbunzlau, 
Choroušek,  Živonín,  Vtelno  und  Chotzen. 


Fig.  49.  Belemnites  sp.  Aus  den  Fig.  50.  Nautilus  rugatus,  Fr.  et  Schl. 

Bryo-zoen-Schichten  von  Vtelno.  Aus  den  tieferen  Trigoniaschichten  von 
a  Nat.  Grosse,   b  Ein  Stuckchen  Choroušek.    1/s  nat.  Grosse, 

der  Oberfláche  vergróssert. 

Nautilus  rugatus  Fr.  et  Schl.  (Cephalop.  der  b.  Kreideform.  pag.  23,  Taf.  12,  15). 
Figur  Nro.  50. 

Diesen  durch  grobe  wulstige  Radialrippen  ausgezeichneten  Nautilus  lie- 
ferten  die  Iserschichten  von  Jungbunzlau,  Choroušek,  Řepín,  Leitomischel 
und  Chotzen. 

Bei  Choroušek  tritt  er  bloss  in  den  tieferen  Lagen  (Profil  Nro.  17,  1)  auf. 
Nautilus  galea  Fr.  et  Schl.  (Cephal.  der  b.  Kreideform.  pag.  23,  Taf.  12,  15). 
Fig.  51. 

Dieser  riesige  Nautilus  wurde  in  2  Exemplaren  in  den  tiefsten  Lagen  der 
eigentlichen  Iserschichten  (Profil  Fig.  22,  1)  beim  Bau  der  Kralup-Turnauer 
Eisenbahn  unweit  Zamost  gefunden.  Spáter  erhielt  unser  Museum  ein  drittes 
Exemplár  vom  Prinzen  Alexander  Taxis,  das  in  Bezděční  bei  Jungbunzlau  ge- 
funden wurde.  Auch  aus  der  Gegend  von  Chotzen  besitzt  ihn  Herr  F.  Hlaváč. 
Ammonites  conciliatus  Stol.  (Fr.  et  Schl.  Cephalop.  pag.  35,  Taf.  7,  Fig.  1,  2). 
Fig.  52. 

Das  abgebildete  Exemplár  stammt  aus  den  Iserschichten  zwischen  Bohm.- 
Trubau  und  Wildenschwert.  Neuester  Zeit  wurde  auch  ein  doppelt  so  grosser 


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Ammonit  bei  Cuclau,  nordlich  von  Braudeis  an  der  Adler,  gefunden  uud 
von  Herrn  Fr.  Hlaváč  unserem  Museum  geschenkt. 

Es  ist  etwas  weniger  als  die  linke  Hálfte  des  in  der  Siphonalfláche 
gespaltenen  Exemplares  vorhanden  und  da  die  Anfangswindungen,  an  denen 


a  b 

Fig.  51.  Nautilus  galea,  Fr.  et  Schl.   Aus  den  tieferen  Trigoniaschichten  bei  Jungbunzlau. 
a  Seitenan šicht  Ve  nat.  Gr.    b  Querschnitt  der  Wohnkammer. 

die  Knotenreihen  deutlich  erhalten  zu  sein  pflegen,  verdeckt  sind,  so  ist 
die  Bestimmung  noch  nicht  ganz  sicher.    Diese  Art  scheint  den  Amm. 
Woolgari  der  Weissenberger  und  Malnitzer  Schichten  zu  vertreten. 
Ammonites  peramplus  Mant.  (Fr.  et  Schl.  Cephal.  pag.  38,  Taf.  8,  Fig.  1—4). 

Kommt  in  riesigen  Exemplaren  in  den  tieferen  Lagen  der  Trigonia- 
schichten vor,  wie  z.  B.  im  Kottlerische